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Der römische Legionär und seine Ausrüstung

Zurück zum Blog 10. Oktober 2025 Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Historische Kleidung Römerzeit Was gehört zur Kleidung und Ausrüstung eines römischen Legionärs? Marius Norbanius Cuniculus aus dem Legionslager Vindonissa zeigt Ihnen, wie sich ein römischer Fusssoldat für einen Marsch anzog und ausrüstete. Die Kleidung Die Tunika Am Oberkörper trugen die römischen Legionäre ein wadenlanges Hemd aus Wolle oder Leinen, die tunica . Vor allem in kälteren Regionen und Jahreszeiten wurden auch mehrere dieser Tuniken übereinander getragen. Nicht immer waren die Tuniken rot – das Farbspektrum reichte von weiss über rötlich-weiss, naturfarben bis hin zu braun. Bei Kälte konnte über die tunica zudem ein Mantel, eine paenula , übergeworfen werden. Die Hosen Auch Hosen gehörten zur Kleidung des römischen Legionärs. Zwar galt die Hose bei den Römern lange Zeit als barbarisches Kleidungsstück, trotzdem übernahmen sie diese mit der Zeit von ihren Gegnern. Die halblangen Hosen aus Wolle, feminalia genannt, gehörten vor allem in den nördlichen Provinzen zur Ausrüstung der Legionäre. Die Schuhe An den Füssen trug der römische Legionär eine Art Riemensandalen. Die caligae bestanden aus Rindsleder und die Sohlen waren durch bis zu 100 Eisennägeln verstärkt. Sie waren das Schuhwerk für alle Soldaten unterhalb des centurios, also des Befehlshabers einer centuria, einer hundertköpfigen Abteilung der römischen Legion. Im Sommer wurden die römischen Schuhe ohne Socken getragen, im Winter half man sich mit Fusslappen gegen die Kälte. Solche caligae wurden unter anderem auch bei Ausgrabungen in Vindonissa gefunden. Die militärische Ausrüstung Der Panzer und das Schwert Über der Tunika wurde ein Panzer getragen. Die häufigste Form war der Kettenpanzer. Genannt wurde der Kettenpanzer lorica hamata. Er bestand aus verflochtenen Ringen aus Eisen, seltener war er auch aus Bronze. Auch ein Schwert gehörte zur Ausstattung des Legionärs. Einige Legionäre tragen es auch am Gürtel um die Hüfte, andere an einem Schwertgurt über der Schulter. Der Gürtel Um die Hüfte befestigte der römische Legionär einen metallbeschlagenen Gürtel aus Leder, die cingula . An der cingula wurden die Waffen, also der Dolch und manchmal auch das Schwert, befestigt. Dieser Gürtel war das deutlichste Kennzeichen des Soldaten und diente auch der Ausweisung des Soldatenstandes. Im militärischen Dienst war es deshalb Pflicht, mindestens den Gürtel und einen Dolch, pugio genannt, zu tragen. Das Helmfutter Auf den Kopf des römischen Legionärs gehörte ein Helm und das dazugehörige Helmfutter. Ein Helmfutter aus Textilien wie Stoff, Filz, oder auch aus Leder, wurde benötigt, um den Metallhelm sicher und bequem tragen zu können. Der Helm Die Metallhelme der Legionäre änderten mit der Zeit ihre Form. Die bekannteste Form ist der Typ Weisenau. Überreste dieses Helmtyps wurden auch in Vindonissa gefunden. Der Schild Um marschbereit zu sein, rüstete sich der römische Legionär zusätzlich mit seinem Schild aus. Das scutum , wie es genannt wurde, war ebenfalls ein typisches Erkennungsmerkmal der Legionäre. Die Schilde bestanden aus Holz, Leder, Filz, Stoff und Metallbeschlägen und wurde mit wasserlöslichem Knochenleim zusammengehalten. Weil es dadurch sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit war, wurde es auf dem Marsch mit einem reichlich eingefetteten Lederüberzug geschützt. Überreste von solchen Überzügen, der tegimenta , wurden auch in Vindonissa gefunden. Der Wurfspeer Als zusätzliche Waffe trugen die römische Fusssoldaten über der Schulter einen langen Wurfspeer, das pilum . Dieses gilt heute als eine der römischen Nationalwaffen. Es war etwa 7 römische Fuss lang (ca. 2,1 Meter) und konnte über 4 Kilogramm wiegen. Das Marschgepäck Mit auf den Marsch nahmen die römischen Legionäre auch immer etwas Marschgepäck. Befestigt wurde das Gepäckbündel, die sarcina , an einem Tragkreuz, der furca . Diese wurde während des Marsches – wie das pilum – auf der Schulter getragen. Zum Gepäck der sarcina der Legionäre gehörte unter anderem eine Ledertasche für kleinere und persönliche Gegenstände wie Löffel oder Geld, ein Proviantnetz, eine Feldflasche sowie ein Eimer aus Bronze. Der römische Legionär führte also mit seiner kompletten Ausrüstung viele Gegenstände mit sich, sodass das Gesamtgewicht rund 45 Kilogramm betrug. So ausgestattet konnte er sich gut vorbereitet auf einen längeren Marsch begeben und war zudem auch für allfällige Kämpfe gerüstet. Weitere Blogbeiträge 11. Oktober 2023 Die Waffen der römischen Legionäre Was ist ein "pugio"? Was machten die Legionäre mit einem "pilum"? Über wie viele Geschütze verfügte eine Legion? In diesem Blogbeitrag… 23. März 2023 Quiz: Haben Sie das Potential zum Legionär? Nicht jeder Dahergelaufene konnte römischer Legionär werden. Was denken Sie? Haben Sie das Potential zum römischen Legionär? Machen Sie den… 23. März 2022 Das (Fladen-)Brot des römischen Legionärs – Rezept für panis militaris Panis militaris gehörte zur alltäglichen Kost des miles gregarius, des einfachen römischen Soldaten. Der Legionär und passionierte Bäcker… Von Samia Abdelgadir Von Samia Abdelgadir Samia Abdelgadir war 2021 Praktikantin in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Historische Kleidung Römerzeit Kommentare 15.10.2024 Dirk Wege Guten Tag! Was das Gewicht der Ausrüstung angeht, hat sich da nichts geändert. Es ist eher noch schwerer geworden. Insbesondere was die Kampfausstattung angeht. Das Gewicht schwankt aber von Soldat zu Soldat, weil es heutzutage keine Einheitsinfanterie mehr gibt, sondern so ziemlich jeder Soldat einer Gruppe zusätzlich zu seiner eigenen Ausrüstung noch einen Teil der Gruppenausrüstung wie z.B. eine Panzerfaust, eine Granatpistole oder ein Funkgerät trägt. Der größte Unterschied ist, dass man heute, zumindest wo das möglich ist, weite Strecken mit Kraftfahrzeugen zurücklegt. Es gibt aber auch Übungen, wo man weite Strecken nach alter Väter Sitte zu Fuß marschiert. Mit freundlichen Grüssen in die Schweiz Dirk Wege, Sanierungsverein Ravelin 2 e.V., Magdeburg

 
