Museum Aargau

Messen ohne Meter: die vormetrische Geschichte der Schweiz

Zurück zum Blog 03. März 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Die Standardisierung von Masseinheiten ist ein fundamentaler Prozess im Aufbau einer Gesellschaft, der auch im Kanton Aargau einige Spuren und interessante Objekte hinterlassen hat. Zehn Hohlmasse aus der Sammlung von Museum Aargau zeugen von der vormetrischen Geschichte der Schweiz. Die Objekte an sich wirken bescheiden. Es handelt sich um zehn verschiedene, gegossene zylindrische Hohlmasse aus Messing, die in einer Holzkiste aufbewahrt werden. Sie wirken massiv und reichen von der Grösse einer kleinen Tasse bis hin zu einer stattlichen Höhe von etwa 60 Zentimetern. Alle Masse wurden offiziell mit dem Schweizerkreuz und dem Namen des Kantons Aargau geprägt. Zu finden sind folgende, heutzutage weitgehend unbekannte Masse: das Schweizer Viertel, das Immi, der Saum und das Mass, wobei zusätzlich noch Fraktionen all dieser Einheiten zu finden sind. Diese Einheiten beruhen auf dem Masskonkordat von 1838 und waren das Ergebnis eines ersten landesweiten Standardisierungsprozesses und ein Zeugnis des anstehenden Prozesses der Staatsbildung und der Internationalisierung. Aargauer Masse. Inv. Nr. K-8740. Der Sack der einen ist das Viertel der anderen Masse in ihrem ursprünglichen Sinne waren seit ihrer ersten Benutzung vor allem auf den menschlichen Körper bezogen und somit an sehr konkrete Alltagserfahrungen angepasst. Sie orientierten sich an Körperlängen wie der Elle oder dem Fuss und sehr oft auch an Traglasten von Mensch und Tier. In der Schweiz ergab sich so aus der Traglast eines Tieres der Saum. Er entsprach einem Holzfass mit einem Fassungsvermögen von etwa 130-180 Liter. Das Viertel mit etwa 30 Litern bezog sich auf den Sack, der als Manneslast bestimmt war. Das Immi war als eine weitere Untereinheit auf das Viertel bezogen und entsprach etwa 1/10 davon. Das Mass fasste eine kleinere Menge von etwa 1-2 Litern und wurde oft für den Verkauf von Wein oder Milch benutzt. Die grösseren Masse dienten vor Allem dem Messen von Getreide, dass noch lange Zeit per Volumen berechnet wurde. Ein halbes Schweizer Immi. Inv. Nr. K-8740. Diese Masse waren jedoch keineswegs einheitlich und unterschieden sich stark je nach Region oder Dorf. Dazu war in der Schweiz vor allem auch das grössere Einzugsgebiet entscheidend. In den Regionen der Westschweiz waren durch den Handel mit Frankreich nebst den lokalen Einheiten auch französische Handelsmasse geläufig. Die Nordostschweiz war diesbezüglich an Süddeutschland und die Südschweiz an Italien gebunden. Da die Vielfalt an Einheiten den Handel nicht gerade vereinfachte, wurden bald Anstrengungen zur Standardisierung der Masseinheiten unternommen. Der revolutionäre Beginn der Standardisierung In der Geschichte der Standardisierung ist die Französische Revolution von besonderer Bedeutung. Die Umstürze wurden hier genutzt, um endlich etwas Einheit in den enormen Flickenteppich verschiedener Masseinheiten des Landes zu bringen. Mehrere wissenschaftliche Konferenzen, auch unter internationaler Beteiligung, wurden zu diesem Zweck abgehalten. Diese legten bald den sogenannten "Urmeter" fest. Er beruhte auf einer relativ genauen Berechnung des Erdumfangs und sollte in etwa einem Zehnmillionstel der Distanz vom Nordpol zum Äquator entsprechen. Auf der Basis dieses Meters wurde der Liter als ein Volumen von 1 Kubikdezimeter festgelegt und daraus folgend das Urkilogramm als dem Gewicht von einem Liter Wasser definiert. Die entscheidende Neuerung dieses metrischen Systems war die Dezimalrechnung. Beruhten alte Masseinheiten noch auf einer komplexen Bruchrechnung, konnte bei diesem System alles in 10er Schritten gerechnet werden. Die schrittweise Übernahme dieser neuen Einheiten erfolgte dann durch direkte und indirekte Druckausübung Frankreichs. Zum einen war hier der wachsende wissenschaftliche und wirtschaftliche Austausch ein wichtiger Faktor, für den eine Harmonisierung der Masseinheiten von grosser Bedeutung war. Zum anderen ist aber auch die französische Hegemonie über Kontinentaleuropa unter der Herrschaft Napoleons nicht zu unterschätzen – unter anderem wohl auch ein Grund, wieso sich auf den Britischen Inseln das metrische System noch bis heute nicht vollständig durchgesetzt hat. Der erste provisorische Meter, der noch heute in Paris an der Rue de Vaugirard anzutreffen ist. Quelle: Wikimedia. In der Schweiz war die durch den französischen Einmarsch gegründete Helvetische Republik wichtig für die Aufgleisung der Standardisierung. Die ersten Bemühungen mündeten dann in dem Konkordat von 1838. Dieses war eine Kompromisslösung, in der die alten Masseinheiten zwar behalten, jedoch in Referenz an den Meter landesweit standardisiert wurden. Damit wurde auch die wichtige Position der Eichmeister erschaffen. Sie verwalteten und kontrollierten die genauen Masse. Zu diesem Zwecke wurden auch die hier zu sehenden Hohlmasse anfertigt. Die Gründung des Schweizer Bundesstaates sollte diese Entwicklung dann vorantreiben. 1875 trat die Schweiz der Pariser Meterkonvention bei, was einen endgültigen Wechsel zum metrischen System bedeutete. Widerstand, Gewohnheit und Wandel So selbstverständlich uns die metrischen Einheiten mittlerweile auch sind, ihre Einführung war mit grossem Widerstand und Verzögerungen verbunden. Zum Teil ist dies einfach auf schlichte Gewohnheit und Tradition zurückzuführen. Gerade abstrakte Einheiten wie Temperatur oder grössere Distanzen werden nur durch den alltäglichen Gebrauch zu etwas Selbstverständlichem und ein Wandel von Einheiten erfordert einen enormen Aufwand in jeglichen Gesellschaften. Andererseits waren oft auch steuerliche Gründe entscheidend. Noch lange wurden Abgaben der ländlichen Bevölkerung in der Form von Naturalien einkassiert. Ein Wandel einer Masseinheit wurde von dieser Bevölkerung oft auch als Versuch wahrgenommen, die Abgaben auf diese Weise schleichend zu erhöhen. Ebenso ist ein Standardisierungsprozess zumeist auch mit Staatsbildung und zunehmender zentralistischer Kontrolle verbunden. Es ist kein Zufall, dass die Vereinheitlichung des metrischen Systems sich gerade in der Zeit durchsetzen konnte, in welcher der westliche Kapitalismus und Imperialismus zu ihrer grossen Expansion ansetzten. Wie diese Objekte zeigen, kann so eine Entwicklung aber auch durchaus auf Kompromissen und einem graduellen Übergang beruhen, der lokale Praktiken respektiert. Denn schliesslich bedeuten vereinheitliche Standards auch eine notwendige Vereinfachung. Heutzutage sind die metrischen Einheiten auf der Basis neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse äusserst präzise festgehalten und in Folge ist nur schon das Getreidekaufen gewiss einfacher geworden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
Museum Aargau

