Museum Aargau

Gesund durch den Winter mit Arzneien von Burkhard von Hallwyl (Teil 1)

Zurück zum Blog 01. Dezember 2021 Kategorie Schlossgeschichten In der kalten Jahreszeit muss man besonders gut auf die Gesundheit achten. Im Arzneibuch von Burkhard III. von Hallwyl finden sich diverse Rezepte gegen Winterkrankheiten. Burkhard III. von Hallwyl (1535-1598) gehörte zu den Heilkundigen seiner Zeit. Auf Schloss Hallwyl kurierte er seine Angehörigen und Untertanen mit selbst hergestellten Arzneimitteln. Um 1580 verfasste er ein Arzneibuch mit fast dreitausend Rezepten. Darin finden sich auch Ratschläge für Winterkrankheiten wie Erkältungen, Schnupfen oder Husten. Vielleicht inspiriert Sie das eine oder andere Rezept zu einem Selbstversuch. Aber Achtung: Wir garantieren keine Heilung und haften nicht für unerwünschte Nebenwirkungen. Zumindest hoffen wir, dass Sie die Lektüre zum Schmunzeln bringt. Und damit sind Sie ja schon auf dem Weg zur Heilung. Zur besseren Verständlichkeit sind die frühneuzeitlichen Rezepte leicht modernisiert. Junker Burkhard III. von Hallwyl (1535-1598) mit 27 Jahren. Hausbuch der Herren von Hallwil, um 1580, Schweizerisches Landesmuseum. Feder statt Nasenspray Den allwinterlichen Schnupfen gilt es auszusitzen. Ein wenig Linderung verspricht aber ein Öl, das die verstopfte Nase befreit: Ein guot Öl zu purgieren die Nase, wann eins den Pfnüsel oder sunst Verstopfung hett. *** Nimm Baumöl, als viel als in zwey Hüenereyerschalen möchte, thuo 4 oder 5 Stüdeli Rosmarynkrut und so viel Meyerankrut und 1 Quintli roten Wierouch drin, thuo es etwan 14 Tag an die Sunnen, vermachs wohl, so distelliert es sich, dies Öl strych in die Nasenlöcher mit eim Fäderli es bringt ein Gschmack und thuot dir gar wohl. Die Wirkstoffe von Rosmarin und Majoran oder dessen Zuchtform Oregano bewähren sich in der Kräutermedizin bis heute. Foto Museum Aargau. Allein die Vorstellung, wie die Feder in der Nase kitzelt, verleitet schon zum Niesen. Natürlich hätten Sie das Olivenöl schon im Sommer ansetzen müssen, denn jetzt ist die Sonne – besonders im Aargau – rar. Seit dem griechischen Arzt Hippokrates gilt Weihrauch als Mittel gegen Atemwegserkrankungen. Das Harz von Weihrauchbäumen vom Horn von Afrika oder aus Arabien war zu Burkhards Zeiten für teures Geld in der Apotheke zu haben. Auch heute ist Weihrauch kostbar – und er wird immer teurer: Es gibt nur noch wenige Boswellia-Bäume. Schädlinge, Waldbrände und Überweidung haben ihnen zugesetzt. Hauptsache warme Füsse Oft folgt auf den Schnupfen ein Husten. Mit Burkhard haben Sie die Wahl: Entweder reiben Sie Ihre Füsse mit Hasenschmalz ein und halten Sie ans Feuer – warme Füsse sind bekanntlich die halbe Miete – oder, sollten Sie an der Beschaffung von Hasenschmalz scheitern, Sie verspeisen gesottene Eier mit Honig. Eine wahrlich gewagte Kombination! Dann vielleicht doch lieber den traditionellen, mit Honig gefüllten Apfel: Für den Huosten. *** Nimm ein Öpfel, schnidt das Hüblin oben ab, mach ihn biss über den Kärnen hohl, füll ihn mit Honig, thuo das Deckelin wider darüber, brat ihn in der Kachel, iss ihn, wann du schlaffen gahn wilt, so warm du es erlyden magst und verbind den Hals zuo. Honig wirkt entzündungshemmend und Äpfel galten seit jeher als heilkräftig. Foto Museum Aargau. Natürlich könnte dieses Rezept genauso gut in einem Kochbuch stehen. Die Ärzte der Frühen Neuzeit waren in erster Linie Ernährungsberater: Sie versuchten, Kranke mit der passenden Diät zu heilen. Die trockenen oder feuchten, heissen oder kalten Eigenschaften einer Speise sollten die Körpersäfte wieder ins Gleichgewicht bringen. Rosmarin und Speck gegen Fieber So richtig elend wird’s, wenn dann noch Fieber dazu kommt. Auch da setzt Burkhard auf Rosmarin: Folgent etliche guote Recept für das Kaltwee oder Feber. Nimm düren [getrockneten] Rosmarin und leg ihn auf ein Glüttlin und lass den Rauch in die Nasen gahn […] Sie merken schon, ohne Holzofen wird’s schwierig mit der Heilung… Mit Schüttelfrost zur Feuerstelle am Waldrand zu spazieren, wäre keine gute Idee. Sie könnten Erfrierungen riskieren. Immerhin hat Burkhard auch in diesem Fall einen Rat bereit: So ein Glied erfroren oder erkaltet ist. Nimm schweynenen Speck, stecks an ein Spiesslin, zünd es an, lass es uff ein Wasser tropfen, und salb demnach das Glied, das erfroren ist, so wirst du gesund. Verscherzen Sie es sich nicht mit Ihrem Metzger. Es könnte sein, dass Sie ihn noch brauchen! Schweinsspeck dürfte einfacher aufzutreiben sein als Hasenschmalz. Von den drei rohen Froschherzen, die Sie gegen "Kaltweh" in Brot zu sich nehmen müssten, ist hingegen abzuraten. Und überhaupt verkriechen sich Frösche während ihrer Winterstarre. Von Sarah Caspers Von Sarah Caspers Sarah Caspers ist Geschichtsvermittlerin im Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schlossgeschichten Kommentare

 
Museum Aargau

Engerlinge im Garten: Schützen statt bekämpfen

Zurück zum Blog 20. Juni 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Engerlinge – die Larven des Blatthornkäfers – sind für viele Gärtnerinnen und Gärtner ein Albtraum. Dennoch sollten Engerlinge geschützt statt bekämpft werden. Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. Engerlinge sind die fleischigen Larven des Blatthornkäfers. Die kleinen Tiere pflügen sich wie Würmer durch die Erde und sorgen bei Gärtnerinnen und Gärtnern für ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Engerlinge bevölkern zunehmend Topf- und Kübelpflanzen, wo mehr torffreie Erde verwendet wird als früher. Blatthornkäfer schätzen Erde ohne Torf als Ablageort für ihre Eier. Engerlinge im Garten: nicht in jedem Fall Schädlinge. ©Pixabay/zimt2003 Die daraus geschlüpften Engerlinge entwickeln sich in langen zwei bis drei Jahren zu Käfern, wobei die Familie des Blatthornkäfers mehrere zehntausend Arten umfasst! Die Engerlinge werden oft erst beim Umtopfen entdeckt. Oder zu viel Wasser im Topf spült die Larven an die Oberfläche. Rosenkäfer: Wertvolle Helfer im Kompost Nach dem ersten Schreck sagen viele Gärtnerinnen und Gärtnern Engerlingen den Kampf an. Die Larven sehen abstossend aus und haben einen schlechten Ruf. Denn zur Familie des Blatthornkäfers gehören auch die Mai- und Junikäfer. Diese waren früher stark verbreitet und wüteten an Fruchtbäumen sowie auf dem Feld. Sie wurden wegen der angerichteten Schäden in grossem Stil bekämpft. Nicht alle Blatthornkäfer, die sich aus Engerlingen verpuppen, sind jedoch Schädlinge – Ein Teil von ihnen ist sogar geschützt. Zum Beispiel der wunderbar metallisch-grün schimmernde Rosenkäfer. Diese Art ist vom Aussterben bedroht und oft in Topfpflanzen zu finden. Als Engerling ernährt sich der Rosenkäfer von abgestorbenem Material, als ausgewachsener Käufer von Pollen und Blüten. Artenvielfalt – Engerlinge schützen statt bekämpfen Ich plädiere deshalb dafür, Engerlinge im eigenen Garten umzusiedeln statt zu bekämpfen – auch jene, die Wurzeln fressen. Denn Engerlinge sind generell rar und wichtig für die Artenvielfalt. Ein mögliches neues Zuhause ist der eigene Kompost. Hier erweisen sich einige Engerlinge sogar als wertvolle Gartenhelfer: Der Rosenkäfer zum Beispiel verwertet abgestorbenes Material zu neuer Erde. Die "guten" von den schädlichen Engerlingen zu unterscheiden erweist sich jedoch als eine Knacknuss. Der schützenswerte Rosenkäfer ist glücklicherweise mit folgendem Trick schnell zu bestimmen: Liegt der Rosenkäfer mit dem Rücken auf einer glatten Oberfläche, bewegt er sich wie eine Ziehharmonika langsam vorwärts. Andere Engerlinge können sich in dieser Lage kaum bewegen. Weitere Gartentipps 23. Juli 2021 Insekten und andere Krabbeltiere: die kleinen Nützlinge im Garten Käfer, Spinnen und Insekten im Allgemeinen werden oft mit gemischten Gefühlen betrachtet. Jedoch sind viele von ihnen als Nützlinge… 09. Oktober 2020 Unordnung im Garten: ein Paradies für Nützlinge Im Herbst wird der Garten auf den Winter vorbereitet. Jedoch sind viele Lebewesen auf eine gewisse Unordnung im Garten angewiesen. Der… 09. August 2022 Effizient Pflanzen bewässern: Wenig Wasser im heissen Sommer Gartenarbeit besteht im Sommer vor allem aus Giessen. Bei Wasserknappheit sollten durstige Pflanzen möglichst effizient mit Feuchtigkeit… Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Schloss Wildegg