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Die Relieffiguren im Kreuzgang des Klosters Wettingen

Zurück zum Blog 03. Oktober 2025 Kategorien Neuzeit Klosterleben Von den Wänden des Kreuzgangs im ehemaligen Kloster Wettingen blicken seit Jahrhunderten knapp 100 Relieffiguren auf das Geschehen hinab. Wen stellen diese Figuren dar? Und wie kamen sie hierhin? Der Kreuzgang ist im Klosterleben ein bedeutender und vielschichtiger Ort. Sinnbildlich steht er für das himmlische Jerusalem, für das Paradies. In der Mitte steht ein Baum als Symbol des Lebens. Als integraler Teil des Alltags war der Kreuzgang Aufenthaltsort, Raum für stilles Lesen oder für Singen, und für weltliches: hier rasierten sich die Mönche, schnitten die Mönchstonsur oder klopften Kleider aus. Im 16. Jahrhundert befand sich unter diesen Mönchen einer namens Peter Schmid. Mit 15 ins Kloster eingetreten, wurde er um 1594 mit 35 Jahren zum Abt ernannt. Während seiner Amtszeit liess er so vieles im Kloster restaurieren und neu bauen, dass er als zweiter Klostergründer gilt. Sein Wappen, ein Hammer mit Stern und zwei Lilien, ist überall prominent im Kloster zu finden. Abt Peter Schmids Wappen (recht) neben dem Klosterwappen (links). © Badener, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons Abt Schmids Neuerungen im Kreuzgang Zu Abt Schmids Neuerungen gehörte eine Umgestaltung des Kreuzgangs. An diesem für die Klosterbrüder so bedeutenden Ort wollte er eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen, und sogar in die Zukunft des Klosters blicken. Deswegen gab er die Relieffiguren in Auftrag. Dank seines Theologiestudiums an der Sorbonne in Paris wusste er über wichtige Figuren der Kirchengeschichte Bescheid, und in der Klosterbibliothek konnte er eine vollständige Liste aller Wettinger Äbte erstellen. Der Grossteil der von Abt Schmid ausgewählten Figuren waren dem Zisterzienserorden zugehörig. Die dargestellten Männer stammen aus verschiedenen Ländern Europas und unterstreichen die internationale Relevanz des Zisterzienserordens. Wettinger Äbte an der Nordwand des Kreuzgangs. © Kylie Rüegger Herstellung der Figuren Die Herstellung der Stuckfiguren wurde den Gebrüdern Castelli übertragen. Diese hatten bereits einige Jahre zuvor in der Klosterkirche ein stattliches Programm an Stuckfiguren kreiert. Stuckarbeit ist seit der Antike bekannt und imitiert Marmor, ist aber vergleichsweise einfacher in der Herstellung. Die Gebrüder Castelli stammten aus dem Tessin, aus Melide am Luganersee. Aus dieser Region kamen viele auf Stuckarbeit spezialisierte Handwerker. Man spricht von den Magistri Comacini, den Comer Meistern . Ihre Arbeiten waren in ganz Europa gefragt. Die Gebrüder Castelli machten sich also an die Arbeit und entwarfen eine Abfolge von Bischöfen und Erzbischöfen, Kardinälen und Päpsten, und Wettinger Äbten, die alle in ihrer Mimik und Gestik individuell auftreten und dadurch lebendig wirken. Bischöfe, Päpste, Wettinger Äbte Die Figuren sind, im Gegenuhrzeigersinn durch den Kreuzgang gehend: An der Ostwand eine Reihe Kardinäle und Päpste. Der Nordwand und einen Teil der Westwand entlang stehen die 44 Wettinger Äbte, von der Klostergründung im Jahre 1227 bis zur Aufhebung im Jahre 1841. Diese sind durch ihre Wappen gekennzeichnet. Von der Westwand über die Südwand erstreckt sich eine Reihe Bischöfe und Erzbischöfe. Stuckfigur des Abts Peter Schmid. © Kylie Rüegger Abt Peter Schmid steht an der Westwand und blickt auf die lange Reihe ehemaliger Wettinger Äbte zurück. Neben ihm würdigt eine Schrifttafel seine Arbeit mit dem Hinweis, dass Abt Schmid die Namen seiner Vorgänger mit wissenschaftlichem Fleiss aus dem Dunkel der Vergangenheit ans Licht gebracht habe. Nach Abt Schmid folgen weitere Äbte. Er liess nämlich auf Vorrat weitere zwölf erstellen, dessen Namen und Wappen nachträglich angebracht wurden. Tatsächlich folgten ihm nicht 12, sondern 17 Äbte bis ins Jahr 1841. An ihrer Kleidung lässt sich erkennen, dass die fünf nicht geplanten Äbte ursprünglich zu den Bischöfen gehörten. Ihnen wurde die Mitra – ihre Kopfbedeckung – abgenommen, dafür wurden sie um ein Wappen ergänzt. Könnten diese Figuren sprechen, würden sie von Mönchen, Seminaristen und Kanti-Schülerinnen und Schülern erzählen, von den Wirren der Klostergeschichte und vom Gezwitscher der Vögel, das in Ruhezeiten im Kreuzganggarten zu hören ist. Aber auch so können sie vieles erzählen – die Arbeit Abt Peter Schmids und die Handwerkskunst der Gebrüder Castelli lebt hier im Kreuzgang weiter. Von Kylie Rüegger Von Kylie Rüegger Kylie Rüegger ist Praktikantin Geschichtsvermittlung auf der Klosterhalbinsel Wettingen. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Neuzeit Klosterleben Kommentare

 
