Museum Aargau

Entdeckungstour

An diesen Museumsstandorten könnt ihr 2026 auf Entdeckungstour gehen: Schloss Lenzburg Schloss Hallwyl Schloss Habsburg Schloss Wildegg Klosterhalbinsel Wettingen Jetzt teilnehmen Lösungswort 1 * Lösungswort 2 * Lösungswort 3 * Persönliche Angaben Vorname * Nachname * E-Mail Adresse * Adresse * PLZ * Ort * Ich möchte den E-Mail-Newsletter abonnieren für: Erwachsene (1x monatlich) Familien (3x jährlich) Lehrpersonen (3x jährlich) Ich möchte Infos per Post: Veranstaltungsmagazin (3x jährlich) Familienmagazin CHUMM (2x jährlich) Schulklassenprogramm (2x jährlich) Gruppenprogramm (1x jährlich) Absenden Preis und Teilnahmebedingungen Preis: Exklusive Taschenlampenführung Löst an drei Standorten von Museum Aargau die Entdeckungstour und gewinnt eine exklusive Taschenlampenführung durch Schloss Lenzburg (Datum: 20. November 2026) Dieser Preis wird unter allen Teilnehmenden zwölfmal verlost (Datum der Verlosungen: 1. Juli und 2. November 2026) Teilnahmebedingungen Die Verlosung wird duch Museum Aargau durchgeführt. Teilnahmeschluss der zwei Verlosungen: 30. Juni 2026 und 1. November 2026 Die Gewinnerinnen oder Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Teilnahmeberechtigt sind alle handlungsfähigen Personen, ausgenommen Mitarbeitende von Museum Aargau sowie deren Angehörige. Die von Ihnen angegebenen Daten werden ausschliesslich in Zusammenhang mit diesem Wettbewerb verwendet, anschliessend gelöscht und nicht an Dritte weitergegeben. Keine Barauszahlung der Preise. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 
Museum Aargau

Julie von Effinger – Engagierte Wohltäterin und Schlossverwalterin

Zurück zum Blog 02. März 2026 Kategorien 20./21. Jh. Neuzeit Schlossgeschichten Julie von Effinger war die letzte Besitzerin von Schloss Wildegg. Als unverheiratete Frau entwickelte sie sich zu einer grossen Wohltäterin, verwaltete das Schloss und schrieb gemeinsam mit ihrer Gesellschafterin eine Chronik der Familie. Geboren wurde Julie als Pauline Adelheid Julia von Effinger am 28. Mai 1837 in Bern. Ihre Eltern waren Rudolf Effinger von Wildegg und Juliette von May von Schöftland. Als Tochter eines alten Patriziergeschlechts wurden Julie und ihre ältere Schwester Julia Sophie Pauline durch Hauslehrerinnen erzogen und gebildet. Den letzten Schliff ihrer Erziehung erhielten die Schwestern bei einem zweijährigen Pensions-Aufenthalt in Genf. Eine selbstbewusste und unverheiratete Frau Julie blieb ihr Leben lang unverheiratet. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Dass eine Ehe, die wenigen Freiheiten, die Frauen Ende 19. Jahrhundert zugestandenen wurden, noch mehr einschränkte, dürfte sie in ihrem Umfeld miterlebt haben. Ob auch ihre Gotte, die Frauenrechtlerin Julie von May von Rued, Einfluss auf sie hatte, ist unklar. Zwar blieb Julie unverheiratet, aber sie war nicht einsam. Wie andere Frauen der oberen Schicht engagierte sie eine Gesellschafterin. Während 31 Jahren lebte und arbeitete Pauline von Peyer aus Schaffhausen (1851-1943) an ihrer Seite. Zwischen den beiden entwickelten sich eine enge Freundschaft. In ihrem Testament sicherte Julie ihr ein lebenslanges Wohnrecht auf Schloss Wildegg zu sowie eine monatliche Rente. Glaube & karitatives Engagement Einen tiefen Eindruck hinterliess bei Julie von Effinger die Begegnung mit dem Erweckungsprediger Samuel Hebich, einem Missionar der Basler Mission, im Jahr 1860. Inspiriert vom Glauben fand Julie – wie viele anderen Frauen aus den oberen Gesellschaftsschichten auch – im Kontext der Erweckungsbewegung eine Möglichkeit sich sozial-karitativ zu engagieren: Auf Schloss Wildegg eröffnete sie eine Sonntagsschule, an der sie und Pauline von Peyer Unterricht erteilten. Sie leiteten einen Jungfrauenverein und besuchte Alte und Kranke. Zudem organisierte Julie im Schloss eine Weihnachtsfeier, zu der die Kinder der Umgebung eingeladen wurden. Kampf gegen den Alkoholismus Ausserdem engagierte sich Julie für die Bekämpfung der Trunksucht. Dabei war sie selber keine Abstinenzlerin und auch ihren Gästen liess sie Wein ausschenken. Im Verzicht auf Alkohol sah die sogenannte Abstinenzbewegung nicht nur die Heilung von Trinkern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Sittlichkeit. Der übermässige Alkoholkonsum war vor allem in Folge der Industrialisierung zu einem gesellschaftlichen Problem unter der Arbeiterschaft geworden. Julie unterstützte das in diesem Kontext gegründete Blaue Kreuz finanziell und gründete 1911 die Effinger-Stiftung auf dem Kernenberg, um "Trunksucht zu steuern" und zur "sozialen Erhebung der Betroffenen beitragen. Noch heute engagiert sich die Von Effinger Stiftung um die Heilung und Resozialisierung suchtkranker Menschen. Ein Ölgemälde Damenporträt von Pauline Adelheid Julia "Julie" von Effinger aus dem 20. Jahrhundert. Schlossherrin & Nachlassverwalterin Neben ihrem karitativen Engagement unterstützte sie ihren Vater bei der Verwaltung der Schlossdomäne, die sie zusammen mit ihrer Schwester erbte. Sie galt als gute, aber auch strenge Schlossherrin, die manchmal auch mal mit dem Fernglas prüfte, ob die Gärtner zu lange Pausen einlegten. Die Schlossdomäne vermachte sie nach ihrem Tod der Schweizerischen Eidgenossenschaft. 1917 wurde das Schloss als Teil des Nationalmuseums für die Öffentlichkeit zugänglich. Seit 2011 ist das Schloss Wildegg Teil von Museum Aargau. Gemeinsam mit Pauline von Peyer trug Julie die Geschichten der Familie von Effinger zusammen und veröffentlichte sie als "Chronik der Burg Wildegg von 1584 bis 1684". Zudem verwaltete sie das Familienarchiv und bestimmte dabei, was die Nachwelt über sie erfahren soll. Ihr Leben lang schrieb Julie Tagebuch und stand im regelmässigen Austausch mit einem weiten Freundes- und Bekanntenkreis. Diese Briefe liegen im Staatsarchiv Aargau und geben einen spannenden Einblick in ihr Leben. Die Briefe zu transkribieren und der Öffentlichkeit digital zugänglich zu machen, hat sich aktuell eine Gruppe von Freiwilligen vom Museum Aargau und Bibliothek & Archiv zum Ziel gesetzt. Die Schlossdomäne Wildegg umfasst rund 93 Hektare mit 37 Gebäuden. Weitere Blogbeiträge 03. März 2025 Vom Adelssitz zum Museum: Schloss Hallwyl und Wilhelminas Vermächtnis Dass Schloss Hallwyl archäologisch erforscht und für die Öffentlichkeit zugänglich ist, verdanken wir Wilhelmina. Doch wer war diese Frau?… 23. Juni 2025 Weinbau im Wandel: Geschichte des Rebbergs von Schloss Wildegg Der Rebberg von Schloss Wildegg war über 400 Jahre im Besitz der Familie Effinger. Wie funktionierte der Weinbau im 17. und 18. Jahrhundert?… 03. August 2022 Von Weisheiten und Empfehlungen - Was die Inschriften auf Schloss Wildegg uns verraten Inschriften aus vergangenen Zeiten mögen faszinieren, erstaunen, aber auch erschaudern. Auch auf Schloss Wildegg treffen wir auf so manche… Von Dorothee Rempfer Von Dorothee Rempfer Dorothee Rempfer ist Historikerin und Leiterin Bildung & Vermittlung im Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Neuzeit Schlossgeschichten Kommentare

