Klosterhalbinsel Wettingen

Bau- und Nutzungsgeschichte

Baugeschichte Nutzungsgeschichte Baugeschichte Gründung des Klosters Nach der Gründung des Klosters durch Heinrich II. von Rapperswil legten die ersten Mönche unter Prior Konrad den Grundstein für das Kloster. Zuerst wurde die Kirche erbaut, ein Teil des inneren Konventsgebäudes, das Krankenhaus, die Schutzmauern und das Torhaus. Die Kirche wurde 1256 geweiht. 1285 wurde der nördliche Kreuzgangarm mit den figürlich geschmückten Masswerkverglasungen fertiggestellt. Die Kirche wurde 1294 ein zweites Mal geweiht. Mehr Weniger 13. Jh. Wiederaufbau und erste Scheibenschenkungen Zweimal musste das Kloster teilweise wiederaufgebaut werden: 1440 nach dem "Alten Zürichkrieg" und 1507 nach dem Klosterbrand. 1517 erfolgte eine erneute Weihe der Kirche. Ab 1517 sind die ersten Scheibenschenkungen bezeugt. Diese stammen aus den besten Glasmalerateliers in Zürich, Bern und Basel. So zum Beispiel die Figurenscheibe mit den Hl. Barbara und Maria Magdalena aus dem Umkreis von Hans Holbein dem Jüngeren in Basel um 1519, oder der Bildscheibe mit der Anbetung der Könige von Hans Funk aus Bern, 1522. Anstelle des alten mittelalterlichen Armenspitals wurde das Schwesternhaus neu erbaut. Hier befindet sich das heutige Restaurant Sternen. Mehr Weniger 16. Jh. Blütezeit unter Abt Peter Schmid Die Regierungszeit von Abt Peter Schmid brachte die grössten baulichen Veränderungen mit sich. Die Klosterkirche wurde umgebaut. Die Bibliothek wurde mit einem Arbeitsraum ergänzt. Die Novizen erhielten neue Räume. Die Sommerabtei und die Abtskapelle entstanden. 1601-1604 erhielt der Mönchschor ein neues Chorgestühl. In den folgenden zwei Jahren wurde der Lettner erbaut. 1606 erhielt die Klosterkirche die figürlichen Stukkaturen, ebenso der Kreuzgang und die Abtkapelle. 1610 wurde das Krankenhaus als Abthaus umgenutzt. Hier wurde 1651 schlussendlich die Winterabtei eingerichtet. Mehr Weniger 17. Jh. Neue Bauten unter Abt Alberich I. Beusch Unter Abt Alberich I. Beusch wurde 1726 das Lusthäuschen im Abtgarten erbaut. Ein eifriger Bauherr war Abt Peter Kälin, der die Kirche mit einem neuen Hochaltar ausstattete, weitere Seitenaltäre erstellte sowie die figürliche Ausmalung der Kirche, Kanzel und Gegenkanzel in Auftrag gab. 1765/66 baute der bekannte Brückenbauer Hans Ulrich Grubenmann die Limmatbrücke. Ein von Abt Sebastian Steinegger geplanter Neubau für die Kirche und den Konventbau 1795 kam nicht zur Ausführung. Mehr Weniger 18. Jh. Klosterauflösung und Lehrerseminar 1818 wurde die in den Revolutionskämpfen niedergebrannte Limmatbrücke ersetzt. Die Klosterkirche erhielt 1821 in neues Mittelschiffgewölbe, welches 1833 mit Fresken versehen wurde. 1825 bis 1835 wurde der Konventgarten an der Südhalde der Halbinsel neu gestaltet. Nach der Klosterauflösung 1841 mussten für die neue Nutzung der Gebäude als Lehrerseminar bauliche Anpassungen vorgenommen werden. Die Konventgebäude war davon betroffen. Andere Gebäudeteile wurden ganz abgerissen. Viele Klosterliegenschaften kamen 1848 zum Verkauf an Karl Martin Egloff aus Baden: Weiberhaus, Schmiede, Bindhaus mit Wagnerei, Küferwerkstatt, Scheunen, Keller, Getreide- und Sägemühle, Waschhaus, Kanzlerhaus, Fahrwirtshaus und Zollhaus. Johann Wild kaufte Egloff verschiedene Gebäude ab und eröffnete eine Spinnerei an der Limmat. Durch den Bau der "Gwagglibrugg" wurde 1863 der Fährbetrieb zwischen Damsau und Klosterrüti ersetzt. Mehr Weniger 19. Jh. Restaurationen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Figuren- und Wappenscheiben im Kreuzgang des Klosters während 13 Jahren (1872-1885) vollständig restauriert. 1907 begann die phasenweise durchgeführte Kirchenrestauration bis 1931. 1930 wurde das Limmatkraftwerk gebaut. 1968 entstand die Hochbrücke Wettingen-Neuenhof als Teil der Autobahn und deren Zubringerstrassen. 1973/74 mussten einige Glasscheiben erneut restauriert werden. 1990 bis 1996 wurde das Kircheninnere und die ehemaligen Konventräume umfassend saniert und alte Bausubstanzen dokumentiert. 1993 bis 2004 wurden sämtliche Glasgemälde restauriert. Mehr Weniger 19./20. Jh. Museum Aargau 2021 wurden mehrere Klosterräumlichkeiten restauriert und für Umnutzungen vorbereitet. Dazu gehören das Parlatorium, Auditorium, der ehemalige Gartensaal und das Abthaus, welche ab April 2021 von Museum Aargau genutzt werden. Oder der ehemalige Pferdestall (heute Karrenstall), den die Kantonsschule als Musikhaus nutzt. Im Gartensaal eröffnet das neue Gästezentrum für die Klosterhalbinsel und Museum Aargau seine Tore. Das klösterliche Parlatorium wurde von der Denkmalpflege Aargau aufwändig restauriert und bekommt eine neue Nutzung: Im Rahmen des partizipativen Projekts "Schule macht Museum" wird im April ein interaktiver Ausstellungsraum eingerichtet. Der alte Zugang zum Parlatorium wurde wiederhergestellt. Im November 2021 wurde im Aargauischen Grossrat beschlossen, das dritte abgegangene Gebäude des Kreuzgangs wieder aufzubauen. Mehr Weniger 21. Jh. Nutzungsgeschichte Klosterstiftung bis Machtwechsel Das Kloster wurde vor 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Laut Gründungslegende hatte Heinrich auf der Rückfahrt von Jerusalem einen schweren Sturm im Mittelmeer überlebt. Für die Rettung hatte er der Heiligen Mutter Maria ein Kloster versprochen. Schon während der gefährlichen Überfahrt war Heinrich die Heilige Maria als Meeresstern (Maris Stella) erschienen. Bei der Suche nach einem geeigneten Platz für das Kloster sah er diesen Stern wieder – auf der grossen Limmathalbinsel. Hier liess er das Kloster bauen. Die ersten Zisterziensermönche kamen vom Mutterkloster Salem bei Überlingen an die Limmat. Unter Prior Konrad wurde das Kloster aufgebaut und die Halbinsel urbar gemacht. Das Kloster vermehrte seine Güter durch Zukäufe von Höfen und Rechten, vor allem in der Region. In der Klosterkirche wurde nach seiner Ermordung am 1. Mai 1308 der Leichnam von König Albrecht I. von Habsburg für 15 Monate untergebracht, bevor er dann in Speyer beigesetzt wurde. Wettingen versuchte im 14. Jahrhundert, möglichst neutral durch die Wirrungen und Kämpfe zwischen den Habsburgern und Eidgenossen zu kommen. Dies gelang nur teilweise. Mehr Weniger 1227-1415 Turbulente Zeiten der Reformation und Gegenreformation Das Kloster Wettingen wurde in den nächsten 200 Jahren von einigen Turbulenzen gebeutelt. 