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Licht ins Dunkel: Das farbige Mittelalter

Zurück zum Blog 08. Juli 2026 Kategorien Mittelalter Historische Kleidung Trug man im Mittelalter nur graue und braune Kleidung? Weit gefehlt! Eine Hommage an die Farbigkeit dieser Epoche. Das Klischee des "dunklen Mittelalters" hält sich in der breiten Bevölkerung und in der medialen Kultur hartnäckig – zum Frust von Historikerinnen und Historikern sowie anderen, welche sich mit dieser Epoche differenzierter auseinandersetzen. Wenn man im alltäglichen Kontext etwas als "mittelalterlich" bezeichnet, ist dies negativ geprägt und soll "rückständig" ausdrücken. Allerdings war das Mittelalter aufgeklärter, heller und bunter, als es die heutige kollektive Vorstellung vermuten lässt. "Das Mittelalter" wird in Film und Fernsehen gerne mit einem Graufilter porträtiert, um die Erwartungen des fälschlich geprägten Publikums zu erfüllen. Auch angeblich "historische" Dokumentationen zeigen Personen in einer gleichmässigen Einheit dunkler, fader und teils auch verdreckter Kleidung dargestellt. Das Mittelalter war jedoch genauso vielfältig wie jede andere Epoche, was Farbigkeit anging. Von wunderschön illuminierten Handschriften über Glasfenster bis hin zu Schmuckstücken, Keramik und eben auch: Kleidung ! Geschichte der Textilfärberei Entgegen den klischierten Vorstellungen trugen die Menschen aller mittelalterlichen Stände definitiv Farbe. So konnten Blau, Hellgrün, Gelb und Rot aus günstigen Färbemitteln gefärbt werden. Allerdings markierten Färbegrad und Färbemittel einen Unterschied im sozialen Status – aber dazu weiter unten mehr. Synthetische Farbstoffe wurden erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Bis dahin färbte man Textilien mit natürlichen Farbstoffen aus Pflanzen (Wurzeln, Blättern, Rinden, Hölzern, Blütenteilen, Samen) sowie aus Tieren und Metallen. Textilien wurden bereits in der Jungsteinzeit gefärbt und das Wissen über das Färben von Textilien war insbesondere in China, Persien, Syrien und Ägypten präsent und verbreitet. In unseren Breitengraden färbten bereits die europäischen Pfahlbauer ihre Kleidung. In der Antike beizte man die Textilien mit Alaun, Eisen- und Kupfervitriol. Beizen bedeutet, dass die Farbintensität gefestigt und vertieft wurde. Funde von Alaun-Amphoren in Augusta Raurica zeugen davon, dass dieser Rohstoff in die heutige Schweiz gehandelt wurde. Gefärbt wurden Fasern und Stoffe aus Wolle, Leinen und Seide, wobei Leinen nicht so farbintensiv wie die anderen beiden pflanzlich gefärbt werden kann. Färbemittel In Europa wurden für die drei Grundfarben hauptsächlich folgende Pflanzen verwendet: Blau: Waid (Isatis tinctoria), aus den Blättern Rot: Krapp ( Rubia tinctorum) , aus dem Wurzelstock Gelb: Wau/Reseda ( Reseda luteola) , aus den oberen Pflanzenteilen, besonders den blühenden Ästen Der Anbau von Färberpflanzen machte die jeweiligen Ortschaften reich, so zum Beispiel die Stadt Erfurt in Thüringen, welche sich zum Zentrum des mittelalterlichen Waidhandels etabliert hatte ("Erfurter Blau"). Das Elsass in Frankreich und die Stadt Speyer in Deutschland waren berühmte Orte für den Krappanbau und -handel (bspw. "Speyerer Rot"). Für Gelb verwendete man neben Wau auch Färberkamille, Zwiebelschalen und wertvollen Safran. Indigo als blaues Pigment war bekannt, musste aber teuer importiert werden. Mit Indigo gefärbte Stoffe waren entsprechend wertvoll. Erst im ausgehenden 16. Jahrhundert, als die aus Indien stammende Indigopflanze in der Karibik kultiviert wurde, löste das stärker und leuchtender färbende Indigo den Waid ab. Färberwaid, Färberkrapp (Wurzeln) und Färberwau, Wikimedia commons. Noch teurer als Indigo war Purpur. Für ein Gramm Purpurfarbstoff benötigt man 10 000 Purpurschnecken. Bis ins 15. Jahrhundert wurde dies nur in Konstantinopel hergestellt und war den Kaisern vorbehalten. Senatoren markierten ihren Status ebenfalls mit purpurnen Streifen