Schlossdomäne & Geschichte

DIE SCHLOSSDOMÄNE WILDEGG Schlossdomäne Wildegg 93 Hektaren Natur und Kultur GESCHICHTE DER SCHLOSSDOMÄNE Habsburger, Berner, Familie von Effinger Die Geschichte in Kürze Familien- und Baugeschichte Interaktiver Zeitstrahl 7 Fragen zur Geschichte Wer hat Schloss Wildegg gebaut und wann begann der Bau? Die Habsburger legten in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Grundsteine von Schloss Wildegg auf den Ausläufern des Chestenbergs. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde von 1242. Die Habsburger bewohnten das Schloss nicht selbst, sie überliessen dieses verbündeten Adelsfamilien. Baugeschichte von Schloss Wildegg Wer wohnte auf Schloss Wildegg? Zunächst bewohnten Vasallen und Verbündete der Habsburger die Burg, darunter die Herren von Hallwyl. Nach der Eroberung des Aargaus 1415 übernahm die Stadt Bern Schloss Wildegg. Die Berner verkauften das Schloss 1483 an die Familie Effinger, die bis 1912 dort lebte. Familiengeschichte von Schloss Wildegg Seit wann ist Schloss Wildegg ein barockes Schloss? Bernhard Effinger liess den mittelalterlichen Wehrbau um 1700 für viel Geld in ein barockes Schloss umbauen. Einige Kennzeichen davon sind die symmetrische Gartenanlage, die Akanthusverzierungen an den Giebeln und die Gestaltung des Treppenaufgangs im Hof und des Atriums. Der Umbau stand im Zusammenhang mit Bernhards Hochzeit mit der reichen Barbara von Salis aus Bergell. Wie verdiente die Familie Effinger mit der Schlossdomäne ihr Geld? Mit ihren Obstgärten, Weinbergen, dem Gutshof und den umliegenden Wäldern und Feldern war die Schlossdomäne Wildegg ein wirtschaftliches Zentrum. Die Effinger betrieben nicht nur Agrarwirtschaft, sie besassen auch mehrere Gasthöfe, wo Wein vom Schloss ausgeschenkt wurde. Zudem erhielten sie Abgaben aus den umliegenden Dörfern Möriken und Holderbank. Seit wann wird auf Schloss Wildegg Wein produziert? Seit mehr als 400 Jahren werden auf Schloss Wildegg Reben bewirtschaftet und Wein produziert. Der Weinbau und -verkauf waren für die Familie von Effinger ein wichtiges Geschäft. Sie hatte in der Region das alleinige Recht, Wein auszuschenken und zu verkaufen. Der Rebberg wird auch heute noch bewirtschaftet. Rebberg Schloss Wildegg In welcher Verbindung stehen Schloss Wildegg und Schloss Versailles? Der Wildegger Schlossherr Bernhard Effinger war Teil der Bernischen Gesandtschaft beim französischen König Ludwig XIV. in Versailles. Es ist daher möglich, dass der Barockgarten auf Schloss Wildegg direkt von Schloss Versailles inspiriert war. Wem gehört das Schloss Wildegg heute und wie wird es genutzt? Die letzte Besitzerin, Julie von Effinger, vermachte Schloss und Domäne der Eidgenossenschaft. Seit 2011 gehört die Schlossdomäne Wildegg der gleichnamigen Stiftung. Museum Aargau vermittelt heute die Geschichte des Schlosses mit Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen. Zu den Höhepunkten gehört das Wohnmuseum mit 37 Räumen, wo man sprechenden Porträts der früheren Schlossbewohnerinnen und -bewohner begegnet. Diese bieten einen lehrreichen und unterhaltsamen Einblick in die Geschichte des Schlosses vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Ausstellungen auf Schloss Wildegg

 
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So bauen Sie einen mittelalterlichen Backofen