 
Museum Aargau

Feste feiern! Highlights 2026

VORTRAGSREIHE "FESTZEITEN!" Schloss Hallwyl: Bürgerliche und gemeinschaftliche Feste 17. September 2026 Klosterhalbinsel Wettingen: Religiöse Feste und Bräuche 8. Oktober 2026 ZUM GENIESSEN 20. September 2026 Schloss Lenzburg: Kochen wie im Mittelalter Kochen und Schlemmen nach mittelalterlichen Rezepten ERZÄHLCAFÉ Erzählcafé auf Schloss Hallwyl 31. Oktober 2026 Impressionen

 
Museum Aargau

Schlösser-Quiz: Gewinnen Sie ein Essen auf Schloss Habsburg

Erkennen Sie dieses Badezimmer? Das Badezimmer von Julie von Effinger auf Schloss Wildegg Das Badezimmer von Lady Mildred auf Schloss Lenzburg Das Badezimmer von Franziska Romana auf Schloss Hallwyl Die WC des Schlossrestaurants Habsburg Welches Schloss besuchte Kaiser Friedrich I. Barbarossa um den 20. Februar 1173? Schloss Hallwyl Schloss Habsburg Schloss Lenzburg Schloss Wildegg Was war für die Familie Effinger auf Schloss Wildegg lange Zeit die wichtigste Einnahmequelle? Weinverkauf Zucht und Verkauf von Tulpen Verkauf von Ziegenkäse Produktion von Holz und Kohle Bei Ausgrabungen in der mittelalterlichen Latrine von Schloss Habsburg wurden zahlreiche Tierknochen gefunden. Welche Tierart wurde am meisten gegessen? Huhn Wild Ziege Schwein Rind Welche Art von Buch schrieb Burkhard III. von Hallwyl um 1580 auf seinem Schloss? Einen Bericht über seine Reise in die Karibik Ein Arzneibuch mit fast 3000 Rezepten Den ersten Kriminalroman der Geschichte mit dem Titel "Die Brautfahrt am Hallwilersee" Ein Traktat über die Fische und die Fischerei im Hallwilersee Preis 5-mal einen Gutschein im Wert von 200 Franken für das Schlossrestaurant Habsburg Teilnahmebedingungen Die Verlosung wird durch Museum Aargau durchgeführt. Teilnahmeschluss: 1. November 2026 Die Gewinnerinnen oder Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Teilnahmeberechtigt sind alle handlungsfähigen Personen, ausgenommen Mitarbeitende von Museum Aargau sowie deren Angehörige. Keine Barauszahlung der Preise. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. AARGAUER SCHLÖSSER Ritter- und Drachenschloss Schloss Lenzburg Kultur- und Naturerlebnis Schloss Hallwyl Stammschloss der Habsburger Schloss Habsburg Barockes Schloss- und Gartenerlebnis Schloss Wildegg

 
Museum Aargau

Kinderclub

ALTERSSTUFE WÄHLEN Erlebnisnachmittage für Schlossmäuse 4 bis 7 Jahre – Schloss Wildegg Erlebnisnachmittage für Burgfalken 8 bis 11 Jahre – Schloss Wildegg

