Museum Aargau

Historische Küchenhelfer: Schweizer Alltags-Erfindungen

Zurück zum Blog 18. November 2025 Viele Helfer, die wir täglich benutzen, sind Schweizer Erfindungen. Ob in der Küche, beim Frühstück oder beim Verpacken: kleine Ideen aus der Schweiz haben unseren Alltag nachhaltig verändert und sind heute auf der ganzen Welt im Einsatz. Ein Blick auf einige dieser Innovationen zeigt, wie viel Erfindergeist in unserem Land steckt. Ein Blatt Aluminiumfolie, Tony Webster © Wikimedia Commons Die Aluminiumfolie – ein weltweiter Küchenklassiker aus dem Aargau Wer kennt sie nicht: die glänzende, dünne Folie, die Speisen frisch hält, Aufläufe abdeckt und Grillgut schützt. Am 15. April 1905 erhielt der Aargauer Unternehmer Heinrich Alfred Gautschi (1871–1955) das Patent für die Herstellung von Aluminiumfolie. Sein sogenanntes Paket- oder Buchwalzverfahren bestand darin, dünne Bleche immer wieder zu teilen, übereinanderzulegen und erneut zu walzen, bis ein Paket aus 64 Lagen entstand. Das Resultat war bahnbrechend – eine reissfeste und zugleich flexible Folie, die sich leicht formen liess. Heute ist Alufolie in praktisch jedem Haushalt der Welt zu finden – und doch stammt die Ursprungsidee aus dem Aargau. Das Gemälde stammt vom österreichisch-schweizerischen Maler und Grafiker Rico Edelhofer (1892-1987), der ab 1936 in Lugano lebte und arbeitete. Porträt Alfred Gautschi, 1954, 81 x 59.7 cm, Öl auf Leinwand, Holzrahmen, Inv.-Nr.-K-18755 © Museum Aargau Das Porträt zeigt Heinrich Alfred Gautschi (1871–1955), Gründer der Aluminiumwarenfabrik Gontenschwil AG. Gautschi übernahm 1897 eine mechanische Werkstätte, aus der 1905 die Aluminiumwarenfabrik Gontenschwil AG hervorging. Er patentierte am 15. April 1905 seine innovative Walztechnik zur Herstellung von Aluminiumfolien und diversifizierte die Produktion erfolgreich: Neben Aluminiumwalzprodukten entstanden Küchenartikel, Bauteile für Häuser und Komponenten für die Luftfahrtindustrie. Gautschis Firma entwickelte sich zu einem bedeutenden Unternehmen und ist heute Teil der Alu-Menziken-Gruppe. Zellophan – der durchsichtige Schutz aus Zürich 1908 entwickelte der Zürcher Textilingenieur Jacques Brandenberger (1872-1954) das Zellophan. Auf der Suche nach einem transparenten, schützenden Überzug experimentierte er mit verschiedenen Materialien und versuchte, flüssige Viskose auf Stoff aufzutragen. Das Ergebnis war jedoch ein steifer Stoff, nicht das gewünschte flexible Material. 1917 übertrug Brandenberger sein Patent an die Firma La Cellophane und wurde deren Geschäftspartner. 1926 schloss La Cellophane eine Vereinbarung mit Du Pont ab, die die Lizenzfertigung von Zellophan in den Vereinigten Staaten und den Vertrieb in Nord- und Mittelamerika regelte. Du Pont Cellophane Werbung, 1950sUnlimited, © Wikimedia Commons Bircher-Raffel aus dem Aargau – das Originalwerkzeug fürs Birchermüesli Das Birchermüesli ist ein weltbekanntes Schweizer Frühstück, das um 1900 vom Aargauer Arzt und Ernährungsreformer Dr. Maximilian Oskar Bircher-Benner (1867–1939) erfunden wurde. Dr. Bircher-Benner war überzeugt, dass eine rohköstliche Ernährung die Gesundheit stärkt. Um Äpfel, Nüsse und Gemüse für seine Rezepte vorzubereiten, benötigte er ein robustes Küchenwerkzeug – die Bircher-Raffel. Nur wenige wissen, dass auch diese spezielle Raffel auf Bircher-Benner zurückgeht. Mit ihr liess sich das Birchermüesli erstmals in seiner typischen Form zubereiten. Bircher-Raffel, 1945, 29 x 11.5 x 0.5 cm, Chromnickelstahl, Inv.-Nr.-K-21572, © Museum Aargau Diese Bircher-Raffel wurde von der Firma Egro (Egloff & Söhne) in Niederrohrdorf hergestellt. Das Unternehmen wurde 1849 von Kastor Egloff als kleine Blechwarenwerkstatt gegründet und produzierte zunächst einfache Haushaltsgeräte wie Kellen und Kannen. 1926 brachte Egro die Bircher-Raffel auf den Markt, die Bircher-Benners Ernährungsreform für den Alltag praktikabel machte und das Frühstück nachhaltig prägte. Später entwickelte sich die Firma zu einem führenden Hersteller professioneller Kaffeemaschinen – heute steht Egro für über 170 Jahre Schweizer Innovationsgeist. Der Sparschäler – dünn geschält, dick gespart Kaum ein Küchenwerkzeug ist so schlicht und doch so genial wie der Sparschäler. Statt mühsam mit dem Messer Kartoffeln oder Karotten zu schälen, gleitet seine Klinge hauchdünn über das Gemüse – und spart nicht nur Zeit, sondern auch wertvolles Fruchtfleisch. Noch heute gehört der Sparschäler zu den meistverkauften Küchenhelfern der Schweiz – und ist längst ein Exportschlager. Wer ihn einmal benutzt hat, will ihn nicht mehr missen. 1948 patentierte der aus Davos stammende, amerikanisch-böhmische Erfinder Alfred Neweczeral (1899-1959) ein Schälgerät für Kartoffeln, Gemüse und Obst. Unter dem Markennamen “Rex” wurde der Sparschäler millionenfach verkauft und gilt bis heute als Klassiker. Sparschäler, erste Hälfte 20. Jh., 60 x 70 cm, Aluminium, rostfreies Blech, Inv.-Nr.-K-17096, © Museum Aargau Sein Erfolgsrezept: eine beweglich gelagerte Klinge, die den Konturen des Schälguts mühelos folgt. Ein gegenüberliegender Abstandshalter verhindert zu tiefem Schälen – daher der Name “Sparschäler”. Modelle mit beweglicher Klinge werden auch Pendelschäler genannt. Der Erfinder Alfred Neweczeral ist der Grossvater des heutigen Inhabers der Zena AG in Affoltern Am Albis, die das Modell “Rex” bis heute produziert – inzwischen über 60 Millionen Mal. Der Würfelzucker – eine süsse Schweizer Erfindung in Tschechien Im 19. Jahrhundert war das Kaffeetrinken noch eine ziemlich harte Angelegenheit. Zucker gab es nicht handlich verpackt, sondern in grossen, steinharten Zuckerhüten – oft bis zu 1,50 Meter hoch. Wer seinen Kaffee süssen wollte, musste die Hüte mit Hammer, Zange oder speziellen Zuckerbrechern zertrümmern. Das war nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich: Verletzungen waren an der Tagesordnung. Zucker-Handzangen (Zuckerbrecher), früher 19. Jahrhundert, Zucker-Museum, Berlin, ©Wikimedia Commons Eine süsse Wendung nahm diese Plackerei 1841 in Tschechien. Dort erfand der aus Rheinfelden stammende Jacob Christoph Rad (1799-1871), Leiter einer Zuckerfabrik, den Würfelzucker – angeblich, weil sich seine Frau beim Zuckerbrechen verletzt hatte. Damit war Schluss mit der Zuckerhuthackerei und das Kaffeekränzchen wurde ein Stück bequemer. Der in Rheinfelden geborene Zuckerfabrikant Jacob Christoph Rad änderte dies 1841. Seine Frau beklagte sich über die mühsame Prozedur – worauf Rad den Zucker raspelte, anfeuchtete und in kleine Formen presste. Nach dem Trocknen entstanden die ersten handlichen Zuckerwürfel. Diese einfache, aber geniale Erfindung setzte sich rasch durch – bis heute sind Zuckerwürfel aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Diese einfache, aber geniale Erfindung setzte sich rasch durch – bis heute sind Zuckerwürfel aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Würfelzuckerverpackung mit Würfelzucker, Zuckermühle Rupperswil AG, um 1960, 5.4 x 19.5 x 11.2 cm, Kristallzucker, Karton, Inv.-Nr.-K-22440, © Museum Aargau Das Eierprüfgerät “Mirex” – nie wieder schlechte Eier Was heute skurril wirkt, war in den 1970er-Jahren eine echte Innovation: das Aargauer Eierprüfgerät “Mirex”. Mit einer integrierten Lichtquelle konnten Eier durchleuchtet werden – so sah man sofort, ob sie frisch waren oder ob sich bereits ein Keim gebildet hatte. Im Haushalt und in der Gastronomie war das eine kleine Revolution: keine bösen Überraschungen mehr beim Aufschlagen verdorbener Eier. Eier Prüfgerät MIREX Werbung, um 1970, A4, Karton, Inv.-Nr.-K-19081, © Museum Aargau Was heute skurril wirkt, war in den 1970er-Jahren eine echte Innovation: das Aargauer Eierprüfgerät “Mirex”. Mit einer integrierten Lichtquelle konnten Eier durchleuchtet werden – so sah man sofort, ob sie frisch waren oder ob sich bereits ein Keim gebildet hatte. Für Hausfrauen und Gastronomen war das eine kleine Revolution: keine bösen Überraschungen mehr beim Aufschlagen verdorbener Eier. Das “Mirex” wurde von der in Teufenthal ansässigen Firma Injecta AG entwickelt, die internationale Bekanntheit als Zulieferin für Marken wie Elna, Philips, Jura oder BMW erlangte. Neben industriellen Komponenten brachte Injecta unter dem Markennamen INCA auch eigene Produkte auf den Markt – darunter dieses Eierprüfgerät. Optisch erinnert es an einen übergrossen Kunststoff-Eierbecher, im Innern sorgt ein simples, aber effektives System aus Lampe und Spiegel dafür, dass die Luftblase im Ei sichtbar wird: je kleiner die Blase, desto frischer das Ei. Eier Prüfgerät MIREX, um 1970, 10.6 x 7.4 x 10.6 cm, Kunststoff, Inv.-Nr.-K-19081, © Museum Aargau Diese Alltagshelfer zeigen: Schweizer Industriegeschichte besteht nicht nur aus grossen Namen und Maschinen, sondern auch aus stillen, praktischen Erfindungen. Sie verkörpern den Einfallsreichtum und Unternehmergeist, mit dem Innovationen aus dem Aargau und aus der ganzen Schweiz ihren Weg in Küchen, Haushalte und Betriebe weltweit gefunden haben – und bis heute unseren Alltag prägen. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kommentare