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Entlassungsurkunde eines Legionärs Objekte aus Vindonissa Gladius in Schwertscheide Objekte aus Vindonissa Grabstein der Maxsimila und Heuprosinis Objekte aus Vindonissa Haarnadel mit Frauenbüste Objekte aus Vindonissa Helm eines Legionärs Objekte aus Vindonissa Knochen eines Kamels Objekte aus Vindonissa Ledersandale mit Schuhnägeln Objekte aus Vindonissa Massstab aus Eibenholz Objekte aus Vindonissa Münzstempel zum Prägen von Silber- und Goldmünzen Objekte aus Vindonissa Schalen von Austern Objekte aus Vindonissa Stempel für eine Augensalbe Objekte aus Vindonissa Verkohlter Granatapfel Objekte aus Vindonissa Mehr laden Es gibt keine Ergebnisse Für Fragen zu den Objekten oder zur Archäologischen Sammlung allgemein: Kantonsarchäologie Aargau

 
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Das Schmiedehandwerk der Römer: Vom Eisenerz zum fertigen Gladius

Zurück zum Blog 04. Juni 2025 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Eisen war zentral für den Alltag der Legionäre, auch in Vindonissa. Vom Rohstoff Eisenerz zum Endprodukt – beispielsweise einem Kurzschwerzt ( gladius) – brauchte es mehrere Schritte. Wie funktionierte das Schmiedehandwerk im Römischen Reich und was ist dazu bekannt? Ohne Eisen hätte der Alltag in einem Legionslager wie Vindonissa nicht funktioniert. Viele Ausrüstungsgegenstände der Legionäre wie das Kurzschwert ( gladius) oder die Nägel unter den Schuhen ( caligae ) waren aus Eisen, das Gleiche galt für zentrale Alltagsgegenstände wie Schlüssel oder medizinisches Werkzeug aus Eisen. Genagelte Schuhsohle. Pro Schuhsohle brauchte es 80 Nägel. Jeder Legionär erhielt pro Jahr drei Paar Schuhe. Sprich, die Anzahl Nägel, die geschmiedet werden mussten, war sehr hoch. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Die Wichtigkeit des Schmiedehandwerks im imperium romanum wird auch durch den Status des römischen Gottes Vulcanus unterstrichen. Er war der Gott der Schmiede, des Feuers und der Metallhandwerker und zählte zu den zwölf wichtigsten Gottheiten im Römischen Reich. Vom Eisenerz zum Rohmaterial: Eisengewinnung im Rennofen Eisen kommt in der Natur selten in reiner Form vor, sondern tritt als Eisenerz in Verbindung mit Sauerstoff auf. Um mehr oder weniger reines Eisen zu bekommen, musste der Sauerstoff erst aus den Erzen herausgelöst werden. Experimente zeigen, dass man dazu in römischer Zeit einen Rennofen verwendete. Der Ofenschacht wurde schichtweise mit Holzkohle und Eisenerz gefüllt und auf 1200-1300 Grad Celsius erhitzt. Die Holzkohle verbrannte, Kohlenmonoxid (CO) entstand, band den Sauerstoff im Erz und entwich als CO 2 . Die Einführung des Blasebalgs in römischer Zeit steigerte die Temperatur. Doch auch damit blieb die Temperatur zu tief, um das Eisen ganz flüssig zu erhalten. Es rann stattdessen einfach langsam in den Ofenherd. Zusammen mit Holzkohle und Schlacke, die oftmals noch sehr eisenhaltig war, jedoch wegen niedrigen Temperaturn nicht schmolz, bildete es die sogenannte Luppe. Die noch glühende Luppe wurde durch Hämmern zu einem kompakten Barren geformt. Holzkohlen- und Schlackenreste wurden durch diesen Prozess grösstenteils entfernt. Eisenbarren. In solchen und weiteren Barrenformen wurde Eisen in römischer Zeit gehandelt. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Wo genau in der Schweiz das Eisen fürs Legionslager Vindonissa produziert wurde, ist nicht bekannt. Erzlagerstätten sind zwar in grossen Teilen des Aargauer Juras vorhanden, jedoch wurden bis heute keine Verhüttungsplätze gefunden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass das Eisen von dort stammte. Zudem wurde Eisen im Fernhandel gehandelt. Exkurs: Von Eisen zu Stahl Eisen und Stahl werden oft als Synonyme verwendet, obwohl es nicht genau dieselben Materialien sind. Eisen in Reinform ist sehr weich. Erst durch das Zusetzen von Kohlenstoff wird Eisen zäher und beständiger und schliesslich zu Stahl. Aktuell sind zwei Varianten der Stahlherstellung in römischer Zeit bekannt: War das Eisenerz bereits manganhaltig, war das Beisetzen von Kohlenstoff bereits während des Verhüttungsprozesses im Rennofen möglich. Bei der sogenannten "Zementation" wurde Holzkohle oder anderes organisches Material auf das reine Eisen gelegt und dicht mit Lehm eingepackt. Beim Erhitzen des Pakets auf 1000 Grad Celsius über mehrere Stunden drang der Kohlenstoff in die oberflächennahen Schichten des Eisens ein. Erst dann wurde das nun mit Kohlenstoff versetzte Eisen zur Weiterverarbeitung verwendet. Vom Eisen zum gladius : Hammer, Amboss und Zange In den Essen eine so hohe Temperatur zu erreichen wie heute, war im Römischen Reich unmöglich. Eisen konnte darum nur geschmiedet, aber nicht vollständig geschmolzen, geschweige denn gegossen werden. Auf einem Amboss wurde das heisse Metall mit gezielten Hammerschlägen in die richtige Form gebracht. Die wichtigsten Werkzeuge eines Schmiedes waren Hammer, Amboss und Zange. Hämmer hatten eine breite Schlagfläche ("Bahn") und auf der gegenüberliegenden Seite eine schmale "Finne", mit der das Metall gebreitet wurde. Diese in römischer Zeit typische Hammerform ist bei Schmiedinnen und Schmieden bis heute beliebt. Abb. 4: Schmiedehammer. Hämmer gab es in verschiedenen Grössen. In dieser Form sind Hämmer auch im heutigen Schmiedehandwerk aufgebaut. