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"Damals im Aargau": Aus dem Leben einer 100-Jährigen

Zurück zum Blog 06. August 2021 Kategorie Podcast: Damals im Aargau (Oral History) Marie Ammann aus Staufen kam 1911 als "Frühchen" auf die Welt. Die ersten Wochen wurde sie vom Doktor im Kachelofen warmgehalten – ein turbulenter Start in ein erfülltes, über 100 Jahre langes Leben. 2012, kurz vor ihrem Tod, blickte Marie Ammann im Gespräch mit Museum Aargau auf ihr Leben zurück. Hören Sie in der dritten Folge des Podcasts "Damals im Aargau – Zeitzeugen erzählen", wie sich Ernährung, Mobilität, Erziehung und Konsum in diesen hundert Jahren verändert haben. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Podcast: Damals im Aargau (Oral History) Kommentare

 
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Messen ohne Meter: die vormetrische Geschichte der Schweiz

Zurück zum Blog 03. März 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Die Standardisierung von Masseinheiten ist ein fundamentaler Prozess im Aufbau einer Gesellschaft, der auch im Kanton Aargau einige Spuren und interessante Objekte hinterlassen hat. Zehn Hohlmasse aus der Sammlung von Museum Aargau zeugen von der vormetrischen Geschichte der Schweiz. Die Objekte an sich wirken bescheiden. Es handelt sich um zehn verschiedene, gegossene zylindrische Hohlmasse aus Messing, die in einer Holzkiste aufbewahrt werden. Sie wirken massiv und reichen von der Grösse einer kleinen Tasse bis hin zu einer stattlichen Höhe von etwa 60 Zentimetern. Alle Masse wurden offiziell mit dem Schweizerkreuz und dem Namen des Kantons Aargau geprägt. Zu finden sind folgende, heutzutage weitgehend unbekannte Masse: das Schweizer Viertel, das Immi, der Saum und das Mass, wobei zusätzlich noch Fraktionen all dieser Einheiten zu finden sind. Diese Einheiten beruhen auf dem Masskonkordat von 1838 und waren das Ergebnis eines ersten landesweiten Standardisierungsprozesses und ein Zeugnis des anstehenden Prozesses der Staatsbildung und der Internationalisierung. Aargauer Masse. Inv. Nr. K-8740. Der Sack der einen ist das Viertel der anderen Masse in ihrem ursprünglichen Sinne waren seit ihrer ersten Benutzung vor allem auf den menschlichen Körper bezogen und somit an sehr konkrete Alltagserfahrungen angepasst. Sie orientierten sich an Körperlängen wie der Elle oder dem Fuss und sehr oft auch an Traglasten von Mensch und Tier. In der Schweiz ergab sich so aus der Traglast eines Tieres der Saum. Er entsprach einem Holzfass mit einem Fassungsvermögen von etwa 130-180 Liter. Das Viertel mit etwa 30 Litern bezog sich auf den Sack, der als Manneslast bestimmt war. Das Immi war als eine weitere Untereinheit auf das Viertel bezogen und entsprach etwa 1/10 davon. Das Mass fasste eine kleinere Menge von etwa 1-2 Litern und wurde oft für den Verkauf von Wein oder Milch benutzt. Die grösseren Masse dienten vor Allem dem Messen von Getreide, dass noch lange Zeit per Volumen berechnet wurde. Ein halbes Schweizer Immi. Inv. Nr. K-8740. Diese Masse waren jedoch keineswegs einheitlich und unterschieden sich stark je nach Region oder Dorf. Dazu war in der Schweiz vor allem auch das grössere Einzugsgebiet entscheidend. In den Regionen der Westschweiz waren durch den Handel mit Frankreich nebst den lokalen Einheiten auch französische Handelsmasse geläufig. Die Nordostschweiz war diesbezüglich an Süddeutschland und die Südschweiz an Italien gebunden. Da die Vielfalt an Einheiten den Handel nicht gerade vereinfachte, wurden bald Anstrengungen zur Standardisierung der Masseinheiten unternommen. Der revolutionäre Beginn der Standardisierung In der Geschichte der Standardisierung ist die Französische Revolution von besonderer Bedeutung. Die Umstürze wurden hier genutzt, um endlich etwas Einheit in den enormen Flickenteppich verschiedener Masseinheiten des Landes zu bringen. Mehrere wissenschaftliche Konferenzen, auch unter internationaler Beteiligung, wurden zu diesem Zweck abgehalten. Diese legten bald den sogenannten "Urmeter" fest. Er beruhte auf einer relativ genauen Berechnung des Erdumfangs und sollte in etwa einem Zehnmillionstel der Distanz vom Nordpol zum Äquator entsprechen. Auf der Basis dieses Meters wurde der Liter als ein Volumen von 1 Kubikdezimeter festgelegt und daraus folgend das Urkilogramm als dem Gewicht von einem Liter Wasser definiert. Die entscheidende Neuerung dieses metrischen Systems war die Dezimalrechnung. Beruhten alte Masseinheiten noch auf einer komplexen Bruchrechnung, konnte bei diesem System alles in 10er Schritten gerechnet werden. Die schrittweise Übernahme dieser neuen Einheiten erfolgte dann durch direkte und indirekte Druckausübung Frankreichs. Zum einen war hier der wachsende wissenschaftliche und wirtschaftliche Austausch ein wichtiger Faktor, für den eine Harmonisierung der Masseinheiten von grosser Bedeutung war. Zum anderen ist aber auch die französische Hegemonie über Kontinentaleuropa unter der Herrschaft Napoleons nicht zu unterschätzen – unter anderem wohl auch ein Grund, wieso sich auf den Britischen Inseln das metrische System noch bis heute nicht vollständig durchgesetzt hat. Der erste provisorische Meter, der noch heute in Paris an der Rue de Vaugirard anzutreffen ist. Quelle: Wikimedia. In der Schweiz war die durch den französischen Einmarsch gegründete Helvetische Republik wichtig für die Aufgleisung der Standardisierung. Die ersten Bemühungen mündeten dann in dem Konkordat von 1838. Dieses war eine Kompromisslösung, in der die alten Masseinheiten zwar behalten, jedoch in Referenz an den Meter landesweit standardisiert wurden. Damit wurde auch die wichtige Position der Eichmeister erschaffen. Sie verwalteten und kontrollierten die genauen Masse. Zu diesem Zwecke wurden auch die hier zu sehenden Hohlmasse anfertigt. Die Gründung des Schweizer Bundesstaates sollte diese Entwicklung dann vorantreiben. 1875 trat die Schweiz der Pariser Meterkonvention bei, was einen endgültigen Wechsel zum metrischen System bedeutete. Widerstand, Gewohnheit und Wandel So selbstverständlich uns die metrischen Einheiten mittlerweile auch sind, ihre Einführung war mit grossem Widerstand und Verzögerungen verbunden. Zum Teil ist dies einfach auf schlichte Gewohnheit und Tradition zurückzuführen. Gerade abstrakte Einheiten wie Temperatur oder grössere Distanzen werden nur durch den alltäglichen Gebrauch zu etwas Selbstverständlichem und ein Wandel von Einheiten erfordert einen enormen Aufwand in jeglichen Gesellschaften. Andererseits waren oft auch steuerliche Gründe entscheidend. Noch lange wurden Abgaben der ländlichen Bevölkerung in der Form von Naturalien einkassiert. Ein Wandel einer Masseinheit wurde von dieser Bevölkerung oft auch als Versuch wahrgenommen, die Abgaben auf diese Weise schleichend zu erhöhen. Ebenso ist ein Standardisierungsprozess zumeist auch mit Staatsbildung und zunehmender zentralistischer Kontrolle verbunden. Es ist kein Zufall, dass die Vereinheitlichung des metrischen Systems sich gerade in der Zeit durchsetzen konnte, in welcher der westliche Kapitalismus und Imperialismus zu ihrer grossen Expansion ansetzten. Wie diese Objekte zeigen, kann so eine Entwicklung aber auch durchaus auf Kompromissen und einem graduellen Übergang beruhen, der lokale Praktiken respektiert. Denn schliesslich bedeuten vereinheitliche Standards auch eine notwendige Vereinfachung. Heutzutage sind die metrischen Einheiten auf der Basis neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse äusserst präzise festgehalten und in Folge ist nur schon das Getreidekaufen gewiss einfacher geworden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
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Die Geschichte des Rauchens – Tabakkonsum im Wandel der Zeit