 
Museum Aargau

Die Relieffiguren im Kreuzgang des Klosters Wettingen

Zurück zum Blog 03. Oktober 2025 Kategorien Neuzeit Klosterleben Von den Wänden des Kreuzgangs im ehemaligen Kloster Wettingen blicken seit Jahrhunderten knapp 100 Relieffiguren auf das Geschehen hinab. Wen stellen diese Figuren dar? Und wie kamen sie hierhin? Der Kreuzgang ist im Klosterleben ein bedeutender und vielschichtiger Ort. Sinnbildlich steht er für das himmlische Jerusalem, für das Paradies. In der Mitte steht ein Baum als Symbol des Lebens. Als integraler Teil des Alltags war der Kreuzgang Aufenthaltsort, Raum für stilles Lesen oder für Singen, und für weltliches: hier rasierten sich die Mönche, schnitten die Mönchstonsur oder klopften Kleider aus. Im 16. Jahrhundert befand sich unter diesen Mönchen einer namens Peter Schmid. Mit 15 ins Kloster eingetreten, wurde er um 1594 mit 35 Jahren zum Abt ernannt. Während seiner Amtszeit liess er so vieles im Kloster restaurieren und neu bauen, dass er als zweiter Klostergründer gilt. Sein Wappen, ein Hammer mit Stern und zwei Lilien, ist überall prominent im Kloster zu finden. Abt Peter Schmids Wappen (recht) neben dem Klosterwappen (links). © Badener, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons Abt Schmids Neuerungen im Kreuzgang Zu Abt Schmids Neuerungen gehörte eine Umgestaltung des Kreuzgangs. An diesem für die Klosterbrüder so bedeutenden Ort wollte er eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen, und sogar in die Zukunft des Klosters blicken. Deswegen gab er die Relieffiguren in Auftrag. Dank seines Theologiestudiums an der Sorbonne in Paris wusste er über wichtige Figuren der Kirchengeschichte Bescheid, und in der Klosterbibliothek konnte er eine vollständige Liste aller Wettinger Äbte erstellen. Der Grossteil der von Abt Schmid ausgewählten Figuren waren dem Zisterzienserorden zugehörig. Die dargestellten Männer stammen aus verschiedenen Ländern Europas und unterstreichen die internationale Relevanz des Zisterzienserordens. Wettinger Äbte an der Nordwand des Kreuzgangs. © Kylie Rüegger Herstellung der Figuren Die Herstellung der Stuckfiguren wurde den Gebrüdern Castelli übertragen. Diese hatten bereits einige Jahre zuvor in der Klosterkirche ein stattliches Programm an Stuckfiguren kreiert. Stuckarbeit ist seit der Antike bekannt und imitiert Marmor, ist aber vergleichsweise einfacher in der Herstellung. Die Gebrüder Castelli stammten aus dem Tessin, aus Melide am Luganersee. Aus dieser Region kamen viele auf Stuckarbeit spezialisierte Handwerker. Man spricht von den Magistri Comacini, den Comer Meistern . Ihre Arbeiten waren in ganz Europa gefragt. Die Gebrüder Castelli machten sich also an die Arbeit und entwarfen eine Abfolge von Bischöfen und Erzbischöfen, Kardinälen und Päpsten, und Wettinger Äbten, die alle in ihrer Mimik und Gestik individuell auftreten und dadurch lebendig wirken. Bischöfe, Päpste, Wettinger Äbte Die Figuren sind, im Gegenuhrzeigersinn durch den Kreuzgang gehend: An der Ostwand eine Reihe Kardinäle und Päpste. Der Nordwand und einen Teil der Westwand entlang stehen die 44 Wettinger Äbte, von der Klostergründung im Jahre 1227 bis zur Aufhebung im Jahre 1841. Diese sind durch ihre Wappen gekennzeichnet. Von der Westwand über die Südwand erstreckt sich eine Reihe Bischöfe und Erzbischöfe. Stuckfigur des Abts Peter Schmid. © Kylie Rüegger Abt Peter Schmid steht an der Westwand und blickt auf die lange Reihe ehemaliger Wettinger Äbte zurück. Neben ihm würdigt eine Schrifttafel seine Arbeit mit dem Hinweis, dass Abt Schmid die Namen seiner Vorgänger mit wissenschaftlichem Fleiss aus dem Dunkel der Vergangenheit ans Licht gebracht habe. Nach Abt Schmid folgen weitere Äbte. Er liess nämlich auf Vorrat weitere zwölf erstellen, dessen Namen und Wappen nachträglich angebracht wurden. Tatsächlich folgten ihm nicht 12, sondern 17 Äbte bis ins Jahr 1841. An ihrer Kleidung lässt sich erkennen, dass die fünf nicht geplanten Äbte ursprünglich zu den Bischöfen gehörten. Ihnen wurde die Mitra – ihre Kopfbedeckung – abgenommen, dafür wurden sie um ein Wappen ergänzt. Könnten diese Figuren sprechen, würden sie von Mönchen, Seminaristen und Kanti-Schülerinnen und Schülern erzählen, von den Wirren der Klostergeschichte und vom Gezwitscher der Vögel, das in Ruhezeiten im Kreuzganggarten zu hören ist. Aber auch so können sie vieles erzählen – die Arbeit Abt Peter Schmids und die Handwerkskunst der Gebrüder Castelli lebt hier im Kreuzgang weiter. Von Kylie Rüegger Von Kylie Rüegger Kylie Rüegger ist Praktikantin Geschichtsvermittlung auf der Klosterhalbinsel Wettingen. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Neuzeit Klosterleben Kommentare