an ihren Togae . Nachdem Konstantinopel 1453 erobert wurde und das Byzantinische Reich zerfiel, verschwand das Wissen zur Herstellung von Purpur. Es wurde durch das sogenannte Kermesrot ersetzt, das aus weiblichen Kermesschildläusen gewonnen wurde. Dieses wurde wiederum im 16. Jahrhundert durch die aus Amerika eingeführte Cochenille-Schildlaus abgelöst. Damit können intensivste Pinkfärbungen erzeugt werden. Je nach Seltenheit und Aufwand ergibt sich der Wert einer Farbe – Textilien sollten möglichst lichtecht und waschfest gefärbt sein. Diese Qualität in den Textilien erlaubt es auch den «Gutbetuchteren», ihren Reichtum und ihren Stand über die Farbe und Qualität ihrer Kleidung zu demonstrieren. Je höher die Sättigung einer Farbe, desto teurer also der Stoff. Mehrfachfärbungen waren ebenfalls teurer. Alle Stoffe gefärbt von Stefan Fankhauser, Schönfärbery. Je dunkler der Farbton, desto öfter wurde ein Stoff gefärbt und ist dadurch teurer. Identität und Repräsentation: Kleiderordnungen "Kleider machen Leute" und wie heute versuchten Menschen sich auch im Mittelalter mittels Mode schick zu machen. Der Ausdruck des sozialen Status in der ständischen, mittelalterlichen Gesellschaft über die äussere Erscheinung wurde zum Missfallen der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit auch überstrapaziert. Um den Ausdruck über Äusserlichkeiten, also auch über die Qualität der Farbigkeit von Textilien zu regeln, wurden die sogenannten Kleiderordnungen erlassen. Ab dem 12. Jahrhundert versuchte die Obrigkeit, die Vermischung der Grenzen zwischen den Ständen durch sogenannte Sittenmandate zu kontrollieren und einzudämmen. Sittenmandate regelten die maximal zulässige "Aufwändigkeit" an Kleidung. Dies galt nicht nur zwischen den Ständen, sondern auch zwischen den Geschlechtern. Die Zürcher Kleiderordnung aus dem 14. Jahrhundert gab vor, dass nur junge, unverheiratete Frauen ihre Kleidung mit Edelmetallen und Edelsteinen schmücken durften, verheiratete und verwitwete jedoch nicht. Burgundische Mode. Regnault de Montauban, rédaction en prose, tome 1er. Bibliothèque nationale de France, Bibliothèque de l’Arsenal, Ms-5072, fol. 270v, 2, Hälfte 15. Jahrhundert. Der Berner Twingherrenstreit ist ein anschauliches Beispiel für einen Konflikt um Kleiderordnungen, an dem auch ein ehemaliger Bewohner von Schloss Lenzburg beteiligt war. Im Jahr 1469 wurde eine bereits bestehende Kleiderordnung von 1464, welche sich gegen Adelige richtete, vom neu gewählten, bürgerlichen Schultheissen erneuert. Der Berner Adel wehrte sich und verstiess absichtlich gegen die neuen Regeln. Unter den Gegnern war auch Twingherr Adrian I. von Bubenberg – er amtete von 1457 bis 1461 als bernischer Vogt auf der Lenzburg. Twingherrenstreit. Aus: Bern, Burgerbibliothek, Mss.h.h.I.3, p. 87 und p. 100 – Diebold Schilling, Amtliche Berner Chronik, Bd. 3, 1478-1483. In der Verordnung wurde das Tragen der damals beliebten, burgundischen Mode verboten: spitze Schnabelschuhe und lange Schleppen bei Damen und kurze Männergewänder. Angehörige des Adels demonstrierten dagegen, indem sie mit Schleppen und Schnabelschuhen zur Messe erschienen. Dies führte zu einem Gerichtsprozess, in dem sie argumentierten, ein Recht auf Markierung des Standesunterschiedes zu haben. An Werktagen könnten sie keine Kleidung aus Seide oder Gold tragen, weshalb sie auf Schnabelschuhe und Schleppen angewiesen seien. Die Adeligen wurden darauf mit einer Busse belegt und für einen Monat aus der Stadt Bern verbannt. Sie wurden aber bald schon aufgrund der Wirtschaftlichkeit wieder zurückgeholt und die Kleiderordnung musste angepasst werden. Ein Beispiel für eine Ordnung, welche ungefärbte, graue Wolle vorsah, stammt aus dem tirolischen Brixen. 