Museum Aargau

Kinderleben in der Römerzeit - Vindonissa | Museum Aargau

Zurück zum Blog 25. März 2025 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Funde belegen, dass in Vindonissa im 1. Jahrhundert n. Chr. auch Kinder gelebt haben. Doch wie sah deren Alltag aus? Wie wuchsen sie inmitten tausender Legionäre auf? Und womit spielte man im und um das Legionslager? Im Boden von Vindonissa stiessen Archäologen und Archäologinnen auf faszinierende Funde, die Einblicke in das Leben vor 2000 Jahren im einzigen Legionslager in der heutigen Schweiz geben. Darunter sind mehrere Objekte, die einst Kindern gehörten. Eines der spannendsten Stücke ist eine Tonrassel in Form eines Hahns, die heute im Vindonissa Museum ausgestellt ist. Solche Tonfiguren von Tieren waren im Römischen Reich weit verbreitet. Sie waren mit kleinen Steinchen gefüllt und sollten sowohl beruhigend auf Säuglinge wirken als auch vor bösen Geistern schützen. Diese Tonrassel in Form eines Hahns diente wohl zur Beruhigung des Kindes und sollte gleichzeitig vor bösen Geistern schützen. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Uneheliche Kinder von Legionären in Vindonissa Dass eine Rassel in einem Legionslager gefunden wurde, mag auf den ersten Blick überraschen. Schliesslich war es den Legionären nach geltendem Recht verboten, während ihrer Dienstzeit eine Ehefrau und Kinder zu haben. Es sei denn, sie gehörten zu den höheren Dienstgraden und genossen besondere Privilegien. Dies hielt die Legionäre jedoch nicht davon ab, während ihrer Dienstzeit Beziehungen zu Frauen ohne römisches Bürgerrecht aus der provinzialen Bevölkerung einzugehen. Aus diesen als Konkubinat ( concubinatus ) bezeichneten Beziehungen gingen häufig Kinder hervor, die rechtlich gesehen als unehelich galten. In Vindonissa lebten die unehelichen Kinder nicht im Legionslager selbst, sondern in der umliegenden Zivilsiedlung. Hohe Offiziere lebten mit der Familie Für höhere Offiziere und den Legionskommandanten galten jedoch andere Regeln. Sie durften rechtsgültige Ehen mit römischen Bürgerinnen eingehen. Die ranghöheren Legionsangehörigen lebten daher mit ihren Familien innerhalb des Legionslagers. Funde aus Vindonissa belegen dies eindrucksvoll: etwa zwei Gräber mit den Überresten von drei Neugeborenen, die 2003 im Haus eines centurio entdeckt wurden. Kindheit im Imperium Romanum Ein Neugeborenes erhielt erst einige Tage nach der Geburt einen Namen. Dies lag vermutlich daran, dass die Kindersterblichkeit hoch war und man zunächst abwarten wollte, ob das Kind überlebensfähig war. Zum Schutz vor Unheil trugen Kinder Amulett-Halsbänder. Diese Grabbeigaben aus dem Grab eines Mädchens stammen aus dem 4. bis 7. Jhd. n. Chr. und stehen sinnbildlich für die hohe Kindersterblichkeit. Immer wieder wurden bei Ausgrabungen Gräber von Kindern gefunden. Ausstellungsobjekte im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Im Römischen Reich wurden Kinder in der Regel bis zum sechsten oder siebten Lebensjahr von ihrer Mutter, einer Amme oder einer Sklavin aufgezogen. Römische Elementarschule Ab dem siebten und etwa bis zum zwölften Lebensjahr besuchten die Kinder vermögender Eltern eine Art Elementarschule. Dort lernten sie Rechnen, Lesen und Schreiben. Es war nur eine rudimentäre Ausbildung, in der das Nötigste für den Alltag gelernt wurde, um Rechnungen, Belege und kurze Briefe schreiben zu können. Die grosse Mehrheit der Kinder kam nie über die Elementarschule hinaus und viele konnten auch gar nicht lesen und schreiben. Nur den gut situierten Jungen stand im Alter von 13 oder 14 Jahren ein Studium griechischer und lateinischer Literatur offen, wo sie je nachdem auch in die Kunst der Rhetorik eingeführt wurden. Mädchen hingegen wurden meist früh verheiratet und besuchten – wenn überhaupt – nur die Elementarschule. Die Schulbildung damals lässt sich keinesfalls mit heute vergleichen. Eine Schulpflicht existierte nicht. Es gab auch keine staatlichen Schulen oder Schulstoff, der Staat kümmerte sich nicht ums Schulwesen. Eine Schule gründen durfte jeder zum Lehren befähigte Mann. Wie die Schulbildung in Vindonissa konkret organisiert war, ist nicht bekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sie ähnlich wie an anderen Orten im Imperium Romanum ablief. Somit dürften die centuriones , die mit ihren Familien im Legionslager lebten, grossen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Söhne gelegt haben. Spiele und Spielzeug zur Römerzeit Dank Ausgrabungen ist es möglich, ein ungefähres Bild der Spielzeuge zu erhalten, mit denen die Kinder in