 
Museum Aargau

Die Geschichte des Schachs | Blog von Museum Aargau

Zurück zum Blog 08. April 2025 Kategorien 20./21. Jh. Mittelalter Schätze aus der Sammlung Wie entstand das Schachspiel und wie verbreitete es sich? Nebst der Geschichte des Schachs stellen wir ein faszinierendes, aus Elfenbein geschnitztes Schachspiel aus der Sammlung Museum Aargau vor. Schachbrett mit Figuren, Detail, 1784-1816, 10.5 x 25.5 x 46.5cm, Holz, Elfenbein, Inv.-Nr.-S-220. © Museum Aargau Die Ursprünge des Schachspiels Das indische «Chaturanga» Schach ist eines der ältesten Brettspiele der Welt und hat eine Geschichte von über 1500 Jahren. Sein Ursprung liegt vermutlich in Indien, wo es als militärstrategisches Lernspiel namens «Chaturanga» entwickelt wurde. Ursprünglich wurde es mit Würfeln gespielt, die bestimmten, welche Figuren die Spieler bewegen durften. Das Schachspiel verbreitete sich rasch, vor allem durch Händler, von Indien über Persien und die arabische Welt nach Europa. Krishna und Radha spielen Chaturanga auf einem 8x8 Ashtāpada. © Wikimedia Commons. Das chinesische «Xiangqi» Auch nach China fand es seinen Weg, wo bereits eine eigenständige Variante existierte: das «Xiangqi». Dieses traditionelle chinesische Schach unterscheidet sich deutlich vom westlichen Schach. Das Spielfeld besteht aus einem Spielplan meist auf Papier und wird durch einen Fluss („Gelber Fluss“) in zwei Hälften geteilt, was die Zugmöglichkeiten der Figuren beeinflusst. Anstelle plastischer Figuren gibt es schwarz-weisse und rot-weisse, runde Spielsteine mit chinesischen Schriftzeichen, die verschiedene Rollen wie Reiter oder Feldherr kennzeichnen. Zudem stehen die Spielsteine auf den Linien, nicht in den Feldern. Xiangqi © Pixabay / andrewanwang «Versus de Scachis» – Schach im europäischen Mittelalter Im Mittelalter war Schach so beliebt und bedeutend, dass es zu den sieben Tugenden zählte, die ein Ritter beherrschen musste. Im 10. Jahrhundert entstand das erste in Europa bekannte lateinische Schachgedicht «Versus de Scachis» eines unbekannten Autors, das eine technische Beschreibung des Schachspiels liefert. «Versus de Scachis» gilt als das erste schriftliche Zeugnis des Schachspiels in der abendländischen Literatur. Dieses Gedicht ist in zwei Manuskripten der Stiftsbibliothek Einsiedeln überliefert und lädt den Leser zunächst dazu ein, sich mit dem Spiel zu beschäftigen, um den Geist zu erfrischen. Schach wird darin als eine ehrenvolle und geistig anregende Beschäftigung beschrieben, die frei von Täuschung und Betrug ist und, im Gegensatz zu anderen Vergnügungen, keinen körperlichen Schaden verursacht. Versus de scachis, Cod. Einsidlensis 319, p. 298. ©Wikimedia Commons Darüber hinaus erläutert das Gedicht die Regeln, Farben und Strategien des Spiels und enthält moralische sowie philosophische Deutungen. Besonders betont wird, dass in den Schlachten alle Figuren fallen können – mit Ausnahme des Königs. Sein Verlust bedeutet das Ende des Spiels. Insbesondere im 15. Jahrhundert, waren Schachbücher weit verbreitet und trugen zur Verfeinerung der Spielstrategien bei. Die verschiedenen Schachvarianten spiegeln somit auch ihre jeweiligen Gesellschaften wider: Während «Xiangqi» stark von Chinas militärischen Traditionen geprägt ist, reflektiert das westliche Schach die mittelalterlichen Gesellschaftsstrukturen Europas. Manessische Liederhandschrift (Grosse Heidelberger Liederhandschrift), Szene: Schachspiel, 1350-1340 © Wikimedia Commons Das faszinierende Schachspiel der Sammlung Museum Aargau Dieses aufklappbare chinesische Schachbrett aus Holz mit fein geschnitzten Elfenbeinfiguren zeugt von herausragender Handwerkskunst. Es entstand um 1800 und stammt vermutlich aus der Sammlung von August Edward Jessup, dem ehemaligen amerikanischen Besitzer von Schloss Lenzburg. Schachbrett mit Figuren, Detail, 1784-1816, 10.5 x 25.5 x 46.5cm, Holz, Elfenbein, Inv.-Nr.-S-220. © Museum Aargau. Solche Schachspiele wurden meist nicht aktiv genutzt, sondern dienten als repräsentative Sammlerstücke. Adlige und wohlhabende Kaufleute in Europa liessen sich solche Schachspiele anfertigen, um ihren Status zu unterstreichen. Doch selbst wenn jemand damit spielte – konnte man sich wirklich auf die Partie konzentrieren? Die aufwendig gestalteten Figuren, filigranen Muster und Wunderkugeln waren vermutlich eine Ablenkung, die jede Strategie ins Wanken brachte. Auch bei Jessup hatte das Schachspiel eine dekorative Funktion: Es wurde in einem grossen Holzschrank mit Glasvitrinen aufbewahrt und schmückte den Gang im ersten Stock der Landsvogtei. Im 19. Jahrhundert galten aufwendig geschnitzte Schachspiele aus Elfenbein als Statussymbol. Das Schachbrett mit den Figuren wurde 1956 als Teil der Ausstattung von Schloss Lenzburg durch die Stiftung Schloss Lenzburg erworben. Schach als chinesischer Exportschlager Zwar hatte China mit «Xiangqi» bereits eine eigene Schachvariante, die sich stark vom westlichen Schach unterscheidet, im 19. Jahrhundert wurden aber zahlreiche aufwendig gestaltete Schachsets in China speziell für den Export gefertigt. Besonders in Europa waren solche Schachbretter mit Figuren begehrte Sammlerstücke, insbesondere unter wohlhabenden Kunstliebhabern, die exotische Werke schätzten. Typischerweise stellten diese Sets chinesische Kaiser in Rüstungen dar, gelegentlich aber auch Napoleon oder europäische Monarchen wie Georg III. Weisser Turm, weisser Läufer, roter Läufer, roter Turm, 1784-1816, 10.5 x 25.5 x 46.5cm, Holz, Elfenbein, Inv.-Nr.-S-220. © Museum Aargau. Die Weltausstellung von 1880 in Melbourne präsentierte einige dieser beeindruckenden Schachspiele aus Elfenbein und verstärkte das Interesse an chinesischer Handwerkskunst. Trotz der hohen Nachfrage blieb jedes Set ein Unikat, das filigrane Schnitzereien und meisterhafte Handwerkskunst vereinte. Machart und Beschreibung Das Set besteht aus handgeschnitzten Figuren aus Elfenbein, die in Rot und Weiss gefärbt sind. Diese Farbgebung hat eine lange Tradition und wird sogar im «Versus de Scachis» erwähnt. Die detailreichen Figuren stellen einen fiktiven kaiserlichen Hofstaat dar. Die Figur des Elefanten übernimmt die Funktion des Turmes und verweist damit auf den indischen Ursprung des Spiels. Auffällig ist, dass die Basis mancher Figuren zu gross für die kleineren Felder des Brettes ist, was darauf hindeuten könnte, dass das Set eher einen repräsentativen Charakter hatte und nicht primär zum Spielen gedacht war. Dame und König, 1784-1816, 10.5 x 25.5 x 46.5cm, Holz, Elfenbein, Inv.-Nr.-S-220. © Museum Aargau. Wunderkugeln: Kunstwerke innerhalb eines Kunstwerks Die Figuren stehen auf säulenartigen Sockeln, die sogenannte „Wunderkugeln“ enthalten. Diese bestehen aus bis zu fünf ineinander liegenden, frei beweglichen Kugeln. Jede Figur wurde aus einem einzigen Stück Elfenbein gefertigt – eine wahre Meisterleistung der Drechselkunst. Während die Kugeln mit filigranen floralen Mustern verziert sind, zeigen die Kugeln der Herrscherpaare sogar Alltagsszenen mit Bäumen und Figuren. "Wunderkugeln", 1784-1816, 10.5 x 25.5 x 46.5cm, Holz, Elfenbein, Inv.-Nr.-S-220. © Museum Aargau. Literatur Roger Keverne, Ivory, A History and Collectors Guide, Thames and Hudson, 1987, p. 260. Peter Hulse, Versus de Scachis: When Chess Reached Europe. antigonejournal.com/2022/02/versus-de-scachis-chess/ Emanuel Schiendorfer, Die Geschichte des Schachspiels. www.spielezar.ch/portal/blog/wissen/die-geschichte-des-schachspiels Der König ist tot! Schach im Mittelalter. www.youtube.com/watch 07. November 2022 Bluffen für Vornehme – Ein Poch-Spielbrett von 1760 Spielen ist eine der universalen menschlichen Aktivitäten. Schon vor einem Vierteljahrtausend waren die Menschen für Spiele zu begeistern.… 22. Dezember 2021 Was macht ein Objekt authentisch? Museumsobjekte ziehen uns in ihren Bann und machen Geschichte greifbar. Doch was macht ein Objekt authentisch? Ein Blick hinter die Kulissen… 12. Februar 2023 Der Spielzeugkasten von Carl Zweifel Wer kennt sie nicht? Mit Spielzeugklötzen hat so manches Kind einen wesentlichen Teil seiner Freizeit verbracht. Neben der bekannten Firma… Von Patricia Striebel Von Patricia Striebel Patricia Striebel ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Mittelalter Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Nüsslisalat selbst angebaut