Herbst-Vorbereitungen für die Tulpenpracht im Frühling

Zurück zum Blog 18. September 2021 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Langsam werden die Tage kürzer und der Morgen riecht nach Herbst. Nun startet die Tulpensaison – es wird also Zeit, sich Gedanken über die Tulpenplanung zu machen. Denn die Tulpenzwiebeln müssen vor dem ersten Frost in den Boden. Damit diese im kommenden Frühling prächtig blühen, gilt es einiges zu beachten. Als Faustregel gilt: Die Tulpenzwiebel kommt doppelt so tief in die Erde wie sie dick ist. Dann die Tulpenzwiebel gut angiessen. Wichtig ist ein durchlässiger Boden, damit sich keine Staunässe bildet. Wählen Sie einen halbschattigen Standort. Tulpenzwiebeln pflanzen Ob wild gestreut, schön in Dreier- bis Fünfergruppen oder gar gemischt mit anderen Zwiebeln: Bei der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Sehr schön ist auch die Kombination mit Stauden oder der saisonalen Winterbepflanzung. Wer keinen Garten zur Verfügung hat, kann auch sehr gut alle möglichen Gefässe mit Tulpen und anderen Zwiebeln bepflanzen. Je nach Sorte erreichen die Pflanzen eine Höhe von 10 bis 70 Zentimeter. Sie blühen zwischen März und Mai. Durch den Winter benötigen die Tulpenzwiebeln keine spezielle Pflege. Die Gefässe sollte man an frostfreien Tagen auf ihre Feuchtigkeit kontrollieren und bei Bedarf giessen. Ausgepflanzt ist dies nicht nötig, da der Boden genügend Wasser speichert. Tulpenpflege im Frühjahr Damit die Tulpen nach der Blüte keine Samen bilden, werden die verblühten Triebe abgeschnitten. So kann die Zwiebel wieder neue Kraft sammeln für darauffolgende Jahr. Die Blätter werden drangelassen, bis sie verdorrt sind. Es ist nicht nötig die Zwiebeln jedes Jahr auszugraben und zu übersommern. Wer dies jedoch lieber möchte, lagert die Tulpen an einem trockenen dunkeln Ort in Kisten oder hängt sie am Laub auf. Wussten Sie, dass es ungefähr 4200 verschiedene Tulpensorten gibt? Eine unglaubliche Vielfalt! Für den besseren Überblick sind diese in Gruppen eingeteilt. Der Tulpenzwiebel- und Genussmarkt im September auf Schloss Wildegg bietet übrigens 18'000 der schönsten und seltensten Tulpen. Lassen Sie sich inspirieren! Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Museum Aargau

