Museum Aargau

Eine feurige Geschichte – Kachelöfen auf Schloss Hallwyl

Zurück zum Blog 02. Juni 2026 Kategorien Mittelalter Schlossgeschichten Auf Schloss Hallwyl stehen heute acht verschiedene Kachelöfen, die uns alle eine Geschichte erzählen. Was hat der Ofen im Salon mit Fabelgeschichten zu tun und was verrät uns der Bauschutt aus dem Schlossgraben über frühere Öfen? Wenn man alle Kachelöfen auf Schloss Hallwyl sehen möchte, hat man einiges vor sich: Allein im vorderen Schloss sind heutzutage vier Öfen ausgestellt, im hinteren Schloss befinden sich nochmals vier. Damit ist die Tour aber noch nicht abgeschlossen, denn auch einzelne Kachelfunde verstecken sich in der Ausstellung. Ofenkacheln im Bauschutt Wir beginnen unseren Rundgang noch etwas abstrakt. Denn der älteste Ofen, der vermutlich im ursprünglichen Wohnturm stand, ist schon lange nicht mehr in seiner eigentlichen Form erhalten. Erst bei archäologischen Grabungen zwischen 1995 und 2003 hat man Bauschutt gefunden, in dem sich Kacheln befanden. Diese Kacheln sehen aber ganz anders aus, als wir es uns gewohnt sind. Es handelt sich nämlich um einfache Tonbecher. Die Becher wurden in die Ofenkuppel eingesetzt, um das Gewicht der Konstruktion zu verringern und die Wärme besser zu speichern. Eine solche mittelalterliche Konstruktion bezeichnet man als Gupfofen. Rekonstruktion eines Gupfofens auf Schloss Lenzburg. © Museum Aargau Schon ab dem 13. Jahrhundert liessen die Schlossherren verschiedene Kachelöfen einbauen und vermutlich auch immer wieder umbauen und ersetzen. Davon erzählen unzählige Kacheln, die man bei Ausgrabungen gefunden hat. Die meisten Kacheln sind grün glasiert und teilweise in ausgefallenen Formen gestaltet. Einen solchen Fund kann man beispielsweise in einer Truhe im hinteren Schloss besichtigen. Diese Kachel zeigt eine Frau in höfischer Tracht über einem Jäger mit Lanze. Reliefierte Kranzkachel, Schloss Hallwyl. © Museum Aargau Regionale Handwerkskunst auf Schloss Hallwyl Für die nächste Station bleiben wir gleich im hinteren Schloss. Hier steht nämlich auch die älteste erhaltene Komplettkomposition eines Ofens. Dieser grüne Turmofen stammt aus dem Jahr 1612 und wurde von Hans Jörg Sinlinger aus Aarau gebaut. Um den Ofen abzustufen und ein Türmchen aufzusetzen, musste Sinlinger verschieden Kachelformen kunstvoll zusammensetzen und aneinander anpassen. Auch die Verzierungen, welche mit einer Schablone übertragen wurden, musste er genau an die benachbarten Kacheln anpassen. Auf der Frontseite des Ofens prangen die Wappen der Auftragsgeber: Hartmann von Hallwyl und Anna von Ulm. Turmofen auf Schloss Hallwyl. © Museum Aargau Unser Rundgang führt uns weiter ins vordere Schloss. Hier stechen sofort die zwei grösseren Kachelöfen ins Auge und man merkt, dass sie ganz anders gestaltet sind: Blaue Malereien verzieren die weiss grundierten Kacheln. Im Unterschied zum hinteren Schloss erwärmten hier die Öfen einst nicht nur die Zimmer, sie schmückten auch die Innenräume. Das ist insbesondere beim Fayence-Ofen im Salon spürbar. Statt Ornamente und Wappen der Familienmitglieder zeigen uns die einzelnen Kacheln verschiedene Szenen aus Fabeln: In einer romantischen Landschaft sehen wir Hund und Katze, Fuchs und Löwe, Schwan und Reiher, Hase und Pferd und vieles mehr. Beide Steckborner Fayence-Öfen wurden 1865 von Hans von Hallwyl als Antiquität in Baden gekauft. Zu dieser Zeit galt Steckborn als absolute Metropole der Kachelofenproduktion. Hans von Hallwyl erwarb also ein der Zeit entsprechendes Luxusgut. Dass der Ofen im Salon mit Fabelmotiven verziert sind, dürfte ebenfalls kein Zufall sein. Hans' Vater Theodor von Hallwyl beschäftigte sich nämlich ausführlich mit Fabeln. In seinem Werk La morale chrétienne sammelte er circa 400 Fabeln und verfasste einen eigenständigen Kommentar dazu. Eigentlich wollte er diese Fabelsammlung für die Erziehung seiner Söhne Hans und Walther verwenden, allerdings veröffentlichte er das Buch erst 1865. Beide Söhne waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Studium, dennoch dürfte es kein Zufall sein, dass Hans die beiden Öfen im gleichen Jahr kaufte, wie das Buch seines Vaters gedruckt wurde. Es ist sehr gut möglich, dass Theodor seinen Söhnen bereits vor dem Druck Fabeln erzählte und Hans somit mit den auf dem Ofen abgebildeten Geschichten aufgewachsen ist. Salon im vorderen Schloss, Schloss Hallwyl. © Museum Aargau Fazit Die Ausstellung im Schloss Hallwyl hat uns anhand einzelner Kachelfunde und ganzer Kachelöfen fast durch die ganze Geschichte des Schlosses geführt. Wer sich jetzt noch weiter für das Feuer im Schloss interessiert, hat aber noch einiges zu erforschen. Wer entdeckt, wo die Öfen befeuert wurden? Wie sehen die restlichen fünf Öfen aus? Und welche Ofenbank ist wohl die bequemste? NÄCHSTE VERANSTALTUNG Saison 2026 Ateliernachmittag: Kacheln bemalen Kunstvolle Kacheln gestalten und Kachelöfen im Schloss entdecken Weitere Blogbeiträge 03. März 2025 Vom Adelssitz zum Museum: Schloss Hallwyl und Wilhelminas Vermächtnis Dass Schloss Hallwyl archäologisch erforscht und für die Öffentlichkeit zugänglich ist, verdanken wir Wilhelmina. Doch wer war diese Frau?… 10. September 2022 So bauen Sie einen mittelalterlichen Backofen Auf Schloss Lenzburg wurde einen mittelalterlichen Backofen rekonstruiert. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie auch in Ihrem Garten… 21. August 2020 Der Lastkahn aus dem Wassergraben von Schloss Hallwyl Der Weidling aus dem 16. Jahrhundert ist vor langer Zeit im Schlossgraben gesunken. Heute ist das Schiff in einem Nebengebäude des Schlosses… Von Simon Frederik Piringer Von Simon Frederik Piringer Simon Frederik Piringer ist Praktikant Geschichtsvermittlung & Freiwilligenprogramm. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Schlossgeschichten Kommentare

