Museum Aargau
Gladiatoren im Ruhestand
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Zurück zum Blog 27. Mai 2024 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Viele Gladiatoren starben in der Arena, was geschah aber mit den anderen? Und was verraten die Grabstelen der Gladiatoren über ihren gesellschaftlichen Status? Duell bei einem Leichenbegängnis, Nekropole von Gaudo, Paestum, Kampanien; 1. Hälfte 4. Jh. v. Chr.; heute im Museo Archaeologico, Paestum. © Pontrandolfo/Rouveret 1998. Die meisten Gladiatoren waren Sklaven Gladiatorenkämpfe gab es im Römischen Reich von 264 v. Chr. bis Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. Aus verständlichen Gründen waren die meisten Gladiatoren keine Freiwilligen, sondern Sklaven, hatten also von Grund auf kaum eigene Rechte. Sie wurden vom lanista , einem Gladiatorenmeister, ausgewählt und gekauft. Daraufhin wurden sie in seine Gladiatorenschule gebracht, wo sie einen Eid auf ihren dominus und ihre Zukunft als Gladiator leisten mussten. Entfremdet von der eigenen Familie und ihrer Heimat, bekamen sie hier einen neuen Namen und wurden Teil einer neuen Familie. Miteinander teilten sie dieselbe Ausbildung, dasselbe Essen und dieselbe medizinische Versorgung. Nun begann der Drill: Hieb um Hieb und Stich um Stich mussten sie sich ihren Weg nach oben erkämpfen – oder sterben. Waren sie erfolgreich, winkte ihnen bald die Anerkennung des Publikums und die Hoffnung, sich freikaufen zu können. Doch der Gladiator wusste um die Zerbrechlichkeit dieser Hoffnung – schmerzlich wurde sie ihm bewusst, wenn er einmal mehr im blutgetränkten Sand der Arena vor seinem Gegner auf die Knie musste und das Urteil des Publikums erwartete. Wenn es denn so weit kam: Nicht selten fand er bereits während des Kampfes den Tod. Ein knieender retiarius erwartet den Todesstreich des über ihm stehenden murmillo. Spätes 2. Jh. n. Chr.; Insula 30, Augusta Raurica. © Heinz Grauwiler. Kampfmaschinen im Ruhestand Doch wie gestaltete ein libertus , ein Freigelassener, sein weiteres Leben? Die angesparten Sesterzen dürften kaum dafür gereicht haben, sich in den Ruhestand zu begeben, zumal es das Konzept des Ruhestandes im heutigen Sinne noch nicht gab. Lediglich die Legionäre, nachdem sie 25 Jahre gedient hatten, konnten sich auf eine Pension in Form von Land oder Geld freuen. Doch während jene das römische Bürgerrecht genossen, waren die Rechte und Perspektiven der Gladiatoren eingeschränkt. Dank ihres Ruhmes als erfolgreiche Kämpfer war es ihm möglich, sich entweder als Ausbildner anderer Gladiatoren oder als Bodyguard reicher Bürgerinnen und Bürger seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nicht zuletzt mag ein Gladiator den Ruhm der Arena vermisst haben und freiwillig seine Karriere in der Arena fortgesetzt haben. Was die Gräber der Gladiatoren über sie verraten Vergeblich sucht man ihre Gräber in den Nekropolen der römischen Bürgerschaft. Frei oder unfrei – sosehr der entpersonalisierte Gladiator in der Arena verehrt wurde, sosehr wurde die Person hinter dem Helm verachtet. Mit der infamia belegt, zählte er – wie auch Schauspieler und Prostituierte – zu den Geächteten der Gesellschaft. Man musste sie daher auf separaten Friedhöfen begraben, wollte man nicht das Risiko eingehen, die Totenruhe edler Bürgerinnen und Bürger zu stören. Und dies wollte man auf gar keinen Fall. Um ganz sicher zu sein, dass ein rastloser Gladiator nicht etwa als Totengeist zurückkehrte, enthauptete man post mortem auch gerne den einen oder anderen von ihnen. Auf den Grabstelen präsentieren sich die meisten Gladiatoren als mehrfacher und triumphierender Sieger, während andere den Moment des Kampfes abbilden. Und nicht wenige freuen sich darüber, "viele Leben gerettet" zu haben: Denn wen mag es erstaunen, wenn Gladiatoren unter sich Abmachungen getroffen haben, wie ein Kampf verlaufen sollte und dass man sich gegenseitig schonen wolle. Steckte vielleicht sogar der lanista hinter der Abmachung, weil er nicht wollte, dass sich seine besten Kämpfer gegenseitig töteten. Oder wollte der Gladiator bloss bluffen, indem er impliziert, dass er die Leben ebenso gut hätte nehmen können? Und schliesslich finden sich Grabstelen wie jene des als Thraker kämpfenden Danaos aus Cyzikus: Sein Wunsch war es, sich zusammen mit seiner Familie verewigen lassen. Die Inschrift lautet: "Heorte, seine Frau, und Asklepiados, sein Sohn, haben dem Danaos, secundus palus der thraces , dies zu seinem Gedächtnis errichtet. Siegreich ging der Gladiator in den Hades ein." Grabstele des Thrakers Danaos aus Cyzikus (Kleinasien); 2. Jh. n. Chr.; © Kunsthistorischen Museum Wien. Bei der Betrachtung der Grabstelen wird schnell vergessen, dass die Mehrheit der Gladiatoren nicht das Glück hatte, ihren ersten Kampf zu überleben. Sie fanden ihre Ruhe weder in der Ehrung durch das Publikum noch in einer – für die Römer und Römerinnen so wichtigen – anständigen Bestattung. Weitere Blogbeiträge 19. Mai 2026 Quiz: Wie gut kennen Sie Gladiatoren? Testen Sie in diesem Quiz Ihr Wissen über die Gladiatoren im alten Rom. 25. März 2024 Wie ein Maultier Rom zum Weltreich machte Den meisten zwar bekannt, führt das Maultier eher ein Schattendasein: Es ist weder Pferd noch Esel und begegnet uns im heutigen Alltag nur… 10. Oktober 2025 Der römische Legionär und seine Ausrüstung Was gehört zur Kleidung und Ausrüstung eines römischen Legionärs? Marius aus dem Legionslager Vindonissa zeigt Ihnen, wie sich ein römischer… Von Luca Grünig Von Luca Grünig Luca Grünig ist Praktikant in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare