Museum Aargau

Von Weisheiten und Empfehlungen - Was die Inschriften auf Schloss Wildegg uns verraten

Zurück zum Blog 03. August 2022 Kategorie Schlossgeschichten Inschriften aus vergangenen Zeiten mögen faszinieren, erstaunen, aber auch erschaudern. Auch auf Schloss Wildegg treffen wir auf so manche Inschrift: Sie sind in Stein eingemeisselt, auf Torbögen aufgepinselt oder auf Türen gemalt. Kommen Sie mit auf einem Rundgang durch die Schlossanlage! Zusammen entdecken wir philosophische Sprüche in Latein und eine Weisheit, die uns an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern soll. Lateinische Sinnsprüche im Schlossgarten Wir stehen auf dem Schlosshof und schauen Richtung Südwesten. Hinter dem Schlossbrunnen ragt ein Gartenportal hervor, welches uns den Weg in die Schlossgärten weist. Auf dem Gartenportal an der Hofmauer entdecken wir den ersten lateinischen Sinnspruch: "OMNIA PRUDENTER ET RESPICE FINEM In allem weise und gedenke des Endes" Dieser Spruch stammt ursprünglich aus den Gesta Romanorum ("Die Taten der Römer"), einer spätmittelalterlichen Geschichtensammlung. Seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis in die Zeit des Barocks erlebte das Werk in unterschiedlichen Erscheinungen weite Verbreitung in Europa. Die Gesta Romanorum umfasst über 200 beispielhafte Erzählungen, die jeweils mit moralisierenden Empfehlungen geschmückt sind. So stellt auch der Sinnspruch auf dem Gartenportal einen moralischen Wegweiser dar: Er rät uns Lesenden dazu, klug zu handeln und stets die Konsequenzen im Blick zu halten. Blick vom Schlosshof auf das Gartenportal an der Hofmauer Auf der Rückseite des Gartentors sind ebenfalls lateinische Weisheiten in Stein eingemeisselt und mit roter Farbe ausgeputzt: "NOMEN BONUM MELIUS QUAM DIVITIA MULTA Ein guter Name ist köstlicher als Reichtum ODOR VIRTUTIS MELIOR Der Geruch der Tugend ist besser" Die Inschrift will uns also mitteilen, dass angemessenes Verhalten wichtiger sei als blosser Reichtum. Blick von der Lindenterrasse auf das Gartenportal an der Hofmauer. Wenn wir unseren Gang unter dem Gartentor hindurch fortsetzen, die Treppe hinunter, über die Lindenterrasse und durch die ersten Rebanlagen gehen, dann kommen wir zum heutigen Nutz- und Lustgarten . Ganz am Ende der wunderschönen Gartenanlage stossen wir schliesslich auf einen weiteren Torbogen, welcher den Blick auf die südlich gelegenen Rebpflanzen führt. Auch dieses Gartenportal beherbergt eine weise Inschrift: "NON MINUS EST QUAERERE, QUAM QUESTA PARTA TUERI Nicht weniger ist das Suchen, als das Erworbene zu wahren wissen" Diese Inschrift rät uns, die Dinge zu schätzen, die man hat. Blick von der Gartenanlage in Richtung Süden Ein Lustgarten für die Sinne Warum finden sich solche Sinnsprüche auf zwei Torbögen auf dem Schlossgelände Wildegg? Die Inschriften stehen in Zusammenhang mit dem Schlossgarten. Wann genau dieser angelegt wurde, ist nicht abschliessend geklärt. Man weiss jedoch, dass Bernhard Effinger (1658-1725) den Garten bei Umbauarbeiten am Schloss um 1700 grosszügig erweiterte. Er liess damals das gesamte Schloss im Stil des Barocks umbauen – ein enormes Unterfangen! Porträt des Bernhard Effinger (1658-1725), Ölgemälde, anonyme Kopie von 1699 nach einer Vorlage um 1689. Die schmucken Gartenportale waren Teil des neuen barocken Lustgartens. Bernhard liess nach gängiger Mode einen parkähnlicheren Garten errichten, welcher den Schlossbewohnern und Besuchenden zur Erholung und Erregung der Sinne dienen sollte. Im Barock bestand die Vorliebe, mit Sinnbildern, Anspielungen und Zitaten zu spielen. Folglich waren lateinische Sinnsprüche auf Torbögen zur dieser Zeit nicht ungewöhnlich. Mit Vorliebe orientierte man sich dabei an der griechischen und römischen Antike. Danebst war der Barock geprägt von philosophischen Leitmotiven wie "Memento Mori" (Bedenke deines Todes), "Carpe diem" (Nutze den Tag) und der "Vanitas" (Vergänglichkeit des Lebens). Somit sollten die lateinischen Sinnsprüche die Sinne der Besuchenden im Lustgarten anregen und sie zum Philosophieren