 
Schloss Lenzburg

Kindermuseum

Kindermuseum und PLIRRK Preis Museumseintritt Öffnungszeiten Bastelbereich Dienstag bis Sonntag: 10.00 Uhr bis 16.30 Uhr Hinweis Kinder müssen beaufsichtigt werden. Geheime Ecken entdecken! Kindermuseum Im Dachstock von Schloss Lenzburg ist das Kindermuseum untergebracht. Hier dreht sich alles ums Mittelalter: Kinder können nach Lust und Laune spielen, sich verkleiden und basteln. Das grosse Spielschloss, das Turmzimmer und die Mittelalterküche laden zum Rollenspiel ein. Begleitpersonen stehen Bilder- und Vorlesebücher zur Verfügung. Kinderausstellung PLIRRK! In der Kinderausstellung PLIRRK! tauchen Mädchen und Buben in die Welt der Entdecker ein. Vom letzten Bewohner der Lenzburg, dem Polarforscher Lincoln Ellsworth, erfahren sie, welche Strapazen er 1925 auf seiner Nordpolexpedition auf sich nehmen musste. Sie lernen, was auf hoher See gegen Vitaminmangel hilft und wie es sich auf dem offenen Meer navigiert. Die Ausstellung PLIRRK! ist von Kindern für Kinder gemacht. Der Verein " Freunde der Lenzburg " hat diese finanziell unterstützt. Kindermuseum auf Schloss Lenzburg: Basteln, spielen und geheime Ecken entdecken!