1507 fielen fast die ganze Ausstattung und die Dachstühle einem Grossbrand zum Opfer. Um 1529 trat mehr als die Hälfte der Mönche zum neuen Glauben über. Diese reformierten Mönche lebten weiterhin im Kloster - mit Frauen und Kindern! Nach deren Auszug 1532 zog die Pest durchs Land. Die Machtübernahme der Eidgenossen um 1415 hatte kaum weitreichenden Folgen. Einzig eine bessere Überwachung der Finanzen durch einen so genannten Schaffner hatte der Abt zu verkraften. Durch die Reformation wurde das Kloster beinahe aufgelöst. Disziplinarische Schwierigkeiten und die immer noch prekäre finanzielle Lage führten dazu, dass fast alle Mönche zum reformierten Glauben übertraten. Die äusseren und inneren Wirren (Klosterbrand, Machtwechsel, Kappeler Kriege und Pestwellen) sind die Gründe, wieso kaum Bücher aus der mittelalterlichen Bibliothek des Klosters überlebt haben. Einzig zwei Listen aus dem 13. Jahrhundert geben Hinweise auf die Bücher dieser verlorenen Bibliothek. Mehr Weniger 1415-1595 Blütezeit des Klosters Im Jahr 1594 wurde Peter Schmid von Baar Abt des Klosters. Ihm gelang es endlich, die Klosterfinanzen auf sicheren Boden zu stellen. Er restaurierte die Klostergebäulichkeiten und sorgte mit einer Hausschule für eine Ausbildung der Mönche. Das Kloster erhielt neue Heiligenreliquien. Abt Peter Schmid erachtete es wichtig, dass die Mönche eine gewisse Ausbildung hatten. Er selbst hatte Theologie an der Sorbonne, Frankreich, studiert. Die theologisch-philosophische Hausschule wurde ergänzt mit Studienaufenthalte im nahen Ausland. Die Klosterbibliothek wurde wiedereingerichtet. Um die klösterliche Gemeinschaft zu stärken, war eine Investition in die Wohnhäuser nötig. Auch reformierte Peter Schmid die Gottesdienstordnung nach tridentinischen Grundsätzen. Um das Kloster nach aussen zu stärken, kaufte Abt Bernhard Keller zwei Reliquien vom Leutnant der Schweizer Garde, Johann Rudolf Pfyffer, ab. die beiden Katakombenheiligen Getulius und Marianus wurden 1651 feierlich in die Kirche geführt. Wallfahrten zu den heiligen Reliquien brachten Geld und Ansehen nach Wettingen. Kulturell entstanden bis 1789 verschiedene Chroniken und Bücher, die in der 1673 eingerichteten Klosterdruckerei bei P. Joseph Meglinger gedruckt wurden. Manche Patres waren auch als Komponisten von Messen aktiv. Mehr Weniger 1594-1789 Krisenzeiten der Helvetik bis zur Staatsgründung Die Französische Revolution erfasste nach 1789 alle Länder in Europa. Sie hatte Auswirkungen auf die Lebenswelten der Menschen. Das Kloster Wettingen war mitten im Strudel der Veränderungen, die 1841 in der Klosterauflösung gipfelte. Mit der Französische Revolution 1789 wurden in Frankreich alle Klöster aufgehoben, auch das Mutterkloster der Zisterzienser in Cîteaux. Viele Geistliche flohen. Im Kloster Wettingen sollen laut Abt Steinegger zwischen 1789 und 1789 über 16000 ausländische Flüchtlinge Unterschlupf gefunden haben. 1798 waren die Franzosen im Anmarsch auf Baden. Die Offiziere suchten sich das Kloster Wettingen als Unterkunft aus. Da die "Gäste" und ihre Dienerschaft, wie auch die Pferde, versorgt werden mussten, belastete diese Zeit die Klosterfinanzen ausserordentlich. Auch in der neuen Ordnung der Helvetik war das Klosterleben schwierig. Als Staatseigentum angesehen, war das Kloster den politischen Strömungen hilflos ausgeliefert. Als 1803 der Kanton Aargau gegründet wurde, erhielt das Kloster Wettingen den Auftrag, eine Schule zu führen. Sie sollte dem Kloster eine Existenzberechtigung geben. Ab 1830 verschärfte sich die Lage der Klöster im Aargau. Die Schule wurde durch die Regierung aufgehoben, die Besitzungen verkauft. Im Januar 1841 wurden die Klöster aufgehoben. Die Wettinger Mönche hatte 48 Stunden Zeit, ihr Zuhause zu verlassen. Unter ihnen befand sich auch Alberich Zwyssig, der Komponist der Melodie der heutigen Schweizer Nationalhymne. Die Klostergüter wurden verkauft und die Erlöse der Aargauischen Staatskasse überwiesen. Die Gerüchte, nach denen im Kloster unschätzbare Kostbarkeiten versteckt seien, konnten bis heute nicht belegt werden. Mehr Weniger 1789-1841 Umnutzung der Klostergebäude und Industrialisierung Die Aufhebung der Klöster erhitzte die Gemüter. Die Wiederherstellung gelang nicht. Ab 1847 beherbergten die Räume des alten Klosters ein Lehrerseminar. 1976 wurde die Kantonsschule Wettingen gegründet. Auf der Klosterhalbinsel nutzten ab 1857 eine Spinnerei und Weberei die Wasserkraft der Limmat als Energiequelle. Die Aufhebung der Klöster im Aargauischen Grossrat kam nicht bei allen gut an. Von der schweizerischen Tagsatzung wurde eine Wiederherstellung der Klöster gefordert – ohne Erfolg in Wettingen. Mit einer gemeinnützigen Umnutzung der Gebäude versuchte die Regierung dem Volk die Vorteile aufzuzeigen: Das Lehrerseminar unter der Leitung von Augustin Keller brachte wieder Leben in die Klosterräume. Keller bezog die ehemalige Abtswohnung. Er war als Direktor umstritten,da er der grösste Verfechter der Klosteraufhebung gewesen war. Bis 1905 wurde das Lehrerseminar als Internat geführt, mit rigidem Tagesablauf, ähnlich dem klösterlichen Leben. Danach wurden auch Auswärtige aufgenommen und 1966 wurden Frauen zugelassen. Die 1976 gegründete Kantonsschule Wettingen knüpfte mit ihrem pädagogischen Schwerpunkt an das alte Lehrerseminar an. Heute gehen knapp 1100 Schülerinnen und Schüler auf der Klosterhalbinsel ins Gymnasium oder in die Fachmittelschule. Es ist auch möglich, die zweisprachige Matur (Englisch und Deutsch) abzuschliessen. Mehr Weniger Ab 1841 Weiterführende Literatur Meng, Heinrich: 750 Jahre Kloster Wettingen 1227-1977: Festschrift zum Klosterjubiläum, 1977. Hoegger, Peter: Das ehemalige Zisterzienserkloster Wettingen, Kanton Aargau, GSK Band 604/605, Bern 1997. Hoegger, Peter: Glasmalereien im Kanton Aargau, Kloster Wettingen, 2002. Kottmann A., Hämmerle M.: Die Zisterzienserabtei Wettingen, 1996. Geschichte Klosterkirche Kloster & Nebengebäude Löwenscheune Spinnerei