1215 schrieb das Vierte Laterankonzil vor, dass die dort ansässigen Kleriker sich bescheiden zu kleiden hatten. Die Verwendung roter Farbe wurde untersagt. Sie war sehr beliebt, doch rotes Wolltuch musste teuer aus Flandern und den Niederlanden importiert werden, weil die einheimische Wolle von der Qualität her keine kräftige Rotfärbung zuliess. Später wurde auch Grün verboten, welches mit einer zusätzlichen Färbung des teuren Indigos besonders leuchtend gefärbt wurde. Ein weiteres Klischee: Die Farbe Gelb Ein kollektives Wissen über die Verwendung der Farbe Gelb zur Kennzeichnung von Randgruppen ist weit verbreitet. Allerdings greift dieses Bild oft zu kurz, weshalb der Zusammenhang hier genauer betrachtet werden soll. Ein päpstliches Legat bestimmte mit dem sogenannten Judendekret 1451/52 u.a., dass alle in der Bamberger Diözese lebenden Juden einen gelben Ring auf ihrem Gewand oder Mantel tragen mussten. Aber: Jüdinnen mussten an ihren Kopfbedeckungen oder Schleiern zwei blaue Streifen tragen. Also auch hier: Vorsicht bei Verallgemeinerungen über Farbcodierungen. Ausserdem hält sich das Klischee, dass Prostituierte gelbe Kleider getragen haben, hartnäckig. Dies ist aber ebenfalls nicht belegbar. Im 15. Jahrhundert bestimmten einige Städte gelbe Markierungen für Prostituierte (aufgenähte Streifen, Tücher oder Schleier), allerdings nie komplette Kleider. Andere Vorgaben schrieben das Tragen von roten oder grünen Kleidungsstücken vor. Die Gruppen „Kurfürstlich Sächsische Kriegsknechte 1475“ und „1476 – Städtisches Aufgebot e.V.", Foto von Sebastian Bergner. Pflanzenfarben – so bunt wie ein Prisma Das Gruppenfoto der "Kurfürstlich-Sächsischen Kriegsknechte" und dem "1476 Städtisches Aufgebot e.V" – zwei Reenactmentgruppen aus Deutschland – zeigt eindrucksvoll, wie farbig und vielfältig das späte 15. Jahrhundert sein konnte und welche Farbigkeit mit den im Mittelalter verfügbaren Farbstoffen erreicht werden kann. Dieser Blogbeitrag kann das breite Thema des farbigen Mittelalters nicht vollständig abdecken. Er soll aber helfen, das Klischee vom dunklen und grauen Mittelalter ein wenig zu widerlegen. Verwendete und weiterführende Literatur Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 47-63. Fankhauser, Stefan: Schönfärberey : https://schoenfaerberey.ch/index.html , 04.07.2026. Feusi, Giovanna: Pigmente der Nachhaltigkeit : https://dlf.uzh.ch/sites/pigmentedernachhaltigkeit/2022/07/22/ , 04.07.2026. Fuchs Lisa und Reifinger Petra: Das bunte Mittelalter (1): Herstellung von Farben , Universitätsbibliothek Graz, https://ub.uni-graz.at/de/neuigkeiten/das-bunte-mittelalter-1-herstellung-von-farben/ , 04.07.2026. Linares, Marina: Kunst und Kultur im Mittelalter . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 297-311. Museum Wiesbaden, Ausstellung " Tierisch rot ", https://museum-wiesbaden.de/tierisch-rot , 25.06.2026. Ploss, Emil Ernst: Ein Buch von alten Farben. Technologie der Textilfarben im Mittelalter mit einem Ausblick auf die festen Farben , 2. Aufl., München 1967. Simon-Muscheid, Katharina: "Kleidung" . In: Historisches Lexikon der Schweiz: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016302/2008-10-16/ , 04.07.2026. Sorores Historiae: Das Gelbe vom Ei – Von der Verwendung gelber Farbstoffe im Mittelalter , https://sororeshistoriae.com/2019/09/03/das-gelbe-vom-ei-von-der-verwendung-gelber-farbstoffe-im-mittelalter/ , 04.07.2026. Torggeler, Armin: Verbotene Farben. Die Rolle von Textil und Kleidung in den Reformbestrebungen des Nicolaus Cusanus . In: Nicolaus Cusanus. Ein unvergessenes Genie in Tirol. Runkelsteiner Schriften zur Kulturgeschichte 9, Bozen 2016, S. 105-131. NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN Mittelaltermarkt mit viel Spektakel Historische Marktstände, Handwerk und viele weitere Highlights auf der Burg Workshop: Kleid aus dem Hochmittelalter nähen Zweitägiger Workshop mit Kostümexpertin Alice Severin Von Manuela Nipp Von Manuela Nipp Manuela Nipp ist Historikerin und Geschichtsvermittlerin im Team Bildung und Vermittlung von Museum Aargau. 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5 faszinierende Fakten über römische Münzen

