Museum Aargau

Leuchtreklame von Säuberli: Wynentaler Stumpenland in neon

Zurück zum Blog 12. Mai 2020 Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. 1867 gründeten die Gebrüder Säuberli im Teufenthal die Cigarren- und Cigarettenfabrik Säuberli. Die Ende der 1950er-Jahre datierte Leuchtreklame mit Neonschrift versprüht Nachkriegs-Optimismus und Freude am Tabak-Genuss. Das obere Wynental und das angrenzende Seetal im Kanton Aargau waren im 19. und 20. Jahrhundert das Zentrum der Schweizer Tabakindustrie. In der Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg fanden Tausende von Personen in rund sechzig Betrieben und in Heimarbeit mit dem Drehen von Zigarren und Stumpen ihr Auskommen. Nur wenige Firmen haben überlebt. Zwei davon, Villiger und Burger/Dannemann, mischen den Tabak weltweit ganz vorne mit.1867 gründeten die Gebrüder Säuberli im Teufenthal die Cigarren- und Cigarettenfabrik Säuberli, deren Geschichte mit einem Brand der Fabrikgebäude unrühmlich endete. © Museum Aargau Leuchtschild mit Nachkriegs-Optimismus Das Ende der 1950er-Jahre datierte Leuchtobjekt mit Neonschrift versprüht Nachkriegs-Optimismus und Freude am Tabak-Genuss – heute erscheint uns diese Werbung mit der grossen brennenden Zigarre und der dahinter platzierten Tabakpflanze eher befremdlich – das Stumpenland ist in weite Ferne gerückt. Weitere Blogbeiträge 29. Oktober 2021 Die Geschichte des Rauchens – Tabakkonsum im Wandel der Zeit Die Tabakkultur hat heutzutage unterschiedliche Formen und Farben. Doch wann und wie wurde das Rauchen überhaupt "in"? Die Antworten im Blog… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… 27. März 2020 "Made in Aargau" – die coolen Heizungslüfter der REXTHERM AG Ikonisch in Farbe und Form versprühen die Heizlüfter der Aarauer REXTHERM AG Aufbruchstimmung und entsprechen unserer Vorstellung der 50er-… Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Kommentare

 
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"Walther Bürsten bürsten gut" – Zahnpflege mit dem Chefkurator

Zurück zum Blog 25. Juni 2020 Kategorie Schätze aus der Sammlung Den Werbeslogan "Walther Bürsten bürsten gut, Walther Bürsten bürsten besser" kannte wohl jedes Kind. Chefkurator Rudolf Velhagen präsentiert in der Sammlung von Museum Aargau ein Bürsten-Set der ehemaligen Bürstenfabrik Walther in Oberentfelden AG Dieser Bekanntheitsgrad ist kein Wunder: Beim Besuch des Walther-Museums in der "Alten Bürsti" in Oberentfelden wurde mir bewusst, dass es für fast jede Lebenssituation irgendeine Bürste gibt. Dabei bilden Zahnbürsten (gewöhnliche und elektrische), WC-Bürsten, Schuhbürsten, Teppichroller, Reisbesen und Striegel für Pferde nur die Spitze des Bürsten-Eisbergs. Neben der Verwendung von edlen Materialien produzierte die Walther AG ebenfalls Bürsten aus preiswertem Kunststoff. Das Set mit Haarbürste, Kamm und Spiegel aus hellblauem Kunststoff aus der Sammlung Museum Aargau ist Ende der 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre produziert worden. Beim Anblick des liebevoll verpackten Sets muss man zunächst an ein Spielzeug für die Barbiestube denken. Bürstenfabrik Walther wurde 1868 gegründet Zum Zeitpunkt der Produktion des Sets kann die Firma schon auf eine lange Geschichte zurückblicken. 1868 gilt als Gründungsjahr der "Bürstenfabrik Walther": Samuel Thut-Walther kaufte die Bürstenbinderei der Familie Basler in Holziken und verlegte die Firma nach Oberentfelden. In den 1940er-Jahren beschäftigte die "Walther" rund 320 Mitarbeiter und war somit die grösste Bürstenfabrik der Schweiz. 1988 wurde die Firma aufgeteilt: Die Produktion von Konsumbürsten wurde an die Tochterfirma Ebnat-Kappel AG (heute Trisa) übergeben, die Industriebürstenabteilung übernahm 1993 die Nachfolgefirma Wasag. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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Porträt von Alfred Gautschi, Erfinder der Aluminiumfolie