Vindonissa spielten. Beispielsweise fanden Archäologinnen und Archäologen im Boden drei gedrechselte Holzkreisel. Solche waren im römischen Reich ein überaus beliebtes Spielzeug. Kreisel aus Holz waren ein beliebtes Spielzeug bei Kindern und dienten wohl auch den Legionären zum Zeitvertreib. Ausstellungsobjekte im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Bälle Ebenfalls sehr verbreitet waren Bälle, nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Bälle waren meist aus Tuch oder Leder genäht und mit Haaren, Federn, Filz oder Ähnlichem befüllt. Anstelle von Bällen spielten Kinder auch gerne mit Reifen aus Holz, die sie durch die Strassen und über freie Plätze trieben. Würfel- und Brettspiele Ein weiteres beliebtes Spielzeug in der Römerzeit waren Würfel- und Brettspiele. Archäologinnen und Archäologen fanden in Vindonissa zahlreiche Spielsteine und Würfel. Schwarze und weisse Glassteine aus dem Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Schwarze und weisse Glassteine wie die abgebildeten aus Vindonissa waren am häufigsten, aber es gab auch farbige. Bei verschiedenen Brettspielen spielte die eine Person mit den hellen, die andere mit dunklen Steinen. Knöchelchen aus Sprunggelenken von Ziegen, Schafen und Rindern, astragali genannt, wurden von Kindern für Geschicklichkeitsspiele verwendet. Die Seiten der astragali hatten nämlich wie bei einem "normalen" Würfel unterschiedliche Werte. Von ihnen gab es Nachbildungen aus Bronze, Ton, Gold und anderen Materialien. Mit Würfeln spielten nicht nur die Kinder gerne, sondern auch die Erwachsenen. Sie dienten ihnen als Würfel für Glückspiele. Ausstellungsobjekte im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Nüsse wurden ebenfalls häufig zum Spielen verwendet, wie antike Literatur und Funde verdeutlichen. Genauso gut könnten auch – wie bei heutigen Kindern - Äste, Steine, Erde, zerbrochene Gefässe etc. als Spielzeug gedient haben. Als Kind in Vindonissa Wie genau der Alltag und die Schulbildung der Kinder im und ums Legionslager Vindonissa wirklich aussah, kann heute natürlich nicht mehr gesagt werden. Trotzdem ermöglichen Funde teilweise nachzuvollziehen, wie ein Kind aus Vindonissa aufgewachsen ist, womit es gespielt hat und wie es ausgebildet worden ist. Es sind Spuren der Vergangenheit, die uns einen kleinen Einblick in den Alltag eines Kindes im römischen Vindonissa geben. Literaturverzeichnis Bargetzi, Dagmar: Der römische Alltag. In: Jenny, Mirjam T.; Schaffner, Brigitte (Hrsg.): Frauen in Augusta Raurica. Dem römischen Alltag auf der Spur. (Augster Museumshefte Nr. 28, 2001). S. 41-51. Fellmann Brogli, Regine: Spielen in Vindonissa. Spielsteine und Würfel im militärischen Kontext. In: Pace, Alessandro; Penn, Tim; Schädler, Ulrich (Hrsg.): Games in the Ancient World. Places, Spaces, Accessoires. (Monographies Instrument, Bnd. 79). 2024. S. 279-294. Harlow, Mary: Toys, Dolls, and the Material Culture of Childhood. In: Grubbs, Judith Evans; Parkin, Tim (Hrsg.): The Oxford Handbook of Childhood and Education in the Classical World. 2013. S. 322-340. Junkelmann, Marcus: Die Legionen des Augustus. Mainz am Rhein, 2003. Krefeld, Heinrich (Hrsg.): Erziehung und Unterricht. In: ders. (Hrsg.): Res Romanae. Neue Ausgabe. 1. Auflage 2000. S. 138-149. Müller, Katharina: Römische Patchworkfamilien. In: Kinderheim Brugg (Hrsg.): 150 Jahre Kinderheim Brugg. 2016. S. 95-98. Speidel, Michael Alexander: Die Römischen Schreibtafeln von Vindonissa. Lateinische Texte des militärischen Alltags und ihre geschichtliche Bedeutung. Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa. Bnd. XII. 1996. Stoll, Oliver: Legionäre, Frauen, Militärfamilien. Untersuchungen zur Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsentwicklung in den Grenzprovinzen des Imperium Romanum. JbRGZM 53, 2006. S.262-286. Weitere Blogbeiträge 07. Juni 2023 Frauen im Legionslager? Wer das Wort "Legionslager" hört, denkt als erstes unweigerlich an eine von Männern geprägte Domäne. Aber auch Frauen haben ihre Spuren in… 05. Mai 2023 Römische Kleidung – Kleidervorschriften und gesellschaftlicher Status Kleidung war auch im Römischen Reich ein wichtiges Mittel der Selbstdarstellung und Inszenierung. Doch was genau trugen die Bewohnerinnen… 05. März 2021 Neue Funde aus Vindonissa: 7 Schätze im Schaufenster Die Kantonsarchäologie zeigt in der Vitrine AKTUELL im Vindonissa Museum Kostbarkeiten aus Grabungen im antiken Vindonissa. Jeder Fund… Von Simona Schraner Von Simona Schraner Simona Schraner ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
Schloss Lenzburg

