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Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen?

Zurück zum Blog 30. Juni 2023 Kategorien Quiz & Spiele Mittelalter Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? Erfahren Sie jetzt, welchem "Beruf" Sie wohl im Mittelalter nachgegangen wären... Machen Sie das Quiz: In wenigen Klicks finden Sie heraus, welche mittelalterliche berufliche Tätigkeit zu Ihnen passt. Weitere Quiz 08. Juli 2022 Quiz: Welches Schloss passt am besten zu Ihnen? Wollten Sie schon immer in einem Schloss leben? Beantworten Sie diese Fragen; wir zeigen Ihnen, welches Aargauer Schloss aufgrund Ihrer… 20. Februar 2024 Quiz zur römischen Mythologie Testen Sie Ihr Mythologie-Wissen in diesem Quiz! 26. April 2023 Quiz: Welches Fabelwesen sind Sie? Drache, Einhorn oder etwas anderes? Erfahren Sie, welches Fabelwesen am besten zu Ihnen passt! Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Quiz & Spiele Mittelalter Kommentare

 
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Schnürleib, Strümpfe, Strohhut – die Damenmode um 1780

Zurück zum Blog 17. Dezember 2020 Kategorien Schlossgeschichten Historische Kleidung Was trugen die Damen im 18. Jahrhundert? Eine Reise in die Kostümgeschichte. Margaretha Mutach – geborene von Graffenried – weilte zwischen 1777 und 1783 mit ihrem Mann Gabriel Mutach auf Schloss Lenzburg . Gabriel war seines Zeichens Landvogt zu Lenzburg und damit im Auftrag von Stadt und Staat Bern damit beschäftigt, im Amt Lenzburg nach dem Rechten zu schauen. Wie genau Margaretha ausgesehen hat, vermögen wir mangels eines uns bekannten Portraits von ihr nicht zu sagen. Wir können aber vermuten, was Margaretha auf Schloss Lenzburg an einem ganz normalen Tag getragen haben mag. Wie im Blog-Beitrag zur Mode des späten 15. Jahrhunderts kann die Fülle an Mode und Trends des späten 18. Jahrhunderts ebenfalls nicht umfassend abgebildet werden. Hierfür sind Vielfalt sowie regionale und Standesunterschiede im Hinblick auf die Kleidung zu gross. Aber wir können uns anschauen, was sie hätte tragen können und was überhaupt alles zur Garderobe einer Dame aus dem Berner Patriziat gehören konnte. Selbst an einem normalen Tag mit eher einfacher Garderobe – ohne Gesellschaften und Theaterbesuche – war dies nicht wenig! Glücklicherweise hat zumindest Margarethe als Frau des Landvogts auf der Lenzburg Zofen und Mägde, die ihr beim Ankleiden zur Hand gehen können. Chemise und Strümpfe Als unterste Schicht trägt frau eine Chemise. Die Chemise war eine Art Unterhemd, welches auch als Nachthemd getragen werden konnte. Chemisen waren meist aus feinem weissem Leinen oder, etwas seltener, aus feiner Baumwolle gefertigt und hatten einen einfachen Schnitt, der sich aus Rechtecken und Dreiecken zusammensetzte. Diese Basis-Konstruktion der Chemise war schon seit dem Mittelalter bekannt. Abb. 1: Chemise aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. The Metropolitan Museum of Art, Donation Mrs. Dudley Wadsworth. Chemisen waren als Leibwäsche das Kleidungsstück, das direkt auf der Haut getragen wurde, also noch vor dem Schnürleib. Sie dienten, indem sie die Ausdünstungen des Körpers aufnahmen, zugleich als Schutz für die darüber liegenden Kleidungsschichten, die je nach Stoffart nicht allzu oft gewaschen werden konnten. Die Chemisen hingegen wurden entsprechend häufig gewechselt und gewaschen. Darunter trägt Margarethe Strümpfe, in ihrem Fall aus Seide. Strümpfe wurden von Mann und Frau getragen und waren aus Wolle, Baumwolle oder Seide gefertigt. Um die Strümpfe an ihrem Platz zu halten konnte unter dem Knie ein Band getragen werden – aus Baumwolle, Seide oder gar hübsch bestickt. Schnürleiber und Korsetts Die nächste Schicht ist für Silhouette und Sitz der Kleidung im 18. Jahrhundert unerlässlich: Ein Schnürleib. Die Schnürleiber bringen den Oberkörper in eine konische Form und bilden die Grundlage für die darüber liegende Mode. Denn ohne den notwendigen Unterbau ist es schwierig, enganliegende und strukturierte Formen zu erzielen, wie sie im 18. Jahrhundert modisch waren. Zudem halfen Schnürleiber, versteifte Mieder und später Korsette bereits seit dem 16. Jahrhundert, den Oberkörper der jeweils geltenden Mode gemäss zu formen. Die Schnürleiber des 18. Jahrhunderts und Korsette späterer Jahre waren aber mitnichten Folterinstrumente, dank denen die Damen ständig ohnmächtig darnieder sanken. Sie gehörten schlichtweg zur Kleidung dazu. Und auch mancher modische Herr trug Korsett, um eine modische Silhouette und bessere Haltung zu erzielen. Das berüchtigte enge Schnüren wurde vor allem im späten 19. Jahrhundert praktiziert, aber vor allem von einigen wenigen "Fashion Victims" – wie man sie heute nennen würde – und nicht von der breiten Masse. Die Schnürbrüste und Schnürleiber des 18. Jahrhunderts bestanden aus mehreren Schichten Leinen und Oberstoff, beispielsweise Seide oder Wolle, und waren mit Fischbein oder Peddigrohr verstärkt. Bei manchen Exemplaren findet sich vorne zur zusätzlichen Verstärkung der gewünschten geraden Linie ein Blankscheit aus Holz, Horn oder sogar Elfenbein. Erst im Laufe des späten 19. Jahrhunderts wurde in der Korsetterie zunehmend Federstahlband verwendet. Abb. 2: Eine Schnürbrust aus den 1780er-Jahren. Fashion Museum in Bath, England. Schuhe Margaretha trägt Schuhe aus rotem und weissen Leder. Zusammengehalten werden die Schuhe mit einer Spange. Diese Spangen waren, je nach Geldbeutel des Trägers oder der Trägerin, entweder einfach und schmucklos aus Metall oder aus teurerem Material und mit Schmucksteinen verziert. Die Schuhe waren auf dem gleichen Leisten gearbeitet, es gab also noch keine rechten und linken Leisten. Sowohl Männer- als auch Frauenschuhe wiesen einen Absatz auf, wobei aber die Absätze im ausgehenden 18. Jahrhundert zunehmend flacher wurden. Die Schuhe wurden aus einer Vielzahl von Materialien gefertigt: Leder, Leinen, Wollstoff oder sie waren gar mit Seidenstoff passend zum Kleid überzogen. Ähnlich wie die sie zusammenhaltenden Spangen konnten Schuhe einfach oder reich und teuer verziert daherkommen. Abb. 3: Schuhe mit Spangen um 1730/40, aus Seidendamast, gefüttert mit Leinen. Schön zu erkennen ist hier, wie die beidseitigen Laschen von der Spange zusammengehalten werden und so den Schuh am Fuss halten. Bata Shoe Museum. Weitere Hilfsmittel: Poschen, Panniers und Kissen Um die gewünschte Silhouette mit schmaler Taille und ausgestelltem Rock zu erzielen, gibt es zusätzliche Hilfsmittel, deren sich die Damen bedienen konnten: So genannte Poschen, Panniers oder ab dem späten 18. Jahrhundert zunehmend auch gepolsterte Hüftkissen. In unserem Fall trägt Margaretha ein hinten geteiltes Kissen unter dem Kleid. Abb. 4: Unterwäsche mit Chemise, Schnürbrust und Grand Pannier. Solche ausladenden Reifröcke wurden ab dem frühen 18. Jahrhundert getragen und hatten ungefähr zur Jahrhundertmitte ihre breiteste Ausdehnung. Bei Hofe, unter anderem in England, wurden die ausladenden Reifröcke noch eine Weile getragen, auch als sie in der Mode schon