Zurück zum Blog 29. Oktober 2021 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Vom opulenten Dampf einer E-Zigarette über den diskret im Mundwinkel versteckten Snus: Die Tabakkultur hat heute unterschiedliche Formen und Farben. Doch wann und wie wurde das Rauchen überhaupt "in"? Eine Holzpfeife aus der Sammlung Museum Aargau gibt Einblicke in die jahrhundertealte Geschichte und Tradition des Tabakkonsums. Die vorliegende Pfeife wurde im 19. Jahrhundert hergestellt und von Hand aus einem Ast geschnitzt. Die Rinde wurde dabei mehrheitlich belassen, was der Pfeife die Ästhetik von Horn verleiht – ein zu dieser Zeit ebenfalls sehr beliebtes Material zur Herstellung von Pfeifen. Holzpfeife, Inv. Nr. K-2374. Es handelt sich um eine sogenannte Steckpfeife, bei welcher der Pfeifenkopf abgenommen werden kann. Dadurch wird die Reinigung und Erhaltung der Pfeife wesentlich erleichtert. Die Pfeife an sich ist sehr kunstvoll ausgestaltet. Der verdünnte Mund besteht aus Eisen und ist mit zwei von Holz verkleideten Schnüren versehen, an deren Enden Nüsse hängen. Das Kopfteil ist an der Unterseite mit einem Gesicht versehen und der verschliessbare Deckel obendrauf ist in Form einer Ente geschnitzt. Die Pfeife im Aufschwung Das 19. Jahrhundert war eine Blütezeit für Pfeifen dieses Stils und sah die erneute Etablierung der Pfeife als ausgefeiltes modisches Accessoire. Bei solchen Holzpfeifen wurden grundsätzlich edle Hölzer benutzt, um die Glimmfähigkeit zu mindern. Die Nutzung unterschiedlicher Hölzer wie Teak, falscher Jasmin, Weichsel oder Buchsbaum war ebenfalls sehr beliebt. Die verschiedenen Hölzer benutzte man dabei vor allem aufgrund der unterschiedlichen Aromen, die das Holz während des Rauchens abgab. Bis die Pfeife jedoch zur heute noch geläufigen Form kam, hatte sie bereits einige Iterationen durchlaufen und auch der generelle Tabakkonsum hatte sich stark entwickelt. Die bescheidenenen Anfänge: der Tabak als Zierpflanze Die Ausbreitung des Tabaks im europäischen Raum kam im Zuge der kolonialen Eroberung der beiden Amerikas im Verlauf des 15. Jahrhunderts. Die Benennung von Tabak als solchem beruhte dabei auf einem Missverständnis. Als die europäischen Eroberer in Kontakt mit den Taíno, einer indigenen Bevölkerungsgruppe der Karibik, traten, übernahmen sie das Wort "Tobago" von ihnen und bezeichneten damit fortan die Pflanze. Tobago war jedoch der Begriff für die Zigarrenart, die bei den Taíno populär war. Der eigentliche Begriff für die Pflanze war "Cohíba", welcher im Gegenzug zum Markennamen einer populären kubanischen Zigarre wurde. Die Tabakpflanzen, welche nach Europa gebracht wurden, setzte man ursprünglich aufgrund ihrer schönen Blüten mehrheitlich als Zierpflanze ein. Erst später, insbesondere infolge des Dreissigjährigen Krieges, verbreitete sich die Praxis des Tabakrauchens allmählich auf dem gesamten europäischen Kontinent. Das Rauchen im Spiegel sozialer Schichten Das Rauchen blieb jedoch lange eine Praxis der ärmeren Schichten. Während im Falle des Dreissigjährigen Krieges vor allem Soldaten rauchten, wurde in Kreisen der adligen Bevölkerung lange das Schnupfen bevorzugt. Dieses entwickelte sich schliesslich zu einem essentiellen Ritual der adligen Hofkultur und wurde gelehrt wie das Reiten, Fechten und Lesen. Nicht nur aufgrund der korrosiven Natur für die Nasenschleimhäute und dem damit einhergehenden Geruchsverlust wandte sich dann allerdings auch diese Bevölkerungsschicht allmählich dem Rauchen zu. Auch auf der Wildegg wird geraucht, Inv. Nr. SW-454 Tabakkultur – von Amerika nach Europa Die frühe Form des Konsums geschah dabei durch Pfeifen, die man bei der indigenen Bevölkerung der beiden Amerikas zum ersten Mal beobachtet hatte. Von solchen Pfeifen inspiriert, wurde in Europa schliesslich auch unter der reichen Bevölkerung aus langen und zierlichen Ton- oder Porzellanpfeifen geraucht. Die Länge des Stiels war nötig, um die Schärfe des Tabaks zu mindern. So entstand im Verlauf des 18. Jahrhunderts eine richtige Salon- und Rauchkultur, in der sich die Herren – für Frauen galt das Rauchen als unsittlich – beim Rauchen zurückzogen und Gespräche führten. Eine Kultur des Rauchens, die übrigens auch auf Schloss Wildegg gepflegt wurde: Die Familie Effinger, hier durch den porträtierten Ludwig Albrecht Effinger (1773-1853) repräsentiert, hatte dafür extra ein Raucherzimmer eingerichtet. Später, mit der Entwicklung von Steckpfeifen wie dem vorliegenden Exemplar, wurde auch das Rauchen durch Holzpfeifen, welche lange nur unter der ärmeren Bevölkerung verbreitet waren, ebenfalls wortwörtlich salonfähig. Von nun an dominierten kleinere Formen von Pfeifen, mitunter sowohl aus Porzellan wie auch aus Holz hergestellt. Der Weg der Pfeife in die Sammlung Museum Aargau Die Pfeife war ein Teil der Sammlung der Gebrüder Eugen, Richard und Theodor Zschokke. Die Zschokkes wurden mit der Einwanderung des bekannten Historikers, Schriftstellers und Intellektuellen Heinrich Zschokke (1771-1848) in der Schweiz ansässig. Der in Magdeburg geborene Heinrich gelangte während dem turbulenten Ende der Alten Eidgenossenschaft um 1798 herum in die Schweiz und war nach einem langen Aufenthalt in Graubünden im Aargau ansässig. Hier leistete er als Schriftsteller und als Politiker einen wichtigen Beitrag sowohl bei der Etablierung des neuen Kantons als auch in der Wegbereitung des Schweizer Bundestaates und kam dabei mit verschiedensten Intellektuellen wie zum Beispiel Johann Heinrich Pestalozzi in Kontakt. Schlussendlich liess sich die Familie hauptsächlich in Gontenschwil nieder. Hier bauten die Gebrüder Zschokke auch hier ihre Sammlung auf, die sie schliesslich dem Kanton Aargau als Geschenk vermachten. Schlusswort – Welt des Wandels Wie die Pfeife eindrücklich zeigt, waren die verschiedensten Arten des Tabakkonsums stets mit verschiedenen Assoziationen von Stand und Haltung verbunden; und bleiben dies auch noch heute. Dabei handelt es sich aber keineswegs um fixe Gesetze, sondern um stets im Wandel begriffene soziale Konventionen. Heutzutage, mit einem erhöhten Bewusstsein für die gesundheitsschädlichen Effekte des Tabakrauchens, sind andere Formen des Konsums angesagt, die diskreter sind und gesünder wirken. Dazu kommt auch die erhöhte gesellschaftliche Beschleunigung, welches das gemütliche Pfeifenrauchen durch die schnelle Zigarette ersetzt hat. Ob die Pfeife wiederum ein "Comeback" erleben wird oder nunmehr höchstens als Faksimile in der Form von E-Zigaretten, die wie Pfeifen aussehen, erhalten bleiben wird, muss sich noch zeigen. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. 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Die seltenen Äpfel von Schloss Hallwyl

