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Der Spielzeugkasten von Carl Zweifel

Zurück zum Blog 12. Februar 2023 Kategorie Schätze aus der Sammlung Wer kennt sie nicht? Mit Spielzeugklötzen hat so manches Kind einen wesentlichen Teil seiner Freizeit verbracht. Neben der bekannten Firma "Wisa-Gloria" spielte Carl Zweifel (1884-1963) im Bereich der Lenzburger Spielzeugproduktion eine bedeutende Rolle. Die in den 1930-Jahren hergestellte Holzkiste (49 cm x 23 cm x 56 cm) enthält diverse farbig bemalte Spielklötze. Mit den Säulen, Brücken, Häuserteilen und Quadern konnten die Kinder eine ganze Palette von Gebäudetypen konstruieren. Auf dem aufschiebbaren Deckel ist eine aus Klötzen hergestellte Ortschaft, darunter Schweizer- und Kantonswappen sowie Beschriftungen zu sehen. Es handelt sich um den Prototyp eines von Carl Zweifel entworfenen "Schweizerbaukasten". Zweifels Schweizerbaukasten aus Holz. © Museum Aargau Ein Lenzburger mit Herz und Blut Der am 7. Februar 1884 geborene Carl Zweifel wuchs in der Lenzburger "Villa Malaga" am Fusse des Schlosshügels auf. Nach dem Besuch der Kantonsschule in Aarau entschied er sich dazu, in München und Karlsruhe Architektur zu studieren. Neben seinen architektonischen Hauptarbeiten sorgte er mit aufwändig gestalteten Karten- und Plakatserien über Städte- und Kirchenbauten im Kanton Aargau für Aufmerksamkeit. Als seine beruflichen Tätigkeiten wegen des Aktivdienstes nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges ruhten, wandte er sich einer neuen Beschäftigung zu. Angeregt durch einen Wettbewerb fing er nunmehr mit der Produktion von Holzbaukästen an und gewann 1915 dafür den höchsten Preis des Schweizerischen Werkbundes. Seine jahrelang an der Basler Mustermesse ausgestellten Fabrikate brachten ihm viel Anerkennung von Fachleuten und Pädagogen ein. In den folgenden Jahren baute er die Herstellung der "Schweizerbaukästen" und von weiteren Holzartikeln zu seinem Hauptberuf aus. Von Carl Zweifel entworfenes Plakat anlässlich des kantonalen Schützenfests in Lenzburg 1911. (Quelle: kunstbreite.ch) Ein Ankauf von einem Aargauer Sammler Die Historische Sammlung konnte das Objekt zu Beginn des Jahres 2018 von einem Aargauer Sammler käuflich erwerben. Es ist für sie von grosser Bedeutung, weil der Name Carl Zweifel eng mit dem wichtigsten Standort von Museum Aargau verbunden ist. Nach seiner Heirat mit Barbara Hermle zog Carl Zweifel 1921 ins "Tannengut" und somit erneut in unmittelbare Nähe des Schlosshügels. Als Mitglied der Ortsbürgerkommission und Vorstandsmitglied der Vereinigung für Natur- und Heimat sowie als Obermann des Heimatschutzes war für ihn die Erhaltung von schutzwürdigen Baudenkmälern ein Herzensanliegen. Als Sujets für seine Holzschnitt-Karten wählte er oft Gebäude und Orte in Lenzburg aus. In den 1920er-Jahren produzierte er seine Holzprodukte in Zusammenarbeit mit der Firma A. Bucherer & Co. in Amriswil und Diepoldsau. Diese beschäftigte um 1947 über 200 Mitarbeiter und ist Teil der Aargauer Industriekultur. Das Objekt ergänzt den Schwerpunkt – die Aargauer Industriegeschichte – der Historischen Sammlung somit auf ideale Weise. Carl Zweifel (1884-1963) (Quelle: kunstbreite.ch) Dieser Beitrag wurde im Januar 2019 von Jean-Luc Rickenbacher, ehemaliger Praktikant der Sammlung von Museum Aargau, verfasst. Von Jean-Luc Rickenbacher Von Jean-Luc Rickenbacher Jean-Luc Rickenbacher war 2018 Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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Winterdienst auf Strassen im 19. Jahrhundert