 
Klosterhalbinsel Wettingen

Geschichte

Gründung und Bau des Klosters Wettingen Das zisterziensische Kloster Wettingen wurde 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Über die Gründung ist wenig bekannt. Eine Legende will, dass er in Seenot Maria, die Mutter Gottes, um Hilfe anrief und ihr bei Rettung ein Kloster versprach. Der Sturm legte sich. Am Himmel erschien ein heller Stern (Stella Maris), den Heinrich als Zeichen der Mutter Gottes deutete. Graf Heinrich von Rapperswil, Nachzeichnung eines verlorenen Wandbilds des 17. Jahrhunderts im Kreuzgang des Klosters Wettingen. (Zentralbibliothek Zürich) Wieder zu Hause, dauerte es einige Zeit, bis er auf der Limmathalbinsel den Platz für "sein" Kloster gefunden hatte. Nach dem Kauf der Liegenschaft von den Herren von Dillingen, der Zustimmung des zisterziensischen Generalkapitels und des Bischofs von Konstanz, erfolgte die Gründung. Wie üblich wurde ein Mutterkloster gesucht, welches einige Mönche ins neue Kloster sandte. So kamen die ersten zwölf Mönche aus dem Kloster Salem bei Überlingen nach Wettingen. Sie begannen mit dem Bau der Klosteranlage. Leben im Kloster Der Zisterzienserorden entstand 1098 aus dem Benediktinerorden heraus. Einige Mönche waren unzufrieden mit der Entwicklung des benediktinischen Ordens. Die benediktinischen Regeln, die Leitidee "ora et labora", waren dem Reichtum gewichen. Zuerst in Molesme, dann in Cîteaux fanden viele zurück zum Ursprung des monastischen Lebens. Anfang des 12. Jahrhunderts begann mit dem Eintritt von Bernhard von Clairvaux der Aufschwung der Zisterzienser. Neben den Mönchen, die sich vor allem dem Gebet und der Kontemplation hingaben, entstand die Institution der Konversen, auch Laienbrüder genannt. Diese waren für die harte körperliche Arbeit auf den Feldern, in den Gärten und im Kloster zuständig. Die Wettinger Mönchsgemeinschaft teilte sich ebenfalls in diese beiden Gruppen auf. Oft waren die Mönche auch geweihte Priester und für die Gottesdienste in den umliegenden Dörfern zuständig. Die Landwirtschaft war ein wichtiges Element im Kloster. Auf der Klosterhalbinsel Wettingen gab es neben einem Gemüsegarten und einem Kräutergarten auch Rebstöcke. Der Abt liess sich um sein Abthaus herum einen kleinen Privatgarten bauen. Für die Kontemplation traf man sich im ruhigen Kreuzganggarten. Heute sind diese Gärten teilweise rekonstruiert und können besucht werden. Schwierige Zeiten im 16. Jahrhundert Nachdem das Kloster 1507 einem verheerenden Brand fast vollständig zum Opfer fiel, war das klösterliche Leben durch die Reformation 1529 schon wieder in Gefahr. Die meisten Mönche traten zum neuen Glauben über und heirateten. Bis sie jedoch finanziell selbständig sein konnten, lebten sie weiterhin im Kloster. Ein monastisches Leben in Stille und im Glauben war nicht mehr möglich. Kaum hatten die katholischen Mönche "ihr" Kloster zurück, wurden sie von einer weiteren Pestwelle erfasst. Blütezeit unter Abt Peter Schmid Peter Schmid wurde 1594 zum Abt des Klosters Wettingen gewählt. Er trat an, um dem Kloster wieder zur Blüte zu verhelfen. Viele neue Gebäude entstanden. Er setzte aber auch neue Regeln auf, um das klösterliche Leben wieder in die Gemeinschaft zu bringen. Eine gute Ausbildung der Mönche war für ihn sehr wichtig. Für die Einnahmen sorgten nach 1651 die beiden römischen Katakombenheiligen Getulius und Marianus. Dieser Kauf brachte Pilger nach Wettingen und mit ihnen auch Spenden in Form von Geld. Das Kloster Wettingen um 1710. (Kantonale Denkmalpflege) Revolution und Klosterauflösung Mit dem Beginn der Revolution 1789 in Frankreich stand allen Menschen in Europa eine neue Epoche bevor. "Egalité, Fraternité, Liberté" hiess die Losung. Alle Menschen sollten die gleichen Rechte und Pflichten haben. Die Ständeordnung des Mittelalters fiel in sich zusammen. Das Kloster Wettingen lag mitten im Kriegsgebiet und musste zahlreiche Offiziere aller Kriegsparteien (Franzosen, Österreicher, Russen) bei sich einquartieren. Viel einschneidender war aber die Skepsis der Revolutionäre der Religion gegenüber. Diese Skepsis erhielt im 19. Jahrhundert auch im jungen Kanton Aargau grosse Zustimmung. Die Existenz der grossen und reichen Klöster war vielen ein Dorn im Auge. 1841 wurde im Grossrat in Aarau die Auflösung der aargauischen Klöster beschlossen. Die Wettinger Mönche hatten 48 Stunden Zeit, um ihr Heim zu verlassen. 13 Jahre dauerte es, bis die Wettinger Zisterzienser in Mehrerau bei Bregenz in Österreich eine neue Heimat finden konnten. Sie leben bis heute dort. Klosterhalbinsel in der Moderne Die Klostergebäude wurden anschliessend für ein Lehrerseminar genutzt. Der grösste Verfechter der Klosterauflösungen, Augustin Keller, wurde Rektor der Schule. Er zog in die Abtwohnung ein und führte das Lehrerseminar genauso streng getaktet, wie früher das Klosterleben gewesen war. 1976 wurde die Kantonsschule Wettingen gegründet, welche seither in den ehemaligen Klosterräumlichkeiten zu Hause ist. Über 1100 Schülerinnen und Schüler besuchen hier entweder das Gymnasium oder die Fachmittelschule. Das Aargauische Lehrerseminar Wettingen 1864. (Staatsarchiv Aargau) Industriekultur Der Kanton verkaufte grosse Flächen und Gebäude der Halbinsel an Geschäftspersonen. Johann Wild gründete eine sehr erfolgreiche Baumwollspinnerei an der Limmat, deren markantes Gebäude heute als Kultur- und Gewerbehaus genutzt wird. Ehemalige Arbeiterhäuser sind heute noch bewohnt. Kulturerbe Neben der reich ausgestatteten Kirche sticht vor allem der Kreuzgang mit seinem Figuren- und Wappenscheiben hervor. Diese Glasmalereien wurden von herausragenden Handwerkern in Europa geschaffen. Sie kamen meist als Schenkung ins Kloster Wettingen. Museum Aargau Seit 1. April 2022 betreibt Museum Aargau im Aussenbereich und in ausgewählten Innenräumen ein Museum . Mit dem Projekt "Schule macht Museum" beschreitet das Museum zudem neue Wege: Idee, Inhalte und Gestaltung der Ausstellung im Parlatorium wurden von Museum Aargau mit Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule erarbeitet. Im Zentrum des Parlatoriums steht ein Archiv mit hunderten von Fragen: Wann weiss man genug? Wann endet die Welt? Oder: Was wäre, wenn alle Menschen ehrlich wären? Besucherinnen und Besucher wählen eine Frage aus und unternehmen damit eine Entdeckungsreise durch das Parlatorium: im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern, beim Spiel, oder in Form von interaktiven Text-, Bild- und Filminstallationen. Luftaufnahme der Klosterhalbinsel Wettingen von 1964. (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_F64-02602 / CC BY-SA 4.0) Weiterführende Literatur Meng, Heinrich: 750 Jahre Kloster Wettingen 1227-1977: Festschrift zum Klosterjubiläum, 1977. Hoegger, Peter: Das ehemalige Zisterzienserkloster Wettingen, Kanton Aargau, GSK Band 604/605, Bern 1997. Hoegger, Peter: Glasmalereien im Kanton Aargau, Kloster Wettingen, 2002. Kottmann A., Hämmerle M.: Die Zisterzienserabtei Wettingen, 1996. Zeitstrahl Klosterkirche Kloster & Nebengebäude Löwenscheune Spinnerei