Zurück zum Blog 14. Juli 2020 Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Heinrich Alfred Gautschi war ein Pionier der Aluminiumindustrie. Ein Porträt von Gautschi ist Teil der Sammlung von Museum Aargau. Heinrich Alfred Gautschi, geboren 1871 in Menziken, war ein Pionier der Aluminiumindustrie. 1897 übernahm er eine mechanische Werkstätte, aus welcher 1905 die Aluminiumwarenfabrik Gontenschwil AG entstand. Das Gemälde stammt vom österreichisch-schweizerischen Maler und Grafiker Rico Edelhofer (1892-1987), der ab 1936 in Lugano lebte und arbeitete. Porträt Alfred Gautschi, 1954, 81 x 59.7 cm, Öl auf Leinwand, Holzrahmen, Inv.-Nr.-K-18755 © Museum Aargau Zur selben Zeit machte er erste Versuche mit dem Walzen von Aluminium. Am 15. April 1905 liess er seine Walztechnik zur Herstellung von Aluminiumfolien patentieren. Die Produktion von Aluminiumprodukten wurde diversifiziert und erweitert. Neben Walzprodukten wurden nun auch Küchenprodukte hergestellt. Im Jahr 1936 wurde in diesem Zusammenhang der Kochgeschirr-Hersteller Ferdinand Sigg AG, Frauenfeld, übernommen. In den weiteren Jahren wurde die Produktepalette weiter ausgebaut. Es wurden nun auch Teile für den Häuserbau und die Luftfahrtindustrie hergestellt. Die von Gautschi gegründete Firma existiert noch heute und ist Teil der Alu Menziken Gruppe, deren Mehrheitsaktionärin bis 2007 die Familie Gautschi war. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Kommentare

 
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"Made in Aargau" – die coolen Heizungslüfter der REXTHERM AG

Zurück zum Blog 27. März 2020 Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Die Heizlüfter des Aarauer Kleinbetriebs REXTHERM AG (ehemals Schiesser und Lüthy), der elektrothermische Apparate wie Reisebügeleisen herstellte, bestechen durch Farbe und Form: Sie versprühen durch ihre Farbigkeit Optimismus und Aufbruchstimmung und ihre kurvige Form entspricht unserer Vorstellung der 50er- und frühen 60er-Jahre. © Museum Aargau Als ich die Heizlüfter im Sammlungszentrum Egliswil entdeckte, fragte ich mich kurz, ob es schon damals eine Globalisierung der Formen gab und wer sich damals diese Heizlüfter kaufte, die das Ende der dunkelbraunen, noch ofenartig aussehenden Heizlüfter einläutete. Es mag erstaunen, aber es sind zuweilen Objekte wie ein banaler Heizlüfter, die uns eine längst vergangene Welt zurückbringen. Wer kann heute nicht Optimismus und Aufbruchstimmung gebrauchen? Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Kommentare

 
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Dinosaurier der Industriegeschichte: Bandsäge der A. Müller& Cie.

Zurück zum Blog 01. Oktober 2019 Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Das Sammlungszentrum Egliswil verwahrt nicht nur Tausende von "Kleinobjekten", sondern ebenfalls "Grossobjekte" wie die imposante Bandsäge der 1893 in Brugg gegründeten Maschinenfabrik A. Müller & Cie. Wie ein Dinosaurier der Industriegeschichte steht sie als technische Manifestation des Maschinenzeitalters im Raum – Digitalisierung und Miniaturisierung sind noch Zukunftsmusik. Die 1906 datierte Bandsäge ist auch sprechendes Beispiel für die damals sich verbreitende Maschinenästhetik: Die beiden geschwungenen Füsse erinnern an die organischen Formen des damals aufkommenden Jugendstils. Das blütenartige Rad wiederum verweist auf die Formenwelt mittelalterlicher Glasfenster. Wer hätte gedacht, dass auch eine Bandsäge eine Schönheit sein kann? Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Kommentare

 
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Neuzugang: Der Aargauer Homeoffice-Stehtisch "Standly" aus Karton

Zurück zum Blog 26. Mai 2020 Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Dr. Rudolf Velhagen, Chefkurator Sammlung & Ausstellung, empfängt den jüngsten Neueingang im Sammlungszentrum von Museum Aargau. Jonas Studer und Sophie Bürgin aus Brugg haben für das coronabedingte Homeoffice einen Stehtisch aus Karton weiterentwickelt. Jonas Bürgin präsentiert den raschen Auf- und Abbau des Tisches. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Kommentare

 
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Messen ohne Meter: die vormetrische Geschichte der Schweiz

