Museum Aargau

"Walther Bürsten bürsten gut" – Zahnpflege mit dem Chefkurator

Zurück zum Blog 25. Juni 2020 Kategorie Schätze aus der Sammlung Den Werbeslogan "Walther Bürsten bürsten gut, Walther Bürsten bürsten besser" kannte wohl jedes Kind. Chefkurator Rudolf Velhagen präsentiert in der Sammlung von Museum Aargau ein Bürsten-Set der ehemaligen Bürstenfabrik Walther in Oberentfelden AG Dieser Bekanntheitsgrad ist kein Wunder: Beim Besuch des Walther-Museums in der "Alten Bürsti" in Oberentfelden wurde mir bewusst, dass es für fast jede Lebenssituation irgendeine Bürste gibt. Dabei bilden Zahnbürsten (gewöhnliche und elektrische), WC-Bürsten, Schuhbürsten,

 
Museum Aargau

Licht ins Dunkel: Das farbige Mittelalter

Zurück zum Blog 08. Juli 2026 Kategorien Mittelalter Historische Kleidung Trug man im Mittelalter nur graue und braune Kleidung? Weit gefehlt! Eine Hommage an die Farbigkeit dieser Epoche. Das Klischee des "dunklen Mittelalters" hält sich in der breiten Bevölkerung und in der medialen Kultur hartnäckig – zum Frust von Historikerinnen und Historikern sowie anderen, welche sich mit dieser Epoche differenzierter auseinandersetzen. Wenn man im alltäglichen Kontext etwas als "mittelalterlich" bezeichnet, ist dies negativ geprägt und soll "rückständig" ausdrücken. Allerdings war das Mittelalter

 
Museum Aargau

5 faszinierende Fakten über römische Münzen

Zurück zum Blog 28. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Münzgeld verliert heutzutage zunehmend an Bedeutung. Römische Münzen waren bei den Römern hingegen das zentrale Zahlungsmittel und ermöglichten Einkäufe und Handel im ganzen Reich. Doch was macht römische Münzen so besonders und wofür wurden sie verwendet? "Pecunia non olet" – Geld stinkt nicht. Diese Redewendung geht auf Kaiser Vespasian zurück, der zur Finanzierung des Staates eine Steuer auf öffentliche Latrinen einführte. Als sein Sohn Titus die Moral dieser Steuer beanstandete, hielt Vespasian ihm Münzen

 
Schloss Lenzburg

Eine Zeitreise: 50 Jahre Geschichtsvermittlung

Sonderausstellung Saison 2025/2026 Preis Im Eintritt inbegriffen 0 Sonderausstellung zur Pionierrolle in der Schweizer Museumspädagogik Schloss Lenzburg beleuchtet 2025/2026 in einer Sonderausstellung seine Pionierrolle in der Geschichtsvermittlung. Vor 50 Jahren arbeiteten hier erstmals Museumspädagoginnen und -pädagogen spielerisch mit Kindern – ein Novum in der Schweiz. In der kleinen Ausstellung "Eine Zeitreise: 50 Jahre Geschichtsvermittlung" erzählen Pionierinnen und Pioniere, wie sie ab 1975 Geschichte zum Erlebnis für alle Sinne machten – mit feuerspeienden Drachen, verkleideten Gräfinnen

 
Museum Aargau

Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte

Zurück zum Blog 16. Juni 2026 Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Mit dem dritten Band seiner Reihe "Aargauer Industriegeschichten" rückt Museum Aargau ein bislang wenig beachtetes Kapitel in den Mittelpunkt: die Möbelbranche des Kantons. Entdecken Sie in diesem Blogbeitrag fünf ausgewählte Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte. Der Kanton Aargau gehört unbestritten zu den bedeutendsten Industriekantonen der Schweiz. Neben Maschinen‑, Metall‑, Elektro‑, Textil‑ und Schuhindustrie zählen auch Nahrungs‑, Getränke‑ und Tabakproduktion zu seinen wichtigen Wirtschaftszweigen

 
Vindonissa Museum

Römischer Garten von Vindonissa

Preis: im Museumseintritt inbegriffen 0 Rekonstruierter Ziergarten des Legionskommandanten Der römische Garten beim Vindonissa Museum ist eine Oase der Ruhe und Sinnlichkeit. In den Beeten wächst eine bunte Pflanzenpracht, in den Brunnen und Becken plätschert das Wasser. Ein Säulengang umrahmt die 450 Quadratmeter grosse Anlage. Diese ist in ihrer Dimension einzigartig in der Schweiz. Im römischen Garten von Vindonissa wachsen rund 40 Pflanzenarten, die für Vindonissa archäobotanisch bezeugt sind. Die Architektur mit verspielten Beetumrandungen und Wasserspielen orientiert sich an antiken