 
Klosterhalbinsel Wettingen

Klosterpark und Gärten

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Museum Aargau

Quiz: Wie gut kennt ihr die Zeichensprache der Mönche?

Zurück zum Blog 06. Mai 2022 Kategorien Klosterleben Quiz & Spiele Wie gut könnt ihr die Zeichensprache der Mönche verstehen? Testet euch in diesem Quiz! Für die Zisterziensermönche, die damals auf der Klosterhalbinsel Wettingen lebten, war das Schweigegelübde ein wichtiger Bestandteil ihres Klosterlebens. Damit folgen sie der Regel des Heiligen Benedikts. Dieses Schweigen führte zur Bildung einer "eigenen" monastischen Gebärdensprache. Quiz: Wie gut kennt ihr die Zeichensprache der Mönche? Für die Zisterziensermönche, die damals auf der Klosterhalbinsel Wettingen lebten, war das Schweigegelübde ein wichtiger Bestandteil ihres Klosterlebens. :church: Wie gut könnt ihr die Zeichensprache der Mönche verstehen? Testet euch in diesem Quiz!:ok_hand: Was sagt der Mönch? Was sagt der Mönch? Was sagt der Mönch? Was sagt der Mönch? Ihr braucht noch Übung! Ihr seid noch nicht ganz bereit, mit einem Zisterziensermönch ein theologisches Gespräch in Gebärdensprache zu führen. Unser Tipp: Wenn ihr auf euren nächsten Besuch auf der Klosterhalbinsel Wettingen einen Mönch trefft, könnt ihr euch mit ihm die Zeichensprache üben! :point_right: Erfahrt mehr über der Zeichensprache der Mönche (Video). Lust auf monatliche News und Verlosungen? Weltklasse! Ihr versteht die alte Gebärdensprache der Mönche wie ein echter Zisterzienser bzw. eine echte Zisterzienserin! Habt ihr schon in einem Kloster gelebt? Wenn ihr auf euren nächsten Besuch auf der Klosterhalbinsel Wettingen einen Mönch trefft, könnt ihr euch mit ihm problemlos in Zeichensprache unterhalten. :point_right: Erfahrt mehr über der Zeichensprache der Mönche (Video). Lust auf monatliche News und Verlosungen? Weitere Blogbeiträge 23. Mai 2022 Schweigend Sprechen: die Zeichensprache der Mönche Um im Klosteralltag die Stille zu wahren, verwendeten Mönchsorden wie die Zisterziensier eine monastische Gebärdensprache. 23. August 2022 Heilkunde im Kloster Seit jeher befassen sich Klöster mit Heilkunde, da die Fürsorge für die Armen und Kranken tief in ihrer Tradition verankert ist. Auch beim… 14. August 2023 Wie kommt die Meerjungfrau ins Kloster Wettingen? Auf der Klosterhalbinsel Wettingen findet sich an Gebäuden, in Gemälden und im Wappen des Klosters selbst eine Meerjungfrau mit zwei… Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Klosterleben Quiz & Spiele Kommentare

