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Einhorn – Eine fabelhafte Geschichte

Die Sonderausstellung wird in die Saison 2024 verlängert. Preis: im Museumseintritt inbegriffen Anmeldung: nicht erforderlich 0 Sonderausstellung: Einhorn-Darstellungen aus 700 Jahren Einhörner füllen

 
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Spurensuche - Auf der Fährte von Lupina und Anissa

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Schweigend Sprechen: ein Einblick in die Zeichensprache der Zisterzienser

Für den Mönchsorden der Zisterzienser ist das Schweigegelübde ein wichtiger Bestandteil des Klosterlebens. Damit folgen sie der Regel des Heiligen Benedikts. Dieses Schweigen führte zur Bildung einer eigenen, monastischen Gebärdensprache.

Sowohl im Alten und Neuen Testament als auch in den Schriften von frühchristlichen Mönchen wird die grosse Bedeutung des Schweigens betont. In der monastischen Tradition folgt auf die äussere Stille die innere Stille, in der man seine innere Aufmerksamkeit ganz auf Gott richtet.

Besonders in den cluniazensischen Klöstern wurde die Stille strenger gewahrt als bei anderen Orden, denn sie verstanden unter der Stille absolutes Schweigen. Kein einziges Wort sollte gesprochen werden.

Da sich die Mönche im Klosteralltag doch ab und zu etwas mitteilen mussten, haben die Cluniazenser eine Form stiller Kommunikation entwickelt, die Zeichensprache. So können die Mönche sich durch einfache Handzeichen kurze Anweisungen übermitteln und die Stille bleibt unversehrt.

Der Ursprung der monastischen Gebärdensprache

Gebärden wurden in Klöstern bereits vor den Cluniazensern genutzt, zum Beispiel als ritualisierte Gesten in der Liturgie. Bestimmte Handformen repräsentierten zudem einzelne Zahlen oder Buchstaben.

Dokumentierte Hinweise zu der Existenz einer geregelten Gebärdensprache aus frühchristlicher Zeit gibt es nicht. Die Cluniazenser waren aber wohl die ersten, welche die ihre Gebärdensprache reglementierten. Das Schweigegebot führte jedoch nicht immer zu gebärdensprachlicher Kommunikation. Als Beispiel dafür dienen die Kartäuser, die trotz Schweigegebots keine Gebärdensprache verwenden.

Die Gebärdensprache der Zisterzienser

"Drückestu de hande dwers tohsamen, bedüdet Kese" Zitiert aus einer Liste von Zeichen des Klosters Loccum, die in den Jahren 1577/78 in Gebrauch waren.

Die zisterziensische Gebärdensprache ist eine Weiterentwicklung der cluniazensischen Gebärden. Vor allem vom 12. bis zum 14. Jahrhundert entstanden in ganz Europa sogenannte Signa-Listen nach cluniazensischem Vorbild. Die Signa-Listen sind Auflistungen aller Gebärden und ihrer Bedeutung, meist in lateinischer Sprache.

Der Orden hielt den Umfang der Liste bewusst begrenzt. Deswegen erfanden die Mönche oftmals neue Gebärden oder modifizierten bereits bestehende. Einige dieser Gebärden wurden dann in sogenannte "lokale Listen" aufgenommen.

Die lokalen Listen waren eher auf alltägliche und säkulare Themen fokussierten. Begriffe mit religiösen Inhalten des Klosterlebens befanden sich meist in den offiziellen Listen. Dadurch entstand eine individuelle Prägung einzelner Kloster bzw. eine Art lokaler Dialekt.

 

Die Benutzung der Gebärdensprache im Kloster

"Wihse mit dem indice up dat Oge, bedüdet Sehen." Zitiert aus einer Liste von Zeichen des Klosters Loccum, die in den Jahren 1577/78 in Gebrauch waren.

Die Gebärdensprache wurde in verschiedensten Situationen im Kloster verwendet. In der Klosterkirche benutzte der Sakristan Zeichen, um den reibungslosen Ablauf der Stundengebete zu gewährleisten. Beispielsweise konnte der Kantor auf ein Zeichen des Sakristans schneller singen, die Lesung kürzen oder die anderen Mönche konnten den Sakristan mit Zeichen fragen, ob sie noch genügend Zeit für die Privatmesse haben.

Auch im Kreuzgang wurden Zeichen benutzt. So erbaten die Mönche bei der Fusswaschung der Gäste durch Zeichen die Erlaubnis zum Trinken oder riefen mit Gesten jemanden herbei. Der Cellerar (Keller) koordinierte diese Tätigkeit, falls nötig ebenfalls mit Zeichen.

Im Refektorium, wo die Mönche assen, und in der Küche wurde mit Zeichen nach Essen oder Getränken verlangt. Der Tischleser fragte den Kantor mit Gebärden, welche Stelle er vorlesen solle. Im Dormitorium war die Zeichensprache verboten, ausser die Mönche hatten die Erlaubnis des Abtes oder Priors.