Zurück zum Blog 03. März 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Die Standardisierung von Masseinheiten ist ein fundamentaler Prozess im Aufbau einer Gesellschaft, der auch im Kanton Aargau einige Spuren und interessante Objekte hinterlassen hat. Zehn Hohlmasse aus der Sammlung von Museum Aargau zeugen von der vormetrischen Geschichte der Schweiz. Die Objekte an sich wirken bescheiden. Es handelt sich um zehn verschiedene, gegossene zylindrische Hohlmasse aus Messing, die in einer Holzkiste aufbewahrt werden. Sie wirken massiv und reichen von der Grösse einer kleinen Tasse bis hin zu einer stattlichen Höhe von etwa 60 Zentimetern. Alle Masse wurden offiziell mit dem Schweizerkreuz und dem Namen des Kantons Aargau geprägt. Zu finden sind folgende, heutzutage weitgehend unbekannte Masse: das Schweizer Viertel, das Immi, der Saum und das Mass, wobei zusätzlich noch Fraktionen all dieser Einheiten zu finden sind. Diese Einheiten beruhen auf dem Masskonkordat von 1838 und waren das Ergebnis eines ersten landesweiten Standardisierungsprozesses und ein Zeugnis des anstehenden Prozesses der Staatsbildung und der Internationalisierung. Aargauer Masse. Inv. Nr. K-8740. Der Sack der einen ist das Viertel der anderen Masse in ihrem ursprünglichen Sinne waren seit ihrer ersten Benutzung vor allem auf den menschlichen Körper bezogen und somit an sehr konkrete Alltagserfahrungen angepasst. Sie orientierten sich an Körperlängen wie der Elle oder dem Fuss und sehr oft auch an Traglasten von Mensch und Tier. In der Schweiz ergab sich so aus der Traglast eines Tieres der Saum. Er entsprach einem Holzfass mit einem Fassungsvermögen von etwa 130-180 Liter. Das Viertel mit etwa 30 Litern bezog sich auf den Sack, der als Manneslast bestimmt war. Das Immi war als eine weitere Untereinheit auf das Viertel bezogen und entsprach etwa 1/10 davon. Das Mass fasste eine kleinere Menge von etwa 1-2 Litern und wurde oft für den Verkauf von Wein oder Milch benutzt. Die grösseren Masse dienten vor Allem dem Messen von Getreide, dass noch lange Zeit per Volumen berechnet wurde. Ein halbes Schweizer Immi. Inv. Nr. K-8740. Diese Masse waren jedoch keineswegs einheitlich und unterschieden sich stark je nach Region oder Dorf. Dazu war in der Schweiz vor allem auch das grössere Einzugsgebiet entscheidend. In den Regionen der Westschweiz waren durch den Handel mit Frankreich nebst den lokalen Einheiten auch französische Handelsmasse geläufig. Die Nordostschweiz war diesbezüglich an Süddeutschland und die Südschweiz an Italien gebunden. Da die Vielfalt an Einheiten den Handel nicht gerade vereinfachte, wurden bald Anstrengungen zur Standardisierung der Masseinheiten unternommen. Der revolutionäre Beginn der Standardisierung In der Geschichte der Standardisierung ist die Französische Revolution von besonderer Bedeutung. Die Umstürze wurden hier genutzt, um endlich etwas Einheit in den enormen Flickenteppich verschiedener Masseinheiten des Landes zu bringen. Mehrere wissenschaftliche Konferenzen, auch unter internationaler Beteiligung, wurden zu diesem Zweck abgehalten. Diese legten bald den sogenannten "Urmeter" fest. Er beruhte auf einer relativ genauen Berechnung des Erdumfangs und sollte in etwa einem Zehnmillionstel der Distanz vom Nordpol zum Äquator entsprechen. Auf der Basis dieses Meters wurde der Liter als ein Volumen von 1 Kubikdezimeter festgelegt und daraus folgend das Urkilogramm als dem Gewicht von einem Liter Wasser definiert. Die entscheidende Neuerung dieses metrischen Systems war die Dezimalrechnung. Beruhten alte Masseinheiten noch auf einer komplexen Bruchrechnung, konnte bei diesem System alles in 10er Schritten gerechnet werden. Die schrittweise Übernahme dieser neuen Einheiten erfolgte dann durch direkte und indirekte Druckausübung Frankreichs. Zum einen war hier der wachsende wissenschaftliche und wirtschaftliche Austausch ein wichtiger Faktor, für den eine Harmonisierung der Masseinheiten von grosser Bedeutung war. Zum anderen ist aber auch die französische Hegemonie über Kontinentaleuropa unter der Herrschaft Napoleons nicht zu unterschätzen – unter anderem wohl auch ein Grund, wieso sich auf den Britischen Inseln das metrische System noch bis heute nicht vollständig durchgesetzt hat. Der erste provisorische Meter, der noch heute in Paris an der Rue de Vaugirard anzutreffen ist. Quelle: Wikimedia. In der Schweiz war die durch den französischen Einmarsch gegründete Helvetische Republik wichtig für die Aufgleisung der Standardisierung. Die ersten Bemühungen mündeten dann in dem Konkordat von 1838. Dieses war eine Kompromisslösung, in der die alten Masseinheiten zwar behalten, jedoch in Referenz an den Meter landesweit standardisiert wurden. Damit wurde auch die wichtige Position der Eichmeister erschaffen. Sie verwalteten und kontrollierten die genauen Masse. Zu diesem Zwecke wurden auch die hier zu sehenden Hohlmasse anfertigt. Die Gründung des Schweizer Bundesstaates sollte diese Entwicklung dann vorantreiben. 1875 trat die Schweiz der Pariser Meterkonvention bei, was einen endgültigen Wechsel zum metrischen System bedeutete. Widerstand, Gewohnheit und Wandel So selbstverständlich uns die metrischen Einheiten mittlerweile auch sind, ihre Einführung war mit grossem Widerstand und Verzögerungen verbunden. Zum Teil ist dies einfach auf schlichte Gewohnheit und Tradition zurückzuführen. Gerade abstrakte Einheiten wie Temperatur oder grössere Distanzen werden nur durch den alltäglichen Gebrauch zu etwas Selbstverständlichem und ein Wandel von Einheiten erfordert einen enormen Aufwand in jeglichen Gesellschaften. Andererseits waren oft auch steuerliche Gründe entscheidend. Noch lange wurden Abgaben der ländlichen Bevölkerung in der Form von Naturalien einkassiert. Ein Wandel einer Masseinheit wurde von dieser Bevölkerung oft auch als Versuch wahrgenommen, die Abgaben auf diese Weise schleichend zu erhöhen. Ebenso ist ein Standardisierungsprozess zumeist auch mit Staatsbildung und zunehmender zentralistischer Kontrolle verbunden. Es ist kein Zufall, dass die Vereinheitlichung des metrischen Systems sich gerade in der Zeit durchsetzen konnte, in welcher der westliche Kapitalismus und Imperialismus zu ihrer grossen Expansion ansetzten. Wie diese Objekte zeigen, kann so eine Entwicklung aber auch durchaus auf Kompromissen und einem graduellen Übergang beruhen, der lokale Praktiken respektiert. Denn schliesslich bedeuten vereinheitliche Standards auch eine notwendige Vereinfachung. Heutzutage sind die metrischen Einheiten auf der Basis neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse äusserst präzise festgehalten und in Folge ist nur schon das Getreidekaufen gewiss einfacher geworden. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
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Die Geschichte des Rauchens – Tabakkonsum im Wandel der Zeit