 
Museum Aargau

Kasperli: Die Kultfigur des Puppentheaters

Zurück zum Blog 13. November 2024 Kategorie Schätze aus der Sammlung Der Kasper, Kasperle oder auch Kasperli begeistert seit Jahrhunderten Jung und Alt. Er ist der Held des Puppentheaters und ein fester Bestandteil der Volkskultur. Doch was steckt hinter dieser kultigen Figur? Eine Kasperfigur aus einem Puppentheater mit typischer roter Mütze und karierter Kleidung. © Pixabay Die Ursprünge der Kasperlefigur Kasperle ist die zentrale Figur des traditionellen Puppentheaters, das seit dem späten 18. Jahrhundert die Menschen im deutschsprachigen Raum begeistert. Die Figur geht vermutlich auf den Hanswurst des Wiener Volkstheaters zurück und hat viele Verwandte in anderen Ländern, wie Mr. Punch in Grossbritannien oder Pulcinella in Italien. Kasperle war stets eine volkstümliche Figur, die sich über Autoritäten lustig macht und die Menschen mit seinen humorvollen Geschichten zum Lachen bringt. Punch and Judy – Punch doctors the Doctor, Artist George Cruickshank, 1870. © Wikimedia Commons Ab dem 19. Jahrhundert wurden auch kleine Kasperlitheater in bürgerlichen Kinderzimmern populär. Der Name "Kasper" ist eine Abwandlung von "Kaspar", welche auf die mittellateinische Form "Casparus" zurückgeht. Dabei handelt es sich um den überlieferten Namen eines der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland. In mittelalterlichen Dreikönigsspielen wurde Kaspar gemäss der kirchlichen Tradition oft als «Mohr» gezeigt und nahm ab dem 15. Jahrhundert zunehmend die Rolle einer spassigen Figur an. Typische Merkmale der Kasperlefigur Das Erscheinungsbild des Kasperles ist sofort erkennbar: Er trägt eine lange, oft rote Zipfelmütze, ein buntes, harlekinartiges Kostüm und hat stets eine Pritsche (einen kleinen Schlagstock) bei sich. Mit dieser Pritsche verprügelt er seine Widersacher – ein Markenzeichen, das dem Komödiengenre "Slapstick" dessen Namen gab. Sein markantes Gesicht mit der auffälligen Nase erinnert an traditionelle Fastnachtsmasken und macht ihn auch maskiert sofort erkennbar. Kasperle, 19. Jahrhundert, Höhe 40 cm, Textilien, Papiermaché, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-492. © Museum Aargau Puppenfigur und Volksheld Historisch betrachtet war das Kaspertheater ein fester Bestandteil der Volkskultur, es fand oft auf Jahrmärkten und anderen öffentlichen Veranstaltungen statt. Dabei war es ursprünglich – und im Gegensatz zu heute – eher für Erwachsene und Jugendliche gedacht, da die Inhalte oft derb und brutal waren. Kasper tritt darin als cleverer Anti-Held auf, der immer wieder mächtige Gegner wie Polizisten, Räuber oder den Tod selbst austrickst und besiegt. Solche Geschichten boten dem Publikum nicht nur Unterhaltung, sondern auch eine Möglichkeit, unterdrückte Aggressionen gegen die Obrigkeit symbolisch auszuleben. Lothar Meggendorfer, Münchener Kasperl-Theater, 1879, Braun & Schneider, München. Handpuppenspieler – Die Menschen hinter den Figuren Handpuppenspieler lebten oft am Rande der Gesellschaft und ihr Alltag war von Armut und Unsicherheit geprägt. Sie waren nicht sehr angesehen und wurden für ihre Kunst häufig verachtet oder sogar verfolgt. Viele von ihnen waren von den Launen der Mächtigen abhängig und wurden für deren politische Zwecke missbraucht.Doch trotz dieser schwierigen Umstände spielten sie für die Menschen eine wichtige Rolle. Als beliebte Form der Unterhaltung bot das Puppentheater den Zuschauerinnen und Zuschauern eine kurze Flucht aus dem Alltag. Der Spieler selbst blieb unsichtbar hinter den Figuren und liess diese den Ruhm ernten. Auch wenn sein Spiel bewundert wurde, haftete ihm oft etwas Gefährliches an, das vor allem wegen der politischen Brisanz bei der Obrigkeit Misstrauen weckte. Les Marionettes, Lithographie von Adolphe Midy (1979–1874) nach einem Gemälde von Hortense Haudebourt-Lescot. © Wikimedia Commons. Dennoch fand das Kaspertheater auch in adeligen Kreisen Anklang. Manchmal führten Mitglieder des Adels im Rahmen höfischer Feste sogar selbst Kasperstücke auf. Das Puppentheater war eine eigene kleine Welt, ähnlich einem Märchen, in der einfache Strukturen und klare Rollen herrschten. Doch unter dieser märchenhaften Oberfläche steckten sehr oft scharfe Satire und Humor, womit die Puppenspieler den Finger in die Wunden der Gesellschaft legten. Hauptfiguren des Kasperlitheaters und Exemplare aus der Sammlung Das Kasperlitheater lebt von charakterstarken Figuren, von denen in der Aufführung jede ihren festen Platz hat. Sie sorgen für Spannung, Komik und Moral in den Geschichten. Im Folgenden werden einige der Hauptfiguren zusammen mit Exemplaren aus der Sammlung Museum Aargau präsentiert. Eine Aufstellung unterschiedlicher Figuren aus dem Kaspertheater. In der Mitte: der Protagonist Kasper © pixabay / mainblick Die «Guten» Kasperle, Seppel (Kaspers treuer Freund, der oft für Ehrlichkeit steht, aber auch manchmal etwas einfältig ist), Gretel (die Stimme der Vernunft), die Grossmutter und die Fee. Alte Frau oder Grossmutter, 19. Jahrhundert, Höhe 43 cm, Textilien, Papiemarché, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr- K-496. © Museum Aargau. Die Grossmutter verkörpert Weisheit, Fürsorge und moralische Stärke. Sie hilft Kasperle und seinen Freunden mit Rat und Unterstützung, wenn diese in Schwierigkeiten geraten. Sierepräsentiert das Gute und Richtige und wird oft von Bösewichten bedroht, was Kasperle dazu motiviert, sie zu retten. Als Symbol für Tradition und Familie bringt sie Ruhe und Schutz in die Geschichten. Die Vertreter von Ordnung und Obrigkeit Prinzessin, Prinz, König und der Wachtmeister. Die «Bösewichte» Hexe, Zauberer, Teufel, Räuber, Türke (oder Türkin) und das