Schulreise auf Schloss Lenzburg: Programm-Vorschläge

Programm-Vorschlag 1 Geeignet für: Kindergarten und Unterstufe Anreise Schloss Lenzburg ist bequem mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar. Es verkehren mehrere Buslinien zum Schlosshügel. Vom Bahnhof Lenzburg ist das Schloss zu Fuss in 20 bis 30 Minuten erreichbar. Anreise 9.45 Uhr: Znünipause bei der "Burg Waldegg" Der Kinder-Spielplatz "Burg Waldegg" unterhalb des Schlosses ist der perfekte Ort für die Znünipause. Spielplatz “Burg Waldegg” Spielplatz "Burg Waldegg". 10.30 Uhr: Führung im Schloss Schloss Lenzburg bietet für jüngere Kinder mehrere Führungen (1 bis 1,5 Stunden) im Schloss an. Themen sind das Mittelalter, die frühe Neuzeit sowie Märchen und Fabelwesen. Führungen für Schulen Führung "Alltag im Mittelalter". 12.00 Uhr: Mittagspause Ein gemeinsames Picknick ist im Schlosshof, ausserhalb der Schlossanlage sowie bei schlechtem Wetter in Innenräumen möglich. Picknick und Feuerstellen Nachmittag Das Kindermuseum im Dachstock von Schloss Lenzburg lädt zum Spielen, Basteln und Verkleiden ein. Unvergesslich: ein Besuch in der Höhle von Schlossdrache Fauchi. Kindermuseum Schlossdrache Fauchi Spiel und Spass im Kindermuseum. Programm-Vorschlag 2 Geeignet für: Mittel- und Oberstufe Anreise Ankunft auf Schloss Lenzburg mit dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuss vom Bahnhof Lenzburg (20 bis 30 Minuten). Anreise 10.15 Uhr: Workshop oder Führung im Schloss Schloss Lenzburg bietet für die Mittel- und Oberstufe mehrere Workshops (2,5 Stunden) und Führungen (1 bis 1,5 Stunden) an. In den Workshops klirren Schwerter, Schülerinnen und Schüler schlüpfen in die Rolle von Richter und Henker – und es wird gekocht wie im Mittelalter. Workshops und Führungen für Schulen Workshop "Am Feuer". Mittagspause Picknick ist im Schlosshof sowie bei schlechtem Wetter in Innenräumen möglich. Rund um Schloss Lenzburg gibt es zudem mehrere Brätelstellen. Picknick und Feuerstellen Rückreise mit Wanderung Schloss Lenzburg lässt sich gut mit einer Wanderung kombinieren, zum Beispiel zum Fünfweiher oder Esterliturm. Wanderung zu Fünfweiher und Esterliturm Wandervorschläge Aargau Tourismus

