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Alice Mattenberger, legendäre letzte Wirtin von Schloss Habsburg

Zurück zum Blog 03. August 2023 Kategorien Schlossgeschichten 20./21. Jh. 45 Jahre lang wirtete Alice Mattenberger (1901–1988) auf Schloss Habsburg. Die legendäre letzte Schlosswirtin verköstigte ihre Gäste mit Suppe, Schinken und Anekdoten aus der Schlossgeschichte. Bei Alice Mattenberger kehrte die halbe Schweiz ein. Die letzte Schlosswirtin prägte die "Wirtschaft auf Schloss Habsburg " von 1930 bis 1974. Das ganze Jahr herrschte viel Betrieb auf der Burg: Mattenberger wirtet im Schlosshof, unter den Linden, im Schankraum, in der Gaststube und im Rittersaal auf der dritten Etage. Alice Mattenberger fand dabei immer Zeit für einen Schwatz mit Gästen aus nah und fern, die sich für das Schloss und dessen Geschichte interessierten. Eine kleine Schar von Frauen aus dem Dorf unterstützte die Wirtin im täglichen Gastbetrieb und aushilfsweise auch an den Wochenenden und bei Veranstaltungen. Wirtin mit grossem Herz für Tiere Zeitzeugen beschreiben Alice Mattenberger als grossgewachsene und in ihrer Erscheinung gepflegte Frau. Im Dorf war sie respektiert. Alice Mattenberger hatte auch ein Herz für Tiere: Hunde und Katzen fühlten sich auf der Habsburg wohl. Und ab und zu auch eine Dohle, die aus dem Nest gefallen war und von den Mattenbergers grossgezogen wurde. Die Dogge der Wirtsfamilie war auch treue Helferin für Warentransporte vom und zum Bahnhof Schinznach-Bad. Alice Mattenberger war bekannt für ihre Tierliebe. © Privatarchiv Mattenberger Vater übergab die kleine Alice der Gemeinde Aussergewöhnlich ist die Geschichte, wie Alice Mattenberger auf Schloss Habsburg kam. Geboren wurde sie 1901 als Alice Riniker, vermutlich in Carouge (GE). Ihr Vater brachte Alice und ihren Bruder im Alter von drei und vier Jahren auf die Gemeindekanzlei von Habsburg – und kam nie mehr zurück. Riniker ist ein Ortsbürgergeschlecht, und so musste sich die Gemeinde um die Kinder kümmern. Alice wurde von Rudolf und Elisabeth Hummel adoptiert, dem kinderlosen Pächterpaar der Gastwirtschaft auf Schloss Habsburg. Ihr Bruder Hans kam zu einem Bauern auf den Bözberg. Alice mit ihren Adoptiveltern Elisabeth und Rudolf Hummel um 1920. © Privatarchiv Mattenberger Heirat, Geburt und Rückkehr auf die Habsburg 1926 heiratete Alice Hans Mattenberger aus Birr und zog mit ihm nach Zug. 1930 kehrte sie mit ihrem neugeborenen Sohn Heinz auf Schloss Habsburg zurück. Ihr Adoptivvater brauchte nach dem Tod seiner Frau Elisabeth Hilfe mit der Gastwirtschaft Alice Mattenberger mit Sohn Heinz 1932 nach ihrer Rückkehr auf Schloss Habsburg. © Privatarchiv Mattenberger Alice Mattenberger entpuppte sich als talentierte Wirtin. Als 1942 auch ihr Adoptivvater starb, übernahm Alice Mattenberger die alleinige Verantwortung über die Gastwirtschaft. Während 45 Jahren begeisterte sie ihre Gäste mit bürgerlicher Küche. Arbeit gab es das ganze Jahr über, denn die Wirtschaft war auch im Winter geöffnet. Alice Mattenberger 1940 mit Sohn Heinz. © Privatarchiv Mattenberger Alice Mattenberger war als Schlosswirtin äusserst beliebt, auch weil sie kundig Gäste aus nah und fern in die Geschichte der Habsburger einführte. Nach ihrer Pension lebte sie bis 1986 an der Schlossgasse 21 in Habsburg, zwei Jahre später starb Alice Mattenberger 87-jährig im Altersheim in Windisch. Quellen und Recherche Recherche Esther Duran, Kunsthistorikerin M.A., Museumsführerin Museum Aargau Literarische Quellen "Habsburger Dorfgeschichten, Zeitzeugen erinnern sich, Erzählungen aus dem Leben, wie es damals war", Herausgeberin Marianne Spiess, Druck xline ag, Brugg, 2008 "Habsburger Dorfgeschichten, Zeitzeugen erinnern sich, Erzählungen aus dem Leben, wie es damals war, Heinz Mattenberger: Das Schloss war mein Zuhause", S. 20-34, Herausgeberin Marianne Spiess, Druck xline ag, Brugg, 2008 Erzählungen von Hedy Schenkel, Zeitzeugin aus Habsburg, während einem gemeinsamen Schlossrundgang mit Marianne Spiess und Esther Duran am 8. Juni 2021 Verschiedene Dokumente über Schloss Habsburg aus dem Staatsarchiv des Kantons Aargau, Aarau Zeitungsartikel "Generalanzeiger", Eigenamt, "Habsburg, ein junges Kapitel Schlossgeschichte, Die letzten Bewohner der Habsburg", 15. Oktober 1999 Bildquellen Familienalbum, Privatbesitz Mattenberger Von Pascal Meier Von Pascal Meier Pascal Meier ist Mitglied im Team Marketing & Kommunikation von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schlossgeschichten 20./21. Jh. Kommentare

 
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5 Fragen zu den Klosterspielen Wettingen

Zurück zum Blog 31. Mai 2023 Kategorie Klosterleben Brigitta Luisa Merki, Choreographin Klosterspiele Wettingen, erzählt über den geschichtlichen Hintergrund der Inszenierung und woher sie ihre Inspiration nimmt. Die Klosterspiele Wettingen zelebrieren 2023 mit AVE MARIS STELLA ein poetisches Zusammenspiel von Tanz, Musik und Raum in der einmaligen Atmosphäre des Klosters. Wir haben der Choreografin Brigitta Luisa Merki 5 Fragen zu den Klosterspielen Wettingen gestellt. 1. Wie haben Sie in der Choreographie die Örtlichkeit der Klosterhalbinsel Wettingen eingebunden? Brigitta Luisa Merki: Ich konzentriere mich auf Innenräume, die mich durch ihre Atmosphäre inspirieren und für die ich tänzerische und musikalische Szenarien entwickelt habe. Wir bewegen uns sowohl in den kirchlichen Räumen – in der Marienkapelle, der Mönchs- und der Laienkirche – als auch in Räumen der Kantonsschule, in der ursprünglichen Sommerresidenz, in der Bibliothek. 2. Was ist der geschichtliche Hintergrund der Inszenierung? Brigitta Luisa Merki: Der geschichtliche Hintergrund widerspiegelt sich in den Räumlichkeiten selbst. Er findet in der Inszenierung in Form von Emotionen, Klängen und tänzerischen Bildern eine eigene Resonanz. Dabei spielt die Musik eine entscheidende Rolle. Wir bewegen uns unter anderem in der Klangwelt der Matthäuspassion von Bach, im Stabat Mater von Pergolesi und im gregorianischen Gesang. Die Klänge in diesen Räumen versetzen uns in eine andere Zeit und wirken doch so gegenwärtig auf uns ein. Die Schutzpatronin Stella Maris, die Mönche oder die Meerjungfrau treten in Erscheinung. Brigitta Luisa Merki ist Choreografin, Gründerin und Künstlerische Leiterin von Tanz & Kunst Königsfelden. Sie engagiert sich seit 40 Jahren für den Tanz im Aargau und schweizweit. (Bild: Alex Spichale) 3. Wie viel Zeit haben Sie in die Inszenierung investiert? Brigitta Luisa Merki: Ich bin seit mehr als einem Jahr mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die technische Planung sowie die Koordination von Tänzerinnen und Tänzern sowie Musikerinnen und Musikern, Vorgaben vom Denkmalschutz sind eine Herausforderung. Skizzen für Bilder und Räume habe ich laufend neu überarbeitet und den gegebenen Sanierungsarbeiten, die zurzeit im Gange sind, angepasst. Die konkreten Proben mit den Tänzerinnen und Tänzern ziehen sich über zwei Monate hin. In der Schlussphase proben wir zusammen mit den Musikerinnen und Musikern sowie den Sängerinnen und Sängern vor Ort. 4. Welche Herausforderungen ergaben sich für die Choreographie durch die verschiedenen Stationen? Brigitta Luisa Merki: Die Tänzerinnen und Tänzer sind in unterschiedlichen Szenarien und immer wieder neuen Kostümen «unterwegs» in dieser Inszenierung. Dadurch ist eine präzise Zeitplanung und die Koordination von Musik und Tanz eine grosse Herausforderung. Tänzerinnen und Tänzer sowie die Musikerinnen und Musiker bewegen sich wie in einem Rondo zusammen mit dem Publikum durch Räume, Klänge und Bilder. 5. Woher nehmen Sie jeweils Ihre Inspiration für die jeweilige Choreo­graphie? Brigitta Luisa Merki: In der Konstellation dieses Projekts gab es von Anfang an einen inhaltlichen Rahmen, der durch den Ort und seine Räume gegeben ist. Am Anfang lasse ich meiner Fantasie möglichst freien Lauf und schreibe alle aufkommenden Ideen auf. Die Inspiration erfasst mich meistens in der Nacht. In der konkreten Arbeit definiere ich dann die einzelnen Teile der Choreografie in Bezug zur ausgewählten Musik. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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Flower-Power aus der Sammlung