Krokodil (anstelle des Drachen). Der Teufel ist eine der bedrohlichsten Figuren, die Kasper und seine Freunde in Versuchung führen möchte: Teufel, 19. Jahrhundert, Höhe 41 cm, Textilien, Papiermaché, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr K-493. © Museum Aargau. Der Räuber oder Dieb sorgt regelmässig für Aufregung im Kaspertheater. Mit seinen Raubzügen verbreitet er Angst und Schrecken. Oft zeigt sich am Ende jedoch, dass er gar nicht so böse ist, wie es zunächst scheint. Trotz seiner Taten wird er schliesslich zu den Festlichkeiten eingeladen und fügt sich in die Gemeinschaft ein. Räuber (?), 19. Jahrhundert, Höhe 41 cm, Textilien, Papiermaché, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr K-459, © Museum Aargau. Der „ Türke “ wurde oft als Vertreter des Fremden und Unbekannten dargestellt, weshalb man ihn in die Kategorie der Bösewichte einordnen kann. Diese Figur konnte als mächtiger Feind oder manchmal auch als komischer Charakter eingesetzt werden. Vielmals war der Türke eine autoritäre oder furchteinflössende Figur, die Kasperle und dessen Freunde herausfordert. Solche Charaktere widerspiegeln die damaligen Klischees und Vorurteile, die Teil vieler volkstümlicher Theaterstücke waren. «Türke», 19. Jahrhundert, Höhe 36 cm, Textilien, Papiermaché, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-500, © Museum Aargau. Die Rolle der " Türkin ” war seltener und konnte entweder die Frau oder Gefährtin des „Türken“ darstellen. Im Charakter ähnelte sie dem Türken, war aber weniger aggressiv oder bedrohlich als ihre männliche Entsprechung. Sie konnte jedoch auch als exotische und faszinierende Figur auftreten, mit stereotypischen Attributen wie einem Turban oder exotischer Kleidung. «Türkin», 19. Jahrhundert, Höhe 36 cm, Textilien, Papiermaché, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-497, © Museum Aargau. Es ist wichtig, diese Figuren im historischen Kontext zu sehen. Im Kasperlitheater dienten sie der Unterhaltung und Karikatur, basierend auf den damaligen europäischen Vorstellungen von „dem Fremden“. Aus heutiger Sicht sind solche Darstellungen problematisch, da sie rassistische und xenophobe Züge aufweisen. Politische Instrumentalisierung des Kasperlitheaters im 20. Jahrhundert Auch in der Moderne war das Kaspertheater war nicht immer nur ein harmloses Kindervergnügen. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Kaspertheater beispielsweise von den Behörden genutzt, um die Bevölkerung zu beeinflussen. Mit patriotischen Stücken wie „Kasperl und die Franzosen“ versuchte man, den Kriegseinsatz zu unterstützen und Kriegsgegner lächerlich zu machen. Im Nationalsozialismus wurde das Kaspertheater ebenfalls instrumentalisiert. Der Kasper verbreitete dabei jedoch keine offen nationalsozialistischen Parolen, sondern diente den Zuschauern durch sein Verhalten als „richtiger Kerl“ als Vorbild. Insgesamt wandelte sich das Kaspertheater und die Kasperfigur im 20. Jahrhundert aber stark. Max Jacob, der Begründer der Hohnsteiner Puppenspiele, führte einen pädagogischen Kasper ein, der Kinder zum richtigen Verhalten anleiten sollte. Somit wandelte sich der einst derbe und grobe Kasper zu einer beliebten Kinderfigur. Neben seiner Popularität im Puppentheater hielt der Kasper zudem Einzug in die Welt der Kunst und inspirierte zahlreiche Künstler wie etwa den deutschen Maler Paul Klee, der diverse Handpuppen aus Alltagsmaterialien fertigte. Paul Klee, Puppe ohne Titel (Zündholzschachtelgeist), 1925, Höhe 57 cm, Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Livia Klee, Wikimedia Commons. Fazit Das Kasperlitheater ist heute noch aktuell und für viele eine wunderbare Erinnerung. In Basel hat es eine lange Tradition und wird auf Herbstmesse immer noch durch eine laut rufende Person („Kasperlitheateeer!“) und eine Glocke angekündigt. In diesem Moment fühlt man sich direkt in die Vergangenheit zurückversetzt. Zwar finden unterdesse auch moderne Themen ins Puppentheater, doch die Grundstruktur der Stücke bleibt immer gleich: Kasperle überlistet seine Gegner und sorgt für ein Happy End. Kasperle ist mehr als nur eine Figur des Puppentheaters. Er steht für Humor, Satire und die Stimme des Volkes. Durch seine Wandlung von einer groben, oft brutalen Figur zu einem pädagogischen Helden hat er sich im Laufe der Jahrhunderte einen festen Platz in der Volkskultur erarbeitet. Egal, ob auf der Bühne oder in der Kunst – Kasperle bleibt eine Figur, die Menschen aller Altersgruppen fasziniert. Literatur Als der Kasperl noch nicht harmlos war - science.ORF.at (archive.org) Kultfigur Kasperl – König der Narren. Dokumentarfilm (52 Min.), A/D 2022, Buch und Regie: Christian Hager. Kasperletheater: Diese Figuren dürfen nicht fehlen | FOCUS.de Kasperltheater – Wien Geschichte Wiki Schnitzer Magdalena, Die Entwicklungsgeschichte des Kasperls und seine Bedeutung im gesellschaftspolitischen Kontext“, 2013. Weitere Blogbeiträge 23. August 2023 Spielleute im Mittelalter Spielleute waren die Unterhaltungskünstlerinnen und -künstler des Mittelalters schlechthin. Kein Fest oder Jahrmarkt fand ohne sie statt.… 21. Dezember 2022 Tradition und Geschichte der Weihnachtskrippen Woher kommt die langlebige Tradition der Weihnachtskrippen und wie wurde sie über die Zeit verändert? Anhand ausgewählter Objekte aus der… 03. Februar 2023 "Sei doch kein Narr!" Historische Deutung der Narrenfigur "Sei doch kein Narr!" Das geflügelte Wort taucht in der Literatur sowie der Alltagssprache auf. Gerade auch jetzt – wo die Fasnächtler durch… Von Patricia Striebel Von Patricia Striebel Patricia Striebel ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Das erweitere Sammlungszentrum Egliswil von Museum Aargau