Zurück zum Blog 11. Oktober 2021 Kategorie Schlossgeschichten Haben Sie heuer schon in einen Hedinger Apfel gebissen? Oder in einen Api? Diese alten Apfelsorten finden Sie nicht beim Grossverteiler. Mit etwas Glück entdecken Sie sie auf dem Markt oder in einem Hofladen. Vor über zweihundert Jahren wuchsen diese Apfelbäume beim Schloss Hallwyl. Woher wir das wissen? Aus einem Pachtvertrag für den Schlosshof aus dem Jahr 1797, den unser freiwilliges Transkriptions-Team entziffert hat. In jener Zeit hatte sich die Freiherrin, Franziska Romana von Hallwyl, mit ihrem Pächter zerstritten (siehe dazu den Blog vom 02. September 2021 ). Nachdem der Pächter den Schlosshof in Schimpf und Schande hatte verlassen müssen, wollte die Freiherrin für die neue Pacht alle Einzelheiten geregelt haben. Damit beugte sie künftigen Konflikten vor – und macht uns Nachgeborenen die Freude, uns über die Wirtschaftsweise eines Seetaler Bauernhofes am Ende des 18. Jahrhunderts zu unterrichten, bis hin zu den Apfelsorten. Foto Museum Aargau Obstbau am Ende des 18. Jahrhunderts auf Schloss Hallwyl Der Schlossverwalter Johann Kaspar Fischer setzte den Prachtertrag am 21. September 1797 im Namen der Freiherrin Franziska Romana von Hallwyl auf. Zum Obstbau notierte er: «Soll der Lehenmann alle Bäume auf dem ganzen Lehenhofe fleissig besorgen, erhauen und puzen […]. Von den Bäumen selbst behaltet Wohldieselbe [die Herrschaft] vor: a) Alle im kleinen Baumgarten b) Alle auf dem Theil des grossen Baumgartens, welcher bisher zum Senntum gehört hat c) den Pomme d'Apis und den Hediger Apfelbaum, nahe beim Baurenhause d) alle Kirschbäume, so die Titl. Herrschaft bisher genuzet hat e) die andern Kirsch- und alle Nussbäume zur Hälfe» Der Hediger Apfel und der Api müssen besonders gute Äpfel sein, dass die Herrschaft sie für sich beanspruchte – obwohl die Bäume nicht vor dem Schloss standen, sondern beim Bauernhaus, auf halbem Weg nach Seengen. Der Api: Eine antike Apfelsorte Schon in der Antike sei der «malum appianum» bekannt gewesen, heisst es im Buch "Schweizerische Obstsorten" aus dem 19. Jahrhundert. Der Api-Baum trage so reichlich, dass man vor lauter Früchten kaum das Laub sehe; zudem lasse sich der Apfel bis in den Frühling lagern. Vielleicht lagen die Api-Äpfel einst in den beiden «Apfelhürden» (Holzgestellen) im Schlosskeller, die ein Inventar von 1781 aufführt. Im Sortenverzeichnis von Fructus, der Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, taucht der Api selbst nicht auf, dafür sein Verwandter, der schmucke Sternapi. Mit seinen fünf Kanten ist er zwar dekorativ, geschmacklich aber eher fad. Der kleine Api, Lithografie von Salomon Bühlmeier in «Schweizerische Obstsorten», herausgegeben vom Schweizerischen Landwirthschaftlichen Verein, 1863-1872. Die Geschichte des Hedinger Apfels Auf der Suche nach dem Hedinger Apfel landen wir bei – nomen est omen – Hans Peter Hediger, der sich um unzählige Apfelbäume im zürcherischen Knonauer Amt kümmert. Er kennt den Hediger oder Hedinger Apfel. Der grosse, rötliche und süssliche Apfel ist nach seinem Herkunftsort Hedingen benannt, einem Dorf im Knonauer Amt. (Der Pomologe Hediger selbst ist gebürtiger Aargauer.) Ohne Hedigers Einsatz wäre der Hedinger Apfel heute womöglich verschwunden. Im Knonauer Amt standen in den 1980er Jahren gerade noch drei Bäume, bevor das Interesse für alte Sorten wieder wuchs. Heute fördert die Gemeinde Hedingen den nach ihr benannten Apfel. Im Buch «Apfelsorten der Schweiz» von 1945 heisst es zum Hedinger Apfel: «Die sehr druckempfindliche Sorte gehört zur Masse der Herbstäpfel, an denen ein grosser Überfluss vorhanden ist. Reduzieren» Obstwirtschaft in der Schweiz im 19. Jahrhundert Einst war der Hedinger Apfel einer der meistangebauten Äpfel in der Schweiz. Im ausgehenden 19. Jahrhundert exportierte die Schweiz Äpfel per Schiff nach Hamburg und weiter bis nach Grossbritannien und Amerika. Weil der Hedinger Apfel druckempfindlich ist, wickelte man ihn für den Transport in Seidenpapier und legte ihn in Weidenkörbe. Die Schweiz war Ende des 19. Jahrhunderts eines der obstreichsten Länder Europas. Eisenbahn und Dampfschifffahrt ermöglichten den Export. Zudem brauchten Mostereien und die Konservenindustrie viel Obst. Mit der Weltwirtschaftskrise ging der Obstexport zurück. Doch die Dörfer des Mittellandes waren noch bis in die 1950er Jahre in Obstgärten eingebettet. Seengen, auf dessen Gemeindegebiet Schloss Hallwyl steht, war 1925 von Obstbäumen umgeben. Luftaufnahme von Walter Mittelholzer. (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv) Hedinger Apfelbäume im Seetal Dass der Hedinger Apfel im Seetal auftaucht, ist nicht verwunderlich. Wer einen Obstgarten hatte, strebte viele verschiedene Sorten an. Es gab einen regen Tauschverkehr von Stecklingen. Nicht auszuschliessen ist, dass der Hedinger Apfelbaum beim Schloss Hallwyl vom Ursprungsort des Apfels stammte, denn die Familie von Hallwyl pflegte enge Beziehungen zum Knonauer Amt. Sie hatte im Kloster Kappel am Albis bis ins 15. Jahrhundert ihre Grablege, in einer nach der Familie benannten Kapelle. Der Hedinger Apfel ist aber eine spätere Züchtung. Dass er schon im Pachtvertrag der Herrschaft Hallwyl von 1797 vorkommt, ist ein früher Beleg. Bislang tauchte er erst im späten 19. Jahrhundert auf. Das Kloster Kappel am Albis. (Wikimedia) Und heute? Gibt es noch Apfelbäume ums Schloss Hallwyl? Heute stehen um Schloss Hallwyl nur noch vier Apfelbäume: Zwei zwischen Wassergraben und Strasse und zwei auf der Mühle-Insel. Bis auf den Lederapfel auf der Mühle-Insel konnten wir die Sorten bis jetzt noch nicht bestimmen – angesichts der über tausend Apfelsorten in der Schweiz ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Bedenklich stimmt, dass die Sortenvielfalt vor fünfzig Jahren um ein Drittel grösser war und sich 90 Prozent der noch vorhandenen Obstsorten auf ganz wenige Bäume beschränken. Ausschnitt aus einem geometrischen Plan über das Schloss Hallwyl, 1854. (Staatsarchiv Bern, Familienarchiv Hallwyl B 941) Den kleinen Baumgarten südlich der Strasse nutzte die Schlossherrschaft um 1800 für sich, den grossen Baumgarten verpachtete sie. Herzlichen Dank an Irene Kirchmeier für die Transkription des Pachtvertrags A 733c aus dem Familienarchiv Hallwyl! Von Sarah Caspers Von Sarah Caspers Sarah Caspers ist Geschichtsvermittlerin im Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schlossgeschichten Kommentare