 
Legionärspfad Vindonissa

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Museum Aargau

Führungen und Aktivprogramme für Schulen

Museum Aargau bietet für Schulen unvergessliche Führungen und Workshops. Erlebt das Mittelalter, die römische Antike und weitere Epochen am Originalschauplatz! Ob eine römische Übernachtung in der Legionärsunterkunft, Schwertkämpfe wie im Mittelalter oder ein Workshop im Schlossgarten: Die Schlösser, Klöster und Vindonissa von Museum Aargau ermöglichen Schulklassen lehrreiche Erlebnisse. Die Geschichtsvermittlung ist erlebnis- und handlungsorientiert und spricht verschiedene Sinne an. Kontakt Beratung & Verkauf +41(0)848 871 200 E-Mail senden Telefonische Erreichbarkeit: Dienstag bis Freitag 9-12 Uhr / 13-16:30 Uhr November bis März nur vormittags Informationen für Lehrpersonen Preise und Reduktionen für Schulen Museum Aargau bietet vergünstigte Eintrittspreise für Schulen (Informationen dazu finden Sie bei den jeweiligen Museen ) Aargauer Schulen erhalten 50% Ermässigung auf Anreise, Eintritt und Vermittlungsangebot ( Impulskredit "Kultur macht Schule" ). Die Buchung des Angebots läuft direkt über Museum Aargau. Informationen zur Vorbereitung Ihres Besuchs Alle Angebote auf einen Blick Printbroschüre “Angebote für Schulen” (pdf) Alle Infos zu Ihrem Besuch Schloss Lenzburg (pdf) Schloss Hallwyl (pdf) Schloss Habsburg (pdf) Schloss Wildegg (pdf) Klosterhalbinsel Wettingen (pdf) Kloster Königsfelden (pdf) Legionärspfad Vindonissa: Spiel-Touren (pdf) Legionärspfad Vindonissa: Römische Übernachtung (pdf) Vindonissa Museum (pdf) SCHULANGEBOTE SCHLÖSSER Schloss Lenzburg Mittelalter und Frühe Neuzeit Schloss Wildegg Mittelalter und Frühe Neuzeit Schloss Hallwyl Mittelalter und Frühe Neuzeit Schloss Habsburg Mittelalter und Geschichte der Habsburger SCHULANGEBOTE VINDONISSA Legionärspfad Vindonissa Leben in der Legion vor 2000 Jahren Vindonissa Museum Archäologische Entdeckungstouren SCHULANGEBOTE KLÖSTER Klosterhalbinsel Wettingen Klosterleben und die Themen Glaube, Macht und Wissen Kloster Königsfelden Klosterleben im Mittelalter