Zurück zum Blog 13. Juni 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Der Sommer naht und die Pflanzenwelt erblüht in voller Pracht. Um die farbenfrohe Blütezeit gebührend zu feiern, wird hier eine kleine Auswahl von "blumigen" Objekten aus der Sammlung von Museum Aargau präsentiert. Blumen sind seit jeher ein Motiv, welches die Menschen fasziniert. Blumen stehen für das aufkommende Leben und so auch für den Frühling. Doch gleichzeitig sind Blumen auch sehr vergänglich. Diese Dichotomie des Lebens ist Teil der Anziehungskraft der Blumen auf den Menschen. Blumen bzw. Pflanzenbilder lassen sich bis in die Urzeit nachweisen. In der Geschichte der Ornamente sind Blumenmotive mit Abstand die häufigsten Verzierungsmotive und dies in sehr vielen Kulturen der ganzen Welt. Mit Blumenmotiven geschmückte Objekte wurden dank der Handelswege schon in der Antike verbreitet. So bewunderten bereits die Römer chinesisches Porzellan, das mit abgebildeten Pfingstrosen geschmückt wurde. Da jede Blumenart seinen eigenen Reiz hat, wurde ihnen auch bestimmte symbolische Bedeutungen gegeben, die aber je nach Mode, Ort und Zeit stark variieren konnten. Diese Blumensprache wird noch heute in der Floristik verwendet. Das Verlangen der Menschen, Objekte mit Blumenmotiven zu schmücken, ist auch bei Objekten der Sammlung von Museum Aargau zu sehen. Diese schönen Objekte helfen einem auch im "abgeschottet" wirkenden Sammlungszentrum Frühlingsgefühle zu bekommen. Blumenquartett Niederländisches Blumen-Quartettspiel (Inv. Nr. K-12908) © Museum Aargau Ein interessantes "blumiges" Objekt aus der Sammlung ist dieses alte Quartettkartenspiel mit Blumenmotiven. Dieses niederländische Quartettspiel kam 1991 als Schenkung zusammen mit anderen Quartettspielen in die Sammlung. Es besteht aus 32 Karten und stammt von der Firma "Spears Spelen", die früher unter ihrem deutschen Gründungsnamen J. W. Spear & Söhne bekannt war. Die Abbildungen der Blumen dieses Quartettspiels stammen von den Aquarellen der Malerin Catharina Klein, worauf auch in der Verpackung hingewiesen wird. Der Ursprung des Spiels Quartett liegt in Lernkarten. So sollte die Idee vom Franziskanermönch Thomas Murner stammen, der seinen Schülern mit solchen Karten spielerisch Grammatik und Jura vermitteln wollte. Dafür erfand er anfangs des 16. Jahrhunderts zwei Kartenspiele. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Spiel Quartett allgemein bekannt. Neben Dichter- und Schriftstellerquartetts gab es Spiele, die sich mit Themen wie Benimmregeln, Schlachten, fremden Ländern, Kräuterkunde und eben auch mit Blumen beschäftigten. Blumenzeichnung Bunte Zeichnung von Blumen (Inv. Nr. K-22811) © Museum Aargau Blumen sind ein beliebtes Zeichnungssujet. Das sieht man auch anhand dieses Objektes aus der Sammlung. Diese Zeichnung stammt aus dem Nachlass von Adelheid Katharina Elisabeth v. Effinger und aus dem Nachlass von Franz Viktor Effinger und seiner Tochter Maria Susanna. Die Sammlung kaufte diese Zeichnung als Teil eines Konvoluts mit anderen Objekte in 2019. Es ist eine Aquarellzeichnung basierend auf Bleistift-Skizzen, mit mehreren offenen roten Blüten und geschlossenen gelben Blüten, dazu grünlich-graue Blätter. Rechts unterhalb von der Zeichnung ist handschriftlich und teilweise verdeckt geschrieben: "L d'E. fecit. dédié à sa soeur bien aimée Sophie (le 6 aoùt 1849)." Das Bild ist somit auf das Jahr 1849 zu datieren. Die Identität des Zeichners/der Zeichnerin ist unklar. Angesichts anderer Skizzen im selben Konvolut von einem "Ludwig/L. von Effinger", könnte die Signatur auf dem Bild "L d'E." von Karl Albrecht Ludwig von Effinger (1832-1853) gewesen sein. Dies, da er eine Schwester namens Marie Sophie Bertha hatte. Ein anderer möglicher Zeichner ist Ludwig Rudolf von Effinger (1803-1872). Kuchenmodel Blumen Geschnitztes Kuchenmodel mit Blumenmotiven (Inv. Nr. K-895) © Museum Aargau Auch bei Lebensmittel und deren Produktion sind Blumen beliebte Motive. So auch bei diesem aus Holz geschnitzten Kuchenmodel mit 12 cm Durchmesser aus den 1660er-Jahren. Dieses Kuchenmodel kam als Schenkung in die Sammlung. Ein sehr ähnliches Model befindet sich im Landesmuseum in Zürich. Das Model der Sammlung ist vermutlich ein Fragment, das offensichtlich bearbeitet wurde. Diese Kuchenmodel dienten zur Formung bzw. der Verzierung von Teig oder Zierzucker. Die geschnitzten Elemente wurden als negativ auf den Teig übertragen. In der Barockzeit wurden Darstellungen aus der biblischen Geschichte auf Model immer beliebter. Bekannte Episoden aus dem Alten oder Neuen Testament wurden in Holz geschnitzt. Die Bibel wurde essbar. Dies sieht man auch anhand der Symbolik dieses Kuchenmodels. Die Erde erhebt sich als Weltenberg in die Höhe. Von der Bergspitze ergiessen sich die vier Wasserströme ins Meer. Der Berg bringt den Lebensbaum hervor, gekrönt mit einer blühenden, offenen Rose, die für Lebensfreude steht. In seinen Zweigen sitzen der Papagei bzw. der Kranich und der Pfau, was Symbole des Paradieses und der Unsterblichkeit sind. Die Wiege und der Sarg werden aus dem Holz des Lebensbaumes gezimmert. Die Darstellung offenbart noch das alte vertikale Weltbild des Menschen von damals. Blumiges 60er-Jahre Damenkleid Kleid der Firmeninhaberin der Textildruckerei Suhr, (Inv. Nr. K-18374.17) © Museum Aargau Nicht zu vergessen sind natürlich die 1960er Jahre und ihre Flower-Power-Bewegung, die den Stil dieses Jahrzehnts prägte. So befindet sich auch ein mit Blumenmotiven geschmücktes Damenkleid in der Sammlung. Das ärmellose Kleid mit Rundhalsausschnitt hat ein Blumenmuster in weiss, hellblau und braun auf orangem Fond. Das Kleid stammt aus der Garderobe der Tochter und Erbin des Firmeninhabers Hans G. Müller der Textildruckerei Suhr AG. Die Tochter fertigte das Kleid aus Stoff der Druckproduktion der Firma. Als die Textildruckerei Suhr AG im Jahr 2010 Konkurs ging, kam dieses Kleid zusammen mit vielen anderen Kleidern des Konvoluts in die Sammlung. Wie es anhand des Namens der Flower-Power-Bewegung erkennbar ist, waren Blumen eines der wichtigsten Zeichen für die Hippie-Bewegung. Dies, weil sie "Love and Peace" symbolisierten. Blumen waren in dieser Bewegung überall zu sehen. Sei dies gemalt oder gefärbt auf Jeans, Röcken und Kleidern oder als echte Blumen in den Haaren. Blumenförmige Brosche Blumenförmige Brosche, die als Trauerschmuck getragen wurde, (Inv. Nr. K-19823) © Museum Aargau Gleich wie Blumen verblühen, ist der Frühling leider auch schon bald vorbei. Diese Verbindung zwischen Blumen und dem Vergänglichen ist bei diesem Objekt besonders zu sehen. Diese blumenförmige Brosche besteht aus Bakelit. Die Brosche hat eine Nadel aus Messing zum Fixieren an die Kleider. Als Motiv dieser Brosche dienen drei nebeneinanderliegende Blumen mitsamt Stängel. Sie sind Schwarz bemalt, da die Farbe Schwarz in der westlichen Welt den Tod symbolisiert. Es handelt sich deshalb hier um Trauerschmuck, welcher während und eine gewisse Zeit nach der Bestattung getragen wurde. Diese Blumenbrosche ist in die Mitte des 20. Jahrhunderts zu datieren und kam als Schenkung 2013 zusammen mit weiterem Trauerschmuck in die Sammlung. Blumen spielen seit langer Zeit eine wichtige Rolle bei Beerdigungen und der Bewältigung von Trauer. Dabei symbolisieren sie je nach Art und Farbe der Blumen verschiedene Themen und Gefühle wie Vergänglichkeit oder Verbundenheit und dienen als Trost für die Hinterbliebenen. Alle blumigen Objekte? Nun sind wir am Ende unseres blumigen Ausflugs in die Sammlung angelangt. Selbstverständlich gibt es noch weitere Objekte, die in einer solchen Auflistung vorkommen könnten. Falls Sie gerne unsere weiteren blumigen Objekte im Sammlungszentrums in Egliswil besuchen möchten, laden wir Sie dazu gerne ein. Jeden ersten Dienstag des Monats gibt es eine öffentliche Monatsführung im Sammlungszentrum Egliswil. Melden Sie sich dafür bei der Website von Museum Aargau an. Weitere Blogbeiträge 17. Juni 2022 Das tragbare Sommergefühl - Zeitloser Textildruck aus Suhr Sommer: Die helle Jahreszeit steht nicht nur für heisse Tage und ein abkühlendes Bad. Auch im Sammlungszentrum in Egliswil hält der Sommer… 02. Oktober 2020 So raffiniert war die Mode im Spätmittelalter Welche Kleidung trugen die Männer und Frauen im Spätmittelalter? Etwas Sackartiges oder Einfaches in Braun? Weit gefehlt! Erleben Sie im… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Kommentare