Zurück zum Blog 07. März 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Wie wurden im 19. Jahrhundert – komplett ohne motorisierte Schneepflüge und Fräsen – die Strassen von Eis und Schnee befreit? Damals wurde von Hand angepackt oder mithilfe von Schneepflügen aus Holz und Eisen gearbeitet. Ein solcher Schneepflug aus dem 19. Jahrhundert befindet sich in der Sammlung von Museum Aargau . Der Winterdienst Die Schneearbeiten, heutzutage auch Winterdienst genannt, sind eine wiederkehrende aufwendige Arbeit des Winters. Obwohl die Strassen im 19. Jahrhundert nicht so oft wie heutzutage befahren wurden, war die Schneeräumung trotzdem sehr wichtig. Der Winterdienst war im 19. Jahrhundert oft Sache der kantonal angestellten Wegmeister und Wegknechte. Die Schneeräumung in den Siedlungen oblag aber wesentlich den Gemeinden selbst. Das Schneeräumen mit den Schneepflügen des 19. Jahrhunderts war dabei nicht immer einfach. So hatten die Leute mit relativ einfachen Mitteln je nach Winter mit grossen Schneemassen und eisigen Temperaturen zu kämpfen. Die Kunst beim Schneeräumen bestand oft schon darin, die Strasse überhaupt unter dem Schnee zu finden, denn die Wege waren nicht alle gleich gut ausgebaut oder gekennzeichnet. Teilweise waren sie nach starkem Schneefall kaum von der Wiese daneben zu unterscheiden. Dann kam es durchaus vor, dass die Pferde, die die Schneepflüge zogen, bis zur Brust im Schnee standen und durch den Fuhrmann und die mitfahrenden Männer befreit werden mussten. Schönheide im Erzgebirge: Schneepflug von Pferden gezogen, Quelle: Wikimedia. Der Schneepflug der Sammlung Der Schneepflug (93 cm x 18.5 cm x 69 cm) in der Sammlung von Museum Aargau besteht, wie es bei Schneepflügen aus dem 19. Jahrhundert so üblich war, aus Holz und Eisen. Es handelt sich um einen sogenannten Keilpflug. Eine genaue Datierung unseres Schneepfluges ist nicht bekannt. Der Schneepflug aus der Sammlung von Museum Aargau (Inv. Nr. K-18991) © Museum Aargau Die beiden auf der rechten und linken Seite in eine Spitze zulaufenden Brettern bilden einen Keil und sorgen beim Ziehen dafür, dass ein kleiner Pfad im Schnee entsteht. Der untere Teil des Pfluges mit seinen eisernen Kufen hilft dabei, dass der Pflug im Schnee einfacher zu ziehen ist. Mit einem bei diesem Schneepflug fehlenden Zwischenstück wäre wohl die Breite des zu räumenden Pfades einzustellen gewesen. Dieser Schneepflug wurde hauptsächlich von Hand bedient. Zu diesem Zweck wurde ein Seil an dem Haken bei der Pflugspitze angebracht und der Pflug anschliessend gezogen. Der Schneepflug in der Sammlung von Museum Aargau ist unter den Keilpflügen ein relativ kleines Exemplar. Schneepflug Unterseite (Inv. Nr. K-18991) © Museum Aargau Bahnschlitten Es gibt auch grössere Schneepflüge. Ein anderer Name für diese Schneepflüge ist Bahnschlitten. Sie sind auch dreieckig und aus mit Eisen verstärktem Holz. Es besteht die Möglichkeit, vor den Pflug Pferde oder Ochsen anzuspannen. Das hatte beim Schneeräumen allerdings den Nachteil, dass die Tiere vor dem Pflug liefen und so den Schnee zusammenpressten. Historischer Schneepflug aus Holz für Pferdezug. Präsentation auf dem Rosstag Burggen, Oberbayern, Quelle: Wikimedia. Für das Räumen der Strassen und Schlittenbahnen mit solchen Schneepflügen mussten neben dem Fuhrmann und dem Pferdegespann auch weitere Männer mithelfen. Besonders bei ganz einfachen Bahnschlitten waren zusätzliche Personen nötig, da diese nicht verstellt werden konnten. Solche Pflüge konnten weder gehoben noch gesunken, sondern nur mit Steinen oder mit draufsitzenden Personen beschwert werden. Bei etwas komplexeren Bahnschlitten war es möglich, je nach der Schneemenge oder Schneeart die Seiten breiter auszufahren und später im Winter sowie bei grösseren und festeren Schneemassen enger einzustellen. In Extremfällen kam es vor, dass nur noch eine schmale Furt hinterlassen wurde. Im französischen Jura wurde um 1826 ein relativ komplexer Schlittenpflug für das Wegschaufeln des Schnees in den Gebirgen von seinem Erfinder Besson gebaut. Dafür erhielt er sogar einen Preis von 300 Franken. Dieser Schneepflug wurde von 4-5 Pferden gezogen und schaufelte die Strasse in einer Breite von bis zu 2 Klaftern (3.6 m) frei. Der Schnee türmte sich dabei links und rechts zu einer Höhe von bis zu 4 Fuss (ca. 1.2 m) auf. Schlittenpflug zum Wegschaufeln des Schnees in den Gebirgen von Hrn. Besson, Postmeister zu St. Laurent im französischen Jura, Quelle: Polytechnisches Journal, Bd. 20, 1826. Das Ende der Bahnschlitten Mit dem Aufkommen des Automobilverkehrs änderten sich die Ansprüche an den Winterdienst und auch dessen Bedingungen. In der Zwischenkriegszeit begannen die Motorfahrzeuge die Strassen auch im Winter zu befahren, woraus höhere Anforderungen an die Schneeräumung entstanden. Besonders nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Auto zunehmend von der breiten Bevölkerung benutzt, weswegen vielerorts noch vorhandene Bahnschlitten durch moderne Fräsen und Schneepflüge ersetzt wurden. Heutzutage werden für den Winterdienst solche Bahnschlitten mit Pferden nicht mehr gebraucht. Einzig für Feste oder besondere Anlässe kommt es vor, dass Bahnschlitten noch einmal bespannt werden. Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
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Schadet Efeu Bäumen?

Zurück zum Blog 18. Januar 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Efeu ist ein dekorativer Bodendecker und ein wahrer Kletterkünstler. An Bäumen erklimmt die Pflanze in kürzester Zeit Höhen von über 20 Metern. Schädigt Efeu dabei die Bäume? Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. Der immergrüne Efeu ist bei uns weit verbreitet. Die einheimische Pflanze ist sehr gut für das Ökosystem. Klettert Efeu jedoch Bäume hoch, sorgt dies oft für Unsicherheit im heimischen Garten: Entzieht der Efeu dem Baum lebenswichtiges Licht und Nährstoffe? Brechen Triebe ab? Stirbt der Baum im schlimmsten Fall unter einem dichten Efeu-Teppich? Efeu ist kein Parasit Diese Befürchtungen sind in den meisten Fällen unbegründet. Efeu ist kein Parasit. Die Pflanze hat eigene Bodenwurzeln. Diese ziehen Nährstoffe und Wasser aus dem Boden. Die Haftwurzeln, mit denen Efeu klettert, haften zwar am Baumstamm, verletzen diesen jedoch nicht. Efeu nimmt dem Baum auch wenig Licht weg, denn Bäume absorbieren Licht vor allem übers Blattwerk. Efeu dagegen liebt den Schatten und wächst in der Regel nicht bis in die Baumkrone (falls doch, kann Efeu einfach zurückgeschnitten werden). Dichter Efeu-Teppich, welcher die Wildegger Schlossmauer dekoriert. Kräftige Bäume können also gut mit einem Efeukleid leben. Bäume profitieren sogar vom Efeu: Im Sommer beschattet dieser den Stamm. Im Winter dient Efeu als Schutz vor Frostrissen. Zudem bietet Efeu im Frühling einen willkommenen Unterschlupf für Insekten sowie Brutmöglichkeiten für Vögel. Im Herbst ist Efeu dann eine gute Nahrungsquelle für Wespen und Bienen, im Winter lieben Vögel die Beeren. Bis Efeu blüht, dauert es jedoch rund 20 Jahre, sofern dieser nicht zu stark geschnitten wird. Bei noch jungen Bäumen kann ein starker Efeu-Teppich jedoch zu Schäden führen. Auch bei Obstbäumen sollte Efeu vermieden werden, da er die Befruchtung durcheinanderbringen kann. Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Eine Militärtrommel mit Aargau-Wappen

