Schloss Wildegg

Museumswald: Der Wald als Speisekammer

Im Wald sammeln Menschen bis heute Pilze, Nüsse oder Beeren. Während Hungersnöten griff man auch auf Kräuter, Tannzapfen oder Moos zurück. Aus dem Harz von Nadelbäumen liess sich Öl, Teer oder Pech herstellen. Im Herbst strömte die Bevölkerung in die Wälder, um das Laub in Säcken zu sammeln. Damit fütterten sie im Winter das Vieh oder füllten ihre Betten. Zurück blieb ein kahler Waldboden. Das Schlafen auf Laubsäcken blieb gebräuchlich bis weit ins 20. Jahrhundert, vor allem in ärmeren Gegenden der Schweiz. Laubertag in Betlis SG, frühes 20. Jahrhundert. (Heinrich Brockmann-Jerosch, Schweizer Volksleben. Band I: Die Sitten und Bräuche im Jahreslauf (Erlenbach-Zürich: Eugen Rentsch Verlag, 1929), Abb. 42) Auch die Schlossdomäne Wildegg war immer reich an verschiedenen Naturprodukten. Der Weg zum Schloss ist gesäumt von Walnussbäumen. Im Junkholz oberhalb des Schlosses stehen Kornelkirschbäume, deren saure Früchte traditionell zu Konfitüre verarbeitet werden. Buchen, Eichen und Hasel produzieren schmackhafte Nüsse. Pilze, Wurzeln und Waldkräuter ergänzen die Wildegger Wald-Speisekammer.

 
Schloss Wildegg

Museumswald: Wem gehört der Wald

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderte gehörten die meisten Wälder Adligen, Städten, Kirchen und Klöstern. Gesetze hinderten die Bevölkerung immer stärker daran, den Wald frei zu nutzen. Die Besitzenden beanspruchten Holz, Wild und Weiden für sich. Im ganzen Aargau gab es auch Wälder, die als Allmenden bezeichnet wurden: Gebiete, die gemeinschaftlich von den jeweiligen Gemeinden bewirtschaftet wurden. Wer darf den Wald wie nutzen? Je mehr die Bevölkerung wuchs, desto schlechter ging es dem Wald. Holz war bis ins 19. Jahrhundert der wichtigste Energieträger. Die Geschichte der Wälder ist auch eine Geschichte von Streit unter Menschen, wer den Wald wie nutzen darf. Auch Kaspar Effinger, Herr von Wildegg, stritt 1489 mit den Untertanen um den Wald. Die Urkunde darüber, wie sich die Konfliktparteien geeinigt hatten, befindet sich bis heute im Archiv im Schloss Wildegg. Kurz nachdem Kaspar Effinger die Burg 1483 gekauft hatte, geriet er in Streit mit den Bauern in Möriken, Wildegg und Holderbank. Die Auseinandersetzung zog sich über mehrere Jahre hin. Unter Kaspars Vorgängern hatten sich Gewohnheitsrechte entwickelt, auf die sich die Bevölkerung berief. Doch Kaspar Effinger pochte auf seine im Kaufvertrag festgesetzten Rechte. Die Möriker Bauern hatten nach Ansicht des Schlossherrn selbstherrlich einen Förster eingesetzt, verkauften unrechtmässig Bau- und Brennholz und mästeten Schweine im Wald. Der Konflikt eskalierte, als die Möriker den Schlossknecht aus dem Chestenbergwald jagten. Durch die Vermittlung Berns, durch die Landvogtei, konnten die beiden Konfliktparteien an den Verhandlungstisch geholt werden. Das Verhältnis zwischen Herrschaftsherr Effinger und Möriken konnte sich wieder normalisieren. Dorfgemeinschaft transportiert Laub, Äste und anderes Gut aus dem Wald, ins Dorf. Betlis, frühes 20. Jahrhundert. (Heinrich Brockmann-Jerosch, Schweizer Volksleben. Band I: Die Sitten und Bräuche im Jahreslauf (Erlenbach-Zürich: Eugen Rentsch Verlag, 1929), Abb. 43) Der Druck auf den Wald stieg mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Der junge Schweizer Bundesstaat erliess mehrere Gesetze, um den Wald zu schützen: Waldbesitzer mussten fortan den Wald nachhaltig nutzen und durften nur so viel Holz ernten, wie nachwachsen konnte. Ab 1903 wurde das schweizweit geltende "Walderhaltungsgebot" gesetzlich verankert. Fast zwei Drittel des Waldes gehören heute Gemeinden, Kantonen und dem Bund. Seit dem 20. Jahrhundert wächst der Wald in der Schweiz wieder. Doch auch heute drohen Gefahren: Hitze, Trockenheit aber auch aussergewöhnliche Unwetter bedrohen die Gesundheit des Waldes.