 
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Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert

Zurück zum Blog 11. Juli 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte sind im Sammlungszentrum Egliswil aufbewahrt. Zum heutigen Sommer sind Accessoires wie Sonnenbrille oder Sonnenhut kaum mehr wegzudenken. Auch für die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts war es selbstverständlich, bestimmte Accessoires im Sommer zu tragen. Der Strohhut Der Strohhut bewahrt nicht nur den Kopf vor der heissen Sonne und ergänzt das Outfit, sondern er verkörpert mit der Strohindustrie auch einen wichtigen Aargauer Wirtschaftszweig. Bereits vor der Industrialisierung flochten und verkauften Freiämter Bauern Strohhüte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieser Industriezweig weiter zu einem Kunsthandwerk. Freiämter Produzenten exportierten ihre Strohkunstwerke auch ins Ausland. Der Strohhut war sowohl bei Damen als auch bei Herren ein beliebtes Accessoire für den Sommer. Die Strohhüte hatten für Damen und Herren in der Regel unterschiedlichen Formen, konnten sich aber auch ähneln. Die Mode der Strohhüte war nicht statisch und veränderte sich im Laufe der Zeit. Bei den Männern wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Hutmode durch die sogenannte "Kreissäge" ergänzt. Dies ist ein semi-formaler, runder Strohhut, der auch "Canotier" und im englischen "Boater" genannt wird. Es war genau vorgeschrieben, wie man ihn tragen musste: leicht nach vorne neigend und über das Ohr fallend. Besonders Sportler und später auch Frauen schätzten diesen Hut. Frauen verstanden ihn als Symbol von Emanzipation. Sie trugen ihn zur Jagd, zum Reiten und zum Fahrrad fahren. Bevor und nachdem die "Kreissäge" bei Frauen beliebt wurde, trugen sie auch andere Strohhüte. Darunter den schon im 18. Jahrhundert beliebten Schwefelhut. Dieser sehr flache Strohhut wurde durch Schwefel gebleicht und kam ursprünglich aus Frankreich. In der Schweiz ist der Schwefelhut oft auch Teil einer Tracht. Ein weiterer von Frauen getragener Strohhut war der Mitte des 19. Jahrhunderts beliebt gewordene Florentinerhut. Dies ist ein flacher, breitkrempiger, mit Blumen oder einem Schleier verzierter Strohhut. Strohhut, Canotier (Inv. Nr. K-17430) © Museum Aargau Die Sammlung von Museum Aargau hat viele Objekte aus der Aargauer Strohindustrie. Darunter auch diverse Strohhüte wie dieser "Canotier" für Herren, welcher auf die Jahre 1890 bis 1920 zu datieren ist. Dieser ovale Strohhut ist mit einem schwarzen Baumwollband geschmückt. Im Inneren auf einem seidenen Boden steht die Aufschrift: " Th. Sperlich Aarau", was ein Aarauer Hutmachergeschäft war. Zusätzlich hat der Strohhut im Innern auch ein Lederband mit der Prägung: "SUPERIOR MAKE LONDON" und der Lochprägung: "F ROHR". Letztere weist auf den ehemaligen Besitzer dieses Strohhutes hin. Schwefelhut (Inv. Nr. K-6331) © Museum Aargau Dieser Schwefelhut aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat eine Grösse von 49 cm. Er stammt ursprünglich aus einer grossen Strohartikelsammlung, die 1966 vom Museum angekauft wurde. Er ist gebleicht und farbig lackiert. Zudem wurde er mit Schwefel behandelt, um in seiner überdimensionierten Form stabil zu bleiben und ist mit zwei grünen Satinschleifen garniert. Damit der Schwefelhut auf dem Kopf bleibt, hat er ein Kinnband aus schwarzem Samt. Der Sonnenschirm und der Spazierstock Bereits im 17. Jahrhundert kam es in den höheren sozialen Schichten - vor allem in Mitteleuropa - in Mode, kleine Sonnenschirme zu tragen. Besonders war, dass diese nun von den Adligen und Reichen selbst und nicht mehr vom Personal getragen wurden. Die Sonnenschirme waren in erster Linie ein Mode-Utensil und Adelssymbol. Sie waren aber nur für schönes Wetter vorgesehen, da sie absolut nicht wetterfest waren. Für Frauen war der Sonnenschirm ein sehr wichtiges Accessoire. Denn blasse Haut galt bis Ende des 19. Jahrhunderts als besonders attraktiv. Sie war ein Statussymbol und stand für eine soziale Schicht, die nicht auf dem Feld arbeiten musste. Mit Sonnenschirmen schützte sie sich daher vor der bräunenden Sonne. Abknickbarer Sonnenschirm (Inv. Nr. K-9478) © Museum Aargau Dieser Sonnenschirm aus der Sammlung von Museum Aargau mit einem Durchmesser von 50 cm wurde zwischen 1880 und 1900 hergestellt. Der Sonnenschirm ist mit dunkelblauer Seide bespannt und hat umlaufende Zierstickereien und ist mit Fransen besetzt. Der Holzstab ist abknickbar und gedreht. Dieser Sonnenschirm kam 1982 als Schenkung in die Sammlung. Herren trugen im 19. Jahrhundert keinen Sonnenschirm mit sich. Vielmehr war der Spazierstock für sie ein typisches Accessoire, das aber nicht nur auf den Sommer begrenzt war. Vornehme Herren aus Adel und Bürgertum wurden in der Öffentlichkeit selten ohne einen Spazierstock in der Hand gesehen. Die industrielle Revolution verstärkte die Beliebtheit des Stocks, da aufgrund von maschinellen Fertigungsmethoden ein Spazierstock nun auch für einen Normalbürger bezahlbar war. Stöcke dienten nicht in erster Linie als Gehhilfe, oder um eine gerade Körperhaltung zu gewährleisten. Hauptzweck war es, die optische Erscheinung des Spaziergängers zu unterstreichen. Spazierstock von Gottfried von Mülinen (Inv. Nr. K-18981) © Museum Aargau Dieser Spazierstock aus der Sammlung wurde zwischen 1810 und 1840 hergestellt und ist aus Holz und hat einen goldenen Knauf und ein metallenes Fussstück. Auf dem Knauf ist das Monogramm "GM" eingetrieben. Dies weist darauf hin, dass der Stock Graf Gottfried (II.) von Mülinen (1790 - 1840) gehörte. Er war Major im Eidgenössischen Generalstab, bernischer Grossrat, Oberamtmann von Nidau und Historiker. Der Stock wurde dem Museum Aargau 2009 zusammen mit einem Konvolut von Gemälden und weiteren Gegenständen geschenkt. Der Fächer und die Sonnenbrille Fächer waren schon vor dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Accessoire der Damen. Besonders im Sommer konnten sich die Damen mit dem Fächer abkühlen. Da Fächer durch die verbesserten und vielfältigeren Herstellungsmöglichkeiten, die die industrielle Revolution mit sich brachte, praktisch für jeden kaufbar wurden, mussten die Damen nun besonders darauf achten, dass ihre Fächer ihre Position in der Gesellschaft hervorhoben. So gab es Holz-, Elfenbein- oder Perlmuttfächer, die mit bemaltem Papier, Seide oder Stoff bespannt waren. Bestimmte Fächer waren auch ein Produkt der im 19. Jahrhundert aufkommenden Tourismusindustrie und wurden als Souvenirs für Reisende hergestellt. Souvenir-Fächer mit Schachtel (Inv. Nr. K-18188) © Museum Aargau Dieser Fächer mit 10 Stäben, die mit durchbrochenen Voluten und mit eingelegten, gravierten Metallblättchen geschmückt sind, ist auf die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren. Der obere Teil der Stäbe liegt zwischen zwei blauen Kartonseiten. Die Kartons haben silbernes, florales Dekor und zeigen je eine typische Schweizer Sehenswürdigkeit. Darunter sind Sehenswürdigkeiten wie das Löwenmonument, die Teufelsbrücke und die Tellskapelle. Dieser Fächer stammt aus einem Haushalt in Lenzburg. Er kam 2007 als Teil eines Konvoluts in die Sammlung von Museum Aargau. Für Herren kam der Fächer im 19. Jahrhundert als Accessoire nicht wirklich in Frage. Sie trugen eher eine Sonnenbrille. Bereits im 15. Jahrhundert wurden Brillen gegen das Blenden der Sonne mit farbigen Brillengläsern versehen. Dies entwickelte sich immer weiter. So hatten viele Brillen aus dem 18. Jahrhundert qualitativ hochwertigere gelbe, grüne, blaue oder rote Gläsern. Der französische Arzt Jean-Marie-Théodore Fieuzal (1836 - 1888) wies schliesslich auf die schädlichen UV-Strahlen hin und empfahl gelbe statt blaue Gläser als Schutz zu verwenden. Obwohl es im 19. Jahrhundert bereits Bügelbrillen gab, verwendeten Männer des gehobenen Bürgertums und der Oberschicht oft lieber Zwicker. Zwicker, Sonnenbrille mit Etui (Inv. Nr. K-21701) © Museum Aargau. Die Sonnenbrille aus der Sammlung von Museum Aargau lässt sich grob auf das 19. Jahrhundert datieren. Die ovalen grün-gelblich getönten Brillengläser sind über den Steg aus vergoldetem Buntmetall miteinander verbunden. Die Sonnenbrillengläser haben keinen Korrekturschliff. Das an einem Glas befestigte goldfarbene Kettchen endet in einem filigranen Trageelement. Die Sonnenbrille ist 14.9 cm breit und stammt aus Niederlenz. Diese Sonnenbrille kam 2016 als Schenkung in die Sammlung von Museum Aargau. Weitere Blogbeiträge 17. Juni 2022 Das tragbare Sommergefühl - Zeitloser Textildruck aus Suhr Sommer: Die helle Jahreszeit steht nicht nur für heisse Tage und ein abkühlendes Bad. Auch im Sammlungszentrum in Egliswil hält der Sommer… 13. Juni 2023 Flower-Power aus der Sammlung Der Sommer naht und die Pflanzenwelt erblüht in voller Pracht. Um die farbenfrohe Blütezeit gebührend zu feiern, wird hier eine kleine… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Kommentare