ermutigen. Die Nachkommen im Blick - Inschriften am Brückenportal Wenn wir nun den Garten verlassen, uns Richtung Schloss bewegen und die Brücke überqueren, stehen wir erneut vor einem Portal, das uns verschiedene Weisheiten näherbringt: "OMNIA CUM DEO Überall mit Gott SINE SUO NUMINE, NIHIL EST IN HOMINE Ohne göttliche Macht, ist der Mensch nichts" Diese Inschrift leitet uns an, gottesfürchtig zu leben. Unter den lateinischen Sprüchen sind Abkürzungen eingemeisselt, die bezeugen, dass wiederum Bernhard Effinger mit seiner Gemahlin Barbara de Salis dieses Portal Ende des 17. Jahrhunderts in Auftrag gegeben hatte: “B(ernhardus) E(ffinger) D(ominus) I(n) W(ildegg) // B(arbara) D(e) S(alis) 1693” Vorder- und Rückseite der Inschriften am Brückenportal. Auf der Rückseite des Brückenportals sind ebenfalls Inschriften zu entdecken. Diese sollten die Schlossbewohner begleiten, wenn sie ihr Heim verliessen: "PIETAS ET CONCORDIA POSTERITATI RECOMENDATA Frömmigkeit und Einigkeit wird der Nachkommenschaft weiterempfohlen JUSTÉ. SOBRIE. RELIGIOSE. gerecht, mässig, fromm" Angesprochen sind in dieser Inschrift die Nachkommen von Bernhard Effinger: Sie sollten nach dem Willen von Effinger gerecht, mässig, fromm und in Einigkeit leben. Sophie von Erlach-Effinger (1766-1840), die Urenkelin von Bernhard Effinger, schrieb in ihrer Burgchronik über diese Inschrift: "Der Zuspruch blieb nicht unfruchtbar, sondren trug bis auf heutigen Tag gute Früchte, und ihr Wunsch gieng in Erfüllung über." Die Inschrift machte also über Generationen hin von sich reden und blieb – ganz dem Wunsch Bernhards folgend – scheinbar lange wirksam. Porträt der Sophie von Erlach-Effinger (1766-1840), Ölgemälde von Felix Maria Diogg, heute im Bistro von Schloss Wildegg. Ein "Memento Mori" im dritten Stock Bernhard Effinger könnte die Leidenschaft für Inschriften und Lebensweisheiten von seinem Vater, Hans Thüring Effinger (1619-1667), geerbt haben. Von diesem ist uns nämlich auch eine Inschrift im Schloss überliefert. Wenn wir im dritten Stock an der Trübelkammer vorbeigehen, wo früher Trauben getrocknet und aufbewahrt wurden, und in Richtung Bibliothek schreiten, sehen wir eine Tür mit folgender Inschrift. "GOTT GEB, ICH GANG AUS ODER EIN, SO FOLGT DER DOD UND WARTET MEIN. WIE GOTT WILL, SO WIRD'S SEIN. 1664" Es ist eine typische Inschrift für diese Zeit – ganz nach dem Barocken Leitmotiv "Memento Mori". Hans Thüring Effinger blickte damals auf den tragischen Pesttod von acht Kindern und seiner ersten Frau zurück. Der Totenkopf als Symbol der Pest erinnert an den schrecklichen letzten Ausbruch in der Schweiz. Zur Zeit von Hans Thüring Effinger war der dritte Stock im Schloss das Wohngeschoss, hinter der Türe mit der Inschrift hatte er sein Schlafzimmer. Inschrift an der Türe zur Bibliothek im dritten Obergeschoss. Auf unserem Rundgang haben wir diverse Inschriften auf dem Schlossgelände Wildegg entdeckt. Es sind Überreste, die von den Lebenswelten der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner zeugen. Sie handeln von Weisheiten und Empfehlungen für das alltägliche Leben – Und einige von Ihnen haben in den dreihundert Jahren kaum an Gültigkeit verloren. Literatur Furger, Andres: "Schloss Wildegg. Aussenstelle des Schweizerischen Landesmuseums", Schweizerisches Landesmuseum, Zürich, 1994. Ackermann, Felix / Müller, Felix: "Schloss Wildegg. Kanton Aargau", Schweizerischer Kunstführer, Serie 93, Nr. 926, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2013. von Erlach, Sophie: "Kleine Burgchronik des Schlosses Wildegg der Sophie von Erlach-Effinger, in der Abschrift ihres Bruders Ludwig Albrecht", Museum Aargau, 2012. Museum Aargau (Hg.): "Von Versailles nach Wildegg. De Versailles à Wildegg", Museum Aargau, Schloss Wildegg, 2013. Die Übersetzungen der lateinischen Sprüche wurden der Literatur entnommen und teilweise von der Autorin frei übersetzt. Von Stephanie Müller Von Stephanie Müller Stephanie Müller ist Historikerin und Praktikantin im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schlossgeschichten Kommentare