Zurück zum Blog 09. Januar 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Ein seltenes Objekt befindet sich in der Sammlung des Museum Aargau: eine gut zweihundert Jahre alte Militärtrommel, die auf die Anfänge des Kantons Aargau verweist. Fachbücher zu historischen Uniformen und Wappen füllen die Regale der Bibliotheken – und dies nicht zu Unrecht, denn tatsächlich spiegeln derartige Äusserlich- und Förmlichkeiten oftmals entscheidende historische Prozesse und Entwicklungen wider. Fluss und Sterne auf Holz Trommeln in unterschiedlichsten Formen und Grössen gehören zu den ältesten Instrumenten, die im Kriegs- und Militärwesen seit jeher eine Rolle spielten, sei es als Mittel der Kommunikation im Krieg, rhythmusgebend beim Drill- und Marschwesen, oder aber auch für zeremonielle Zwecke bei Paraden und Empfängen. Im Gegensatz zu den heutzutage meist aus Messing bestehenden Beispielen dieser Bauart, wurde diese Militärtrommel wie für viele Jahrhunderte üblich aus Holz gefertigt. Bemerkenswert sind zum einen die verschiedenen Messinggarnituren auf der Trommelwand sowie deren Bemalung. Das Musikinstrument ist blau-schwarz geflammt und zeigt das Aargauer Wappen und ein Schriftband, das wohl den Militärmusikanten (Heinrich Gelbert) und das Bau- oder Übergabejahr der Trommel (1805) ausweist. Trommel mit Aargau-Wappen, 1805 (Inv.-Nr. K-720) Trotz der Beschriftung ist die Trommel möglicherweise sogar einige Jahre vor 1805 zu datieren: Es ist nicht auszuschliessen, dass eine ältere Trommel mit den Aargauer Farben übermalt wurde. Unter dem Aargauer lässt sich womöglich gar das Berner Wappen mit Schrägbalken und Bärenumriss erahnen. Ein Wappen für den jungen Aargau 1803 unterzeichnete Napoleon Bonaparte die sogenannte Mediationsakte, die die politische Struktur der Schweiz regelte, nachdem die Franzosen 1798 das Ende der Alten Eidgenossenschaft eingeleitet und die bis 1803 bestehende Helvetische Republik errichtet hatten. Mit der Akte erfolgte auch die Gründung der neuen Kantone Waadt, St. Gallen, Graubünden, Thurgau, Tessin und Aargau. Der neugeschaffene Kanton Aargau war ein regional wie konfessionell uneinheitliches Gebilde. Er setzte sich zusammen aus dem früheren Berner Aargau, den gemeinen Herrschaften Grafschaft Baden und Freiamt sowie dem Fricktal, das bis 1798 noch österreichisch gewesen war. Ein Wappen, das diesem neuen Kanton eine gemeinsame Identität geben sollte, wurde folglich von den kantonalen Behörden ohne historische Vorlage 1803 neu konzipiert. Kantonswappen auf dem Einband der ersten Staatsrechnung 1803 (Quelle: Staatsarchiv Aargau) Nach der geläufigsten Form stehen seine Elemente, weisser Fluss auf Schwarz und drei weisse Sterne auf blau, für die einzelnen Regionen und/oder Städte des Aargaus. Die Anzahl der Zacken der Sterne wurde erst später auf fünf standardisiert, wie die sechszackige Gestaltung auf der Trommel von Heinrich Gelbert zeigt. Auch zeigen frühe Beispiele des Wappens nur einen – anstelle der heute üblichen drei – Flüsse. Die neue kantonale "corporate identity" der Truppen musste im Laufe des 19. Jahrhunderts allerdings schon bald einmal anderen, nun nationalen Befindlichkeiten weichen, insbesondere nach der Gründung der modernen Schweiz als Bundesstaat 1848. Der kantonalen Uniformenvielfalt sollte nun Einhalt geboten werden, und man war darauf bedacht, dass alle Soldaten der eidgenössischen Armee ein einheitliches Bild boten. Kantonale Geschichte für 45 Franken Die Trommel wurde 1893 dem Schweizerischen Landesmuseum in Zürich, selbst erst kurz zuvor gegründet, von einer Privatperson angeboten. Wer der Tambour Heinrich Gelbert genau war, der gemäss Inschrift 1805 für den Aargau trommelte, ist nicht überliefert. Das Landesmuseum vermittelte das Objekt an die "Geschichtsforschende Gesellschaft in Aarau", deren Sammelbestände später in die Sammlungen des (vormals Historischen) Museum Aargau und der Kantonsarchäologie gingen. Die Gesellschaft kaufte das sehr gut erhaltene Stück schliesslich für den Betrag von 45 Schweizer Franken, was heutzutage ungefähr einem Wert von 500 Franken entsprechen würde. Detailaufnahme; unter dem Wappen schimmert das Profil evtl. früherer Bemalung durch. © Museum Aargau. Obwohl die Trommel damals noch keine hundert Jahre alt war, war den rege sammelnden Geschichtsinteressierten des späten 19. Jahrhunderts ein Blick auf die Geschichte des Kantons Aargau und seiner Ursprünge also bereits Einiges wert. Dieser Beitrag wurde im Juni 2019 von Michael Brunner, ehemaliger Praktikant der Sammlung von Museum Aargau, verfasst. Von Michael Brunner Von Michael Brunner Michael Brunner war 2019 Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
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Sanfte Pflege von Sträuchern