 
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Frauen im Legionslager?

Zurück zum Blog 07. Juni 2023 Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Wer das Wort "Legionslager" hört, denkt als erstes unweigerlich an eine von Männern geprägte Domäne. Aber auch Frauen haben ihre Spuren in Vindonissa hinterlassen. Was für Frauen waren das und wie sah ihr Leben in und um das Legionslager Vindonissa aus? Die Anwesenheit von Frauen in Legionslagern war lange Zeit umstritten. Grund dafür war, dass es nach römischem Gesetz den Legionären nicht gestattet war, während ihrer Amtszeit eine Ehe einzugehen. Tatsächlich war das von Kaiser Augustus verfasste Gesetz mitunter so streng, dass es selbst höheren Offizieren wie den Lagerkommandanten verboten war, ihre Frauen ins Legionslager mit zu bringen. Das Gesetz wurde von den meisten Legionären umgangen. Fast alle lebten in einer eheähnlichen Verbindung, dem Konkubinat, mit einer Frau. Eine Vielzahl an archäologischen Funden, ebenso wie schriftliche Quellen berichten von zahlreichen Frauen, die sich in und um das Legionslager aufgehalten haben. Die Schreibtäfelchen von Vindonissa erzählen beispielsweise von einer „Wirtin in Hausnummer 12“, einer „Belica gegenüber dem Bade“, einer „Vindoinsa“ oder einer „Secundina“. Ein ähnliches Bild vermittelt auch ein Schreibtäfelchen aus Vindolanda, einem Hilfstruppenkastell am Hadrianswall in England. Die Korrespondenz zweier Ehefrauen von höheren Offizieren die sich offensichtlich in den Kastellen aufgehalten haben ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Anwesenheit von Frauen in römischen Militärstrukturen nichts Ungewöhnliches war. Centurionengattin Helvia mit Krug Schreibtäfelchen, Frauenkleidung und andere archäologische Funde Des Weiteren sprechen auch zahlreiche Fundstücke aus dem Schutthügel von Vindonissa – wo auch die Schreibtäfelchen gefunden wurden – ein deutliches Bild. Es handelt sich dabei um Objekte, die Frauen zwar nicht direkt benennen, aber eindeutig mit ihnen in Verbindung gebracht werden können: Lederschuhe, Spindeln, Haarnadeln und Haarnetze. Bei den Lederschuhen legen besonders die Form (Zehensandalen) und die Grösse nahe, dass es sich dabei um Frauen- und Kinderschuhe handelt. Sie sind ein deutlicher Hinweis auf die Anwesenheit von Frauen und auch Kindern im Legionslager. Ebenfalls mit Frauen in Verbindung gebracht werden Funde, die zu einem typischen Frauenhandwerk gehören, dem Textilhandwerk: Spindeln, Rocken, Woll- oder Webkämme sowie Nähnadeln aus Holz oder Knochen. Zu beachten ist dabei besonders, dass der Abfall aus dem Schutthügel nicht etwa von der Zivilsiedlung ausserhalb des Lagers stammte, sondern von den Bewohnern des Lagers selbst. Fibeln, die paarweise getragen wurden und sicher zur Frauenkleidung gehörten, sowie Haarnadeln, welche nur von Frauen getragen wurden, stammen aber nicht ausschliesslich vom Schutthügel, sondern wurden auch innerhalb des Lagers gefunden. Ein weiterer Hinweis auf die Anwesenheit von Frauen im Legionslager liefert ein Fund, der in seiner Art einzigartig ist. Im Haus eines Centurio, entlang der Aussenmauer, fand man Überreste von Neugeborenen, die dort bestattet worden war. Ausgräber gehen davon aus, dass es sich bei den Bestattungen um früh verstorbene oder totgeborene Kinder eines Centurio handelt, der zusammen mit seiner Frau im Legionslager gelebt hat. Centurionengattin Valeria mit Kochlöffel Was uns die Quellen über das Leben der Frauen im Legionslager berichten Doch wie sah das Leben der Frauen in und um ein Legionslager aus? Die Schreibtäfelchen erzählen von der Keltin Belica, die vermutlich als Schankwirtin in einer Taverne gearbeitet hat. Es ist sogar möglich, dass ihr das Gasthaus selber gehört hat. Belica ist nicht die einzige Wirtin, die in den Schreibtäfelchen von Vindonissa Erwähnung findet. Dass Römerinnen Gaststätten besassen ist nicht ungewöhnlich, diverse Quellen aus dem Römischen Reich sprechen dafür, dass die Frauen sowohl mit Ehemann als auch alleine einen Betrieb führen konnten. Oftmals herrschte in einer solchen Gaststätte auch Bordellbetrieb. Legionslager zogen natürlicherweise Prostituierte in grosser Zahl an. Die meisten Prostituierten waren Sklavinnen, die von ihren Besitzern zur Prostitution genötigt wurden und Freigelassene, die so ihren Lebensunterhalt verdienten. Freigeborene Römerinnen, die der Prostitution nachgingen, gab es aber auch: Materielle Not war in der Regel der Hauptgrund, als Prostituierte zu arbeiten. Obwohl die Prostitution in der römischen Kaiserzeit allgegenwärtig war, waren Prostituierte gesellschaftlich geächtet. Frauen aus niedrigeren Schichten lernten oft einen Beruf, arbeiteten als Hebamme, in Gastwirtschaften oder in Handwerksbetrieben und Textilmanufakturen. Es gibt sogar Hinweise dafür, dass eine Medizinerin mit griechischen Wurzeln in Vindonissa lebte. Ärztin Cornelia mit Schröpfkopf Die Rechte der Frauen in der Römerzeit Für Frauen aus höheren Schichten sah das Leben ganz anders aus. Sie lebten gemeinsam mit ihren Ehemännern oder Vätern innerhalb der Lagermauern und nahmen auch an den gesellschaftlichen Anlässen wie beispielsweise Gastmählern teil. Allerdings legten sie sich nicht zu den Männern dazu, sondern sassen auf einem Stuhl und zogen sich zu angemessener Zeit zurück. Beim an das Gastmahl anschliessenden Trinkgelage waren sie nicht dabei. Auch vom politischen Leben waren Frauen ausgeschlossen. Sie konnten weder wählen noch für ein politisches Amt gewählt werden. Das gebären und erziehen von Kindern war die Hauptaufgabe und der grösste Wert einer Frau in der römischen Gesellschaft. Zudem waren ausgewählte priesterliche Funktionen auch möglich. Politisch Einfluss nehmen konnten die Frauen nur indirekt über ihre Männer. Mädchen wurden häufig schon mit 12 Jahren verheiratet und waren dabei oftmals Spielball der politischen Interessen der Familie. Die Meinung der Frau zur Hochzeit war dabei nicht gefragt. Dennoch hatten Römerinnen, im Vergleich zu Frauen aus anderen antiken Kulturen, relativ viele Rechte. Sie durften, wie bereits erwähnt, an Gastmählern teilnehmen und auch selber als Gastgeberin auftreten, das Theater oder Amphitheater besuchen und sich sogar jederzeit scheiden lassen. Dazu mussten sie lediglich eine Scheidungsformel aufsagen, um dann mit ihren Habseligkeiten das Haus des Mannes verlassen zu können. Gemeinsame Kinder blieben allerdings in der Obhut des Vaters. Anhand der diversen archäologischen Funde lässt sich das Leben der Frauen in und um das Legionslager von Vindonissa erahnen. Frauen aus verschiedensten Gesellschafts- und Kulturschichten haben ihre Spuren hinterlassen. Aus diesen lässt sich ein buntes und vielseitiges Bild ableiten, das einmal mehr zeigt, wie divers und vielschichtig die römische Gesellschaft auch in einem Legionslager war. Weitere Blogbeiträge 04. Oktober 2022 Quiz: Was wissen Sie über den Alltag der Legionäre? Waren Sie vielleicht im früheren Leben Legionär? Testen Sie in diesem Quiz Ihr Wissen über den Alltag der Legionäre im alten Rom. 16. September 2020 Unsittlich? Das Fahrrad als Symbol für die Emanzipation der Frau Woher kommt die Unterscheidung zwischen Frauen- und Männerräder und wieso war das frühe Fahrrad äusserst politisch? Antworten auf diese… 23. März 2022 Das (Fladen-)Brot des römischen Legionärs – Rezept für panis militaris Panis militaris gehörte zur alltäglichen Kost des miles gregarius, des einfachen römischen Soldaten. Der Legionär und passionierte Bäcker… Von Alisha Keller Von Alisha Keller Alisha Keller war 2023 Praktikantin in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Kommentare