längst passé waren. Englisch, 1775-1800, M.2007.211.428., Los Angeles County Museum of Art. Abb. 5: Karikatur aus dem "The Bum Shop" – wo es allerlei gepolsterte "Hinterteile" zu kaufen gibt. England, Juli, 1785, The Elisha Whittelsey Collection, The Elisha Whittelsey Fund, 1970, Metropolitan Museum of Art. Unterrock Unter dem Kleid wurden Unterröcke getragen. Sie konnten aus Baumwolle, Leinen oder sogar aus Seide gefertigt sein. Hier wird ein einfacher Unterrock aus Baumwolle getragen. Die Unterröcke und auch die Röcke waren oft aus zwei rechteckigen Stoffstücken hergestellt, welche vorne und hinten je an ein Taillenband gefältelt werden. Dann werden einfach der hintere Teil vorne und der vordere Teil hinten zugebunden. Kleid Margarethas Kleid ist eine so genannte Robe Ronde, bei welcher Oberteil und Rock zusammengenäht sind. Dies ist eine der einfachsten und stoffsparsamsten Konstruktionsmöglichkeiten für ein Kleid. Ein wenig anders sähe beispielsweise eine Robe à l'Anglaise aus, bei welcher das Oberteil mit angesetztem hinterem Rockteil (ähnlich wie ein Mantel) über einem separaten Rock getragen wird. Die Robe Ronde ist aus einem Indienne-Stoff gefertigt. Indiennes sind bedruckte Baumwollstoffe, die ursprünglich aus Indien eingeführt wurden. Im 18. Jahrhundert wuchs die Begeisterung für Indiennes so stark, dass Tausende in Heimarbeit türkische Baumwolle spannen und webten. In den Aargauer Landstädten eröffneten Indienne-Druckereien. Glaubensflüchtlinge aus Frankreich – die Hugenotten – hatten diese Druck-Technik in die Eidgenossenschaft gebracht. Diese Zeugdruckereien waren übrigens die ersten Fabriken bei uns. Bunte, vielfarbige Blumendrucke, wie Margaretha sie trägt, waren sehr gefragt. Margarethas Kleid wird vorne einfach mit Stecknadeln zugepinnt. Ja – das ist tatsächlich eine historische belegte Methode, das Kleidungsstück vorne zu schliessen, und nicht etwa auf eine zerstreute Schneiderin zurückzuführen, welche die Stecknadeln im Kleid vergessen hat. Natürlich konnten die Kleider aber auch mit Haken und Ösen oder mit verdeckten Schnürungen geschlossen sein. Die grosse Mehrheit der Kleider des 18. Jahrhunderts wurden übrigens vorne geschlossen, und nicht, wie oft in Film und Fernsehen zu sehen, hinten geschnürt, auch wenn diese Methode bei bestimmten Kleidern vorkam. Abb. 6: Eine Robe à l'Anglaise aus bedruckter Baumwolle, bei welcher im Gegensatz zur Robe Ronde ein zusätzlicher Rock separat getragen wird. Vorne ist gut zu erkennen, wo der Überrock, der am Oberteil befestigt ist, endet, und wo der darunter getragene separate Rock anfängt. Das Kleid ist datiert zwischen 1770 und 1790. Jacoba de Jonge Collection in MoMu - Fashion Museum Province of Antwerp, www.momu.be Photo by Hugo Maertens, Bruges. Frisur: Haarpomade und Puder Margarethas Haare sind mit Pomade und Puder frisiert. Dies hilft, die teilweise aufwändigen Frisuren noch vor den Zeiten von Haargel und Haarspray gut in Form zu bringen. Heller oder gräulich gepudertes Haar war zudem im Mode. Die Behandlung mit Pomade und Puder gehörte bei vielen zur regelmässigen "Haarroutine" dazu. Und nein – Ungeziefer nistet keines in Margarethas Haarschopf! Dafür sorgen die regelmässige Pomaden-Puder-Behandlung sowie, wenn auch bedeutend seltener, Waschen. Haarpomade pflegte das Haar. Die Bestandteile derselben sind allerdings für den modernen Menschen etwas gewöhnungsbedürftig: Sie bestand nämlich aus tierischen Fetten. Zum Beispiel Schweinefett, mit einem niedrigen Schmelzpunkt, und Schafstalg, der ziemlich bröckelig war und einen höheren Schmelzpunkt aufweist, wurden gerne gemischt. Natürlich wurden die Fette vorher gereinigt. Für den guten Duft wurden essentielle Öle beigefügt. Diese halfen zusätzlich gegen Ungeziefer: Zitrusfruchtöle oder Nelkenöl halfen sehr effektiv gegen Läuse und sonstige ungebetenen Gäste auf dem Haupt. Abb. 7: Eine Dame sitzt am Toilettentisch, der Herr hinter ihr pudert ihre Frisur. Frankreich, um 1780. Die kolorierte Lithographie wird Villain zugeschrieben, Wellcome Library No. 31131i. Haube und Hut Auf dem Haupt trägt frau eine Haube oder einen Hut. In Margarethas Fall ist es ein Strohhut – eine so genannte Bergère. Diese geflochtenen Strohhüte kamen im 18. Jahrhundert im Zuge der Schäferromantik schwer in Mode. Sie hatten in der Regel eine breite Krempe sowie eine flache Krone und konnten mit Seidenbändern oder künstlichen Blumen verziert sein. Man trifft diesen Typ Hut auch heute noch als Bestandteil einiger Schweizer Trachten an. So ausgestattet kann Margarethe nun im Schlosshof nach dem Rechten sehen oder einen kleinen Spaziergang um den Schlosshügel unternehmen. Abb 8: Eleanor Frances Dixie mit einer Bergère, um 1753. Ausserdem trägt sie ein Seidenkleid mit Watteaufalten im Rücken – eine so genannte "Robe à la Française" oder "Sack back gown". Die gerüschten, aus Spitzen bestehenden Ärmelverzierungen nennen sich "Engageantes". Gemälde von Henry Pickering (fl.1740-1771) - Nottingham City Museums & Galleries. Verwendete und weiterführende Literatur und Webseiten Arnold, Janet: Patterns of Fashion 1 – Englishwomen's dresses and their construction c. 1660-1860, London, 1977. Baumgarten, Linda; Watson, John; Carr, Florine: Costume Close-Up – Clothing Reconstruction and Pattern 1750-1790, Williamsburg, 1999. Kyoto Costume Institute: Fashion – Eine Modegeschichte vom 18. bis 20. Jahrhundert, Köln, 2015. Stowell, Lauren; Cox, Abby: The American Duchess Guide to 18th Century Beauty, Salem, 2019. Stowell, Lauren; Cox, Abby: The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking, Salem, 2017. Weber, Paul: Schuhe. Drei Jahrtausende in Bildern, Aarau, Stuttgart, 1994. Waugh, Nora: The Cut of Women's Clothes 1600 – 1930, London, 1968. www.lessoireesamusantes.com/blog – Blog des Vereins "Les Soirées Amusantes", der sich mit der Salonkultur des 18. Jahrhunderts befasst. Auf dem Blog sind unter anderem Beiträge zur Mode und zur Rekonstruktion bestimmter Kleidungsstücke zu lesen. www.marquise.de – Seite zur Kostümgeschichte vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert mit besonderem Fokus auf die Kostümgeschichte des 17. Und 18. Jahrhunderts. Weitere Blogbeiträge 02. Oktober 2020 So raffiniert war die Mode im Spätmittelalter Welche Kleidung trugen die Männer und Frauen im Spätmittelalter? Etwas Sackartiges oder Einfaches in Braun? Weit gefehlt! Erleben Sie im… 11. Juli 2023 Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte… 05. Mai 2023 Römische Kleidung – Kleidervorschriften und gesellschaftlicher Status Kleidung war auch im Römischen Reich ein wichtiges Mittel der Selbstdarstellung und Inszenierung. Doch was genau trugen die Bewohnerinnen… Von Gabriela Gehrig Von Gabriela Gehrig Gabriela Gehrig leitet das Freiwilligenprogramm von Museum Aargau und ist als Geschichtsvermittlerin tätig. Als Historikerin interessiert sie sich besonders für Sozial- und Kostümgeschichte und schneidert wann immer möglich auch selber. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schlossgeschichten Historische Kleidung Kommentare