Zurück zum Blog 22. Februar 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Im Garten geht die Arbeit bekanntlich nie aus. Gartenfreunde neigen jedoch manchmal dazu, zu stark in die Natur einzugreifen. Oft ist weniger mehr. Ein gutes Beispiel dafür sind Sträucher: Diese müssen nicht jedes Jahr geschnitten werden. Bei den Sträuchern genügt in der Regel ein Schnitt im Abstand von zwei bis drei Jahren. Schneiden Sie zudem nie mehr als ein Drittel des Strauchs heraus – auch aus Rücksicht auf Vögel, die im Frühjahr zu brüten beginnen. Auf grössere Eingriffe mit Säge und Schere sollten Sie ab Ende Februar generell verzichten. Sträucher, die langsam wachsen, müssen nie oder nur selten geschnitten werden. Sie behalten auch ohne Pflege weitgehend ihre Form. Zu den langsam wachsenden Sträuchern zählen Zaubernuss, Felsenbirne und Magnolien, oder auch schöne einheimische Sträucher wie Pfaffenhütchen, Berberitze und Eibe. Diese Arten sollten weitgehend sich selbst überlassen werden. Entfernen Sie – wenn nötig – nur abgebrochene und faule Teile. Grösser Eingriffe stören den natürlichen Wuchs und richten oft mehr Schaden an als sie der Pflanze nützen. Sträucher, die bereits Anfang Frühling blühen, sollten zudem nicht in der Winterzeit geschnitten werden. Denn mit den Ästen werden in diesem Fall auch die wertvollen Knospen weggeschnitten – die Blütenpracht im Frühling bleibt damit aus. Zu früh blühenden Sträuchern gehören Salweide, Winterschneeball, Kornelkirsche und Hasel – oder auch der gelbe Winterjasmin, der manchmal bereits im November wunderschön über Mauern und Treppen erblüht. Über solche früh blühende freuen sich nach dem Winter übrigens auch die Frühaufsteher im Tierreich. Bieren und Hummeln lieben die nahrhaften Pollen. Tipp: Informieren Sie sich bereits vor dem Kauf von Sträuchern, wie gross diese werden, und wählen Sie eine geeignete Art. Für kleinere Gärten empfehle ich grundsätzlich kleinere Sträucher. So müssen Sie die Pflanzen nicht unnötig schneiden – und die Sträucher können sich möglichst natürlich entwickeln. Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Christliche Geschichten als Comic verpackt: Glasmalereien in der Kirche Königsfelden