 
Museum Aargau

Das tragbare Sommergefühl - Zeitloser Textildruck aus Suhr

Zurück zum Blog 17. Juni 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Sommer: Die helle Jahreszeit steht nicht nur für heisse Tage und ein abkühlendes Bad. Auch im Sammlungszentrum in Egliswil hält der Sommer Einzug. Oder hat eingehalten. Denn in den Regalen und Ablagen schlummern wahre Schätze, die perfekt zu einem schönen Sommertag passen. "Der Sommer, der vergeht, ist wie ein Freund, der uns Lebewohl sagt." - Victor Hugo (1802-1885) Im Sammlungszentrum liegen zwischen diversen Raritäten und Kuriositäten auch Sonnenbrillen, Strohhüte und Kleider, deren Designs auch der

 
Museum Aargau

So machten es die Römer: Toga binden – mit Video

Zurück zum Blog 24. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Der Legionskommandant von Vindonissa zeigt euch im Video, wie die Römer eine toga drapieren. Die toga Das wichtigste Kleidungsstück im Römischen Reich war die toga , die üblicherweise weiss war. Getragen wurde sie von allen Männern, die das römische Bürgerrecht besassen. Das unterscheidet römische Bürger klar von Sklaven, Verbannten und Barbaren. Das Tuch war etwa 5 bis 6 Meter breit. Da der Legionskommandant legatus legionis , kurz Legat, dem Senatorenstand angehörte, trug er eine toga , die mit einem Purpurstreifen

 
Schloss Hallwyl

Dauerausstellung

Dauerausstellung Preis Museumseintritt Bau- und Familiengeschichte des Adelsgeschlechts von Hallwyl Wer hat auf Schloss Hallwyl gelebt? Wie haben die Herren von Hallwyl für Recht und Ordnung gesorgt? Und wie haben die Bediensteten gelebt und gearbeitet? Die Dauerausstellung im Schloss gibt Einblick in die Bau- und Familiengeschichte sowie in die verschiedensten Lebensbereiche von Adel und Untertanen. Die Themenbereiche reichen von der Landwirtschaft und der Fischerei über mittelalterliche Arzneimittel bis hin zum damaligen, auf der Religion basierenden Weltbild. Audiovisuelle Shows, ein Audioführer

 
Museum Aargau

Schreibmaschine "Swissa Junior" von August Birchmeier's Söhne

Zurück zum Blog 30. März 2020 Kategorien Schätze aus der Sammlung 20./21. Jh. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielten Schreibmaschinen als Instrument für die Textverarbeitung eine immer wichtigere Rolle. In der Schweiz und im Kanton Aargau wurde diese Entwicklung von der Schreibmaschinenfabrik August Birchmeier's Söhne entscheidend mitgeprägt. © Museum Aargau Schreibmaschine mit Schutzkoffer Das Metallgehäuse der in der Mitte der 1950er-Jahre hergestellten Schreibmaschine (9 cm x 31 cm x 27 cm) mit gerundeten Ecken ist hellblau lackiert. Die abgeschrägte Abdeckung wird oberhalb der Tasten von

Gradian

Museumsblog

Kleine Kugel, grosse Welt – der Globus von Schloss Wildegg

Hinter den kleinformatigen Welt- und Himmelskugeln stecken sowohl astronomische Vorstellungen wie auch historische Entdeckungen und handwerkliches Knowhow. Aber seit wann gibt es eigentlich Globen? Wie wurden diese hergestellt und was war ihr Verwendungszweck? Der Globus von Schloss Wildegg gibt Anlass, diesen und mehr Fragen auf den Grund zu gehen.

Auffällig ist er nicht, der kleine Globus von Schloss Wildegg. Mit einem Durchmesser von lediglich 12,5 cm ist er sogar kleiner als die meisten anderen Globen. Wer das Schloss bereits einmal durchschritten hat, ist ihm vielleicht dennoch begegnet. Zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk führt ein seitlicher Gang von der Wendeltreppe nach rechts. Am Ende des Ganges befinden sich das Eckzimmer und die Karpfenstube. Letztere beherbergt seit längerer Zeit den besagten Globus von Schloss Wildegg. 

Was sind Globen und seit wann gibt es sie?

Globen sind kugelförmige Modelle, die Planeten, Monde oder den Sternenhimmel darstellen. Besonders zwischen 1550 und 1850 wurden Erd- und Himmelsgloben häufig als zusammengehörige Paare hergestellt. Während ein Erdglobus die Erde zeigt, stellt ein Himmelsglobus den Sternenhimmel mit seinen Fixsternen und Sternbildern dar. Beim Globus aus der Karpfenstube handelt es sich um einen Erdglobus ohne ein bekanntes Pendant. 