Zurück zum Blog 27. August 2025 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Nüsslisalat selbst anzubauen ist knifflig. Tipps von der Schlossgärtnerin zu Sorten, Standort, Aussaat, Pflege und Ernte. © Pixabay / beasternchen Die richtige Sorte wählen Es gibt viele verschiedene Nüsslisalat-Sorten: von hitzeresistenten bis frostharten Varianten. Wer früh im Herbst ernten möchte, sollte auf wärmeverträgliche Sorten setzen. Für eine späte Ernte im Winter sind kälteresistente Sorten ideal. Der passende Standort Nüsslisalat – auch bekannt als Feldsalat oder Rapunzelsalat – mag es an einem sonnigen Standort. Der Boden sollte locker und nährstoffreich sein – am besten angereichert mit reifem Kompost. Dann braucht der Nüsslisalat später keinen Dünger. Aussaat: So gelingt's Nüsslisalat kann zwischen August und Anfang Oktober ausgesät werden – entweder breitwürfig über ganze Flächen oder fein säuberlich in Reihen. Für gerade Reihen zieht man entlang einer Schnur flache Rillen in die Erde – mit einem Reihenabstand von 10 bis 15 Zentimetern. Die Samen werden im Abstand von etwa 5 bis 10 Zentimetern in die Rillen gelegt und dünn mit feiner Erde – zum Beispiel Aussaaterde – bedeckt. Danach wird die Fläche mit einem Gartenvlies oder einem leichten Tuch abgedeckt. So bleibt die Feuchtigkeit konstant, was sehr wichtig ist für die Keimung. Pflege: Geduld und Aufmerksamkeit Nüsslisalat keimt in etwa 10 bis 14 Tagen. In den ersten drei Wochen muss die Erde gleichmässig feucht gehalten werden. Diese Phase ist besonders heikel. Zu trockener Nüsslisalat geht schnell ein. Wichtig zu wissen: Sinkt die Temperatur unter 8 Grad, wächst Nüsslisalat nicht mehr und bleibt klein. Ernte: Mehrfacher Genuss Etwa zehn Wochen nach der Aussaat ist der Nüsslisalat erntereif. Die Ernte kann noch im Winter erfolgen, jedoch nicht bei Frost. Nüsslisalat kann geerntet werden wie Schnittsalat: Er wird einfach abgeschnitten – und treibt mit etwas Glück mehrmals wieder aus. 06. Juni 2025 Rhabarber im Garten: Anbau, Pflege und Ernte richtig gemacht Im Gartentipp verrät die Schlossgärtnerin, wie Rhabarber anzupflanzen ist, wie man ihn richtig pflegt und wann der Zeitpunkt für die Ernte… 25. Juni 2025 Thuja richtig pflegen: Brandgefahr, Schädlinge und häufige Fehler Thuja sieht pflegeleicht aus, doch der Schein trügt: Trockenheit, Pilze oder falscher Rückschnitt führen zu braunen Stellen – und im… 05. Mai 2025 Einpflanzen mit Plan: Tipps für gutes Anwachsen Vor dem Einpflanzen neuer Sträucher, Bäume oder Blumen lohnen sich Planung und Geduld. Tipps zum Einpflanzen und Anwachsen aus dem Wildegger… Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Vindonissa Museum

Sammlung online

Entlassungsurkunde eines Legionärs Objekte aus Vindonissa Gladius in Schwertscheide Objekte aus Vindonissa Grabstein der Maxsimila und Heuprosinis Objekte aus Vindonissa Haarnadel mit Frauenbüste Objekte aus Vindonissa Helm eines Legionärs Objekte aus Vindonissa Knochen eines Kamels Objekte aus Vindonissa Ledersandale mit Schuhnägeln Objekte aus Vindonissa Massstab aus Eibenholz Objekte aus Vindonissa Münzstempel zum Prägen von Silber- und Goldmünzen Objekte aus Vindonissa Schalen von Austern Objekte aus Vindonissa Stempel für eine Augensalbe Objekte aus Vindonissa Verkohlter Granatapfel Objekte aus Vindonissa Mehr laden Es gibt keine Ergebnisse Für Fragen zu den Objekten oder zur Archäologischen Sammlung allgemein: Kantonsarchäologie Aargau