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Schmiedezangen waren in römischer Zeit meist mit grossen, gerundeten Backen versehen. Diese Zange war die Universalform, neben der es spezielle Formen für ganz bestimmte Werkstücke gab. Sowohl Hämmer als auch Zangen wurden in Vindonissa gefunden. Mit Hilfe dieser Werkzeuge und der Kunstfertigkeit der Schmiede entstanden aus dem Stahl ein gladius , Schuhnägel und vieles mehr. Zange. Gemäss Abbildungen hatten Zangen aus römischer Zeit meist grosse Backen. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Schmieden in römischer Zeit: Die Schmieden von Vindonissa In der antiken Literatur findet sich kaum etwas zur Schmiedetechnik oder zum Aufbau einer römischen Schmiede. Dafür werden viele verschiedene Schmiedeberufe genannt: Der Schwertschmied ( gladiarius ), der Nagelschmied ( clavarius ) oder der Panzerschmied ( loricarius ). Das Schmiedehandwerk war in römischer Zeit also sehr spezialisiert. Auch in Vindonissa fanden sich Spuren des Schmiedehandwerks. So wird etwa auf einer Weihinschrift aus dem Legionslager ein Schwertschmied namens Tiberius Iulius Agilis erwähnt. Es muss also eine Schmiede im Legionslager selbst gegeben haben. Auf der Weihinschrift auf dieser Votivtafel (tabulaansata) steht: Marti votum | Tib(erius) Iul(ius) Agilis | gladiarius | s(olvit) l(ibens) l(aetus) m(erito) Übersetzung: Dem Mars hat Tiberius Iulius Agilis, Schwertschmied, das gemachte Versprechen gerne und nach Gebühr eingelöst. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Archäologische Funde beweisen zudem, dass es in der zivilen Siedlung vor den Toren des Legionslagers auch Schmieden gegeben hatte. In diesen wurden Alltagsgegenstände für die Zivilbevölkerung, aber auch Objekte fürs Legionslager produziert. Weitere Informationen, wie eine römische Schmiede ausgesehen haben könnte, liefern uns zudem Wandmalereien, Steinreliefs und andere Bildquellen. Diese stammen meist aus dem Süden und können daher nicht eins zu eins auf römische Gebiete nördlich der Alpen übertragen werden, da sich dort die römisch-italische Kultur mit der Tradition der einheimischen Bevölkerung vermischte. Trotzdem liefern diese Bilder heute noch spannende Details über Werkzeuge oder die Konstruktion einer Esse. Die auf Basis der Befunde rekonstruierte Schmiede im Legionärspfad Vindonissa © Museum Aargau Römisches Schmiedehandwerk: Eine Spurensuche Obwohl wir heute vieles über das römische Schmiedehandwerk nicht wissen, lassen archäologische Funde, bildliche Überlieferungen und experimentelle Archäologie Rückschlüsse darauf zu, wie die Eisengewinnung und der weitere Prozess funktioniert haben könnten. Auf Basis dieser Spuren wurde im Legionärspfad Vindonissa eine römische Schmiede rekonstruiert. Dort kann man selbst zu Hammer und Zange greifen und das römische Schmiedehandwerk authentisch erleben. Jeden Samstag im Legionärspfad Vindonissa Römisch Schmieden Erleben Sie in 2er-Gruppen authentisch das römische Schmiedehandwerk Literaturverzeichnis Museum Aargau, Vindonissa, Legionärspfad Vindonissa (Hrsg.): Römisches Schmiedehandwerk. Begleitbroschüre zur rekonstruierten Schmiede im Legionärspfad Vindonissa. 2024. Mutz, Alfred: Römisches Schmiedehandwerk. Augster Museumshefte Nr. 1, 1976. 11. Oktober 2023 Die Waffen der römischen Legionäre Was ist ein "pugio"? Was machten die Legionäre mit einem "pilum"? Über wie viele Geschütze verfügte eine Legion? In diesem Blogbeitrag… 12. August 2024 Vulcanus – Dem Gott des Feuers begegnen In der von Göttern durchdrungenen Welt des römischen Reiches waren sich die Schmiede stets bewusst, wer ihr Meisterschmied war und wem sie… 10. Oktober 2025 Der römische Legionär und seine Ausrüstung Was gehört zur Kleidung und Ausrüstung eines römischen Legionärs? Marius aus dem Legionslager Vindonissa zeigt Ihnen, wie sich ein römischer… Von Simona Schraner Von Simona Schraner Simona Schraner ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
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Führungen und Aktivprogramme für Gruppen

Museum Aargau bietet unvergessliche Erlebnisse für Gruppen. Schlemmen Sie wie die Römer und Ritter, entdecken Sie Gartenkultur und erleben Sie Geschichte aus 2000 Jahren am Schauplatz! Ob Vereinsreise, Klassentreffen oder Ausflug mit Familie und Freunden: Die Gruppenangebote von Museum Aargau bieten unvergessliche Gemeinschaftserlebnisse. Die Führungen und Aktivprogramme sind teilweise auch in anderen Sprachen buchbar. Unser Tipp: Verbinden Sie Ihr Gruppenerlebnis mit einem Apéro in einem unseren Bistros. Wir beraten Sie gerne. Kontakt Beratung & Verkauf +41(0)848 871 200 E-Mail senden Telefonische Erreichbarkeit: Dienstag bis Freitag 9-12 Uhr / 13-16:30 Uhr November bis März nur vormittags Download Aktuelles Gruppenprogramm (2 MB) GRUPPENANGEBOTE SCHLÖSSER Schloss Lenzburg Führungen durch 1000 Jahre Schlossgeschichte Schloss Wildegg Führungen und Workshops durch Schloss und Garten Schloss Hallwyl Führungen und Workshops zu Schloss- und Familiengeschichte Schloss Habsburg Führungen und mittelalterlicher Festschmaus GRUPPENANGEBOTE VINDONISSA Legionärspfad Vindonissa Schlemmen und übernachten wie die Römer Vindonissa Museum Führungen und selbständige Touren GRUPPENANGEBOTE KLÖSTER Kloster Königsfelden Führungen durch die Klosteranlage Klosterhalbinsel Wettingen Führungen durch Kloster und Gärten

 
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Strohindustrie im Aargau: Gold aus der Natur

