Auf Schloss Hallwyl stehen heute acht verschiedene Kachelöfen, die uns alle eine Geschichte erzählen. Was hat der Ofen im Salon mit Fabelgeschichten zu tun und was verrät uns der Bauschutt aus dem Schlossgraben über frühere Öfen?
Wenn man alle Kachelöfen auf Schloss Hallwyl sehen möchte, hat man einiges vor sich: Allein im vorderen Schloss sind heutzutage vier Öfen ausgestellt, im hinteren Schloss befinden sich nochmals vier. Damit ist die Tour aber noch nicht abgeschlossen, denn auch einzelne Kachelfunde verstecken sich in der Ausstellung.
Ofenkacheln im Bauschutt
Wir beginnen unseren Rundgang noch etwas abstrakt. Denn der älteste Ofen, der vermutlich im ursprünglichen Wohnturm stand, ist schon lange nicht mehr in seiner eigentlichen Form erhalten. Erst bei archäologischen Grabungen zwischen 1995 und 2003 hat man Bauschutt gefunden, in dem sich Kacheln befanden. Diese Kacheln sehen aber ganz anders aus, als wir es uns gewohnt sind. Es handelt sich nämlich um einfache Tonbecher. Die Becher wurden in die Ofenkuppel eingesetzt, um das Gewicht der Konstruktion zu verringern und die Wärme besser zu speichern. Eine solche mittelalterliche Konstruktion bezeichnet man als Gupfofen.

Schon ab dem 13. Jahrhundert liessen die Schlossherren verschiedene Kachelöfen einbauen und vermutlich auch immer wieder umbauen und ersetzen. Davon erzählen unzählige Kacheln, die man bei Ausgrabungen gefunden hat. Die meisten Kacheln sind grün glasiert und teilweise in ausgefallenen Formen gestaltet. Einen solchen Fund kann man beispielsweise in einer Truhe im hinteren Schloss besichtigen. Diese Kachel zeigt eine Frau in höfischer Tracht über einem Jäger mit Lanze.

Regionale Handwerkskunst auf Schloss Hallwyl
Für die nächste Station bleiben wir gleich im hinteren Schloss. Hier steht nämlich auch die älteste erhaltene Komplettkomposition eines Ofens. Dieser grüne Turmofen stammt aus dem Jahr 1612 und wurde von Hans Jörg Sinlinger aus Aarau gebaut. Um den Ofen abzustufen und ein Türmchen aufzusetzen, musste Sinlinger verschieden Kachelformen kunstvoll zusammensetzen und aneinander anpassen. Auch die Verzierungen, welche mit einer Schablone übertragen wurden, musste er genau an die benachbarten Kacheln anpassen. Auf der Frontseite des Ofens prangen die Wappen der Auftragsgeber: Hartmann von Hallwyl und Anna von Ulm.

Unser Rundgang führt uns weiter ins vordere Schloss. Hier stechen sofort die zwei grösseren Kachelöfen ins Auge und man merkt, dass sie ganz anders gestaltet sind: Blaue Malereien verzieren die weiss grundierten Kacheln. Im Unterschied zum hinteren Schloss erwärmten hier die Öfen einst nicht nur die Zimmer, sie schmückten auch die Innenräume. Das ist insbesondere beim Fayence-Ofen im Salon spürbar. Statt Ornamente und Wappen der Familienmitglieder zeigen uns die einzelnen Kacheln verschiedene Szenen aus Fabeln: In einer romantischen Landschaft sehen wir Hund und Katze, Fuchs und Löwe, Schwan und Reiher, Hase und Pferd und vieles mehr.
Beide Steckborner Fayence-Öfen wurden 1865 von Hans von Hallwyl als Antiquität in Baden gekauft. Zu dieser Zeit galt Steckborn als absolute Metropole der Kachelofenproduktion. Hans von Hallwyl erwarb also ein der Zeit entsprechendes Luxusgut. Dass der Ofen im Salon mit Fabelmotiven verziert sind, dürfte ebenfalls kein Zufall sein. Hans' Vater Theodor von Hallwyl beschäftigte sich nämlich ausführlich mit Fabeln. In seinem Werk La morale chrétienne sammelte er circa 400 Fabeln und verfasste einen eigenständigen Kommentar dazu. Eigentlich wollte er diese Fabelsammlung für die Erziehung seiner Söhne Hans und Walther verwenden, allerdings veröffentlichte er das Buch erst 1865.
Beide Söhne waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Studium, dennoch dürfte es kein Zufall sein, dass Hans die beiden Öfen im gleichen Jahr kaufte, wie das Buch seines Vaters gedruckt wurde. Es ist sehr gut möglich, dass Theodor seinen Söhnen bereits vor dem Druck Fabeln erzählte und Hans somit mit den auf dem Ofen abgebildeten Geschichten aufgewachsen ist.

Fazit
Die Ausstellung im Schloss Hallwyl hat uns anhand einzelner Kachelfunde und ganzer Kachelöfen fast durch die ganze Geschichte des Schlosses geführt. Wer sich jetzt noch weiter für das Feuer im Schloss interessiert, hat aber noch einiges zu erforschen. Wer entdeckt, wo die Öfen befeuert wurden? Wie sehen die restlichen fünf Öfen aus? Und welche Ofenbank ist wohl die bequemste?



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