 
Museum Aargau

Canis lupus: Der Wolf im imperium romanum | Blog von Museum Aargau

Zurück zum Blog 12. August 2025 Kategorien Römerzeit Märchen & Mythen Römische Geschichten aus Vindonissa Wer kennt sie nicht, die Gründungssage von Rom, in der eine Wölfin eine wichtige Rolle spielt? Doch der Wolf war auch an anderer Stelle im Römischen Reich präsent. Wo kommt er sonst noch vor? Welche Bedeutung hatte der Wolf für die Römerinnen und Römer? Eine steinerne Skulptur der Wölfin, die gemäss Legende Romulus, den Gründer Roms, und seinen Zwillingsbruder Remus säugte, empfängt das Publikum vor dem Eingang vom Vindonissa Museum in Brugg AG. Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau © Kanton Aargau Romulus und Remus: Eine Wölfin am Anfang eines Imperiums Die Sage nach Plutarch in der Kurzfassung Amulius stiess seinen älteren Bruder Numitor vom Thron und wurde so auf Alba Longa zum König. Um jegliche Konkurrenz durch Nachkommen von Numitor zu unterbinden, machte Amulius Numitors Tochter Rhea Silvia zur Vestalin, sprich, sie musste ein Gelübde ablegen, Jungfrau zu bleiben. Der Gott Mars jedoch vergewaltigte sie. Sie empfing darauf die beiden Zwillinge Romulus und Remus. Amulius befahl, die beiden Säuglinge in einem Korb auf dem Tiber auszusetzen. Der Korb jedoch strandete und eine Wölfin, herbeigelockt durch die Schreie der Kleinen, brachte sie in eine Höhle und säugte sie. Der Hirte Faustulus fand Romulus und Remus. Er und seine Frau nahmen sie zu sich und zogen sie gross. Über Umwege geriet Remus in Amulius Gefangenschaft. Romulus eilte seinem Bruder zu Hilfe und befreite ihn. Dabei wurde der Tyrann gestürzt und Numitor, der rechtmässige König, kam an die Macht. Zum Dank durften Romulus und Remus an jenem Ort eine Stadt bauen, wo sie einst ausgesetzt wurden: die Stadt Rom. Im Streit erschlug Romulus seinen Bruder, wurde zum Herrscher über die Stadt und gemäss Sage zum Begründer eines Weltreiches. Peter Paul Rubens: Romulus und Remus, Öl auf Leinwand, datiert 1615-1616. © Wikimedia Commons (gemeinfrei) Rom und das Imperium gäbe es dieser Legende zufolge ohne lupa nicht. Auch wenn die Stadt in der Realität anders gegründet wurde, war die Wölfin im Verständnis der Römerinnen und Römer ein bedeutungsvolles Tier. In der Literatur wird das Säugen der Zwillinge als Weitergabe der römischen Werte gedeutet. Lupa mit den Zwillingen findet sich an verschiedenen Orten im Römischen Reich wieder. Gürtelbeschlag mit Romulus, Remus und der Wölfin, Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau © Kanton Aargau Der Wolf, Mars, Apollo und Faunus: Ein Tier, viele Götter Interessanterweise wird der Wolf gleich drei verschiedenen Göttern als Tier zugeordnet: Mars, Apollo und Faunus. Der Kriegsgott Mars war im Römischen Reich, wo Eroberungen und darum auch Krieg zentral waren, einer der wichtigsten Götter. Diese Verbindung zwischen Wolf, Tod und Krieg war nicht abwertend gemeint, sondern bezog sich auf den ruhmvollen Tod eines Kriegers oder Herrschers. Der Wolf galt in der Antike als Tier des Zorns und kämpfende Helden wurden oft mit wütenden Wölfen verglichen. Statue des Mars, Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. Fotografie: Kantonsarchäologie Aargau. © Kanton Aargau Apollo war der Gott der Sonne und der Musik. Er brachte zudem Seuchen, Tod, aber auch Heilung, war der Gott der Weissagung und wie seine Schwester Artemis, ein hervorragender Jäger. Es gibt verschiedene Theorien, warum der Wolf auch mit Apollo in Verbindung gebracht wurde. Eine davon besagt, dass der Wolf, weil er ebenfalls ein guter Jäger ist, Apollo zugeordnet wurde. Apollo kitharoidos, Römisches Fresko aus der augustinischen Zeit, von der scalae caci, ausgestellt im Antiquarium del Palatino, Rom. © Wikimedia Commons (gemeinfrei), User: Cody escouade delta Auch Faunus, ein Fruchtbarkeitsgott, der dafür verehrt wurde, dass er das Vieh fruchtbar machte und die Herden der Hirten vor Raubtieren schützte, wurde unter anderem der Wolf als Tier zugeordnet. Die Rolle des Faunus als Wolfsabwehrer verdeutlicht, dass der Wolf als Beutegreifer im Alltag gefürchtet war, weil er sich an den Tierherden vergriff. Lupercalia : Ein Frühlingsfest Nicht zu übersehen beim Namen des Festes ist die Verwandtschaft mit dem Wort lupercal , der Name der Höhle am Fuss des Palatins in Rom, in der der Legende zufolge lupa die Zwillinge säugte. Das Fest der Luperkalien fand jedes Jahr am 14. Februar statt und begann in der Höhle mit einem Opferritual. Es war ein Fruchtbarkeits- und Frühlingsfest, das eine Verbindung zum Gründungsmythos herstellte. Panel auf dem ara pacis in Rom, das vermutlich die Höhle lupercal darstellt, © Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0), User: Amphipolis Ein Wolfsfell für einen Standartenträger: Wolf als Symbol im Krieg Zur Benennung oder Symbolisierung von Legionen wurden oft Tiere verwendet, wie Wolf, Steinbock etc. Zudem hatten die Standartenträger ( signiferi ), die die Feldzeichen zur visuellen Befehlsübertragung trugen, Tierfelle auf ihrem Helm. Bei diesen Tierfellen war der Wolf sehr verbreitet, aber auch der Bär oder der Löwe. Warum Tierfelle getragen wurden, darüber gibt es verschiedene Theorien: Die Eigenschaften des Tieres sollten auf den Träger übertragen werden und diesen schützen. Die Tierfelle dienten der Einschüchterung gegen die Feinde. Die signiferi übermittelten die Kommandos der Befehlshaber visuell mit den Standarten an die Soldaten. Durch die Felle konnten sie auf dem Schlachtfeld besser gesehen werden. Das Tragen von Tierfellen könnte in Verbindung mit der Hercules-Sage stehen. Auf gewissen Darstellungen trug der kämpferisch begabte Hercules ein Löwenfell auf dem Kopf, die Pfoten auf der Brust verknotet. Vielleicht wurden darum auch die Felle der signiferi auf diese Art und Weise getragen, obwohl es auch andere Tragemethoden gab. Die Schattenseite: Der Werwolf als Schreckensgestalt im Römischen Reich In der griechischen Mythologie kommen Wolfsmenschen oder Werwölfe vor. Diese dürften sich direkt auf die römische Vorstellung von Werwölfen ausgewirkt haben. Denn auch im imperium romanum existierte der Werwolf-Glaube. Das Wort Wer- leitet sich vom lateinischen Wort vir ab, das "Mann" bedeutet. Die bekannteste antike Sage zu diesem Thema ist die Sage vom arkadischen König Lycaon, der vom obersten Gott Zeus (im Römischen Reich Jupiter) in einen Werwolf verwandelt wurde, weil er eine Geisel frevelhaft geopfert und ihr Fleisch Zeus vorgesetzt hatte. Der Glaube an Werwölfe als Schreckgestalten reicht also schon sehr weit zurück und ist auch heute noch in zahlreichen (Horror)filmen vertreten. Lycaon wird in einen Wolf verwandelt, Druck von Hendrick Goltzius von 1589, Teil der Sammlung LACAM (Los Angeles County Museum of Art) © Wikimedia Commons (gemeinfrei), Urheber: LACAM Lupa : Ein Tier, das für ein Imperium steht Der Wolf war also ein Tier, das im Römischen Reich vielerlei Bedeutungen hatte, teils auch widersprüchliche. Trotzdem war es ein sehr symbolträchtiges Tier für dieses Weltreich. Besonders lupa , jene Wölfin, die laut römischer Mythologie Romulus und Remus säugte und somit ihr Leben rettete, stand als Symboltier für ein ganzes Weltreich. Ein Weltreich, das gemäss Mythologie ohne lupa nie entstanden wäre, weil seine Gründer wohl nicht überlebt hätten. Literaturverzeichnis Alexandrescu, Christina-Georgeta: Blasmusiker und Standartenträger im Römischen Heer. Untersuchungen zur Benennung, Funktion und Ikonographie. Cluj-Napoca 2010. Aparaschivei, Dan: Lupa Romana en Mésie inférieure. Images, discutions et hypothèses. In: Revue des Études Anciennes. Bnd. 123, Nr. 2. (2021). S. 573-595. DOI: ttps://doi.org/10.3406/rea.2021.6999 . Brunold-Bigler, Ursula: Wolfsmensch und Bärenhexe. Tiere in Sagen und Märchen aus den Alpen. Chur 2010. Farrow, Stephanie; Christine, Stroyan (Hrsg.): Ancient Rome. The Definitive Visual History. London 2023. Ferris, Iain: CAVE CANEM. Animals and Roman Society. Gloucestershire 2018. Kremer, Rudolf: Untote, Blutsauger und Menschenfresser – Unheimliche Nachtgestalten im alten Rom. In: Ders.: Geister, Hexen, Menschenfresser. Gruselgestalten im alten Rom. ANTIKE WELT – Sonderheft. Darmstadt 2021. NABU/NAJU (Hrsg.): Geschichten und Mythen von Wölfen. In: Wölfe Aktionsbroschüre 2022. Zusatzmaterialien. Price, Simon; Kearns, Emily (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Classical Myth and Religion. Oxford 2004. Rossini, Orietta: ARA PACIS Guide. Milano 4. Auflage 2015. Seewald, Otto: Mythologie der Griechen und Römer. Hamburg 2015. Toynbee, J.M.C.: Animals in Roman Life and Art. Thames und Hudson 1973. Vukovic, Krešimir: The Topography of the Lupercalia. In: Papers of the British School at Rome. Nr. 86 (2018). S. 37 – 60. pp. DOI: https://doi.org/10.1017/S0068246217000381 . Wallner, Astrid: Die Bedeutung der Raubtiere in der Mythologie: Ergebnisse einer Literaturstudie. In: Inf.bl. Forsch.bereiches Landsch.ökol. 1998. Nr. 39. S. 4-5. Weitere Blogbeiträge 04. Juni 2025 Das Schmiedehandwerk der Römer: Vom Eisenerz zum fertigen Gladius Eisen war zentral im Alltag der Legionäre. Vom Rohstoff zum Endprodukt brauchte es mehrere Schritte. Wie funktionierte das römische… 20. Februar 2024 Quiz zur römischen Mythologie Testen Sie Ihr Mythologie-Wissen in diesem Quiz! 09. Dezember 2024 Saturnalia: das wichtigste römische Fest am Jahresende Im alten Rom feierte man gegen Jahresende im Zeichen Saturns und anderer Agrar-Gottheiten. Doch was genau hat es mit dem Fest der… Von Simona Schraner Von Simona Schraner Simona Schraner ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Märchen & Mythen Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
Museum Aargau