Zurück zum Blog 10. September 2022 Kategorie Mittelalter Auf Schloss Lenzburg wurde einen mobilen Backofen aus dem 15. Jahrhundert rekonstruiert. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie auch in Ihrem Garten Ihren ganz eigenen mittelalterlichen Lehmbackofen selber bauen können! Erinnern Sie sich an unseren letzten Blogbeitrag , in welchem sich alles um die mobilen Backöfen drehte, mit denen fremde Bäcker während dem Konstanzer Konzil zwischen 1414 und 1418 durch die Strassen und Gassen zu Konstanz gezogen sind, um ihre Waren feilzuhalten? In diesem Beitrag geht es um die Rekonstruktion eines solchen Backofens. Das Beste: mit genügend Lehm, Stroh, Wasser, Weidenruten und etwas Zeit können auch Sie ihren ganz eigenen mittelalterlichen Lehmbackofen selber bauen! Wir zeigen Ihnen, wie. Bäcker bei der Arbeit. Bild in der gedruckten Ausgabe von Anton Sorg, Augsburg, 1483, 25v. Anleitung zum Bau eines Lehmkuppelofens Für den Bau eines einfachen Lehmkuppelofens werden folgende Materialien benötigt: Lehm (kann bei Lehmvorkommen in der Umgebung selber gesammelt werden oder man benutzt eine Lehmmischung, beispielsweise Lehmunterputz trocken von Conluto. Dieser kann bereits anmischfertig inklusive Strohhäckseln bestellt werden. Bei einem Ofen mit den Massen 80x54x108 cm und einer Wanddicke von ca. 12 cm werden ca. 250 Kilo Lehmunterputz gebraucht. Stroh (ca. 2 Kilo bei obiger Grösse und Menge Lehm) Wasser Weide- oder Haselruten Draht oder Schnur Grosser Eimer oder Plane (zum Anmischen des Lehms) Harke oder Stecken Fakultativ: Schamottsteine oder Steinplatten (als Boden) Drahtgeflecht (modern, als zusätzliche Konstruktionshilfe) Vorher festlegen: WO soll der Ofen gebaut werden und WIE GROSS soll er werden? Je grösser der Ofen und je dicker die Wand, desto schwerer wird er natürlich. Dies unbedingt beachten, wenn der Ofen mobil sein soll. ACHTUNG: Wenn der Ofen im Garten steht, sollte er ein unter einem kleinen Dach oder Unterstand gebaut werden, um vor Regen geschützt zu sein. Zeitaufwand: Je nach Ofengrösse und Anzahl HelferInnen ca. 6 bis 12 Stunden, idealerweise über zwei oder drei Tage verteilt. Erster Schritt: Lehm anrühren Der Ofen kann grundsätzlich auf verschiedenen, feuerfesten Oberflächen gebaut werden. Für unseren mobilen Backofen haben wir uns an die Darstellungen aus den verschiedenen Abschriften und Drucken der Konstanzer Konzilschronik gehalten und ihn auf einen zweirädrigen Karren gebaut. Der Ofen kann aber auch im Garten auf einem Stück Wiese gebaut werden. Zuerst wird das Stroh entsprechend vorbereitet. Es sollte in ca. 5 cm lange Stücke gehäckselt werden. Sind die Strohhalme zu lang, stehen sie danach zu sehr von der Oberfläche des Ofens ab. Danach wird die erste Portion Lehm angerührt. Wenn eine Lehmmischung verwendet wird, diese entsprechend der Anweisung auf der Verpackung mit der verlangten Menge Wasser mischen. Das geht am besten in einem grossen Kübel oder auf einer Plane am Boden. Danach den Lehm kurz anmischen und anschliessend das Stroh beigeben. Nun muss die Lehm-Stroh-Mischung gut durchgemischt werden. Das geht übrigens am besten mit Gummistiefeln oder barfuss direkt im Eimer oder auf der Plane. Die Lehm-Stroh-Mischung muss gut durchgemixt werden. Achtung: Nicht den gesamten Lehm gleich zu Beginn anmischen. Der Ofenbau wird einige Stunden dauern, die sich idealerweise über zwei oder drei Tage verteilen sollten. Daher den Lehm nach und nach entsprechend dem Bedarf anmischen. Übrig gebliebenen Lehm mit einem feuchten Tuch abdecken, sodass dieser über Nacht nicht austrocknet. Nachdem alles gut durchmischt ist, wird der Lehm in einer ca. 10 bis 15 cm dicken Schicht auf der Standfläche des künftigen Ofens verteilt. Wenn der Ofen auf Erd – oder Steinboden steht, reicht die Lehmschicht. Falls der Ofen jedoch, wie unser mobiler Backofen, auf einer Holzfläche steht, sollten als zusätzliche Schicht noch Schamottsteine oder Steinplatten unter oder auf die Lehmschicht gesetzt werden, damit der Holzunterbau durch die Hitze nicht verkohlt. Zweiter Schritt: Das Weiderutengestell Nun kommen die Weideruten zum Einsatz, welche die Form des Ofens vorgeben. Das Weiderutengestell dient übrigens lediglich als Konstruktionshilfe und hat später keine tragende Funktion. Im Gegenteil: Die Weideruten verkohlen langsam, während der Ofen in Betrieb ist. Die Konstruktion des Weiderutengestells. Die Weideruten werden in den Lehm oder direkt in den Boden gesteckt. Hierbei zuerst die Weideruten an der Seite stecken. Danach die übrigen Ruten der Länge nach von vorne nach hinten in die Seitenruten flechten. Die Ruten dort, wo sie sich Kreuzen, mit Draht oder Schnur fixieren. Je enger das Rutengestell, desto besser. Aber Achtung: An einigen Stellen zwischen den Weideruten sollte genügend Platz gelassen werden, damit man mit dem Arm durchkommt. Dies ist für den Ofenaufbau wichtig. Als zusätzliche moderne Konstruktionshilfe kann man ein Drahtgeflecht über das Rutengestell ziehen. Dies ist allerdings nicht nötig, wenn genügend Weideruten vorhanden sind. Die Grundform des Ofens ist ein eiförmiges Oval. Vorne bleibt eine Öffnung – die Längsruten also einfach vorne nicht bis zum Boden herunterziehen. Die Öffnung sollte gross genug sein, damit man bequem einfeuern und die Backwaren hineinbefördern kann, aber schmal genug, dass kein allzugrosser Wärmverlust stattfindet, wenn die Ofenklappe offen ist. Grundform des Lehmkuppelofens. Die vordere Öffnung sollte schmaler und niedriger sein als der Rest vom Ofen. Dritter Schritt: Der eigentliche Ofenaufbau Nachdem das Rutengeflecht steht und der Lehm angemischt ist, kann der eigentliche Aufbau des Lehmofens beginnen. Der Lehm wird in kleine Kugeln geformt und dabei nochmals gut geknetet. Jeweils zwei Kugeln nehmen und eine von innen und eine von aussen gut gegeneinanderdrücken. Die Wandstärke sollte insgesamt ca. 10 cm betragen, davon ca. 3-4 cm an der Innenseite des Rutengestells und ca. 6-7 cm an der Aussenseite des Gestells. Die äussere und innere Kugel müssen jeweils gut miteinander verbunden werden, damit sich eine gleichmässige Lehmschicht bildet, die sich nicht ablöst. Wichtig ist hierbei, dass die Wanddicke durch die Kugeln entsteht, und nicht noch eine zusätzliche Lehmschicht aussen auf die Oberfläche gestrichen wird. Daher regelmässig die Dicke der Wand überprüfen und notfalls durch Zusammendrücken und Verschieben des Lehms nachjustieren. Achtung: Wenn zur Verdickung einfach eine weitere Lehmschicht obendrauf angebracht wird, besteht die Gefahr, dass sich diese Schicht wieder löst. Der Beginn des Ofenbaus vom hinteren Ende her. Die Wandstärke kann auch ein wenig dicker als 10 cm sein, jedoch wird der Ofen dadurch schwerer und man benötigt mehr Lehm. Dünner sollte sie nicht sein – andernfalls werden Stabilität und Lebensdauer des Ofens beeinträchtigt. Konstruktion mit portionierten Lehmkugeln, die von Innen und Aussen gut miteinander verbunden werden. So wird nun der gesamte Ofen von hinten nach vorne ausgehend aufgebaut. Ideal ist, wenn der Ofen zwischen den einzelnen Phasen etwas trocknen kann. Hierbei die Ränder mit feuchten Tüchern abdecken. Während einer Wartezeit zeigt sich in der Regel auch, ob die Schichten gut miteinander verbunden sind oder sich die innere Schicht ablöst. Sollte sich die innere Schicht an einer Stelle ablösen, so nimmt man den gesamten Lehm in diesem Bereich wieder weg und fängt neu an. Phasen des Ofenaufbaus von hinten nach vorne. Letzte Phase des Ofenbaus. Vierter Schritt: Festklopfen, trocknen, einbrennen Sobald der Ofen vollständig aufgebaut ist, kann mit dem Feinschliff begonnen werden. Mit einem flachen Holz wird die Oberfläche innen und aussen glattgeklopft und der Lehm so nochmals gefestigt. Aber Achtung: Nicht zu fest klopfen! Anklopfen und Glätten der Lehmoberfläche mit einem flachen Stück Holz. Danach muss der Ofen erst einmal trocknen. Je nach Grösse, Wanddicke und Menge verarbeiteten Lehms kann dies einige Wochen dauern. Nach dem Trocknen wird der Ofen langsam eingebrannt. Hierzu den Ofen mit einem kleinen Feuer mit gut durchgetrocknetem Holz langsam einfeuern. Das Feuer sollte beim ersten Feuern klein bleiben, dafür möglichst lange und ohne Ofenklappe offen brennen. Ideal ist, wenn der Ofen rundherum aussen warm wird. Betrieb des Ofens Wenn der Ofen eingebrannt ist, steht seinem regulären Betrieb nichts mehr im Weg! Hierbei gibt es aber einige Tipps und Tricks, um die Lebensdauer des Ofens zu verlängern. Der Ofen sollte langsam und mit kleinem Holz angeheizt werden. Die Flammen sollten etwa die halbe Höhe des Ofens erreichen. Achtung: Die Flammen sollten nie so hoch sein, dass sie die Decke des Ofens erreichen! Allenfalls das Holz etwas auseinanderziehen. Wenn der Ofen ungefähr ½ Stunde angewärmt ist, können ein bis drei grössere Stücke (am besten Buche, Birke oder Ahorn) aufgelegt werden. Wenn nur noch Glut vorhanden ist oder Glut mit ganz kleinen Flammen, kann das Holz nach rechts und links auseinandergeschoben und in der Mitte gebacken werden. Um herauszufinden, ob der Ofen die richtige Temperatur hat, kann die Mehlprobe helfen. Dazu etwas Mehl auf die Backfläche werfen: Wird es schwarz, ist es zu heiss, bleibt es weiss ist es zu kalt, wird es braun, hat der Ofen die ideale Temperatur. Der fertige Ofen in Betrieb. Instandhaltung Der Ofen sollte nach jedem Betrieb, wenn er vollständig ausgekühlt ist, gereinigt werden. Dazu einfach Kohle und Asche aus dem Ofen wischen. Mit der Zeit kann die Oberfläche des Ofens Risse aufweisen. Dies ist nicht weiter schlimm, solange der Ofen nicht zu heiss und mit zu grossem Feuer eingeheizt wird. Wenn Risse auftauchen, kann der Ofen neu überschlämmt werden. Hierzu einfach eine relativ flüssige Lehmmischung ohne Stroh anrühren und gleichmässig über die Oberfläche des Ofens verteilen. Der Ofen sollte wettergeschützt stehen oder gelagert werden. Wie erwähnt braucht er, wenn er im Garten steht, einen Unterstand. Das Prinzip des Lehmkuppelofens Das Prinzip des einkammerigen oberirdischen Kuppelofens ist seit der Jungsteinzeit bekannt. Solche Öfen waren sehr simpel in der Konstruktion und wurden in Westeuropa mindestens bis ins Spätmittelalter genutzt. Während das Grundprinzip das gleiche blieb, konnten sich die Öfen in Grösse und hinsichtlich der verwendeten Baumaterialien unterscheiden. Lehm war neben Stein einer der bevorzugen Baustoffe für Backöfen. Auf einigen Burgen ausgegrabene Beispiele sind sich hier sehr ähnlich. Die Feuerflächen waren entweder aus Lehm, Steinplatten oder Fliesen. Im Jahr 2005 wurde auf Schloss Moers bei Ausgrabungen ein grosser hochmittelalterlicher Lehmkuppelofen ausserhalb der Burgmauer entdeckt. Der Ofen hat höchstwahrscheinlich als Backofen gedient und wurde unter anderem aus Sicherheitsgründen ausserhalb der Burgmauer errichtet, um die Feuergefahr im Innern zu minimieren. Der einkammerige Kuppelofen ist, wie erwähnt, einer der einfachsten Ofentypen. Er kommt ohne zusätzlichen Rauchabzug oder verschiedene, voneinander abgetrennte Kammern aus. Die Befeuerung, der Rauchabzug und die "Bedienung" des Ofens erfolgen alle durch dieselbe Öffnung an der Front. Die einfache Konstruktion machte diesen Ofentyp auch zum idealen Ofen für die mobilen "stosskärlin", welche die fremden Bäcker zu Konstanz durch die Strassen fuhren, um darauf ihre Waren zu Backen und feilzuhalten. Nun wünschen wir Ihnen gutes Gelingen beim Ofenbau! Verwendete und weiterführende Literatur: Petrasch, Jörg: Typologie und Funktion neolithischer Öfen in Mittel- und Südosteuropa , Magisterarbeit, Tübingen, 1984. Tauber, Jürg: "Herd und Ofen im Mittelalter", in: Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters , Hg. Schweizerischer Burgenverein, Band 7, Olten, 1980. Werner, Achim; Dummer, Jens: Backen von der Steinzeit bis ins Mittelalter – Brot, Gebäck und Kuchen aus 8000 Jahren , Stuttgart, 2018. Weitere Blogbeiträge 07. April 2020 Kochvideo: Gebackene Zwiebeln – Rezept aus dem Mittelalter Kochen Sie gebackene Zwiebeln nach einem raffinierten Rezept aus dem Mittelalter. 23. Juni 2020 Kochvideo: Safran-Sahne-Torte – Rezept aus dem Mittelalter Im Kochvideo zeigen wir Ihnen, wie sie eine Safran-Sahne-Torte zubereiten – ein mittelalterliches Rezept aus der Sammlung "Two… 19. August 2022 Streetfood aus dem Spätmittelalter – inklusive Rezept! Streetfood? Klingt erst einmal nach einer modernen Erfindung – kommt doch heute kaum eine Stadt ohne Streetfood-Festival aus. Was man aber… Von Gabriela Gehrig Von Gabriela Gehrig Gabriela Gehrig leitet das Freiwilligenprogramm von Museum Aargau und ist als Geschichtsvermittlerin tätig. Als Historikerin interessiert sie sich besonders für Sozial- und Kostümgeschichte und schneidert wann immer möglich auch selber. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Mittelalter Kommentare

 
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Zeichensprache der Mönche - Geschichte - Blog Museum Aargau