Zurück zum Blog 29. Oktober 2021 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Vom opulenten Dampf einer E-Zigarette über den diskret im Mundwinkel versteckten Snus: Die Tabakkultur hat heute unterschiedliche Formen und Farben. Doch wann und wie wurde das Rauchen überhaupt "in"? Eine Holzpfeife aus der Sammlung Museum Aargau gibt Einblicke in die jahrhundertealte Geschichte und Tradition des Tabakkonsums. Die vorliegende Pfeife wurde im 19. Jahrhundert hergestellt und von Hand aus einem Ast geschnitzt. Die Rinde wurde dabei mehrheitlich belassen, was der Pfeife die Ästhetik von Horn verleiht – ein zu dieser Zeit ebenfalls sehr beliebtes Material zur Herstellung von Pfeifen. Holzpfeife, Inv. Nr. K-2374. Es handelt sich um eine sogenannte Steckpfeife, bei welcher der Pfeifenkopf abgenommen werden kann. Dadurch wird die Reinigung und Erhaltung der Pfeife wesentlich erleichtert. Die Pfeife an sich ist sehr kunstvoll ausgestaltet. Der verdünnte Mund besteht aus Eisen und ist mit zwei von Holz verkleideten Schnüren versehen, an deren Enden Nüsse hängen. Das Kopfteil ist an der Unterseite mit einem Gesicht versehen und der verschliessbare Deckel obendrauf ist in Form einer Ente geschnitzt. Die Pfeife im Aufschwung Das 19. Jahrhundert war eine Blütezeit für Pfeifen dieses Stils und sah die erneute Etablierung der Pfeife als ausgefeiltes modisches Accessoire. Bei solchen Holzpfeifen wurden grundsätzlich edle Hölzer benutzt, um die Glimmfähigkeit zu mindern. Die Nutzung unterschiedlicher Hölzer wie Teak, falscher Jasmin, Weichsel oder Buchsbaum war ebenfalls sehr beliebt. Die verschiedenen Hölzer benutzte man dabei vor allem aufgrund der unterschiedlichen Aromen, die das Holz während des Rauchens abgab. Bis die Pfeife jedoch zur heute noch geläufigen Form kam, hatte sie bereits einige Iterationen durchlaufen und auch der generelle Tabakkonsum hatte sich stark entwickelt. Die bescheidenenen Anfänge: der Tabak als Zierpflanze Die Ausbreitung des Tabaks im europäischen Raum kam im Zuge der kolonialen Eroberung der beiden Amerikas im Verlauf des 15. Jahrhunderts. Die Benennung von Tabak als solchem beruhte dabei auf einem Missverständnis. Als die europäischen Eroberer in Kontakt mit den Taíno, einer indigenen Bevölkerungsgruppe der Karibik, traten, übernahmen sie das Wort "Tobago" von ihnen und bezeichneten damit fortan die Pflanze. Tobago war jedoch der Begriff für die Zigarrenart, die bei den Taíno populär war. Der eigentliche Begriff für die Pflanze war "Cohíba", welcher im Gegenzug zum Markennamen einer populären kubanischen Zigarre wurde. Die Tabakpflanzen, welche nach Europa gebracht wurden, setzte man ursprünglich aufgrund ihrer schönen Blüten mehrheitlich als Zierpflanze ein. Erst später, insbesondere infolge des Dreissigjährigen Krieges, verbreitete sich die Praxis des Tabakrauchens allmählich auf dem gesamten europäischen Kontinent. Das Rauchen im Spiegel sozialer Schichten Das Rauchen blieb jedoch lange eine Praxis der ärmeren Schichten. Während im Falle des Dreissigjährigen Krieges vor allem Soldaten rauchten, wurde in Kreisen der adligen Bevölkerung lange das Schnupfen bevorzugt. Dieses entwickelte sich schliesslich zu einem essentiellen Ritual der adligen Hofkultur und wurde gelehrt wie das Reiten, Fechten und Lesen. Nicht nur aufgrund der korrosiven Natur für die Nasenschleimhäute