Die Giessfassnische – ein vormoderner Wasserhahn

Zurück zum Blog 29. September 2021 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Wer heutzutage einen Wasserhahn öffnet, kann diesen ungestört laufen lassen und sogar die Temperatur verändern, ohne zu wissen, durch welche langen Leitungen es gekommen ist. Mit der Giessfassnische aus der Sammlung Museum Aargau betrachten wir eine vormoderne Form des Wasserhahns. Doch auch wenn in vergangenen Zeiten die Wasserbeschaffung oft einen langen Marsch zu einem Brunnen bedeutete, so wurden mitunter keine Mühen geschont, um zumindest die Illusion eines hauseigenen Wasserzugangs zu erzeugen. Auch ein Fass kann luxuriös sein Das Objekt in Frage ist eine sogenannte Giessfassnische, was im Prinzip einfach ein Fass oder eine andere Form von Behälter ist, aus dem Wasser entnommen werden kann. Doch obwohl solche Konstruktionen im Prinzip sehr schlicht und einfach sind, handelt es sich beim vorliegenden Objekt gewiss um nichts Schnödes. Die Nische besteht aus einem rechteckigen Holzkasten, dessen Front mit Zinn ausgestaltet ist. Datiert werden kann das Objekt auf das Ende des 17. Jahrhunderts und ist sehr wahrscheinlich ein Schweizer Fabrikat. Die Nische an sich ist elegant gestaltet und in Form eines romanischen Fensters gehalten. Verziert wird dieses mit Lilien, welche damals in Europa ein sehr weit verbreitetes Symbol waren – man denke an die Fleur de Lys, welche die Französische Krone symbolisierten – um unter anderem auch Wohlstand und Handel darzustellen. Giessfassnische, Inv. Nr. K-20765 Der zentrale Bestandteil ist die Figur eines Delphins, in dessen Kopf ein kleiner Wasserhahn und in dessen Schwanz ein Wasserzulauf eingebaut ist. Insgesamt erinnert die Konstruktion somit an einen Brunnen, wobei das Wasser über den Delphin quasi wie aus einer Leitung zugänglich ist – jedoch in limitierter Menge. Wie Wasser in den Alltag kam Während langer Zeit war, wenn überhaupt, dies die Realität von einem Wasserzugang im Haushalt. Zwar sind direkte Leitungen bis in die Häuser hinein in der europäischen Welt schon aus der griechischen und römischen Antike bekannt, doch war dies vor allem ein Erscheinungsbild der dicht bewohnten Städte. Generell waren Wasserleitungen – im Aargau teils noch römische – auch im Mittelalter noch ein weit verbreitetes Konzept, doch führten diese mittlerweile zu zentral gelegenen Brunnen. Aus diesen oder aus den sogenannten Sodbrunnen (für Grundwasser) wurde dann das Wasser entnommen und in die Haushalte gebracht. In der Tat war dies der Standard bis weit in das 19. und teils sogar das 20. Jahrhundert hinein, bis er langsam, aber sicher von direkten Anschlüssen ersetzt wurde. Dass die "Wasserleitung" im vorliegenden Fall aus Zinn besteht ist natürlich auch kein Zufall, denn dieses Metall war bis zum Siegeszug der Keramik im 19. Jahrhundert das wichtigste Material für Geschirr. Während die Schweiz auch selber über einige Zinngiessereien verfügte, kam das Metall vorwiegend aus der Ferne, teilweise aus Deutschland aber oft auch über lange Handelsketten aus Asien. Das gehört in eine Sammlung Die Präsenz dieses Objekts im Museum Aargau ist der Sammeltätigkeit von Dr. Max Güttinger-Boxler (1912-1988) zu verdanken. Dieser war ein Hausarzt aus Rothrist, der sich nebst seinen umfangreichen beruflichen Tätigkeiten auch noch freiwillig der wohltätigen Arbeit im Bereich der Kirche und im Namen der Samariter widmete und darüber hinaus ein passionierter Antiquitätensammler war. Dr. Güttinger-Boxler, Quelle: Museum Aargau Dr. Güttinger-Boxler hatte sich besonders auf Zinnobjekte aus der Schweiz spezialisiert und so kam im Verlauf seines Lebens eine Kollektion von über 1000 Objekten zusammen. Diese schenkte seine Familie 2014 dem Museum Aargau und ist nun an verschiedenen Standorten zu bewundern. In der Tat ist es sehr oft der Sammeltätigkeit einiger passionierter Personen zu verdanken, dass wertvolle Kulturgüter erhalten blieben. In so manchem Privathaushalt sind wohl noch so einige Schätze erhalten und warten darauf, wieder entdeckt zu werden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
Museum Aargau