Zurück zum Blog 19. April 2023 Kategorie Schätze aus der Sammlung Museum Aargau hat am 1. April 2023 das erweiterte Sammlungszentrum Egliswil eröffnet. Nach dem aktuellen Ausbau bietet das Sammlungszentrum zusätzliche 1400 Quadratmeter Aufbewahrungsfläche für die über 50'000 Objekte. Geplant war daher ein Umbau mit der Erweiterung um ein Stockwerk und somit eine Verdoppelung der Fläche des Sammlungszentrums auf rund 2800 Quadratmeter. Geschichte der Sammlung Museum Aargau Die Sammlung von Museum Aargau kann auf eine über 150-jährige Geschichte zurückblicken. Der Grundstein der Sammlung bildet das 1852 in Königsfelden gegründete «Kantonale Antiquitätenkabinett». Es gab schon vorher Bemühungen einzelner Personen, diverse Münzen zu sammeln, doch konkrete Schritte zu einer kantonalen Sammlung kamen erst mit dem Antiquitätenkabinett zustande. Die Frage des Aufbewahrungsortes und der Zugänglichkeit der Sammlung wurde schon zu dieser Zeit debattiert. 1859 wurde die Historische Gesellschaft des Kantons Aargau mit Unterstützung des Regierungsrates gegründet. Diese Gesellschaft sammelte vor allem römische Bodenfunde und überreichte sie dem «Kantonalen Antiquarium». Im Kloster Königsfelden konnte das «Kantonale Antiquarium» nicht ewig bleiben, auch weil die Historische Gesellschaft den dürftigen Zustand des Königsfelder Antiquariums beklagte. Die heutige Klosterkirche Königsfelden @Museum Aargau Deswegen zog der grösste Teil der Sammlung 1868 in einen Schauraum im Schlössliturm in Aarau. Die Münzsammlung war hingegen seit 1850 bei der Staatskasse untergebracht. Doch auch der Aufenthalt im Schlössliturm war nur vorübergehend. Von 1877 bis 1895 war die Sammlung als «Kantonales Antiquarium» im Salzmagazin von Aarau und wurde dort in vier Sälen öffentlich präsentiert. Der Historischen Gesellschaft gefielen diese Räumlichkeiten aber auch nicht und sie drängten für neue. So bezog 1895 das «Antiquarium» Räume in der in ein Gewerbemuseum umgebauten Villa Feer in Aarau. Als der Kanton und die Stadt Lenzburg das Schloss Lenzburg 1958 von den damaligen Privatbesitzern erworben hatten, wurden die Sammlungsbestände auf dem Schloss in Wechselausstellungen und einer kleinen Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Aufgrund von erneutem Platzmangel wurde die Sammlung Mitte der 1980er-Jahre in einer Liegenschaft in Untermuhen untergebracht. Nach Wasserschäden wurde sie 1997 in das heute noch verwendete Aussendepot Egliswil umgelagert. Das Gebäude des heutigen Sammlungszentrums wurde aber bereits Ende der 1980er-Jahre gebaut und bis vor der Übernahme des EG durch die Sammlung von Museum Aargau noch industriell genutzt. Bedeutung des Sammlungszentrums Zu den Kernaufgaben von Museum Aargau gehört das Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln von Objekten. Diese Kernaufgaben sind auch gesetzlich festgehalten. Dabei gibt es ein Sammlungskonzept, das jeweils vorschreibt, nach welchen Kriterien gesammelt wird. Für die Sammlung von Museum Aargau ist es wichtig, dass Objekte gesammelt werden, welche die Aargauer Geschichte und Kultur bezeugen. Diese Objekte können aus Schenkungen, aus anderen Sammlungen, aus Firmenarchiven sowie aus gezielten Ankäufen kommen. Wird ein Objekt in die Sammlung aufgenommen, muss es von Fachpersonen inventarisiert, dokumentiert und für die Lagerung konserviert werden. Die Sammlung umfasst rund 50'000 Objekte und ist in Sachgruppen unterteilt (Unter anderem Geräte, Haushalt, Möbel, Textilien, Waffen, Keramik, Edelmetall, Ethnografica, Schmiedeeisen, Stroh, Münzen und Medaillen). In letzter Zeit lag der Fokus besonders bei der Industriegeschichte des Aargaus. Gelagerte Möbel im UG des Sammlungszentrums @ Museum Aargau Diese vielen Objekte ermöglichen es, dass in Ausstellungen die Vergangenheit erlebbar gemacht wird. Es werden aber nicht alle Objekte gleichzeitig ausgestellt. Denn was in den Dauer- und Sonderausstellungen von Museum Aargau zu sehen ist, ist nur ein kleiner Teil von dem, was im Sammlungszentrum Egliswil aufbewahrt wird. Umbau des Sammlungszentrums Egliswil Der jetzige Umbau des Sammlungszentrums wurde bereits 2019 mit einem Antrag in die Wege gelegt. Wichtig war es, die Depotfläche zu erweitern und somit Platz für Objekte, die nicht langfristig eingelagert werden konnten und für künftige Neueingänge und genügend Reservefläche zu schaffen. Der Antrag von Museum Aargau, das Sammlungszentrum zu erweitern, wurde schliesslich angenommen. Danach gab es viele gewinnbringende Gespräche zwischen dem Museum Aargau, der IMAG und dem Architekten, um eine optimale Lösung für die verschiedenen Ansprüche der Sammlung zu finden. Es musste entschieden werden, ob dieser Umbau mehr oder weniger umfangreich sein soll. Rund eine halbe Million Franken wurde in diesen Ausbau investiert. Damit überhaupt mit dem Bau begonnen werden konnte, mussten im Depot einige Vorsichtsmassnahmen und Umstellungen durchgeführt werden. So mussten einige Objekte umgestellt und zum Schutz vor dem Baustaub eine Staubschutzwand aus Plastik aufgebaut werden. Einbau einer Staubschutzwand mit Schleuse im UG des Sammlungszentrums. @Museum Aargau Neu sind nun auch die Mehrheit Büroräume der Sammlung im Sammlungszentrum. Vorher waren sie alle auf Schloss Lenzburg. Der Konservator-Restaurator von Museum Aargau hat nun auch sein Atelier zum Behandeln der Objekte im Sammlungszentrum. Das Sammlungszentrum hat jetzt auch einen eigenen Quarantäneraum für Neuzugänge. So kann sichergestellt werden, dass mögliche Schädlinge und Pilzbefall behandelt werden kann, bevor sie sich im allgemeinen Depot verbreiten andere Objekte beschädigen würden. Für die Sammlung war der Einbau eines Warenliftes auch sehr wichtig, da dieser den vereinfachten Transport grösserer Objekte vom EG ins UG ermöglicht. Für die Gemälde der Sammlung gab es auch ein neues ausziehbares Gemälderegal mit bedeutend mehr Fläche für Neuzugänge. Neues ausziehbares Gemälderegal im UG des Sammlungszentrums @ Museum Aargau Mit diesem Umbau des Sammlungszentrums wurden viele Wünsche der Sammlung von Museum Aargau erfüllt und so auch die Zukunft der Sammlung garantiert. Aufgrund des immer wachsenden Charakters der Sammlung ist es aber sicher, dass das Sammlungszentrum weitere Veränderungen erleben wird. Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Die Baugeschichte von Schloss Lenzburg