Zurück zum Blog 28. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Münzgeld verliert heutzutage zunehmend an Bedeutung. Römische Münzen waren bei den Römern hingegen das zentrale Zahlungsmittel und ermöglichten Einkäufe und Handel im ganzen Reich. Doch was macht römische Münzen so besonders und wofür wurden sie verwendet? "Pecunia non olet" – Geld stinkt nicht. Diese Redewendung geht auf Kaiser Vespasian zurück, der zur Finanzierung des Staates eine Steuer auf öffentliche Latrinen einführte. Als sein Sohn Titus die Moral dieser Steuer beanstandete, hielt Vespasian ihm Münzen aus der Steuereinnahme unter die Nase und fragte, ob der Geruch ihn störe. Natürlich nicht, da Münzen per se keinen Geruch haben. Doch was macht römische Münzen sonst aus? Münzen wurden geprägt In Vindonissa wurde 2004 ein Münzstempel gefunden. Die Untersuchung des Münzstempels ergab, dass dieser Stempel zum Prägen von Silber- und Goldmünzen ( denare und aurei ) des Kaisers Tiberius (14 – 37 n. Chr.) benutzt wurde. Der Fund eines Prägestempels ist einerseits aussergewöhnlich, da diese eigentlich sorgfältig aufbewahrt und nach Gebrauch nicht einfach so entsorgt wurden, um einen unautorisierten Gebrauch zu verhindern. Andererseits ist der Fundort in einem Legionslager ungewöhnlich. Münzen wurden normalerweise in Rom oder in anderen offiziellen Münzprägestätten (z. B. in Lugdunum/Lyon) produziert. Vindonissa war also eigentlich keine Prägestätte. Ist dies somit ein Hinweis darauf, dass damit Münzfälschungen hergestellt wurden? Als Beispiel: In der Insula 50 in Augusta Raurica wurden Hinweise zur Produktion von Münzfälschungen sowie Falschmünzen selber gefunden. Diese Münzen waren anstatt aus massivem Silber nur aus versilberter Bronze. Im Gegensatz zu Augst wurden aber in Vindonissa keine direkten Hinweise auf die Produktion von Fälschungen gefunden. Eine andere Erklärung für diesen Umstand ist, dass Münzen nicht nur zentral geprägt wurden, sondern ausnahmsweise auch an anderen Orten. Da die wichtigste Empfängergruppe für Münzen Soldaten waren, wäre es nachvollziehbar, die Münzen dort zu prägen, wo sie auch schnell und in grosser Menge hinmussten. Vindonissa als logistisches Zentrum im Hinterland und in der Nähe der Truppen an der Rheingrenze wäre dafür prädestiniert gewesen. Die Rohform der Münze (Schrötling) wird zwischen zwei Stempel gelegt und durch einen gezielten Hammerschlag geprägt. Münzen wurden als Propagandamittel genutzt Die Münzen im Römischen Reich wurden in offiziellen Prägestellen geprägt und erlaubten es, die Bevölkerung bis in die hintersten Winkel des Reiches zu erreichen. Römische Münzen zeigten meist das Porträt der aktuellen Kaiser auf der Vorderseite und auf der Rückseite oft militärische Erfolge, Bauwerke, Götter oder Personifikationen. Münzen wurden in Serien geprägt und die darauf abgebildeten Kaiser lassen sich eindeutig bestimmten Regierungszeiten zuordnen, was es Numismatikerinnen und Numismatikern (Münzwissenschaftlerinnen und Münzwissenschaftlern) ermöglicht, einen Herstellungszeitraum zu bestimmen. Dem Kaiser wiederum ermöglichte es, bis in die Provinzen Propaganda zu betreiben. So nutzte Kaiser Augustus die Münzprägung beispielsweise gezielt als Werbeträger seiner kaiserlichen Selbstdarstellung. Durch die wiederholte Abbildung eines jugendlichen, kraftvollen Feldherrn präsentierte er sich selbst als ewig jungen und entschlossenen Sieger. Auf den Münzen erschienen neben seiner eigenen Gestalt aber auch militärische und aussenpolitische Erfolge, sodass das gesamte Reich ständig über seine Siege informiert wurde. Gleichzeitig legitimierte er damit seinen Herrscherstatus, indem er seine Leistungen öffentlich machte. Münzprägestempel, gefunden in Vindonissa für die Prägung von Münzen des Kaisers Tiberius. © Kantonsarchäologie Aargau Münzen wurden ausbezahlt und verschenkt Der Eintritt in die Legion brachte viele Vorteile mit sich. Einer davon war der gute Lohn. Nach dem einmaligen Eintrittsgeld erhielten die römischen Legionäre in der Kaiserzeit meist dreimal pro Jahr ihren Sold ( stipendia ) ausbezahlt. Zu Zeiten von Kaiser Domitian, gegen Ende des 1. Jh. n. Chr., verdiente ein Soldat etwa 1200 Sesterzen. Konnte man sich zum Fahnenträger hocharbeiten, verdiente man sogar das Doppelte (2 400 Sesterzen) und als Centurio sogar das 15‑fache (18 000 Sesterzen). Die Soldaten mussten davon bis zu zwei Drittel für Versorgungskosten abgeben, etwa für Waffen, Kleidung und Verpflegung. Die