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Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert

Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte sind im Sammlungszentrum Egliswil aufbewahrt.

Zum heutigen Sommer sind Accessoires wie Sonnenbrille oder Sonnenhut kaum mehr wegzudenken. Auch für die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts war es selbstverständlich, bestimmte Accessoires im Sommer zu tragen.

Der Strohhut

Der Strohhut bewahrt nicht nur den Kopf vor der heissen Sonne und ergänzt das Outfit, sondern er verkörpert mit der Strohindustrie auch einen wichtigen Aargauer Wirtschaftszweig. Bereits vor der Industrialisierung flochten und verkauften Freiämter Bauern Strohhüte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieser Industriezweig weiter zu einem Kunsthandwerk. Freiämter Produzenten exportierten ihre Strohkunstwerke auch ins Ausland.

Der Strohhut war sowohl bei Damen als auch bei Herren ein beliebtes Accessoire für den Sommer. Die Strohhüte hatten für Damen und Herren in der Regel unterschiedlichen Formen, konnten sich aber auch ähneln. Die Mode der Strohhüte war nicht statisch und veränderte sich im Laufe der Zeit.  

Bei den Männern wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Hutmode durch die sogenannte "Kreissäge" ergänzt. Dies ist ein semi-formaler, runder Strohhut, der auch "Canotier" und im englischen "Boater" genannt wird. Es war genau vorgeschrieben, wie man ihn tragen musste: leicht nach vorne neigend und über das Ohr fallend. Besonders Sportler und später auch Frauen schätzten diesen Hut. Frauen verstanden ihn als Symbol von Emanzipation. Sie trugen ihn zur Jagd, zum Reiten und zum Fahrrad fahren.

Bevor und nachdem die "Kreissäge" bei Frauen beliebt wurde, trugen sie auch andere Strohhüte. Darunter den schon im 18. Jahrhundert beliebten Schwefelhut. Dieser sehr flache Strohhut wurde durch Schwefel gebleicht und kam ursprünglich aus Frankreich. In der Schweiz ist der Schwefelhut oft auch Teil einer Tracht. Ein weiterer von Frauen getragener Strohhut war der Mitte des 19. Jahrhunderts beliebt gewordene Florentinerhut. Dies ist ein flacher, breitkrempiger, mit Blumen oder einem Schleier verzierter Strohhut. 

Die Sammlung von Museum Aargau hat viele Objekte aus der Aargauer Strohindustrie. Darunter auch diverse Strohhüte wie dieser "Canotier" für Herren, welcher auf die Jahre 1890 bis 1920 zu datieren ist. Dieser ovale Strohhut ist mit einem schwarzen Baumwollband geschmückt. Im Inneren auf einem seidenen Boden steht die Aufschrift: " Th. Sperlich Aarau", was ein Aarauer Hutmachergeschäft war. Zusätzlich hat der Strohhut im Innern auch ein Lederband mit der Prägung: "SUPERIOR MAKE LONDON" und der Lochprägung: "F ROHR". Letztere weist auf den ehemaligen Besitzer dieses Strohhutes hin.

Dieser Schwefelhut aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat eine Grösse von 49 cm. Er stammt ursprünglich aus einer grossen Strohartikelsammlung, die 1966 vom Museum angekauft wurde. Er ist gebleicht und farbig lackiert. Zudem wurde er mit Schwefel behandelt, um in seiner überdimensionierten Form stabil zu bleiben und ist mit zwei grünen Satinschleifen garniert. Damit der Schwefelhut auf dem Kopf bleibt, hat er ein Kinnband aus schwarzem Samt.

Der Sonnenschirm und der Spazierstock

Bereits im 17. Jahrhundert kam es in den höheren sozialen Schichten - vor allem in Mitteleuropa - in Mode, kleine Sonnenschirme zu tragen. Besonders war, dass diese nun von den Adligen und Reichen selbst und nicht mehr vom Personal getragen wurden. Die Sonnenschirme waren in erster Linie ein Mode-Utensil und Adelssymbol. Sie waren aber nur für schönes Wetter vorgesehen, da sie absolut nicht wetterfest waren.

Für Frauen war der Sonnenschirm ein sehr wichtiges Accessoire. Denn blasse Haut galt bis Ende des 19. Jahrhunderts als besonders attraktiv. Sie war ein Statussymbol und stand für eine soziale Schicht, die nicht auf dem Feld arbeiten musste. Mit Sonnenschirmen schützte sie sich daher vor der bräunenden Sonne.