 
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Was macht ein Objekt authentisch?

Zurück zum Blog 22. Dezember 2021 Kategorie Schätze aus der Sammlung Ob Museum oder Ausstellung: Die dort präsentierten Objekte ziehen uns in ihren Bann und machen Geschichte greifbar. Doch was macht ein Objekt authentisch? Werfen Sie einen Blick hinter die Kulisse von Museum Aargau. Bei den vorliegenden Objekten handelt es sich um die imposanten Grabplatten eines Habsburger Herrscherpaares, des Königs Rudolf I. von Habsburg (1218-1291) und seiner Frau Anna von Habsburg (1225-1281), sowie deren Sohn Karl. Beide Platten sind äusserst massiv und wiegen über 250 Kilo. Jene von Rudolf ist zudem auch über 2 Meter hoch und 80 Zentimeter breit. Die Originale aus dem Hause Habsburg König Rudolfs Bildnis ist gezeichnet durch eine strenge Adlernase und einige Furchen im Gesicht – die Merkmale eines weisen Herrschers. In den Händen trägt er einen Reichsapfel und ein Zepter. Er ist umgeben von den Löwen des Hauses Habsburg und den Symbolen des Heiligen Römischen Reiches, dessen König er war, ohne aber je die Kaiserwürde zu erlangen. Annas Platte, auf der auch Karl abgebildet ist, ist ebenso symbolträchtig gestaltet und nochmals grösser als diejenige Rudolfs. Ihr Gesicht weist eine Form makelloser Jugend auf und ist aufgrund des Tuches um den Kopf in einer Dreiecksform sichtbar. Leicht lächelnd ist Karl nebenbei als kleines Kind zu sehen, während beide von Schildern mit verschiedenen Herrschaftswappen umgeben sind. Eine königliche Grabplatte. Inv. Nr. K-6021. Schein und Sein Die lebensnahe Qualität der Bildnisse scheint uns einen direkten Blick in die Gesichter der Vergangenheit zu ermöglichen. Doch hier begegnen wir einem ersten Problem der Authentizität, denn keiner der drei hat genau so ausgehen. Dies beginnt nur schon mit dem kleinen Karl, der im Alter von wenigen Monaten verstarb und somit nie die Kindheit erlebte, die hier abgebildet ist. Was das Paar betrifft, so sind deren Gesichter nicht nur idealisiert, sondern auch sehr geläufig und auch andere Königinnen und Könige aus dieser Epoche tragen auf ihren Bildnissen äusserst ähnliche Züge. Was hier sichtbar ist, ist nicht die Person per se, sondern ein Idealtyp der Herrschaft, eine Darstellung der Figur eines Königs und einer Königin. Es ging hier um die Vermittlung einer Idee und nicht um eine originalgetreue Nachbildung. Diese Idee des Vermächtnisses spiegelt sich auch in den Orten wieder, an denen die beiden Grabplatten nun ruhen. So war es Annas Wunsch, in Basel beigelegt zu werden, während Rudolfs Grabplatte im Dom zu Speyer aufzufinden ist. Doch wie können die Objekte dann gleichzeitig auf dem Schloss Lenzburg sein? Der Kreislauf der Kopien Die Antwort ist einfach zu erraten: Es handelt sich um Kopien der Objekte. Genauer gesagt sind es Gipsabdrücke aus den 1960er Jahren, hergestellt von Fritz Wehret aus Riehen bei Basel. Doch es wird noch etwas umständlicher. Denn genauso wie die ursprünglichen Grabplatten keine genaue Abbildung der Personen waren, so sind diese Kopien auch keine perfekte Überlieferung der Originale. Diese verloren im Verlauf der Jahrhunderte ihre Farben, welche nur noch Spurenweise belegbar sind. Zudem wurden sie mehrmals beschädigt und restauriert, wobei sich auch Fehler einschlichen. So sind zum Beispiel Annas Hände nun nach vorne hin gefaltet, obwohl sie ursprünglich wohl zum Gesicht hoch zeigten. Somit handelt es sich um eine Kopie, die einen bestimmten Zustand der Platten abbildet, nämlich denjenigen um 1960. Sollten die Originalen seither restauriert worden sein, würden sich dies nicht mehr auf die Objekte auf Schloss Lenzburg auswirken. Auf der Lenzburg stehen sie vereint, Inv. Nr. K-6020 und K-6021. Authentizität und Erlebnis Ändert dieses Wissen nun unsere Wahrnehmung der Objekte? Haben sie, wie der Philosoph Walter Benjamin argumentierte, ihre "Aura der Authentizität" verloren? Oder anders gefragt: Hat ein Museum noch einen Wert, wenn es nur Kopien ausstellt? Eine mögliche Antwort wäre, dass es schlussendlich ja nicht um die einzelnen Objekte an sich, sondern um ein Gesamterlebnis geht. Die einzelnen Objekte erhalten ihre wahre Bedeutung oftmals erst im Kontext der gesamten Ausstellung. Auf Schloss Lenzburg werden die beiden Grabplatten somit Teil einer grösseren Erzählung. Denn während die Originale geografisch weit getrennt ruhen, ist das Herrscherpaar hier vereint und das Gesamtbild eines Königspaares kann so unmittelbar erfahren werden. So mag für die Zuschauenden das Erlebnis des Originalen fehlen, aber nichtsdestotrotz findet der Prozess des Geschichteerlebens statt. Und was ist die Aufgabe der Museen, wenn nicht die Auseinandersetzung und Reflektion über die Vermittlung von Geschichte? In diesem Sinne kann man auch die Frage stellen, wann die Kopien an sich historisch werden und ihre Geschichte spannender wird als die Originalobjekte selbst? Originale in der digitalen Welt Die Motivation, das Original zu erfahren, wird wohl dennoch stets vorhanden sein. Somit gehört es auch zum Aufgabenfeld einer Ausstellung oder eines Museums, diese Objekte zu erhalten und zu schützen. So wird auch in Zukunft die physische und digitale Nachbildung historischer Gegenstände an Bedeutung zunehmen. Geschichte und Geschichtsvermittlung ist immer eine Annäherung an das Vergangene und nie eine direkte Erfahrung. Die Tatsache, dass wir eine Kopie vor uns haben, sollte dieses Erlebnis nicht schmälern. Ganz im Gegenteil: Sie macht uns bewusst, dass unsere gegenwärtige Inszenierung der Objekte und Geschichten genauso relevant und interessant ist wie die Gegenstände selbst. Das Erleben der Vergangenheit ist ein stetiger Prozess und keine vollendete Tatsache. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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Nie wieder schlechte Eier mit dem Eier-Prüfgerät MIREX