 
Kloster Königsfelden

Zeitstrahl

Bau- und Restaurationsgeschichte Kloster- und Nutzungsgeschichte Bau- und Restaurationsgeschichte Ein Kloster zum Totengedenken Königin Elisabeth stiftete mit ihren Söhnen das Doppelkloster Königsfelden zur Erinnerung an ihren ermordeten Gatten, König Albrecht von Habsburg. Unmittelbar nach dem Mord 1308 hatte Elisabeth am Tatort eine Kapelle errichten lassen. Im Herbst 1310 begannen die Bauarbeiten für die Kirche und das Kloster. Im Zentrum der Anlage sollte sich die Klosterkirche erheben als turmloses, dreischiffiges Langhaus im Stil der Bettelordensarchitektur. Die Bauarbeiten schritten zügig voran – in ein, zwei Jahren war das Kirchenschiff fertig; der Dachstuhl des Mittelschiffs datiert von 1314. Die Fenster erhielten Scheiben mit Ornamenten. Im östlichen Mittelschiff befindet sich seit 1316 die habsburgische Grablege. Über der Gruft steht ein Kenotaph – ein Scheingrab – aus schwarzem und weissem Marmor. Der Chor mit dem Hochaltar und drei weiteren Altären erhielt 1330 die Weihe. Zu diesem Zeitpunkt waren erst die drei zentralen Christus-Fenster eingesetzt; die übrigen Fenster dürften blank verglast oder gar nur provisorisch verschlossen gewesen sein. Die Klosterbauten stammen von 1313. Südlich der Kirche standen die Gebäude für die Klarissen, nördlich diejenigen der Franziskaner. Mehr Weniger 1310-1330 Vollendung des Bildprogramms in den Glasfenstern Um 1340 liess Königin Agnes den Chor mit den beiden Märtyrer-Fenstern sowie den beiden Apostel-Fenstern ausstatten. Zuunterst in den Fenstern waren die Wohltäter des Klosters dargestellt. Das Bild von Agnes und ihrem Gatten ging verloren. Obwohl die Chorfenster ein planmässiges Bildprogramm präsentieren, entstanden sie in Etappen. Nach 1340 folgten die vier Heiligenfenster des Chors. Die Glaskünstler stammten wohl vorwiegend aus dem oberrheinischen Raum um Basel. Die figürlichen Fenster in den Seitenschiffen bestellte Agnes nach dem Tod ihres Bruders und Vormunds Albrecht II. im Jahr 1358. Von den ursprünglich 14 Darstellungen habsburgischer Familienmitglieder sind nur noch zwei erhalten. Mehr Weniger 1340-1360 Bernische Hofmeisterei Unter der Berner Herrschaft ab 1415 blieben Habsburgische Stiftungen aus und im Baubestand änderte sich nur wenig. 1508 liess Bern das Kircheninnere erstmals renovieren. Die Glasscheibe mit der Darstellung Evas stammt aus dieser Zeit. Nach der Reformation von 1528 benutzte Bern die Kirche als Magazin. Das Grabmal blieb bestehen und das Kenotaph erhielt vor 1555 eine Schranke, auf der die Namen der Bestatteten verzeichnet sind. Das ehemalige Frauenkloster beherbergte nun ein "Toubhüsli", einen Verwahrungsort für psychisch Kranke. Um 1600 liess Bern die Hofmeisterei westlich des Frauenklosters mit Schneggenturm, Wappentafel und Renaissanceportal ausbauen. Die Hofmeisterei bildete mit Scheunen und Stallungen ein Geviert um den noch erhaltenen achteckigen Brunnen. Mehr Weniger 15.-17. Jh. Die Kirche als Kornhaus und Spital 1777 baute Bern die Kirche zum Kornhaus um und liess dafür Zwischenböden ins Kirchenschiff ziehen. Zuvor überführten die Habsburger die Gebeine aus der Familiengruft ins Kloster Sankt Blasien im Schwarzwald. Im Chor der Kirche war jetzt ein Spital untergebracht, in den Klostergebäuden ein Armenasyl. Die Klosterbauten dienten dem 1803 gegründeten Kanton Aargau als Heilanstalt. Der Kanton erkannte die Bedeutung der Glasmalereien und begann ab den 1830er Jahren, die grössten Schäden an den Scheiben zu reparieren. In den 1860er-Jahren beschloss die Regierung, ein neues Spitalgebäude zu bauen, das 1872 eröffnete. Das Männerkloster liess sie bis auf das Archivgewölbe abbrechen. Ab 1891 befreite der Kanton Aargau das Kirchenschiff von den Einbauten. 1896-1900 restaurierte der Glasmaler Richard A. Nüscheler die Chorfenster mit dem Ziel, die Scheiben wieder vollständig herzustellen. Mehr Weniger 18./19. Jh. Jüngste Restaurationen Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Glasfenster ausgebaut und zunächst im Luftschutzkeller der psychiatrischen Klinik in Sicherheit gebracht. Als sich die Kriegslage 1944 verschärfte, evakuierte man die Scheiben in einen Felsenkeller von Schloss Lenzburg. Beim Wiedereinbau 1947 erhielten die Scheiben eine Schutzverglasung. 1983 wurde der ursprüngliche Lettner von 1312 rekonstruiert – die Schranke zwischen Kirchenschiff und Chor. 1987 bis 2002 restaurierten Fritz Dold und Urs Wohlgemuth die Chorfenster und versahen sie mit einer neuen Schutzverglasung. Abgase aus dem Strassenverkehr hatten ihnen zugesetzt. 2019 erhielt die Westfassade der Klosterkirche eine Restauration. 