Legionäre erhielten nicht nur Sold, sie hatten auch Anrecht auf Kriegsbeute oder erhielten Geldgeschenke ( donativa ), welche der Kaiser unter den Soldaten verteilte. Manche donativa waren Ausdruck von Dankbarkeit für erhaltene Gefälligkeiten und andere waren Bestechungen für zukünftige Gegenleistungen. Überwiegend wurden sie zum Regierungsantritt eines Kaisers ausgezahlt. Es gab aber auch andere Möglichkeiten, sich als Soldat etwas dazuzuverdienen. Ein Beispiel ist das Verleihen von Geld mit Zinsen, wie es eine Schreibtafel aus Vindonissa bezeugt. Auf dieser Schreibtafel beglaubigen fünf Zeugen mit Siegel, dass Lucius Haterius Marius dem Sextus Carisius Maximus am 25. Januar 90 n. Chr. für dreissig Tage Geld lieh. Der Text ist durchgestrichen, womit der Schuldner vermutlich das Geld ordnungsgemäss zurückerstattet hatte. © Kantonsarchäologie Aargau Auch bei der ehrenvollen Entlassung aus dem Dienst ( honesta missio ) wurden Legionären nach ihrer 25-jährigen Dienstzeit Geld ausbezahlt, mit dem Vorteil, dass Veteranen dann von Steuern und anderen Verpflichtungen gegenüber dem Staat befreit waren. Münzen wurden aufbewahrt Münzen für den täglichen Bedarf trugen die Römer und Römerinnen in einer Geldbörse mit sich. Dies war oft ein kleines Säckchen aus Leder oder Stoff, welches mit einer Kordel verschlossen wurde. Man konnte diesen Beutel an einem Gürtel oder um den Hals tragen. Es gibt seltene Funde von metallenen "Handgelenksgeldbörsen", welche vermutlich von Legionären getragen wurden. Solche wurden zum Beispiel in Südmähren (CZ), in York (UK) sowie in Vindonissa gefunden. Links: Beispiel einer "Handgelenkgeldbörse" aus einer Kupferlegierung aus York (UK), vermutlich aus dem 2.-3. Jh. n. Chr. © York Museums Trust/Wikimedia Commons. Rechts: Eine "Handgelenksgeldbörse" aus Bronze. © Kantonsarchäologie Aargau Aber auch das ersparte Geld musste an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. So gibt es Beispiele für persönliche Spardosen. Diese wurden häufig aus Ton in verschiedenen Formen hergestellt oder aus Tontöpfen umfunktioniert, wie ein Beispiel aus Vindonissa zeigt. Den Spartopf nannte man aulularia, die Verkleinerungsform von aula (Topf), also Töpfchen. Krug aus Ton, der zu einer Sparbüchse umfunktioniert wurde. © Kantonsarchäologie Aargau In den Legionslagern wurde das Geld für die Soldzahlungen, wie zum Teil auch die Ersparnisse der Legionäre, in einem Tresorraum aufbewahrt. In Vindonissa konnte der Tresorraum der 21. und 11. Legion ausgegraben werden. Dieser befand sich unter dem Fahnenheiligtum , da dies einer der bestbewachten Orte im Legionslager war und der Feldzeichenträger auch dafür verantwortlich war, die Gelder der Soldaten zu verwalten und zu bewachen. Münzen wurden mitbestattet Während des 1. Jh. n. Chr. war in Vindonissa Brandbestattung üblich. Seltener wurden Menschen zu dieser Zeit auch körperbestattet. Wieso gewisse Menschen körperbestattet wurden, könnte folgende Gründe haben: Aus kulturellen Gründen (Zuwanderung aus einer Region, in der Körperbestattung üblich war). Die Bestatteten waren Aussenseiter der Gesellschaft. Die Bestatteten waren zu arm für ein reguläres Begräbnis. Die Bestatteten waren Menschen, die als junge Erwachsene zu früh verstorben sind und bei denen somit der normale/übliche Lebenskreislauf nicht vollendet wurde. Typische Beigaben bei Körper- und Brandbestattungen waren persönliche Gegenstände, Geschirr, Speisen, Öllämpchen sowie Münzen. Manchmal wurden Münzen bei Bestattungen dem Verstorbenen in den Mund gelegt, damit der Verstorbene im Jenseits den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Totenreich bezahlen konnte. Nur im Mund kam die Münze sicher bis dahin mit. Diese Begräbnissitte haben die Römerinnen und Römer von den Griechen übernommen. Obolus für den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Jenseits. © Kantonsarchäologie Aargau Verwendete und weiterführende Literatur Doppler, H. W., Pauli-Gabi, T. und Peter, M.: Der Münzstempel von Vindonissa. Jahresbericht / Gesellschaft Pro Vindonissa 2004. https://doi.org/10.5169/seals-282942 Hintermann, D. (Hrsg.) Vindonissa-Museum Brugg. Ein Ausstellungsführer 2012. S. 63-68 und S. 156-164. Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum Frühmittelalter 5: Römische Zeit. Bäder – Reben – Legionen. SPM V 2002. S. 179-186 und S. 332-355. Von Chiara Huwiler Von Chiara Huwiler Chiara Huwiler ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
Schloss Lenzburg