Zurück zum Blog 10. November 2021 Kategorie Schätze aus der Sammlung Ist dieses Ei noch gut? Die 1970er Jahre mit ihrer Bandbreite an – sagen wir mal – praktischen Erfindungen haben da ein Ass im Ärmel. Der Blog Museum Aargau präsentiert: das Eier-Prüfgerät MIREX. Man kennt das, beim Frühstück steht auch ein Ei auf dem Speiseplan, doch der Einkauf liegt schon eine Weile zurück. Das einzige verbliebene Ei im Kühlschrank erweckt daher schon leichten Salmonellenverdacht. Die Frage stellt sich: Ist es noch gut? Doch keine Sorge: «ELECTRO MIREX sagt Ihnen dies augenblicklich und mit Sicherheit», so die Werbung für das sogenannte Eier-Prüfgerät, das die Aargauer Firma Injecta in den 1970er Jahren erfand. Ein Exemplar ist Teil der Sammlung Museum Aargau. MIREX Eier Prüfgerät, Inv. Nr. K-19081 Die Wunder der modernen Technik Das Gerät, welches aussieht wie ein übergrosser Eierbecher, funktioniert mit einem einfachen optischen Trick. Denn beim fortschreitenden Alter eines Eis wächst die im Ei enthaltene Luftblase. Diese kann mit dem Prüfgerät, welches über eine Lampe und einen Spiegel verfügt, sichtbar gemacht werden, um so je nach Grösse der Blase die Frische des Eis festzustellen. Die Einführung des Geräts zog dabei durchaus auch Aufmerksamkeit auf sich und so erschien im Magazin Der Spiegel 1972 ein Artikel darüber. Ein Aargauer Original aus Teufenthal Das Gerät stammt aus dem Hause der Injecta AG aus Teufenthal. Die Druckgiesserei Injecta AG startete im August 1921 ihren Betrieb mit 24 Mitarbeitern in Teufenthal. In der Fabrik kam erstmals das "Druckgussverfahren" zur Anwendung, bei dem Schmelzgut mittels eines Zylinders schnell und unter hohem Druck in eine Metallform eingeschossen wird. Fotografie der Injecta-Fabrik in Teufenthal, Inv. Nr. K-18743 Internationale Bedeutung erlangten die Produkte der Injecta AG, weil sie wichtige Komponenten für die Elna-Nähmaschine, den Philips-Elektrorasierer, das Jura-Dampfbügeleisen und die BMW-Motorräder herstellte. Den grössten Anteil der Produktion machten jedoch Einzelteile für die verschiedensten Sparten der Maschinenindustrie aus. Daneben stellte die Firma auch mehrere Eigenprodukte unter dem Markennamen "INCA" her. Dazu gehören der 1925 patentierte Zähler für Textilmaschinen, eine Kreissäge, ein Kirschenentsteiner oder eine kleine Vase für eine einzelne Blume, die auch zum Injecta-Bestand im Sammlungszentrum Egliswil gehören. Wie das Eierprüfgerät Mirex in die Sammlung Museum Aargau kam Nach einem Höhenflug der Firma in den 1970er Jahren schwand der Erfolg des Unternehmens leider zunehmend und es musste 2011 die Tore endgültig schliessen. Nachdem die Firma im Jahr 2011 liquidiert wurde, konnten einige bedeutende Objekte von einem ehemaligen Firmenmitarbeiter für die Historische Sammlung im Jahr 2012 erworben werden. So kam unter wohl etwas nützlicheren Gegenständen aus dem Hause Injecta auch das MIREX Eier-Prüfgerät in die Historische Sammlung und ist doch ein interessantes Zeugnis eines gewissen Techno-Optimismus und dem Aufkommen multifunktionaler Gadgets. Doch gewiss ist diese Zeit noch lange nicht vorbei und wohl auch in Zukunft erwartet die Historische Sammlung noch so manche Absurditäten der menschlichen Einfallskraft. Kleiner Tipp zum Schluss: Derselbe Test am Ei kann auch durchgeführt werden, indem das Ei in ein Wasserbad gelegt wird. Je grösser die Luftblase, desto höher steigt das Ei. Schwebt es im Wasser, dann sollte es nicht mehr konsumiert oder zumindest sehr gut gekocht werden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare 19.04.2024 Werner Maurer Wir haben uns vor 50 Jahren köstlich amüsiert, als uns Lehrlingskollege Armando den Prototypen vorgeführt hatte. Solche Fehlleistungen waren vielleicht der Anfang vom Ende.

 
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Wildegger Jodwasser – das Gesundheitswasser der Schlossdomäne