und dem damit einhergehenden Geruchsverlust wandte sich dann allerdings auch diese Bevölkerungsschicht allmählich dem Rauchen zu. Auch auf der Wildegg wird geraucht, Inv. Nr. SW-454 Tabakkultur – von Amerika nach Europa Die frühe Form des Konsums geschah dabei durch Pfeifen, die man bei der indigenen Bevölkerung der beiden Amerikas zum ersten Mal beobachtet hatte. Von solchen Pfeifen inspiriert, wurde in Europa schliesslich auch unter der reichen Bevölkerung aus langen und zierlichen Ton- oder Porzellanpfeifen geraucht. Die Länge des Stiels war nötig, um die Schärfe des Tabaks zu mindern. So entstand im Verlauf des 18. Jahrhunderts eine richtige Salon- und Rauchkultur, in der sich die Herren – für Frauen galt das Rauchen als unsittlich – beim Rauchen zurückzogen und Gespräche führten. Eine Kultur des Rauchens, die übrigens auch auf Schloss Wildegg gepflegt wurde: Die Familie Effinger, hier durch den porträtierten Ludwig Albrecht Effinger (1773-1853) repräsentiert, hatte dafür extra ein Raucherzimmer eingerichtet. Später, mit der Entwicklung von Steckpfeifen wie dem vorliegenden Exemplar, wurde auch das Rauchen durch Holzpfeifen, welche lange nur unter der ärmeren Bevölkerung verbreitet waren, ebenfalls wortwörtlich salonfähig. Von nun an dominierten kleinere Formen von Pfeifen, mitunter sowohl aus Porzellan wie auch aus Holz hergestellt. Der Weg der Pfeife in die Sammlung Museum Aargau Die Pfeife war ein Teil der Sammlung der Gebrüder Eugen, Richard und Theodor Zschokke. Die Zschokkes wurden mit der Einwanderung des bekannten Historikers, Schriftstellers und Intellektuellen Heinrich Zschokke (1771-1848) in der Schweiz ansässig. Der in Magdeburg geborene Heinrich gelangte während dem turbulenten Ende der Alten Eidgenossenschaft um 1798 herum in die Schweiz und war nach einem langen Aufenthalt in Graubünden im Aargau ansässig. Hier leistete er als Schriftsteller und als Politiker einen wichtigen Beitrag sowohl bei der Etablierung des neuen Kantons als auch in der Wegbereitung des Schweizer Bundestaates und kam dabei mit verschiedensten Intellektuellen wie zum Beispiel Johann Heinrich Pestalozzi in Kontakt. Schlussendlich liess sich die Familie hauptsächlich in Gontenschwil nieder. Hier bauten die Gebrüder Zschokke auch hier ihre Sammlung auf, die sie schliesslich dem Kanton Aargau als Geschenk vermachten. Schlusswort – Welt des Wandels Wie die Pfeife eindrücklich zeigt, waren die verschiedensten Arten des Tabakkonsums stets mit verschiedenen Assoziationen von Stand und Haltung verbunden; und bleiben dies auch noch heute. Dabei handelt es sich aber keineswegs um fixe Gesetze, sondern um stets im Wandel begriffene soziale Konventionen. Heutzutage, mit einem erhöhten Bewusstsein für die gesundheitsschädlichen Effekte des Tabakrauchens, sind andere Formen des Konsums angesagt, die diskreter sind und gesünder wirken. Dazu kommt auch die erhöhte gesellschaftliche Beschleunigung, welches das gemütliche Pfeifenrauchen durch die schnelle Zigarette ersetzt hat. Ob die Pfeife wiederum ein "Comeback" erleben wird oder nunmehr höchstens als Faksimile in der Form von E-Zigaretten, die wie Pfeifen aussehen, erhalten bleiben wird, muss sich noch zeigen. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. 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Was macht ein Objekt authentisch?

