Schloss Wildegg

Museumswald mit Geissen

Museumswald Preis Eintritt frei Ort Der Museumswald befindet sich oberhalb des Spielplatzes bei Schloss Wildegg 0 Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert Der Museumswald von Schloss Wildegg zeigt die Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert: als Speisekammer, Holzlieferant, Weidefläche und Jagdrevier. Kern des Museumswaldes ist die Waldweide. Im Früh- und Spätsommer grasen hier Geissen, wie vor 200 Jahren. Führungen und Workshops lassen diese historische Waldnutzung lebendig werden und beleuchten die heute so aktuellen Themen Biodiversität und Naturschutz. Museumswald auf Schloss Wildegg: Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert

 
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Licht ins Dunkel: Das farbige Mittelalter

Zurück zum Blog 08. Juli 2026 Kategorien Mittelalter Historische Kleidung Trug man im Mittelalter nur graue und braune Kleidung? Weit gefehlt! Eine Hommage an die Farbigkeit dieser Epoche. Das Klischee des "dunklen Mittelalters" hält sich in der breiten Bevölkerung und in der medialen Kultur hartnäckig – zum Frust von Historikerinnen und Historikern sowie anderen, welche sich mit dieser Epoche differenzierter auseinandersetzen. Wenn man im alltäglichen Kontext etwas als "mittelalterlich" bezeichnet, ist dies negativ geprägt und soll "rückständig" ausdrücken. Allerdings war das Mittelalter aufgeklärter, heller und bunter, als es die heutige kollektive Vorstellung vermuten lässt. "Das Mittelalter" wird in Film und Fernsehen gerne mit einem Graufilter porträtiert, um die Erwartungen des fälschlich geprägten Publikums zu erfüllen. Auch angeblich "historische" Dokumentationen zeigen Personen in einer gleichmässigen Einheit dunkler, fader und teils auch verdreckter Kleidung dargestellt. Das Mittelalter war jedoch genauso vielfältig wie jede andere Epoche, was Farbigkeit anging. Von wunderschön illuminierten Handschriften über Glasfenster bis hin zu Schmuckstücken, Keramik und eben auch: Kleidung ! Geschichte der Textilfärberei Entgegen den klischierten Vorstellungen trugen die Menschen aller mittelalterlichen Stände definitiv Farbe. So konnten Blau, Hellgrün, Gelb und Rot aus günstigen Färbemitteln gefärbt werden. Allerdings markierten Färbegrad und Färbemittel einen Unterschied im sozialen Status – aber dazu weiter unten mehr. Synthetische Farbstoffe wurden erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Bis dahin färbte man Textilien mit natürlichen Farbstoffen aus Pflanzen (Wurzeln, Blättern, Rinden, Hölzern, Blütenteilen, Samen) sowie aus Tieren und Metallen. Textilien wurden bereits in der Jungsteinzeit gefärbt und das Wissen über das Färben von Textilien war insbesondere in China, Persien, Syrien und Ägypten präsent und verbreitet. In unseren Breitengraden färbten bereits die europäischen Pfahlbauer ihre Kleidung. In der Antike beizte man die Textilien mit Alaun, Eisen- und Kupfervitriol. Beizen bedeutet, dass die Farbintensität gefestigt und vertieft wurde. Funde von Alaun-Amphoren in Augusta Raurica zeugen davon, dass dieser Rohstoff in die heutige Schweiz gehandelt