Zurück zum Blog 06. April 2023 Kategorie Klosterleben Die prächtigen Glasfenster der Klosterkirche Königsfelden beeindrucken seit dem 14. Jahrhundert. Die Glasmalereien erzählen die wichtigsten Geschichten der Bibel: Die Auferstehung von Jesus, welche beim Osterfest gefeiert wird, darf dabei nicht fehlen. Im Chor der Klosterkirche Königsfelden finden sich mittelalterliche Glasmalereien mit christlichen Geschichten aus der Bibel. Die drei wichtigsten Geschichten sind vorne in der Mitte: die Geburt von Jesus von Nazareth im Stall, die Folterung und Hinrichtung am Kreuz und die Auferstehung von den Toten. Sie sind die Basis des christlichen Glaubens. Ohne den Glauben an die Auferstehung von Jesus gäbe es vielleicht keine Christenheit. Diese Auferstehung wird an Ostern gefeiert. Es ist das wichtigste Fest für die Christen. Auferstehung von den Toten Der auferstandene Jesus sitzt auf seiner Grabplatte. Die erste Geschichte zeigt den von den Toten auferstandenen Jesus, der auf seiner Grabplatte sitzt. Mit der rechten Hand macht er das Friedenszeichen, mit seiner linken Hand hält er den goldenen Kreuzstab mit roter Fahne. Unter der Platte wie auch links und rechts davon schlafen die Soldaten, die das Grab bewachen sollten. Zwei Engel beten. Der Künstler zeigt hier nicht die Dramatik, die hinter dieser Geschichte steckt: ein Toter öffnet sein Grab und steigt lebendig daraus hervor! Nein, er stellt Jesus erhaben dar. Jesus wird hier endgültig göttlich. Denn nur ein Gott kann sich erheben über Leben und Tod. Jesus erscheint den Frauen Jesus tritt als Gärtner auf. In der zweiten Geschichte tritt Jesus als Gärtner auf. Dies wird durch die Schaufel symbolisiert. Seine Jüngerinnen wollten ihn im Grab besuchen und seinen Leichnam mit feinen Salben bedecken. Zuerst sehen sie nur einen Gärtner, bis Maria Magdalena Jesus erkennt und vor ihm niederkniet. Auch die anderen Frauen erkennen ihn jetzt. Was haben die Frauen wohl in diesem Moment gedacht? Vielleicht waren sie dabei, als Jesus Jahre vorher den Lazarus von den Toten auferweckt hat. Daher waren sie kurz überrascht, danach aber ruhig und gefasst. Ein neues Wunder war geschehen. Selig sind, die nicht sehen und trotzdem glauben Geschichte des ungläubigen Thomas Die Frauen erzählen das Wunder den Jüngern. Diese glauben erst, als sie Jesus selbst sehen. Dies sehen wir in der dritten Geschichte. Sie wird allgemein als "Geschichte des ungläubigen Thomas" erzählt. Während die meisten Jünger an das Wunder der Auferstehung glauben, sobald Jesus wahrhaftig vor ihnen steht, ist Thomas misstrauisch. So etwas sei doch gar nicht möglich. Er glaube das erst, wenn er die Wunden der Kreuzigung sehe, nein, wenn er sie berühren könne! Und so sehen wir im Glasfenster, wie Thomas sich von links zu Jesus streckt und ihm in die Seitenwunde langt. Dies überzeugt ihn und auch er glaubt nun an die Auferstehung von Jesus. Um die Ungeheuerlichkeit von Thomas Bitte abzubilden, lässt der Künstler die Figur von einem Glasfensterteil ins andere laufen. Christi Himmelfahrt Christi Himmelfahrt Die vierte Geschichte stammt aus dem Lukasevangelium und erzählt von der Himmelfahrt. Wir sehen Jesus in der Mitte, wie er in einer Mandorla (goldene Aura) zu den Wolken schwebt. Links und rechts zu sehen sind seine Jünger sowie links seine Mutter Maria, die ihn verabschieden. Dies geschieht laut Überlieferung in der Apostelgeschichte 40 Tage nach der Auferstehung von den Toten. Auch wenn im mittleren Fenster der Himmel mit Wolken symbolisiert ist, schwebt er keineswegs hoch in die Atmosphäre oder höher. Es findet eine Verwandlung statt, von einem physischen Zustand zu einem metaphysischen Zustand. Seine menschliche Natur wird nun endgültig göttlich. Der Geist von Pfingsten Der Geist von Pfingsten Nochmals 10 Tage später findet die fünfte Geschichte statt: Pfingsten. Die Jünger verbringen zusammen mit Jesus Mutter Maria in einem Raum den Tag, als plötzlich ein Brausen und Sausen durch den Raum geht. Rote Zungen schweben über der Gruppe, hier symbolisiert mit der weissen Taube des Heiligen Geistes. Die Jünger sind überrascht. Alle beginnen, in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Dies ist der Beginn der christlichen Mission. Der dreifaltige Gott, mit Vater, Sohn und heiligem Geist, senden die Jünger aus, um von den Wundern um Jesus von Nazareth zu berichten. Die Jünger machen sich auf, nach Syrien und in den Iran, Italien und Griechenland. Es gibt Berichte, dass Thomas gar bis nach Indien reiste. Warum gab es so viele Bilder mit der Geschichte von Jesus? Nicht viele Menschen im Mittelalter konnten lesen. Sie kannten jedoch die Geschichten um Jesus, weil in der Messe jeden Tag eine davon vorgelesen wurde. Sie waren auch als Fresken auf die Kirchenwände gemalt oder in den Glasfenstern dargestellt. Es entwickelte sich eine christliche Ikonografie, in welcher für die gleiche Geschichte immer eine ähnliche Darstellung genommen wurde – und das in der ganzen christlichen Welt. So erkennen Christen bis heute, um welche Geschichte es im jeweiligen Bild geht. Die Bilder erzählen nacheinander eine Geschichte. So wie Comics es auch tun. Die fehlenden Sprechblasen störten die mittelalterlichen Menschen nicht. Ihnen erschloss sich der Inhalt durch die Bilder selbst. Von Angela Dettling Von Angela Dettling Angela Dettling ist Leiterin Vermittlung von Museum Aargau. Die Historikerin kocht für ihr Leben gern Gerichte aus 2000 Jahren. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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5 Fragen zu den Klosterspielen Wettingen

Zurück zum Blog 31. Mai 2023 Kategorie Klosterleben Brigitta Luisa Merki, Choreographin Klosterspiele Wettingen, erzählt über den geschichtlichen Hintergrund der Inszenierung und woher sie ihre Inspiration nimmt. Die Klosterspiele Wettingen zelebrieren 2023 mit AVE MARIS STELLA ein poetisches Zusammenspiel von Tanz, Musik und Raum in der einmaligen Atmosphäre des Klosters. Wir haben der Choreografin Brigitta Luisa Merki 5 Fragen zu den Klosterspielen Wettingen gestellt. 1. Wie haben Sie in der Choreographie die Örtlichkeit der Klosterhalbinsel Wettingen eingebunden? Brigitta Luisa Merki: Ich konzentriere mich auf Innenräume, die mich durch ihre Atmosphäre inspirieren und für die ich tänzerische und musikalische Szenarien entwickelt habe. Wir bewegen uns sowohl in den kirchlichen Räumen – in der Marienkapelle, der Mönchs- und der Laienkirche – als auch in Räumen der Kantonsschule, in der ursprünglichen Sommerresidenz, in der Bibliothek. 2. Was ist der geschichtliche Hintergrund der Inszenierung? Brigitta Luisa Merki: Der geschichtliche Hintergrund widerspiegelt sich in den Räumlichkeiten selbst. Er findet in der Inszenierung in Form von Emotionen, Klängen und tänzerischen Bildern eine eigene Resonanz. Dabei spielt die Musik eine entscheidende Rolle. Wir bewegen uns unter anderem in der Klangwelt der Matthäuspassion von Bach, im Stabat Mater von Pergolesi und im gregorianischen Gesang. Die Klänge in diesen Räumen versetzen uns in eine andere Zeit und wirken doch so gegenwärtig auf uns ein. Die Schutzpatronin Stella Maris, die Mönche oder die Meerjungfrau treten in Erscheinung. Brigitta Luisa Merki ist Choreografin, Gründerin und Künstlerische Leiterin von Tanz & Kunst Königsfelden. Sie engagiert sich seit 40 Jahren für den Tanz im Aargau und schweizweit. (Bild: Alex Spichale) 3. Wie viel Zeit haben Sie in die Inszenierung investiert? Brigitta Luisa Merki: Ich bin seit mehr als einem Jahr mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die technische Planung sowie die Koordination von Tänzerinnen und Tänzern sowie Musikerinnen und Musikern, Vorgaben vom Denkmalschutz sind eine Herausforderung. Skizzen für Bilder und Räume habe ich laufend neu überarbeitet und den gegebenen Sanierungsarbeiten, die zurzeit im Gange sind, angepasst. Die konkreten Proben mit den Tänzerinnen und Tänzern ziehen sich über zwei Monate hin. In der Schlussphase proben wir zusammen mit den Musikerinnen und Musikern sowie den Sängerinnen und Sängern vor Ort. 4. Welche Herausforderungen ergaben sich für die Choreographie durch die verschiedenen Stationen? Brigitta Luisa Merki: Die Tänzerinnen und Tänzer sind in unterschiedlichen Szenarien und immer wieder neuen Kostümen «unterwegs» in dieser Inszenierung. Dadurch ist eine präzise Zeitplanung und die Koordination von Musik und Tanz eine grosse Herausforderung. Tänzerinnen und Tänzer sowie die Musikerinnen und Musiker bewegen sich wie in einem Rondo zusammen mit dem Publikum durch Räume, Klänge und Bilder. 5. Woher nehmen Sie jeweils Ihre Inspiration für die jeweilige Choreo­graphie? Brigitta Luisa Merki: In der Konstellation dieses Projekts gab es von Anfang an einen inhaltlichen Rahmen, der durch den Ort und seine Räume gegeben ist. Am Anfang lasse ich meiner Fantasie möglichst freien Lauf und schreibe alle aufkommenden Ideen auf. Die Inspiration erfasst mich meistens in der Nacht. In der konkreten Arbeit definiere ich dann die einzelnen Teile der Choreografie in Bezug zur ausgewählten Musik. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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Gemüsegarten auf dem Balkon