Nie wieder schlechte Eier mit dem Eier-Prüfgerät MIREX

Zurück zum Blog 10. November 2021 Kategorie Schätze aus der Sammlung Ist dieses Ei noch gut? Die 1970er Jahre mit ihrer Bandbreite an – sagen wir mal – praktischen Erfindungen haben da ein Ass im Ärmel. Der Blog Museum Aargau präsentiert: das Eier-Prüfgerät MIREX. Man kennt das, beim Frühstück steht auch ein Ei auf dem Speiseplan, doch der Einkauf liegt schon eine Weile zurück. Das einzige verbliebene Ei im Kühlschrank erweckt daher schon leichten Salmonellenverdacht. Die Frage stellt sich: Ist es noch gut? Doch keine Sorge: «ELECTRO MIREX sagt Ihnen dies augenblicklich und mit Sicherheit», so die Werbung für das sogenannte Eier-Prüfgerät, das die Aargauer Firma Injecta in den 1970er Jahren erfand. Ein Exemplar ist Teil der Sammlung Museum Aargau. MIREX Eier Prüfgerät, Inv. Nr. K-19081 Die Wunder der modernen Technik Das Gerät, welches aussieht wie ein übergrosser Eierbecher, funktioniert mit einem einfachen optischen Trick. Denn beim fortschreitenden Alter eines Eis wächst die im Ei enthaltene Luftblase. Diese kann mit dem Prüfgerät, welches über eine Lampe und einen Spiegel verfügt, sichtbar gemacht werden, um so je nach Grösse der Blase die Frische des Eis festzustellen. Die Einführung des Geräts zog dabei durchaus auch Aufmerksamkeit auf sich und so erschien im Magazin Der Spiegel 1972 ein Artikel darüber. Ein Aargauer Original aus Teufenthal Das Gerät stammt aus dem Hause der Injecta AG aus Teufenthal. Die Druckgiesserei Injecta AG startete im August 1921 ihren Betrieb mit 24 Mitarbeitern in Teufenthal. In der Fabrik kam erstmals das "Druckgussverfahren" zur Anwendung, bei dem Schmelzgut mittels eines Zylinders schnell und unter hohem Druck in eine Metallform eingeschossen wird. Fotografie der Injecta-Fabrik in Teufenthal, Inv. Nr. K-18743 Internationale Bedeutung erlangten die Produkte der Injecta AG, weil sie wichtige Komponenten für die Elna-Nähmaschine, den Philips-Elektrorasierer, das Jura-Dampfbügeleisen und die BMW-Motorräder herstellte. Den grössten Anteil der Produktion machten jedoch Einzelteile für die verschiedensten Sparten der Maschinenindustrie aus. Daneben stellte die Firma auch mehrere Eigenprodukte unter dem Markennamen "INCA" her. Dazu gehören der 1925 patentierte Zähler für Textilmaschinen, eine Kreissäge, ein Kirschenentsteiner oder eine kleine Vase für eine einzelne Blume, die auch zum Injecta-Bestand im Sammlungszentrum Egliswil gehören. Wie das Eierprüfgerät Mirex in die Sammlung Museum Aargau kam Nach einem Höhenflug der Firma in den 1970er Jahren schwand der Erfolg des Unternehmens leider zunehmend und es musste 2011 die Tore endgültig schliessen. Nachdem die Firma im Jahr 2011 liquidiert wurde, konnten einige bedeutende Objekte von einem ehemaligen Firmenmitarbeiter für die Historische Sammlung im Jahr 2012 erworben werden. So kam unter wohl etwas nützlicheren Gegenständen aus dem Hause Injecta auch das MIREX Eier-Prüfgerät in die Historische Sammlung und ist doch ein interessantes Zeugnis eines gewissen Techno-Optimismus und dem Aufkommen multifunktionaler Gadgets. Doch gewiss ist diese Zeit noch lange nicht vorbei und wohl auch in Zukunft erwartet die Historische Sammlung noch so manche Absurditäten der menschlichen Einfallskraft. Kleiner Tipp zum Schluss: Derselbe Test am Ei kann auch durchgeführt werden, indem das Ei in ein Wasserbad gelegt wird. Je grösser die Luftblase, desto höher steigt das Ei. Schwebt es im Wasser, dann sollte es nicht mehr konsumiert oder zumindest sehr gut gekocht werden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare 19.04.2024 Werner Maurer Wir haben uns vor 50 Jahren köstlich amüsiert, als uns Lehrlingskollege Armando den Prototypen vorgeführt hatte. Solche Fehlleistungen waren vielleicht der Anfang vom Ende.