wurde. Gefärbt wurden Fasern und Stoffe aus Wolle, Leinen und Seide, wobei Leinen nicht so farbintensiv wie die anderen beiden pflanzlich gefärbt werden kann. Färbemittel In Europa wurden für die drei Grundfarben hauptsächlich folgende Pflanzen verwendet: Blau: Waid (Isatis tinctoria), aus den Blättern Rot: Krapp ( Rubia tinctorum) , aus dem Wurzelstock Gelb: Wau/Reseda ( Reseda luteola) , aus den oberen Pflanzenteilen, besonders den blühenden Ästen Der Anbau von Färberpflanzen machte die jeweiligen Ortschaften reich, so zum Beispiel die Stadt Erfurt in Thüringen, welche sich zum Zentrum des mittelalterlichen Waidhandels etabliert hatte ("Erfurter Blau"). Das Elsass in Frankreich und die Stadt Speyer in Deutschland waren berühmte Orte für den Krappanbau und -handel (bspw. "Speyerer Rot"). Für Gelb verwendete man neben Wau auch Färberkamille, Zwiebelschalen und wertvollen Safran. Indigo als blaues Pigment war bekannt, musste aber teuer importiert werden. Mit Indigo gefärbte Stoffe waren entsprechend wertvoll. Erst im ausgehenden 16. Jahrhundert, als die aus Indien stammende Indigopflanze in der Karibik kultiviert wurde, löste das stärker und leuchtender färbende Indigo den Waid ab. Färberwaid, Färberkrapp (Wurzeln) und Färberwau, Wikimedia commons. Noch teurer als Indigo war Purpur. Für ein Gramm Purpurfarbstoff benötigt man 10 000 Purpurschnecken. Bis ins 15. Jahrhundert wurde dies nur in Konstantinopel hergestellt und war den Kaisern vorbehalten. Senatoren markierten ihren Status ebenfalls mit purpurnen Streifen an ihren Togae . Nachdem Konstantinopel 1453 erobert wurde und das Byzantinische Reich zerfiel, verschwand das Wissen zur Herstellung von Purpur. Es wurde durch das sogenannte Kermesrot ersetzt, das aus weiblichen Kermesschildläusen gewonnen wurde. Dieses wurde wiederum im 16. Jahrhundert durch die aus Amerika eingeführte Cochenille-Schildlaus abgelöst. Damit können intensivste Pinkfärbungen erzeugt werden. Je nach Seltenheit und Aufwand ergibt sich der Wert einer Farbe – Textilien sollten möglichst lichtecht und waschfest gefärbt sein. Diese Qualität in den Textilien erlaubt es auch den «Gutbetuchteren», ihren Reichtum und ihren Stand über die Farbe und Qualität ihrer Kleidung zu demonstrieren. Je höher die Sättigung einer Farbe, desto teurer also der Stoff. Mehrfachfärbungen waren ebenfalls teurer. Alle Stoffe gefärbt von Stefan Fankhauser, Schönfärbery. Je dunkler der Farbton, desto öfter wurde ein Stoff gefärbt und ist dadurch teurer. Identität und Repräsentation: Kleiderordnungen "Kleider machen Leute" und wie heute versuchten Menschen sich auch im Mittelalter mittels Mode schick zu machen. Der Ausdruck des sozialen Status in der ständischen, mittelalterlichen Gesellschaft über die äussere Erscheinung wurde zum Missfallen der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit auch überstrapaziert. Um den Ausdruck über Äusserlichkeiten, also auch über die Qualität der Farbigkeit von Textilien zu regeln, wurden die sogenannten Kleiderordnungen erlassen. Ab dem 12. Jahrhundert versuchte die Obrigkeit, die Vermischung der Grenzen zwischen den Ständen durch sogenannte Sittenmandate