 
Museum Aargau

Quiz: Wie gut kennt ihr Gladiatoren?

Zurück zum Blog 19. Mai 2026 Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Quiz & Spiele Römerzeit Testen Sie in diesem Quiz Ihr Wissen über die Gladiatoren im alten Rom. Wie gut kennen Sie die Geschichte der Gladiatorenspiele im Römischen Reich? Testen Sie Ihr Wissen mit dem folgenden Quiz. Quiz: Gladiatoren im alten Rom Testet euer Wissen über die Gladiatoren im alten Rom. :crossed_swords: Was ist kein Gladiatorentyp? Wie wurden die Gladiatoren ausgebildet? Was bedeutete es, wenn einem Gladiator ein Holzstab (lat. rudis ) überreicht wurde? Womit zeigten die Römerinnen und Römer gerne ihre Bewunderung für einen Gladiator? Gab es weibliche Gladiatoren? Wie viele Amphitheater sind heute bekannt? Welche Waffe wurde dem Retiarius in gewissen Fällen zusätzlich erlaubt? Welcher römische Kaiser ist für seine Leidenschaft für Gladiatorenkämpfen bekannt? Ihr braucht ein Gladiatoren-Training! Wir empfehlen euch unbedingt einen Besuch im Legionärspfad Vindonissa, damit ihr euer Wissen über das Römische Reich festigt! :classical_building: Unser Tipp: Erlebt am Römertag Vindonissa dramatische Gladiatorenkämpfe live: Im Amphitheater Windisch kämpfen Gladiatoren am 12. Juni 2022 im Jubel der Zuschauermenge um Ruhm und Ehre – ein antikes Spektakel vor historischer Kulisse! :point_right: Erfahrt mehr über den Römertag Vindonissa 2022 Lust auf monatliche News und Verlosungen? Weltklasse! Euer Wissen über die Gladiatoren ist beindrückend! :raised_hands: Seid ihr Archäologinnen bzw. Archäologen? Unser Ausflugstipp für alle Gladiatoren-Fans: Erlebt am Römertag Vindonissa dramatische Gladiatorenkämpfe live: Im Amphitheater Windisch kämpfen eindrückliche Gladiatoren am 12. Juni 2022 im Jubel der Zuschauermenge um Ruhm und Ehre – ein antikes Spektakel vor historischer Kulisse! :point_right: Erfahrt mehr über den Römertag Vindonissa 2022 Lust auf monatliche News und Verlosungen? Weitere Quiz 20. Februar 2024 Quiz zur römischen Mythologie Testen Sie Ihr Mythologie-Wissen in diesem Quiz! 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? 04. Oktober 2022 Quiz: Was wissen Sie über den Alltag der Legionäre? Waren Sie vielleicht im früheren Leben Legionär? Testen Sie in diesem Quiz Ihr Wissen über den Alltag der Legionäre im alten Rom. Von Tabea Edelmann Von Tabea Edelmann Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Quiz & Spiele Römerzeit Kommentare