Zurück zum Blog 15. Mai 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Wer gerne sein eigenes Gemüse zieht, braucht dafür nicht zwingend einen Garten. Dies funktioniert auch sehr gut auf dem Balkon oder der Terrasse. Voraussetzung dafür sind geeignete Gefässe. Bei der Auswahl gibt es keine Grenzen, es können einzelne Töpfe, Balkonkistli, Tröge oder Holzharassen sein. Wichtig ist, dass diese im Boden Löcher haben und somit der Wasserabfluss gewährleistet ist. Als Standort für diesen kleinen Gemüsegarten eignet sich ein sonniger bis halbschattiger Platz. Salaten und Stielmangold Gepflanzt werden kann alles was einem schmeckt! Bei den Salaten würde ich mich für einen Schnittsalat entscheiden, da dieser immer wieder geerntet werden kann. Auch Stielmangold wächst während der ganzen Saison wieder schön nach. Tipp: Mischen Sie verschiedene Gemüse, zum Beispiel Salat und Kohlrabi. Mit dieser Mischkultur schützen sich Pflanzen gegenseitig vor Krankheiten und Schädlingen – und der kleine Gemüsegarten wird zum Hinkucker! Kartoffeln auf dem Balkon ziehen Auch Kartoffeln kann man sehr gut auf dem Balkon ziehen. Das Gefäss dafür sollte etwa 40 Zentimeter hoch sein. Füllen Sie dieses 10 Zentimeter mit Erde und legen Sie die Kartoffelknollen darauf. Dann werden diese mit Erde zugedeckt und angegossen. Bedecken Sie neue Austriebe fortlaufend mit weiterer Erde, bis der Topf voll ist. Dies fördert die Bildung neuer Knollen. Wenn das Laub anfängt zu welken können die Kartoffeln geerntet werden. Weitere Blogbeiträge 18. Juni 2021 Mulchen und Gründüngung leicht gemacht Damit Wasser im Sommer weniger schnell verdunstet, sollte der Boden gemulcht werden. Im Blog zeigen wir zudem, was es bei der Gründüngung zu… 14. November 2022 Die perfekte Kaki: Bei der Ernte zählt das Timing Die Götterfrucht – oder bei uns bekannter als Kaki – ist ein Hochgenuss. Die Ernte zur richtigen Zeit ist jedoch eine Herausforderung. Lesen… 11. August 2023 Tipps für das perfekte Erdbeer-Beet Im August ist ein guter Zeitpunkt, um ein neues Beet mit Erdbeeren anzulegen. Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Eine Handcreme von 1805 – mit Tutorial