 
Museum Aargau

Wildegger Jodwasser – das Gesundheitswasser der Schlossdomäne

Zurück zum Blog 02. November 2021 Kategorie Schätze aus der Sammlung Schon gewusst? Das Gebiet von Schloss Wildegg produzierte sein eigenes und lange bekanntes "Wildegger Jodwasser". Wasser ist nicht gleich Wasser, dies wird gerade in den heutigen Zeiten wieder bestätigt. Auf den Flaschen erfolgreicher Mineralwasserunternehmen wird mit der speziellen Qualität und dem unschlagbaren Mineralgehalt der jeweiligen Quelle geworben und Marken wie Evian sind auf der ganzen Welt erwerblich. Doch auch schon in früheren Jahrhunderten wurde Mineralwasser produziert und überregional vertrieben, wie ein Garagenfund aus Wildegg belegt. Das Gebiet von Schloss Wildegg produzierte sein eigenes und lange bekanntes "Wildegger Jodwasser", das mit Vorzug von den amerikanischen Besitzern der Lenzburg, der Familie Ellsworth konsumiert wurde. Eau Iodurée Das Objekt in Frage kommt in der altbekannten Form einer klassischen grünen Glasflasche daher und kann auf das späte 19. Jahrhundert datiert werden. Das Etikett weist Alters- und Gebrauchsspuren auf, doch ist weiterhin noch gut lesbar. Darauf zu sehen ist eine Abbildung des Schlosses Wildegg - damals noch im Besitz der Familie Effinger. Mineralwasser Wildegg, Inv. Nr. K-19686 Die Beschreibung des Wassers ist dabei sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch aufgetragen, was bereits ein Hinweis auf die weitere Verbreitung des Wassers ist. Das Etikett ist interessanterweise vor Allem als medizinische Anweisung gestaltet und gibt eine eher spärliche Anwendung des Wassers vor, die nur als Teil einer längeren Kur mit einer Dauer von 6-8 Wochen durchgeführt werden soll. Der Grund dafür ist, dass es sich um Wasser mit einer stark erhöhten Jod Konzentration handelt. Obwohl dies heutzutage wohl eher Assoziationen mit einem Thermalbad hervorruft, war die Aufnahme von Jod auf diese Art im frühen 20. Jahrhundert und zuvor noch einigermassen geläufig. Iodierte Speisen Jod ist ein essentielles Spurenelement für die Funktion des menschlichen Organismus und ist vor allem in der Funktion der Schilddrüse entscheidend. Je nach Region sind dabei die Vorkommnisse im Boden und in den Nahrungsmitteln sehr unterschiedlich und so wurde Jod auch schon bald in unterschiedlichen Formen zusätzlich aufgenommen. Auch die Schweiz ist noch heutzutage davon betroffen und so wurde zum Beispiel 2014 per Bundesentscheid die Konzentration von Iod im Speisesalz erhöht. Nebst dieser Verwendung ist Jod auch weithin geläufig als ein Desinfektionsmittel und wird auch oft im Bereich von Thermalbädern eingesetzt. Historisch entstanden solche Bäder bei einer natürlichen Jodquelle, wo das Wasser je nach der Konzentration des Elements eine typische braune Farbe annahm. Der direkte Geschmack von Jod ist nicht unbedingt angenehm und so überrascht es auch nicht, dass die früher noch geläufigere direkte Aufnahme von Jodwasser nicht mehr weit verbreitet ist. Doch während langer Zeit lieferten Quellen wie diejenige in Wildegg Wasser für eine grössere Anzahl von Haushalten. Mineralwasser Wildegg, Etikette, Inv. Nr. K-19228 Schätze der Wildegg Die Jodquelle in Wildegg war relativ lange in Betrieb und lieferte von der Zeit ihrer Entdeckung 1830 bis zu ihrer Schliessung im Jahr 1964 konstante Wassermengen von etwa 40 bis 60 Litern pro Jahr. Kurze Zeit nach der Schliessung der Quelle wurde auch das Brunnenhaus versehentlich abgerissen, dann aber 1976 von dem Schweizer Nationalmuseum, dem damaligen Besitzer des Schlosses Wildegg, wiederaufgebaut und ist heute erneut begehbar. Wasser wird ihr heute jedoch nicht mehr entnommen und auch die Hersteller der grünen Wasserflasche, die Glashütte Bülach AG, schloss im Jahr 2002 nach 111 Jahren Betrieb ihre Tore. Nichtsdestotrotz erinnert diese Mineralwasserflasche noch an die Geschichte der alten Quelle, die darauf wartet, wieder entdeckt zu werden. Passend dazu wurde auch diese Flasche auf dem Schloss Wildegg in einer Garage gefunden und konnte dann in die Historische Sammlung überführt werden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Herbstzauber! So blühen ihre Blumen auch in der kalten Jahreszeit

Zurück zum Blog 15. Oktober 2021 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Auch im Winterhalbjahr machen Blumen vor dem Fenster und auf dem Balkon viel Freude. Damit es in der kalten Jahreszeit in den Blumenkisten richtig schön blüht, gilt es einiges zu beachten. Welche Pflanzen eignen sich? Bepflanzen Sie die Balkonkisten im Herbst mit winterharten Pflanzen. Diese meistern auch längere Kälteperioden und halten bis mindestens in den Frühling. Geeignet sind unter anderem Astern, Chrysanthemen und Ziergräser sowie Blattschmuckpflanzen wie Heuchera, Fetthenne, Bergenien, Bleiwurz und Pfennigkaut. Ein Hingucker in der winterlichen Blumenkiste sind auch Stiefmütterchen. Diese sind jedoch anfälliger auf tiefe Temperaturen. Unter dieser Bepflanzung können Zwiebelpflanzen für schöne Blüten im Frühling sorgen. Was gilt es zu beachten? Bepflanzen Sie die Kisten eher dicht: Die Pflänzchen wachsen im Winterhalbjahr weniger stark als in der warmen Jahreszeit und nehmen auch weniger Platz ein. Die winterlichen Blumenkisten benötigen weniger Pflege. Es genügt, dürre Blätter und Blüten rauszuschneiden. Dünger ist kaum nötig. Die Erde sollte stets feucht sein, jedoch nicht zu nass. Zu viel Wasser führt zu Fäulnis, was die Wurzeln zum Absterben bringt. Verwenden Sie ausschliesslich Blumenkisten aus Materialien, die sich für den Winter eignen. Eine Drainage aus Lecca, Tonscherben oder Kiesel begünstigt den Wasserabfluss. Auf Untersätze sollte verzichtet werden, diese führen zu stehendem Wasser und damit zu Fäulnis. Wie geht es nach dem Winter weiter? Im Frühjahr können die Pflanzen dann in den Garten versetzt werden. Oder Sie stellen die Blumenkiste an einen schattigen Ort und übersommern diese bis im Herbst. Mit ein paar zusätzlichen Pflanzen ist die Blumenkiste dann schnell bereit für die nächste Wintersaison. Übrigens: Mit Sternen, Leuchtgirlanden und anderen kleinen Dekorationen wird die winterliche Blumenkiste im Handumdrehen zum weihnachtlichen Schmuck. Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Museum Aargau

Der perfekte Weihnachtsstern: 3 Tipps zu Kauf und Pflege

Zurück zum Blog 09. Dezember 2021 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Der Weihnachtsstern bringt zur Winterzeit Adventsstimmung ins Haus, ist jedoch auch sehr empfindlich. Drei Tipps zu Kauf und Pflege. 1. Frische und gesunde Weihnachtssterne kaufen Prüfen Sie beim Kauf, ob der Weihnachtsstern gesund und frisch ist. Die Blätter sollten grün und kräftig wirken. Schauen Sie in die kleine Blüte, die sich in den mächtigen, roten Blättern versteckt. Die Blüten sollten noch knospig sein. Wichtig sind auch gesunde Wurzeln: Sind diese zu nass, leidet der Weihnachtsstern. Nehmen Sie vor dem Kauf die Pflanze mit dem Topf in die Hand, um das Gewicht zu schätzen. Fühlt sich die Pflanze ungewöhnlich schwer an, deutet dies auf schädliche Staunässe im Wurzelbereich hin. Nebst Nässe ist auch Kälte ungesund für Weihnachtssterne. Kaufen Sie keine Pflanze, die an der Verkaufsstelle draussen oder im Durchzug steht. Bringen Sie den Weihnachtstern möglichst rasch nach Hause. Einige Schichten Zeitungspapier schützen unterwegs vor Kälte. 2. Der richtige Standort für Weihnachtssterne Auch Zuhause ist es wichtig, einen guten Standort für den Weihnachtsstern zu wählen. Stellen Sie die Pflanze an einen hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die ideale Raumtemperatur liegt bei ca. 18 bis 22 Grad. Platzieren Sie den Weihnachtsstern zudem ausserhalb der Reichweite von Kleinkindern und Haustieren. Die Pflanze ist ein Wolfsmilchgewächs und sehr giftig. 3. Die richtige Pflege für Weihnachtssterne Giessen Sie den Weihnachtsstern mässig mit lauwarmem Wasser. Dünger ist nicht nötig. Am besten füllen Sie den Untersteller mit Flüssigkeit, statt die Pflanze von oben zu giessen. Die Wurzeln saugen so die benötigte Menge an Wasser auf. Achten Sie darauf, dass kein Wasser im Unterteller stehen bleibt. Dies stellt sicher, dass die Pflanze nicht zu viel Wasser bekommt und die Wurzeln zu nass werden. Übrigens: Wussten Sie, dass der Weihnachtsstern vor dem Verkauf eine lange Prozedur hinter sich hat? Die Pflanze wird während acht Wochen täglich 12 Stunden abgedeckt bzw. die Umgebung abgedunkelt. Nur so blüht der Weihnachtsstern und die farbigen Hochblätter können sich entwickeln. Diese Verdunkelung simuliert die Umweltbedingungen in der Äquatorgegend, woher der Weihnachtsstern ursprünglich stammt. Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Museum Aargau

Dahlien überwintern: So geht’s!

Zurück zum Blog 18. November 2021 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Dahlien blühen unermüdlich bis in den Spätherbst und sollten vor den ersten frostigen Nächten aus der Erde geholt werden. Unsere Gärtnerin Melissa erklärt Ihnen, wie Sie Dahlien richtig überwintern. Dahlien stammen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika und sind deshalb nicht winterhart. Am besten machen Sie sich an einem trockenen Tag an die Arbeit: Zuerst werden alle Stängel auf etwa 10 Zentimeter abgeschnitten und die verschiedenen Sorten beschriftet. So gibt es im nächsten Jahr kein Durcheinander. Zum Ausgraben eignet sich am besten eine Stechgabel. Gehen Sie dabei vorsichtig vor, um die Knollen nicht zu verletzen. Danach wird so viel Erde wie möglich von den Speicherorganen gelöst. Dahlienknollen aussortieren Entfernen und kompostieren Sie faule oder verletzte Knollen. Nur gesunde Dahlien sollten überwintert werden. Auch einzelne Knollen ohne Stängel werden kompostiert: Die Speicherorgane benötigen einen Stängel, um wieder neue Austriebe zu produzieren. Dahlien im Barockgarten von Schloss Wildegg Dahlienknollen einlagern Die Knollen werden in luftdurchlässigen Kisten gelagert, welche mit Zeitungen und Hobelspänen ausgekleidet sind. Über die Knollen kommt nochmals eine dünne Schicht Hobelspäne. Zum Schluss wird alles mit Wasser bestäubt. Lagern Sie die Kisten über den Winter an einen dunkeln und trockenen Ort bei 5 bis maximal 8 Grad. Wichtig: Dahlienknollen im Winterquartier kontrollieren Kontrollieren Sie während des Winter die Knollen regelmässig auf Fäulnis und Schnecken, die sich gerne durch Eier ins Winterquartier schmuggeln. Werden die Dahlienknollen schrumpelig, bestäuben Sie diese am besten mit ein wenig Wasser. Dahlien im Frühling pflanzen Anfang April erleben die Dahlien dann ihren zweiten Frühling: Pflanzen Sie die Knollen in Töpfe und giessen Sie diese gut an. Die Knollen treiben am besten an einem warmen hellen Ort aus, bis sie dann ab Anfang Mai wieder in den Garten gepflanzt werden. Da sie dadurch schon schön Laub angesetzt haben, sind sie auch besser von den Schnecken geschützt. Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Museum Aargau