 
Schloss Wildegg

Museumswald

Zur Schlossdomäne Wildegg gehören 3,4 Hektar Wald, das Junkholz. Museum Aargau nutzt ein Teilstück als Museumswald und vermittelt hier die Geschichte der Waldnutzung Der Wald versorgte die Bewohnerinnen und Bewohner von Schloss Wildegg mit Holz zum Heizen und Bauen, mit Futter und Einstreu fürs Vieh sowie mit Jagdwild, Waldfrüchten und Pilzen für die Küche. Die Familie von Effinger bewirtschaftete ihr Land umsichtig. Davon zeugen Handbücher zur Landwirtschaft aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, die heute noch in der Schlossbibliothek stehen. Diese Waldnutzung zeigt Museum Aargau im Museumswald, einem Teilstück oberhalb des Spielplatzes bei Schloss Wildegg. Der Museumswald soll sich in den nächsten Jahrzehnten zu einem lichten Wald entwickeln, wie es in früheren Jahrhunderten im Schweizer Mittelland viele gab. Dafür fällte der Forstbetrieb zwischen 2024 und 2025 einen Viertel der Bäume. Indem zwischen den Bäumen Licht auf den Boden gelangt, entsteht Lebensraum für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Ziegen helfen den Wald auszulichten: Zwei Mal im Jahr beweiden sie den Wald einige Wochen lang. Für den Weidebetrieb ist creaNatira zuständig. Kooperationsprojekt Der Museumswald ist eine Kooperation von: Museum Aargau Stiftung Schloss Wildegg Abt. Wald Departement BKS Forstbetrieb Birretholz Jagdgesellschaft Chestenberg Gemeinde Möriken-Wildegg HINTERGRUND: WALDNUTZUNG IM AARGAU Hintergrund Der Wald als Speisekammer Hintergrund Wem gehört der Wald? Hintergrund Köhlerei im Wald Hintergrund Holznutzung im Wandel der Zeit Hintergrund Wer im Aargau jagen durfte Hintergrund Waldweide: Tierhaltung im Wald MUSEUMSWALD: BUCHBARE ANGEBOTE Für Schulen: Führung "Ab in den Wald!" 3. bis 9. Klasse – Bedeutung und Nutzungs des Waldes über die Jahrhunderte Für Schulen: Workshop "Mensch, Schloss und Wald" 3. bis 9. Klasse – Spurensuche durch die Geschichte der Waldnutzung Für Gruppen: Führung "Wald und Schloss" Eine Reise durch die Geschichte der Nutzung des Wildegger Waldes Newsletter abonnieren Jeden Monat Aktuelles und Verlosungen Jetzt anmelden

 
Schloss Lenzburg

Schulreise auf Schloss Lenzburg: Programm-Vorschläge

Programm-Vorschlag 1 Geeignet für: Kindergarten und Unterstufe Anreise Schloss Lenzburg ist bequem mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar. Es verkehren mehrere Buslinien zum Schlosshügel. Vom Bahnhof Lenzburg ist das Schloss zu Fuss in 20 bis 30 Minuten erreichbar. Anreise 9.45 Uhr: Znünipause bei der "Burg Waldegg" Der Kinder-Spielplatz "Burg Waldegg" unterhalb des Schlosses ist der perfekte Ort für die Znünipause. Spielplatz “Burg Waldegg” Spielplatz "Burg Waldegg". 10.30 Uhr: Führung im Schloss Schloss Lenzburg bietet für jüngere Kinder mehrere Führungen (1 bis 1,5 Stunden) im Schloss an. Themen sind das Mittelalter, die frühe Neuzeit sowie Märchen und Fabelwesen. Führungen für Schulen Führung "Alltag im Mittelalter". 12.00 Uhr: Mittagspause Ein gemeinsames Picknick ist im Schlosshof, ausserhalb der Schlossanlage sowie bei schlechtem Wetter in Innenräumen möglich. Picknick und Feuerstellen Nachmittag Das Kindermuseum im Dachstock von Schloss Lenzburg lädt zum Spielen, Basteln und Verkleiden ein. Unvergesslich: ein Besuch in der Höhle von Schlossdrache Fauchi. Kindermuseum Schlossdrache Fauchi Spiel und Spass im Kindermuseum. Programm-Vorschlag 2 Geeignet für: Mittel- und Oberstufe Anreise Ankunft auf Schloss Lenzburg mit dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuss vom Bahnhof Lenzburg (20 bis 30 Minuten). Anreise 10.15 Uhr: Workshop oder Führung im Schloss Schloss Lenzburg bietet für die Mittel- und Oberstufe mehrere Workshops (2,5 Stunden) und Führungen (1 bis 1,5 Stunden) an. In den Workshops klirren Schwerter, Schülerinnen und Schüler schlüpfen in die Rolle von Richter und Henker – und es wird gekocht wie im Mittelalter. Workshops und Führungen für Schulen Workshop "Am Feuer". Mittagspause Picknick ist im Schlosshof sowie bei schlechtem Wetter in Innenräumen möglich. Rund um Schloss Lenzburg gibt es zudem mehrere Brätelstellen. Picknick und Feuerstellen Rückreise mit Wanderung Schloss Lenzburg lässt sich gut mit einer Wanderung kombinieren, zum Beispiel zum Fünfweiher oder Esterliturm. Wanderung zu Fünfweiher und Esterliturm Wandervorschläge Aargau Tourismus