 
Schloss Lenzburg

Stiftung

1956 erwarben der Kanton Aargau und die Stadt Lenzburg das Schloss von der Witwe von Lincoln Ellsworth und gründeten die Stiftung Schloss Lenzburg. Heute hat diese gemäss Leitbild das Ziel, "die mittelalterliche Burganlage zu erhalten, der Bevölkerung zugänglich zu machen und für kulturelle Bestrebungen zur Verfügung zu stellen". So kuratiert die Stiftung Schloss Lenzburg die öffentlichen Veranstaltungen auf dem Schloss und vermietet die historischen Räumlichkeiten. Das Museum Aargau führt auf Schloss Lenzburg das Museum, zeigt hier seine bedeutende Sammlung und führt regelmässig Veranstaltungen durch. Kontakt Stiftung Schloss Lenzburg Stiftung Schloss Lenzburg Geschäftsführung Christine Ziegler (Geschäftsführerin) René Marty (Geschäftsführer) Schloss 5600 Lenzburg Tel. 062 888 48 80 E-Mail Website Räume mieten Freunde der Lenzburg

 
Schloss Habsburg

Picknick und Feuerstellen

Feuerstellen Entlang der zahlreichen Wanderwege rund um Schloss Habsburg stehen ausgebaute Feuerstellen zur Verfügung. Picknick auf dem Schlossareal Im Schlosshof gibt es Tische und Bänke fürs Picknicken. Essen und Trinken innerhalb des Schlosses ist nicht erlaubt.

 
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Museum Aargau

Essbare Blüten

Zurück zum Blog 08. Juli 2022 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Das Wissen über essbare Blüten war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtig und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft ab Mitte des 20. Jahrhunderts ging dieses Wissen immer mehr verloren. In jüngerer Zeit ist das Interesse an essbaren Blüten nun wieder gestiegen. In vielen Restaurants werden Speisen mit verschiedenen Blüten dekoriert. Diese sind dekorativ und geschmacklich ein Genuss! Essbare Blüten eignen deshalb auch als raffinierte Zutat für die Küche zu Hause. In Rabatten, Töpfen oder grossen Pflanzentrögen sind die Blüten zudem eine Augenweide. Nachfolgend eine Auswahl an Blüten, die auch kulinarisch ein Genuss sind: Die Ringelblume – nebst ihrer heilenden Wirkung auch bekannt als "Safran der armen Leute" – kann ins Risotto gegeben werden. Zudem lässt sich mit der Blüte selbstgemachte Butter schön einfärben. Beim Bärlauch sind neben den Blättern auch die Blüten essbar, diese schmecken nach Zwiebeln. Die Schlüsselblumenblüten schmecken schön süss und eignen sich zum Verfeinern von Desserts. Die Blüten der Flammenblume können unter Salate oder Fruchtsalate gemischt werden, sie verleihen diesen so einen schönen Farbtupfer. Die exotischen Blüten der Taglilie schmecken süsslich-scharf und können auch sehr gut frittiert werden. Zucchettiblüten können einfach so gegessen werden – oder man kann sie füllen, zum Beispiel mit Frischkäse oder Hackfleisch. Schöne Taglilien wachsen im Rosengarten von Schloss Wildegg. Blüten ernten Ernten Sie diese Pflanzen am besten an einem warmen trockenen Morgen. Dann ist das Aroma am intensivsten. Die Blüten können frisch, getrocknet, kandiert oder als Eiswürfel verwendet werden. Wer zum Sammeln gerne raus in die Natur geht, sollte folgendes beachten: Essen Sie keine Blüten von Pflanzen, die nahe an dicht befahrenen Strassen (Schadstoffe) oder Fusswegen (Hunde-Urin) wachsen. Pflücken Sie zudem jeweils nur einen kleinen Teil der Blüten, damit sich die Pflanze weiterhin vermehren kann. Und nicht zuletzt: Ernten Sie nur Pflanzen, die Sie kennen (Vergiftungsgefahr). Ich wünsche Ihnen viele kulinarische Blütenerlebnisse! Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Schloss Wildegg

Anmeldung Verein Freunde Schloss Wildegg

Ich möchte dem Gönnerverein beitreten als * Einzelmitglied: CHF 0.– (ohne Gutschein: CHF 40.–) Paar: CHF 20.– (ohne Gutschein CHF 60.–) Firma: CHF 70.– (ohne Gutschein: CHF 110.–) Frau Herr Firma Identifikationsnummer Gutschein * Firma / Organisation Vorname * Nachname * Adresse Postleitzahl Ort E-Mail * Telefon Bemerkungen Ich möchte den E-Mail-Newsletter abonnieren für: Erwachsene (1x monatlich) Familien (3x jährlich) Lehrpersonen (3x jährlich) Ich möchte Infos per Post: Veranstaltungsmagazin (3x jährlich) Familienmagazin CHUMM (2x jährlich) Schulklassenprogramm (2x jährlich) Gruppenprogramm (1x jährlich) Senden

 
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Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

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Ein Mann präsentiert im Sammlungszentrum Egliswil einen historischen Kelch. Neben und hinter dem Mann steht eine Besuchergruppe.

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