Adieu, Kater Léon, König von Schloss Wildegg

Zurück zum Blog 03. Januar 2022 Kategorie Schlossgeschichten Er liebte den grossen Auftritt und das Auto des Direktors. Ein Nachruf auf Léon, den Wildegger Schlosskater mit einer aussergewöhnlichen Geschichte. Viele Museumsgäste auf Schloss Wildegg sind ihm begegnet: Schlosskater Léon. Der stolze Kater markierte immer dort Präsenz, wo ihm die maximale Aufmerksamkeit zuteil wurde. So zum Beispiel an einer Vernissage auf der Lindenterrasse des Schlosses. Kaum hatte Regierungsrat Alex Hürzeler seine Rede begonnen, setzte sich Léon hinter Alex Hürzeler auf eine Mauer, blickte mit geneigtem Haupt auf den Regierungsrat und machte den Gästen unmissverständlich klar: Hier ist nur einer der Chef. Kurz nach Neujahr 2021/2022 ist Léon nun in hohem Alter von seinen Leiden erlöst worden. Schlossherr von und zu Wildegg Léon hatte immer wieder ein feines Gespür für den grossen Auftritt. Sei es bei der TV-Livesen­dung, wo sich Léon im Hintergrund ins nationale Fernsehen miaute, oder bei Veran­staltungen mit viel Publikum. Hier tauchte Léon stets zur rich­tigen Zeit auf, um maximal beachtet zu werden. Immer wieder teilten Museumsgäste auf Social Media begeistert Fotos von Léon. Léon war auch clever: Er wusste stets genau, wann er wen um Futter bitten musste. Manchmal bemerkte das Schlossteam erst mittags, dass Leon mehrfach gefrühstückt hatte. Kein Wunder, bewegte sich der Schlosskater teilweise kaum einen Meter. Mit Vorliebe legte er sich dann ausgestreckt irgendwo auf den Boden – genau dort, wo alle über den Schlosskater steigen mussten. Bevorzugter Schlafplatz mitten im Empfangsbereich von Schloss Wildegg Wie ein Kater König wurde Léon war fast zwei Jahrzehnte eng mit Schloss Wildegg verbunden (nicht erst, seit er das neue Auto des Direktors gleich am ersten Tag markiert hat). Sein repräsentatives Zuhause hatte sich Léon übrigens – und dies passte zu seinem eigenwilligen Charakter – selber ausgesucht: Léon tauchte eines Tages auf dem Schloss auf, nachdem sein Herr­chen unten im Dorf verstorben war. Die Familie nahm den Kater wieder nach Hause, doch er kam abermals aufs Schloss. Hier wurde Léon das offizielle Maskottchen von Schloss Wildegg – und der inoffizielle Schlosskönig. Jetzt wird Léon das Leben auf Schloss Wildegg von oben beobachten. Léon wird besonders den Mitarbeitenden auf dem Schloss und den Museumsgästen in guter Erinnerung bleiben. Gute Reise, lieber König! Léon, König von Schloss Wildegg. Von Pascal Meier Von Pascal Meier Pascal Meier ist Mitglied im Team Marketing & Kommunikation von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schlossgeschichten Kommentare

 
Museum Aargau

Gesund durch den Winter mit Arzneien von Burkhard von Hallwyl (Teil 2)