zu kontrollieren und einzudämmen. Sittenmandate regelten die maximal zulässige "Aufwändigkeit" an Kleidung. Dies galt nicht nur zwischen den Ständen, sondern auch zwischen den Geschlechtern. Die Zürcher Kleiderordnung aus dem 14. Jahrhundert gab vor, dass nur junge, unverheiratete Frauen ihre Kleidung mit Edelmetallen und Edelsteinen schmücken durften, verheiratete und verwitwete jedoch nicht. Burgundische Mode. Regnault de Montauban, rédaction en prose, tome 1er. Bibliothèque nationale de France, Bibliothèque de l’Arsenal, Ms-5072, fol. 270v, 2, Hälfte 15. Jahrhundert. Der Berner Twingherrenstreit ist ein anschauliches Beispiel für einen Konflikt um Kleiderordnungen, an dem auch ein ehemaliger Bewohner von Schloss Lenzburg beteiligt war. Im Jahr 1469 wurde eine bereits bestehende Kleiderordnung von 1464, welche sich gegen Adelige richtete, vom neu gewählten, bürgerlichen Schultheissen erneuert. Der Berner Adel wehrte sich und verstiess absichtlich gegen die neuen Regeln. Unter den Gegnern war auch Twingherr Adrian I. von Bubenberg – er amtete von 1457 bis 1461 als bernischer Vogt auf der Lenzburg. Twingherrenstreit. Aus: Bern, Burgerbibliothek, Mss.h.h.I.3, p. 87 und p. 100 – Diebold Schilling, Amtliche Berner Chronik, Bd. 3, 1478-1483. In der Verordnung wurde das Tragen der damals beliebten, burgundischen Mode verboten: spitze Schnabelschuhe und lange Schleppen bei Damen und kurze Männergewänder. Angehörige des Adels demonstrierten dagegen, indem sie mit Schleppen und Schnabelschuhen zur Messe erschienen. Dies führte zu einem Gerichtsprozess, in dem sie argumentierten, ein Recht auf Markierung des Standesunterschiedes zu haben. An Werktagen könnten sie keine Kleidung aus Seide oder Gold tragen, weshalb sie auf Schnabelschuhe und Schleppen angewiesen seien. Die Adeligen wurden darauf mit einer Busse belegt und für einen Monat aus der Stadt Bern verbannt. Sie wurden aber bald schon aufgrund der Wirtschaftlichkeit wieder zurückgeholt und die Kleiderordnung musste angepasst werden. Ein Beispiel für eine Ordnung, welche ungefärbte, graue Wolle vorsah, stammt aus dem tirolischen Brixen. 1215 schrieb das Vierte Laterankonzil vor, dass die dort ansässigen Kleriker sich bescheiden zu kleiden hatten. Die Verwendung roter Farbe wurde untersagt. Sie war sehr beliebt, doch rotes Wolltuch musste teuer aus Flandern und den Niederlanden importiert werden, weil die einheimische Wolle von der Qualität her keine kräftige Rotfärbung zuliess. Später wurde auch Grün verboten, welches mit einer zusätzlichen Färbung des teuren Indigos besonders leuchtend gefärbt wurde. Ein weiteres Klischee: Die Farbe Gelb Ein kollektives Wissen über die Verwendung der Farbe Gelb zur Kennzeichnung von Randgruppen ist weit verbreitet. Allerdings greift dieses Bild oft zu kurz, weshalb der Zusammenhang hier genauer betrachtet werden soll. Ein päpstliches Legat bestimmte mit dem sogenannten Judendekret 1451/52 u.a., dass alle in der Bamberger Diözese lebenden Juden einen gelben Ring auf ihrem Gewand oder Mantel tragen mussten. Aber: Jüdinnen mussten an ihren Kopfbedeckungen oder Schleiern zwei blaue Streifen tragen. Also