Zurück zum Blog 22. Dezember 2021 Kategorie Schätze aus der Sammlung Ob Museum oder Ausstellung: Die dort präsentierten Objekte ziehen uns in ihren Bann und machen Geschichte greifbar. Doch was macht ein Objekt authentisch? Werfen Sie einen Blick hinter die Kulisse von Museum Aargau. Bei den vorliegenden Objekten handelt es sich um die imposanten Grabplatten eines Habsburger Herrscherpaares, des Königs Rudolf I. von Habsburg (1218-1291) und seiner Frau Anna von Habsburg (1225-1281), sowie deren Sohn Karl. Beide Platten sind äusserst massiv und wiegen über 250 Kilo. Jene von Rudolf ist zudem auch über 2 Meter hoch und 80 Zentimeter breit. Die Originale aus dem Hause Habsburg König Rudolfs Bildnis ist gezeichnet durch eine strenge Adlernase und einige Furchen im Gesicht – die Merkmale eines weisen Herrschers. In den Händen trägt er einen Reichsapfel und ein Zepter. Er ist umgeben von den Löwen des Hauses Habsburg und den Symbolen des Heiligen Römischen Reiches, dessen König er war, ohne aber je die Kaiserwürde zu erlangen. Annas Platte, auf der auch Karl abgebildet ist, ist ebenso symbolträchtig gestaltet und nochmals grösser als diejenige Rudolfs. Ihr Gesicht weist eine Form makelloser Jugend auf und ist aufgrund des Tuches um den Kopf in einer Dreiecksform sichtbar. Leicht lächelnd ist Karl nebenbei als kleines Kind zu sehen, während beide von Schildern mit verschiedenen Herrschaftswappen umgeben sind. Eine königliche Grabplatte. Inv. Nr. K-6021. Schein und Sein Die lebensnahe Qualität der Bildnisse scheint uns einen direkten Blick in die Gesichter der Vergangenheit zu ermöglichen. Doch hier begegnen wir einem ersten Problem der Authentizität, denn keiner der drei hat genau so ausgehen. Dies beginnt nur schon mit dem kleinen Karl, der im Alter von wenigen Monaten verstarb und somit nie die Kindheit erlebte, die hier abgebildet ist. Was das Paar betrifft, so sind deren Gesichter nicht nur idealisiert, sondern auch sehr geläufig und auch andere Königinnen und Könige aus dieser Epoche tragen auf ihren Bildnissen äusserst ähnliche Züge. Was hier sichtbar ist, ist nicht die Person per se, sondern ein Idealtyp der Herrschaft, eine Darstellung der Figur eines Königs und einer Königin. Es ging hier um die Vermittlung einer Idee und nicht um eine originalgetreue Nachbildung. Diese Idee des Vermächtnisses spiegelt sich auch in den Orten wieder, an denen die beiden Grabplatten nun ruhen. So war es Annas Wunsch, in Basel beigelegt zu werden, während Rudolfs Grabplatte im Dom zu Speyer aufzufinden ist. Doch wie können die Objekte dann gleichzeitig auf dem Schloss Lenzburg sein? Der Kreislauf der Kopien Die Antwort ist einfach zu erraten: Es handelt sich um Kopien der Objekte. Genauer gesagt sind es Gipsabdrücke aus den 1960er Jahren, hergestellt von Fritz Wehret aus Riehen bei Basel. Doch es wird noch etwas umständlicher. Denn genauso wie die ursprünglichen Grabplatten keine genaue Abbildung der Personen waren, so sind diese Kopien auch keine perfekte Überlieferung der Originale. Diese verloren im Verlauf der Jahrhunderte ihre Farben, welche nur noch Spurenweise belegbar sind. Zudem wurden sie mehrmals beschädigt und restauriert, wobei sich auch Fehler einschlichen. So sind zum Beispiel Annas Hände nun nach vorne hin gefaltet, obwohl sie ursprünglich wohl zum Gesicht hoch zeigten. Somit handelt es sich um eine Kopie, die einen bestimmten Zustand der Platten abbildet, nämlich denjenigen um 1960. Sollten die Originalen seither restauriert worden sein, würden sich dies nicht mehr auf die Objekte auf Schloss Lenzburg auswirken. Auf der Lenzburg stehen sie vereint, Inv. Nr. K-6020 und K-6021. Authentizität und Erlebnis Ändert dieses Wissen nun unsere Wahrnehmung der Objekte? Haben sie, wie der Philosoph Walter Benjamin argumentierte, ihre "Aura der Authentizität" verloren? Oder anders gefragt: Hat ein Museum noch einen Wert, wenn es nur Kopien ausstellt? Eine mögliche Antwort wäre, dass es schlussendlich ja nicht um die einzelnen Objekte an sich, sondern um ein Gesamterlebnis geht. Die einzelnen Objekte erhalten ihre wahre Bedeutung oftmals erst im Kontext der gesamten Ausstellung. Auf Schloss Lenzburg werden die beiden Grabplatten somit Teil einer grösseren Erzählung. Denn während die Originale geografisch weit getrennt ruhen, ist das Herrscherpaar hier vereint und das Gesamtbild eines Königspaares kann so unmittelbar erfahren werden. So mag für die Zuschauenden das Erlebnis des Originalen fehlen, aber nichtsdestotrotz findet der Prozess des Geschichteerlebens statt. Und was ist die Aufgabe der Museen, wenn nicht die Auseinandersetzung und Reflektion über die Vermittlung von Geschichte? In diesem Sinne kann man auch die Frage stellen, wann die Kopien an sich historisch werden und ihre Geschichte spannender wird als die Originalobjekte selbst? Originale in der digitalen Welt Die Motivation, das Original zu erfahren, wird wohl dennoch stets vorhanden sein. Somit gehört es auch zum Aufgabenfeld einer Ausstellung oder eines Museums, diese Objekte zu erhalten und zu schützen. So wird auch in Zukunft die physische und digitale Nachbildung historischer Gegenstände an Bedeutung zunehmen. Geschichte und Geschichtsvermittlung ist immer eine Annäherung an das Vergangene und nie eine direkte Erfahrung. Die Tatsache, dass wir eine Kopie vor uns haben, sollte dieses Erlebnis nicht schmälern. Ganz im Gegenteil: Sie macht uns bewusst, dass unsere gegenwärtige Inszenierung der Objekte und Geschichten genauso relevant und interessant ist wie die Gegenstände selbst. Das Erleben der Vergangenheit ist ein stetiger Prozess und keine vollendete Tatsache. Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
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Bei Wasser und Brot: ein Kupferkrug aus dem Fünfstern Lenzburg