 
Schloss Wildegg

Museumswald

Zur Schlossdomäne Wildegg gehören 3,4 Hektar Wald, das Junkholz. Museum Aargau nutzt ein Teilstück als Museumswald und vermittelt hier die Geschichte der Waldnutzung Der Wald versorgte die Bewohnerinnen und Bewohner von Schloss Wildegg mit Holz zum Heizen und Bauen, mit Futter und Einstreu fürs Vieh sowie mit Jagdwild, Waldfrüchten und Pilzen für die Küche. Die Familie von Effinger bewirtschaftete ihr Land umsichtig. Davon zeugen Handbücher zur Landwirtschaft aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, die heute noch in der Schlossbibliothek stehen. Diese Waldnutzung zeigt Museum Aargau im Museumswald, einem Teilstück oberhalb des Spielplatzes bei Schloss Wildegg. Der Museumswald soll sich in den nächsten Jahrzehnten zu einem lichten Wald entwickeln, wie es in früheren Jahrhunderten im Schweizer Mittelland viele gab. Dafür fällte der Forstbetrieb zwischen 2024 und 2025 einen Viertel der Bäume. Indem zwischen den Bäumen Licht auf den Boden gelangt, entsteht Lebensraum für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Ziegen helfen den Wald auszulichten: Zwei Mal im Jahr beweiden sie den Wald einige Wochen lang. Für den Weidebetrieb ist creaNatira zuständig. Kooperationsprojekt Der Museumswald ist eine Kooperation von: Museum Aargau Stiftung Schloss Wildegg Abt. Wald Departement BKS Forstbetrieb Birretholz Jagdgesellschaft Chestenberg Gemeinde Möriken-Wildegg HINTERGRUND: WALDNUTZUNG IM AARGAU Hintergrund Der Wald als Speisekammer Hintergrund Wem gehört der Wald? Hintergrund Köhlerei im Wald Hintergrund Holznutzung im Wandel der Zeit Hintergrund Wer im Aargau jagen durfte Hintergrund Waldweide: Tierhaltung im Wald MUSEUMSWALD: BUCHBARE ANGEBOTE Für Schulen: Führung "Ab in den Wald!" 3. bis 9. Klasse – Bedeutung und Nutzungs des Waldes über die Jahrhunderte Für Schulen: Workshop "Mensch, Schloss und Wald" 3. bis 9. Klasse – Spurensuche durch die Geschichte der Waldnutzung Für Gruppen: Führung "Wald und Schloss" Eine Reise durch die Geschichte der Nutzung des Wildegger Waldes Newsletter abonnieren Jeden Monat Aktuelles und Verlosungen Jetzt anmelden