auch hier: Vorsicht bei Verallgemeinerungen über Farbcodierungen. Ausserdem hält sich das Klischee, dass Prostituierte gelbe Kleider getragen haben, hartnäckig. Dies ist aber ebenfalls nicht belegbar. Im 15. Jahrhundert bestimmten einige Städte gelbe Markierungen für Prostituierte (aufgenähte Streifen, Tücher oder Schleier), allerdings nie komplette Kleider. Andere Vorgaben schrieben das Tragen von roten oder grünen Kleidungsstücken vor. Die Gruppen „Kurfürstlich Sächsische Kriegsknechte 1475“ und „1476 – Städtisches Aufgebot e.V.", Foto von Sebastian Bergner. Pflanzenfarben – so bunt wie ein Prisma Das Gruppenfoto der "Kurfürstlich-Sächsischen Kriegsknechte" und dem "1476 Städtisches Aufgebot e.V" – zwei Reenactmentgruppen aus Deutschland – zeigt eindrucksvoll, wie farbig und vielfältig das späte 15. Jahrhundert sein konnte und welche Farbigkeit mit den im Mittelalter verfügbaren Farbstoffen erreicht werden kann. Dieser Blogbeitrag kann das breite Thema des farbigen Mittelalters nicht vollständig abdecken. Er soll aber helfen, das Klischee vom dunklen und grauen Mittelalter ein wenig zu widerlegen. Verwendete und weiterführende Literatur Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 47-63. Fankhauser, Stefan: Schönfärberey : https://schoenfaerberey.ch/index.html , 04.07.2026. Feusi, Giovanna: Pigmente der Nachhaltigkeit : https://dlf.uzh.ch/sites/pigmentedernachhaltigkeit/2022/07/22/ , 04.07.2026. Fuchs Lisa und Reifinger Petra: Das bunte Mittelalter (1): Herstellung von Farben , Universitätsbibliothek Graz, https://ub.uni-graz.at/de/neuigkeiten/das-bunte-mittelalter-1-herstellung-von-farben/ , 04.07.2026. Linares, Marina: Kunst und Kultur im Mittelalter . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 297-311. Museum Wiesbaden, Ausstellung " Tierisch rot ", https://museum-wiesbaden.de/tierisch-rot , 25.06.2026. Ploss, Emil Ernst: Ein Buch von alten Farben. Technologie der Textilfarben im Mittelalter mit einem Ausblick auf die festen Farben , 2. Aufl., München 1967. Simon-Muscheid, Katharina: "Kleidung" . In: Historisches Lexikon der Schweiz: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016302/2008-10-16/ , 04.07.2026. Sorores Historiae: Das Gelbe vom Ei – Von der Verwendung gelber Farbstoffe im Mittelalter , https://sororeshistoriae.com/2019/09/03/das-gelbe-vom-ei-von-der-verwendung-gelber-farbstoffe-im-mittelalter/ , 04.07.2026. Torggeler, Armin: Verbotene Farben. Die Rolle von Textil und Kleidung in den Reformbestrebungen des Nicolaus Cusanus . In: Nicolaus Cusanus. Ein unvergessenes Genie in Tirol. Runkelsteiner Schriften zur Kulturgeschichte 9, Bozen 2016, S. 105-131. NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN Mittelaltermarkt mit viel Spektakel Historische Marktstände, Handwerk und viele weitere Highlights auf der Burg Workshop: Kleid aus dem Hochmittelalter nähen Zweitägiger Workshop mit Kostümexpertin Alice Severin Von Manuela Nipp Von Manuela Nipp Manuela Nipp ist Historikerin und Geschichtsvermittlerin im Team Bildung und Vermittlung von Museum Aargau. 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Ein Hexenprozess auf Schloss Lenzburg