Strohindustrie im Aargau: Gold aus der Natur

Zurück zum Blog 15. September 2025 Kategorien 20./21. Jh. Neuzeit Historische Kleidung Schätze aus der Sammlung Wie wurde aus einfachem Stroh ein Verkaufsschlager? Die Aargauer Strohindustrie brachte es im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu Weltruhm. Strohhüte aus dem Freiamt schmückten Köpfe in Paris, Wien, London und New York. Zahlreiche Objekte aus der Sammlung von Museum Aargau erinnern an der Blütezeit dieser Industrie. Die Strohflechterei hat in der Schweiz eine lange Tradition. Schon in der frühen Neuzeit wurde sie in verschiedenen Regionen betrieben – etwa im Wallis, im Zürcher Unterland, im Freiburger Sensebezirk oder im Onsernonetal im Tessin. Strohindustrie im Freiamt Besonders im Gebiet der heutigen Freien Ämter im südöstlichen Aargau entwickelte sich das Flechthandwerk zu einer bedeutenden Wirtschaftsbranche. Vermutlich gelangte das Wissen um das Strohflechten im 16. Jahrhundert aus Italien in die Region. Über Generationen hinweg wurde es weitergegeben, und die charakteristischen regionalen Muster blieben wohlgehütetes Familienwissen. Das Freiamt entwickelte sich so zu einem Zentrum der Schweizer Strohkultur. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein entstanden Strohflechtarbeiten vor allem in Heimarbeit – meist von Frauen, die neben Haus- und Feldarbeit Strohbänder und Garnituren herstellten. Diese wurden von den sogenannten „Strohbaronen“ in alle Welt exportiert. Besonders gefragt waren neben verschiedenen Hutmodellen auch die berühmten Freiämter Garnituren, die Absatz in ganz Europa und sogar in Amerika fanden. Mit der Industrialisierung verlagerte sich die Produktion zunehmend in Fabriken. Dort wurden die Arbeitsschritte professionalisiert, und es entstanden neue, feste Arbeitsplätze – besonders für Frauen, die nun in grösserem Umfang in der Industrie tätig waren. Lovis Corinth, Frau Halbe mit Strohhut, Öl auf Holz, 1898. © Wikimedia Commons Wohlen: Vom Bauerndorf zu «Chly Paris» Der wirtschaftliche Erfolg der Strohindustrie machte Wohlen zu einem regionalen Zentrum mit städtischem Charakter Wohlstand zeigte sich in prächtigen Villen und moderner Infrastruktur. Im 19. Jahrhundert setzte ein enormer Aufschwung ein. Vor allem Wohlen, das wirtschaftliche Zentrum des Freiamts, entwickelte sich zu einem bedeutenden Standort der Strohwarenproduktion. Geflochtene Matten, Bänder und insbesondere Hüte entstanden zunächst in Heimarbeit, später auch in Fabriken – und machten das Freiamt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt Stroh- und Geflechtindustrie in Wohlen (Aargau) um 1900: Das auf den Feldern geerntete Roggenstroh wird für die maschinelle Weiterverarbeitung vorbereitet. © Wikimedia Commons Blütezeit der Stroindustrie Ihre grösste Hochphase erreichte die Strohindustrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Orten wie Dottikon, Fahrwangen, Meisterschwanden und rund um Wohlen entstanden zahlreiche Strohfabriken. 1857 waren im Aargau rund 24 000 Heimarbeiterinnen tätig – ebenso viele Menschen arbeiteten in anderen Kantonen für die Aargauer Produzenten. Hinzu kamen mehr als 4 400 Fabrikangestellte. Um 1900 gab es im Kanton über 100 Betriebe, davon allein 31 in Wohlen. Bis zu 98 Prozent der Produktion wurden exportiert. Wohler Firmen unterhielten Filialen in Florenz, Wien, Paris, London und New York. Besonders hervor stach die Firma JJ Fischers Söhne AG in Dottikon. Sie exportierte ihre Hüte in alle Welt und gewann 1914 eine Goldmedaille an der Landesausstellung in Bern. Werbeplakate aus dieser Zeit belegen das gestalterische Selbstbewusstsein und die internationale Ausrichtung der Branche. Werbeplakat FISCHER, Dottikon 1910-1950, 30x22 cm, Papier, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-21907. © Museum Aargau Werbeplakat FISCHER, Dottikon 1910-1950, 30x22 cm, Karton, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-21909. © Museum Aargau Ikone der Mode - der Canotier Ein weltweiter Modetrend war der Canotier, auch „Kreissäge“ genannt. Bekannt wurde dieser flache Strohhut durch Entertainer wie Maurice Chevalier oder Fred Astaire. Ab den 1880er-Jahren trugen ihn auch Frauen – als Symbol für Sportlichkeit und Emanzipation. Getragen wurde er nach klarer Modevorgabe: leicht nach vorne geneigt und lässig über ein Ohr fallend. Strohhut (Canotier) mit schwarzem Rapsband, Modell «Maurice Chevalier» 1901-1920, Gr. 6 7/8, Stroh, Textil, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-10935. © Museum Aargau Hüte und Accessoires aus Stroh Die Vielfalt der Aargauer Strohhutproduktion zeigt sich in den Stücken der Sammlung von Museum Aargau . Neben dem Canotier gehören dazu elegante Damenhüte aus der Zeit um 1920. Einer davon ist ein tiefviolett gefärbter Röhrlihut mit flacher Form, zylindrischer Krone und breiter, gerader Krempe. Sein gleichmäßiges Flechtmuster und die kräftige Farbe machen ihn zu einem markanten Blickfang. Damenhut, 1910-1930, 7x38 cm Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-10935. © Museum Aargau Ein weiteres Modell aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts ist naturfarben und mit rot- sowie blaugefärbten Streifen geschmückt. Die breitkrempige, flache Form und das in konzentrischen Ringen angelegte Flechtwerk verleihen ihm einen klaren, kontrastreichen Charakter. Damenhut, 1901-1920, Durchmesser 38 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-16920. © Museum Aargau Auch festlicher Kopfschmuck findet sich in der Sammlung von Museum Aargau. Ein Häubchen aus dem späten 19. Jahrhundert besteht aus feinem Strohschnürli, geknüpft und geflochten. Rosetten, das typische Oberwiler Rösli und sogenannte Schnürlipäckli setzen zarte plastische Akzente auf dem netzartigen Geflecht. Häubchen, 1881-1900, Höhe 17 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-13647. © Museum Aargau Ebenso auffällig ist ein rosa und schwarz gefärbter Strohzylinder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit seiner zylindrischen Form und den seitlich hochgebogenen Krempen ist er eine farbenfrohe Variante des klassischen Stoffzylinders, getragen zu festlichen Anlässen oder als Teil einer Tracht. Strohzylinder, 1901-1950, 15.5x28x27 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-13647. © Museum Aargau Selbst kleinformatige Stücke belegen die Bandbreite der Produktion. Zwei kleine, aus dunkelblau und rot gefärbtem Röhrli gearbeitete Hüte könnten entweder als Musterexemplare für den Handel oder als Puppenhüte gedient haben. Trotz ihrer geringen Grösse sind sie in der typischen Röhrli-Technik gefertigt und mit hochgebogener Krempe sowie kontrastierenden roten Zierstreifen an Krone und Krempe versehen. Diese Miniaturen zeigen, dass selbst im Kleinen auf Sorgfalt und Qualität geachtet wurde – ein Anspruch, der den Ruhm der Aargauer Strohhutproduktion mitbegründete. Musterhüte (2 Stück), vermutlich Puppenhüte, 1901-1950, 7x9x10.5 cm, Stroh, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-15363. © Museum Aargau Alltagskultur aus Stroh Die Aargauer Strohindustrie beschränkte sich nicht nur auf die Herstellung von Hüten. Auch Taschen, Schmuck und weitere Modeaccessoires wurden aus Stroh gefertigt und fanden als modische wie praktische Alltagsbegleiter Verwendung. Handtasche, 1881-1900, 13x23x13 cm, Stroh, Seide, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-15324. © Museum Aargau Ein Beispiel ist eine Handtasche aus dem späten 19. Jahrhundert, die feines Strohgeflecht mit elegantem Seidenfutter und einer dekorativen Klappe verbindet. Solche Taschen wurden nicht nur wegen ihrer Leichtigkeit geschätzt, sondern auch als stilvolle Ergänzung zur Sommermode getragen. Auch dekorative Objekte gehörten zum Repertoire der Strohflechterei. Das Zierobjekt aus dem späten 19. Jahrhundert in Form eines kleinen Bienenkorbs besteht aus sorgfältig gewickelten ganzen Halmen und ist mit winzigen Stroh-Bienen geschmückt. Solche Stücke verdeutlichen, dass Stroh nicht nur funktional, sondern auch kunsthandwerklich vielfältig eingesetzt wurde. Zierobjekt, 1881-1900, 10.5x17x14.4 cm, Stroh, Glas, Holz, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr.-K-15320. © Museum Aargau Vom Welterfolg zum Kulturerbe Einst prägte die Strohindustrie das Freiamt und machte den Aargau zu einem Namen in der internationalen Modewelt. Hüte und Accessoires aus feinstem Flechtwerk fanden von Wohlen den Weg in die grossen Metropolen. Ab etwa 1880 setzten sich maschinell hergestellte Hutgeflechte zunehmend durch. Nach einer letzten Blüte in der Nachkriegszeit brach die Nachfrage ab Mitte der 1960erJahre stark ein. Heute knüpft nur noch ein Unternehmen direkt an diese Tradition an: Die Tressa AG in Villmergen ist die letzte Maschinengeflechtproduzentin mit Wurzeln in der Freiämter Strohindustrie – und zugleich der einzige Betrieb in der Schweiz, der noch Geflechte in hoher Qualität herstellt. Wie einst gehen diese bis heute in alle Welt: an Hutfabriken, Designerinnen, Designer und Modistinnen, die sie zu neuen Kreationen verarbeiten. Museen und Sammlungen bewahren daneben die Meisterwerke vergangener Zeiten – Zeugnisse einer Industrie, die aus einfachem Stroh Modegeschichte schrieb. Weitere Blogbeiträge 08. April 2020 Strohhut Canotier – Die "Kreissäge" der Hipster Der Strohhut Canotier erinnert an die blühende Strohindustrie im Freiamt sowie im Seetal. Im Blog zeigen wir ein Exemplar aus der Sammlung… 11. Juli 2023 Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte… 19. Januar 2021 Tresor der Hutflechtfabrik Jacob Isler & Co. Die Tresorkiste stammt aus dem Nachlass der Hutflechtfabrik Jacob Isler & Co.. Die Kiste befand sich in der Villa Isler, als diese von ihrem… Von Patricia Striebel Von Patricia Striebel Patricia Striebel ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Neuzeit Historische Kleidung Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Das Schmiedehandwerk der Römer: Vom Eisenerz zum fertigen Gladius