Die Geschichte der Globen reicht bis in die Antike zurück: Die älteste schriftliche Erwähnung eines Himmelsglobus stammt ungefähr aus dem Jahr 360 v. Chr. Zudem ist eine römische Kopie einer Atlasstatue mit Himmelsglobus aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. bis heute erhalten geblieben. Während im Mittelalter die Tradition der antiken Globen im arabischen Kulturraum übernommen und weiterentwickelt wurde, gerieten Globen in Europa zeitweise in Vergessenheit. 

1492 entstand in Nürnberg der älteste erhaltene Erdglobus der Welt. Da dieser noch vor der Entdeckungsreise des Kolumbus gefertigt wurde, ist der amerikanische Doppelkontinent nicht eingezeichnet. Die zunehmenden Überseefahrten und die europäischen Kolonialisierungen machten Globen fortan immer bedeutender und führten zu ihrer seriellen Produktion. Neue geografische Entdeckungen ermöglichten zugleich eine stetige Präzisierung der Erdgloben. Während diese im 19. Jahrhundert kartografisch weitgehend vervollständigt wurden, verloren Himmelsgloben zunehmend an Bedeutung.

Unter den insgesamt acht Globen der Sammlung von Museum Aargau befinden sich auch zwei Himmelsgloben. Einer der beiden wird aktuell in der Ausstellung auf der Klosterhalbinsel in Wettingen gezeigt.

Diener der Wissenschaft und Lehre

Globen dienten lange Zeit sowohl als Demonstrationsobjekte und Lehrmittel als auch als wissenschaftliche Instrumente. Hochwertige und präzise gefertigte Globen wurden bis zur Mitte des 19. Jh. für wissenschaftliche Zwecke genutzt, um beispielsweise den Sonnenauf- und -untergang und somit die Tageslänge für verschiedene Orte zu bestimmen. Besonders ab 1850 führte die zunehmende Massenproduktion von Globen zu einer stärkeren Verbreitung im Schulunterricht. 

Von der Karpfenstube des Schloss Wildegg ist bekannt, dass sie als Unterrichtszimmer für Sophie von Erlachs Vater Niklaus Bernhard Effinger und dessen Brüder diente. Es ist deshalb naheliegend, dass auch der Globus von Schloss Wildegg den Schlossbewohnenden als Lehrmittel diente. 

Aus der Werkstatt, in den Handel

Die gängigste Herstellungsmethode von Globen zwischen 1550 und 1950 bestand darin, zunächst zwei Halbkugeln aus Papiermaché anzufertigen, diese zusammenzuleimen und mit Gips zu überziehen. Anschliessend wurde die Oberfläche gleichmässig abgeschliffen und mit einer dünnen Papierschicht versehen. Bei Einzelanfertigungen wurde die Karte direkt auf die Kugel aufgemalt, während sie bei Serienproduktionen im Druckverfahren vervielfältigt und aufgeklebt wurde. Zum Schluss wurde der Globus in ein Gestell eingesetzt und auf einer um 23,5 Grad geneigten Achse befestigt. 

Betrachtet man den Globus von Schloss Wildegg von Nahem, kann man die Längsstreifen der gedruckten und aufgeklebten Karte erkennen. Es handelt sich demnach um einen seriell hergestellten Globus. 

Ein grosser Schriftzug auf dem Globusgestell weist ausserdem darauf hin, dass der Globus 1841 in der Rieseschen Buchhandlung in Coesfeld hergestellt und vermutlich auch dort verkauft wurde. Das scheint insbesondere deshalb plausibel, weil die Familie Riese auch eine Druckerei betrieb, in der sie die Globuskarten drucken konnte. 

Den teils etwas schiefen Linien zufolge wurde der Globus nachträglich von Hand farbig bemalt. Wie die Familie Effinger in den Besitz des Rieseschen Globus kam, ist nicht bekannt.

Fazit

Die Geschichte der Globen reicht weit zurück und weist sehr bedeutsame Phasen auf. Heute werden sie überwiegend in der historischen Forschung oder als Sammel- oder Deko-Objekte verwendet. Schliesslich strahlen die runden Erdminiaturen eine faszinierende Ästhetik aus. So auch der kleine Globus von Schloss Wildegg, der bei genauerer Betrachtung einiges von sich preisgibt. Ein Globus ist nie nur eine Darstellung der Erde oder des Himmels, sondern immer auch ein Fenster in die Vorstellungswelt seiner Entstehungszeit.

Von Seraina Zorli

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