2023 bis 2025 fanden weitere Restaurierungsarbeiten statt. Mehr Weniger 20./21. Jh. Kloster- und Nutzungsgeschichte Königsmord und Klostergründung Der römisch-deutsche König Albrecht I. von Habsburg wurde am 1. Mai 1308 auf dem Feld bei Windisch ermordet – von seinem eigenen Neffen, Herzog Johann. Der fühlte sich von seinem Onkel ums Erbe betrogen. Der Mord erschütterte das Haus Habsburg, verlor die Familie mit dem Fall Albrechts doch auch die Reichskrone. Zum Gedenken an den Ermordeten liess die Königswitwe, Elisabeth von Görz-Tirol, am Tatort eine Kapelle mit einem Haus für zwei Franziskaner errichten. 1310 veranlasste Elisabeth zusammen mit ihren Kindern den Bau eines Doppelklosters für Klarissen und Franziskaner. Zur Erinnerung an König Albrecht erhielt es den Namen Königsfelden. Die Familie stattete das Kloster reich mit Besitz und Einkünften aus. Nonnen und Mönche sollten fürs Seelenheil des Ermordeten und seiner Angehörigen beten. 1312 zogen die ersten sechs Nonnen im Kloster ein. Königin Elisabeth verstarb ein Jahr darauf in Wien, bevor das Kloster fertig gebaut war. Sechs Franziskaner waren für die Messe und die Seelsorge des wachsenden Frauenklosters zuständig. Mehr Weniger 1308-1313 Königin Agnes Agnes, Tochter des ermordeten Albrechts, bestimmte für die nächsten 50 Jahre die Geschicke des Klosters. Sie hatte ihren Gatten, König Andreas III. von Ungarn, früh verloren und kam 1316 als Witwe nach Königsfelden Agnes bestattete die Gebeine ihrer Mutter Elisabeth in der Klosterkirche. In der Gruft wurden zehn weitere Habsburger bestattet, auch Agnes selbst. Albrechts Leichnam hingegen gelangte nach Speyer, wo die Könige im Dom ihre Grablege hatten. 1317 liess sich Agnes in Königsfelden nieder, ohne ins Kloster einzutreten. Sie bezog ein Haus südlich neben der Kirche. Als einzige Frau hatte sie Zugang zum Chor – durch eine eigene Pforte. 1320 weihte der Bischof von Strassburg die Kirche. Als 1330 auch der Chor stand, weihte der Konstanzer Bischof die Kirche Maria und allen Heiligen. Dank Stiftungen von Agnes und ihren Geschwistern verdoppelte sich 1337 der Franziskanerkonvent auf zwölf Mönche. Die Zahl der Nonnen setzte Agnes auf vierzig fest. Sie stammten mehrheitlich aus dem Hochadel und brachten grosses Vermögen ins Kloster. Agnes prägte die Organisation des Klosters bis zu ihrem Tod mit 83 Jahren. Sie stattete das Kloster mit zahlreichen Schenkungen aus und trat als Vermittlerin bei politischen Konflikten in den habsburgischen Vorlanden auf. Mehr Weniger 1316-1364 Von Habsburg zu Bern Mit Agnes‘ Tod endete die direkte Verbindung des Klosters zur Stifterfamilie. Ab 1364 vertrat ein Hofmeister das Frauenkloster in weltlichen Angelegenheiten. Macht und Reichtum des Klosters schwanden. In der Schlacht bei Sempach 1386 verlor das Ritterheer Herzog Leopolds III. von Habsburg gegen die Eidgenossen. Der Herzog und 26 seiner Ritter wurden in der Klosterkirche begraben. Das Totengedenken umfasste neben der Stifterfamilie nun auch die Parteigänger Habsburgs. Mit der Eroberung des Aargaus geriet das Kloster Königsfelden 1415 unter Berner Herrschaft. Nun verwaltete ein Berner Hofmeister das Kloster und seinen Besitz, das Eigenamt. Einige Hofmeister liessen sich in der Klosterkirche begraben. Mehr Weniger 1364-1415 Säkularisierung In der Reformation von 1528 hob Bern das Kloster auf. Damals lebten noch etwa sechs Nonnen in Königsfelden unter der Äbtissin Katharina von Waldburg. Habsburg versuchte vergeblich, das Totengedenken aufrechtzuerhalten. Schon ab 1523 wollten viele der etwa dreissig Nonnen aus dem Kloster austreten, um gemäss der reformierten Lehre ein gottgefälliges Leben in der Welt zu führen. Ab 1524 gestattete ihnen der Berner Rat den Austritt. Da das Vermögen der Frauen dem Kloster gehörte, gewährte Bern ihnen ein Darlehen. Im Gegenzug schmolz Bern einen Teil des Klosterschatzes zu Münzen ein. Drei Hauptwerke aus dem Klosterschatz befinden sich heute im Historischen Museum Bern. Mehr Weniger 1528 Psychiatrische Klinik und Kunstdenkmal 1803 ging das Kloster Königsfelden in den Besitz des neu gegründeten Kantons Aargau über. Dieser nutzte die alten Klosterbauten als Heil- und Pflegeanstalt. 1872 öffnete der Neubau ausserhalb der einstigen Klostermauern; die heutige psychiatrische Klinik. Die Kantonsarchäologie sorgte dafür, dass die Kirche öffentlich zugänglich war. Seit 2009 gehört die Klosterkirche Königsfelden zum Museum Aargau. In der Kirche finden Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Mehr Weniger 1803-heute Weiterführende Literatur Kurmann-Schwarz, Brigitte: Die mittelalterlichen Glasmalereien der ehemaligen Klosterkirche Königsfelden, Bern 2008. Kurmann-Schwarz, Brigitte und Rauschert, Jeannette: Das Kloster Königsfelden, Schweizerische Kunstführer GSK, Bern 2011. Simon Teuscher, Claudia Moddelmog (Hg.): Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik, Baden 2012.