Zurück zum Blog 04. Juni 2025 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Eisen war zentral für den Alltag der Legionäre, auch in Vindonissa. Vom Rohstoff Eisenerz zum Endprodukt – beispielsweise einem Kurzschwerzt ( gladius) – brauchte es mehrere Schritte. Wie funktionierte das Schmiedehandwerk im Römischen Reich und was ist dazu bekannt? Ohne Eisen hätte der Alltag in einem Legionslager wie Vindonissa nicht funktioniert. Viele Ausrüstungsgegenstände der Legionäre wie das Kurzschwert ( gladius) oder die Nägel unter den Schuhen ( caligae ) waren aus Eisen, das Gleiche galt für zentrale Alltagsgegenstände wie Schlüssel oder medizinisches Werkzeug aus Eisen. Genagelte Schuhsohle. Pro Schuhsohle brauchte es 80 Nägel. Jeder Legionär erhielt pro Jahr drei Paar Schuhe. Sprich, die Anzahl Nägel, die geschmiedet werden mussten, war sehr hoch. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Die Wichtigkeit des Schmiedehandwerks im imperium romanum wird auch durch den Status des römischen Gottes Vulcanus unterstrichen. Er war der Gott der Schmiede, des Feuers und der Metallhandwerker und zählte zu den zwölf wichtigsten Gottheiten im Römischen Reich. Vom Eisenerz zum Rohmaterial: Eisengewinnung im Rennofen Eisen kommt in der Natur selten in reiner Form vor, sondern tritt als Eisenerz in Verbindung mit Sauerstoff auf. Um mehr oder weniger reines Eisen zu bekommen, musste der Sauerstoff erst aus den Erzen herausgelöst werden. Experimente zeigen, dass man dazu in römischer Zeit einen Rennofen verwendete. Der Ofenschacht wurde schichtweise mit Holzkohle und Eisenerz gefüllt und auf 1200-1300 Grad Celsius erhitzt. Die Holzkohle verbrannte, Kohlenmonoxid (CO) entstand, band den Sauerstoff im Erz und entwich als CO 2 . Die Einführung des Blasebalgs in römischer Zeit steigerte die Temperatur. Doch auch damit blieb die Temperatur zu tief, um das Eisen ganz flüssig zu erhalten. Es rann stattdessen einfach langsam in den Ofenherd. Zusammen mit Holzkohle und Schlacke, die oftmals noch sehr eisenhaltig war, jedoch wegen niedrigen Temperaturn nicht schmolz, bildete es die sogenannte Luppe. Die noch glühende Luppe wurde durch Hämmern zu einem kompakten Barren geformt. Holzkohlen- und Schlackenreste wurden durch diesen Prozess grösstenteils entfernt. Eisenbarren. In solchen und weiteren Barrenformen wurde Eisen in römischer Zeit gehandelt. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Wo genau in der Schweiz das Eisen fürs Legionslager Vindonissa produziert wurde, ist nicht bekannt. Erzlagerstätten sind zwar in grossen Teilen des Aargauer Juras vorhanden, jedoch wurden bis heute keine Verhüttungsplätze gefunden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass das Eisen von dort stammte. Zudem wurde Eisen im Fernhandel gehandelt. Exkurs: Von Eisen zu Stahl Eisen und Stahl werden oft als Synonyme verwendet, obwohl es nicht genau dieselben Materialien sind. Eisen in Reinform ist sehr weich. Erst durch das Zusetzen von Kohlenstoff wird Eisen zäher und beständiger und schliesslich zu Stahl. Aktuell sind zwei Varianten der Stahlherstellung in römischer Zeit bekannt: War das Eisenerz bereits manganhaltig, war das Beisetzen von Kohlenstoff bereits während des Verhüttungsprozesses im Rennofen möglich. Bei der sogenannten "Zementation" wurde Holzkohle oder anderes organisches Material auf das reine Eisen gelegt und dicht mit Lehm eingepackt. Beim Erhitzen des Pakets auf 1000 Grad Celsius über mehrere Stunden drang der Kohlenstoff in die oberflächennahen Schichten des Eisens ein. Erst dann wurde das nun mit Kohlenstoff versetzte Eisen zur Weiterverarbeitung verwendet. Vom Eisen zum gladius : Hammer, Amboss und Zange In den Essen eine so hohe Temperatur zu erreichen wie heute, war im Römischen Reich unmöglich. Eisen konnte darum nur geschmiedet, aber nicht vollständig geschmolzen, geschweige denn gegossen werden. Auf einem Amboss wurde das heisse Metall mit gezielten Hammerschlägen in die richtige Form gebracht. Die wichtigsten Werkzeuge eines Schmiedes waren Hammer, Amboss und Zange. Hämmer hatten eine breite Schlagfläche ("Bahn") und auf der gegenüberliegenden Seite eine schmale "Finne", mit der das Metall gebreitet wurde. Diese in römischer Zeit typische Hammerform ist bei Schmiedinnen und Schmieden bis heute beliebt. Abb. 4: Schmiedehammer. Hämmer gab es in verschiedenen Grössen. In dieser Form sind Hämmer auch im heutigen Schmiedehandwerk aufgebaut. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Schmiedezangen waren in römischer Zeit meist mit grossen, gerundeten Backen versehen. Diese Zange war die Universalform, neben der es spezielle Formen für ganz bestimmte Werkstücke gab. Sowohl Hämmer als auch Zangen wurden in Vindonissa gefunden. Mit Hilfe dieser Werkzeuge und der Kunstfertigkeit der Schmiede entstanden aus dem Stahl ein gladius , Schuhnägel und vieles mehr. Zange. Gemäss Abbildungen hatten Zangen aus römischer Zeit meist grosse Backen. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Schmieden in römischer Zeit: Die Schmieden von Vindonissa In der antiken Literatur findet sich kaum etwas zur Schmiedetechnik oder zum Aufbau einer römischen Schmiede. Dafür werden viele verschiedene Schmiedeberufe genannt: Der Schwertschmied ( gladiarius ), der Nagelschmied ( clavarius ) oder der Panzerschmied ( loricarius ). Das Schmiedehandwerk war in römischer Zeit also sehr spezialisiert. Auch in Vindonissa fanden sich Spuren des Schmiedehandwerks. So wird etwa auf einer Weihinschrift aus dem Legionslager ein Schwertschmied namens Tiberius Iulius Agilis erwähnt. Es muss also eine Schmiede im Legionslager selbst gegeben haben. Auf der Weihinschrift auf dieser Votivtafel (tabulaansata) steht: Marti votum | Tib(erius) Iul(ius) Agilis | gladiarius | s(olvit) l(ibens) l(aetus) m(erito) Übersetzung: Dem Mars hat Tiberius Iulius Agilis, Schwertschmied, das gemachte Versprechen gerne und nach Gebühr eingelöst. Ausstellungsobjekt im Vindonissa Museum, Brugg AG. © Kantonsarchäologie Aargau Archäologische Funde beweisen zudem, dass es in der zivilen Siedlung vor den Toren des Legionslagers auch Schmieden gegeben hatte. In diesen wurden Alltagsgegenstände für die Zivilbevölkerung, aber auch Objekte fürs Legionslager produziert. Weitere Informationen, wie eine römische Schmiede ausgesehen haben könnte, liefern uns zudem Wandmalereien, Steinreliefs und andere Bildquellen. Diese stammen meist aus dem Süden und können daher nicht eins zu eins auf römische Gebiete nördlich der Alpen übertragen werden, da sich dort die römisch-italische Kultur mit der Tradition der einheimischen Bevölkerung vermischte. Trotzdem liefern diese Bilder heute noch spannende Details über Werkzeuge oder die Konstruktion einer Esse. Die auf Basis der Befunde rekonstruierte Schmiede im Legionärspfad Vindonissa © Museum Aargau Römisches Schmiedehandwerk: Eine Spurensuche Obwohl wir heute vieles über das römische Schmiedehandwerk nicht wissen, lassen archäologische Funde, bildliche Überlieferungen und experimentelle Archäologie Rückschlüsse darauf zu, wie die Eisengewinnung und der weitere Prozess funktioniert haben könnten. Auf Basis dieser Spuren wurde im Legionärspfad Vindonissa eine römische Schmiede rekonstruiert. Dort kann man selbst zu Hammer und Zange greifen und das römische Schmiedehandwerk authentisch erleben. Jeden Samstag im Legionärspfad Vindonissa Römisch Schmieden Erleben Sie in 2er-Gruppen authentisch das römische Schmiedehandwerk Literaturverzeichnis Museum Aargau, Vindonissa, Legionärspfad Vindonissa (Hrsg.): Römisches Schmiedehandwerk. Begleitbroschüre zur rekonstruierten Schmiede im Legionärspfad Vindonissa. 2024. Mutz, Alfred: Römisches Schmiedehandwerk. Augster Museumshefte Nr. 1, 1976. 11. Oktober 2023 Die Waffen der römischen Legionäre Was ist ein "pugio"? Was machten die Legionäre mit einem "pilum"? Über wie viele Geschütze verfügte eine Legion? In diesem Blogbeitrag… 12. August 2024 Vulcanus – Dem Gott des Feuers begegnen In der von Göttern durchdrungenen Welt des römischen Reiches waren sich die Schmiede stets bewusst, wer ihr Meisterschmied war und wem sie… 10. Oktober 2025 Der römische Legionär und seine Ausrüstung Was gehört zur Kleidung und Ausrüstung eines römischen Legionärs? Marius aus dem Legionslager Vindonissa zeigt Ihnen, wie sich ein römischer… Von Simona Schraner Von Simona Schraner Simona Schraner ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
Museum Aargau

Quiz: Wie gut kennen Sie die Küche des Mittelalters?