Zurück zum Blog 15. Dezember 2021 Kategorie Schlossgeschichten Um 1580 verfasste Burkhard III. von Hallwyl (1535-1598) ein Arzneibuch mit fast dreitausend Rezepten. Darin finden sich Ratschläge für typische Winterkrankheiten wie Erkältungen oder Winterblues. Je tiefer der Winter und je kälter die Luft, desto schwieriger wird es, gesund zu bleiben. Sollte sich Ihre Erkältung trotz der Rezepte aus dem ersten Teil unserer Heilmittelkunde zu einer regelrechten Grippe auswachsen und werden Sie von Schüttelfrost geplagt, könnte dieses Rezept helfen: Nimm von einer todten Schüdelen, schab darvon, und gibs einem Krancknen in einem Trunck Wein, das ers nit wüsse, ist probatum. Burkhards verheimlichte Zutat Glück für den Kranken, dass sein Heiler ihm das Rezept nicht verraten hat – getestet, «probatum» hat er es. Auch für uns ist es vielleicht besser, nicht zu wissen, was denn eine tote «Schüdele» ist. Laut Idiotikon, dem Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, bezeichnet eine «Totenschüdelen» einen Schädel oder ein Skelett. Junker Burkhard, ein Leichenfledderer? Arzneien aus Leichenteilen waren gang und gäbe. Besagtes Lexikon zitiert ein ähnliches Rezept um 1650: Nimm von einer Todtenschüdelen ab der Hirnschalen abends und morgens ein Messerspitz voll. Geheimes Rezept gegen Fieber Geheimniskrämerei ist Teil von Junker Burkhards Heilmethode. Wenn Sie dran glauben und sattelfest in Latein sind, steht einem Selbstversuch des folgenden Fieber-Rezeptes nichts im Weg: Item nim Fünffingerkraut, und lass den Krancken ein Blatt nach dem andern abbrechen und zuo jedem Blatt diese nachgeschribne Wort sprechen, und soll dann der Siech jedlich Mal das Blatt nach dem Sagen essen, und lutet der Sägen also: quia haec superstitiosa ideo tacere, quam vero proferre volui. Fünffingerkraut oder kriechender Gänsefuss finden Sie in jedem verwilderten Garten. Foto Wikimedia. Sie wollen wirklich wissen, was der Zauberspruch bedeutet? Passen Sie nur auf, dass Sie über dem Grübeln nicht schwermütig werden. Gerade in der lichtarmen Jahreszeit ist der Stimmung besonders Sorge zu tragen. Burkhard verschaukelte Ratsuchende auch mal. Der lateinische Spruch bedeutet nämlich bloss: «Weil diese abergläubischen Dinge schweigen, die ich vorbringen wollte.» Vielleicht vertraute der Heilkundige auch einfach auf den Placebo-Effekt… Alkohol gegen Depressionen Wenn Sie die Melancholie überkommt, bestellen Sie an der nächsten Bar einen von Burkhards Weinen. Zum Beispiel Borrago-Wein: Er nimmt Traurigkeidt bringt Fröüd, ist guott […]zuo der Melanckoley, […] benimmt böse Fantasey, […] machs also mit Buretsch 2 oder 3 in 14 Mass gethan und in einanderen gesotten bis es lauter wird. Mit Burkhards Mengenangaben können Sie einen Grosshaushalt behandeln. Eine Mass entsprach – je nach Gegend und Zeit – einem Liter bis gegen zwei Litern. Ob in die vierzehn Mass zwei, drei Zweige oder ganze Pflanzen gehören, lässt der Autor offen. Es dürfte schon allein aufgrund des Weins fröhlich werden. Bereits Plinius schrieb, dass Borretsch die Lebensgeister wecke. Pharmakologisch lässt sich das aber nicht bestätigen; die Pflanze ist leicht giftig. Hieronymus Bock, Kreüterbuch, Strassburg 1546, Staats- und Stadtbibliothek Augsburg. Rosmarin - ein wahres Wundermittel Rosmarin wirkt nicht nur bei Schnupfen und Fieber, sondern hilft auch gegen den Winterblues: Von Roossmaryn Wein. *** […] der Wein hat wunderbarliche Kraft, dann er nutzbar ist in allen kalten Kranckheiten, durch sein Geruch wirst erfreüt, er sterckt alle Glyder, […] er verzehrt böse Füechtigkeit und Melankoley, […] macht gerecht die Begirdt, […] dieser Wein ist guott wider […] die Sucht des hinderen Theils des Hirns darvon die Vergessenheit kommt […] Ein wahres Wundermittel, dieser Rosmarin. Burkhards Zeitgenosse, der Naturforscher Paracelsus, warnte: Allein die Menge macht das Gift! Übertreiben Sie es also weder mit dem Rosmarin noch mit dem Wein. Es könnte im Rausch enden. Bevor es so weit kommt, empfehlen wir Ihnen im Krankheitsfall den Gang zur Ärztin oder in die Apotheke. Am allerbesten bleiben Sie gesund. Vorsorge ist ja bekanntlich die beste Medizin. Mehr Rezepte Mehr Rezepte von Burkhard III. von Hallwyl finden Sie hier. Mehr erfahren Von Sarah Caspers Von Sarah Caspers Sarah Caspers ist Geschichtsvermittlerin im Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schlossgeschichten Kommentare

Gradian
Aussenansicht Kloster Königsfelden

Kloster Königsfelden

Erinnerungsort der Habsburger

Das Kloster Königsfelden ist international bekannt für seine Glasfenster aus dem Mittelalter. Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen erwecken die über 700-jährige Klosterkirche zu neuem Leben.

PLANEN SIE IHREN BESUCH

 
Produktion "Tor zum Paradies" Kloster Königsfelden: Mehrere Kinder liegen in Farben getaucht auf dem Boden der Klosterkirche.

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender  

 
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Luftaufnahme Kloster Königsfelden mit Windisch

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

 
Innenaufnahme Kloster Königsfelden; Blick in den Chor mit den berühmten Glasfenstern aus dem Mittelalter.

Berühmte
Glasfenster

Glasmalerei aus dem Mittelalter  

Tagesprogramm

  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher

Dies läuft am Tag Ihres Besuches

Die berühmten Glasfenster vom Kloster Königsfelden werden mit Licht durchflutet
10:00 – 17:00 Uhr

Glasfenster-Tour

Wissenswertes zu den Glasfenstern mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden
10:00 – 17:00 Uhr

Baugeschichts-Tour

Wissenswertes zur Baugeschichte mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
Angebot wählen
  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
Geeignet für
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher

SCHULEN, FAMILIEN UND GRUPPEN

 
Besucher und Besucherinnen betrachten die berühmten Glasfenstern auf Kloster Königsfelden

Für
Schulen

Führung und selbständiger Workshop  

 
Audioguide-Gerät mit Kopfhörer, im Hintergrund in Unschärfe Schülerinnen und Schüler.

Für
Familien

Staunt über imposante Glasfenster  

 
Eine Gruppenführung im Kloster Königsfelden. Im Hintergrund die berühmten Glasfenster.

Für
Gruppen

Führung und selbständiger Rundgang  

FEIERN UND GENIESSEN

 
Eine Mutter mit fünf Kindern an einem Tisch im römischen Bistro Popina im Legionärspfad Vindonissa.

Essen und
Trinken

Bistro Legionärspfad Vindonissa  

 
Innenraum Kloster Königsfeld mit vielen Gästen, die sitzen. Vorne spricht ein Mann an einem Podium.

Klosterkirche
mieten

Kulturelle Anlässe und Diplomfeiern  

GESCHICHTE UND SAMMLUNG

 
Aussenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Geschichte

Königsmord und Klostergründung  

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

Sammlung online

Objekte digital entdecken