 
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Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert

Zurück zum Blog 11. Juli 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte sind im Sammlungszentrum Egliswil aufbewahrt. Zum heutigen Sommer sind Accessoires wie Sonnenbrille oder Sonnenhut kaum mehr wegzudenken. Auch für die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts war es selbstverständlich, bestimmte Accessoires im Sommer zu tragen. Der Strohhut Der Strohhut bewahrt nicht nur den Kopf vor der heissen Sonne und ergänzt das Outfit, sondern er verkörpert mit der Strohindustrie auch einen wichtigen Aargauer Wirtschaftszweig. Bereits vor der Industrialisierung flochten und verkauften Freiämter Bauern Strohhüte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieser Industriezweig weiter zu einem Kunsthandwerk. Freiämter Produzenten exportierten ihre Strohkunstwerke auch ins Ausland. Der Strohhut war sowohl bei Damen als auch bei Herren ein beliebtes Accessoire für den Sommer. Die Strohhüte hatten für Damen und Herren in der Regel unterschiedlichen Formen, konnten sich aber auch ähneln. Die Mode der Strohhüte war nicht statisch und veränderte sich im Laufe der Zeit. Bei den Männern wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Hutmode durch die sogenannte "Kreissäge" ergänzt. Dies ist ein semi-formaler, runder Strohhut, der auch "Canotier" und im englischen "Boater" genannt wird. Es war genau vorgeschrieben, wie man ihn tragen musste: leicht nach vorne neigend und über das Ohr fallend. Besonders Sportler und später auch Frauen schätzten diesen Hut. Frauen verstanden ihn als Symbol von Emanzipation. Sie trugen ihn zur Jagd, zum Reiten und zum Fahrrad fahren. Bevor und nachdem die "Kreissäge" bei Frauen beliebt wurde, trugen sie auch andere Strohhüte. Darunter den schon im 18. Jahrhundert beliebten Schwefelhut. Dieser sehr flache Strohhut wurde durch Schwefel gebleicht und kam ursprünglich aus Frankreich. In der Schweiz ist der Schwefelhut oft auch Teil einer Tracht. Ein weiterer von Frauen getragener Strohhut war der Mitte des 19. Jahrhunderts beliebt gewordene Florentinerhut. Dies ist ein flacher, breitkrempiger, mit Blumen oder einem Schleier verzierter Strohhut. Strohhut, Canotier (Inv. Nr. K-17430) © Museum Aargau Die Sammlung von Museum Aargau hat viele Objekte aus der Aargauer Strohindustrie. Darunter auch diverse Strohhüte wie dieser "Canotier" für Herren, welcher auf die Jahre 1890 bis 1920 zu datieren ist. Dieser ovale Strohhut ist mit einem schwarzen Baumwollband geschmückt. Im Inneren auf einem seidenen Boden steht die Aufschrift: " Th. Sperlich Aarau", was ein Aarauer Hutmachergeschäft war. Zusätzlich hat der Strohhut im Innern auch ein Lederband mit der Prägung: "SUPERIOR MAKE LONDON" und der Lochprägung: "F ROHR". Letztere weist auf den ehemaligen Besitzer dieses Strohhutes hin. Schwefelhut (Inv. Nr. K-6331) © Museum Aargau Dieser Schwefelhut aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat eine Grösse von 49 cm. Er stammt ursprünglich aus einer grossen Strohartikelsammlung, die 1966 vom Museum angekauft wurde. Er ist gebleicht und farbig lackiert. Zudem wurde er mit Schwefel behandelt, um in seiner überdimensionierten Form stabil zu bleiben und ist mit zwei grünen Satinschleifen garniert. Damit der Schwefelhut auf dem Kopf bleibt, hat er ein Kinnband aus schwarzem Samt. Der Sonnenschirm und der Spazierstock Bereits im 17. Jahrhundert kam es in den höheren sozialen Schichten - vor allem in Mitteleuropa - in Mode, kleine Sonnenschirme zu tragen. Besonders war, dass diese nun von den Adligen und Reichen selbst und nicht mehr vom Personal getragen wurden. Die Sonnenschirme waren in erster Linie ein Mode-Utensil und Adelssymbol. Sie waren aber nur für schönes Wetter vorgesehen, da sie absolut nicht wetterfest waren. Für Frauen war der Sonnenschirm ein sehr wichtiges Accessoire. Denn blasse Haut galt bis Ende des 19. Jahrhunderts als besonders attraktiv. Sie war ein Statussymbol und stand für eine soziale Schicht, die nicht auf dem Feld arbeiten musste. Mit Sonnenschirmen schützte sie sich daher vor der bräunenden Sonne. Abknickbarer Sonnenschirm (Inv. Nr. K-9478) © Museum Aargau Dieser Sonnenschirm aus der Sammlung von Museum Aargau mit einem Durchmesser von 50 cm wurde zwischen 1880 und 1900 hergestellt. Der Sonnenschirm ist mit dunkelblauer Seide bespannt und hat umlaufende Zierstickereien und ist mit Fransen besetzt. Der Holzstab ist abknickbar und gedreht. Dieser Sonnenschirm kam 1982 als Schenkung in die Sammlung. Herren trugen im 19. Jahrhundert keinen Sonnenschirm mit sich. Vielmehr war der Spazierstock für sie ein typisches Accessoire, das aber nicht nur auf den Sommer begrenzt war. Vornehme Herren aus Adel und Bürgertum wurden in der Öffentlichkeit selten ohne einen Spazierstock in der Hand gesehen. Die industrielle Revolution verstärkte die Beliebtheit des Stocks, da aufgrund von maschinellen Fertigungsmethoden ein Spazierstock nun auch für einen Normalbürger bezahlbar war. Stöcke dienten nicht in erster Linie als Gehhilfe, oder um eine gerade Körperhaltung zu gewährleisten. Hauptzweck war es, die optische Erscheinung des Spaziergängers zu unterstreichen. Spazierstock von Gottfried von Mülinen (Inv. Nr. K-18981) © Museum Aargau Dieser Spazierstock aus der Sammlung wurde zwischen 1810 und 1840 hergestellt und ist aus Holz und hat einen goldenen Knauf und ein metallenes Fussstück. Auf dem Knauf ist das Monogramm "GM" eingetrieben. Dies weist darauf hin, dass der Stock Graf Gottfried (II.) von Mülinen (1790 - 1840) gehörte. Er war Major im Eidgenössischen Generalstab, bernischer Grossrat, Oberamtmann von Nidau und Historiker. Der Stock wurde dem Museum Aargau 2009 zusammen mit einem Konvolut von Gemälden und weiteren Gegenständen geschenkt. Der Fächer und die Sonnenbrille Fächer waren schon vor dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Accessoire der Damen. Besonders im Sommer konnten sich die Damen mit dem Fächer abkühlen. Da Fächer durch die verbesserten und vielfältigeren Herstellungsmöglichkeiten, die die industrielle Revolution mit sich brachte, praktisch für jeden kaufbar wurden, mussten die Damen nun besonders darauf achten, dass ihre Fächer ihre Position in der Gesellschaft hervorhoben. So gab es Holz-, Elfenbein- oder Perlmuttfächer, die mit bemaltem Papier, Seide oder Stoff bespannt waren. Bestimmte Fächer waren auch ein Produkt der im 19. Jahrhundert aufkommenden Tourismusindustrie und wurden als Souvenirs für Reisende hergestellt. Souvenir-Fächer mit Schachtel (Inv. Nr. K-18188) © Museum Aargau Dieser Fächer mit 10 Stäben, die mit durchbrochenen Voluten und mit eingelegten, gravierten Metallblättchen geschmückt sind, ist auf die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren. Der obere Teil der Stäbe liegt zwischen zwei blauen Kartonseiten. Die Kartons haben silbernes, florales Dekor und zeigen je eine typische Schweizer Sehenswürdigkeit. Darunter sind Sehenswürdigkeiten wie das Löwenmonument, die Teufelsbrücke und die Tellskapelle. Dieser Fächer stammt aus einem Haushalt in Lenzburg. Er kam 2007 als Teil eines Konvoluts in die Sammlung von Museum Aargau. Für Herren kam der Fächer im 19. Jahrhundert als Accessoire nicht wirklich in Frage. Sie trugen eher eine Sonnenbrille. Bereits im 15. Jahrhundert wurden Brillen gegen das Blenden der Sonne mit farbigen Brillengläsern versehen. Dies entwickelte sich immer weiter. So hatten viele Brillen aus dem 18. Jahrhundert qualitativ hochwertigere gelbe, grüne, blaue oder rote Gläsern. Der französische Arzt Jean-Marie-Théodore Fieuzal (1836 - 1888) wies schliesslich auf die schädlichen UV-Strahlen hin und empfahl gelbe statt blaue Gläser als Schutz zu verwenden. Obwohl es im 19. Jahrhundert bereits Bügelbrillen gab, verwendeten Männer des gehobenen Bürgertums und der Oberschicht oft lieber Zwicker. Zwicker, Sonnenbrille mit Etui (Inv. Nr. K-21701) © Museum Aargau. Die Sonnenbrille aus der Sammlung von Museum Aargau lässt sich grob auf das 19. Jahrhundert datieren. Die ovalen grün-gelblich getönten Brillengläser sind über den Steg aus vergoldetem Buntmetall miteinander verbunden. Die Sonnenbrillengläser haben keinen Korrekturschliff. Das an einem Glas befestigte goldfarbene Kettchen endet in einem filigranen Trageelement. Die Sonnenbrille ist 14.9 cm breit und stammt aus Niederlenz. Diese Sonnenbrille kam 2016 als Schenkung in die Sammlung von Museum Aargau. Weitere Blogbeiträge 17. Juni 2022 Das tragbare Sommergefühl - Zeitloser Textildruck aus Suhr Sommer: Die helle Jahreszeit steht nicht nur für heisse Tage und ein abkühlendes Bad. Auch im Sammlungszentrum in Egliswil hält der Sommer… 13. Juni 2023 Flower-Power aus der Sammlung Der Sommer naht und die Pflanzenwelt erblüht in voller Pracht. Um die farbenfrohe Blütezeit gebührend zu feiern, wird hier eine kleine… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Kommentare

 
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Die Entstehungssage der Habsburg: Zwischen Mythos und politischem Kalkül