Eine Zeitreise: 50 Jahre Geschichtsvermittlung

Sonderausstellung Saison 2025/2026 Preis Im Eintritt inbegriffen 0 Sonderausstellung zur Pionierrolle in der Schweizer Museumspädagogik Schloss Lenzburg beleuchtet 2025/2026 in einer Sonderausstellung seine Pionierrolle in der Geschichtsvermittlung. Vor 50 Jahren arbeiteten hier erstmals Museumspädagoginnen und -pädagogen spielerisch mit Kindern – ein Novum in der Schweiz. In der kleinen Ausstellung "Eine Zeitreise: 50 Jahre Geschichtsvermittlung" erzählen Pionierinnen und Pioniere, wie sie ab 1975 Geschichte zum Erlebnis für alle Sinne machten – mit feuerspeienden Drachen, verkleideten Gräfinnen und Rittern und gemeinsamem Kochen. Die Sonderausstellung im Wendelzimmer und zusätzliche Stationen in der Dauerausstellung sprechen alle Sinne an: Besucherinnen und Besucher hören, sehen, riechen und ertasten Geschichte. Für Erinnerungsfotos werden mittelalterliche Kopfbedeckungen aufgesetzt. Zudem sind Objekte und Geschichten der lokalen Bevölkerung zu persönlichen Erlebnissen auf Schloss Lenzburg ausgestellt. Sonderausstellung: "Eine Zeitreise. 50 Jahre Geschichtsvermittlung auf Schloss Lenzburg".

 
Schloss Wildegg

Museumswald

Museumswald Preis Eintritt frei Ort Der Museumswald befindet sich oberhalb des Spielplatzes bei Schloss Wildegg 0 Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert Der Museumswald von Schloss Wildegg zeigt die Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert: als Speisekammer, Holzlieferant, Weidefläche und Jagdrevier. Kern des Museumswaldes ist die Waldweide. Im Früh- und Spätsommer grasen hier Geissen, wie vor 200 Jahren. Führungen und Workshops lassen diese historische Waldnutzung lebendig werden und beleuchten die heute so aktuellen Themen Biodiversität und Naturschutz. Museumswald auf Schloss Wildegg: Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert

 
Museum Aargau

So machten es die Römer: Toga binden – mit Video

Zurück zum Blog 24. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Der Legionskommandant von Vindonissa zeigt euch im Video, wie die Römer eine toga drapieren. Die toga Das wichtigste Kleidungsstück im Römischen Reich war die toga , die üblicherweise weiss war. Getragen wurde sie von allen Männern, die das römische Bürgerrecht besassen. Das unterscheidet römische Bürger klar von Sklaven, Verbannten und Barbaren. Das Tuch war etwa 5 bis 6 Meter breit. Da der Legionskommandant legatus legionis , kurz Legat, dem Senatorenstand angehörte, trug er eine toga , die mit einem Purpurstreifen eingefasst war. Der echte Purpurfarbstoff wurde aus Purpurschnecken gewonnen. Da dieser jedoch sehr teuer war, gab es schon bald auch billigere Imitate aus pflanzlichen Rohstoffen. Bei unserer Darstellung handelt es sich beim roten Streifen allerdings um eine Rekonstruktion mit einer neuzeitlichen Farbe, da wir zur Farbherstellung keine Purpurschnecken verwenden wollten. Die tunica Unter der toga trug der Legat eine tunica , die ebenfalls auf beiden Seiten mit einem breiten Purpurstreifen versehen war. Die tunica war das grundlegende Kleidungsstück aller Römerinnen und Römer. Sie diente entweder als Untergewand oder als Hauptkleidungsstück. Ihre Länge, Weite und Gestaltung variierte je nach Person und Epoche: Mal war sie lang oder kurz, mal schmal oder weit, mal schlicht, bunt oder kunstvoll verziert. Im Video haben wir uns auf die toga konzentriert. Die Ärmel der tunica entsprechen nicht dem typischen Modell, das ein Legat zur Zeit des Legionslagers Vindonissa im 1. Jahrhundert n. Chr. trug. Die tunica der Senatoren hatte damals nämlich keine Ärmel. Blogbeitrag zum Thema “Römische Kleidung” Eine toga drapieren Den Senatoren standen immer Sklaven zur Verfügung, die ihre Togen drapierten. Und so wurde sie gebunden: Zuerst wurde ein Drittel des Tuchs von hinten über die linke Schulter gelegt. Das hintere Teil wurde anschliessend unter dem rechten Arm durchgeführt. Das Schulterblatt musste frei bleiben, damit die Person sich bewegen konnte. Das restliche Tuch wurde von vorne über die linke Schulter geworfen. Oben wurde alles schön drapiert, damit auch die Streifen gut zu sehen waren. Die Falllinie des Stoffes, die von der Hüfte bis zur Schulter führte, hiess sinus . Zum Schluss wurde ein Stück Stoff unter dem rechten Arm hervorgezogen und über den Sinus drapiert. Die Tasche, die dadurch entstand, wurde umbo gennant. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
Schloss Hallwyl

Dauerausstellung

Dauerausstellung Preis Museumseintritt Bau- und Familiengeschichte des Adelsgeschlechts von Hallwyl Wer hat auf Schloss Hallwyl gelebt? Wie haben die Herren von Hallwyl für Recht und Ordnung gesorgt? Und wie haben die Bediensteten gelebt und gearbeitet? Die Dauerausstellung im Schloss gibt Einblick in die Bau- und Familiengeschichte sowie in die verschiedensten Lebensbereiche von Adel und Untertanen. Die Themenbereiche reichen von der Landwirtschaft und der Fischerei über mittelalterliche Arzneimittel bis hin zum damaligen, auf der Religion basierenden Weltbild. Audiovisuelle Shows, ein Audioführer, Schlossmodelle zum Anfassen sowie Truhen und Schränke zum Öffnen machen die Ausstellung zum Erlebnis für die ganze Familie. Dauerausstellung im Wohnmuseum auf Schloss Hallwyl: Bau- und Familiengeschichte des Adelsgeschlechts von Hallwyl