 
Museum Aargau

Das (Fladen-)Brot des römischen Legionärs – Rezept

Zurück zum Blog 23. März 2022 Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Panis militaris gehörte zur alltäglichen Kost des miles gregarius , des einfachen römischen Soldaten. Der Legionär und passionierte Bäcker Marius Norbanius Cunniculus aus Vindonissa verrät uns sein Rezept für das perfekte Fladenbrot. Wie jeder Legionär in Vindonissa erhält auch Marius pro Tag eine Ration von ca. 1kg Getreide – Dinkel, Gerste oder Hirse sind möglich. Dieses Korn muss er zunächst in seiner Handmühle, mola manuaria , verschroten. Mit dem entstandenen Schrot oder Mehl kann er anschliessend die beiden Grundspeisen der Legionäre kochen: Eine Art Getreidebrei, puls genannt, oder das militärische Fladenbrot, das panis militaris . Letzteres ist nahrhaft, schmackhaft und kann um einiges länger aufbewahrt werden als Brei. Marius zeigt uns, wie es geht. Zutaten (für ca. 10 Fladenbrote) 1kg Vollkornmehl Ca. 5 dl Wasser Etwas Salz; die Legionäre benutzten auch Fischsauce, garum , als Salzersatz – alternativ kann heute Fischsauce aus dem Asia-Laden verwendet werden Zubereitung 1. Mehl, Wasser und Salz / Fischsauce zu einem Teig vermischen. 2. Teig zu handtellergrossen Fladen formen, ca. 1 cm dick. 3. Fladen in einer Tonform aufs Feuer stellen und pro Seite ca. 6 Minuten backen, bis sie "hohl" tönen und auf beiden Seiten knusprig braun gebacken sind. 4. Geniessen – Bene sapiat (Guten Appetit)! Ein abschliessender Tipp: Das panis militaris kann ein zweites Mal gebacken werden und wird so zum langhaltbaren Marschproviant. Es handelt sich folglich um die römische Variante des uns heute bekannten "Zwiebacks". Von Tabea Edelmann Von Tabea Edelmann Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Kommentare

 
Museum Aargau

Memory-Spiel: Die Aargauer Möbelindustrie

Zurück zum Blog 09. Juni 2026 Kategorien 20./21. Jh. Quiz & Spiele Die Aargauer Möbelindustrie hat eine spannende und stille Erfolgsstory. In unserem Memory-Spiel treffen Sie auf Möbelklassiker aus dem Aargau. Finden Sie alle Paare? NEUERSCHEINUNG Neue Publikation: Möbelindustrie und -handel seit 1870 Online bestellen Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Quiz & Spiele Kommentare

 
Schloss Habsburg

Schloss Habsburg virtuell

Virtueller Rundflug mit VR-Brille Preis Kostenlos Dauer ca. 20 Minuten Reservation erforderlich Buchen Sie Ihr Zeitfenster bequem online (pro Brille sind zwei Personen möglich). Hinweis Die VR-Brillen stehen zwischen April und Oktober im Gästezentrum zur Verfügung. Fliegen Sie über die Habsburg von anno 1200! Starten Sie mit einer VR-Brille einen abenteuerlichen 360-Grad-Rundflug über Schloss Habsburg um das Jahr 1200. Blicken Sie aus der Vogelperspektive auf die Burg und seien Sie mittendrin in der Welt der Habsburger des 13. Jahrhunderts! Schloss Habsburg virtuell: Fliegen Sie mit der VR-Brille über die Habsburg von anno 1200!

 
Klosterhalbinsel Wettingen

Führungen und Workshop für Gruppen

Museum Aargau bietet für Gruppen buchbare Führungen, einen Heilkräuter-Workshop sowie eine knifflige Rätseltour durch die Klosterhalbinsel Wettingen an. Schwerpunkte sind das Klosterleben von damals sowie die Themen Glaube, Macht und Wissen. Tauchen Sie auf einer Gruppenführung oder im Workshop in das Leben des (spätmittelalterlichen) Zisterzienserordens ein – und erleben Sie auf der idyllischen Klosterhalbinsel die Geschichte des Klosters und seiner Gärten bis in die Gegenwart. Die Führungen sind teilweise auch in anderen Sprachen buchbar (auf Anfrage). Vergünstigungen für Gruppen Gedruckte Broschüren für Gruppen bestellen Kontakt Beratung & Verkauf +41 (0)848 871 200 E-Mail senden Telefonische Erreichbarkeit Dienstag bis Freitag 9-12 Uhr / 13-16:30 Uhr November bis März nur vormittags WEITERE ANGEBOTE UND TIPPS Foxtrail "Stella" Fuchsjagd über die Klosterhalbinsel Restaurants Essen und Trinken Räume mieten Feiern und tagen Download Broschüre "Angebote für Gruppen" Impressionen