Zurück zum Blog 07. Januar 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit 1864 nahm in Lenzburg eine der damals modernsten und fortschrittlichsten Justizvollzugsanstalten Europas ihren Betrieb auf. Der sogenannte "Fünfstern" besteht bis heute und hat über einen Kupferkrug auch Eingang in die Sammlung Museum Aargau gefunden. Das vorliegende Objekt war relativ günstig im Brockenhaus aufzufinden, wo es lange ein unerkanntes Dasein verbrachte. Ein Stück Luxusdekor aus einem edlen Hotel? Nun, nicht ganz. Denn das Objekt ist ein einfacher Wasserkrug und stammt aus der Strafvollzugsanstalt Lenzburg; ein Beweis für die unsichtbare und doch weitgehende Geschichte, die sich oftmals hinter Alltagsgegenständen verbirgt. Stehendes Wasser Der Krug kommt eher unscheinbar daher. Mit einer Höhe von 17 und einer Breite von 12 Zentimetern kann dieses Kupfergefäss knapp einen Liter Wasser fassen. Datiert werden kann der Krug auf die Zeit zwischen 1920 und 1960 und gehörte zum Standardinventar einer Zelle. Aufgrund des eher kleinen Fassungsvermögens kann man wohl davon ausgehen, dass so in Abwesenheit einer Leitung der Zugang zu Wasser möglich war. Mittlerweile sind solche Krüge aufgrund des eingebauten Anschlusses an die Zellen natürlich überflüssig geworden, doch während langer Zeit war solch ein Objekt ein Zeugnis eines der modernsten Gefängnisse Europas. Wasserkrug, Inv. Nr. K-22031 Das Gefängnis der Moderne Eröffnet wurde die Anstalt 1864 und sollte von Anfang an auch als Prestigegebäude für den noch relativ jungen Kanton Aargau dienen. Bislang waren die Gefangenen in Massenunterbringungen einquartiert und wurden zu harter Arbeit auf Baustellen gezwungen, doch nachdem wegen eines Feuers und einiger Infektionskrankheiten 1855 eine grosse Anzahl Häftlinge starb, setzte ein Umdenken ein. Nach den Plänen des Badener Architekten Robert Moser wollte sich der Kanton mit dem neuen Gefängnis nun als Vorreiter der Moderne präsentieren. Inspiriert war der Bau von anderen bekannten Gefängnissen jener Zeit wie St. Gallen oder Bruchsal in Deutschland, die im sogenannten Radialstil gebaut waren. Entsprechend einer panoptischen (zentralüberwachten) Gestaltung, bestand das Gefängnis so aus einem zentralen Bau mit einer Observationsstation, von dem aus in fünf Richtungen die verschiedenen Trakte des Gefängnisses ausgingen. Daher kommt auch der Name "Fünfstern". Insgesamt war im Gefängnis Platz für 200 Zellen vorgesehen, wobei der Verwaltungs- und Frauentrakt jeweils separat abgetrennt waren. Den damaligen Verhältnissen entsprechend waren die Zellen mit 2.1 Meter Breite luxuriös geräumig und es handelte sich vor allem um Einzelzellen – eine wichtige Neuerung im Strafvollzug. Obwohl der Bau mit Kosten von etwa einer Million Franken deutlich über das Budget hinausging, übertraf er die Erwartungen der Kantonsverwaltung. Für heutige Verhältnisse karg, für damalige modern. Eine Zelle in der Strafanstalt. Quelle: JVA Lenzburg Alltag in der Zelle Die moderne Gestaltung betraf nicht nur den Bau des Gefängnisses, sondern auch den Alltag. So führte der erste Anstaltsdirektor, der Pfarrer Johann Rudolf Müller, ein sogenanntes Progressivsystem ein. Bei diesem konnten sich die Gefangenen mit gutem Benehmen bessere Konditionen erarbeiten. War am Anfang noch strikte Isolationshaft vorgesehen, konnten sich mit der Zeit gemeinsame Arbeitseinsätze mit anderen Gefangenen und Materialvorteile für den Alltag erarbeitet werden. Trotz bestem Benehmen galt damals noch eine harte Schweigepflicht. Der Grundansatz hinter diesem System war, dass eine Kombination aus humaner Behandlung und körperlicher Arbeit die Gefangenen wieder gesellschaftstauglich machen würde. Diesem System entsprechend hatten die Insassen auch einen strikten Tagesablauf zu befolgen. Ebenso galten strenge Hygienevorschriften wie beispielsweise das tägliche Waschen und die pünktliche Entleerung der Nachttöpfe zur Tagwache um 05:45. In Folge guten Benehmens war es den Gefangenen gestattet, ihre Zelle auch selber etwas zu dekorieren. Die Grundausstattung blieb jedoch bei allen dieselbe und so ist auch der Wasserkrug als ein Teil der modernen hygienischen Ausstattung anzusehen, die doch immerhin ein bisschen persönliche Freiheit gewährte. Funde des Alltags Mittlerweile sind solche Krüge natürlich obsolet geworden und auch im Fünfstern, dessen einst moderne und breite Zimmer mittlerweile nicht mehr den heutigen Standards für Komfort entsprechen, verfügen die Zellen nun über einen Wasseranschluss. Doch sowohl der Bau als auch der Krug sind nach wie vor Zeugnisse einer sich wandelnden Infrastruktur und einer sich wandelnden Welt des Strafvollzugs. Auch noch so unscheinbare Gegenstände wie dieser Krug – der ohne den Hinweis eines ehemaligen Gefängnisdirektors wohl weiterhin unerkannt in einem Brockenhaus stehen würde – geben uns wertvollste Einblicke in vergangene Lebenswelten. Übrigens verfügt die Strafanstalt selber über ein herausragendes Online-Archiv, auf dem sowohl photographisches als auch audiovisuelles Material aus der gesamten Zeit des Gefängnisses zu sehen ist. Zu finden ist dieses unter: https://www.archiv1864.ch/ . Der Fünfstern wie er heute noch steht. Quelle: Wikimedia Von Lukas Becker Von Lukas Becker Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