 
Vindonissa Museum

Römischer Garten von Vindonissa

Preis: im Museumseintritt inbegriffen 0 Rekonstruierter Ziergarten des Legionskommandanten Der römische Garten beim Vindonissa Museum ist eine Oase der Ruhe und Sinnlichkeit. In den Beeten wächst eine bunte Pflanzenpracht, in den Brunnen und Becken plätschert das Wasser. Ein Säulengang umrahmt die 450 Quadratmeter grosse Anlage. Diese ist in ihrer Dimension einzigartig in der Schweiz. Im römischen Garten von Vindonissa wachsen rund 40 Pflanzenarten, die für Vindonissa archäobotanisch bezeugt sind. Die Architektur mit verspielten Beetumrandungen und Wasserspielen orientiert sich an antiken Vorbildern und zeugt von pompöser Üppigkeit. So hätte vor 2000 Jahren der Ziergarten im Haus des Legionskommandanten von Vindonissa aussehen können. Erleben Sie den römischen Garten beim Vindonissa Museum: Eine einzigartige Oase der Ruhe mit antiker Pflanzenpracht und plätschernden Wasserspielen.

 
Vindonissa Museum

Rätsel-Tour

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 7 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 45 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich 0 Ab 7 Jahre – Mit der Schatzkarte durchs Museum Unser Archäologe vom Dienst, Walter Schussel, hat mal wieder von grossen Palästen und funkelnden Schätzen geträumt. Dabei hat er vergessen, wo er seine neusten Fundobjekte aus der letzten Ausgrabung hingelegt hat. Helft ihm, seine Objekte wieder zu finden und füllt die Lücken in seinem Tagebuch. Ein spannendes Rätsel für Gross und Klein! Auf zur Rätsel-Tour im Vindonissa Museum! Helft Archäologe Walter Schussel bei der Suche nach seinen Funden. Ein spannender Spass für Kinder ab 7 Jahren.

 
Vindonissa Museum

Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe!

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 8 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 90 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich Ab 8 Jahre – Löst Rätsel und entdeckt einen römischen Schatz Rätsel lösen und einen echten Schatz aus Vindonissa entdecken: Beim Rundgang "Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe" schlüpfen Besucherinnen und Besucher in verschiedene Rollen: Archäologe, Ausgräberin, Grabungstechniker, Restauratorin, Wissenschaftler oder Museumsdirektorin. An authentisch nachgebauten Schauplätzen wie dem Grabungszelt, im Grabungscontainer, im Labor oder im Archiv warten knifflige Fragen, um den Schatz zu heben. Ein spannendes Erlebnis für Familie, Schulen und Erwachsene! Selbständiger Rundgang im Vindonissa Museum für Familien und Kinder: "Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe!" Archäologie interaktiv erleben

 
IndustriekulTour Aabach

Touren

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Visualisierung/Animation Antikes Vindonissa

Geschichte

Einziges römisches Legionslager der Schweiz

Einziges römisches Legionslager der Schweiz

Vindonissa, das einzige römische Legionslager in der heutigen Schweiz, hat seinen Ursprung in einer keltischen Siedlung, welche die strategisch wichtige Stelle am Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat kontrollierte.

Während des Alpenfeldzugs von Kaiser Augustus im Jahr 15 v. Chr. errichteten römische Soldaten hier einen Militärposten, der später unter Kaiser Tiberius (14–37 n. Chr.) zu einem Legionslager ausgebaut wurde.

Das etwa 20 Hektaren grosse Lager wurde von der 13. Legion zunächst in Holz und Lehm erbaut. Die nachfolgende 21. Legion baute Vindonissa schrittweise in Stein um und aus. Als letzte Truppeneinheit ist die 11. Legion bezeugt, die im Jahr 101 n. Chr. von Kaiser Trajan in den Donauraum abgezogen wurde. Ausserhalb des Legionslagers entwickelte sich im Lauf der Zeit eine Zivilsiedlung, die nach Abzug der Truppen weiterbestand.

Die Legionäre Vindonissas spielten nicht nur bei der Eroberung des rechtsrheinischen Gebiets durch die Römer eine grosse Rolle, sondern auch beim Aufbau der provinzialen Strukturen in der südlichen Germania Superior. An keinem anderen Ort zwischen Alpen und Rhein war Rom machtpolitisch so präsent. Die bis zu 6000 Legionäre und Offiziere brachten auch die mediterrane Lebensweise und ihre zivilisatorischen Errungenschaften mit und fungierten als eine Art "Motor der Romanisierung".