 
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Glaubensfragen und Machtkämpfe: So entstand das Kloster Wettingen

Zurück zum Blog 05. Juli 2023 Kategorie Klosterleben Das Kloster Wettingen wurde 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Eine Legende will, dass er in Seenot Maria, die Mutter Gottes, um Hilfe anrief und ihr bei Rettung ein Kloster versprach. Doch was steht wirklich hinter der Gründungslegende? Heutzutage gibt es immer weniger aktive Klöster in der Schweiz, doch in der Zeit des Spätmittelalters gab es einen regelrechten Kloster-Boom. Damals entstand das Kloster Wettingen mit dem Namen "Stella Maris", gestiftet von Ritter Heinrich II. um 1227. Hinter der dramatischen Gründungslegende stecken auch Machtspiele. Eine dramatische Gründungslegende Ein Ritter gerät auf hoher See in einen Sturm. In der Seenot sieht er nur eine Rettungsmöglichkeit: Er kniet nieder und betet. Er verspricht, der heiligen Maria ein Kloster zu widmen, sollte sie ihn retten. Daraufhin erscheint ein heller Stern am Himmel, die Wogen glätten sich, der Ritter überlebt und lässt in Wettingen ein Kloster bauen. Es trägt den Namen "Stella Maris", Stern des Meeres. Die Gründungslegende des Klosters Wettingen ist seit dem Jahr 1500 – also 280 Jahre nach der Gründung des Klosters – schriftlich dokumentiert. Doch was steht wirklich hinter dieser Legende? Abbildung der sagenumwobenen Gründungslegende Stella Maris – Für den Glauben auf hoher See Als "Stella Maris" ist die heilige Maria die Schutzpatronin für alle Seefahrenden. Dieser Name war bereits im 9. Jahrhundert verbreitet. Die Hymne "Ave Stella Maris" war ein beliebtes Lied in der Kirche und wurde aus dem Lateinischen auch auf Deutsch übersetzt. Auch zahlreiche andere Hymnen und Gedichte der christlichen Kirche beinhalten die Anrufung Marias als Stella Maris. Bernhard von Clairvaux, der Begründer des Zisterzienserordens, sah die heilige Maria als eine der wichtigsten Figuren im Christentum. Die Verehrung Marias ist daher ein Merkmal des Zisterzienserordens und zeigt sich in den vielen Mariendarstellungen, welche ihre Klöster zieren. Es passt, dass sich Heinrich II. von Rapperswil bei der Gründung des Klosters in Wettingen für den Namen Stella Maris entschied. Als Motto wählte er passend dazu "Non mergor", lateinisch für "Ich gehe nicht unter". Dieser Leitspruch nimmt Bezug auf die schwere Seenot, welche Heinrich II. laut der Legende mit Marias Hilfe überstanden hatte. In diese geriet er auf dem Heimweg von einem Kreuzzug oder einer Pilgerreise. Ab 1100 begannen die sogenannten Kreuzzüge: Der Papst hatte dazu aufgerufen, das "Heilige Land" (das heutige Gebiet von Israel, Palästina und Jordanien) für die Christen in Besitz zu nehmen. Es waren Machtkämpfe, getrieben durch verschiedene religiöse Glaubensansätze. Die christlichen Kreuzfahrer wollten die muslimische Bevölkerung vertreiben. Graf Heinrich von Rapperswil, Nachzeichnung eines verlorenen Wandbilds des 17. Jahrhunderts im Kreuzgang des Klosters Wettingen. (Zentralbibliothek Zürich) Heinrich II. von Rapperswil begab sich vor 1223 auf einen Kreuzzug oder eine Pilgerfahrt nach Jerusalem. Seine Frau und sein Kind verstarben während ihres Aufenthaltes in Jerusalem. Alleine kehrte er in die heutige Schweiz zurück mit der Absicht, ein Zisterzienserkloster zu gründen. Die Zisterzienser verstanden sich als ein Orden, der wieder zur Benediktinerregel zurückkehren wollte. Sie strebten ein einfaches Leben an und wollten von der Arbeit der eigenen Hände leben. In Widerspruch zu diesen Grundsätzen warb aber auch bereits Bernhard von Clairvaux, der Begründer des Zisterzienserordens, für Kreuzzüge: Er rief im Auftrag des Papsts zum Zweiten Kreuzzug auf. Standort Wettingen – Schlichtweg gutes Investment? Laut der Gründungslegende habe Heinrich II. bei einem Ritt auf der Suche nach der geeigneten Stelle für das versprochene Kloster einen funkelnden Stern über Wettingen erblickt. Er deutete ihn als göttliches Zeichen, dass er das Kloster an eben der Stelle, gerade neben der Limmat, stiften sollte. Es gab jedoch auch andere Gründe, wieso er sich dazu entschied, das Kloster auf der Wettinger Halbinsel zu gründen. Damals gab es in der Schweiz einen regelrechten Flickteppich an verschiedenen Adelsherrschaften. Unter diesen kam es immer wieder zu Konflikten, vor allem, wenn es um Ämter und Grundbesitz ging. Dies war auch in der Region Wettingen nicht anders. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Friedrich I. Barbarossa, teilte die Hoheitsrechte zwischen den Habsburgern und den Kyburgern auf. Somit hatten diese beiden Adelsgeschlechter das Recht, ihre jeweiligen Gebiete zu verwalten. Im Gebiet von Wettingen regierten die Kyburger. Die Herren von Rapperswil wollten in diesem Gebiet ihren Einfluss ausweiten. Sie waren damals Vögte in Einsiedeln. Dabei vertraten sie den Kaiser und verwalteten das Land in seinem Namen. Mit dem Amt gingen auch verschiedene Privilegien einher. So besassen die Rapperswiler die "niedere Gerichtbarkeit", das heisst, sie durften für kleinere Verbrechen Strafen und Bussen sprechen. Als nun die Kyburger die Vogteirechte über das Gebiet von Einsiedeln übernehmen wollten, bot ihnen Heinrich von Rapperswil einen Kompromiss an, um seine Privilegien nicht zu verlieren. Er schlug vor, ein Zisterzienserkloster in Wettingen zu bauen. Über dieses sollten die Kyburger die Vogteirechte erhalten und im Gegenzug ihre Ansprüche auf das Gebiet von Einsiedeln fallen lassen. Mit diesem Kompromiss gaben sich die Kyburger zufrieden. Das Kloster nach der Entstehung. Die letzten Schritte zum Kloster Nun galt es noch, die Erlaubnis vom Generalkapitel der Zisterzienser in Cîteaux zu erhalten. Nach zwei gescheiterten Versuchen im Jahr 1220 und 1223 gelang es Heinrich