Zurück zum Blog 23. Mai 2022 Kategorie Klosterleben Für den Mönchsorden der Zisterzienser ist das Schweigegelübde ein wichtiger Bestandteil des Klosterlebens. Damit folgen sie der Regel des Heiligen Benedikts. Dieses Schweigen führte zur Bildung einer eigenen, monastischen Gebärdensprache. Sowohl im Alten und Neuen Testament als auch in den Schriften von frühchristlichen Mönchen wird die grosse Bedeutung des Schweigens betont. In der monastischen Tradition folgt auf die äussere Stille die innere Stille, in der man seine innere Aufmerksamkeit ganz auf Gott richtet. Ein Mönch macht das Zeichen für Käse ©Museum Aargau Der Ursprung der monastischen Gebärdensprache Besonders in den cluniazensischen Klöstern wurde die Stille strenger gewahrt als bei anderen Orden, denn sie verstanden unter der Stille absolutes Schweigen. Kein einziges Wort sollte gesprochen werden. Da sich die Mönche im Klosteralltag doch ab und zu etwas mitteilen mussten, entwickelten die Cluniazenser eine Form stiller Kommunikation, die Zeichensprache. So konnten die Mönche sich durch einfache Handzeichen kurze Anweisungen übermitteln und die Stille blieb unversehrt. Die Verwendung von Gebärden bei den Cluniazensern Gebärden wurden in Klöstern bereits vor den Cluniazensern genutzt, zum Beispiel als ritualisierte Gesten in der Liturgie. Bestimmte Handformen repräsentierten zudem einzelne Zahlen oder Buchstaben. Schriftliche Quellen zur Existenz einer geregelten Gebärdensprache aus frühchristlicher Zeit gibt es jedoch nicht. Die Cluniazenser waren aber wohl die ersten, die ihre Gebärdensprache reglementierten. Das Schweigegebot bei Mönchsorden führte nicht immer zu gebärdensprachlicher Kommunikation. Als Beispiel dafür dienen die Kartäuser, die trotz Schweigegebots keine Gebärdensprache verwenden. Manet, Édouard, Silentium, New York Public Library. Die Gebärdensprache der Zisterzienser: offizielle und lokale Zeichenlisten "Drückestu de hande dwers tohsamen, bedüdet Kese" Zitiert aus einer Liste von Zeichen des Klosters Loccum, die in den Jahren 1577/78 in Gebrauch waren. Die zisterziensische Gebärdensprache ist eine Weiterentwicklung der cluniazensischen Gebärden. Vor allem vom 12. bis zum 14. Jahrhundert entstanden in ganz Europa sogenannte Signa-Listen (Zeichenlisten) nach cluniazensischem Vorbild. Die Signa-Listen sind Auflistungen aller Gebärden und ihrer Bedeutung, meist in lateinischer Sprache. Der Orden hielt den Umfang der Liste bewusst begrenzt. Deswegen erfanden die Mönche oftmals neue Gebärden oder modifizierten bereits bestehende. Einige dieser Gebärden wurden dann in sogenannte "lokale Listen" aufgenommen. Die lokalen Listen waren eher auf alltägliche und säkulare Themen fokussierten. Begriffe mit religiösen Inhalten des Klosterlebens befanden sich meist in den offiziellen Listen. Dadurch entstand eine individuelle Prägung einzelner Klöster beziehungsweise lokale Gebärdendialekte. Italienisches Manuskript einer Signa-Liste, 1018-1032. The Morgan Library & Museum. Wie benutzten Mönche die Gebärdensprache im Klosteralltag? "Wihse mit dem indice up dat Oge, bedüdet Sehen." Zitiert aus einer Liste von Zeichen des Klosters Loccum, die in den Jahren 1577/78 in Gebrauch waren. Die Gebärdensprache wurde in verschiedensten Situationen im Kloster verwendet. In der Klosterkirche benutzte der Sakristan (Kirchendiener) Zeichen, um den reibungslosen Ablauf der Stundengebete zu gewährleisten. Beispielsweise konnte der Kantor (musikalischer Vorsteher) auf ein Zeichen des Sakristans schneller singen, die Lesung kürzen oder die anderen Mönche konnten den Sakristan mit Zeichen fragen, ob sie noch genügend Zeit für die Privatmesse haben. Auch im Kreuzgang wurden Zeichen benutzt. So erbaten die Mönche bei der Fusswaschung der Gäste durch Zeichen die Erlaubnis zum Trinken oder riefen mit Gesten jemanden herbei. Der Cellerar (Keller) koordinierte diese Tätigkeit, falls nötig ebenfalls mit Zeichen. Im Refektorium, wo die Mönche assen, und in der Küche wurde mit Zeichen nach Essen oder Getränken verlangt. Der Tischleser fragte den Kantor mit Gebärden, welche Stelle er vorlesen solle. Im Dormitorium (Schlafraum) war die Zeichensprache verboten, ausser die Mönche hatten die Erlaubnis des Abtes oder Priors. Das Erlernen der monastischen Gebärdensprache Die Zisterzienser, wie viele andere Orden auch, lernten die Zeichen schon im Noviziat. Der Novizenmeister lehrte die Novizen die Lebensweise im Orden und führte sie in die Gebärdensprache des Ordens ein. Für ihre soziale Integration in das Ordensleben war die Zeichensprache unerlässlich. Die Zeichensprache sollte auch mit der richtigen Haltung und Würde ausgeführt werden. Denn sowohl für das Unterbrechen des Silentiums, wie auch für den unsachgemässen Gebrauch der Gebärdensprache drohte eine Bestrafung: Ermahnung im Kapitelsaal, Entzug von Wein oder Fasten bei Wasser und Brot. Die Gebärdensprache war in den Klöstern selbst nicht ohne Kritik. Denn auch ein Gespräch mit der Gebärdensprache galt als Gespräch, welches das Silentium bricht. So wurden manche Mönche bei den Visitationen ermahnt, dass sie mit unsachgemässem Gebrauch der Zeichen das Silentium störten. Fresko von Il Sodoma in der Abtei Abbazia di Monte Oliveto Maggiore, Der heilige Benedikt speist mit seinen Mönchen. Wikimedia Commons. Die Entwicklung der Gebärdensprache "Hölstu alle 5 up nahe thosamen, dat is Water" Zitiert aus einer Liste von Zeichen des Klosters Loccum, die in den Jahren 1577/78 in Gebrauch waren. Das Schweigegebot verlor im Laufe der Zeit an Bedeutung. Gleichzeitig liess seit dem 15. Jahrhundert die Verwendung von Gebärden in christlichen Orden nach. Durch die Liberalisierung der Ordensregeln wurden zunehmend mehr Gespräche geduldet. Die Zeichen sind aber nicht verschwunden. Unter der Reformbewegung im Zisterzienserorden im 17. Jahrhundert lebte die Gebärdensprache wieder auf. Der Reformorden der Zisterzienser der strengen Observanz, auch Trappisten genannt, machten weiterhin von der Gebärdensprache Gebrauch. Dies führte dazu, dass bis zum 2. Vatikanischen Konzil, also bis 1965, die Zeichen viel benutzt wurden. Danach wurden Vorschriften bezüglich des Schweigegebots auch bei den Trappisten gelockert. In den heutigen Klöstern lernen die Novizen offiziell keine Zeichen mehr. Die wichtigsten Zeichen werden aber von einigen Trappisten weiterhin gebraucht. Für den Erhalt der Zeichensprache ist dabei, wie bei jeder anderen Sprache auch, die Bildung neuer Zeichen für moderne Begriffe sehr wichtig. So gibt es heute auch Zeichen für Worte wie Telefon oder Dusche. Zeichen für Telefon: "Lege die rechte Faust an das rechte Ohr und halte die linke Faust so vor den Mund, als würdest du ein altmodisches Telefon festhalten." Zeichen aus lokalen Liste des Klosters St. Johns in Massachusetts. Stammt die Gebärdensprache der Gehörlosen von den Mönchen ab? Die monastische Gebärdensprache half bei der Kommunikation zwischen gehörlosen Klosterangehörigen und den hörenden Mönchen. So gibt es Beispiele der Gebärdensprachanwendung in der Kommunikation zwischen gehörlosen Schülern und Ordensangehörigen. Ob die Gebärdensprache der Mönche einen direkten Einfluss auf die moderne Gebärdensprache hatte ist umstritten. Es gibt Wissenschaftler, die klar von einem Verwandtschaftsverhältnis zwischen der zisterziensischen Gebärdensprache, der Langue des Signes Francaise und der American Sign Language ausgehen und andere, die dies bestreiten. Quiz: Wie gut kennt ihr die Zeichensprache der Mönche? Für die Zisterziensermönche, die damals auf der Klosterhalbinsel Wettingen lebten, war das Schweigegelübde ein wichtiger Bestandteil ihres Klosterlebens. :church: Wie gut könnt ihr die Zeichensprache der Mönche verstehen? Testet euch in diesem Quiz!:ok_hand: Was sagt der Mönch? Was sagt der Mönch? Was sagt der Mönch? Was sagt der Mönch? Ihr braucht noch Übung! Ihr seid noch nicht ganz bereit, mit einem Zisterziensermönch ein theologisches Gespräch in Gebärdensprache zu führen. Unser Tipp: Wenn ihr auf euren nächsten Besuch auf der Klosterhalbinsel Wettingen einen Mönch trefft, könnt ihr euch mit ihm die Zeichensprache üben! :point_right: Erfahrt mehr über der Zeichensprache der Mönche (Video). Lust auf monatliche News und Verlosungen? Weltklasse! Ihr versteht die alte Gebärdensprache der Mönche wie ein echter Zisterzienser bzw. eine echte Zisterzienserin! Habt ihr schon in einem Kloster gelebt? Wenn ihr auf euren nächsten Besuch auf der Klosterhalbinsel Wettingen einen Mönch trefft, könnt ihr euch mit ihm problemlos in Zeichensprache unterhalten. :point_right: Erfahrt mehr über der Zeichensprache der Mönche (Video). Lust auf monatliche News und Verlosungen? Bibliographie: Leibniz, Gottfried Wilhelm von, "Signa Secundum Ordinem Cisterciensem" In: Umiker-Sebeok, Jean, Sebeok, Thomas A., (Hrsg.): Monastic Sign Languages, Berlin, New York, De Gruyter Mouton, 2011, S. 429-456. Lomičkova, Radka: Zeichensprache in der Klausur im Wandel der Zeit (vom Mittelalter bis zur Gegenwart), In: Analecta Cisterciensia, Nr. 61, 2011, S. 100–121. Robert A., Barakat: Cistercian Sign Language, In: Umiker-Sebeok, Jean, Sebeok, Thomas A. (Hrsg.): Monastic Sign Languages, Berlin, New York, Amsterdam, De Gruyter,1987, S. 67–322. Rüffer, Jens: "Multum loqui non amare" Die Zeichensprache bei den Zisterziensern, In: Schumann, Dirk (Hg.): Sachkultur und religiöse Praxis, Berlin, Lukas Verlag, 2007, S. 20-50. Villwock, Agnes: Monastische Gebärdensprachen und Gebärdensprachanwendung im Kloster. Vom Schweigegebot christlicher Ordensgemeinschaften hin zur gebärdensprachlichen Kommunikation in der monastischen Gehörlosenbildung, In: DAS ZEICHEN, Nr, 91, 2012, S. 266-282. Weitere Blogbeiträge 06. Mai 2022 Quiz: Wie gut kennt ihr die Zeichensprache der Mönche? Wie gut könnt ihr die Zeichensprache der Mönche verstehen? Testet euch in diesem Quiz! 14. August 2023 Wie kommt die Meerjungfrau ins Kloster Wettingen? Auf der Klosterhalbinsel Wettingen findet sich an Gebäuden, in Gemälden und im Wappen des Klosters selbst eine Meerjungfrau mit zwei… 23. August 2022 Heilkunde im Kloster Seit jeher befassen sich Klöster mit Heilkunde, da die Fürsorge für die Armen und Kranken tief in ihrer Tradition verankert ist. Auch beim… Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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Spazieren und Flanieren im 18. und 19. Jahrhundert