 
Sammlungszentrum Egliswil

Formular Leihgesuch einreichen

Kontakt Gesuchstellende Institution Funktion/Position Vorname * Nachname * Adresse * PLZ * Ort * E-Mail Adresse * Telefon Verwendungszweck und Leihobjekte Titel der geplanten Ausstellung * Ausstellungsort * Ausleihe ab * Ausleihe bis * Gewünschte Leihobjekte (wenn möglich mit Inventarnummer) Benötige Dokumente Facility Report (Klima-, Licht- und Sicherheitsangaben am Ausstellungsort) (*.doc, *.docx, *.pdf, *.xls*, *.xlsx) Weitere Dokumente (*.doc, *.docx, *.pdf, *.xls*, *.xlsx) (*.doc, *.docx, *.pdf, *.xls*, *.xlsx) (*.doc, *.docx, *.pdf, *.xls*, *.xlsx) Bemerkungen Ich möchte den E-Mail-Newsletter abonnieren für: Erwachsene (1x monatlich) Familien (3x jährlich) Lehrpersonen (3x jährlich) Absenden

 
Sammlungszentrum Egliswil

Formular Reproduktionsanfrage einreichen

Kontakt Anfragestellende Institution Funktion/Position Vorname * Nachname * Adresse * PLZ * Ort * E-Mail Adresse * Telefon Gewünschte Objekte * Nutzungszweck * Bemerkungen Ich möchte den E-Mail-Newsletter abonnieren für: Erwachsene (1x monatlich) Familien (3x jährlich) Lehrpersonen (3x jährlich) Absenden