6 Fragen zur Geschichte von Vindonissa

Vindonissa war ein befestigtes Truppenlager der römischen Armee, ein sogenanntes Legionslager (lat. castra legionis). Es wurde von den römischen Soldaten am strategisch bedeutsamen Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat errichtet und hatte während rund 100 Jahren Bestand. In Vindonissa waren nacheinander drei Legionen mit jeweils rund 5000 bis 6000 Soldaten stationiert. 

Vindonissa ist das einzige römische Legionslager auf dem Gebiet der heutigen Schweiz und liegt in Windisch im Kanton Aargau.

Legionslager wie Vindonissa dienten dazu, sich auf Feldzüge und Eroberungen in neuen Gebieten vorzubereiten und um die bereits eroberten Gebiete militärisch zu sichern und zu kontrollieren. Entsprechend lagen die meisten Legionslager an den Grenzen des Römischen Reiches (lat. imperium romanum). 

Im 1. Jh. n. Chr. gab es rund 25 Legionslager. Als grosses Truppenlager war Vindonissa ein Zentrum der Militärmacht Roms. Zudem spielte es für den Aufbau der Infrastruktur in der römischen Provinz sowie für die Romanisierung der keltischen Helvetier eine wichtige Rolle.

In den Regierungsjahren von Kaiser Augustus, also um Christi Geburt, errichteten die römischen Soldaten einen ersten militärischen Stützpunkt auf dem Windischer Plateau. Dieser lag an derselben Stelle, an dem sich zuvor bereits eine befestigte keltische Siedlung befand. 

In der Regierungszeit von Kaiser Tiberius, um ca. 17. n. Chr., bauten die Soldaten den Stützpunkt zu einem Legionslager aus. In diesem Zusammenhang wurde die keltische Befestigungsanlage abgerissen. Zuerst aus Holz und Fachwerk gebaut, wurden Teile des Lagers nach und nach aus Stein errichtet und ausserhalb des Legionslagers entstand eine Siedlung für die zivile Bevölkerung (lat. canabae legionis).

Auf dem Areal des ehemaligen Legionslagers Vindonissa sind heute diverse archäologische Fundstätten sichtbar. Dabei handelt es sich um rund 2000-jährige Bauten des römischen Vindonissa wie z. B. das Amphitheater, Torbauten und Strassen, Wasserleitung und Bad sowie die Küche eines ranghohen Offiziers. Hinzu kommen originalgetreue Rekonstruktionen von Bauten, wie sie in Vindonissa und anderen Militärlagern gestanden haben, wie z. B. die Legionärsunterkünfte (lat. contubernia). 

Alle diese Fundstätten sind innerhalb des Legionärspfad Vindonissa in Windisch zu besichtigen. Die Fundobjekte aus Vindonissa sind im Vindonissa Museum in Brugg ausgestellt. Dieses beherbergt die grösste Sammlung an römischen Schreibtafeln, zahlreiche seltene Holz- und Lederfunde, Ausrüstungsgegenstände der Legionäre sowie weitere Alltagsgegenstände aus dem Leben der Soldaten und der Zivilbevölkerung in Vindonissa.

Die rund 5000 bis 6000 Soldaten gehörten der 11., 21. und 13. Legion an, die zeitlich nacheinander in Vindonissa stationiert waren. Anhand von Schreibtafeln und Inschriften wie z. B. Grabsteinen sind Personen von unterschiedlicher Herkunft, Rang und Funktion belegt. So kamen etwa die meisten der genannten Soldaten aus Norditalien, Südfrankreich und Spanien. Bekannt sind sowohl Namen und Legionszugehörigkeiten von einfachen Legionären wie auch von Offizieren, von Veteranen sowie von Angehörigen der Hilfstruppen. 

Für die Soldaten sind u. a. Funktionen belegt wie der Waffenwart, der Schildmacher oder der Schwertschmied Tiberius Iulius Agilis. Für Vindonissa sind aber auch Zivilisten belegt. So z. B. ein Weinhändler oder Maxsimila Cassia aus Bologna (lat. Bononia), die in Vindonissa bestattet wurden. Sie lebten vermutlich in der Zivilsiedlung ausserhalb des Lagers, in der nebst Händlern, Handwerkern und Familienangehörigen der Truppen auch eine einheimisch keltische Bevölkerung lebte.

In Vindonissa wird seit über 125 Jahren gegraben und geforscht. Bis heute werden praktisch täglich neue archäologische Entdeckungen gemacht, wodurch sich das Wissen über Vindonissa laufend erweitert. 

Zuständig für die Erforschung sowie für den Schutz und den Erhalt des kulturellen Erbes von Vindonissa ist die Kantonsarchäologie Aargau. Auch die Vindonissa-Professur der Universität Basel leistet einen wichtigen Beitrag zur Erforschung von Vindonissa. Der Legionärspfad Vindonissa in Windisch und das Vindonissa Museum in Brugg haben die Aufgabe, die Geschichte und die überaus reichen Hinterlassenschaften der Römer in Vindonissa einem breiten Publikum zu vermitteln.