Zurück zum Blog 20. August 2025 Kategorien Mittelalter Quiz & Spiele Welche Lebensmittel kannten die Menschen im Mittelalter noch nicht? Welches Getränk wurde am meisten getrunken? Testen Sie im Quiz Ihr Wissen zum Thema "Küche des Mittelalters". Welches Getränk wurde im Mittelalter am meisten getrunken? Wein oder Met Wasser Bier Säfte Welches Lebensmittel kannten die Menschen im Mittelalter in Europa noch nicht? Rettich Linsen Kartoffeln Datteln Welches Material wurde für Küchenutensilien am häufigsten verwendet? Keramik Eisen Zinn Stein Was fand sich selten auf einem mittelalterlichen Tisch? Becher Teller Messer Gabel Was ist speziell an schriftlich überlieferten Rezepten aus dem späten Mittelalter? Die Mengenangaben sind präzise und exakt wie in modernen Rezepten. Es existieren verschiedene Varianten, angepasst an unterschiedliche gesellschaftliche Stände. Die Rezepte enthalten meist keine genauen Angaben zu den verwendeten Mengen und wie lange etwas kochen musste. Es wird genau angegeben, für wie viele Personen das Gericht gedacht ist. Warum wurde im Mittelalter an Fastentagen Fisch gegessen? Fisch war günstiger. Fleisch und Milchprodukte waren verboten, Fisch jedoch erlaubt. Fisch war leichter zu lagern. Fleisch war nur für den Adel erlaubt. Wie wurden manche Lebensmittel im Mittelalter haltbar gemacht? Die Menschen haben Blöcke aus Eis in den kühlen Schlosskellern gelagert und dort das Essen aufbewahrt, fast wie bei einem modernen Kühlschrank. Den Lebensmitteln wurde durch Räuchern oder Einlegen in Salz die Flüssigkeit entzogen. Sie wurden in luftdichten Konservendosen aus Zinn verstaut. Das Essen wurde mit Öl übergossen, was es luftdicht und so lange Zeit haltbar machte. NÄCHSTE VERANSTALTUNG 11.-13. September 2026 Mittelaltermarkt auf Schloss Lenzburg Historische Marktstände, Handwerk und viele weitere Highlights auf der Burg Weitere Beiträge 19. Februar 2025 Kochvideo: Dreifarbige Eierküchlein – Rezept aus dem Mittelalter Dreifarbige Eierküchlein: Probieren Sie dieses mittelalterliche Dessert-Rezept aus – ein wahrer Genuss für Augen und Gaumen! Unsere… 07. Juni 2024 Quiz: Was wissen Sie über alte Heilpflanzen? Woher kommt die Bezeichnung für Basilikum? Welche Blumen werden bei Verdauungsbeschwerden angewendet? Testen Sie Ihr Wissen in diesem Quiz! 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Quiz & Spiele Kommentare

 
Museum Aargau

Führungen und Aktivprogramme für Gruppen

Museum Aargau bietet unvergessliche Erlebnisse für Gruppen. Schlemmen Sie wie die Römer und Ritter, entdecken Sie Gartenkultur und erleben Sie Geschichte aus 2000 Jahren am Schauplatz! Ob Vereinsreise, Klassentreffen oder Ausflug mit Familie und Freunden: Die Gruppenangebote von Museum Aargau bieten unvergessliche Gemeinschaftserlebnisse. Die Führungen und Aktivprogramme sind teilweise auch in anderen Sprachen buchbar. Unser Tipp: Verbinden Sie Ihr Gruppenerlebnis mit einem Apéro in einem unseren Bistros. Wir beraten Sie gerne. Kontakt Beratung & Verkauf +41(0)848 871 200 E-Mail senden Telefonische Erreichbarkeit: Dienstag bis Freitag 9-12 Uhr / 13-16:30 Uhr November bis März nur vormittags Download Aktuelles Gruppenprogramm (2 MB) GRUPPENANGEBOTE SCHLÖSSER Schloss Lenzburg Führungen durch 1000 Jahre Schlossgeschichte Schloss Wildegg Führungen und Workshops durch Schloss und Garten Schloss Hallwyl Führungen und Workshops zu Schloss- und Familiengeschichte Schloss Habsburg Führungen und mittelalterlicher Festschmaus GRUPPENANGEBOTE VINDONISSA Legionärspfad Vindonissa Schlemmen und übernachten wie die Römer Vindonissa Museum Führungen und selbständige Touren GRUPPENANGEBOTE KLÖSTER Kloster Königsfelden Führungen durch die Klosteranlage Klosterhalbinsel Wettingen Führungen durch Kloster und Gärten

Gradian
Visualisierung/Animation Antikes Vindonissa
Visualisierung/Animation Antikes Vindonissa

Vindonissa

Legionärspfad und Vindonissa Museum

Erleben Sie in Vindonissa die Römer hautnah: Die Museumsstandorte Legionärspfad Vindonissa (Windisch) und Vindonissa Museum (Brugg) bieten Touren, Ausstellungen, Veranstaltungen sowie buchbare Angebote im früheren Legionslager Vindonissa an.

MUSEUMSSTANDORTE IN VINDONISSA

 
Kinder schreiten wie kleine Römer über das Areal vom Legionärspfad Vindonissa

Legionärspfad
Vindonissa

Der Römer-Erlebnispark bietet Spiel-/Themen-Touren, Events, römische Übernachtungen, Führungen und vieles mehr.  

 
Drei Mädchen stehen in der Ausstellung im Vindonissa Museum. Vor ihnen stehen zwei lebensgrosse Legionäre (Figuren)

Vindonissa
Museum

Das Vindonissa Museum in Brugg zeigt die wichtigsten Funde von Vindonissa, dem einzigen römischen Legionslager der Schweiz.  

Tagesprogramm

  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher
  • Schloss Lenzburg
  • Schloss Hallwyl
  • Schloss Habsburg
  • Schloss Wildegg
  • Klosterhalbinsel Wettingen
  • Kloster Königsfelden
  • Legionärspfad Vindonissa
  • Vindonissa Museum
  • Sammlungszentrum Egliswil
  • IndustriekulTour Aabach

Dies läuft am Tag Ihres Besuches

Ein Abenteurer mit Hut in einem mystischen Wald. Er streckt die rechte Hand aus. In dieser schwebt eine magisch-leuchtende Kugel.
18:00 – 23:59 Uhr

Stadtfest Brugg: Das Abenteuer von Vindonissa

Barbetrieb im römischen Garten und Suche nach Schätzen

Veranstaltung
Eine Schulklasse umkreist eine Ausstellung im Vindonissa Museum
18:00 – 23:59 Uhr

Dauerausstellung zu Vindonissa

Entdecken Sie Original-Objekte aus Ausgrabungen

Ausstellung
Scheibenfibel aus Buntmetall mit farbigen Emaille-Einlagen. Eingraviert ist das Lamm Gottes – ein Sinnbild für die Auferstehung Christi.
18:00 – 23:59 Uhr

Vitrine AKTUELL

Grabsteine aus Vindonissa: Sprechende Steine und ihre Schicksale

Ausstellung
Wo die Legionäre getafelt haben: erhaltene Küche im Legionärspfad Vindonissa

Themen-Touren für Erwachsene

Spannende Themen-Touren durch Vindonissa!

Selbständiger Rundgang
Eine Familie in einem dunklen Raum; die Displays der Audiogeräte um den Hals leuchten mystisch im Dunkeln. An der Rückwand Silhouetten von Legionären.

Spiel-Touren für Kinder

Löst knifflige Rätsel an römischen Schauplätzen

Selbständiger Rundgang
Kinder als Forscherinnen und Forscher verkleidet lösen gemeinsam ein Rätsel während ein Junge im Kittel einen Klemmbrett hält
18:00 – 23:59 Uhr

Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe!

Ab 8 Jahre – Löst Rätsel und entdeckt einen römischen Schatz

Selbständiger Rundgang
Schatzkarte mit diversen Bildern und Texten.
18:00 – 23:59 Uhr

Rätsel-Tour

Ab 7 Jahre – Mit der Schatzkarte durchs Museum

Selbständiger Rundgang
Eine Familie steht mit einem Plan vor einer Vitrine im Vindonissa Museum.
18:00 – 23:59 Uhr

Spurensuche - Auf der Fährte von Lupina und Anissa

Ab 5 Jahre – Folgt den Fussspuren von Lupina und Anissa

Selbständiger Rundgang
Aussenaufnahme vom römischen Garten vom Vindonissa Museum
18:00 – 23:59 Uhr

Wo sich Eichenlaub und Granatapfel treffen

Entdeckungsreise durch Garten und Museum mit Audioguide

Selbständiger Rundgang
Römischer Garten Vindonissa Museum: Eine junge Frau steht inmitten vieler grüner Pflanzen und riecht an einer Blüte. Im Hintergrund ein antiker Brunnen.
18:00 – 23:59 Uhr

Römischer Garten von Vindonissa

Rekonstruierter Ziergarten des Legionskommandanten

Garten
Angebot wählen
  • Veranstaltung
  • Öffentliche Führung
  • Ausstellung
  • Selbständiger Rundgang
  • Garten
Geeignet für
  • Familien
  • Schulen
  • Gruppen
  • Einzelbesucher
Museumsstandorte
  • Schloss Lenzburg
  • Schloss Hallwyl
  • Schloss Habsburg
  • Schloss Wildegg
  • Klosterhalbinsel Wettingen
  • Kloster Königsfelden
  • Legionärspfad Vindonissa
  • Vindonissa Museum
  • Sammlungszentrum Egliswil
  • IndustriekulTour Aabach