 
Schloss Wildegg

Museumswald: Wem gehört der Wald

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderte gehörten die meisten Wälder Adligen, Städten, Kirchen und Klöstern. Gesetze hinderten die Bevölkerung immer stärker daran, den Wald frei zu nutzen. Die Besitzenden beanspruchten Holz, Wild und Weiden für sich. Im ganzen Aargau gab es auch Wälder, die als Allmenden bezeichnet wurden: Gebiete, die gemeinschaftlich von den jeweiligen Gemeinden bewirtschaftet wurden. Wer darf den Wald wie nutzen? Je mehr die Bevölkerung wuchs, desto schlechter ging es dem Wald. Holz war bis ins 19. Jahrhundert der wichtigste Energieträger. Die Geschichte der Wälder ist auch eine Geschichte von Streit unter Menschen, wer den Wald wie nutzen darf. Auch Kaspar Effinger, Herr von Wildegg, stritt 1489 mit den Untertanen um den Wald. Die Urkunde darüber, wie sich die Konfliktparteien geeinigt hatten, befindet sich bis heute im Archiv im Schloss Wildegg. Kurz nachdem Kaspar Effinger die Burg 1483 gekauft hatte, geriet er in Streit mit den Bauern in Möriken, Wildegg und Holderbank. Die Auseinandersetzung zog sich über mehrere Jahre hin. Unter Kaspars Vorgängern hatten sich Gewohnheitsrechte entwickelt, auf die sich die Bevölkerung berief. Doch Kaspar Effinger pochte auf seine im Kaufvertrag festgesetzten Rechte. Die Möriker Bauern hatten nach Ansicht des Schlossherrn selbstherrlich einen Förster eingesetzt, verkauften unrechtmässig Bau- und Brennholz und mästeten Schweine im Wald. Der Konflikt eskalierte, als die Möriker den Schlossknecht aus dem Chestenbergwald jagten. Durch die Vermittlung Berns, durch die Landvogtei, konnten die beiden Konfliktparteien an den Verhandlungstisch geholt werden. Das Verhältnis zwischen Herrschaftsherr Effinger und Möriken konnte sich wieder normalisieren. Dorfgemeinschaft transportiert Laub, Äste und anderes Gut aus dem Wald, ins Dorf. Betlis, frühes 20. Jahrhundert. (Heinrich Brockmann-Jerosch, Schweizer Volksleben. Band I: Die Sitten und Bräuche im Jahreslauf (Erlenbach-Zürich: Eugen Rentsch Verlag, 1929), Abb. 43) Der Druck auf den Wald stieg mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Der junge Schweizer Bundesstaat erliess mehrere Gesetze, um den Wald zu schützen: Waldbesitzer mussten fortan den Wald nachhaltig nutzen und durften nur so viel Holz ernten, wie nachwachsen konnte. Ab 1903 wurde das schweizweit geltende "Walderhaltungsgebot" gesetzlich verankert. Fast zwei Drittel des Waldes gehören heute Gemeinden, Kantonen und dem Bund. Seit dem 20. Jahrhundert wächst der Wald in der Schweiz wieder. Doch auch heute drohen Gefahren: Hitze, Trockenheit aber auch aussergewöhnliche Unwetter bedrohen die Gesundheit des Waldes.

 
Schloss Wildegg

Museumswald: Köhlerei im Wald

Bis ins 19. Jahrhundert verschwelten Köhler Holz in Gruben oder Meilern zu Kohle. Während der mehrere Tage dauernden Verkohlung lebten sie im Wald. Bei der handwerklichen Köhlerei blieb nur ein Fünftel des Holzgewichts als Kohle zurück. Holzkohle ist leichter als Holz und brennt länger. Sie war unentbehrlich für Schmiede, im Bergbau und bei der Glasverhüttung. Aus der Asche liess sich Seifenlauge herstellen. Schiesspulver enthielt gemahlene Kohle. Ab dem 19. Jahrhundert verdrängten Steinkohle, Erdöl und Elektrizität die Holzkohle, und der Beruf des Köhlers verschwand. Zeichnung von Heinrich, Gross: "Les Charbonniers" aus dem 16. Jahrhundert, in Lothringen, abgedruckt in "Revue lorraine illustrée", Nancy 1909. Welche Bedeutung das Köhlern für Schloss Wildegg und die Familie Effinger hatte, ist schwer zu sagen. Im Familienbesitz war ab dem 18. Jahrhundert auch eine Ziegelei, welche zum Brennen der Ziegel viel Energie benötigte. Aus den Wirtschaftsbüchern der Effinger geht hervor, dass der Holzverbrauch dadurch sprunghaft angesprungen sei. Ob mit Holzkohle gefeuert wurde, lässt sich nicht sagen. Im Junkholz oberhalb von Schloss Wildegg gab es keine Kohlemeiler. Dagegen sprach sicher die Entfernung zum fliessenden Wasser, welches benötigt wurde. Ab dem 18. Jahrhundert wurde die Köhlerei immer mehr in unwegsame, abgelegene Wälder verschoben, weil man die lokalen Wälder schützen wollte.