 
Schloss Wildegg

Museumswald: Köhlerei im Wald

Bis ins 19. Jahrhundert verschwelten Köhler Holz in Gruben oder Meilern zu Kohle. Während der mehrere Tage dauernden Verkohlung lebten sie im Wald. Bei der handwerklichen Köhlerei blieb nur ein Fünftel des Holzgewichts als Kohle zurück. Holzkohle ist leichter als Holz und brennt länger. Sie war unentbehrlich für Schmiede, im Bergbau und bei der Glasverhüttung. Aus der Asche liess sich Seifenlauge herstellen. Schiesspulver enthielt gemahlene Kohle. Ab dem 19. Jahrhundert verdrängten Steinkohle, Erdöl und Elektrizität die Holzkohle, und der Beruf des Köhlers verschwand. Zeichnung von Heinrich, Gross: "Les Charbonniers" aus dem 16. Jahrhundert, in Lothringen, abgedruckt in "Revue lorraine illustrée", Nancy 1909. Welche Bedeutung das Köhlern für Schloss Wildegg und die Familie Effinger hatte, ist schwer zu sagen. Im Familienbesitz war ab dem 18. Jahrhundert auch eine Ziegelei, welche zum Brennen der Ziegel viel Energie benötigte. Aus den Wirtschaftsbüchern der Effinger geht hervor, dass der Holzverbrauch dadurch sprunghaft angesprungen sei. Ob mit Holzkohle gefeuert wurde, lässt sich nicht sagen. Im Junkholz oberhalb von Schloss Wildegg gab es keine Kohlemeiler. Dagegen sprach sicher die Entfernung zum fliessenden Wasser, welches benötigt wurde. Ab dem 18. Jahrhundert wurde die Köhlerei immer mehr in unwegsame, abgelegene Wälder verschoben, weil man die lokalen Wälder schützen wollte.

 
Schloss Wildegg

Museumswald: Waldweide – Tierhaltung im Wald

Tierhaltung im Wald war bis ins 19. Jahrhundert üblich. Die Bauern trieben ihr Vieh in die Wälder, um auf den Äckern Feldfrüchte für die eigene Ernährung anzubauen. Kühe, Schweine, Schafe oder Ziegen frassen im Wald Kräuter, Laub und Eicheln oder Bucheckern. Um 1500 mästeten die Bauern von Möriken ihre Schweine am Chestenberg, obwohl sie dafür kein "Acherum" besassen, keine Erlaubnis zur Tiermast in Buchen- oder Eichenhainen. Beweidung eines Waldbereichs in Küttigen mit Ziegen, 19./20. Jahrhundert. (Foto: Abteilung Wald, Kanton Aargau) Weidehaltung im Wald verhinderte, dass junge Bäume nachwachsen konnten. Der Wald war heller und lichter als heute. Waldweiden trugen neben der Holzwirtschaft dazu bei, dass die Waldflächen im Lauf des 19. Jahrhunderts abnahmen. Seit 1902 sind Waldweiden in der Schweiz verboten. Davon rücken die Behörden zunehmend ab: Lichte Wälder bieten vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Eine Waldweide kann nur mit einer Sonderbewilligung des Kantons eingerichtet werden.

 
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Eine Frau steht mit einem Handy in der Hand an einem Fluss.
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IndustriekulTOUR Aabach

Virtuell durch die Industriegeschichte

Erleben Sie die Industriekultur am Aabach zwischen Lenzburg und Wildegg mit dem Smartphone: Die IndustriekulTOUR Aabach ist der erste virtuelle Museumsraum im Kanton Aargau. Treffen Sie Patrons und Fabrikarbeiter aus der Zeit der Industrialisierung!