Zurück zum Blog 06. April 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Frische Luft und schöne Natur: Spazieren gehen lohnt sich! Und der Kanton Aargau bietet dafür beinahe unzählige Gelegenheiten. Ein Spazierstock aus der Sammlung Museum Aargau zeugt von der Historie dieser beliebten Freizeitbeschäftigung. Bis heute gelten der französische Boulevard und der vornehme englischen Park als typische Sinnbilder für die romantische Spazierkultur. Dabei erfuhren sie erst im 18. und 19. Jh. durch Literatur, Malerei und auch gesellschaftliche Veränderungen einen Aufschwung, der gewöhnlichen Bürgern ein solches Flanieren überhaupt ermöglichte. Die Rekonstruktion der Natur Nur ungern nahm der Mensch die Strapazen der Natur auf sich. Lediglich zur notwendigen Jagd oder beim Mitziehen von wandernden Viehherden wurde der Weg in die dunklen Wälder oder über die schwindelerregenden Passrouten auf sich genommen. Zum reinen Vergnügen so gut wie gar nicht. Erst im Laufe des 16. respektive des 17. Jh. begannen die vermögenden und adligen Bevölkerungsschichten sich auch zum Vergnügen in die Natur zu begeben. Um diese Transformation auch baugeschichtlich zu verstehen, müssen wir auf zwei Entwicklungen zurückgreifen, die vor allem im westlichen Europa vonstatten gingen und von da aus den restlichen Kontinent eroberten. Auch in der Eidgenossenschaft luden sich gehobene Gesellschaften damals gerne zu einem "Le Déjeuner sur l'herbe" ein. Zandomeneghi, Frederico: Place d'Anvers in Paris, 1880. Galleria d'arte moderna Ricci Oddi, Piacenza. Die Entstehung der Boulevards Die ersten Boulevards hatten nichts mit der heutigen Darstellung einer breiten und mit Baumalleen gesäumten Strasse zu tun. Sie entstanden vielmehr aus reiner Zweckmässigkeit. Nach dem 30-jährigen Krieg lagen viele Städte in Trümmern und ihre vormals einengenden Befestigungen aus Schanzen und Mauern waren durch das Aufkommen effektiver Artillerie nutzlos geworden. Sie wurden geschliffen oder gar gänzlich abgebaut. So geschah es auch in Paris. Diese neu geschaffenen Freiräume wurden nach und nach von den Einwohnern der Stadt genutzt. Die Bürger und Bürgerinnen, junge Paare und in erster Linie die Aristokratie zeigten sich an den Wochenenden auf ausführlichen Spaziergängen. Die Ursprünge des Spazierens liegen im aristokratischen „Lust­wandeln“ in Gärten und Barockparks. Erst später kamen soziale Komponenten hinzu, wie das Knüpfen von Kontakten oder das Führen eines ügestörten (intimen) Gesprächs. Heinrich Triner (1796- 1873), Schlossallee und Schlosshof, Lenzburg, Kolorierte Lithografie, 1861. Eine neue Welt tut sich auf Der Flaneur oder sein weibliches Gegenstück, die Passante, wurden zu einem weit rezipierten und reflektierten Gegenstand in der Literatur, der Emanzipationsforschung, der Musik und der Malerei. In diesen Figuren konnten gesellschaftliche Themen mit philosophischen Ansichten vereint und diskutiert werden, ohne gleich eine politische Position beziehen zu müssen. Der Blickwinkel war losgelöst vom restlichen Geschehen. Zu beobachten und sich treiben zu lassen sind dabei zentrale Bestandteile des Spazierens und Flanierens. Moderne Aufsätze zu diesem Thema veranschaulichen es vor dem Hintergrund der Globalisierung oder versuchen, die Eigenschaften des Flanierens auf Videospiele und die Art und Weise der Internetnutzung zu übertragen. "Heiden" – Touristen, eine müde Dame mit Sonnenschirm sitzt am Boden in einer Wiese, 4 andere Menschen scheinen auf Sie zu warten. Fotoamateur Wilhelm Keller (1862-1947), Zürich. Um 1890, © Landesmuseum Zürich. (LM-91140.24, 290. ) Englische Parks – begehbare Landschaftsgemälde Während die französischen Boulevards als Vorbilder für die grossen Alleen in Berlin dienten, waren es hier bei uns die französischen Barockgärten die dominierende Vorlage. Dies änderte sich mit der Arbeit von William Kent, der mit dem Garten des Chiswick House in London den Grundstein für eine neue Stilrichtung legte. Im Zentrum dieser neuen Gestaltung lag die Einbettung der Gärten in ihre natürliche Umgebung. Die üppigen Blumenbeete wurden weggelassen und auch die geometrischen Achsen wichen einer geschwungenen Wegführung. Im 18. Jh. schwappte der Trend auch auf das europäische Festland hinüber. Vorreiter wie Ritter von Sckell in München oder Hermann von Pückler-Muskau in Bad Muskau hinterliessen ihre Spuren. So verpflanzte Pückler zum ersten Mal erfolgreich komplette Bäume. Auch in der Schweiz fanden sich eifrig Nachahmer dieser neuen Stilrichtung und englische Gärten waren en vogue . Vor allem sonntags versammelten sich immer mehr Menschen in den öffentlichen Parkanlagen. Der Adel und das industrielle Bürgertum zog sich daher in die eigenen Villengärten im Landschaftsstil zurück. Auch der Hof auf Schloss Lenzburg glich 1861 einem Landschaftsgarten en miniature . 1893 liessen die damaligen Besitzer Augustus Edward Jessup und seine Frau Lady Mildred Marion Bowes Lyon zudem einen bis heute erhaltenen Rosengarten anlegen. An den Fassaden wachsen bis heute englische Schlingrosen und alte Sorten von Floribund-Rosen. K-2827, Spazierstock mit Korb, Sammlung Museum Aargau, © Museum Aargau. Spazierstöcke – (fast) so veritabel wie Schweizer Taschenmesser Spazierstöcke dienten nicht nur als Gehhilfen. Sie waren ein Statussymbol, zählten Schritte, fungierten als Halter oder boten Stauraum und Verstecke. Schon die Kleinsten verfügten wie ihre Eltern über das modische Accessoire. Zumeist bildete der Knauf das Herzstück. Er findet sich in allen Formen und Materialien. Ob als Tier, Fratze oder ein schlichter Handgriff aus einem Edelmetall: Es findet sich für jeden Geschmack und jede Gelegenheit der richtige Stock. So auch ein spezielles Exemplar, das sich in der Sammlung des Museum Aargau befindet. Der Stock wirkt auf den ersten Blick unhandlich und klobig, aber er vereint zwei der wichtigsten Merkmale der viktorianischen Spazierkultur: Das Spazieren und das Essen. Leider ist nicht viel über das Exemplar bekannt. Es befand sich im ursprünglichen Inventar des Schlosses Lenzburg von 1956. Vielleicht gehörte er einst einem der Ellsworths oder war im Besitz von Jessup und Lady Mildred. Oder ein Spazierender hat ihn im Schlosspark liegen lassen. Literatur Calignani, A. und W: The History of Paris, 1825, S. 178ff. Dydik Michaela: Flanieren- gedichte gegen die Hektik der Zeit. Unternehmen Lyrik. URL: www.unternehmen-lyrik.de (Stand: 17.03.2022, 10:02). König, Gudrun M: Eine Kulturgeschichte des Spaziergangs. Spuren einer bürgerlichen Praktik 1780–1850 (= Kulturstudien. Sonderband 20.) Böhlau, Wien 1996. Mowl, Timothy: William Kent. Architect, Designer, Opportunist. Jonathan Cape, London 2006. Runzheimer Bernhard: Die digitale Flanerie als reflexive Raumexploration im Computerspiel. In: Journal Film- und Fernsehwissenschaftliches Kolloquium ffk. Nr. 2. Avinus-Verlag, 2017 Schröteler-von Brandt, Hildegard: Stadtbau- und Stadtplanungsgeschichte. Springer Vieweg, Wiesbaden, 2008, S. 78. Short, John Rennie: Globalization, Modernity and the City (= Routledge Studies in Human Geography. Band 36). Routledge, New York 2012, S. 139 Sickert, Hermann: Hints on landscape gardening by Fürst von Pückler-Muskau . Ed. Samuel Parsons. Houghton Mifflin Company Boston, New York, 1917. Tucker, Paul Hayes (1998). Manet's Le Déjeuner sur l'herbe. Cambridge: Cambridge University Press. S. 5–14. Von Romeo Arquint Von Romeo Arquint Romeo Arquint ist Historiker und war 2022 Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
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Streetfood aus dem Spätmittelalter – inklusive Rezept!