Dieser Sonnenschirm aus der Sammlung von Museum Aargau mit einem Durchmesser von 50 cm wurde zwischen 1880 und 1900 hergestellt. Der Sonnenschirm ist mit dunkelblauer Seide bespannt und hat umlaufende Zierstickereien und ist mit Fransen besetzt. Der Holzstab ist abknickbar und gedreht. Dieser Sonnenschirm kam 1982 als Schenkung in die Sammlung.

Herren trugen im 19. Jahrhundert keinen Sonnenschirm mit sich. Vielmehr war der Spazierstock für sie ein typisches Accessoire, das aber nicht nur auf den Sommer begrenzt war. Vornehme Herren aus Adel und Bürgertum wurden in der Öffentlichkeit selten ohne einen Spazierstock in der Hand gesehen. Die industrielle Revolution verstärkte die Beliebtheit des Stocks, da aufgrund von maschinellen Fertigungsmethoden ein Spazierstock nun auch für einen Normalbürger bezahlbar war. Stöcke dienten nicht in erster Linie als Gehhilfe, oder um eine gerade Körperhaltung zu gewährleisten. Hauptzweck war es, die optische Erscheinung des Spaziergängers zu unterstreichen.

Dieser Spazierstock aus der Sammlung wurde zwischen 1810 und 1840 hergestellt und ist aus Holz und hat einen goldenen Knauf und ein metallenes Fussstück. Auf dem Knauf ist das Monogramm "GM" eingetrieben. Dies weist darauf hin, dass der Stock Graf Gottfried (II.) von Mülinen (1790 - 1840) gehörte. Er war Major im Eidgenössischen Generalstab, bernischer Grossrat, Oberamtmann von Nidau und Historiker. Der Stock wurde dem Museum Aargau 2009 zusammen mit einem Konvolut von Gemälden und weiteren Gegenständen geschenkt.

Der Fächer und die Sonnenbrille

Fächer waren schon vor dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Accessoire der Damen. Besonders im Sommer konnten sich die Damen mit dem Fächer abkühlen. Da Fächer durch die verbesserten und vielfältigeren Herstellungsmöglichkeiten, die die industrielle Revolution mit sich brachte, praktisch für jeden kaufbar wurden, mussten die Damen nun besonders darauf achten, dass ihre Fächer ihre Position in der Gesellschaft hervorhoben. 

So gab es Holz-, Elfenbein- oder Perlmuttfächer, die mit bemaltem Papier, Seide oder Stoff bespannt waren. Bestimmte Fächer waren auch ein Produkt der im 19. Jahrhundert aufkommenden Tourismusindustrie und wurden als Souvenirs für Reisende hergestellt.

Dieser Fächer mit 10 Stäben, die mit durchbrochenen Voluten und mit eingelegten, gravierten Metallblättchen geschmückt sind, ist auf die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren.  Der obere Teil der Stäbe liegt zwischen zwei blauen Kartonseiten. Die Kartons haben silbernes, florales Dekor und zeigen je eine typische Schweizer Sehenswürdigkeit. Darunter sind Sehenswürdigkeiten wie das Löwenmonument, die Teufelsbrücke und die Tellskapelle. Dieser Fächer stammt aus einem Haushalt in Lenzburg. Er kam 2007 als Teil eines Konvoluts in die Sammlung von Museum Aargau.

Für Herren kam der Fächer im 19. Jahrhundert als Accessoire nicht wirklich in Frage. Sie trugen eher eine Sonnenbrille. Bereits im 15. Jahrhundert wurden Brillen gegen das Blenden der Sonne mit farbigen Brillengläsern versehen. Dies entwickelte sich immer weiter. So hatten viele Brillen aus dem 18. Jahrhundert qualitativ hochwertigere gelbe, grüne, blaue oder rote Gläsern. Der französische Arzt Jean-Marie-Théodore Fieuzal (1836 - 1888) wies schliesslich auf die schädlichen UV-Strahlen hin und empfahl gelbe statt blaue Gläser als Schutz zu verwenden. Obwohl es im 19. Jahrhundert bereits Bügelbrillen gab, verwendeten Männer des gehobenen Bürgertums und der Oberschicht oft lieber Zwicker.

Die Sonnenbrille aus der Sammlung von Museum Aargau lässt sich grob auf das 19. Jahrhundert datieren. Die ovalen grün-gelblich getönten Brillengläser sind über den Steg aus vergoldetem Buntmetall miteinander verbunden. Die Sonnenbrillengläser haben keinen Korrekturschliff. Das an einem Glas befestigte goldfarbene Kettchen endet in einem filigranen Trageelement. Die Sonnenbrille ist 14.9 cm breit und stammt aus Niederlenz. Diese Sonnenbrille kam 2016 als Schenkung in die Sammlung von Museum Aargau.

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Von Cedric Zbinden

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