Zurück zum Blog 02. November 2021 Kategorie Schätze aus der Sammlung Schon gewusst? Das Gebiet von Schloss Wildegg produzierte sein eigenes und lange bekanntes "Wildegger Jodwasser". Wasser ist nicht gleich Wasser, dies wird gerade in den heutigen Zeiten wieder bestätigt. Auf den Flaschen erfolgreicher Mineralwasserunternehmen wird mit der speziellen Qualität und dem unschlagbaren Mineralgehalt der jeweiligen Quelle geworben und Marken wie Evian sind auf der ganzen Welt erwerblich. Doch auch schon in früheren Jahrhunderten wurde Mineralwasser produziert und überregional vertrieben, wie ein Garagenfund aus Wildegg belegt. Das Gebiet von Schloss Wildegg produzierte sein eigenes und lange bekanntes "Wildegger Jodwasser", das mit Vorzug von den amerikanischen Besitzern der Lenzburg, der Familie Ellsworth konsumiert wurde. Eau Iodurée Das Objekt in Frage kommt in der altbekannten Form einer klassischen grünen Glasflasche daher und kann auf das späte 19. Jahrhundert datiert werden. Das Etikett weist Alters- und Gebrauchsspuren auf, doch ist weiterhin noch gut lesbar. Darauf zu sehen ist eine Abbildung des Schlosses Wildegg - damals noch im Besitz der Familie Effinger. Mineralwasser Wildegg, Inv. Nr. K-19686 Die Beschreibung des Wassers ist dabei sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch aufgetragen, was bereits ein Hinweis auf die weitere Verbreitung des Wassers ist. Das Etikett ist interessanterweise vor Allem als medizinische Anweisung gestaltet und gibt eine eher spärliche Anwendung des Wassers vor, die nur als Teil einer längeren Kur mit einer Dauer von 6-8 Wochen durchgeführt werden soll. Der Grund dafür ist, dass es sich um Wasser mit einer stark erhöhten Jod Konzentration handelt. Obwohl dies heutzutage wohl eher Assoziationen mit einem Thermalbad hervorruft, war die Aufnahme von Jod auf diese Art im frühen 20. Jahrhundert und zuvor noch einigermassen geläufig. Iodierte Speisen Jod ist ein essentielles Spurenelement für die Funktion des menschlichen Organismus und ist vor allem in der Funktion der Schilddrüse entscheidend. Je nach Region sind dabei die Vorkommnisse im Boden und in den Nahrungsmitteln sehr unterschiedlich und so wurde Jod auch schon bald in unterschiedlichen Formen zusätzlich aufgenommen. Auch die Schweiz ist noch heutzutage davon betroffen und so wurde zum Beispiel 2014 per Bundesentscheid die Konzentration von Iod im Speisesalz erhöht. Nebst dieser Verwendung ist Jod auch weithin geläufig als ein Desinfektionsmittel und wird auch oft im Bereich von Thermalbädern eingesetzt. Historisch entstanden solche Bäder bei einer natürlichen Jodquelle, wo das Wasser je nach der Konzentration des Elements eine typische braune Farbe annahm. Der direkte Geschmack von Jod ist nicht unbedingt angenehm und so überrascht es auch nicht, dass die früher noch geläufigere direkte Aufnahme von Jodwasser nicht mehr weit verbreitet ist. Doch während langer Zeit lieferten Quellen wie diejenige in Wildegg Wasser für eine grössere Anzahl von Haushalten. Mineralwasser Wildegg, Etikette, Inv. Nr. K-19228 Schätze der Wildegg Die Jodquelle in Wildegg war relativ lange in Betrieb und lieferte von der Zeit ihrer Entdeckung 1830 bis zu ihrer Schliessung im Jahr 1964 konstante Wassermengen von etwa 40 bis 60 Litern pro Jahr. Kurze Zeit nach der Schliessung der Quelle wurde auch das Brunnenhaus versehentlich abgerissen, dann aber 1976 von dem Schweizer Nationalmuseum, dem damaligen Besitzer des Schlosses Wildegg, wiederaufgebaut und ist heute erneut begehbar. Wasser wird ihr heute jedoch nicht mehr entnommen und auch die Hersteller der grünen Wasserflasche, die Glashütte Bülach AG, schloss im Jahr 2002 nach 111 Jahren Betrieb ihre Tore. Nichtsdestotrotz erinnert diese Mineralwasserflasche noch an die Geschichte der alten Quelle, die darauf wartet, wieder entdeckt zu werden. Passend dazu wurde auch diese Flasche auf dem Schloss Wildegg in einer Garage gefunden und konnte dann in die Historische Sammlung überführt werden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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Herbst-Vorbereitungen für die Tulpenpracht im Frühling