Zurück zum Blog 14. Juli 2024 Kategorie Mittelalter Aus der Sage zum Bau der Habsburg lässt sich einiges herauslesen, das auf den ersten Eindruck im Verborgenen liegt. Der Beitrag begibt sich auf die Spur der unterschiedlichen Bedeutungsstränge des Ursprungsmythos und erklärt deren Nutzen für die Habsburger. Die Sage zur Entstehung der Habsburg , die der Dynastie der Habsburger ihren Namen gab, ist schnell erzählt. In ihrer verbreitetsten Version handelt die Geschichte vom frühhabsburgischen Grafen Radbot , der auf der Jagd seinen abgerichteten Habicht verloren haben soll. Er fand den Vogel erst nach langer Suche auf dem Wülpelsberg wieder, einem Jurahöhenzug im heutigen Kanton Aargau. Der Ort erschien ihm als idealer Standort für eine Burg. Darauf lieh er sich Geld von seinem Bruder Werner, der Bischof von Strassburg war, um an eben jener Stelle eine Burg zu errichten. Darstellung Radbots aus der 'Chronik des Hauses Habsburg' von Joseph Geissinger um 1800 (Wikimedia Commons). Anstatt das Geld vollständig in sein Bauvorhaben zu stecken, nutzte Radbot es auch dafür, die Beziehungen zu seinen Gefolgsleuten im Umland zu stärken. Als ihn sein Bruder Werner eines Tages besuchte, um die erbaute Burg zu begutachten, war er zunächst enttäuscht. Der Bau imponierte ihm wenig und er wunderte sich, wohin all sein Geld geflossen war. Über Nacht liess Radbot all seine Gefolgsleute mobilisieren und als die beiden Brüder am nächsten Morgen erwachten, war das Land um die Burg voll mit Menschen. Herren, Ritter und Knechte, alle hatten sie ihre Zelte im Feld aufgeschlagen. Werner fürchtete sich, dass sie belagert worden seien. Radbot erklärte ihm, dass das Gegenteil der Fall sei. Diese Menschen seien die tatsächlichen Mauern, die er gebaut habe. Bischof Werner gab Radbot Recht und zeigte sich sehr zufrieden. In Gedenken an seinen Lieblingsvogel nannte Graf Radbot die Burg "Habichtsburg". Im alltäglichen Wortgebrauch wurde daraus im Laufe der Zeit "Habsburg". Ursprungssage und Herrschaftslegitimation im Mittelalter Mittelalterliche Ursprungssagen wie jene zur Habsburg erzählen einiges über ihre Entstehungszeit. Mit Hilfe symbolträchtiger Erzählungen legitimieren sie die Herrschaftsansprüche der betreffenden Adelsfamilie. In der Sage zur Habsburg wird die Herrschaft der Habsburger so dargestellt, dass letztere auf die Zusammenarbeit mit allen Bevölkerungsschichten abgestützt ist. Radbot erscheint so als weiser Anführer. Er zieht gute Beziehungen zu seinen Untertanen einer imposanten Burg vor, was seine eigene Herrschaft gerecht erscheinen lässt. Älteste bekannte realitätsnahe Darstellung der Habsburg aus 'Wappenbuch des Hans Ulrich Fisch' um 1627 (Staatsarchiv Aargau). Ein weiterer wichtiger Aspekt der Geschichte ist das mystische Element des Habichtflugs, der die Lage der Habsburg bestimmt haben soll. Solch schicksalshafte Begebenheiten verleihen einer adligen Familiengeschichte eine übernatürliche Komponente. Dass die Habsburger über andere Menschen bestimmen, erscheint so als überirdische, gottgewollte Tatsache. Mythos der Habsburger als Abkommen eines römischen Geschlechts In der Ursprungssage zur Entstehung der Habsburg versteckt sich auch ein Motiv, das über die Jahrhunderte der habsburgischen Familiengeschichte hinweg bedeutend blieb: Die angebliche Abstammung der beiden Brüder Radbot und Werner von einem alten römischen Adelsgeschlecht. Es die einzige Angabe zur Herkunft der beiden Brüder in der Sage. Die Forschung vermutet, dass dieses Element einer römischen Abkunft erst im 12./13. Jahrhundert Teil der Ursprungssage wurde. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde dieses Detail zigfach in ihren dynastischen Erzählungen zitiert und intensiviert. Dass die Habsburger als Abkommen eines römischen Geschlechts dargestellt wurden, war ein Kunstgriff, um mögliche Zweifel am glorreichen Ursprung der Dynastie zu widerlegen. Dies war zur Zeit ihres Aufstiegs in die oberste Riege der europäischen Adelsgeschlechter für die Habsburger essenziell. Die Habsburger gehörten nämlich nicht zum engeren Reichsfürstenstand und hatten keine verwandtschaftlichen Beziehungen mit den alten königlichen Häusern aufzuweisen. Der Mangel hochedler Herkunft der Habsburger wurde so mit einer angeblich römischen Herkunft wettgemacht. Sagen als adelige Selbsterzählungen Die Anknüpfung an eine römische Vorgeschichte war typisch für die Selbsterzählungen der Adelsgeschlechter des im 10. Jahrhundert entstehenden Heiligen Römischen Reiches. Der Name "Heiliges Römisches Reich" leitet sich vom Anspruch dessen mittelalterlicher Herrscher ab, die Nachfolger der antiken römischen Kaiser und die universalen, weltlichen Oberhäupter der Christenheit zu sein. Wenig überraschend wurde in den Eigenerzählungen vieler germanischen Adelsfamilien ans Römertum angeknüpft. Nach antikem Vorbild des Triumphbogens der Cäsaren modellierte Ehrenpforte, die sowohl die eigenen Leistungen als auch die angeblichen mystischen Vorfahren des habsburgischen Kaisers Maximilian I. darstellen. Kolorierter Holzschnitt, 1559, Albertina Museum Wien (© Anita Pravits, 2019). Unter dem habsburgischen Kaiser Maximilian I. von Österreich wurde zu Ende des 15. Jahrhunderts die römische Herkunftslegende noch weiter in die Vergangenheit gesponnen. Eigens angestellte Hofhistoriographen erarbeiteten eine dynastische Rückführung des Habsburger-Stammes bis hin zu den Trojanern. Eine Version, welche die habsburgische Dynastie nicht nur bis auf den trojanischen König Priamus, sondern sogar bis zum biblischen Noah zurückführte, wurde hingegen wohl aufgrund der Einwände der Wiener Theologischen Fakultät nicht gedruckt. Gesichertes Wissen über die Sage zur Habsburg Kenntnisse über den Ursprung der Sage gibt es wenig. Höchstwahrscheinlich basierte die Fabel zum Habichtsflug auf mündlichen Erzählungen, die sich in der Gegend der heutigen Schweiz erzählt wurden, nachdem die Habsburger ihre Herrschaft im Gebiet des heutigen Aargaus ab dem 11. Jahrhundert auszubreiten begannen. Mit dem Aufkommen einer kritischen Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert löste man sich endgültig von den fabelhaften Ursprungserzählungen. Heute lässt sich mit Sicherheit nur festhalten, dass die Habsburg durch die Frühhabsburger im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus im Raum Brugg errichtet wurde. Dass die Habsburger danach konstant an Macht gewinnen konnten, hat unter anderem mit dem Aussterben anderer bedeutender Dynastien in derselben Region – der Lenzburger, Zähringer, Rapperswiler und Kyburger – zu tun. Mit dem neuen Fokus auf den niederösterreichischen Raum und dem Wiener Hof als Herrschaftszentrum um 1400 verlor die Sage um die Entstehung der Stammburg an Bedeutung. Die Habsburger fokussierten sich nun darauf, eine unauflösbare Verbindung zwischen dem eigenen Geschlecht und Österreich darzulegen. Die südwestliche Seite der Habsburg, wie sie sich heute präsentiert (Wikimedia Commons / Roland Zumbühl). Weitere Blogbeiträge 12. Mai 2022 Die Falknerei im Mittelalter Die Falknerei war im Mittelalter ein beliebtes Hobby adeliger Männer. Aber war die Falknerei lediglich eine adelige Spielerei – oder eben… 23. Juni 2023 Der Gutshof – Ein Zentrum der mittelalterlichen Herrschaft Im Juli 2023 wird vor den Schlosstoren von Hallwyl ein mittelalterlicher Bauernhof errichtet. Eine Gruppe Siedler zeigt authentisch den… Von Mara Jenni Von Mara Jenni Mara Jenni ist Praktikantin im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Mittelalter Kommentare 24.08.2024 Miriam Widmer Sehr interessanter Artikel. Als Bruggerin hat kennt man natürlich die Sage. Eigentlich ist es schade das es "nur" eine Sage ist. Aber schön finde ich sie trotzdem. Ich bin stolz eine Aargauerin zu sein.

 
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Musik für das Kloster: Das Wettinger Graduale