Zurück zum Blog 28. August 2024 Kategorien Mittelalter Neuzeit Schlossgeschichten Adelheid, Agnes, Anna, Barbara, Bryda, Jakob, Magdalena, Regula, Verena: Sie alle waren im Turm der Lenzburg gefangen, angeklagt wegen Hexerei, und sie alle starben auf dem Scheiterhaufen. Dieser Blog-Beitrag stellt das Schicksal von vier Angeklagten vor und beleuchtet das heute schwer verständliche Phänomen des Hexenwahns. Hier warteten sie auf ihr Todesurteil: Zelle im Südturm auf Schloss Lenzburg, Balkenwände aus dem 17. Jahrhundert mit eingeritzten Zeichen von Gefangenen. Foto: Museum Aargau Ein Hexerei-Fall im Amt Lenzburg Am 23. Oktober 1612 hielt ein Fuhrwerk vor dem Haus der Familie Hemmig-Weniger im Wynentaler Dorf Menziken. Auf dem Kutschbock sass der Landweibel – der einzige Polizist im Amt Lenzburg, zu dem damals auch die Wynentaler Dörfer gehörten. Er hatte Befehl von Landvogt Daniel Lerber, die Hemmigs auf das zwanzig Kilometer entfernte Schloss zu führen: die 14-jährige Anna und ihre Eltern Bryda Weniger und Ruedi Hemmig. Die Abreise der Familie blieb im etwa vierzig Haushalte grossen Dorf nicht unbemerkt. Schon zwei Mal musste Bryda vor dem Chorgericht in Reinach erscheinen, der ersten gerichtlichen Instanz in den Kirchgemeinden. Bryda hatte sich «mit ihrem losen Mundwerk» in Menziken und im Nachbardorf Reinach unbeliebt gemacht. Sie hatte es sogar gewagt, Untervogt Hauri – die Autorität im Dorf – zu kritisieren: Dieser habe eine Menzikerin mit seinen Lügen unschuldig ins Gefängnis gebracht. Seither kehrte keine Ruhe ein. Das Gerede nahm seinen Lauf und erhärtete sich zum Verdacht: Bryda und die Ihren seien Hexen. Gegen Brydas Mann Ruedi hegte man Argwohn, wobei das Wort damals magische Fähigkeiten bezeichnete. Ob Untervogt Hauri die Familie beim Landvogt angezeigt hatte, ist nicht belegt. Hexenglaube: Bund mit dem Teufel Die Anklage lautete auf Schadenszauber: Als «Unholde» habe sich die Familie dem Teufel unterworfen, der ihnen Reichtum versprochen und sie dazu befähigt habe, mit Pulvern, Salben oder dem «bösen Blick» Unheil zu zaubern. Geheime nächtliche Feste mit dem Teufel hiessen in der Frühen Neuzeit Hexensabbat. Der Hexenglaube war auch antisemitisch geprägt. Kolorierte Federzeichnung von Johann Jakob Wick (1522-1588), Zentralbibliothek Zürich, Ms F 23, S. 399. Hexerei bot eine Erklärung für erlittenes Unglück: Wenn Hagel die Getreideernte vernichtete oder die Kühe keine Milch mehr gaben, wenn der Rahm sich nicht zu Butter schlagen liess oder Pferde lahmten, wenn Säuglinge krank wurden oder ein Ehepaar unfruchtbar blieb: dann war eine Hexe am Werk. Hexenverfolgung: Folter und Hinrichtung Bryda, ihre Tochter Anna und ihr Mann Ruedi blieben auf der Lenzburg gefangen, bis Landvogt Lerber das Urteil gefällt hatte. In seiner Amtsrechnung vermerkte er nicht, wie lange sie warten mussten. In anderen Hexerei-Fällen dauerte die Gefangenschaft von einer bis zu sieben Wochen. Da die drei Angeklagten die Vorwürfe bestritten, liess Lerber den Scharfrichter Hans Berchtold aus Aarau kommen. Dieser schor ihnen das Haar und untersuchte ihre Körper auf verdächtige Stellen, die «Teufelsmale». Dann mussten die Frauen ihre Daumen ins Daumeneisen legen und der Scharfrichter zog die Schrauben an. Den Mann band er ans Seil der «Strecki» und zog ihn hoch, bis die Schultern auskugelten. Diese beiden Foltermethoden kamen im Berner Aargau zum Einsatz. Gut möglich, dass die Angeklagten unter Folter eine andere Frau beschuldigten: Wenige Tage später schloss der Landweibel auch Anna Wyss im Turm der Lenzburg ein. Ob die 55-jährige Menzikerin eine Verwandte, eine Nachbarin oder eine Bedienstete der Familie war, ist nicht überliefert. Auch sie sei eine Hexe. Um ein Urteil zu fällen, brauchte es ein Geständnis – unter Qualen würden die Angeklagten die Wahrheit sagen, so die irrige Meinung. Doch Ruedi Hemmig legte selbst unter Folter kein Geständnis ab. Landvogt Lerber liess ihn nach sieben Wochen Gefangenschaft ohne Strafe frei. Die drei Frauen aber hatten die Vorwürfe gegen sie nach sechsmaliger Folter bestätigt. Sie hätten «viele teuflische Taten» vollbracht, steht in der Amtsrechnung. Amtsrechnung fürs Jahr 