Zurück zum Blog 19. August 2022 Kategorie Mittelalter Streetfood? Klingt erst einmal nach einer modernen Erfindung – kommt doch heute kaum eine Stadt ohne Streetfood-Festival aus. Was man aber weniger vermuten würde: Auch im Mittelalter kannte man das Konzept der "mobilen Imbissbude" auf Rädern schon. Das Konstanzer Konzil gibt uns hierfür die Vorlage. Das Konzil von Konstanz tagte von 1414 bis 1418. In der Stadt am Bodensee lebten normalerweise rund 6'000 Menschen. Während des Konzils waren jedoch um die 70'000 Besuchende in der Stadt anwesend. Dies bedeutet, dass ein riesiger Mehraufwand für die Versorgung der Stadtbevölkerung und vor allem der Konzilsbesuchende anfiel. Nicht zuletzt musste die Versorgung mit Essen sichergestellt werden. Doch zunächst: Woher wissen wir, wie es in Konstanz auf dem Konzil zu und herging? Die Konzilschronik Eine der bedeutendsten und wichtigsten Quellen zum Konzil ist die Konzilschronik von Ulrich Richental. Ulrich Richental war als Sohn des Stadtschreibers von Konstanz 1360 geboren worden. Als Bürger der Stadt hatte er es vermutlich als Kaufmann zu Wohlstand gebracht und besass Haus- und Grundeigentum. Ulrich Richental hatte das Konzil in all seinen Facetten selber miterlebt und viele der Gegebenheiten, die sich rund um die Kirchenversammlung abgespielt hatten, mit eigenen Augen gesehen. Einige Jahre später begann er nach 1420 mit der Verfassung der Konzilschronik. Mit seinen Beschreibungen der Ereignisse, die mit statistischem Material aus städtischen Urkunden und Akten angereichert sind, gibt er einen vielfältigen Einblick in die Geschehnisse des Konzils. Hierbei behandelt er nicht nur die kirchenpolitischen Vorgänge, sondern auch den Alltag in der Stadt zur Zeit des Konzils. In Richentals Auftrag wurde die Chronik mit Wappen und Illustrationen angereichert, welche alle möglichen Situationen zeigen. "vil främder brotbecken" Das Alltagsleben darf man sich während der Konzilszeit einigermassen aufregend vorstellen: Immerhin beherbergte die Stadt nun plötzlich das Zehnfache an Menschen verglichen zur regulären Anzahl der Einwohnenden. Um all diese Leute mit Essen zu versorgen, wurden kreative Lösungen entwickelt. Und hier sind wir nun wieder beim mittelalterlichen Streetfood angelangt. Bei der grossen Nachfrage nach Verpflegung witterten nicht nur die Konstanzer Bäcker ein gutes Geschäft, sondern auch "främder brotbecken" wollten ein Stück vom Konzilskuchen abhaben. So liessen sie sich etwas Ausgefallenes einfallen: den mobilen Backofen auf Rädern! Mobiler Backofen. Bild in der Konstanzer Handschrift der Richental-Chronik von 1465, "Fremde Brodbecken zu Constanz". Bei den Abbildung in der Augsburger Ausgabe der Chronik steht folgende Beschreibung: "[…] darzu waren auch vil främder brotbecken zu Constencz die stättgebuch ûff dem markt buchent und der von Constencz brotbecken auch Buch waren brotbecken zu Constencz die hetten ringe und claine öffenlin die furten sy uff stosskärlin durch die stat und buchend darinn bastetten und ring und brätscheller und söllich brotten dero warend etlich erfüllet mit hünern etlich mit vogeln gewurz mit gutter Spetzerey und etlich mit flaisch und etlich mit vischen gebachen wie die einer gern wolt haben dero fand man genug in geleichen und gutem kauff und darnach sy danketlich waren tun einer kauffen wolt und ist dise figur. Wie man basteten in der stat costencz umbfuret unnd die fail het." (Augsburger Ausgabe von Anton Sorg, Augsburg 1483, 25v.) Auf Stosskarren fuhren die fremden Bäcker ihre kleinen Öfen durch die Stadt. In den Öfen wurde währenddessen gebacken und die Backwaren direkt auf der Strasse verkauft. Im Angebot gab es Brote, Bretzel und Pasteten mit verschiedensten Füllungen – von Hühnern über Fleisch bis zu Fischen. Die Konzilsbesucher kamen offenbar auf ihre Kosten! Die fremden Bäcker fuhren die mobilen Öfen auf Stosskarren durch die Stadt. Bild in der gedruckten Ausgabe von Anton Sorg, Augsburg, 1483, 25v. Die Chronik ist in verschiedenen Versionen überliefert, sowohl in Drucken als auch in Abschriften, teilweise illustriert und teilweise ohne Bilder. Allein 17 Abschriften, also handschriftliche Kopien, sind erhalten. Die meisten davon entstanden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In den mit Bildern versehenen Ausgaben (z.B. Konstanz 1464 oder Cod. Ettenheim-Münster um 1500) ist der mobile Backofen jeweils leicht anders dargestellt. Die Grundstrukturen sind aber dieselben. Die Urschrift von Richentals Chronik ist übrigens heute verloren. Rezept für eine Fischpastete Ist Ihnen beim Lesen das Wasser im Munde zusammengelaufen? Dann haben wir hier etwas für Sie: ein spätmittelalterliches Rezept für eine Fischpastete. Das Rezept stammt aus der Basler Rezeptsammlung, einer Handschrift aus dem späten 15. Jahrhundert. Zutaten Teig 250g Mehl ½ EL Salz 100g Butter oder Schmalz 1dl Wasser 1 Ei zum Bestreichen Zutaten Füllung 500 g Fisch, z. B. Forellenfilet 1 EL Butter oder Schmalz 10 g frischer Ingwer, gehackt 2 EL Petersilie, gehackt 5 Blätter Salbei, gehackt 1 dl Weisswein 3 Safranfäden, gemörsert 1 EL Mehl Salz Pfeffer Selbstgebackene Fischpastete nach Rezeptur aus dem späten 15. Jahrhundert. So geht es: Für den Teig Mehl und Salz in einer Schüssel mischen. Butter langsam in einer Pfanne schmelzen und Wasser beigeben. Danach die Flüssigkeit in die Schüssel zum Mehl beigeben, einrühren und zu einem Teig zusammenfügen. Den Teig 1 bis 2 Stunden kühlstellen. Für die Füllung den Fisch in Würfel schneiden. Die Butter in einer Pfanne erhitzen, den Ingwer kurz andünsten, danach den Fisch und die Krauter beigeben und weiterdünsten. Mit Weisswein ablöschen und ungefähr 10 Minuten köcheln lassen. Den Safran hinzugeben. Das Mehl unterrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Füllung auskühlen lassen. Ein Drittel des Teigs für den Deckel abteilen und beiseitelegen. Den restlichen Teig 2 bis 4 Millimeter dick auswallen und in eine eingefettete Pasteten- oder Springform mit einem Durchmesser von ungefähr 16 Zentimetern geben. Einen etwa 7 Zentimeter hohen Rand stehen lassen. Die Füllung in die Form geben. Den Teigrand mit etwas Ei bestreichen. Den Teig für den Deckel auswallen und die Pastete damit zudecken, am Rand andrücken und zum Schluss mit einem Messer Schlitze in den Deckel schneiden. Zum Schluss mit Ei bestreichen. Während ungefähr 35 Minuten bei 200 Grad C im vorgeheizten Ofen backen. Guten Appetit! Übrigens: Wenn Sie nun Lust bekommen haben, die Fischpastete gleich in einem richtigen Lehm-Backofen auszuprobieren, dann lesen Sie im nächsten Beitrag, wie man einen einfachen spätmittelalterlichen Backofen baut. Anleitung und Tipps inklusive! Originalrezept: Ein essen von pastetten vischen So schup dy visch schon Und zeuch in ab dy Haut und hak sie Clein und kah petter Lein und saluey dor Ein und thu dor zu Pfeffer und ymber und Saffran und bereit es Alles mit wein und Mach eynnen dawmen Taigk und thu dy visch Dor ein und geuss den Umb und umb und Prich oben ein loch dor Ein und do fur closter Leim und la es pachen Literatur: Buck, Martin: "Zur Überlieferung der Konzilschronik Ulrich Richentals",in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters , Band 66.1, 2010, S. 93-108. Museum Aargau (Hg.): Von birn und mandelkern – Kochen nach mittelalterlichen Rezepten , Baden, 2019. Wacker, Gisela: Ulrich Richentals Chronik des Konstanzer Konzils und ihre Funktionalisierung im 15. Und 16. Jahrhundert. Aspekte zur Rekonstruktion der Urschrift und zu den Wirkungsabsichten der überlieferten Handschriften und Drucke , Dissertation, Kassel, 2002. Weitere Blogbeiträge 10. September 2022 So bauen Sie einen mittelalterlichen Backofen Auf Schloss Lenzburg wurde einen mittelalterlichen Backofen rekonstruiert. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie auch in Ihrem Garten… 07. April 2020 Kochvideo: Gebackene Zwiebeln – Rezept aus dem Mittelalter Kochen Sie gebackene Zwiebeln nach einem raffinierten Rezept aus dem Mittelalter. 23. Juni 2020 Kochvideo: Safran-Sahne-Torte – Rezept aus dem Mittelalter Im Kochvideo zeigen wir Ihnen, wie sie eine Safran-Sahne-Torte zubereiten – ein mittelalterliches Rezept aus der Sammlung "Two… Von Gabriela Gehrig Von Gabriela Gehrig Gabriela Gehrig leitet das Freiwilligenprogramm von Museum Aargau und ist als Geschichtsvermittlerin tätig. Als Historikerin interessiert sie sich besonders für Sozial- und Kostümgeschichte und schneidert wann immer möglich auch selber. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Mittelalter Kommentare