Zurück zum Blog 26. Mai 2023 Kategorien Schlossgeschichten Neuzeit Salben, Pomaden und Cremen sind schon seit Jahrtausenden bekannt – und zwar sowohl für medizinische Zwecke als auch als Kosmetik. Bereits aus dem alten Ägypten kennt man Salben und Cremes. Unter anderem dienten diese mit Ölen in Gefässen als Grabbeigaben. Eines der frühesten bekannten Rezepte einer Creme stammt vom griechischstämmigen Arzt und Anatom Galen. Galen praktizierte von 158 bis 161 in Pergamon als Gladiatorenarzt, später dann in Rom als Leibarzt von Marcus Aurelius. Cremen bestehen fast immer aus Fett, Wasser und einem Emulgator, der die beiden anderen Komponenten bindet. In römischen Cremes war das oft ein tierisches Fett. Der Unterschied zwischen Salben und Cremen ist übrigens derjenige, dass eine Salbe zur Creme wird, wenn man noch zusätzlich Wasser einrührt – mit Hilfe des Emulgators. Eine Creme ist eigentlich nichts anderes als eine wasserhaltige Salbe. Eine Pommade wiederum ist eine Creme, die einen relativ hohen Öl- und Wachsanteil hat und somit eine etwas festere Konsistenz aufweist. Galens "Kalte Creme" und ein Sensationsfund aus London In seinem umfangreichen Werk beschreibt der vorwiegend in Rom tätige griechische Arzt und Anatom Galen unter anderem auch ein Rezept für eine Creme. Das Rezept beinhaltet Öl, Bienenwachs und Rosenwasser. Die Creme kommt mit recht wenig Wachs aus, dafür mehr Rosenwasser, da sie auch zur Kühlung von Muskelkater und Zerrungen gedacht war. Galen war einige Zeit als Gladiatorenarzt tätig – darüber, ob er Muskelzerrungen bei Gladiatoren mit Hilfe dieser Creme gekühlt hat, kann an dieser Stelle nur spekuliert werden, aber denkbar wäre es. Beim Auftragen verdunstet das in der Creme enthaltene Rosenwasser auf der Haut und führt dadurch zu einem kühlenden Effekt. Dieser Effekt war es auch, der der Creme ihren Namen gab. Noch heute wird im angelsächsischen Raum von "Cold Cream" gesprochen. Auch die Grundrezeptur einer Creme aus Ölen, Wachs und Rosenwasser wird auch noch heute angewendet. Im Jahr 2003 wurde bei einer baubegleitenden archäologischen Ausgrabung in Southwark, London ein kleiner Sensationsfund gemacht: ein verschlossenes rundes Zinntöpfchen mit 6 cm Durchmesser und 5.2 cm Höhe mit einer Creme darin. Die Creme wird um die Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. datiert und gilt als bisher älteste aus Europa erhaltene kosmetische Creme. Römischer Cremetopf aus Southwark, London, datiert Mitte 2. Jh. n.Chr. Die biochemischen Analysen von Richard Evershed und seinem Team ergaben, dass die Creme zu rund 40% aus tierischem Fett (vermutlich vom Rind oder Schaf), zu rund 15% aus Zinnoxid (Kassiterit) sowie aus Stärke bestand. Römische Gesichtscremen enthielten zum Abdecken und Aufhellen oft giftiges Bleiacetat (cerussa), in der gefundenen Salbe wurde dies offenbar mit Zinnoxid ersetzt, was angesichts der Verfügbarkeit in Grossbritannien ein naheliegender Ersatz war. Das Team um Evershed hat basierend auf der Analyse versucht, die Creme zu reproduzieren. Das Resultat war eine weissliche, deckende Creme. Gleich nach dem Auftragen sei sie eher fettig, durch die enthaltene Stärke und das Zinnoxid jedoch blieb ein pudriges Finish, nachdem das Fett eingezogen war. Körperpflege und Kosmetik im 18. und 19. Jahrhundert Im 18. und 19. Jahrhundert gab es eine Vielzahl von Schriften zu Gesundheit und Kosmetik, die Rezepte zur Herstellung von Cremes, Salben, Pomaden, Schminke, Parfums, Wässerchen und so weiter beinhalteten. Die Traktate deckten alles möglich ab: von der Salbe gegen Warzen übers Zahnpulver, duftenden Waschbällen und Haarpuder bis hin zu "roter Schminke" für Lippen und Wangen. An dieser Stelle entkräften wir gerne noch einmal das gängige Klischee, dass sich die Menschen im 17. und 18. Jahrhundert nicht wuschen und die Körperpflege einzig darin bestanden haben soll, sich einzuparfümieren. Man hat sich durchaus gepflegt und ebenso Wert auf eine gepflegte Erscheinung gelegt – einzig sah diese Pflege in manchen Aspekten etwas anders aus, als heute. Statt der täglichen Dusche oder dem Vollbad wusch man sich mit Hilfe von Waschschüssel und Schwamm und hielt sich überdies mit dem regelmässigen Wechseln der leinenen Unterwäsche sauber. Und: Viele der historischen Rezepte ergeben auch heute noch wunderbare Körperpflegemittel oder Duftwässerchen! Mit Hilfe des Bidets wie auf dem Bild oder mit Waschschüssel und Schwamm: Körperpflege wurde auch im 18. Jahrhundert betrieben. La Toilette intime ou la Rose effeuillée von Louis-Léopold Boilly, Ende 18. Jh. Handcreme-Rezept von 1805 Ein Beispiel für eine solche Schrift für die Herstellung von kosmetischen Mittelchen ist das Büchlein "Kallopistria oder die Kunst der Toilette für die elegante Welt" von 1805. Verfasst wurde es vom deutschen Apotheker und Chemiker Johann Bartholomäus Trommsdorff. Auf Seite 169 von Trommsdorffs Büchlein finden wir eine "Pommade, welche den Teint erhält" und mit der man "des Nachts das Gesicht und die Hände" überstreichen soll. Titelblatt des Büchleins von Johann Bartholomäus Trommsdorf, Wien, 1805. Das Grundprinzip einer Creme oder Pommade ist seit Galen gleichgeblieben: Auch die besagte Pommade bei Trommsdorff besteht aus einem Fett- oder Öl-Anteil, Wasser sowie einem Emulgator, der die beiden Komponenten miteinander verbindet. Das Originalrezept lautet folgendermassen: "Man lasse in einer zinnernen Pfanne eine Drachme weises Wachs, 2 ½ Drachme Wallrath und zwei Unzen frisches Mandelöl bei gelinden Feuer schmelzen, entferne das Gefäss von dem Feuer und rühre es stark durcheinander, bis es zu erkalten anfängt, dann setze man tropfenweise eine Unze Rosenwasser hinzu, welches man durch ein starkes Durcheinander-Reiben damit zu vereinigen sucht. Mit dieser Pommade überstreicht man des Nachts das Gesicht und die Hände. So dienet es auch zur Auftragung der Schminke." Die Gewichtseinheiten lassen den modernen Lesenden stutzen: Drachmen und Unzen sind heute nicht mehr geläufig. Bis zur Einführung des metrischen Systems waren solche Apothekergewichte in Deutschland als obrigkeitlich festgelegte Masseinheiten bis ins 19. Jahrhundert hinein gang und gäbe. Umgerechnet entspricht eine Drachme einem metrischen Wert von ungefähr 3.5 bis 4 Gramm. Wir rechnen hier mit 3.5 Gramm weiter. Eine Unze wiederum entspricht knapp 30 Gramm. Auch die Ingredienz "Walrath" sorgt für Stirnrunzeln. Es handelt sich hierbei um eine fett- und wachshaltige Substanz aus dem Kopf des Pottwals. Dieses Öl wurde für alles Mögliche verwendet: als Lampenöl, Schmiermittel, Imprägniermittel und eben auch in Cremen und Salben. Heutzutage findet man glücklicherweise in der Drogerie synthetisch hergestellten Walrat-Ersatz oder man kann Jojobaöl als Substitut verwenden. Es müssen also keine Pottwale für unsere Pommade respektive Creme dran glauben. Das Rezept für den modernen Lesenden Die Zutatenliste lautet also: 3.5 Gramm Bienenwachs 8.5 Gramm Walrat-Ersatz 30 Gramm Mandelöl 30 Gramm Rosenwasser Anstelle der zinnernen Pfanne kann man das Wachs, den Walrat-Ersatz und das Mandelöl in einem Glas im Wasserbad langsam erwärmen und zum Schmelzen bringen. Ist alles geschmolzen und hat sich zu einer homogenen Flüssigkeit vermengt, kann man die Mischung kurz ein wenig abkühlen lassen. Danach tröpfelt man das Rosenwasser unter ständigem Rühren in die Mischung, bis sie sich langsam verdickt. Wenn die Mischung ungefähr die Konsistenz von Mayonnaise erreicht hat, füllt man sie in ein entsprechendes Behältnis. Die Pommade respektive Creme wird beim Abkühlen noch etwas fester. Und fertig ist die "Pommade, welche den Teint erhält"! Für Personen mit empfindlicher Haut empfiehlt es sich, die Creme ausschliesslich als Handcreme zu benutzen. Da sie keine künstlichen Konservierungsstoffe enthält, bewahrt man sie am besten im Kühlschrank auf und verwendet sie möglichst bald nach der Herstellung. Gutes Gelingen! Literatur Sherrow, Victoria: For Appearance' Sake. The Historical Encyclopedia of Good Looks, Beauty and Grooming, Westport, 2001. Evershed, R. P., et al.: "Archaeology: Formulation of a Roman cosmetic." Nature, vol. 432, 2004. Mansell, Katherine: Recreating a 2000-year-old-cosmetic, in: Nature. International weekly journal of science, 2004, https://www.nature.com/news/2004/041101/full/news041101-8.html Weitere Blogbeiträge 11. Juli 2023 Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte… 23. August 2022 Heilkunde im Kloster Seit jeher befassen sich Klöster mit Heilkunde, da die Fürsorge für die Armen und Kranken tief in ihrer Tradition verankert ist. Auch beim… 17. 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Museum Aargau