Zurück zum Blog 08. Februar 2026 Kategorien 20./21. Jh. Mittelalter Neuzeit Schlossgeschichten Die Mauern von Schloss Lenzburg sind rund 900 Jahre alt. Das Schloss hatte unzählige Bewohnerinnen und Bewohner mit unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen, die es geformt und verändert haben. Was waren diese Veränderungen und wie sah das Schloss früher aus? Die Grundsteine der Lenzburg Die “Lenz-Burg” wird 1077 das erste Mal erwähnt, als Wehrbau zum Schutz seiner Bewohner. Benannt war die Burg nach der Lenz, dem mittelalterliche Name des Aabach's. Zu dieser Zeit waren die ersten Türme und Mauern auf dem Schlosshügel noch aus Holz. Das erste Gebäude aus Stein wurde 1100 erbaut und steht noch heute: der Palas. 70 Jahre später sollte die Burg um den Süd- und Nordturm erweitert werden. Die Bauarbeiten an beiden Türmen blieben jedoch unvollendet, da Ulrich IV. im Jahr 1173 verstarb. So blieb der Südturm nur eingeschossig. Ob die Mauern der Lenzburg zu diesem Zeitpunkt den ganzen Schlossberg umschlossen oder nicht, ist umstritten. Die Entwicklung der Lenzburg, nach einem Vorschlag von Walther Merz mit Ergänzungen von F. Eberhardt (Schraffiert). Links: 1173-1330; Mitte 14.-15. Jh.; Rechts: 16.-17. Jh. © Museumsführer Historisches Museum Aargau 1974 Im 14. Jahrhundert bauten die Habsburger die Lenzburg weiter aus, um die Burg zum Herrschaftssitz von Friedrich II. von Habsburg zu machen. Dafür wurde die Toranlage erweitert, die Mauern um den ganzen Schlosshügel gezogen und ein Wohn- und Herrschaftshaus, einem Herzog würdig, gebaut: das Herzogenhaus. Zu diesem neuen Haus gehörten ein Saaltrakt und eine kleine Kapelle, die dem heiligen Fortunatus gewidmet war. Auch dieser Bau wurde nicht vollständig abgeschlossen, da Friedrich II. 1344 verstarb. Von der Burg zu einer Festung Nachdem die Berner 1415 grosse Teile des Aargaus eingenommen hatten, richteten sie 1444 auf der Lenzburg den Sitz des Landvogts ein, der bis 1798 bestand. Die reformierten Berner entfernten jeden Prunk von den alten Bauten der Habsburger. Fortan erfüllte jedes Gebäude einen einen wirtschaftlichen oder militärischen Zweck. Die Burg wurde zu einer Festung ausgebaut: Mauern wurden verdickt, Kanonenstellungen eingerichtet und Bastionen aufgebaut. Die Lenzburg im Zustand von 1809 in einem Modell aus derselben Zeit. (S-162) © Museum Aargau Den wirtschaftlichen Zweck erfüllte die Lenzburg in erster Linie, indem sie zu einem riesigen Kornlager aus- und umgebaut wurde. Hierfür wurde alle Räume oberhalb des Gefängnisses beim Südturm abgerissen und zu einem grossen Kornlager umgebaut. Das Korn konnte in der festungseigenen Mühle direkt weiter zu Mehl und in der eigenen Bäckerei zu Brot verarbeitet werden. Ein Modell zeigt eindrücklich, wie das Schloss nach all den Veränderungen aussah. Von der Festung zum Schloss Nachdem die Festung 1789 an den Aargau übergegangen war, wurde sie kurz als Krankenhaus und als Schule genutzt und ging 1853 in Privatbesitz über. In dieser Zeit wurde die Lenzburg teilweise dem Verfall und Erosion überlassen. Der Unterhalt war kostspielig und nicht alle Räume wurden genutzt. Dabei gingen das Zeughaus sowie das westliche Wächterhaus verloren. Ein Wendepunkt folgte 1892 mit dem Verkauf an Augustus Edward Jessup. Der amerikanische Unternehmer und Kunstsammler begann sofort mit dem Umbau der Festung zu einem Schloss, das seiner Gattin, Lady Mildred Marion Jessup Bowes-Lyon, aus königlichem Hause würdig sein sollte. Das Kornhaus wurde teilweise abgerissen und man versuchte den alten Südturm wiederherzustellen. Die Ostbastion wurde um vier Meter abgetragen, um einen Rosengarten mit Zugang zur Landvogtei anzulegen. Diese erhielt eine neugotische Hoffassade. Rosengarten von Schloss Lenzburg Alte Kanonenscharten wurden zugemauert und grosse helle Fenster wiederhergestellt. Sämtliche Räume wurden saniert und anschliessend durch den Kunsthändler Johann Karl Silvan Bossard mit stilgerechten Möbeln bestückt. Jessup wollte – wie es Ende 19. Jahrhundert in Mode war – hier ein Schloss erbauen, dass den damaligen romantischen Vorstellungen des Mittelalters entsprach. Er schenkte der Lenzburg sein heutiges Aussehen. Während dieser Arbeiten wurden im unteren Saal drei zugemauerte Fenster aus der Zeit der Habsburger gefunden und wieder geöffnet. Es handelt sich dabei um die drei westlichen Fenster, wie sie in Bild 3 zu sehen sind. Zudem wurden alle 10 Fenster des oberen Saals rekonstruiert. Die Masswerke entsprechen jenen aus dem Kloster Königsfelden, welche zur selben Zeit restauriert wurde. Der untere Saal des Ritterhauses unter Jessup (K-21630-K-21632) Ein Museum in einem Schloss Der letzte Bauherr der Lenzburg war der ehemalige Direktor des Historischen Museums Aargau, Hans Dürst. Um aus dem Schloss ein Museum zu machen, ging auch das Bauprojekt in den 1980er Jahren nicht besonders zimperlich mit der historischen Bausubstanz um: Der Palas und Südturm wurden vollständig ausgeschachtet, Wände neu durchbrochen und neue Böden eingezogen. Die Fensterwand des Rittersaals wurde wiederhergestellt, getreu den drei erhaltenen und von Jessup gefundenen Fenstern. Hierfür wurden die alten Fenster aus der Zeit der Berner zerstört. Die Landvogtei, die bisher einem gewöhnlichen Herrenhaus aus dem 20. Jahrhunderts glich, erhielt unter Dürst ihr heutiges Erscheinungsbild. Jedes Stockwerk wurde bewusst unterschiedlich gestaltet, um die jeweils dargestellten Epochen widerzuspiegeln. Gleichzeitig versuchte man, frühere Bauzustände sichtbar zu machen. Die Fensterwand des Herzogenhauses vor den Umbau- und Sanierungsarbeiten 1983/84. Foto Castor Huser. Die Fensterwand des Herzogenhauses nach den Umbau- und Sanierungsarbeiten 1983/84. Foto Castor Huser. Die Lenzburg ist ein einzigartiges Beispiel für die Veränderungen eines historischen Gebäudes über die Jahrhunderte hinweg. Von einer einfachen Burg zu einer Festung und schließlich zu einem Museum, die Geschichte der Lenzburg ist ein faszinierendes Kapitel in der Schweizer Geschichte. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen, und heute kann die Lenzburg als ein lebendiges Denkmal für die Vergangenheit betrachtet werden. ÖFFENTLICHE FÜHRUNG 27.09.2026, 11:30 - 12:30 Stein für Stein: 900 Jahre Baugeschichte Von der Adelsburg zum Museum Von Frederick G. W. Eberhardt Von Frederick G. W. Eberhardt Historiker und Altphilologe; Praktikant Geschichtsvermittlung und Freiwilligenprogramm. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Mittelalter Neuzeit Schlossgeschichten Kommentare

