Museum Aargau
Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte
https://www.museumaargau.ch/blog/highlights-aus-der-aargauer-moebelgeschichte
Zurück zum Blog 16. Juni 2026 Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Mit dem dritten Band seiner Reihe "Aargauer Industriegeschichten" rückt Museum Aargau ein bislang wenig beachtetes Kapitel in den Mittelpunkt: die Möbelbranche des Kantons. Entdecken Sie in diesem Blogbeitrag fünf ausgewählte Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte. Der Kanton Aargau gehört unbestritten zu den bedeutendsten Industriekantonen der Schweiz. Neben Maschinen‑, Metall‑, Elektro‑, Textil‑ und Schuhindustrie zählen auch Nahrungs‑, Getränke‑ und Tabakproduktion zu seinen wichtigen Wirtschaftszweigen. Weniger beachtet wird jedoch, dass der Kanton ein bedeutender Standort für Möbelproduktion und -handel war. Firmen wie Pfister, de Sede oder Thut haben Generationen von Schweizer Wohn‑ und Büroräumen geprägt. Die neue Publikation " Möbelindustrie und -handel seit 1870 " des Möbelhistorikers Dieter Pfister beleuchtet diese Erfolgsgeschichte nun systematisch. Anhand von fünf Highlights aus der Sammlung Museum Aargau geben wir Ihnen hier einen kleinen Einblick in diese Geschichte. Wisa Gloria AG Die Lenzburger Kinderwagenfabrik Wisa Gloria ging im Jahre 1913 aus dem Zusammenschluss der Firmen "Neeser & und Widmer" aus Lenzburg und "Sender & Co" aus Schaffhausen hervor. Der Name "Wisa" setzte sich aus den beiden Gründernamen "Widmer" und "Sandmeier" zusammen. Obwohl der Hersteller hauptsächlich für Kinderwagen und Spielzeug bekannt war, stellte er auch Kindermöbel her. Faltliege, Wisa Gloria, 1940er-Jahre, 54,5 x 70 x 190 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-17003. © Museum Aargau Wie es zur Produktion der abgebildeten Faltliege kam, kann lediglich gemutmasst werden. Die ein Meter neunzig lange Liege mit simplem Streifenmuster scheint nämlich eher für Erwachsene als für Kinder produziert worden zu sein. Ihr Faltmechanismus ermöglichte das Verstauen auf kleinstem Raum und konnte so nicht nur allfälligen Platzproblemen entgegenwirken, sondern auch ganz einfach transportiert werden. Dies war jedoch nicht die einzige Besonderheit der um 1940 erschienenen Wisa-Gloria-Liege: denn im gefalteten Zustand konnte sie auch als Beistelltisch dienen. Faltliege, Wisa Gloria, 1940er-Jahre, 54,5 x 70 x 190 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-17003. © Museum Aargau A. Vogel & Cie. Als Sohn eines Schreiners übernahm Alfred Vogel 1945 die "Vogel & Co. Möbelwerkstätten" seines Vaters und benannte sie in "A. Vogel & Cie." um. Die in Kölliken beheimatete Firma beschäftigte sich über 70 Jahre lang mit dem Innenausbau von Gebäuden und der Herstellung von Möbeln. Einige sehr gut erhaltene Exemplare der "A. Vogel & Cie." fanden im Jahr 2014 den Weg in die Sammlung des Museum Aargau . Buffet, Entwurf Alfred Vogel für A. Vogel, 1940er-Jahre, 144 x 110 x 45 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-19874. © Museum Aargau Dieses elegante Buffet ist eines von zwei identischen Elementen eines Esszimmerensembles. Es wurde in den 1940er Jahren zur Aufbewahrung von Geschirr und Besteck entworfen. Alfred Vogel war selbst Möbeldesigner und liess sich bei seinen späteren Entwürfen von japanischen Produktionen inspirieren. H. Woodtly & Cie. AG Hans Woodtly war jahrelanger Teilhaber der Brugger Möbelfirma "Simmen", bevor er 1919 entschloss, ein eigenes Möbelgeschäft in Aarau zu gründen. Im Jahr 1922 wurde die Firma um eine Möbelwerkstatt erweitert. Für die Abteilung Möbel- und Einrichtungsgestaltung war ab den 30er Jahren der Zürcher Karl Bonert verantwortlich. Auch von seinen Kreationen besitzt die Sammlung Museum Aargau einige interessante Stücke. Fauteuil, Entwurf Karl Bonert für Woodtly, 1937, 75 x 65 x 80 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18241.1. © Museum Aargau Wie etwa diesen geschwungenen Sessel: Entworfen 1937 von Karl Bonert für die Firma Woodtly. Der hochwertige Rahmen aus Kirschbaumholz wurde mit einem Geflecht ausgefüllt, das dem Sessel ein luftiges Design