 
Schloss Wildegg

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Schloss Lenzburg

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Schloss Habsburg

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Schloss Hallwyl

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Museum Aargau

Geschichte der Seetal-Bahn

Zurück zum Blog 25. Januar 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Die Erfindung der Bahn als Transportmittel prägte das 19. Jahrhundert wie kaum eine andere technische Errungenschaft. Die Seetalbahn war Teil dieser Entwicklung innerhalb des Schweizer Bahnnetzes und bot Aargauern und Luzernerinnen ein neues Ausmass an Mobilität. Die bereits ab 1910 mit Elektrizität betriebene Seetalbahn beförderte Passagiere in kürzester Zeit von Luzern in den Aargau – und umgekehrt. In der Sammlung Museum Aargau befindet sich das Plakat mit dem ersten offiziellen Fahrplan der “Seethal-Bahn”, anhand von dem wir im Blog die Geschichte der Seetalbahn aufzeigen. Farblithografie von 1884: Die “Aargauisch-LuzernischeSeethal-Bahn” Bildkomposition und zentrale Motive Eine auf Papier gedruckte Farblithografie von 1884 (92 cm x 70 cm) mit der Überschrift "Aargauisch-Luzernische Seethal-Bahn" zeigt die Bahnlinie von Lenzburg bis Luzern aus der Vogelperspektive. Abgebildet sind etwa der Hallwiler- und Baldeggersee mit einem imposanten Alpenpanorama im Hintergrund. Quer über das Bild reicht ein Apfelblütenzweig, auf dem ein singender Vogel sitzt. Neben Ansichten einzelner Dörfer entlang der Bahnlinie gehören die Schlösser Lenzburg, Hallwyl und Heidegg zu den zentralen Motiven. Farblithografie von 1884: Aargauisch-Luzernische Seethal-Bahn. Inv. Nr. K-17269. Die in zwei Wappen abgebildeten Frauen in der Luzerner- bzw. Aargauertracht verdeutlichen die Absicht der Seetalbahn, die beiden Kantone zu verbinden. Auf der rechten Plakatseite befindet sich der erste offizielle Fahrplan mit allen Haltestellen und Abfahrszeiten in beiden Richtungen. Von einem Aargauer Antiquariat ins Sammlungszentrum Egliswil Das Objekt gelangte 2002 durch einen Ankauf aus einem Aargauer Antiquariat in die kantonale Sammlung. Entworfen wurde das Plakat von Ottokar Kodym, welcher Professor für Grafik in Berlin war. Gedruckt wurde es von der "Graphischen Anstalt Hofer & Burger" in Zürich. Die Farblithografie ist für die Historische Sammlung nicht nur wegen der Seetalbahn als Institution von grosser Bedeutung, sondern auch aus einem weiteren Grund: Die Strecke wurde 1895 bis Wildegg verlängert und verband somit die Schlösser Hallwyl, Lenzburg und Wildegg, drei wichtige Standorte des Museum Aargau. Historische Fotografie der "Seethal-Bahn" um 1913 Die Geschichte der Seetalbahn Londoner Investoren: Die Lake Valley of Switzerland Railway Company Auslöser für die Idee einer Eisenbahn zwischen Lenzburg und Luzern war der Entscheid der Schweizerischen Centralbahn, die Verbindungstrecke Basel-Olten-Luzern über Sursee und nicht durch das Seetal zu führen. Der Zürcher Ingenieur Theodor Lutz (1841-1890) konnte 1882 Londoner Finanzleute für die Errichtung einer Seetalbahn gewinnen: Die "Lake Valley of Switzerland Railway Company" wurde am 22. August 1882 gegründet. Im gleichen Jahr wurde auch die Strecke von Emmenbrücke nach Lenzburg in zwei Etappen eröffnet. Anfangsschwierigkeiten und Innovationsdruck Das grosse Geschäft blieb jedoch zunächst aus und die englischen Investoren verkauften die Bahn 1894 an die neu gegründete "Schweizerische Seethalbahn-Gesellschaft". Diese machte mit diversen Innovationen auf sich aufmerksam. 1903 schaffte sie als erste Eisenbahngesellschaft drei Buffetwagen an, 1910 stellte sie bereits auf Elektrizität um und führte ab 1913 Schnellzüge. 1922 erwarben die SBB die lukrative Regionalbahn. Der Verein "Historische Seethalbahn" pflegt seine Schmuckstücke in einem ehemaligen Lokomotiven- und Wagendepot in Hochdorf. Eines davon ist das legendäre "Seetalkrokodil" (De 6/6 Nr. 15301). Das "Seetalkrokodil" (De 6/6 Nr. 15301) Dieser Beitrag wurde im Mai 2018 von Jean-Luc Rickenbacher, ehemaliger Praktikant der Sammlung von Museum Aargau, verfasst. Weitere Blogbeiträge 05. April 2020 Erinnerungen an früher: Die Velonummer Die "Velonummer" ist unterdessen zum Kultobjekt mit "Flashback-Effekt" geworden. Als Material wurde auch Aluminiumblech verwendet, eine… 25. Juni 2021 Die Kaffeemaschine Cona: ein Stück Kaffee-Geschichte Die legendären Kaffeemaschinen Cona aus dem frühen 20. Jahrhundert versprühen ein wissenschaftliches Flair und mögen eher an Experimente in… 10. Mai 2021 Schweizer Biergeschichte: Druckplatte von Feldschlösschen Der Aargau ist ein Schlösserland. Welches Schloss das schönste ist, war wohl schon der Anstoss für so manche Diskussion. Das Prädikat des… Von Jean-Luc Rickenbacher Von Jean-Luc Rickenbacher Jean-Luc Rickenbacher war 2018 Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare 03.03.2025 Springer Hallo, 1893 rollte die Bahn schon 10 Jahre!! Mfg Fritz Die Lake Valley of Switzerland Railway Company war geboren und 1893 wurde die erste Strecke zwischen Emmenbrücke und Lenzburg eröffnet.