 
Museum Aargau

Das römische Bad: Wellness- und Freizeitzentrum der Antike

Zurück zum Blog 02. Oktober 2023 Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Das römische Bad war eine Wellness-Oase für Geist und Körper. Viele Römerinnen und Römer verbrachten ihre Freizeit mit Vorliebe in den öffentlichen Bädern, wo es weit mehr zu erleben und geniessen gab, als nur das Baden selbst. Die meisten Römerinnen und Römer besuchten täglich eines der nahegelegenen Bäder. Baden und Körperpflege waren im Allgemeinen bei den Römern sehr beliebt. Hinzu kam, dass die Bäder und Thermen für alle Gäste erschwinglich waren, meistens waren sie sogar kostenlos. So konnte sich jeder für ein paar Stunden das Gefühl von Luxus leisten, egal aus welcher gesellschaftlichen Schicht er oder sie kam. Die meisten Bäder waren üppig mit Statuen, Mosaiken, Deckenschmuck und Säulen ausgestattet und bildeten allein dadurch eine Oase für Körper und Geist. Aufbau und Nutzung der römischen Bäder Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen thermae , den grossen imperialen Badeanstalten und balneae den kleineren privaten oder öffentlichen Bädern, die man überall im Römischen Reich in grosser Zahl vorfand. Der Aufbau der Bäder und Thermen war aber immer mehr oder weniger gleich. Heiss, warm, kalt, so lautete die medizinische Formel, die beim Baden eingehalten werden sollte. Man geht davon aus, dass daher die meisten Gäste nach den Garderoben direkt im caldarium (Wärmebad) starteten, von da aus ins tepidarium (eine lauwarme Zone) und schliesslich ins frigidarium (Kältebad) gingen. Einige Bäder besassen zudem noch ein laconicum oder sudatorium , ein Schwitzbad mit trockener Hitze ohne Becken, das durch einen Holzkohleofen beheizt wurde und deshalb noch einmal um einiges heißer wurde als das caldarium. Öffentliches Bad der Zivilsiedlung von Vindonissa, Fotografie: Römische Schauplätze "Bad-Balneum" im Legionärspfad Vindonissa, © Museum Aargau Hitze im caldarium Direkt am Boden war die Temperatur im caldarium am höchsten, nämlich ungefähr 50 – 60 Grad Celsius. Daher trugen die Besuchenden dort Holzpantoffeln oder Sandalen. Das caldarium war mit Heisswasserwannen ausgestattet, in denen man badete. Alternativ konnte man sich auch auf Stufen sitzend mit heissem Wasser übergiessen lassen. Gegenüber den Heisswasserwannen gab es Waschbecken mit kaltem Wasser, an denen sich die Badenden abkühlen konnten. Erholung im frigidarium Das frigidarium war der grösste Raum der Bäder und Thermen. Daher wird es als Hauptaufenthaltsraum interpretiert. Es war mit Kaltwasserbädern ausgestattet und diente vor allem der Revitalisierung nach einem längeren Aufenthalt im caldarium. Schönheitspflege im tepidarium Gab es in einem Bad keinen gesonderten Salbenraum – ein sogenanntes unctuarium – diente das tepidarium als solcher. Dort liess man sich mit allerlei wohlriechenden Salben und Ölen einreiben und massieren. Das Salben und Ölen diente dazu, die Haut nach dem Baden wieder geschmeidig zu machen. Mit Hilfe eines strigilis , einem Schabeisen, wurde das Öl, Schmutz und Schweiss – beispielsweise nach dem Sport – wieder von der Haut abgeschabt. Der Besuch in den Bädern und Thermen wurde ausserdem zur Entfernung sämtlicher Körperhaare genutzt. Dies geschah zum Beispiel mit einer Pinzette und war entsprechend schmerzhaft. Das Enthaaren entsprach aber dem aktuellen Schönheitsideal, sowohl für Frauen als auch für Männer, der Schmerz wurde deshalb gern in Kauf genommen. In sogenannten Balsamarien wurden unter anderem Öle zur Hautpflege aufbewahrt, Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau Wassertherapie und medizinische Versorgung in Heilbädern Wer sich noch intensiver behandeln lassen wollte, fand in den Heilbädern sogenannte "Balneologen" vor. Diese hatten sich auf die Behandlung und Vorbeugung diverser Leiden durch Wasseranwendungen, also mit heissem respektive kaltem Wasser, spezialisiert. Es gibt allerdings auch Hinweise dafür, dass diese Ärzte in den Bädern zudem auch für allgemeine medizinische Betreuung sorgten. In einem Nebenraum der Xantener Therme wurde beispielsweise ein Chirurgen-Besteck gefunden. Dieser Fund könnte auf einen Operationsraum in den Thermen hinweisen. Tatsächlich gehen Wissenschaftler davon aus, dass Bäder und Thermen besonders geeignete Stätten für Ärzte aller Fachrichtungen gewesen sein mussten. Chirurgen-Besteck wie dieses wurde in den Xantener Thermen gefunden, Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau, © Kanton Aargau Freizeitangebote in den Römischen Bädern Neben dem eigentlichen Baden und der Körperpflege gab es in den Bädern und Thermen des römischen Reichs ebenfalls ein vielseitiges Freizeitangebot. Dass einige sich aber auch an dem fröhlichen Treiben in den Bädern störten, ist aus der Beschwerde des Philosophen Seneca bekannt. Er klagt beispielsweise über das laute Stöhnen der "Kraftprotze" während sie ihre "mit Blei beschwerten Hände" schwingen. Auch das Ballspiel anderer Badbesucher stösst ihm unangenehm auf. Fitness in der palaestrae Sport wurde in vielen Bädern und Thermen grossgeschrieben. Sportplätze, sogenannte palaestrae , und Gymnastikhallen standen für alle Fitnessbegeisterten bereit. Neben dem sehr populären Ballspiel konnte man auch Weit- und Hochsprung, Diskuswerfen und Fünfkampf trainieren. Mosaik der Mädchen im Bikini in der Villa del Casale (Sizilien). © Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5), User: Waterborough. Parks und Bibliotheken Weniger Sportbegeisterte konnten in den dazugehörigen Parks spazieren gehen und sich mit alten oder neuen Bekannten unterhalten. In manchen Bädern und Thermen konnten sogar Bibliotheken nachgewiesen werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass diese keine Ausnahme darstellten. In diesen Bibliotheken konnte man sich etwas vorlesen lassen, philosophische Diskussionen führen oder sogar Musik geniessen. Kulinarik Auch für Verpflegung war gesorgt. Speise- und Getränkeverkäuferinnen und Verkäufer bevölkerten die Baderäume und priesen lautstark Würstchen, Gebäck und Wein an. Etwas gehobenere Restaurants gab es oftmals ebenfalls innerhalb der Bade- und Thermenanlagen, oder ansonsten ganz in der Nähe. Römische Bäder und Thermen waren kurz gesagt Wellness- und Kosmetiksalons, Kommunikations- und Freizeitzentren mit vielseitigem Angebot und Orte sozialer Kontakte. Man kam ungezwungen mit anderen Besuchenden ins Gespräch, liess sowohl Körper als auch Geist verwöhnen und verbrachte unbeschwert ein paar Stunden in purem Luxus und Genuss. Das "Baden" war so zusagen für die Römer der Inbegriff von Lebensqualität. Weitere Blogbeiträge 04. Oktober 2022 Quiz: Was wissen Sie über den Alltag der Legionäre? Waren Sie vielleicht im früheren Leben Legionär? Testen Sie in diesem Quiz Ihr Wissen über den Alltag der Legionäre im alten Rom. 20. Februar 2024 Quiz zur römischen Mythologie Testen Sie Ihr Mythologie-Wissen in diesem Quiz! 08. Oktober 2021 Mulsum – so haben sich die Römer den Wein versüsst Schon zur Zeit der Römer wurde der Wein als Genussmittel geschätzt. Eine besondere Zubereitungsart war der mulsum , eine Art Honigwein. Im… Von Alisha Keller Von Alisha Keller Alisha Keller war 2023 Praktikantin in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Kommentare