Zurück zum Blog 21. Oktober 2024 Kategorien Mittelalter Klosterleben Sie sind wohl die berühmtesten Wettinger Bücher: die drei Bände des Wettinger Graduale, die seit der Aufhebung des Zisterzienserklosters 1841 in der Kantonsbibliothek in Aarau aufbewahrt werden. Die Musikschriften blieben danach aber fast ein Jahrhundert lang unbeachtet. Und dies, obwohl sie ein Juwel der Buchmalerei darstellen. Es muss Anfang der 1930er-Jahre gewesen sein, als der Staatsarchivar Hektor Ammann die drei Bände genauer anschaute und sie dem Badener Lokalhistoriker und Bezirksschulrektor Otto Mittler zeigte. Beide merkten rasch, dass es sich dabei um bedeutende Exemplare der gotischen Buchmalerei handelte. Im Jahr 1935 dann publizierte Mittler ein erstes Mal dazu. Und bald folgte die erste akribische Untersuchung: Marie Mollwo, Studentin an der Universität Bern, reichte mitten im Zweiten Weltkrieg 1943 ihre Doktorarbeit zum Wettinger Graduale ein, im Folgejahr veröffentlichte sie ein Buch über diese grosse Musikhandschrift. Ihre wichtige Erkenntnis: Das Wettinger Graduale ist gar nicht in Wettingen entstanden. Der aufgeschlagene Band 2 des Wettinger Graduale. Es fällt sogleich die regelmässige Schrift auf. Aarau, Kantonsbibliothek Aargau, WettFm 2. Kölner Meister malen Wie kam sie zu diesem Schluss? Mittelalterliche Bücher sind nur sehr selten mit einem Schreibernamen, einem Datum oder Entstehungsort versehen. Deshalb bleibt Fachleuten nichts anderes übrig, als Texte, Schriftformen, Zeichnungen und die Malerei mit anderen Büchern zu vergleichen, zu denen mehr bekannt ist. Mollwo fand heraus, dass die drei Wettinger Handschriften in einer Kölner Werkstatt entstanden sind. Sie konnte die aufwändigen, detailreichen Bilder in einigen der Anfangsbuchstaben der Liedtexte dortigen Künstlern zuordnen – einem älteren und einem jüngeren Meister, die in der Zeit zwischen 1330 und 1335 am Mittelrhein gearbeitet haben. Vielleicht in einem klösterlichen Skriptorium, vielleicht in einer Werkstatt. Mollwo bemerkte auch: «Die Schrift der drei Gradualbände ist so gleichartig, dass sie beinahe von einem einzigen Schreiber herrühren könnte. Nur beim näheren Hinsehen erkennt man mehrere Hände» (S. 9). Maria und Christus sitzen in dieser Initiale auf dem himmlischen Thron. Sie sind umgeben von vier Engeln, unter ihnen 19 verschiedene Heilige. Aarau, Kantonsbibliothek Aargau, WettFm 3, fol. 86r. Wettinger Graduale: Drei Bände genau geplant Das Wettinger Graduale ist das Resultat detaillierter Planung. Der Beschreibstoff ist Pergament, also Tierhaut, vielleicht von Schafen. Wohl mehr als 150 solche Tiere brauchte es für die 666 Blatt. Vier bis fünf zugeschnittene Pergamentstreifen wurden jeweils ineinandergelegt, zu einzelnen Lagen gefaltet, beschrieben und mit Verzierungen versehen. Erst dann banden sie die Kunsthandwerker zusammen und fügten sie zu einem Buch zusammen – in diesem Fall drei Bände. Der erste Band umfasst die Messgesänge der hohen Kirchfeste für das Winterhalbjahr von Weihnachten bis zum Palmsonntag. Der zweite Band enthält Melodien und Texte für die Feste im Sommer von Ostern über Pfingsten bis zu Fronleichnam. Im dritten Band sind die Gesänge für die grossen Heiligenfeste enthalten, vier Marienfeste (Lichtmess, Verkündigung, Himmelfahrt, Geburt) und Allerheiligen. Eine Randverzierung im Band 2 des Wettinger Graduale: Ein Mönch singt, der andere spielt Orgel, beide tragen den Habit (die Tracht) von Augustiner Eremiten, einem nach der Augustinerregel lebenden Bettelorden. Dieser Orden entstand im 13. Jahrhundert aus der Armutsbewegung. Aarau, Kantonsbibliothek Aargau, WettFm 2, fol. 175v. In Wettingen gestrandet Auch über die ursprünglichen Auftraggeber lässt sich nach gründlicher Analyse vermutlich sagen: Es waren Augustiner Eremiten. Auf den Blattverzierungen sind nämlich zweimal Mönche im entsprechenden klösterlichen Gewand zu sehen. In Band 3 gibt ein Gesangstext einen Hinweis darauf, dass der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo ein wichtiger Heiliger war für diejenigen, die diese Musikhandschrift schliesslich im Gottesdienst brauchten. Wohl eine Gemeinschaft, die nach der Augustinerregel lebte. Denn das grosse Format lässt keinen Zweifel daran, dass die Handschrift für eine Ordensgemeinschaft gedacht war: Sie war so gross, dass sie im Zentrum des Mönchchors aufgestellt werden konnte, sodass Sänger gemeinsam aus Distanz hineinschauen konnten. Warum aber landete diese augustinische Handschrift in Wettingen? Darüber lässt sich nur mutmassen. Vielleicht befanden sich die drei Bücher um 1500 in Zürich bei den Augustiner Eremiten in der heutigen Kirche beim Rennweg. Als aufgrund der Reformation 1524 alle Klöster in der Stadt aufgehoben wurden, waren diese Bücher wie viele Kunstwerke «übrig». Und vielleicht kamen sie dann, so wie auch anderes «Strandgut», nach Wettingen. Sie ergänzten die mittelalterliche Musikbibliothek – heute ist von ihnen nicht mehr viel bekannt. Von einer Handschrift wissen wir aber sicher, dass sie in Wettingen Hergestellt wurde. Sie lagert heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Weiterlesen: Peter Hoegger: Die Initialbilder im «Wettinger Graduale» und ihre stilistischen Wurzeln . In: Badener Neujahrsblätter 70 (1995), S. 80–99. Marie Mollwo: Das Wettinger Graduale. Eine geistliche Bilderfolge vom Meister des Kasseler Willehalmcodex und seinem Nachfolger. Bern 1944. Neue Klostergeschichte Wettingen, Blog . …und weiterschauen: Digitalisat Wettinger Graduale in der Kantonsbibliothek Aargau, Band 1, WettFm 1 . Digitalisat Wettinger Graduale in der Kantonsbibliothek Aargau, Band 2, WettFm 2 . Digitalisat Wettinger Graduale in der Kantonsbibliothek Aargau, Band 3, WettFm 3 . Digitalisat Antiphonar aus Wettingen in der Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Sal. X,6 . Weitere Blogbeiträge 14. August 2023 Wie kommt die Meerjungfrau ins Kloster Wettingen? Auf der Klosterhalbinsel Wettingen findet sich an Gebäuden, in Gemälden und im Wappen des Klosters selbst eine Meerjungfrau mit zwei… 05. Juli 2023 Glaubensfragen und Machtkämpfe: So entstand das Kloster Wettingen Das Kloster Wettingen wurde 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Eine Legende will, dass er in Seenot Maria, die Mutter Gottes,… 23. Mai 2022 Schweigend Sprechen: die Zeichensprache der Mönche Um im Klosteralltag die Stille zu wahren, verwendeten Mönchsorden wie die Zisterziensier eine monastische Gebärdensprache. Von Ruth Wiederkehr Von Ruth Wiederkehr Ruth Wiederkehr ist Historikerin und schreibt zusammen mit weiteren Historikerinnen und Historikern die Neue Wettinger Klostergeschichte. 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Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG

Zurück zum Blog 19. Dezember 2023 Kategorien 20./21. Jh. Historische Kleidung Schätze aus der Sammlung Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der Sammlung Museum Aargau eine Frisch-Service-Uniform. Wer gerne frische und knusprige Zweifel-Chips geniesst, hat es unter anderem dem sogenannten Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG zu verdanken. Diese sorgen dafür, dass in den Läden keine abgelaufenen Pommes-Chips vorhanden sind. Bereits 1962 führte Hans-Heinrich Zweifel den Frisch-Service ein. Damals war es eine Flotte von zehn VW-Bussen, welche die ganze Schweiz mit Chips belieferten und die jeweils abgelaufenen Chips aus den Regalen wieder zurücknahmen. Die VW-Busse waren auffällig beschriftet und fuhren während der Arbeitswoche ihre normalen Strecken ab, wobei sie samstags jeweils als "Karawane" durch das Land fuhren und für ihre Produkte warben. Der Frisch-Service hatte in den Jahren nach seiner Gründung eine für die damalige Schweiz eher ungewöhnliche Uniform. Sie bestand aus einer weissen Jacke, Hose und Mütze. Die Jacke hatte einen roten Kragen und rot-gelbe Akzente bei den Brusttaschen. Stilistisch war sie den Uniformen von amerikanischen Milchmännern der 1950er-Jahre sehr ähnlich. Dies deutet auch auf die Amerikanisierung der Essgewohnheiten der Schweizer Bevölkerung in den 1960er-Jahren hin. Heutzutage ist der Frisch-Service immer noch unterwegs. Täglich sind rund 140 Personen des Frisch-Services, ausgehend von zwölf Depots in der Schweiz, unterwegs. Neben dem Beliefern von rund 16'000 Verkaufsstellen mit Chips und Snacks beraten sie auch die Kundinnen und Kunden von Zweifel Pomy-Chips AG persönlich und prüfen deren Angebot. Dabei sind die orangen Lieferwagen, jetzt meist der Automarke Iveco, schon fast ikonisch. VW-Busse des Frisch-Services von Zweifel Pomy-Chips AG vor der damaligen Fabrik in Höngg. Quelle: Firmenarchiv von Zweifel Pomy-Chips AG. Die Frisch-Service-Uniform Anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Frisch-Services im Jahr 2012 hat Zweifel Pomy-Chips AG der Firma Burk Ari den Auftrag gegeben, eine Nachbildung der ursprünglichen Uniform des Frisch-Services aus den 1960er-Jahren herzustellen. Unter anderem befindet sich in der Genusswerkstatt von Zweifel Pomy-Chips eine weitere solche Frisch-Service-Uniform, die die Gäste bewundern können. Zweifel Pomy-Chips AG schenkte im Sommer 2023 diese nachgemachte Uniform der Sammlung Museum Aargau anlässlich des neu erschienenen Buches zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG, welches von Museum Aargau publiziert wurde. Neben der Frisch-Service-Uniform erhielt die Sammlung noch viele andere Objekte wie beispielsweise Werbegeschenke und Spielzeuge, die Zweifel anfertigen liess. Die Jacke hat 52.8 cm lange Ärmel und ist 59.5 cm hoch. Die Hose hat eine Länge von 109.5 cm. Die Kopie der Uniform besteht aus Kunstfasern und darf nur trocken gereinigt werden. Das Foto wurde für das Buch über die Firma Zweifel Pomy-Chips AG im Sammlungszentrum Egliswil geschossen. Quelle: Museum Aargau, Inv.-Nr. K-23158. Ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-AG Zweifel Pomy-Chips AG ist der zweite Band der Reihe "Aargauer Industriegeschichten", die sowohl bekannte als auch weniger bekannte Aargauer Firmen vorstellt. In dieser Publikation thematisiert Historikerin Ruth Wiederkehr die Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Der Fokus des Buches liegt dabei auf der Aargauer Geschichte des Familienunternehmens. Dazu gehören mitunter die Entwicklung der Chips, der Umzug nach Spreitenbach im Aargau, die innovative Werbe- und Wirtschaftstätigkeit der Firma sowie die Frage der gesunden Ernährung. Es werden in dieser Publikation auch teilweise noch nie veröffentlichte Bilder gezeigt. Das Buch ist im Onlineshop von Museum Aargau sowie nach der Eröffnung der Standorte im April 2024 in den Museumsshops vor Ort erhältlich. Umschlag von Band 2 der Aargauer Industriegeschichten. Quelle: Firmenarchiv von Zweifel Pomy-Chips AG, Gestaltung: BarbieriBucher. Die Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG in Kürze Die Zweifel Pomy-Chips AG begann 1958 mit der Produktion von Chips. Zu dieser Zeit war das Hauptgeschäft aber immer noch der Apfelmost. Erst als Hans-Heinrich Zweifel das Chips-Geschäft übernahm, entwickelte es sich dank des rasanten Wachstums zum Hauptgeschäft der Familie. Bereits 1960 konnte die erste grössere Frittier-Maschine – der sogenannte "freundliche Drachen" ( Ferry 3 ) aus den USA bestellt werden. Pommes-Chips waren in den 1960er-Jahren in der Schweiz noch nicht gross bekannt. Die Zweifel Pomy-Chips AG wollte daher das neue Nahrungsmittel mit Werbung auf verschiedenen Kanälen bekannt machen. Dazu gehörten die Geschichte über die Erfindung der Chips und schmackhafte Menuvorschläge. Diese Herangehensweise war so erfolgreich, dass 1970 die Produktionsmöglichkeiten in Höngg nicht mehr ausreichten und es zum Umzug nach Spreitenbach kam. Seither wurde die Fabrik in Spreitenbach immer wieder erweitert. Zuletzt die Eröffnung der neuen Gebäude im Jahr 2019, worin sich auch die Genusswerkstatt befindet. Die Öffentlichkeit konnte aufgrund der Pandemie aber erst im Jahr 2021 die Genusswerkstatt besuchen. Heutzutage gilt Zweifel Pomy-Chips als einer der besten Arbeitgeber der Schweiz und wurde diesbezüglich von Statista und der „Handelszeitung“ ausgezeichnet. Blick auf die Passerelle und den Neubau von 2019 (hinten links) in Spreitenbach. Im Neubau befinden sich Einrichtungen für Forschung und Entwicklung, Büroräumlichkeiten, ein Personalrestaurant sowie die neue Genusswerkstatt für die Besucherinnen und Besucher. Quelle: Zweifel Pomy-Chips AG, Fotograf: Philipp Funke. Weitere Beiträge 17. Oktober 2023 Alternative Haushaltsgeräte ohne Strom Heutzutage sind strom- und batteriebetriebene Geräte aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken. Angesichts steigender Stromkosten und… 07. April 2020 Kochvideo: Gebackene Zwiebeln – Rezept aus dem Mittelalter Kochen Sie gebackene Zwiebeln nach einem raffinierten Rezept aus dem Mittelalter. 04. Oktober 2023 Frisches Bier im passenden Bierhumpen Mit den ersten frischeren Tagen im Herbst beginnen zahlreiche Volksfeste. Seien dies Erntedankfeste, Winzerfeste oder andere Anlässe wie das… Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Historische Kleidung Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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Die Entwicklung der Reiseapotheken: vom Altertum bis ins 18. Jahrhundert