Zurück zum Blog 15. September 2025 Kategorien 20./21. Jh. Neuzeit Historische Kleidung Schätze aus der Sammlung Wie wurde aus einfachem Stroh ein Verkaufsschlager? Die Aargauer Strohindustrie brachte es im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu Weltruhm. Strohhüte aus dem Freiamt schmückten Köpfe in Paris, Wien, London und New York. Zahlreiche Objekte aus der Sammlung von Museum Aargau erinnern an der Blütezeit dieser Industrie. Die Strohflechterei hat in der Schweiz eine lange Tradition. Schon in der frühen Neuzeit wurde sie in verschiedenen Regionen betrieben – etwa im Wallis, im Zürcher Unterland, im Freiburger Sensebezirk oder im Onsernonetal im Tessin. Strohindustrie im Freiamt Besonders im Gebiet der heutigen Freien Ämter im südöstlichen Aargau entwickelte sich das Flechthandwerk zu einer bedeutenden Wirtschaftsbranche. Vermutlich gelangte das Wissen um das Strohflechten im 16. Jahrhundert aus Italien in die Region. Über Generationen hinweg wurde es weitergegeben, und die charakteristischen regionalen Muster blieben wohlgehütetes Familienwissen. Das Freiamt entwickelte sich so zu einem Zentrum der Schweizer Strohkultur. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein entstanden Strohflechtarbeiten vor allem in Heimarbeit – meist von Frauen, die neben Haus- und Feldarbeit Strohbänder und Garnituren herstellten. Diese wurden von den sogenannten „Strohbaronen“ in alle Welt exportiert. Besonders gefragt waren neben verschiedenen Hutmodellen auch die berühmten Freiämter Garnituren, die Absatz in ganz Europa und sogar in Amerika fanden. Mit der Industrialisierung verlagerte sich die Produktion zunehmend in Fabriken. Dort wurden die Arbeitsschritte professionalisiert, und es entstanden neue, feste Arbeitsplätze – besonders für Frauen, die nun in grösserem Umfang in der Industrie tätig waren. Lovis Corinth, Frau Halbe mit Strohhut, Öl auf Holz, 1898. © Wikimedia Commons Wohlen: Vom Bauerndorf zu «Chly Paris» Der wirtschaftliche Erfolg der Strohindustrie machte Wohlen zu einem regionalen Zentrum mit städtischem Charakter Wohlstand zeigte sich in prächtigen Villen und moderner Infrastruktur. Im 19. Jahrhundert setzte ein enormer Aufschwung ein. Vor allem Wohlen, das wirtschaftliche Zentrum des Freiamts, entwickelte sich zu einem bedeutenden Standort der Strohwarenproduktion. Geflochtene Matten, Bänder und insbesondere Hüte entstanden zunächst in Heimarbeit, später auch in Fabriken – und machten das Freiamt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt Stroh- und Geflechtindustrie in Wohlen (Aargau) um 1900: Das auf den Feldern geerntete Roggenstroh wird für die maschinelle Weiterverarbeitung vorbereitet. © Wikimedia Commons Blütezeit der Stroindustrie Ihre grösste Hochphase erreichte die Strohindustrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Orten wie Dottikon, Fahrwangen, Meisterschwanden und rund um Wohlen entstanden zahlreiche Strohfabriken. 1857 waren im Aargau rund 24 000 Heimarbeiterinnen tätig – ebenso viele Menschen arbeiteten in anderen Kantonen für die Aargauer Produzenten. Hinzu kamen mehr als 4 400 Fabrikangestellte. Um 1900 gab es im Kanton über 100 Betriebe, davon allein 31 in Wohlen. Bis zu 98 Prozent der Produktion wurden exportiert. Wohler Firmen unterhielten Filialen in Florenz, Wien, Paris, London und New York. Besonders hervor stach die Firma JJ Fischers Söhne AG in Dottikon. Sie exportierte ihre Hüte in alle Welt und gewann 1914 eine Goldmedaille an der Landesausstellung in Bern. Werbeplakate aus dieser Zeit belegen das gestalterische Selbstbewusstsein und die internationale Ausrichtung der Branche. Werbeplakat FISCHER, Dottikon 1910-1950, 30x22 cm, Papier, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-21907. © Museum Aargau Werbeplakat FISCHER, Dottikon 1910-1950, 30x22 cm, Karton, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-21909. © Museum Aargau Ikone der Mode - der Canotier Ein weltweiter Modetrend war der Canotier, auch „Kreissäge“ genannt. Bekannt wurde dieser flache Strohhut durch Entertainer wie Maurice Chevalier oder Fred Astaire. Ab den 1880er-Jahren trugen ihn auch Frauen – als Symbol für Sportlichkeit und Emanzipation. Getragen wurde er nach klarer Modevorgabe: leicht nach vorne geneigt und lässig über ein Ohr fallend. Strohhut (Canotier) mit schwarzem Rapsband, Modell «Maurice Chevalier» 1901-1920, Gr. 6 7/8, Stroh, Textil, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-10935. © Museum Aargau Hüte und Accessoires aus Stroh Die Vielfalt der Aargauer Strohhutproduktion zeigt sich in den Stücken der Sammlung von Museum Aargau . Neben dem Canotier gehören dazu elegante Damenhüte aus der Zeit um 1920. Einer davon ist ein tiefviolett gefärbter Röhrlihut mit flacher Form, zylindrischer Krone und breiter, gerader Krempe. Sein gleichmäßiges Flechtmuster und die kräftige Farbe machen ihn zu einem markanten Blickfang. Damenhut, 1910-1930, 7x38 cm Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-10935. © Museum Aargau Ein weiteres Modell aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts ist naturfarben und mit rot- sowie blaugefärbten Streifen geschmückt. Die breitkrempige, flache Form und das in konzentrischen Ringen angelegte Flechtwerk verleihen ihm einen klaren, kontrastreichen Charakter. Damenhut, 1901-1920, Durchmesser 38 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-16920. © Museum Aargau Auch festlicher Kopfschmuck findet sich in der Sammlung von Museum Aargau. Ein Häubchen aus dem späten 19. Jahrhundert besteht aus feinem Strohschnürli, geknüpft und geflochten. Rosetten, das typische Oberwiler