Das Erlernen der monastischen Gebärdensprache

Die Zisterzienser, wie viele andere Orden auch, lernten die Zeichen schon im Noviziat. Der Novizenmeister lehrte den Novizen die Lebensweise im Orden und führte sie in die Gebärdensprache des Ordens ein. Für die soziale Integration in das Ordensleben war die Zeichensprache für sie unerlässlich.

Die Gebärdensprache war in den Klöstern selbst nicht ohne Kritik. Denn auch ein Gespräch mit der Gebärdensprache galt als Gespräch, welches das Silentium bricht. So wurden manche Mönche bei den Visitationen ermahnt, dass sie mit unsachgemässem Gebrauch der Zeichen das Silentium störten.

Die Zeichensprache sollte auch mit der richtigen Haltung und Würde ausgeführt werden. Denn sowohl für das Unterbrechen des Silentiums, wie auch für den unsachgemässen Gebrauch der Gebärdensprache drohte eine Bestrafung: Ermahnung im Kapitelsaal, Entzug von Wein oder Fasten bei Wasser und Brot.

Die Entwicklung der Gebärdensprache

"Hölstu alle 5 up nahe thosamen, dat is Water" Zitiert aus einer Liste von Zeichen des Klosters Loccum, die in den Jahren 1577/78 in Gebrauch waren.

Das Schweigegebot verlor im Laufe der Zeit an Bedeutung. Gleichzeitig liess seit dem 15. Jahrhundert die Verwendung von Gebärden in christlichen Orden nach. Durch die Liberalisierung der Ordensregeln wurden zunehmend mehr Gespräche geduldet.

Die Zeichen sind aber nicht verschwunden. Unter der Reformbewegung im Zisterzienserorden im 17. Jahrhundert lebte die Gebärdensprache wieder auf. Der Reformorden der Zisterzienser der strengen Observanz, auch Trappisten genannt, machten weiterhin von der Gebärdensprache Gebrauch.

Dies führte dazu, dass bis zum 2. Vatikanischen Konzil, also bis 1965, die Zeichen viel benutzt wurden. Danach wurden Vorschriften bezüglich des Schweigegebots auch bei den Trappisten gelockert.

In den heutigen Klöstern lernen die Novizen offiziell keine Zeichen mehr. Die wichtigsten Zeichen werden aber von einigen Trappisten weiterhin gebraucht. Für den Erhalt der Zeichensprache ist dabei, wie bei jeder anderen Sprache auch, die Bildung neuer Zeichen für moderne Begriffe sehr wichtig. So gibt es heute auch Zeichen für Worte wie Telefon oder Dusche.

Zeichen für Telefon: "Lege die rechte Faust an das rechte Ohr und halte die linke Faust so vor den Mund, als würdest du ein altmodisches Telefon festhalten." Zeichen aus lokalen Liste des Klosters St. Johns in Massachusetts.

    Stammt die Gebärdensprache der Gehörlosen von den Mönchen ab?

    Die monastische Gebärdensprache half bei der Kommunikation zwischen gehörlosen Klosterangehörigen und den hörenden Mönchen. So gibt es Beispiele der Gebärdensprachanwendung in der Kommunikation zwischen gehörlosen Schülern und Ordensangehörigen. Ob die Gebärdensprache der Mönche einen direkten Einfluss auf die moderne Gebärdensprache hatte ist umstritten.

    Es gibt Wissenschaftler, die klar von einem Verwandtschaftsverhältnis zwischen der zisterziensischen Gebärdensprache, der Langue des Signes Francaise und der American Sign Language ausgehen und andere, die dies bestreiten.

    Bibliographie:

    • Leibniz, Gottfried Wilhelm von, "Signa Secundum Ordinem Cisterciensem" In: Umiker-Sebeok, Jean, Sebeok, Thomas A., (Hrsg.): Monastic Sign Languages, Berlin, New York, De Gruyter Mouton, 2011, S. 429-456.
    • Lomičkova, Radka: Zeichensprache in der Klausur im Wandel der Zeit (vom Mittelalter bis zur Gegenwart), In: Analecta Cisterciensia, Nr. 61, 2011, S. 100–121.
    • Robert A., Barakat: Cistercian Sign Language, In: Umiker-Sebeok, Jean, Sebeok, Thomas A. (Hrsg.): Monastic Sign Languages, Berlin, New York, Amsterdam, De Gruyter,1987, S. 67–322.
    • Rüffer, Jens: "Multum loqui non amare" Die Zeichensprache bei den Zisterziensern, In: Schumann, Dirk (Hg.): Sachkultur und religiöse Praxis, Berlin, Lukas Verlag, 2007, S. 20-50.
    • Villwock, Agnes: Monastische Gebärdensprachen und Gebärdensprachanwendung im Kloster. Vom Schweigegebot christlicher Ordensgemeinschaften hin zur gebärdensprachlichen Kommunikation in der monastischen Gehörlosenbildung, In: DAS ZEICHEN, Nr, 91, 2012, S. 266-282.

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    Von Cedric Zbinden

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