 
Schloss Lenzburg

Führungen und Workshops für Gruppen

Schloss Lenzburg bietet für Gruppen buchbare Führungen an. Schwerpunkte sind das Mittelalter und die Frühe Neuzeit. Die Führungen auf Schloss Lenzburg ermöglichen Gruppen spannende Einblicke in 1000 Jahre Schlossgeschichte. Die Gruppenangebote sind zwischen April und Oktober buchbar, auf Anfrage auch in anderen Sprachen. Vergünstigungen für Gruppen Gedruckte Broschüren für Gruppen bestellen Kontakt Beratung & Verkauf +41 (0)848 871 200 E-Mail senden Telefonische Erreichbarkeit Dienstag bis Freitag 9-12 Uhr / 13-16:30 Uhr November bis März nur vormittags WEITERE ANGEBOTE UND TIPPS Schloss-Foxtrail Lenzburg Fuchsjagd im Schloss Angebote im Schlossbistro Essen und Trinken Räume mieten Feiern und tagen auf dem Schloss Download Broschüre "Angebote für Gruppen" Impressionen

 
Museum Aargau

Historische Schlitten aus der Sammlung Museum Aargau

Zurück zum Blog 14. Januar 2026 Kategorien Neuzeit Schätze aus der Sammlung Schlitten waren im 18. und 19. Jahrhundert weit mehr als einfache Fahrzeuge. Kinder nutzten sie zum Spass, Familien für den winterlichen Alltag, und in wohlhabenden Haushalten dienten sie als repräsentative Schaustücke. Die Sammlung des Museum Aargau zeigt mit bemalten Kinderschlitten, eleganten Rennmodellen und schlichten Dorfschlitten die ganze Vielfalt früher Winterkultur. Jules Léonard, Spielende und Schlitten fahrende Kinder auf der tief verschneiten Dorfstrasse, 22.5 x 27.5 cm, 19. Jh., Öl auf Holz, © Wikimedia Commons Wenn der Winter die Landschaft in Weiss tauchte, gehörten Schlitten vielerorts zum täglichen Leben – als praktisches Transportmittel, als Vergnügen auf Abfahrten und als Ausdruck sozialer Stellung. Drei historische Schlitten aus der Sammlung verdeutlichen diese Bandbreite und erzählen von internationaler Sammelleidenschaft, lokalem Handwerk und frühen Formen des Wintersports. Der Kinderschlitten Dieser Kinderschlitten aus dem 18. Jahrhundert besticht durch seine beidseitig leuchtend rote Grundbemalung und die reich verzierten Seitenflächen. Farbige Ranken und geschnitzte Details schmücken den Schlitten. Auf der linken Seite erscheint die Figur einer sitzenden Frau, eingefasst von lebhaften Blumen- und Rank Motiven. Auf der Vorderseite der Rückenlehne befinden sich die Initialen „M. H.“, die vermutlich auf die Besitzerin oder Auftraggeberin hinweisen. Kinderschlitten, 18. Jh., 92 x 27 cm, Holz, Eisen, Inv.-Nr.-S-124, © Museum Aargau Die Rückseite der Rücklehne zeigt eine feine Flachschnitzerei, die eine Mutter mit ihren drei Kindern darstellt. Die Szene wird zu beiden Seiten von zwei Papageien flankiert, die als farbig gefasste Zierfiguren in das ornamentale Umfeld eingebettet sind. Rücklehne (Detail), Kinderschlitten, 18. Jh., 92 x 27 cm, Holz, Eisen, Inv.-Nr.-S-124, © Museum Aargau Dass der Schlitten heute in der kantonalen Sammlung steht, verdankt sich August Edward Jessup Leidenschaft für Antiquitäten. Der Amerikaner bewohnte mit seiner Frau 1893 Schloss Lenzburg, wo er seine Antiquitäten sammelte. Rennschlitten und «russische Berge» Auch dieser Rennschlitten gelangte durch den Schlossbewohner A. E. Jessup in die Sammlung. Das Modell aus dem 18. Jahrhundert zeigt die aufwendig gestalteten Formen repräsentativer Schlittentypen jener Zeit. Das Objekt besteht aus geschnitztem und bemaltem Holz, einzelne Partien sind gar vergoldet. Auffällig sind die hohen, geschwungenen Kufen und die reich dekorierten Seitenflächen. Am Bug und am Heck befinden sich geschnitzte Tierfiguren, die den Schlitten abschliessen und seinen repräsentativen Charakter unterstreichen. Vermutlich handelt es sich um einen Rennschlitten; er dürfte jedoch ebenso als elegantes Vergnügungsfahrzeug genutzt worden sein, das sozialen Status sichtbar machte. Gestaltung und Ausführung verweisen auf frühe Formen des Schlittensports in Europa und auf Schlitten, die funktionale Nutzung mit dekorativer Wirkung verbanden. Rennschlitten (Modell), 18. Jh., 46 x 62 x 18.5 cm, Holz, Eisen, Inv.-Nr.-S-757, © Museum Aargau Im Winter errichteten Menschen in Russland hohe Holzrampen – die sogenannten «russischen Berge» –, welche vereist wurden. Mutige rasten darauf mit Schlitten hinunter. Solche Vergnügungen fanden bald Nachahmung in verschiedenen Bergregionen Europas. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann sich der Wintersport zu entwickeln; 1883 fand in Davos das erste dokumentierte Rodelrennen statt. Giulio Ferrario, Russische Berge: Schlitten und Eisbahn in Russland, undatiert, 19. Jh., © 2025 meisterdrucke.com Der «Frosch» aus Küttigen Dieser Schlitten stammt aus Küttigen und ist dort seit Generationen unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt:"Chrucke", "Chrockle", "Chomele" oder einfach "Frosch". Das im 19. Jahrhundert entstandene Modell ist schlicht gebaut, robust und eindeutig auf die praktische Nutzung ausgelegt. Schlitten, 19. Jh., 50 x 35 cm, Holz, Eisen, Inv.-Nr.-S-1499, © Museum Aargau Im Aarauer Bachfischet-Lied findet sich die Zeile: «… d’Küttiger, d’Küttiger rite uf de Frösche». Sie verweist auf eine lokale Schlittenform, mit der die Kinder den Hang hinunterfuhren. Die dabei charakteristische Haltung – mit angehobenen, nach vorne gestreckten Beinen – könnte den Vergleich mit einem Frosch geprägt haben. Der Begriff Frosch ist seit 1846 dokumentiert, als Andreas Dietsch die mundartliche Fassung der Bachfischet-Verse aufzeichnete. Die möglicherweise als spöttische Anspielung der Aarauer auf die Bevölkerung von Küttigen gemeint, blieb als Bezeichnung über das Bachfischet bis heute erhalten. Dieser Schlitten gelangte 1956 mit Schloss Lenzburg in den Besitz des Kantons und steht heute exemplarisch für die lokale Tradition des Holzhandwerks. Von Patricia Striebel Von Patricia Striebel Patricia Striebel ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Neuzeit Schätze aus der Sammlung Kommentare