Rösli und sogenannte Schnürlipäckli setzen zarte plastische Akzente auf dem netzartigen Geflecht. Häubchen, 1881-1900, Höhe 17 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-13647. © Museum Aargau Ebenso auffällig ist ein rosa und schwarz gefärbter Strohzylinder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit seiner zylindrischen Form und den seitlich hochgebogenen Krempen ist er eine farbenfrohe Variante des klassischen Stoffzylinders, getragen zu festlichen Anlässen oder als Teil einer Tracht. Strohzylinder, 1901-1950, 15.5x28x27 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-13647. © Museum Aargau Selbst kleinformatige Stücke belegen die Bandbreite der Produktion. Zwei kleine, aus dunkelblau und rot gefärbtem Röhrli gearbeitete Hüte könnten entweder als Musterexemplare für den Handel oder als Puppenhüte gedient haben. Trotz ihrer geringen Grösse sind sie in der typischen Röhrli-Technik gefertigt und mit hochgebogener Krempe sowie kontrastierenden roten Zierstreifen an Krone und Krempe versehen. Diese Miniaturen zeigen, dass selbst im Kleinen auf Sorgfalt und Qualität geachtet wurde – ein Anspruch, der den Ruhm der Aargauer Strohhutproduktion mitbegründete. Musterhüte (2 Stück), vermutlich Puppenhüte, 1901-1950, 7x9x10.5 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-15363. © Museum Aargau Alltagskultur aus Stroh Die Aargauer Strohindustrie beschränkte sich nicht nur auf die Herstellung von Hüten. Auch Taschen, Schmuck und weitere Modeaccessoires wurden aus Stroh gefertigt und fanden als modische wie praktische Alltagsbegleiter Verwendung. Handtasche, 1881-1900, 13x23x13 cm, Stroh, Seide, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-15324. © Museum Aargau Ein Beispiel ist eine Handtasche aus dem späten 19. Jahrhundert, die feines Strohgeflecht mit elegantem Seidenfutter und einer dekorativen Klappe verbindet. Solche Taschen wurden nicht nur wegen ihrer Leichtigkeit geschätzt, sondern auch als stilvolle Ergänzung zur Sommermode getragen. Auch dekorative Objekte gehörten zum Repertoire der Strohflechterei. Das Zierobjekt aus dem späten 19. Jahrhundert in Form eines kleinen Bienenkorbs besteht aus sorgfältig gewickelten ganzen Halmen und ist mit winzigen Stroh-Bienen geschmückt. Solche Stücke verdeutlichen, dass Stroh nicht nur funktional, sondern auch kunsthandwerklich vielfältig eingesetzt wurde. Zierobjekt, 1881-1900, 10.5x17x14.4 cm, Stroh, Glas, Holz, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-15320. © Museum Aargau Vom Welterfolg zum Kulturerbe Einst prägte die Strohindustrie das Freiamt und machte den Aargau zu einem Namen in der internationalen Modewelt. Hüte und Accessoires aus feinstem Flechtwerk fanden von Wohlen den Weg in die grossen Metropolen. Ab etwa 1880 setzten sich maschinell hergestellte Hutgeflechte zunehmend durch. Nach einer letzten Blüte in der Nachkriegszeit brach die Nachfrage ab Mitte der 1960erJahre stark ein. Heute knüpft nur noch ein Unternehmen direkt an diese Tradition an: Die Tressa AG in Villmergen ist die letzte Maschinengeflechtproduzentin mit Wurzeln in der Freiämter Strohindustrie – und zugleich der einzige Betrieb in der Schweiz, der noch Geflechte in hoher Qualität herstellt. Wie einst gehen diese bis heute in alle Welt: an Hutfabriken, Designerinnen, Designer und Modistinnen, die sie zu neuen Kreationen verarbeiten. Museen und Sammlungen bewahren daneben die Meisterwerke vergangener Zeiten – Zeugnisse einer Industrie, die aus einfachem Stroh Modegeschichte schrieb. Weitere Blogbeiträge 08. April 2020 Strohhut Canotier – Die "Kreissäge" der Hipster Der Strohhut Canotier erinnert an die blühende Strohindustrie im Freiamt sowie im Seetal. Im Blog zeigen wir ein Exemplar aus der Sammlung… 11. Juli 2023 Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte… 19. Januar 2021 Tresor der Hutflechtfabrik Jacob Isler & Co. Die Tresorkiste stammt aus dem Nachlass der Hutflechtfabrik Jacob Isler & Co.. Die Kiste befand sich in der Villa Isler, als diese von ihrem… Von Patricia Striebel Von Patricia Striebel Patricia Striebel ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Neuzeit Historische Kleidung Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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Canis lupus: Der Wolf im imperium romanum | Blog von Museum Aargau

Zurück zum Blog 12. August 2025 Kategorien Römerzeit Märchen & Mythen Römische Geschichten aus Vindonissa Wer kennt sie nicht, die Gründungssage von Rom, in der eine Wölfin eine wichtige Rolle spielt? Doch der Wolf war auch an anderer Stelle im Römischen Reich präsent. Wo kommt er sonst noch vor? Welche Bedeutung hatte der Wolf für die Römerinnen und Römer? Eine steinerne Skulptur der Wölfin, die gemäss Legende Romulus, den Gründer Roms, und seinen Zwillingsbruder Remus säugte, empfängt das Publikum vor dem Eingang vom Vindonissa Museum in Brugg AG. Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau © Kanton Aargau Romulus und Remus: Eine Wölfin am Anfang eines Imperiums Die Sage nach Plutarch in der Kurzfassung Amulius stiess seinen älteren Bruder Numitor vom Thron und wurde so auf Alba Longa zum König. Um jegliche Konkurrenz durch Nachkommen von Numitor zu unterbinden, machte Amulius Numitors Tochter Rhea Silvia zur Vestalin, sprich, sie musste ein Gelübde ablegen, Jungfrau zu bleiben. Der Gott Mars jedoch vergewaltigte sie. Sie empfing darauf die beiden Zwillinge Romulus und Remus. Amulius befahl, die beiden Säuglinge in einem Korb auf dem Tiber auszusetzen. Der Korb jedoch strandete und eine Wölfin, herbeigelockt durch die Schreie der Kleinen, brachte sie in eine Höhle und säugte sie. Der Hirte Faustulus fand Romulus und Remus. Er und seine Frau nahmen sie zu sich und zogen sie gross. Über Umwege geriet Remus in Amulius Gefangenschaft. Romulus eilte seinem Bruder zu Hilfe und befreite ihn. Dabei wurde der Tyrann gestürzt und Numitor, der rechtmässige König, kam an die Macht. Zum Dank durften Romulus und Remus an jenem Ort eine Stadt bauen, wo sie einst ausgesetzt wurden: die Stadt Rom. Im Streit erschlug Romulus seinen Bruder, wurde zum Herrscher über die Stadt und gemäss Sage zum Begründer eines Weltreiches. Peter Paul Rubens: Romulus und Remus, Öl auf Leinwand, datiert 1615-1616. © Wikimedia Commons (gemeinfrei) Rom und das Imperium gäbe es dieser Legende zufolge ohne lupa nicht. Auch wenn die Stadt in der Realität anders gegründet wurde, war die Wölfin im Verständnis der Römerinnen und Römer ein bedeutungsvolles Tier. In der Literatur wird das Säugen der Zwillinge als Weitergabe der römischen Werte gedeutet. Lupa mit den Zwillingen findet sich an verschiedenen Orten im Römischen Reich wieder. Gürtelbeschlag mit Romulus, Remus und der Wölfin, Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau © Kanton Aargau Der Wolf, Mars, Apollo und Faunus: Ein Tier, viele Götter Interessanterweise wird der Wolf gleich drei verschiedenen Göttern als Tier zugeordnet: Mars, Apollo und Faunus. Der Kriegsgott Mars war im Römischen Reich, wo Eroberungen und darum auch Krieg zentral waren, einer der wichtigsten Götter. Diese Verbindung zwischen Wolf, Tod und Krieg war nicht abwertend gemeint, sondern bezog sich auf den ruhmvollen Tod eines Kriegers oder Herrschers. Der Wolf galt in der Antike als Tier des Zorns und kämpfende Helden wurden oft mit wütenden Wölfen verglichen. Statue des Mars, Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau. © Kanton Aargau Apollo war der Gott der Sonne und der Musik. Er brachte zudem Seuchen, Tod, aber auch Heilung, war der Gott der Weissagung und wie seine Schwester Artemis, ein hervorragender Jäger. Es gibt verschiedene Theorien, warum der Wolf auch mit Apollo in Verbindung gebracht wurde. Eine davon besagt, dass der Wolf, weil er ebenfalls ein guter Jäger ist, Apollo zugeordnet wurde. Apollo kitharoidos, Römisches Fresko aus der augustinischen Zeit, von der scalae caci, ausgestellt im Antiquarium del Palatino, Rom. © Wikimedia Commons (gemeinfrei), User: Cody escouade delta Auch Faunus, ein Fruchtbarkeitsgott, der dafür verehrt wurde, dass er das Vieh fruchtbar machte und die Herden der Hirten vor Raubtieren schützte, wurde unter anderem der Wolf als Tier zugeordnet. Die Rolle des Faunus als Wolfsabwehrer verdeutlicht, dass der Wolf als Beutegreifer im Alltag gefürchtet war, weil er sich an den Tierherden vergriff. Lupercalia : Ein Frühlingsfest Nicht zu übersehen beim Namen des Festes ist die Verwandtschaft mit dem Wort lupercal , der Name der Höhle am Fuss des Palatins in Rom, in der der Legende zufolge lupa die Zwillinge säugte. Das Fest der Luperkalien fand jedes Jahr am 14. Februar statt und begann in der Höhle mit einem Opferritual. Es war ein Fruchtbarkeits- und Frühlingsfest, das eine Verbindung zum Gründungsmythos herstellte. Panel auf dem ara pacis in Rom, das vermutlich die Höhle lupercal darstellt, © Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0), User: Amphipolis Ein Wolfsfell für einen Standartenträger: Wolf als Symbol im Krieg Zur Benennung oder Symbolisierung von Legionen wurden oft Tiere verwendet, wie Wolf, Steinbock etc. Zudem hatten die Standartenträger ( signiferi ), die die Feldzeichen zur visuellen Befehlsübertragung trugen, Tierfelle auf ihrem Helm. Bei diesen Tierfellen war der Wolf sehr verbreitet, aber auch der Bär oder der Löwe. Warum Tierfelle getragen wurden, darüber gibt es verschiedene Theorien: Die Eigenschaften des Tieres sollten auf den Träger übertragen werden und diesen schützen. Die Tierfelle dienten der Einschüchterung gegen die Feinde. Die signiferi übermittelten die Kommandos der Befehlshaber visuell mit den Standarten an die Soldaten. Durch die Felle konnten sie auf dem Schlachtfeld besser gesehen werden. Das Tragen von Tierfellen könnte in Verbindung mit der Hercules-Sage stehen. Auf gewissen Darstellungen trug der kämpferisch begabte Hercules ein Löwenfell auf dem Kopf, die Pfoten auf der Brust verknotet. Vielleicht wurden darum auch die Felle der signiferi auf diese Art und Weise getragen, obwohl es auch andere Tragemethoden gab. Die Schattenseite: Der Werwolf als Schreckensgestalt im Römischen Reich In der griechischen Mythologie kommen Wolfsmenschen oder Werwölfe vor. Diese dürften sich direkt auf die römische Vorstellung von Werwölfen ausgewirkt haben. Denn auch im imperium romanum existierte der Werwolf-Glaube. Das Wort Wer- leitet sich vom lateinischen Wort vir ab, das "Mann" bedeutet. Die bekannteste antike Sage zu diesem Thema ist die Sage vom arkadischen König Lycaon, der vom obersten Gott Zeus (im Römischen Reich Jupiter) in einen Werwolf verwandelt wurde, weil er eine Geisel frevelhaft geopfert und ihr Fleisch Zeus vorgesetzt hatte. Der Glaube an Werwölfe als Schreckgestalten reicht also schon sehr weit zurück und ist auch heute noch in zahlreichen (Horror)filmen vertreten. Lycaon wird in einen Wolf verwandelt, Druck von Hendrick Goltzius von 1589, Teil der Sammlung LACAM (Los