Gradian
Luftaufnahme vom Schloss Habsburg von Michel Jaussi

Schloss Habsburg

Stammschloss der Habsburger

Auf Schloss Habsburg wurde um 1030 der Grundstein der Habsburger-Dynastie gelegt. Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen zeigen die Geschichte der sagenumwobenen Burg und deren Adelsfamilie.

PLANEN SIE IHREN BESUCH

 
Verkleideter Museumsführer erzählt im Esstheater den dinierenden Gästen Anekdoten auf Schloss Habsburg

Vier
Highlights

Das dürfen Sie nicht verpassen  

 
Mädchen bastelt am Familiensonntag am Schloss Habsburg

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender Museum Aargau  

 
Besucher in der Dauerausstellung Schloss Habsburg

Ausstellungen
und Rundgänge

Erleben Sie die Burg  

 
Eine mittelalterlich gekleidete Magd steht im Tor von Schloss Habsburg und winkt hinein..

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Schloss Habsburg ist ganzjährig geöffnet  

 
Wanderer auf dem Weg zum Schloss Habsburg

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

Angebot wählen
  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
Geeignet für
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher

Schulen, Familien und Gruppen

 
Eine Schulklasse sitzt im Kreis im Innern von Schloss Habsburg; am Boden liegen Blätter mit Texten.

Für
Schulen

Buchbare Führungen und Workshops  

 
Zwei Schüler unter dem Dach von Schloss Habsburg; ein Bub blickt durch ein Fernrohr ins Weite.

Für
Familien

Geheime Ecken und Königsweg  

 
Verkleideter Museumsführer erzählt im Esstheater den dinierenden Gästen am Esstisch Anekdoten auf Schloss Habsburg

Für
Gruppen

Buchbare Führungen und Esstheater  

FEIERN UND GENIESSEN

 
Gotische Stube Schloss Habsburg: Rustikaler Raum mit viel Holz und schön gedeckten Tischen.

Essen und
Trinken

Schlossrestaurant Habsburg  

 
Ein Hochzeitspaar auf Schloss Habsburg: Ein Mann und eine Frau schreitet durch spalierstehende Gäste. Seifenblasen fliegen in der Luft.

Räume
mieten

Feiern und tagen auf dem Schloss  

GESCHICHTE UND SAMMLUNG

 
Virtuelles Schloss Habsburg

Geschichte

Der Aufstieg zur Weltmacht  

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

Sammlung online

Objekte digital entdecken  

Impressionen

Aussenaufnahme mit mächtigen Wolken über Schloss Habsburg
Besucher in der Dauerausstellung Schloss Habsburg
Mädchen bastelt am Familiensonntag am Schloss Habsburg
Verkleideter Museumsführer erzählt im Esstheater den dinierenden Gästen Anekdoten auf Schloss Habsburg
Besucherinnen und Besucher auf dem Königsweg mit dem Schloss Habsburg im Hintergrund
Eine als Kaiserin Sisi gekleidete Museumsführerin führt eine Gruppe Besucherinnen und Besucher durch das Schloss Habsburg.