Podcast mit Rolf Schmid, ehemaliger CEO der Mammut Sports Group AG in Seon

Zurück zum Blog 21. März 2023 Kategorie Podcast: Damals im Aargau (Oral History) Rolf Schmid, ehemaliger CEO der Mammut Sports Group AG erzählt, wie er das Unternehmen innert weniger Jahre zu einem der komplettesten Anbieter im mittlerweile 40 Länder umfassenden Outdoor-Markt geführt hat. Von 1996 bis 2016 führt der ehemalige CEO der Mammut Sports Group die ehemaligen Nischenunternehmen zum Big Player im Bergsport-Bereich. Im Podcast erzählt er von wagemutigen Marketing-Aktionen, starken Wachstumsphasen und notwendigen Neuausrichtungen der «Mammut», die 1862 als einfache Seilerei in Dintikon ihren Anfang nahm. Mit einer noch immer anhaltenden, spürbaren Verbundenheit zur Firma teilt Rolf Schmid aus der Management-Perspektive mit, wie sich die Firma verschiedensten Problemen stellte und mit kreativen Lösungen darauf zu reagieren wusste. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Podcast: Damals im Aargau (Oral History) Kommentare

Gradian
Luftaufnahme vom Schloss Habsburg von Michel Jaussi

Schloss Habsburg

Stammschloss der Habsburger

Auf Schloss Habsburg wurde um 1030 der Grundstein der Habsburger-Dynastie gelegt. Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen zeigen die Geschichte der sagenumwobenen Burg und deren Adelsfamilie.

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Verkleideter Museumsführer erzählt im Esstheater den dinierenden Gästen Anekdoten auf Schloss Habsburg

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Mädchen bastelt am Familiensonntag am Schloss Habsburg

Veranstaltungen
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Veranstaltungskalender Museum Aargau  

 
Besucher in der Dauerausstellung Schloss Habsburg

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Eine mittelalterlich gekleidete Magd steht im Tor von Schloss Habsburg und winkt hinein..

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Wanderer auf dem Weg zum Schloss Habsburg

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Eine Schulklasse sitzt im Kreis im Innern von Schloss Habsburg; am Boden liegen Blätter mit Texten.

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Zwei Schüler unter dem Dach von Schloss Habsburg; ein Bub blickt durch ein Fernrohr ins Weite.

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Verkleideter Museumsführer erzählt im Esstheater den dinierenden Gästen am Esstisch Anekdoten auf Schloss Habsburg

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Gotische Stube Schloss Habsburg: Rustikaler Raum mit viel Holz und schön gedeckten Tischen.

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Ein Hochzeitspaar auf Schloss Habsburg: Ein Mann und eine Frau schreitet durch spalierstehende Gäste. Seifenblasen fliegen in der Luft.

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Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

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Besucherinnen und Besucher auf dem Königsweg mit dem Schloss Habsburg im Hintergrund
Eine als Kaiserin Sisi gekleidete Museumsführerin führt eine Gruppe Besucherinnen und Besucher durch das Schloss Habsburg.