schliesslich 1226, mit Hilfe eines befreundeten Bischofs eine Bewilligung aus Cîteaux zu erhalten. Im Frühjahr 1227 kaufte Heinrich von Rapperswil schliesslich den Grundbesitz und das Patronatsrecht über die Kirche in Wettingen dem Grafen von Dilligen (eines Verwandten der Kyburger) ab. Noch im selben Jahr begaben sich zwölf Mönche aus Salem, im heutigen Deutschland, auf den Weg in das neu gegründete Kloster nach Wettingen. Heinrichs Projekt war somit geglückt und er trat kurz vor seinem Lebensende als Mönch selber dem Kloster bei. Hinter der Gründung des Klosters stecken also verschiedene Motive. So nutzte Heinrich II. die Stiftung des Kloster Wettingens auch dafür, um den Einfluss der Rapperswiler in der Innerschweiz langfristig zu sichern. Die Legende zur Klostergründung war identitätsstiftend für das Kloster Wettingen. "Stella Maris" ist in Form einer Meerjungfrau im Wappen des Klosters zu sehen und prägt bis heute das Bild der Klosterhalbinsel. Das Wappen des Klosters. "Stella Maris" ist darauf als Meerjungfrau zu erkennen. Literatur Hoegger, Peter: Das ehemalige Zisterzienserkloster Wettingen, Kanton Aargau, GSK Band 604/605, Bern 1997. Kottmann A., Hämmerle M.: Die Zisterzienserabtei Wettingen, 1996. Meng, Heinrich: 750 Jahre Kloster Wettingen 1227-1977: Festschrift zum Klosterjubiläum, 1977. Görg, Manfred: "Mirjam", in: Manfred Görg, Bernhard Lang (Hrsg.): Neues Bibel-Lexikon. Band 2: H – N. Zürich 1995. Eugster, Erwin. Adlige Territorialpolitik in der Ostschweiz: kirchliche Stiftungen im Spannungsfeld früher landesherrlicher Verdrängungspolitik. Chronos, 1991. Eugster, Erwin: " Rapperswil, Heinrich II. von ", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.12.2011. Online, konsultiert am 26.05.2023. Tremp, Ernst: " Kreuzzüge ", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 21.11.2007. Online, konsultiert am 26.05.2023. Holenstein, André: " Vogteien ", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.11.2014. Online, konsultiert am 24.05.2023. Weitere Blogbeiträge 14. August 2023 Wie kommt die Meerjungfrau ins Kloster Wettingen? Auf der Klosterhalbinsel Wettingen findet sich an Gebäuden, in Gemälden und im Wappen des Klosters selbst eine Meerjungfrau mit zwei… 23. August 2022 Heilkunde im Kloster Seit jeher befassen sich Klöster mit Heilkunde, da die Fürsorge für die Armen und Kranken tief in ihrer Tradition verankert ist. Auch beim… 14. Oktober 2020 Die Äbtissin führt zum Klarafenster im Kloster Königsfelden Die berühmten Glasfenster der Klosterkirche Königsfelden sind Symbole der herausragenden Stellung der Habsburger im 14. Jahrhundert.… Von Joana Meier Von Joana Meier Joana Meier ist Praktikantin in der Vermittlung beim Standort Klosterhalbinsel Wettingen. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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Tipps für das perfekte Erdbeer-Beet

Zurück zum Blog 11. August 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Im August ist ein guter Zeitpunkt, um ein neues Beet mit Erdbeeren anzulegen. Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. Ein Erdbeer-Feld ist rasch mit Jungpflanzen aus dem Handel angelegt. Alternativ können die Ableger von bestehenden Erdbeer-Pflanzen in das neue Beet gepflanzt werden. Die Ableger, sogenannte Kindel, sollten generell von den Erdbeer-Pflanzen abgeschnitten werden. Ansonsten verliert die Pflanze wertvolle Kraft. Für das neue Erdbeer-Beet sollten nur die kräftigsten Ableger verwendet werden. Tipp: Ergänzen Sie die Ableger im neuen Erdbeer-Beet immer mit einigen dazugekauften Jungpflanzen. Sonst werden die Früchte immer kleiner und entwickeln sich wieder hin zur Urform, der Walderdbeere. In tief gelockerten Boden einpflanzen Wählen Sie für das neue Erdbeer-Feld einen vollsonnigen Standort. Wichtig ist ein tief gelockerter Boden. Erdbeeren haben es in unseren lehmigen Böden schwer. Hier helfen etwas daruntergemischter Sand und Kompost. Oder Sie pflanzen als Vorkultur Gründünger-Pflanzen, die den Boden tiefgründig lockern und so für die Erdbeeren vorbereiten. Handelsüblicher Beerendünger geben den kleinen Pflanzen die richtige Menge an Nährstoffen, die jetzt wichtig sind. Gepflanzt wird dann mit einem Reihenabstand von rund 60 Zentimetern. Der optimale Abstand zwischen den Erdbeerpflanzen in einer Reihe beträgt rund 25 Zentimeter. Achtung: Das Herz der Pflänzchen sollte nicht unter der Erde liegen. Halten Sie das bepflanzte Beet gut feucht, giessen Sie aber das Wasser nicht direkt über die Pflänzchen. Die Erdbeeren sind anfällig für Pilzkrankheiten. Ernte und Ruhephase Die grösste Erdbeer-Ernte dürfen Sie im zweiten und dritten Jahr erwarten. Danach werden die Früchte kleiner und die Qualität nimmt ab. Es lohnt sich deshalb, das Beet nach drei Jahren komplett abzuräumen. Setzen Sie danach während vier Jahren keine Erdbeeren in dieses Beet. Erdbeeren gehören zur Familie der Rosengewächse und sind daher auch nachbauempfindlich. Als mögliche Zwischenkultur eignen sich Studentenblumen, diese regenerieren den Boden und wirken reinigend. Weitere Blogbeiträge 13. August 2020 Das Erdbeer-Einmaleins: Tipps zur Sortenpflege Monats-, Hänge- oder Klettererdbeeren: Die vielen Erdbeer-Sorten benötigen unterschiedliche Pflege. Der Gartentipp von Melissa Gögele,… 07. Juli 2020 Tipps für schöne Blumensträusse Wie gelingt ein schöner Blumenstrauss? Wie bleiben Blumen lange frisch? Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. 14. November 2022 Die perfekte Kaki: Bei der Ernte zählt das Timing Die Götterfrucht – oder bei uns bekannter als Kaki – ist ein Hochgenuss. Die Ernte zur richtigen Zeit ist jedoch eine Herausforderung. Lesen… Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Der Gutshof – Ein Zentrum der mittelalterlichen Herrschaft