1612, Staatsarchiv Aargau, AA835 (Foto Museum Aargau). Landvogt Lerber meldete den Fall dem Rat von Bern. Dieser befahl, die vier Frauen vor das Landgericht zu stellen, ohne selbst ein Urteil vorzuschreiben. Doch für die 14-jährige Anna solle man Gnade walten lassen: Falls sie zum Feuer verurteilt werde, soll der Scharfrichter ihr «Pulver an Hals hencken, damit sy desto eher zum Todt befürderet werde». Die Todesurteile lauteten für Anna Enthauptung durchs Schwert – was als «gnädigste» Hinrichtungsart galt –, für ihre Mutter Bryda und die etwa 55-jährige Anna Wyss Tod auf dem Scheiterhaufen. In Bremgarten werden 1578 vier Frauen als Hexen verbrannt. Kolorierte Federzeichnung von Johann Jakob Wick (1522-1588), Zentralbibliothek Zürich, Ms F 27, Bl 185r. Auch Bryda und Anna band der Scharfrichter auf Leitern fest. Europaweiter Hexenwahn Die Menzikerinnen sind drei Fälle von schweizweit 10'000 Personen, die wegen Hexerei hingerichtet wurden. Die Mehrheit davon waren Frauen. In Europa gab es bis zu 60'000 Todesurteile, die aus heutiger Sicht Justizmorde sind. Zwischen 1571 und 1630 sprachen die Landvögte auf der Lenzburg mit Zustimmung des Rats von Bern zwanzig Todesurteile aus gegen angebliche Hexen. 17 fanden den Tod durchs Feuer, drei wurden enthauptet (zwei davon waren minderjährige Mädchen). Der einzige Mann unter den Verurteilten wurde vor der Verbrennung geköpft. Die Hälfte der Hinrichtungen wegen Hexerei geschah im Amt Lenzburg zwischen 1610 und 1613, als Daniel Lerber als Landvogt richtete. Porträt von Daniel Lerber (1569-1648), Abbildung aus: Waldkirch, Andreas von: Bernische Magistraten 1300-1798. Hexenprozesse: Wie konnte es dazu kommen? Der Hexenwahn der Frühen Neuzeit ist heute schwer zu erklären. Die überlieferten Quellen legen nahe, dass die Verurteilten keine magischen Fähigkeiten besassen, sondern ihnen diese von der Gemeinschaft zugeschrieben wurden. Meist gingen jahrelange Konflikte voraus: Bryda musste schon fünf Jahre vor ihrer Verurteilung vor Gericht erscheinen, weil sie Lügen verbreitet habe. Hexenprozesse begannen mit Mobbing und Ausgrenzung. Eine Person konnte sich allein deshalb verdächtig machen, weil sie sich anders als erwartet verhielt: etwa, indem sie vor sich hinredete, zu ungewöhnlichen Zeiten an ungewöhnlichen Orten auftauchte oder auch nur hinkte. Abweichendes Verhalten stand unter Beobachtung. Hexenverfolgungen nahmen mit der Klimaverschlechterung während der Kleinen Eiszeit zu. Dieser Hagel in Wädenswil am 5. August 1586 galt entweder als göttliche Strafe oder als Hexenzauber. Kolorierte Federzeichnung von Johann Jakob Wick, Zentralbibliothek Zürich, Ms F 27, Bl 185r. Die meisten Menschen lebten um 1600 in prekären Verhältnissen; Hunger, Krankheit und Krieg bedrohte sie. Zudem fühlten sie sich den Herrschenden ausgeliefert: In Gebieten, wo der Hexenwahn stark wütete, waren staatliche Institutionen schwach ausgeprägt. Die Kirche war nach der Reformation erschüttert. Wer eine Hexe anklagte, versuchte sich nach widerfahrenem Unheil Recht zu verschaffen. Die Herrschenden ihrerseits festigten mit Hexenprozessen ihre Macht. Bereits 1612, als die Menzikerinnen zum Tod verurteilt wurden, gab es Kritik an der Hexenverfolgung. Doch bis zur letzten Hinrichtung einer Hexe in Westeuropa – Anna Göldi in Glarus – sollte es noch 170 Jahre dauern. Quellen und Literatur: Amtsrechnungen der Landvogtei Lenzburg (StAAG AA835) Pfister, Willy: Die Hingerichteten und Gefangenen im bernischen Aargau, Aarau 1993. Steiner, Peter: Wynentaler vor dem Scharfrichter, in: Jahresschrift der Historischen Vereinigung Wynental 1965/66, S. 1-55. Weitere Blogbeiträge 17. Juli 2020 Die Sage der Sodjungfer von Schloss Lenzburg Magd Els erzählt die Sage der Sodjungfer von Schloss Lenzburg. Eine düstere Geschichte mit Tiefgang. 07. Juni 2024 Quiz: Was wissen Sie über alte Heilpflanzen? Woher kommt die Bezeichnung für Basilikum? Welche Blumen werden bei Verdauungsbeschwerden angewendet? Testen Sie Ihr Wissen in diesem Quiz! Von Sarah Caspers Von Sarah Caspers Sarah Caspers ist Geschichtsvermittlerin im Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Neuzeit Schlossgeschichten Kommentare