verleiht. Die losen Sitzkissen weisen leider nicht mehr den originalen Bezugsstoff auf. Besondere Bekanntheit erlangte der Woodtly-Sessel, weil er im Produktionsjahr auf der Frontseite des Wohnkultur-Magazins "Das ideale Heim" erschien. Deck-Blatt "Das ideale Heim", Juni 1937, 29 x 21 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-20058b. © Museum Aargau Thut AG Die Möbelfabrik Walter Thut AG entstand 1959 aus einer zwanzig Jahre zuvor gegründeten Möbelschreinerei in Möriken. Im Jahr 1970 übernahm Walter Thuts Sohn Kurt die Firma, die bis heute Möbel selbst entwirft und produziert. Ab den 1980er Jahren verwendete die Schreinerei neue Materialien und Technologien und machte sich als moderne Fabrikationswerkstatt über die Grenzen des Kantons Aargau hinaus einen Namen. Pavatexschrank, Entwurf Kurt Thut, 1953, 186 x 113 x 48,5 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18182. © Museum Aargau Den abgebildeten Pavatexschrank entwarf Kurt Thut kurz nach seinem abgeschlossenen Studium an der Kunstgewerbeschule 1953 in Zürich. Das Exemplar der Sammlung von Museum Aargau befand sich bis 2008 im Privathaushalt der Familie Thut. Bei Pavatex handelt es sich um Holzfaserplatten, die bei der Herstellung entwässert, getrocknet und gepresst werden. Beim vorliegenden Schrank fanden die grau lackierten Pavatex-Platten als Türfüllung und als Wandmaterial Verwendung. J. Ströbel AG Jakob Ströbel war gerade einmal 24 Jahre alt, als er gemeinsam mit seiner Frau Marie Ströbel 1933 in Frick seine eigene Firma gründete. Bevor die beiden Jungunternehmenden 1944 die erste eigene Fabrik errichten liessen, beauftragten sie mehrheitlich kleinere und lokale Schreinereien mit der Herstellung von Möbelkomponenten. Die Spezialität der J. Ströbel AG war die Verarbeitung des wertwollen Teakholzes. Das daraus entstandene Möbelprogramm "Swiss-Teak" des Designers Adolf Suter verschaffte der Firma landesweite Bekanntheit. Teakholz-Schreibtisch, Modell 6011, Entwurf Adolf Suter für Jakob Ströbel, 1960er-Jahre, 73 x 140 x 47 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18245.2. © Museum Aargau Adolf Suter absolvierte in den 1930er-Jahren seine Lehre bei Jakob Ströbel. Während eines Auslandsaufenthalts in Dänemark kam ihm die Idee für die später beliebten Teakholz-Möbel. In Nordeuropa verwendeten Möbelhersteller bereits seit langer Zeit Teakholzreste aus dem Schiffsbau für die Möbelproduktion. Voller Inspiration kehrte Adolf Suter nach seiner Weiterbildung und den Kriegsjahren zur J. Ströbel AG zurück und entwarf neben vielen anderen Teak-Möbeln auch den oben abgebildeten Schreibtisch. Neues Buch: Möbelindustrie und -handel seit 1870 Die Beschäftigung mit der Geschichte der Aargauer Möbelproduktion zeigt deutlich: Der Aargau ist ein Möbelkanton und darf als solcher in der Geschichtsforschung nicht unterschätzt werden. Dank der langjährigen Arbeit von Peter Brack, dem ehemaligen Konservator-Restaurator von Museum Aargau, können die Spuren der Aargauer Möbelindustrie bis heute nachvollzogen werden. Das Ergebnis einer solchen Nachforschung liegt seit dem 11. Juni im Band 3 der Buchreihe "Aargauer Industriegeschichten" vor. Die Publikation trägt den Titel "Möbelindustrie und -handel seit 1870" und ist sowohl in den Shops von Museum Aargau als auch online erhältlich. Online bestellen Aargauer Industriegeschichten Band 3, Möbelindustrie und -handel seit 1870, Autor: Dieter Pfister, Herausgeber: Museum Aargau, Juni 2026. © Museum Aargau Weitere Blogbeiträge 09. Juni 2026 Memory-Spiel: Die Aargauer Möbelindustrie Die Aargauer Möbelindustrie hat eine spannende und stille Erfolgsstory. In unserem Memory-Spiel treffen Sie auf Möbelklassiker aus dem… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… 18. November 2025 Vom Sparschäler bis zur Alufolie: Schweizer Alltags-Erfindungen Viele Küchenhelfer, die wir täglich benutzen, sind Schweizer Erfindungen. Ob in der Küche, beim Frühstück oder beim Verpacken: kleine Ideen… Von Seraina Zorli Von Seraina Zorli Seraina Zorli ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Kommentare
Kommentare
Kommentar schreiben