Zurück zum Blog 24. Juli 2024 Kategorien Mittelalter Neuzeit Schätze aus der Sammlung Reisen war früher gefährlich und mühsam. Doch mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke konnte man sich auf die zahlreichen Gefahren vorbereiten. Ein Fuhrmann mit Pferd und Karren, Hausbuch der Nürnberger, Amb. 317.2 Folio 27 verso (Mendel I), Tinte (schwarz), Wasserfarben (grün, braun, grau), Höhung in Weiss und Rot, um 142 (Wikimedia Commons). Früher war Reisen ein mühsames und gefährliches Unternehmen. Die Wege waren schlecht, die Kutschen unbequem und oft führten einsame Pfade durch unbekanntes Gebiet. Die Reisenden waren damals viel grösseren Gefahren ausgesetzt als heute und hatten keine Möglichkeit, schnell Hilfe zu holen. Sich zu verletzen oder zu erkranken konnte tödlich enden. Daher war es üblich – wie teils auch heute noch –, eine Reiseapotheke für Notfälle bei sich zu haben. Reiseapotheken im Altertum und Mittelalter Die Apotheken jener Zeit unterschieden sich stark von modernen Vorstellungen einer Apotheke. Ähnlich wie heute enthielten die Reiseapotheken Mittel gegen Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit sowie Hilfsmittel gegen Bisse oder Floh- und Wanzenstiche. Reiseapotheken existieren in verschiedenen Formen bereits seit der Antike (ein Beispiel wäre Plinius Schrift Medicina Plinii aus dem 4. Jahrhundert, welche bis ins Mittelalter verbreitet war). Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die Form der Reiseapotheke erheblich – von Kräuterbüchern und kunstvoll gestalteten, schweren Truhen hin zu kleinen kompakten Taschen, Boxen oder wasserdichten Beuteln. Kreutterbuch, 16. Jahrhundert, Frankfurt am Main, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-6706. Reisen im Altertum und Mittelalter Reisen waren lang, da Pferde oder gar Kutschen für die meisten Leute zu teuer waren. Vielfach waren Reisen – so etwa bei Wallfahrten – religiös motiviert. Ab der Römerzeit reisten insbesondere Pilger, Geschäftsleute oder Soldaten. Auch das gewöhnliche Volk war unterwegs, allerdings vor allem, um Seuchen oder Kriegen zu entkommen. Dank des ausgebauten Strassennetzes der Römer war das Reisen im Vergleich zu früheren Zeiten einfacher. Im Mittelalter verschlechterte sich jedoch der Zustand der römischen Strassen, sodass Reisen auf unebenen Feldwegen erfolgten. Bildungsreisen im 18. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert war das Reisen und das Kennenlernen fremder Länder besonders in Europa sehr verbreitet. Adelige und wohlhabende Bürger begaben sich auf Bildungsreisen ( Grand Tour ), um die Kultur und Kunst Europas zu entdecken. Florenz, Rom, Venedig, Nizza und Paris standen auf der Reiseroute der Grand Tour . Die Reisenden auf einer Grand Tour führten in der Regel viel Gepäck mit, darunter auch die Reiseapotheke, um eine komfortable und sichere Reise zu gewährleisten. In Reiseapotheken des 18. Jahrhunderts findet man oft kleine Glasfläschchen mit Mitteln zur Behandlung von Krankheiten und sogar chirurgische Instrumente, sofern man sich diese leisten konnte. Gebildete Leute verfügten zusätzlich über ein Kräuter- oder Arzneibuch, um die Arzneimittel selbst herstellen zu können. Die mysteriöse Truhe der Sammlung Museum Aargau In der Sammlung Museum Aargau befindet sich eine Reiseapotheke des 18. Jahrhunderts, deren Eigentümer unbekannt ist. Auf den ersten Blick und in geschlossenen Zustand erscheint sie wie eine geheimnisvolle Schatztruhe, welche Betrachterinnen oder Betrachter einlädt, sie zu öffnen und ihren Inhalt zu entdecken. Diese kunstvolle und elegante Reiseapotheke zeigt typische Merkmale der Reiseapotheken des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie ist in Form einer Truhe gestaltet und aus Holz gefertigt, das mit Leder überzogen ist. Die Apotheke enthält zudem typische Arzneimittel jener Zeit. Geöffnete Reiseapotheke mit neun Phiolen mit verschiedenen Substanzen, ein kleines Döschen und zwei eingepackte Arzneimittel (Sammlung Museum Aargau, Inv.Nr- K-940.) Inhalt der Reiseapotheke In der Reiseapotheke der Sammlung Museum Aargau befinden sich neun Phiolen aus weissem Glas, die unterschiedlich gross sind. Sie enthalten fast alle noch originales Pulver oder Pillen und sind mit Leder abgebunden und beschriftet. Auf dem nachfolgenden Foto sind von links nach rechts drei der neun Gläser aus der Reiseapotheke zu sehen. Ihre Lederdeckel enthalten folgende Bezeichnungen: P. Antispasm, Pil. Purgantes, P. Bezoard . Entsprechend dem Inhalt könnte hier P. für «pulvis» (Pulver) und Pil. für «Pillula» (Kleine Pille) stehen. Diese drei Arzneimittel waren im 18. Jahrhundert sehr verbreitet. Der Pulvis Antispasmicodicum ist ein Antikrampfmittel, die Pillulae Purgantes wurden für die Reinigung des Darms und für eine bessere Verdauung verwendet, Pulvis Bezoard für die Entgiftung. Fazit Reiseapotheken haben eine lange Tradition. Auch heute sind sie noch aktuell und stellen für uns wichtige Reisebegleiter dar. Form und Inhalt der Reiseapotheken haben sich im Laufe der Zeit jedoch stark verändert. Während moderne Reiseapotheken kompakt und spezialisiert sind, waren damalige Reiseapotheken auch faszinierende kleine Kunstwerke. Die Grundidee von Reiseapotheken blieb jedoch stets dieselbe: die Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit auf Reisen. Weitere Blogbeiträge 08. Mai 2024 Reisekultur und Reiseliteratur im 18. und 19. Jahrhundert Die Wildegger Schlossbibliothek birgt zahlreiche Reisbücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Anhand dieser Schriften lässt sich wunderbar… 07. Juni 2024 Quiz: Was wissen Sie über alte Heilpflanzen? Woher kommt die Bezeichnung für Basilikum? Welche Blumen werden bei Verdauungsbeschwerden angewendet? Testen Sie Ihr Wissen in diesem Quiz! 01. Dezember 2021 Gesund durch den Winter mit Arzneien von Burkhard von Hallwyl (Teil 1) Im Winter muss man besonders gut auf die Gesundheit achten. Folgende Rezepte gegen Winterkrankheiten von Burkhard III. von Hallwyl könnten… Von Patricia Striebel Von Patricia Striebel Patricia Striebel ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Neuzeit Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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So wird ein Marienkleid aus dem 18. Jh. konserviert