Gradian
Aussenansicht Kloster Königsfelden

Kloster Königsfelden

Erinnerungsort der Habsburger

Das Kloster Königsfelden ist international bekannt für seine Glasfenster aus dem Mittelalter. Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen erwecken die über 700-jährige Klosterkirche zu neuem Leben.

PLANEN SIE IHREN BESUCH

 
Produktion "Tor zum Paradies" Kloster Königsfelden: Mehrere Kinder liegen in Farben getaucht auf dem Boden der Klosterkirche.

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender  

 
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Luftaufnahme Kloster Königsfelden mit Windisch

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

 
Innenaufnahme Kloster Königsfelden; Blick in den Chor mit den berühmten Glasfenstern aus dem Mittelalter.

Berühmte
Glasfenster

Glasmalerei aus dem Mittelalter  

Tagesprogramm

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  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher

Dies läuft am Tag Ihres Besuches

Die berühmten Glasfenster vom Kloster Königsfelden werden mit Licht durchflutet
10:00 – 17:00 Uhr

Glasfenster-Tour

Wissenswertes zu den Glasfenstern mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden
10:00 – 17:00 Uhr

Baugeschichts-Tour

Wissenswertes zur Baugeschichte mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
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SCHULEN, FAMILIEN UND GRUPPEN

 
Besucher und Besucherinnen betrachten die berühmten Glasfenstern auf Kloster Königsfelden

Für
Schulen

Führung und selbständiger Workshop  

 
Audioguide-Gerät mit Kopfhörer, im Hintergrund in Unschärfe Schülerinnen und Schüler.

Für
Familien

Staunt über imposante Glasfenster  

 
Eine Gruppenführung im Kloster Königsfelden. Im Hintergrund die berühmten Glasfenster.

Für
Gruppen

Führung und selbständiger Rundgang  

FEIERN UND GENIESSEN

 
Eine Mutter mit fünf Kindern an einem Tisch im römischen Bistro Popina im Legionärspfad Vindonissa.

Essen und
Trinken

Bistro Legionärspfad Vindonissa  

 
Innenraum Kloster Königsfeld mit vielen Gästen, die sitzen. Vorne spricht ein Mann an einem Podium.

Klosterkirche
mieten

Kulturelle Anlässe und Diplomfeiern  

GESCHICHTE UND SAMMLUNG

 
Aussenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Geschichte

Königsmord und Klostergründung  

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

Sammlung online

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