 
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Die Falknerei im Mittelalter - Blog von Museum Aargau

Zurück zum Blog 12. Mai 2022 Kategorien Schlossgeschichten Mittelalter Die Falknerei war ein beliebtes Hobby adeliger Männer im Mittelalter. Ihre europäische Blütezeit erlebte sie im Hochmittelalter. Aber war die Falknerei lediglich eine adelige Spielerei – oder doch eine durchdachte Wissenschaft? Die mittelalterliche Jagd war keineswegs nur reiner Zeitvertreib, sondern Symbol für Status, Macht und Männlichkeit. Stets den adeligen Männern vorbehalten, verkörperte das Jagen eine Tugend, welche die Beherrschung der Natur und die männliche Stärke in den Fokus stellte. Der Adelige Heinrich Hetzbold von Weißensee bei der Wildschweinjagd im Codex Manesse, erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. (Wikimedia Commons) Eine äusserst prestigeträchtige Ergänzung zur gängigen Jagdmethode mit Hunden stellte die Falknerei dar. Dabei handelt es sich sowohl um das Abrichten von Greifvögeln sowie auch die Jagd mit ihnen. Bei der sogenannten Beizjagd wurden nicht nur Tiere an Land, sondern auch Vögel in der Luft gejagt. Für mittelalterliche Verhältnisse eine Sensation! Bereits die Abrichtung der wilden Greifvögel stellte eine grosse Errungenschaft dar. Dass die Vögel anschliessend im Auftrag der Menschen andere Tiere jagten, war ein Inbegriff menschlicher Zähmung der Natur. Die Beizjadg wurde in die Reihe der höchsten Jagdkünste eingegliedert. Konradin, der Enkel Friedrichs II., bei der Beizjagd im Codex Manesse, erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. (Wikimedia Commons) Friedrich II.: Kaiser, Wissenschaftler und Falkner Der wohl berühmteste Falkner des Hochmittelalters war der Staufer Friedrich II., ein Enkel des famosen Kaisers Friedrich "Barbarossa". Friedrich II. war ebenfalls römisch-deutscher Kaiser und stand seinem Grossvater in nichts nach. Im Gegenteil! Er soll seine Zeitgenossen in grosses Stauen versetzt haben – sowohl im positiven als auch in negativen Sinne. Friedrich II. lebte den Grossteil seiner Zeit im heutigen Italien, damals Teil des römisch-deutschen Reiches. Er legte sich in seinem Leben gleich mit mehreren Päpsten an – was zweimal in einer Exkommunikation endete. Ein Skandal für einen Kaiser, dem die Kaiserwürde vom Papst verliehen wurde! Die Augustalis ("Die Kaiserliche") Friedrichs II. zeigt auf der Vorderseite den Kaiser selbst und auf der Hinterseite das staufische Wappentier: einen Adler. (Wikimedia commons) Nebst einem aufsehenerregenden Kaiser war Friedrich II. auch ein aktiver Förderer der Wissenschaft. Beispielsweise liess er viele arabische Gelehrte an seinem Hof in Palermo forschen und begünstigte so den wissenschaftlichen Austausch. Weiter gründete er die Universität Neapel. Nebst einem machtvollen Herrscher und Förderer der Wissenschaft war Friedrich II. auch ein äusserst passionierter Falkner. Diese Kombination aus Reichtum, wissenschaftlicher Begeisterung und Faszination für Vögel war wegweisend dafür, dass er zum berühmtesten Falkner des Hochmittelalters werden sollte. Friedrich II. mit seinem Falken im Falkenbuch, Manfred-Handschrift (Biblioteca Vaticana, Pal. lat 1071 zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts). (Wikimedia Commons) Wissenschaft im Mittelalter? Fragt man nach der Wissenschaft im Mittelalter, sollte man zwei Dinge bedenken: Die wissenschaftliche Ausbildung orientierte sich am antiken Vorbild der artes ("Künste"). Dabei bildete ein Kanon aus sieben freien Künsten (Grammatik, Rhetorik, Dialektik bzw. Logik sowie Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) das Grundgerüst der höheren Bildung, welche grösstenteils adeligen Männern und Klerikern vorbehalten war. Die wissenschaftliche Diskussion veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Im früheren Mittelalter stand die Wissenschaft fast ausschliesslich im Dienste eines besseren Verständnisses der Bibel. Im 12. Jahrhundert war ein Wandel spürbar: Wissenschaften differenzierten sich aus. Im Zuge dessen wurden vom 11. bis 13. Jahrhundert die ersten Universitäten in Europa gegründet. Von links nach rechts die sieben freien Künste: Geometrie, Logik, Arithmetik, Grammatik, Musik, Physik und Rhetorik. (Tübinger Hausbuch, Universitätsbibliothek Tübingen, ca. Mitte des 15. Jahrhunderts) (Wikimedia Commons) Friedrich II. und die Falknerei: Wissenschaft und Faszination Zu Lebzeiten Friedrichs II. befand sich die Wissenschaft also in einer Umbruchsphase. Daran knüpfte der Kaiser nicht nur an, sondern förderte den Umbruch auch aktiv: Er begann selbst eine intensive Studie der Falknerei und wurde zu einem Wissenschaftler. Vogelstudie im Falkenbuch: accipiter (Sperber). (Wikimedia Commons) Friedrich II. nahm sich vor, die Falknerei zu einer Kunst zu machen. So verfasste er zwischen 1241 und 1248 eine ausführliche vogelkundliche Schrift. Im Fokus der Schrift standen das Abrichten und die Jagd mit Greifvögeln: De arte venandi cum avibus ("Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen") – das Falkenbuch. Das Falkenbuch wurde bis weit in die Neuzeit zum Standardwerk für die Beizjagd. Dies liegt nicht zuletzt an der systematischen Vorgehensweise und der naturwissenschaftlichen Genauigkeit: Er arbeitete bereits mit empirischen Methoden und war vielen seiner Zeitgenossen weit voraus. Im Falkenbuch finden sich nebst Greifvögeln auch andere vogelkundliche Studien, hier: zu den Zugvögeln. (Wikimedia Commons) Die Handschrift des Falkenbuchs, welche uns heute überliefert ist, ist eine Kopie des Originals und wird Manfred-Handschrift genannt. Sie stammt von Manfred, einem illegitim-geborenen Sohn Friedrichs II., der mit seinem Vater die Leidenschaft für die Falknerei teilte. Das Manuskript enthält prachtvolle Bilder und weist diverse Anmerkungen von Manfred selbst auf. Abbildung Manfreds in der Manfred-Handschrift. (Wikimedia Commons) In Prolog seines Falkenbuches bezeichnet sich Friedrich II. als "Verfasser, Forscher und Liebhaber der Weisheit" ("Auctor est vir inquisitor et sapientie amator") . Sein Wissensgegenstand war die Vogelkunde – im Speziellen die Falknerei. Seine Forschungsabsicht umschreibt Friedrich II. wie folgt: "Wir beabsichtigen in diesem Werke über die Beize die Dinge, die so sind, wie sie sind, darzustellen und dem Range einer Kunst zu sichern, wovon keiner bisher Wissen besass und was noch keiner als Kunst angesehen hat." ( Quelle aus dem Lateinischen übersetzt ). Schlussendlich gelang es Friedrich II. seine Faszination für die Falknerei mit seiner Leidenschaft für die Wissenschaft zu vereinen: Er hob die Falknerei in den Rang einer Wissenschaft und verfasste ein fundiertes Werk, dessen Glanz noch heute spürbar ist. Die Abrichtung eines Greifvogels braucht Zeit und Geduld: Will der Vogel nicht zum Falkner, so muss der Falkner halt zum Vogel. Abbildung einer Übungseinheit im Falkenbuch. (Wikimedia Commons) Schon Gewusst? Der Gründungslegende der Habsburg zu Folge soll gar ein Greifvogel, genauer ein Habicht, die entscheidende Rolle gespielt haben. Was ein Greifvogel mit den Habsburgern verbindet In der ersten Hälft des 11. Jahrhunderts soll der Habicht des Grafen Radbot entflogen sein, woraufhin ihn sein Besitzer verzweifelt gesucht habe. Schliesslich war der Vogel nicht nur irgendein Vogel, sondern eine jahrelang abgerichtete Wertanlage! Der Habicht hingegen schien wenig beeindruckt und soll sich in aller Ruhe auf einem Hügel mit herrlicher Sicht niedergelassen haben. Ebenda, auf dem Wülpelsberg, soll ihn sein Besitzer schliesslich überglücklich wiedergefunden haben. Die Freude über den wiedergefundenen Vogel und die weitreichende Sicht von besagtem Hügel aus sollen Radbot dazu veranlasst haben, an dieser Stelle eine Burg zu bauen. Zu Ehren des Entdeckers, seinem Habicht, soll er sie "Habichtsburg" getauft haben – was im Verlaufe der Zeit zur "Habsburg" wurde". Weitere Blogbeiträge 21. Mai 2023 Das Einhorn als christliches Symboltier im Mittelalter Bis heute steht die Taube symbolisch für den heiligen Geist und das Lamm für Christus. Im Mittelalter gehörte aber auch das Einhorn zu den… 23. August 2023 Spielleute im Mittelalter Spielleute waren die Unterhaltungskünstlerinnen und -künstler des Mittelalters schlechthin. Kein Fest oder Jahrmarkt fand ohne sie statt.… 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? Von Valerie Lüthi Von Valerie Lüthi Valerie Lüthi ist Historikerin und Praktikantin im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schlossgeschichten Mittelalter Kommentare