Angeles County Museum of Art) © Wikimedia Commons (gemeinfrei), Urheber: LACAM Lupa : Ein Tier, das für ein Imperium steht Der Wolf war also ein Tier, das im Römischen Reich vielerlei Bedeutungen hatte, teils auch widersprüchliche. Trotzdem war es ein sehr symbolträchtiges Tier für dieses Weltreich. Besonders lupa , jene Wölfin, die laut römischer Mythologie Romulus und Remus säugte und somit ihr Leben rettete, stand als Symboltier für ein ganzes Weltreich. Ein Weltreich, das gemäss Mythologie ohne lupa nie entstanden wäre, weil seine Gründer wohl nicht überlebt hätten. Literaturverzeichnis Alexandrescu, Christina-Georgeta: Blasmusiker und Standartenträger im Römischen Heer. Untersuchungen zur Benennung, Funktion und Ikonographie. Cluj-Napoca 2010. Aparaschivei, Dan: Lupa Romana en Mésie inférieure. Images, discutions et hypothèses. In: Revue des Études Anciennes. Bnd. 123, Nr. 2. (2021). S. 573-595. DOI: ttps://doi.org/10.3406/rea.2021.6999 . Brunold-Bigler, Ursula: Wolfsmensch und Bärenhexe. Tiere in Sagen und Märchen aus den Alpen. Chur 2010. Farrow, Stephanie; Christine, Stroyan (Hrsg.): Ancient Rome. The Definitive Visual History. London 2023. Ferris, Iain: CAVE CANEM. Animals and Roman Society. Gloucestershire 2018. Kremer, Rudolf: Untote, Blutsauger und Menschenfresser – Unheimliche Nachtgestalten im alten Rom. In: Ders.: Geister, Hexen, Menschenfresser. Gruselgestalten im alten Rom. ANTIKE WELT – Sonderheft. Darmstadt 2021. NABU/NAJU (Hrsg.): Geschichten und Mythen von Wölfen. In: Wölfe Aktionsbroschüre 2022. Zusatzmaterialien. Price, Simon; Kearns, Emily (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Classical Myth and Religion. Oxford 2004. Rossini, Orietta: ARA PACIS Guide. Milano 4. Auflage 2015. Seewald, Otto: Mythologie der Griechen und Römer. Hamburg 2015. Toynbee, J.M.C.: Animals in Roman Life and Art. Thames und Hudson 1973. Vukovic, Krešimir: The Topography of the Lupercalia. In: Papers of the British School at Rome. Nr. 86 (2018). S. 37 – 60. pp. DOI: https://doi.org/10.1017/S0068246217000381 . Wallner, Astrid: Die Bedeutung der Raubtiere in der Mythologie: Ergebnisse einer Literaturstudie. In: Inf.bl. Forsch.bereiches Landsch.ökol. 1998. Nr. 39. S. 4-5. Weitere Blogbeiträge 04. Juni 2025 Das Schmiedehandwerk der Römer: Vom Eisenerz zum fertigen Gladius Eisen war zentral im Alltag der Legionäre. Vom Rohstoff zum Endprodukt brauchte es mehrere Schritte. Wie funktionierte das römische… 20. Februar 2024 Quiz zur römischen Mythologie Testen Sie Ihr Mythologie-Wissen in diesem Quiz! 09. Dezember 2024 Saturnalia: das wichtigste römische Fest am Jahresende Im alten Rom feierte man gegen Jahresende im Zeichen Saturns und anderer Agrar-Gottheiten. Doch was genau hat es mit dem Fest der… Von Simona Schraner Von Simona Schraner Simona Schraner ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Märchen & Mythen Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
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Quiz: Wie gut kennen Sie die Küche des Mittelalters?

Zurück zum Blog 20. August 2025 Kategorien Mittelalter Quiz & Spiele Welche Lebensmittel kannten die Menschen im Mittelalter noch nicht? Welches Getränk wurde am meisten getrunken? Testen Sie im Quiz Ihr Wissen zum Thema "Küche des Mittelalters". Welches Getränk wurde im Mittelalter am meisten getrunken? Wein oder Met Wasser Bier Säfte Welches Lebensmittel kannten die Menschen im Mittelalter in Europa noch nicht? Rettich Linsen Kartoffeln Datteln Welches Material wurde für Küchenutensilien am häufigsten verwendet? Keramik Eisen Zinn Stein Was fand sich selten auf einem mittelalterlichen Tisch? Becher Teller Messer Gabel Was ist speziell an schriftlich überlieferten Rezepten aus dem späten Mittelalter? Die Mengenangaben sind präzise und exakt wie in modernen Rezepten. Es existieren verschiedene Varianten, angepasst an unterschiedliche gesellschaftliche Stände. Die Rezepte enthalten meist keine genauen Angaben zu den verwendeten Mengen und wie lange etwas kochen musste. Es wird genau angegeben, für wie viele Personen das Gericht gedacht ist. Warum wurde im Mittelalter an Fastentagen Fisch gegessen? Fisch war günstiger. Fleisch und Milchprodukte waren verboten, Fisch jedoch erlaubt. Fisch war leichter zu lagern. Fleisch war nur für den Adel erlaubt. Wie wurden manche Lebensmittel im Mittelalter haltbar gemacht? Die Menschen haben Blöcke aus Eis in den kühlen Schlosskellern gelagert und dort das Essen aufbewahrt, fast wie bei einem modernen Kühlschrank. Den Lebensmitteln wurde durch Räuchern oder Einlegen in Salz die Flüssigkeit entzogen. Sie wurden in luftdichten Konservendosen aus Zinn verstaut. Das Essen wurde mit Öl übergossen, was es luftdicht und so lange Zeit haltbar machte. NÄCHSTE VERANSTALTUNG 11.-13. September 2026 Mittelaltermarkt auf Schloss Lenzburg Historische Marktstände, Handwerk und viele weitere Highlights auf der Burg Weitere Beiträge 19. Februar 2025 Kochvideo: Dreifarbige Eierküchlein – Rezept aus dem Mittelalter Dreifarbige Eierküchlein: Probieren Sie dieses mittelalterliche Dessert-Rezept aus – ein wahrer Genuss für Augen und Gaumen! Unsere… 07. Juni 2024 Quiz: Was wissen Sie über alte Heilpflanzen? Woher kommt die Bezeichnung für Basilikum? Welche Blumen werden bei Verdauungsbeschwerden angewendet? Testen Sie Ihr Wissen in diesem Quiz! 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Quiz & Spiele Kommentare

 
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