Gradian
Luftaufnahme Klosterhalbinsel Wettingen im Gegenlicht mit dramatischen Wolken über dem Kloster.

Klosterhalbinsel Wettingen

Glaube, Macht,
Wissen

Die Klosterhalbinsel Wettingen ist ein Kulturgut von internationalem Rang. Am Kraftort an der Limmat verschmelzen Kultur, Bildung, Geschichte und Gastfreundschaft zu einem Erlebnis!

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Blick in den Ausstellungsraum "Parlatorium" auf der Klosterhalbinsel Wettingen. Im Vordergrund ein Schild mit dem Text "Archiv der Fragen", im Hintergrund sitzen Schülerinnen und Schüler diskutierend beeinander.

Sechs
Highlights

Das dürfen Sie nicht verpassen  

 
Eine Gästegruppe mit einer Museumsführerin steht vor der Kirche der Klosterhalbinsel Wettingen.

Veranstaltungen
und Führungen

Veranstaltungskalender Museum Aargau  

 
Ausstellung in der Mönchskirche Kloster Wettingen: Verschiedene Objekte in einer Vitrine, u.a. ein grosses Altarkreuz

Ausstellungen
und Rundgänge

Museum der Klosterhalbinsel  

 
Aussenaufnahme Gästezentrum Klosterhalbinsel Wettingen mit Informationsbildschrim links

Öffnungszeiten und
Eintrittspreise

Geöffnet von April bis Oktober  

 
Luftaufnahme Kloster Wettingen mit Klosterpark im Vordergrund

Anreise: So
finden Sie uns

Anfahrt mit Auto und öV  

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Schulen, Familien und Gruppen

 
Eine Schulklasse beim Schreiben mit Tinte und Federkiel.

Für
Schulen

Buchbare Führungen und Workshops  

 
Zwei Mädchen und ein Bub stehen gemeinsam vor dem Kloster Wettingen und blicken direkt in die Kamera. Sie halten eine Landkarte, Broschüre sowie eine Pyramide in den Händen.

Für
Familien

Rätseltour durch die Klosterhalbinsel  

 
Eine Frau und ein Mann schreiten in Freizeitbekleidung durch den Garten der Klosterhalbinsel Wettingen (Foxtrail).

Für
Gruppen

Buchbare Führungen und Workshops  

Die Klosterhalbinsel in 54 Sekunden

DIE KLOSTERHALBINSEL WETTINGEN

 
Luftaufnahme Klosterhalbinsel Wettingen mit dramatischen Wolken über dem Kloster

Klosterhalbinsel
und Geschichte

800 Jahre Klostergeschichte  

 
Luftaufnahme Konventgarten und Abtgarten auf der Klosterhalbinsel Wettingen mit Limmat

Klosterpark
und Gärten

Entdecken Sie historische Gartenanlagen  

FEIERN UND GENIESSEN

 
Weiss gedeckte Stehtische mit Häppchen: Apéro auf der Klosterhalbinsel Wettingen

Essen und
Trinken

Restaurants auf der Klosterhalbinsel  

 
Lindenterrasse Schloss Wildegg: Ein schön gedeckter Tisch mit Apéro

Räume
mieten

Feiern und tagen  

SAMMLUNG

 
Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

Sammlung

Schatzkammer der Aargauer Geschichte  

 
Grosses Handy in der Hand eines Benutzers, auf dem Bildschirm ist die "Sammlung online" von Museum Aargau dargestellt.

Sammlung online

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