Gradian
Kinder schreiten wie kleine Römer über das Areal vom Legionärspfad Vindonissa

Legionärspfad Vindonissa

Römer-
Erlebnispark

Tauchen Sie im Legionärspfad Vindonissa in die Welt des einzigen römischen Legionslagers der Schweiz ein! Der Römer-Erlebnispark bietet Touren, römische Übernachtungen, Führungen, Events und vieles mehr.

PLANEN SIE IHREN BESUCH

 
Das Amphitheater Legionärspfad im Sonnenlicht mit viel Grün

Fünf
Highlights

Das dürfen Sie nicht verpassen  

 
Legionäre in Rüstungen, im Hintergrund das Kloster Königsfelden

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender  

 
Eine Schulklasse unterwegs auf einem Kiesweg; im Hintergrund die rekonstruierte Unterkunft von Legionären.

Selbständige Touren
im Legionärspfad

Rundgänge zu römischen Schauplätzen  

 
Ein mystischer dunkler Raum mit grossen Pfeilen; im Hintergrund Kinder.

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Die Klosterscheune der Klosterkirche beim Legionärspfad

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

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  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
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Schulen, Familien und Gruppen

 
Eine Schulklasse in römischer Formation Schildkröte, rechts davon gibt ein Legionär Anweisungen.

Für
Schulen

Römische Übernachtung, Spiel-Touren und Workshops  

 
Eine Familie in einem dunklen Raum; die Displays der Audiogeräte um den Hals leuchten mystisch im Dunkeln. An der Rückwand Silhouetten von Legionären.

Für
Familien

Römische Übernachtung, Spiel-Touren und Familiensonntag  

 
Römisch gekleidete Männer und Frauen nachts an einem Lagerfeuer in historischer Kulisse

Für
Gruppen

Römische Übernachtung, Themen-Touren, Führungen und Workshops  

Vindonissa in 78 Sekunden

RÖMISCHE SCHAUPLÄTZE UND GESCHICHTE

 
Das Amphitheater Legionärspfad im Sonnenlicht mit viel Grün

Römische Schauplätze

Die 11 Stationen im Legionärspfad  

 
Visualisierung/Animation Antikes Vindonissa

Geschichte

Das Legionslager Vindonissa in Kürze  

 
Erhaltene Wasserleitungen im Legionärspfad Vindonissa

Archäologische Forschung

Immer wieder spektakuläre Funde