Zurück zum Blog 23. Juni 2023 Kategorie Mittelalter Im Juli 2023 wird vor den Schlosstoren von Hallwyl ein mittelalterlicher Bauernhof errichtet. Eine Gruppe Siedler zeigt authentisch den Bauernalltag auf einem Gutshof im 12. Jahrhundert. Ein Gutshof ist nun aber kein herkömmlicher Bauernhof. Er war in direktem Besitz des lokalen Fürsten und war ein Knotenpunkt in der Verwaltung seines Territoriums. Es war ein Verwaltungssystem, an das auch heute noch die Familiennamen Meier und Keller erinnern. Höfe als Verwaltungszentren Wenn man an die Zentren fürstlicher Herrschaft denkt, kommt einem zuerst die Burg in den Sinn. Der Gutshof dagegen ist weitgehend unbekannt, obwohl er im mittelalterlichen Verwaltungsapparat eine wichtige Rolle einnahm. Im 7. Jahrhundert begann sich in Frankreich eine neue Verwaltungsstruktur auszubilden. Mehrere Bauernhöfe wurden zu einem Hofverband zusammengeschlossen, in dessen Zentrum ein herrschaftlicher Gutshof stand. In der Schweiz sind solche Hofverbände ab dem 8. Jahrhundert nachweisbar und hielten sich bis ins 14. Jahrhundert. Während dieser Zeit bildeten Gutshöfe und Hofverbände nicht nur die Verwaltung fürstlicher, sondern auch kirchlicher Ländereien. Der herrschaftliche Gutshof Gutshöfe werden auch immer wieder Fronhöfe genannt. Sie waren in sehr unterschiedlichen Formen angelegt. Wichtig war ihre Verwaltungsposition, die Form hingegen war von der Grösse des Hofverbandes sowie den Bedürfnissen und Mitteln des Herren abhängig. So konnte ein Gutshof durchaus wie ein normaler Bauernhof aussehen. Andererseits gab es auch weitläufige Hofkomplexe mit Herrenhaus und mehreren Wirtschaftsgebäuden. Oft waren an solche Anlagen Kirchen angeschlossen, welche das Zentrum des religiösen Lebens des Hofverbandes waren. Zudem konnten grösserer Gutshöfe auch befestigt sein. Umgeben war der Gutshof vom sogenannten Solland. Dabei handelte es sich um landwirtschaftliche Nutzflächen, die sich im direkten Besitz des lokalen Herren befanden und von diesem bewirtschaftet wurden. Ein Gutshof in Hundsheim in Österreich, umgeben von modernen Wohnhäusern. (Autor: Benko1971, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria). Der Hofverband Rund um den Gutshof gliederten sich die Bauernhöfe des Hofverbandes. Sie wurden von Bauern bewirtschaftet, die zum lokalen Grundherren in einem Abhängigkeitsverhältnis standen. Sie waren ihrem Herren gegenüber zu Abgaben und Frondiensten verpflichtet. Bei Letzteren handelt es sich um obligatorische Arbeitseinsätze, welche die Bauern ihrem Herren schuldig waren. Dabei mussten sie auf dem Solland des Herrn arbeiten oder sonstige Dienste verrichten. Die meisten Abgaben der Bauern waren landwirtschaftliche Erzeugnisse. Der Handel mit Geld existierte zwar zu jener Zeit bereits, auf lokaler Ebene herrschte aber noch der Austausch von Gütern und Dienstleistungen vor. Der Geldhandel gewann jedoch zunehmen an Bedeutung. Im 13. Und 14. Jahrhundert begann er dann die Attraktivität des Hofverbandes zu untergraben. Grundherren bevorzugten es nun, die Abgaben der Bauern in Geld und nicht mehr in Gütern und Arbeit zu beziehen. So zogen sich die Herren zunehmend aus den Gutshöfen zurück, während die Hofverbände zu Dörfern zusammenwuchsen. Gruppe mittelalterlicher Bauern auf dem Weg zum Gutshof. Darstellerinnen und Darsteller der Gruppe "abenteuer-zeitreise" (© abenteuer-zeitreise). Meier und Keller Auf den Gutshöfen beschäftigten die Grundherren eine Vielzahl an Personal, um den täglichen Betrieb des Hofes zu regeln. Dieses befand sich genau wie die Bauern in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Herren. Kernpositionen unter diesen Bediensteten nahmen der Meiger und der Cellerar ein. Der Meiger war der Leiter des Hofbetriebes, während der Cellerar für die Lagerung und Verteilung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zuständig war. Von diesen Positionen im Hofverband leiten sich die heutigen Familiennamen Meier und Keller ab. Der Gutshof war ein wichtiger Knotenpunkt in der mittelalterlichen Grundherrschaft. Er war der persönliche Hof des Grundbesitzers und war im Zentrum eines Hofverbandes. Die Bauern aus den umliegenden Höfen waren zu Abgaben und Fronarbeit auf den Feldern des Herren verpflichtet. Das Verwaltungssystem der Gutshöfe existierte in der Schweiz in dieser Form ab dem 8. Jahrhundert. Über die nachfolgenden Jahrhunderte war es ein integraler Bestandteil des mittelalterlichen Alltags. Erst im 13. und 14. Jahrhundert wurde der Fronhof und der Hofverband durch die zunehmende Geldwirtschaft verdrängt. Weitere Blogbeiträge 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? 12. Mai 2022 Die Falknerei im Mittelalter Die Falknerei war im Mittelalter ein beliebtes Hobby adeliger Männer. Aber war die Falknerei lediglich eine adelige Spielerei – oder eben… 21. Mai 2023 Das Einhorn als christliches Symboltier im Mittelalter Bis heute steht die Taube symbolisch für den heiligen Geist und das Lamm für Christus. Im Mittelalter gehörte aber auch das Einhorn zu den… Von Andreas Mäder-Esteves Von Andreas Mäder-Esteves Andreas Mäder-Esteves ist Historiker und Praktikant im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Mittelalter Kommentare

 
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Wie kommt die Meerjungfrau ins Kloster Wettingen?