Zurück zum Blog 20. September 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Leider nagt der Zahn der Zeit an allen historischen Objekten unserer Sammlung. Wie ein wertvolles Marienkleid aus dem 18. Jh. konserviert wurde, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag. Schäden können an historischen Objekten entstehen, weshalb eine Restaurierung oder eine Konservierung nötig wird. Dies geschah auch mit den Marienkleidern, die auf Schloss Hallwy l zu besichtigen sind. Konservierung und Restaurierung sind nicht dasselbe Unter Konservierung und Restaurierung wird grundsätzlich das Dokumentieren, Erhalten, Präservieren und Wiederherstellen verstanden. Dies trifft sowohl auf materielle als auch immaterielle Kunst- und Kulturgüter zu. Beim Restaurieren wird ein Objekt bearbeitet, mit dem Ziel, eine deutlichere kulturelle "Lesbarkeit" des Objektes herzustellen. Dabei werden die historischen und physischen Eigenschaften des Objektes so weit wie möglich respektiert. Restaurieren kann auch das Ergänzen und Rekonstruieren bedeuten, während bei der Konservierung nur erhaltende Massnahmen durchgeführt werden. Das heisst, dass eine Konservierung direkte Eingriffe an einem Objekt umfasst mit dem Ziel, den Zustand eines Objektes zu stabilisieren und weiteren Verfall aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen. Ein goldenes Marienkleid aus dem 18. Jh. Das Goldbrokatkleid der Marienfigur ist auf das Ende des 18. Jahrhundert zu datieren. Die Sammlung Museum Aargau kaufte dieses Kleid zusammen mit anderen Marienkleidern als Konvolut im Jahr 1969. Zum Konvolut gehörte auch die Maria- und Jesuskind-Puppe, welche die verschiedenen Kleider sowie eine Krone und ein Zepter tragen. Dabei spricht man auch von einer Einkleide-Madonna. Das goldene Marienkleid besteht aus Brokat und Taft, die aus Seide und Baumwolle sind. Genauer gesagt ist es Seidenbrokat mit einer floralen Musterung und gewebten Goldborten. Das Futter ist violetter Seidentaft. Die Marienfigur trägt daneben noch einen brokatenen Schleier. Goldbrokat Marienschleier nach der Konservierung, Fotografie: (Inv. Nr. K-5421), Ina von Woyski Niedermann, Textilkonservierung SKR. Das Bekleiden von Bildwerken wie dieser Einkleide-Madonna lässt sich anhand von Denkmälern und Urkunden bis in das spätere Mittelalter zurückverfolgen. Grundsätzlich ist diese Sitte an die Entstehung des Andachtsbildes gebunden, wobei vor allem "Gnadenbilder" bekleidet wurden. In der Barockzeit bekleidete man vornehmlich gotische oder romanische Skulpturen. Auch beschränkt sich das Bekleiden nicht mehr hauptsächlich auf Marienbilder, Statuen aller Heiligen wurden nun mit Gewändern versehen. Die Kleider der Einkleide-Madonna wurden dabei oft von reicheren Frauen gespendet. Die Einkleide-Madonna auf Schloss Hallwyl vor ihrer Konservierung (Bild: Museum Aargau). Textilkonservierung Das Goldbrokatkleid der Marienfigur wurde nicht restauriert, sondern konserviert. Das heisst, es gab keine grösseren Veränderungen am Kleid. Die Konservatorin Woyski Niedermann führte nur erhaltende und reinigende Massnahmen durch. Es wurde aber nicht nur das goldene Brokatkleid und der Schleier konserviert. Zu dieser Konservierung gehörten auch Arbeiten an den Holzpuppen, zwei Unterröcken, einem Umhang, einem bestickten Seidensatingürtel sowie roten und weissen Damastkleidern für die Maria- und Jesuspuppe. Goldbrokat Marienkleid, vor und nach der Konservierung, Fotografie: (Inv. Nr. K-5420), Ina von Woyski Niedermann, Textilkonservierung SKR. In der Dokumentation zur Konservierung des Kleides wurde auch der Zustand des Kleides vor der Konservierung beschrieben. Beschrieben wird, dass es zahlreiche neue lose flottierende Metallschussfäden gab. Interessant dabei ist, dass es bereits Spannstiche für das Fixieren der losen Metallfäden gab, die selbst nicht mehr hielten. Daneben waren zahlreiche alte Restaurierungen beschädigt und es gab einige dunkle Flecken sowie eine alte Stopfstelle der Oberkante. Bei der Konservierung selbst war das Ziel, die langfristige Erhaltung und optische Verbesserung des Kleides zu erreichen. Dafür hat die Konservatorin das Kleid sorgfältig abgesaugt und mittels Goretexmembran befeuchtet. Danach wurde das Kleid zum Trocknen glatt ausgesteckt. Anschliessend ersetzte und ergänzte die Konservatorin die fehlerhaften Spannstiche. Goldbrokat Marienkleid, Spannstiche einer früheren Restaurierung halten nicht mehr vollständig, weshalb bei der Konservierung zusätzliche Spannstiche eingefügt wurden, die die losen Metallfäden fixieren. Fotografie: (Inv. Nr. K-5420), Ina von Woyski Niedermann, Textilkonservierung SKR. Bei den anderen brokatenen Kleidungsstücken führte die Konservatorin dieselben Arbeiten durch. Beim Schleier versuchte sie zusätzlich die ausgeblutete Farbe durch lokales Benetzen und Absaugen zu reduzieren, doch die grüne Farbe blutete so stark aus, dass die Gefahr neuer Flecken zu gross war. Nachdem die Konservatorin ihre Arbeit durchgeführt hatte, kam das Kleid wieder ins Schloss Hallwyl. Die Einkleide-Madonna ist nun wieder schön eingekleidet und wartet jetzt auf einen Besuch der Leserinnen und Leser. Goldbrokat Marienschleier, vor und nach der Konservierung, Fotografie: (Inv. Nr. K-5421), Ina von Woyski Niedermann, Textilkonservierung SKR. Weitere Blogbeiträge 19. April 2023 Das erweitere Sammlungszentrum Egliswil von Museum Aargau Museum Aargau hat am 1. April 2023 das erweiterte Sammlungszentrum Egliswil eröffnet. Nach dem aktuellen Ausbau bietet das Sammlungszentrum… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… 06. April 2023 Christliche Geschichten als Comic verpackt: Glasmalereien in der Kirche Königsfelden Die prächtigen Glasfenster der Klosterkirche Königsfelden beeindrucken seit dem 14. Jahrhundert. Die Glasmalereien erzählen die wichtigsten… Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Kommentare

 
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Spielleute im Mittelalter

Zurück zum Blog 23. August 2023 Kategorien Mittelalter Märchen & Mythen Schlossgeschichten Spielleute waren die Unterhaltungskünstlerinnen und -künstler des Mittelalters schlechthin. Kein Fest oder Jahrmarkt fand ohne sie statt. Trotz ihrer grossen Beliebtheit kämpften sie mit allerlei Vorurteilen. Spielleute machten im Mittelalter Unterhaltungskunst aller Art. Sie musizierten, sangen und tanzten. Andere führten Zauberkunststücke auf, machten Witze und waghalsige Akrobatik oder boten ein Schauspiel dar. Unterhaltungskunst im Mittelalter Die Spielleute entstammten verschiedenen sozialen Schichten. Manche verarmte Adlige und Ritter betätigten sich als solche. Sogar entlaufene Nonnen und Mönche waren unter ihnen. Die meisten stammten jedoch aus der sozialen Unterschicht. Die Kinder von Spielleuten wurden oft selbst wieder Spielleute. Gemeinsam war ihnen, dass sie nicht sesshaft und fast ständig unterwegs waren: Sie zogen von Stadt zu Stadt weiter, um Menschen zu unterhalten und ihr tägliches Brot zu verdienen. Spielleute sorgten überall für Unterhaltung, fröhliche Stimmung und gute Laune. Ihre Auftrittsorte waren äusserst vielfältig: Kein Fest fand ohne sie statt. Sie belebten Jahrmärkte und Fürstenhöfe, begleiteten Prozessionen oder unterhielten Leute in Wirtshäusern. Ein Spielmann spielt auf der Sackpfeife zum Tanze auf. Pieter Bruegel der Ältere, Bauerntanz, ca. 1568, Öl auf Eichenholz, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie (Wikimedia Commons). Erkennungszeichen und Kleidung von Spielleuten Spielleute waren sofort zu erkennen: Ihre farbige Kleidung sowie daran befestigte Schlitze und Glöckchen erregten die Aufmerksamkeit des Publikums. Diese trugen sie nicht ganz freiwillig: Kleiderordnungen schrieben ihnen auffällige Kleider vor, damit sie von den "ehrlichen" Personen unterschieden werden konnten. Oft trugen Spielmänner Kleidung im sogenannten "mi-parti"-Stil. Bei Mi-Parti (dt. halb-geteilt) handelt es sich um in der Mitte hälftig geteilte Ober- und Unterbekleidung. Die beiden Seiten waren verschieden gefärbt oder gemustert. Kräftige Farben, insbesondere rot und grün, wurden hierbei verwendet. Simone Martini, Freskenzyklus Leben des Hl. Martin von Tours, San Francesco in Assisi, Szene: Der Hl. Martin wird vom Kaiser für den Militärdienst verpflichtet, ca. 1312–1317, Fresko. (Wikimedia Commons) Spielleute und die Kirche Auch wenn Spielleute äusserst beliebte Unterhaltungskünstlerinnen und -künstler waren, kämpften sie mit vielen Vorurteilen. Besonders der Kirche und Klerikern waren sie ein Dorn im Auge, brachten sie doch Menschen von einem christlichen Lebenswandel ab. So würde ihre Musik etwa zu unsittlichem Verhalten verführen. Kirche und Kleriker betrachteten sie als Diener Satans. Ironischerweise traten Spielleute auch in Klöstern auf. Die Haltung der Kirche gegenüber den Spielleuten war widersprüchlich. Rechtliche Situation der Spielleute im Mittelalter Die Vorurteile der Kirche gegenüber Spielleuten wirkte sich auf die weltliche Rechtsprechung aus. Spielleute galten als rechtlos, denn sie übten ein unehrliches Gewerbe aus. Sie hatten eingeschränkte Rechte. Zum Beispiel konnten sie nicht vor Gericht aussagen. Wenn jemand ihnen schadete, durften sie nur am Schatten des Täters Rache nehmen. Ausschnitt aus: Eike von Repgow, Heidelberger Sachsenspiegel, Anfang 14. Jh., Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 164, S. 20r. Fahrende Fremde Spielleute waren mit vielen weiteren Vorurteilen konfrontiert. Als fremde, nicht sesshafte Fahrende ernteten sie viel Misstrauen. Da sie nirgendwo dazugehörten und auch nicht einen festen Platz in der Ständeordnung des Mittelalters hatten, galten sie als verdächtig. Ihr Beruf gehörte zu den unehrlichen und damit anrüchigen. Da sie in Wirtshäusern übernachteten, bezichtigte man sie der Spiel- und Trunksucht sowie der Völlerei. Auch ein Hang zu Verbrechen sagte man ihnen nach. Die Lage der Spielfrauen Es gab ausserdem frauenspezifische Vorurteile. So rückten Zeitgenossen Spielfrauen in die Nähe von Dirnen. Gerade Tänzerinnen betrachteten sie als anrüchig und sündhaft. Prediger behaupteten, ihre Gesichtsschminke hätten sie direkt vom Teufel erhalten, um Männer zu verführen. Die Spielfrauen machten Angst, weil sie sich der sozialen Ordnung und Kontrolle entzogen. Literatur: Bachfischer, Margrit: Musikanten, Gaukler und Vaganten. Spielmannskunst im Mittelalter. Augsburg 1998. Hartung, Wolfgang: Die Spielleute im Mittelalter. Gaukler, Dichter, Musikanten. Düsseldorf/Zürich 2003. Weitere Blogbeiträge 21. Mai 2023 Das Einhorn als christliches Symboltier im Mittelalter Bis heute steht die Taube symbolisch für den heiligen Geist und das Lamm für Christus. Im Mittelalter gehörte aber auch das Einhorn zu den… 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? 23. Juni 2023 Der Gutshof – Ein Zentrum der mittelalterlichen Herrschaft Im Juli 2023 wird vor den Schlosstoren von Hallwyl ein mittelalterlicher Bauernhof errichtet. Eine Gruppe Siedler zeigt authentisch den… Von Sara Wenzinger Von Sara Wenzinger Sara Wenzinger ist Historikerin und Praktikantin im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Märchen & Mythen Schlossgeschichten Kommentare