 
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Heilkunde im Kloster

Zurück zum Blog 23. August 2022 Kategorie Klosterleben Seit jeher befassen sich Klöster mit Heilkunde, da die Fürsorge für die Armen und Kranken tief in ihrer Tradition verankert ist. Auch beim Kloster in Wettingen gibt es einen Medizinalgarten. Schon in der Regel des Heiligen Benedikt aus dem 6. Jahrhundert heisst es im Kapitel 36: «Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen». Die Krankenpflege sollte für Mönche und Nonnen eine wichtige Aufgabe sein. So entwickelte sich eine lange Weitergabe der Heilkräuter und Pflanzen. Hildegard von Bingen Als eine bekannte Pionierin auf diesem Gebiet ist die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098-1179). Ihre Leistung lag darin, dass sie das damalige Wissen über das Behandeln von Krankheiten mit Pflanzenauszügen (Tees und Extrakten) aus der griechisch-lateinischen Tradition mit der Volksmedizin zusammenbrachte. Von Bedeutung waren für sie die vier Elemente (Wasser, Feuer, Luft und Erde) und mit ihnen dem Leben aus einer ganzheitlichen Sicht zu begegnen. Auch von Wichtigkeit war die griechische Viersäfte-Lehre aus vorchristlicher Zeit, die besagt, dass die menschliche Gesundheit vom ausgewogenen Verhältnis seiner vier Körpersäfte (Blut, Schleim, gelbe Galle, schwarze Galle) abhängt. Dazu hat sie eine umfassende Lehre mit spezifischen Heilmitteln entwickelt, die heutzutage noch grosse Anerkennung findet. Ob Schlafprobleme, Rückenschmerzen, Magen- und Darmprobleme oder Kreislaufstörungen. Für alles gibt es laut Hildegard die passende Heilpflanze oder - Kraut. Die bekannte Pionierin Hildegard von Bingen (1098-1179). ©Wikimedia Medizinalgarten im Kloster Eine der Quellen zum Gartenbau im Mittelalter ist das Buch «Liber de cultura hortorum», das der Abt Walahfrid Strabo um das Jahr 840 geschrieben hat. Der Abt des Klosters Reichenau zählt darin in Versform 23 Heilpflanzen auf, die seiner Meinung nach in jeden Klostergarten, oder in den dafür vorgesehenen Kräutergarten gehören. Etwas später erweiterte Karl der Grosse die Liste und beschrieb diese in seiner Landgüterverordnung «capitulare de villis». Darin sind 90 Pflanzen genannt, die in einem Kräutergarten nicht fehlen dürfen. Das sind zum Beispiel Beifuss, Hanf, Ringelblume, Salbei, Heilzeist, Lavendel, Gänseblümchen, Minze, Brennnessel, Eibisch, Akelei, Kamille, Koriander, Knoblauch, Schwertlilie, Andorn, Rose, um nur einige zu nennen. Medizingarten, medizinisch-naturwissenschaftliche Sammelhandschrift M II 180, Elsass, 1438/1440, Universitätsbibliothek Salzburg Die Funktion des Gartens war Arzneipflanzen anzubauen, um so die klostereigene Drogerie zu füllen. Sie waren die Bestandteile für Salben, Tinkturen und Tees der sogenannten Phytotherapie. Obwohl aus heutiger Sicht die medizinische Erfahrung und Kenntnis über die Vorgänge im menschlichen Körper gering waren, haben die Mönche und Nonnen ein bedeutungsvolles Wissen über die Wirksamkeit von Heilpflanzen angeeignet und dieses über Jahrhunderte weitergegeben. Der Medizinalgarten im Kloster Wettingen Auch beim Kloster in Wettingen gibt es einen Medizinalgarten. In der langen Geschichte des Klosters wechselte dieser Garten mehrmals seine Lage. Auch die genaue Ausgestaltung des Gartens ist nicht bekannt. Die mittelalterlichen klösterlichen Kräutergärten befanden sich jedoch in der Regel in unmittelbarer Nähe zum Infirmarium, dem Krankentrakt. Dieser fand sich in Wettingen im östlichen an die Marienkapelle anschliessenden Gebäude. An diesem Standort wurde der heutige Garten, nach dem Vorbild des Kräutergartens im St. Galler Klosterplan sowie dem Hortulus von Walahfried Strabo und der Pflanzenliste von Karl dem Grossen, angelegt. Der Medizinalgarten vom Kloster Wettingen. Foto: Pascal Meier Die Heilpflanze Lavendel Die von Hildegard von Bingen beschriebenen pflanzlichen Heilkräuter und Heilpflanzen zeigen bis heute ihre Wirkung. Heutzutage reden wir von Alternativmedizin oder Komplementärmedizin. Beide beruhen auf Beobachtung, Erfahrung und dem Verwenden von natürlichen Heilmitteln, gewonnen aus sogenannten Heilkräutern. Dabei ist die Aromatherapie mit der Basis pflanzlicher Wirkstoffe sehr beliebt. Der Duft des Lavendels ist wohl einer der bekanntesten. Von Juni bis August verströmen seine Blüten ihren wohlriechenden Duft. Er riecht aromatisch und die Blütezeit ist von Juni bis August. Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) Lavendel hat auf unseren Körper und Geist eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung. Die wirksamen Inhaltsstoffe befinden sich in den Lavendelblüten. Daher werden diese nach der Blüte gewonnen und getrocknet. Praktisch und schnell gemacht sind die kleinen Lavendelkissen. Lavendelkissen selber herstellen Für das Lavendelkissen benötigt man zwei gleichgrosse Stücke Stoff. Es sollte ein Stoff sein, der luftdurchlässig ist, damit der Duft ausströmen kann und die Blüten atmen können. In diesem Beispiel ist das Lavendelkissen rechteckig. Man legt jeweils zwei Stücken Stoff aufeinander und näht die Ränder per Hand zusammen. Vergessen Sie dabei nicht eine Öffnung frei zu lassen, um das Kissen mit den Lavendelblüten zu füllen. Nach der Befüllung vernäht man die Öffnung und fertig ist das Lavendelkissen für die Aromatherapie. Selbstgemachtes Lavendelkissen. Foto: Emanuela Ring Literaturverzeichnis Allwang, Martin und Martina Melzer. Heilpflanzen: Wie sie wirken und uns helfen, gesund zu bleiben. Baierbrunn: Wort & Bild Verlag, 2020. Benedikt, Gernot Krapinger und P. Ulrich Faust. Die Benediktsregel: Lateinisch / Deutsch. Ditzingen: Reclam Verlag, 2018. Dettling, Angela. Der Klostergarten. S. 16-19. Hrsg.: Museum Aargau. In: Reiches Kloster. Reine Seelen. Museum Aargau, Kloster Königsfelden, 2012. Jahn, Ruth. Schweizer Naturapotheke: Sanft heilen mit bewährten Hausmitteln. Zürich: Ringier Axel Springer, 2007. Hauschild, Stephanie. Das Paradies auf Erden: die Gärten der Zisterzienser. Ostfildern: Thorbecke, 2007. Seite der Klostergärtnerei beim Kloster Wettingen über den Medizinalgarten. GEOlino, Mensch, Hildegard von Bingen: Geschäftsfrau im Mittelalter. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Mittelalterliche Handschriften in Österreich. Klostermedizin und deren Heilkräuter. Von Emanuela Ring Von Emanuela Ring Emanuela Ring ist Praktikantin in der Vermittlung beim Standort Klosterhalbinsel Wettingen. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

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Aussenansicht Kloster Königsfelden

Kloster Königsfelden

Erinnerungsort der Habsburger

Das Kloster Königsfelden ist international bekannt für seine Glasfenster aus dem Mittelalter. Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen erwecken die über 700-jährige Klosterkirche zu neuem Leben.

PLANEN SIE IHREN BESUCH

 
Produktion "Tor zum Paradies" Kloster Königsfelden: Mehrere Kinder liegen in Farben getaucht auf dem Boden der Klosterkirche.

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender  

 
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Luftaufnahme Kloster Königsfelden mit Windisch

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

 
Innenaufnahme Kloster Königsfelden; Blick in den Chor mit den berühmten Glasfenstern aus dem Mittelalter.

Berühmte
Glasfenster

Glasmalerei aus dem Mittelalter  

Tagesprogramm

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Dies läuft am Tag Ihres Besuches

Die berühmten Glasfenster vom Kloster Königsfelden werden mit Licht durchflutet
10:00 – 17:00 Uhr

Glasfenster-Tour

Wissenswertes zu den Glasfenstern mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
Innenaufnahme vom Kloster Königsfelden
10:00 – 17:00 Uhr

Baugeschichts-Tour

Wissenswertes zur Baugeschichte mit Königin Agnes und Baumeister Odo

Selbständiger Rundgang
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SCHULEN, FAMILIEN UND GRUPPEN

 
Besucher und Besucherinnen betrachten die berühmten Glasfenstern auf Kloster Königsfelden

Für
Schulen

Führung und selbständiger Workshop  

 
Audioguide-Gerät mit Kopfhörer, im Hintergrund in Unschärfe Schülerinnen und Schüler.

Für
Familien

Staunt über imposante Glasfenster  

 
Eine Gruppenführung im Kloster Königsfelden. Im Hintergrund die berühmten Glasfenster.

Für
Gruppen

Führung und selbständiger Rundgang  

FEIERN UND GENIESSEN

 
Eine Mutter mit fünf Kindern an einem Tisch im römischen Bistro Popina im Legionärspfad Vindonissa.

Essen und
Trinken

Bistro Legionärspfad Vindonissa  

 
Innenraum Kloster Königsfeld mit vielen Gästen, die sitzen. Vorne spricht ein Mann an einem Podium.

Klosterkirche
mieten

Kulturelle Anlässe und Diplomfeiern  

GESCHICHTE UND SAMMLUNG

 
Aussenaufnahme vom Kloster Königsfelden

Geschichte

Königsmord und Klostergründung  

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

Sammlung online

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