Zurück zum Blog 14. August 2023 Kategorien Märchen & Mythen Klosterleben Auf der Klosterhalbinsel Wettingen findet sich an Gebäuden, in Gemälden und im Wappen des Klosters selbst eine Meerjungfrau mit zwei Schwanzflossen. Was hat dieses Wesen mit dem Kloster Wettingen, weit weg vom Meer, zu tun? Geschichten von Frauen, welche halb Mensch halb Fisch sind, gehen zurück bis in die Antike. Es ist deshalb schwierig, klare Unterscheidungen zu treffen zwischen Begriffen wie Sirenen, Meerjungfrau und Melusine. Sie haben jedoch ganz unterschiedliche Hintergründe. Woher kommt der Mythos der Meerjungfrau? Meerjungfrauen sind laut den Legenden hilflose Gestalten, verdammte Wesen, welche nur durch die Liebe eines Mannes befreit werden können. Die Version der Meerjungfrau, die heute am weitesten verbreitet ist, stammt aus dem Märchen von Hans Christian Andersen "Die kleine Meerjungfrau", welches 1837 erschienen ist. In Andersens Version, ist die Meerjungfrau unschuldig, etwas naiv und möchte gerne mit dem Prinzen auf dem Land leben. Auch in neuen Adaptionen des Meerjungfrauenmythos sind diese Elemente oft vorhanden. Im Gegenteil zu den unschuldigen Meerjungfrauen stehen Sirenen und Nixen. Sie entstammen der griechischen Mythologie und sind Todesdämoninnen. Durch betörenden Gesang, locken sie Schiffsleute an, um sie zu töten. Sie galten deshalb im Christentum als Symbol der weltlichen Verführung. Dem mittelalterlichen Westeuropa entspringt noch eine weitere mythische Gestalt, die Melusine. Melusine ist der Name der Nixe in der Geschichte, welche niemandem verraten darf, was sie für ein Wesen ist. Als ihr Mann sie beim Baden sieht und ihr Geheimnis erfährt, ergeben sich verschiedene Verstrickungen. Eine weit verbreitete deutsche Übersetzung der Geschichte aus dem Französischen stammt von Thüring von Ringoltingen aus Bern und erschien 1456. Ältere Quellen reichen jedoch bis ins 12. Jahrhundert zurück. Melusines Geheimnis enthüllt, aus Le Roman de Mélusine. Eines von sechzehn Bildern des Guillebert de Mets, etwa 1410. Original im Besitz der Bibliothèque nationale de France. Im Verlauf des Mittelalters durchmischten sich die Mythen der Meerjungfrauen, Sirenen und Melusinen. Bei Wappen, in denen Meerjungfrau-ähnliche Wesen dargestellt werden, ist oftmals unklar auf welche der verschiedenen Mythen genau Bezug genommen wird. Symbolisch stehen die Meerjungfrauen auf Wappen meist für eine Verbindung zu Gewässer. Wie gelang die Meerjungfrau aufs Wappen des Klosters Wettingen? Im Wappen des Klosters Wettingen erschien die Meerjungfrau erstmals im 16. Jahrhundert, rund 300 Jahre nach der Gründung des Klosters. Das Kloster ist der heiligen Maria gewidmet. Sie gilt als Schutzpatronin der Seeleute und wird in dieser Anrufung Maris Stella (lateinisch für "Stern des Meeres") genannt. Laut der Gründungslegende ist Maria als Stern dem späteren Gründer des Klosters, Freiherr Heinrich II., erschienen, als dieser in Seenot war. Er versprach daraufhin Maria ein Kloster zu widmen. Die Meerjungfrau auf dem Wappen kann entsprechend als symbolische Darstellung von Maris Stella verstanden werden. Blog zur Gründungslegende des Klosters Wettingen Es ist jedoch nicht auf allen Wappen die zweischwänzige Meerjungfrau zu sehen – auf einigen handelt es sich um eine Frau, die zwei Fische hält. Diese Figur findet sich auf verschiedenen Wappen, es ist jedoch unklar, ob ihr eine spezielle Bedeutung zukommt. Wappen des Klosters Wettingen. Abthof des Klosters (innen). Hat das Wappen des Klosters Wettingen etwas mit dem Starbucks-Logo zu tun? Beim Spazieren über die Klosterhalbinsel fragen sich Besuchende oftmals, weshalb sie das Bild der Meerjungfrau, welches weltweit auf Kaffeebechern zu sehen ist, auch im Kloster Wettingen wiederfinden. Als Logo des Unternehmens Starbucks dient nämlich ebenfalls eine zweischwänzige Meerjungfrau. Die optische Ähnlichkeit zwischen dem Starbucks-Logo und der Meerjungfrau auf dem Wappen des Klosters Wettingen zeigt die starke Durchmischung der verschiedenen Mythen. So basiert das Starbucks-Logo auf einer Sirene – eine gefährliche und verführerische Gestalt. Im Gegensatz dazu steht das Meerjungfrauensymbol im Wappen des Klosters für Maris Stella, eine Anrufung der heiligen Maria, das christliche Bild der Unschuld. Meerjungfrau in der Sommerabtei des Klosters Wettingen. Wer genau hinschaut, entdeckt auch im Kloster Wettingen Darstellungen, in welchen eine Frau zwei Fische hält. Wappen des Klosters. Mediothek (aussen). Weitere Blogbeiträge 05. Juli 2023 Glaubensfragen und Machtkämpfe: So entstand das Kloster Wettingen Das Kloster Wettingen wurde 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Eine Legende will, dass er in Seenot Maria, die Mutter Gottes,… 23. August 2022 Heilkunde im Kloster Seit jeher befassen sich Klöster mit Heilkunde, da die Fürsorge für die Armen und Kranken tief in ihrer Tradition verankert ist. Auch beim… 23. Mai 2022 Schweigend Sprechen: die Zeichensprache der Mönche Um im Klosteralltag die Stille zu wahren, verwendeten Mönchsorden wie die Zisterziensier eine monastische Gebärdensprache. Von Joana Meier Von Joana Meier Joana Meier ist Praktikantin in der Vermittlung beim Standort Klosterhalbinsel Wettingen. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Märchen & Mythen Klosterleben Kommentare

 
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Sommer- und Herbsthimbeeren

Zurück zum Blog 20. Juli 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Himbeeren im Garten sind pflegeleicht. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten: Sommerhimbeeren und Herbsthimbeeren. Der Gartentipp aus dem Schlossgarten Wildegg. Die Unterscheidung zwischen Sommerhimbeeren und Herbsthimbeeren ist wichtig, denn die beiden Arten werden nach der Ernte (oder spätestens im Herbst) unterschiedlich bodeneben abgeschnitten. Sommerhimbeeren Die Sommerhimbeeren bilden durch das Jahr bereits neue Triebe, die aber stehengelassen werden. Denn diese tragen erst im nächsten Jahr Früchte. Die neuen Triebe erkennt man gut: Sie sind heller und noch nicht verzweigt. Achten Sie darauf, pro Laufmeter etwa 10 kräftige Ruten stehen zu lassen. Herbsthimbeeren Die Herbsthimbeeren bilden ihre frischen Triebe erst im neuen Jahr und tragen an diesen dann die Früchte. Bei diesen Beeren können Sie bis zu 20 kräftige Ruten stehen lassen. Die richtige Pflege beider Himbeeren-Arten Was alle Himbeeren gemeinsam haben: Sie lieben einen humosen, lockeren, tiefgründigen Boden. Da Himbeeren Flachwurzler sind, ist eine gleichmassige Wasserversorgung wichtig. Mulchen hilft gegen das Austrocknen. Im Frühling werden Himbeeren mit einem Beerendünger gedüngt. Übrigens: Anders als der Name vermuten lässt ist die Himbeere kein Beeri, sondern eine Sammelfrucht. Sie ist einheimisch, die wilde Himbeere findet man bis in 1400 Metern Höhe. Himbeeren sind sehr gesund, da sie viele Vitamine und Mineralstoffe enthalten und werden auch als Heilpflanze verwendet. Foto: Katharina N. / Pixabay Weitere Blogbeiträge 11. August 2023 Tipps für das perfekte Erdbeer-Beet Im August ist ein guter Zeitpunkt, um ein neues Beet mit Erdbeeren anzulegen. Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. 09. August 2022 Effizient Pflanzen bewässern: Wenig Wasser im heissen Sommer Gartenarbeit besteht im Sommer vor allem aus Giessen. Bei Wasserknappheit sollten durstige Pflanzen möglichst effizient mit Feuchtigkeit… 31. März 2020 Rasenrenovation: So erholt sich Ihr Rasen vom heissen Sommer Trockene Sommer setzen dem Rasen stark zu. Oft sind noch Monate später braune Stellen und Lücken zu sehen. Die Lösung: eine Rasenrenovation. Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

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Aussenansicht Kloster Königsfelden

Kloster Königsfelden

Erinnerungsort der Habsburger

Das Kloster Königsfelden ist international bekannt für seine Glasfenster aus dem Mittelalter. Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen erwecken die über 700-jährige Klosterkirche zu neuem Leben.

PLANEN SIE IHREN BESUCH

 
Produktion "Tor zum Paradies" Kloster Königsfelden: Mehrere Kinder liegen in Farben getaucht auf dem Boden der Klosterkirche.

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender  

 
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Luftaufnahme Kloster Königsfelden mit Windisch

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

 
Innenaufnahme Kloster Königsfelden; Blick in den Chor mit den berühmten Glasfenstern aus dem Mittelalter.

Berühmte
Glasfenster

Glasmalerei aus dem Mittelalter  

Tagesprogramm

  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher

Dies läuft am Tag Ihres Besuches

Luftaufnahme Kloster Königsfelden
10:00 – 17:00 Uhr

Rund um die Klosterkirche

Rundgang durch das Klosterareal.

Selbständiger Rundgang
Die berühmten Glasfenster vom Kloster Königsfelden werden mit Licht durchflutet
10:00 – 17:00 Uhr

Glasfenster-Tour

Wissenswertes zu den Glasfenstern mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden
10:00 – 17:00 Uhr

Baugeschichts-Tour

Wissenswertes zur Baugeschichte mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
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SCHULEN, FAMILIEN UND GRUPPEN

 
Besucher und Besucherinnen betrachten die berühmten Glasfenstern auf Kloster Königsfelden

Für
Schulen

Führung und selbständiger Workshop  

 
Audioguide-Gerät mit Kopfhörer, im Hintergrund in Unschärfe Schülerinnen und Schüler.

Für
Familien

Staunt über imposante Glasfenster  

 
Eine Gruppenführung im Kloster Königsfelden. Im Hintergrund die berühmten Glasfenster.

Für
Gruppen

Führung und selbständiger Rundgang  

FEIERN UND GENIESSEN

 
Eine Mutter mit fünf Kindern an einem Tisch im römischen Bistro Popina im Legionärspfad Vindonissa.

Essen und
Trinken

Bistro Legionärspfad Vindonissa  

 
Innenraum Kloster Königsfeld mit vielen Gästen, die sitzen. Vorne spricht ein Mann an einem Podium.

Klosterkirche
mieten

Kulturelle Anlässe und Diplomfeiern  

GESCHICHTE UND SAMMLUNG

 
Aussenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Geschichte

Königsmord und Klostergründung  

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

Sammlung online

Objekte digital entdecken