Gradian
Mystische Flugaufnahme von Schloss Wildegg

Schloss Wildegg

Barockes
Schloss- und
Gartenerlebnis

Erleben Sie auf Schloss Wildegg den adligen Lebensstil: Prächtige Gärten und ein Museum mit sprechenden Schlossbewohnerinnen und -bewohnern entführen Sie in den Barock.

EINSCHRÄNKUNGEN WEGEN UNWETTERS

Wegen Unwetterschäden durch Hagel ist das Schloss derzeit nur teilweise zugänglich. Einzelne Räume sind geschlossen. Der Garten kann regulär besucht werden.

PLANEN SIE IHREN BESUCH

 
Ahnengalerie auf Schloss Wildegg

Vier
Highlights

Das dürfen Sie nicht verpassen  

 
Ein Falkner in historischer Kleidung. Er lässt auf Schloss Wildegg einen Greifvogel fliegen

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender  

 
Besucherinnen und Besuche betrachten ein sprechendes Video-Porträt in der Ausstellung von Schloss Wildegg.

Ausstellungen
und Rundgänge

Schloss der sprechenden Porträts  

 
Luftaufnahme Schloss Wildegg mit Rebberg und Umland im Morgenlicht

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Luftaufnahme vom Schloss Wildegg

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

Tagesprogramm

  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher

Dies läuft am Tag Ihres Besuches

Raum mit Tisch, Stühlen und Vitrine mit Porzellan im Wohnmuseum von Schloss Wildegg.
10:00 – 17:00 Uhr

Wohnmuseum und Ahnengalerie

Plaudern Sie mit früheren Schlossbewohnern!

Ausstellung
Mädchen und Junge reiten auf einem Holzpferd im Pferdestall auf Schloss Wildegg
10:00 – 17:00 Uhr

Kinderstube und Pferdestall

Spielen, malen, Pferde satteln!

Ausstellung
Besucher und Besucherin lesen Fakten über das Thema Jagd in der Jagdausstellung Schloss Wildegg
10:00 – 17:00 Uhr

Jagd & Wild

So wurde früher mit Greifvögeln und Hunden gejagt

Ausstellung
Angebot wählen
  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
Geeignet für
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher

Schulen, Familien und Gruppen

 
Ein Knecht und eine Magd mit Schulklasse im Wohnmuseum von Schloss Wildegg

Für
Schulen

Buchbare Führungen und Workshops  

 
Mädchen und Junge reiten auf einem Holzpferd im Pferdestall auf Schloss Wildegg

Für
Familien

Kinderstube und Pferdestall  

 
Workshop im Garten: Eine Gruppe Frauen setzt am Tisch und kocht Salbe; im Hintergrund der Garten von Schloss Wildegg

Für
Gruppen

Buchbare Führungen und Workshops  

GARTEN UND SCHLOSSDOMÄNE

 
Nahaufnahme von violetten Tulpen im Garten von Schloss Wildegg

Barock- und
Rosengarten

Entdecken Sie historische Gärten  

 
Schlossdomäne Wildegg mit Garten Blickwinkel von unten

Schlossdomäne
Wildegg

93 Hektar Natur und Kultur  

Schloss Wildegg in 39 Sekunden

FEIERN UND GENIESSEN

 
Terrasse Bistro Schloss Wildegg mit Besucherinnen und Besuchern

Essen und
Trinken

Angebote im Schlossbistro  

 
Ein Brautpaar vor Schloss Wildegg

Räume
mieten

Feiern und tagen auf dem Schloss  

GESCHICHTE UND SAMMLUNG

 
Historische Aufnahme/Illustration von Schloss Wildegg

Geschichte

Habsburger, Berner, Familie von Effinger  

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

Sammlung online

Objekte digital entdecken