 
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Der Gutshof – Ein Zentrum der mittelalterlichen Herrschaft

Zurück zum Blog 23. Juni 2023 Kategorie Mittelalter Im Juli 2023 wird vor den Schlosstoren von Hallwyl ein mittelalterlicher Bauernhof errichtet. Eine Gruppe Siedler zeigt authentisch den Bauernalltag auf einem Gutshof im 12. Jahrhundert. Ein Gutshof ist nun aber kein herkömmlicher Bauernhof. Er war in direktem Besitz des lokalen Fürsten und war ein Knotenpunkt in der Verwaltung seines Territoriums. Es war ein Verwaltungssystem, an das auch heute noch die Familiennamen Meier und Keller erinnern. Höfe als Verwaltungszentren Wenn man an die Zentren fürstlicher Herrschaft denkt, kommt einem zuerst die Burg in den Sinn. Der Gutshof dagegen ist weitgehend unbekannt, obwohl er im mittelalterlichen Verwaltungsapparat eine wichtige Rolle einnahm. Im 7. Jahrhundert begann sich in Frankreich eine neue Verwaltungsstruktur auszubilden. Mehrere Bauernhöfe wurden zu einem Hofverband zusammengeschlossen, in dessen Zentrum ein herrschaftlicher Gutshof stand. In der Schweiz sind solche Hofverbände ab dem 8. Jahrhundert nachweisbar und hielten sich bis ins 14. Jahrhundert. Während dieser Zeit bildeten Gutshöfe und Hofverbände nicht nur die Verwaltung fürstlicher, sondern auch kirchlicher Ländereien. Der herrschaftliche Gutshof Gutshöfe werden auch immer wieder Fronhöfe genannt. Sie waren in sehr unterschiedlichen Formen angelegt. Wichtig war ihre Verwaltungsposition, die Form hingegen war von der Grösse des Hofverbandes sowie den Bedürfnissen und Mitteln des Herren abhängig. So konnte ein Gutshof durchaus wie ein normaler Bauernhof aussehen. Andererseits gab es auch weitläufige Hofkomplexe mit Herrenhaus und mehreren Wirtschaftsgebäuden. Oft waren an solche Anlagen Kirchen angeschlossen, welche das Zentrum des religiösen Lebens des Hofverbandes waren. Zudem konnten grösserer Gutshöfe auch befestigt sein. Umgeben war der Gutshof vom sogenannten Solland. Dabei handelte es sich um landwirtschaftliche Nutzflächen, die sich im direkten Besitz des lokalen Herren befanden und von diesem bewirtschaftet wurden. Ein Gutshof in Hundsheim in Österreich, umgeben von modernen Wohnhäusern. (Autor: Benko1971, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria). Der Hofverband Rund um den Gutshof gliederten sich die Bauernhöfe des Hofverbandes. Sie wurden von Bauern bewirtschaftet, die zum lokalen Grundherren in einem Abhängigkeitsverhältnis standen. Sie waren ihrem Herren gegenüber zu Abgaben und Frondiensten verpflichtet. Bei Letzteren handelt es sich um obligatorische Arbeitseinsätze, welche die Bauern ihrem Herren schuldig waren. Dabei mussten sie auf dem Solland des Herrn arbeiten oder sonstige Dienste verrichten. Die meisten Abgaben der Bauern waren landwirtschaftliche Erzeugnisse. Der Handel mit Geld existierte zwar zu jener Zeit bereits, auf lokaler Ebene herrschte aber noch der Austausch von Gütern und Dienstleistungen vor. Der Geldhandel gewann jedoch zunehmen an Bedeutung. Im 13. Und 14. Jahrhundert begann er dann die Attraktivität des Hofverbandes zu untergraben. Grundherren bevorzugten es nun, die Abgaben der Bauern in Geld und nicht mehr in Gütern und Arbeit zu beziehen. So zogen sich die Herren zunehmend aus den Gutshöfen zurück, während die Hofverbände zu Dörfern zusammenwuchsen. Gruppe mittelalterlicher Bauern auf dem Weg zum Gutshof. Darstellerinnen und Darsteller der Gruppe "abenteuer-zeitreise" (© abenteuer-zeitreise). Meier und Keller Auf den Gutshöfen beschäftigten die Grundherren eine Vielzahl an Personal, um den täglichen Betrieb des Hofes zu regeln. Dieses befand sich genau wie die Bauern in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Herren. Kernpositionen unter diesen Bediensteten nahmen der Meiger und der Cellerar ein. Der Meiger war der Leiter des Hofbetriebes, während der Cellerar für die Lagerung und Verteilung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zuständig war. Von diesen Positionen im Hofverband leiten sich die heutigen Familiennamen Meier und Keller ab. Der Gutshof war ein wichtiger Knotenpunkt in der mittelalterlichen Grundherrschaft. Er war der persönliche Hof des Grundbesitzers und war im Zentrum eines Hofverbandes. Die Bauern aus den umliegenden Höfen waren zu Abgaben und Fronarbeit auf den Feldern des Herren verpflichtet. Das Verwaltungssystem der Gutshöfe existierte in der Schweiz in dieser Form ab dem 8. Jahrhundert. Über die nachfolgenden Jahrhunderte war es ein integraler Bestandteil des mittelalterlichen Alltags. Erst im 13. und 14. Jahrhundert wurde der Fronhof und der Hofverband durch die zunehmende Geldwirtschaft verdrängt. Weitere Blogbeiträge 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? 12. Mai 2022 Die Falknerei im Mittelalter Die Falknerei war im Mittelalter ein beliebtes Hobby adeliger Männer. 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Luftaufnahme Klosterhalbinsel Wettingen im Gegenlicht mit dramatischen Wolken über dem Kloster.

Klosterhalbinsel Wettingen

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Die Klosterhalbinsel Wettingen ist ein Kulturgut von internationalem Rang. Am Kraftort an der Limmat verschmelzen Kultur, Bildung, Geschichte und Gastfreundschaft zu einem Erlebnis!

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Blick in den Ausstellungsraum "Parlatorium" auf der Klosterhalbinsel Wettingen. Im Vordergrund ein Schild mit dem Text "Archiv der Fragen", im Hintergrund sitzen Schülerinnen und Schüler diskutierend beeinander.

Sechs
Highlights

Das dürfen Sie nicht verpassen  

 
Eine Gästegruppe mit einer Museumsführerin steht vor der Kirche der Klosterhalbinsel Wettingen.

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender Museum Aargau  

 
Ausstellung in der Mönchskirche Kloster Wettingen: Verschiedene Objekte in einer Vitrine, u.a. ein grosses Altarkreuz

Ausstellungen
und Rundgänge

Museum der Klosterhalbinsel  

 
Aussenaufnahme Gästezentrum Klosterhalbinsel Wettingen mit Informationsbildschrim links

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Luftaufnahme Kloster Wettingen mit Klosterpark im Vordergrund

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Schulen, Familien und Gruppen

 
Eine Schulklasse beim Schreiben mit Tinte und Federkiel.

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Zwei Mädchen und ein Bub stehen gemeinsam vor dem Kloster Wettingen und blicken direkt in die Kamera. Sie halten eine Landkarte, Broschüre sowie eine Pyramide in den Händen.

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Rätseltour durch die Klosterhalbinsel  

 
Eine Frau und ein Mann schreiten in Freizeitbekleidung durch den Garten der Klosterhalbinsel Wettingen (Foxtrail).

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Die Klosterhalbinsel in 54 Sekunden

DIE KLOSTERHALBINSEL WETTINGEN

 
Luftaufnahme Klosterhalbinsel Wettingen mit dramatischen Wolken über dem Kloster

Klosterhalbinsel
und Geschichte

800 Jahre Klostergeschichte  

 
Luftaufnahme Konventgarten und Abtgarten auf der Klosterhalbinsel Wettingen mit Limmat

Klosterpark
und Gärten

Entdecken Sie historische Gartenanlagen  

FEIERN UND GENIESSEN

 
Weiss gedeckte Stehtische mit Häppchen: Apéro auf der Klosterhalbinsel Wettingen

Essen und
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Restaurants auf der Klosterhalbinsel  

 
Lindenterrasse Schloss Wildegg: Ein schön gedeckter Tisch mit Apéro

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Feiern und tagen  

SAMMLUNG

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

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