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Winter auf Kufen: Historische Schlitten aus der Sammlung Museum Aargau

Schlitten waren im 18. und 19. Jahrhundert weit mehr als einfache Fahrzeuge. Kinder nutzten sie zum Spass, Familien für den winterlichen Alltag, und in wohlhabenden Haushalten dienten sie als repräsentative Schaustücke. Die Sammlung des Museum Aargau zeigt mit bemalten Kinderschlitten, eleganten Rennmodellen und schlichten Dorfschlitten die ganze Vielfalt früher Winterkultur.

Wenn der Winter die Landschaft in Weiss tauchte, gehörten Schlitten vielerorts zum täglichen Leben – als praktisches Transportmittel, als Vergnügen auf Abfahrten und als Ausdruck sozialer Stellung. Drei historische Schlitten aus der Sammlung verdeutlichen diese Bandbreite und erzählen von internationaler Sammelleidenschaft, lokalem Handwerk und frühen Formen des Wintersports.

Der Kinderschlitten

Dieser Kinderschlitten aus dem 18. Jahrhundert besticht durch seine beidseitig leuchtend rote Grundbemalung und die reich verzierten Seitenflächen. Farbige Ranken und geschnitzte Details schmücken den Schlitten. Auf der linken Seite erscheint die Figur einer sitzenden Frau, eingefasst von lebhaften Blumen- und Rank Motiven. Auf der Vorderseite der Rückenlehne befinden sich die Initialen „M. H.“, die vermutlich auf die Besitzerin oder Auftraggeberin hinweisen. 

Die Rückseite der Rücklehne zeigt eine feine Flachschnitzerei, die eine Mutter mit ihren drei Kindern darstellt. Die Szene wird zu beiden Seiten von zwei Papageien flankiert, die als farbig gefasste Zierfiguren in das ornamentale Umfeld eingebettet sind.

Dass der Schlitten heute in der kantonalen Sammlung steht, verdankt sich August Edward Jessup Leidenschaft für Antiquitäten. Der Amerikaner bewohnte mit seiner Frau 1893 Schloss Lenzburg, wo er seine Antiquitäten sammelte. 

Rennschlitten und «russische Berge»

Auch dieser Rennschlitten gelangte durch den Schlossbewohner A. E. Jessup in die Sammlung. Das Modell aus dem 18. Jahrhundert zeigt die aufwendig gestalteten Formen repräsentativer Schlittentypen jener Zeit. Das Objekt besteht aus geschnitztem und bemaltem Holz, einzelne Partien sind gar vergoldet. Auffällig sind die hohen, geschwungenen Kufen und die reich dekorierten Seitenflächen. Am Bug und am Heck befinden sich geschnitzte Tierfiguren, die den Schlitten abschliessen und seinen repräsentativen Charakter unterstreichen.

Vermutlich handelt es sich um einen Rennschlitten; er dürfte jedoch ebenso als elegantes Vergnügungsfahrzeug genutzt worden sein, das sozialen Status sichtbar machte. Gestaltung und Ausführung verweisen auf frühe Formen des Schlittensports in Europa und auf Schlitten, die funktionale Nutzung mit dekorativer Wirkung verbanden.

Im Winter errichteten Menschen in Russland hohe Holzrampen – die sogenannten «russischen Berge» –, welche vereist wurden. Mutige rasten darauf mit Schlitten hinunter. Solche Vergnügungen fanden bald Nachahmung in verschiedenen Bergregionen Europas. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann sich der Wintersport zu entwickeln; 1883 fand in Davos das erste dokumentierte Rodelrennen statt.

Der «Frosch» aus Küttigen 

Dieser Schlitten stammt aus Küttigen und ist dort seit Generationen unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt:"Chrucke", "Chrockle", "Chomele" oder einfach "Frosch". Das im 19. Jahrhundert entstandene Modell ist schlicht gebaut, robust und eindeutig auf die praktische Nutzung ausgelegt.

Im Aarauer Bachfischet-Lied findet sich die Zeile:
«… d’Küttiger, d’Küttiger rite uf de Frösche».
Sie verweist auf eine lokale Schlittenform, mit der die Kinder den Hang hinunterfuhren. Die dabei charakteristische Haltung – mit angehobenen, nach vorne gestreckten Beinen – könnte den Vergleich mit einem Frosch geprägt haben.

Der Begriff Frosch ist seit 1846 dokumentiert, als Andreas Dietsch die mundartliche Fassung der Bachfischet-Verse aufzeichnete. Die möglicherweise als spöttische Anspielung der Aarauer auf die Bevölkerung von Küttigen gemeint, blieb als Bezeichnung über das Bachfischet bis heute erhalten.

Dieser Schlitten gelangte 1956 mit Schloss Lenzburg in den Besitz des Kantons und steht heute exemplarisch für die lokale Tradition des Holzhandwerks.

Von Patricia Striebel

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