Zurück zum Blog 18. September 2021 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Langsam werden die Tage kürzer und der Morgen riecht nach Herbst. Nun startet die Tulpensaison – es wird also Zeit, sich Gedanken über die Tulpenplanung zu machen. Denn die Tulpenzwiebeln müssen vor dem ersten Frost in den Boden. Damit diese im kommenden Frühling prächtig blühen, gilt es einiges zu beachten. Als Faustregel gilt: Die Tulpenzwiebel kommt doppelt so tief in die Erde wie sie dick ist. Dann die Tulpenzwiebel gut angiessen. Wichtig ist ein durchlässiger Boden, damit sich keine Staunässe bildet. Wählen Sie einen halbschattigen Standort. Tulpenzwiebeln pflanzen Ob wild gestreut, schön in Dreier- bis Fünfergruppen oder gar gemischt mit anderen Zwiebeln: Bei der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Sehr schön ist auch die Kombination mit Stauden oder der saisonalen Winterbepflanzung. Wer keinen Garten zur Verfügung hat, kann auch sehr gut alle möglichen Gefässe mit Tulpen und anderen Zwiebeln bepflanzen. Je nach Sorte erreichen die Pflanzen eine Höhe von 10 bis 70 Zentimeter. Sie blühen zwischen März und Mai. Durch den Winter benötigen die Tulpenzwiebeln keine spezielle Pflege. Die Gefässe sollte man an frostfreien Tagen auf ihre Feuchtigkeit kontrollieren und bei Bedarf giessen. Ausgepflanzt ist dies nicht nötig, da der Boden genügend Wasser speichert. Tulpenpflege im Frühjahr Damit die Tulpen nach der Blüte keine Samen bilden, werden die verblühten Triebe abgeschnitten. So kann die Zwiebel wieder neue Kraft sammeln für darauffolgende Jahr. Die Blätter werden drangelassen, bis sie verdorrt sind. Es ist nicht nötig die Zwiebeln jedes Jahr auszugraben und zu übersommern. Wer dies jedoch lieber möchte, lagert die Tulpen an einem trockenen dunkeln Ort in Kisten oder hängt sie am Laub auf. Wussten Sie, dass es ungefähr 4200 verschiedene Tulpensorten gibt? Eine unglaubliche Vielfalt! Für den besseren Überblick sind diese in Gruppen eingeteilt. Der Tulpenzwiebel- und Genussmarkt im September auf Schloss Wildegg bietet übrigens 18'000 der schönsten und seltensten Tulpen. Lassen Sie sich inspirieren! Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Herbstzauber! So blühen ihre Blumen auch in der kalten Jahreszeit

Zurück zum Blog 15. Oktober 2021 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Auch im Winterhalbjahr machen Blumen vor dem Fenster und auf dem Balkon viel Freude. Damit es in der kalten Jahreszeit in den Blumenkisten richtig schön blüht, gilt es einiges zu beachten. Welche Pflanzen eignen sich? Bepflanzen Sie die Balkonkisten im Herbst mit winterharten Pflanzen. Diese meistern auch längere Kälteperioden und halten bis mindestens in den Frühling. Geeignet sind unter anderem Astern, Chrysanthemen und Ziergräser sowie Blattschmuckpflanzen wie Heuchera, Fetthenne, Bergenien, Bleiwurz und Pfennigkaut. Ein Hingucker in der winterlichen Blumenkiste sind auch Stiefmütterchen. Diese sind jedoch anfälliger auf tiefe Temperaturen. Unter dieser Bepflanzung können Zwiebelpflanzen für schöne Blüten im Frühling sorgen. Was gilt es zu beachten? Bepflanzen Sie die Kisten eher dicht: Die Pflänzchen wachsen im Winterhalbjahr weniger stark als in der warmen Jahreszeit und nehmen auch weniger Platz ein. Die winterlichen Blumenkisten benötigen weniger Pflege. Es genügt, dürre Blätter und Blüten rauszuschneiden. Dünger ist kaum nötig. Die Erde sollte stets feucht sein, jedoch nicht zu nass. Zu viel Wasser führt zu Fäulnis, was die Wurzeln zum Absterben bringt. Verwenden Sie ausschliesslich Blumenkisten aus Materialien, die sich für den Winter eignen. Eine Drainage aus Lecca, Tonscherben oder Kiesel begünstigt den Wasserabfluss. Auf Untersätze sollte verzichtet werden, diese führen zu stehendem Wasser und damit zu Fäulnis. Wie geht es nach dem Winter weiter? Im Frühjahr können die Pflanzen dann in den Garten versetzt werden. Oder Sie stellen die Blumenkiste an einen schattigen Ort und übersommern diese bis im Herbst. Mit ein paar zusätzlichen Pflanzen ist die Blumenkiste dann schnell bereit für die nächste Wintersaison. Übrigens: Mit Sternen, Leuchtgirlanden und anderen kleinen Dekorationen wird die winterliche Blumenkiste im Handumdrehen zum weihnachtlichen Schmuck. Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Die Geschichte der Kartoffel – und was der Aargau damit zu tun hat

Zurück zum Blog 09. Februar 2022 Kategorie Schätze aus der Sammlung In der Geschichte der Kartoffel gibt es interessante Verbindungen zum Aargau und insbesondere Schloss Wildegg. Der Blog zeigt, wie sich die frühere Zierpflanze zum Grundnahrungsmittel und – in Form von “Härdöpfeler” – zum Billigschnaps gemausert hat. Die vorliegende Flasche stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und damit aus einer Zeit, zu der die Kartoffel bereits ein fest etabliertes Nahrungsmittel und verbreitetes alkoholisches Getränk geworden war. Die rustikale Umhüllung mit Stroh macht die Flasche stabil und haltbar; sie stammt ursprünglich aus der Region Seengen. Die Flasche enthielt auf jeden Fall einst Schnaps und es ist gut vorstellbar, dass auch in solchen Flaschen der bekannte Kartoffelschnaps abgefüllt wurde. Doch bevor es so weit war, musste die Kartoffel auf dem Gebiet der heutigen Schweiz erst etabliert werden. Schnapsflasche Mitte 19. Jh., Inv. Nr. K-389. Die Kartoffel wurde auf dem Gebiet der Amerikas schon seit Jahrtausenden kultiviert und gelangte dann im Zuge der kolonialen Eroberungen auch nach Europa. Die Kartoffel erreichte die heutige Schweiz wahrscheinlich bereits Ende des 16. Jahrhunderts. Kultiviert wurde das neue Gewächs vorerst aufgrund seiner Blütenpracht, später wurde es Teil der botanischen Gärten. Das "Kornland" Aargau: Skepsis gegenüber der Kartoffel Hier spielte auch ein Standort von Museum Aargau eine wichtige Rolle. Denn unter der Anleitung von Bernhard Effinger (1658 – 1725) entstand auf Schloss Wildegg – angelehnt an die Hofgärten des europäischen Adels – der beeindruckende Schlossgarten. Die hier zu findende Pflanzenvielfalt war dabei prägend für die Garten- und Anbaukultur des Gebietes Aargau und machte Raum für das Anpflanzen von noch unbekannten Sorten. So soll es auch der Wildegger Schlossgarten gewesen sein, in dem die ersten Kartoffeln im Aargau blühten. Lust- und Nutzgarten von Schloss Wildegg. In Zusammenarbeit mit ProSpecieRara werden nun heute hier alte Gemüsesorten wie zum Beispiel die violette Artischocke, die Zuckerwurzel oder die Etagenzwiebel kultiviert. Aufgrund der Skepsis gegenüber der Knolle als Nahrungsmittel aber insbesondere aufgrund der Zehnt-Forderungen der Obrigkeiten wurde der grossflächige Anbau der Kartoffel jedoch vorerst abgebremst. Denn der Berner Aargau war sehr lange ein strategisches Anbaugebiet für Getreide. Mit den Getreideabgaben aus den Untertanengebieten stellte die Berner Regierung die Versorgung der Stadt sicher. Die landwirtschaftliche Produktion war eng mit den Herrschaftsbeziehungen zwischen städtischen Obrigkeiten und ihren ländlichen Untertanen verknüpft: So schuldete auch der Aargau der Berner Herrschaft den Getreidezehnten. Kartoffel gegen Weizen Doch die stetig wachsende Bevölkerung musste ernährt werden. Fortschrittlichere Stimmen forderten Reformen in der Landwirtschaft. Zu den Erneuerungen zählte auch der Anbau neuer Nutzpflanzen. Allen voran: Die Kartoffel. Ausschlaggebend für den endgültigen Durchbruch der Knolle waren die Hungersnöte Ende des 18. Jahrhunderts und im beginnenden 19. Jahrhunderts. Im Vergleich zum Getreide hatte die Kartoffel eine wesentlich höhere Ertragsfähigkeit, was vor allem für Kleinbauern interessant war. In diesen Krisenzeiten trug die Kartoffel wesentlich zur Subsistenzsicherung der besitzarmen Bevölkerungsschichten bei. Im Zuge der Agrarreformen wurde das Zehntrecht aufgehoben und die Kartoffel fand Einzug in die Fruchtwechselwirtschaft. Auch auf dem Schloss Lenzburg war lange ein strategisch wichtiges Kornhaus eingerichtet, dass für die Lagerung des Getreides bedeutend war. Weil vorerst nur das Getreide besteuert war, bremste die Regierung den Anbau anderer Pflanzen wie der Kartoffel aus Angst vor Einbussen bei den Getreideinnahmen aus. Lange nur eine Zierpflanze mit unterschätzter Wurzel, die Kartoffel. Zeichnung Amédée Masclef 1891 - Wikimedia Commons. Der "Härdöpfeler": Billigschnaps für die Massen Im 19. Jahrhundert erfolgte dann endgültig der Durchbruch zum Grundnahrungsmittel. Verbesserungen in der landwirtschaftlichen Produktion führten gar zu Überschüssen. Im Zusammenspiel mit neuen Brenntechnologien boomte der "Härdöpfeler". Der Kartoffelschnaps war als billiges Rauschgetränk äusserst beliebt. Das erste Alkoholgesetz (1884) und die Abstinenzbewegungen versuchten, der sogenannten "Kartoffelschnapspest" entgegenzuwirken – mit mässigem Erfolg. Die Agrarreformen, gute Erntejahre mit Produktionsüberschüssen sowie eine einfachere Brenntechnologie führten geradezu einen Boom der Schnapsproduktion herbei. Bereits in der alten Eidgenossenschaft waren alkoholische Getränke wie Wein, Obstwein und Bier sowie Obstschnaps und Branntwein durchaus beliebt und wurden reguliert. Mit dem Aufkommen des sogenannten "Härdöpfelers" erreichte der Alkoholkonsum aber neue Dimensionen. Die Industrialisierung förderte diese Entwicklung ungemein, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Manufakturen führten zu einer Steigerung im Schnapskonsum. Dieser war leicht verfügbar und billig. Mittlerweile ist der Härdöpfeler weitgehend aus dem Bewusstsein geschwunden und ist zunehmend von wohl etwas feineren Spirituosen verdrängt worden. Die Kartoffel jedoch schreibt weiterhin Erfolgsgeschichte: In Form von Rösti gilt sie heute als Nationalgericht. Und: Herr und Frau Schweizer essen über 40 Kilo Kartoffeln pro Jahr. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

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Schloss Lenzburg

Ritter- und
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Schloss Lenzburg ist eine der bedeutendsten Höhenburgen der Schweiz. Erleben Sie Ritter, Adlige und Gauner!

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Schlossdrache Fauchi in der Drachenhöhle von Schloss Lenzburg

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Ein Gaukler mit brennenden Fackeln vor einer Menschenmenge

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Ausstellung Ritter Schloss Lenzburg

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Zwei historisch gekleidete Freuen stehen vor dem Tor von Schloss Lenzburg und bitten Besucher mit einer einladenden Geste herein.

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Entdecken Sie im Wohnmuseum und im Gefängnis zwei Lebenswelten.

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Rittertum und Adel

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Sonneneinfall im Bistro auf Schloss Lenzburg

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Hochzeit auf Schloss Lenzburg: Eine Braut steht an einem festlich gedeckten Tisch mit Gästen im Rittersaal von Schloss Lenzburg.

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1000 Jahre Schlossgeschichte  

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

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Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

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