 
Schloss Habsburg

Geschichte

Die Sage erzählt, ein entflogener Jagdvogel habe Graf Radbot den Platz für seine Burg gezeigt: Er errichtete auf dem Wülpelsberg über der Aare seine "Habichtsburg". Gesichert ist, die früheren Habsburger verwalteten von ihrer Rodungsburg aus ihre Grundherrschaft, das spätere Eigenamt, ein Gebiet zwischen Aare, Reuss und Limmat. Was als befestigter Bauernhof begann, bauten die Habsburger schon bald zur monumentalen Doppelburg aus. Eine der grössten Burgen nördlich der Alpen Nach 1200 war die Habsburg vollendet. Vordere wie Hintere Burg verfügten über je einen Wohnbau, überragt von flankierenden Türmen. Wenig später verliess das Gründergeschlecht die Burg. Für die frühen Habsburger war die Burg nur ein Sitz unter mehreren: Mittelalterliche Herrscher ritten stets durch ihre Ländereien, um ihre Macht auszuüben. Seit dem 12. Jahrhundert finden sich Habsburger im Gefolge der Könige des römisch-deutschen Reichs. Ihre Burg hatten sie an Dienstleute verliehen. Die Habsburger Königsdynastie Rudolf I. bestieg 1273 als erster Habsburger den Thron des römisch-deutschen Reiches. Mit ihm verlagerte sich das habsburgische Machtzentrum nach Österreich. Durch kluge Heiratspolitik erlangten die Habsburger die Krone von Spanien, Böhmen und Ungarn. Im 16. Jahrhundert besass Karl V. ein Reich, in dem die Sonne nie unterging. Dem römisch-deutschen Reich waren bis zu seinem Ende im Jahr 1806 zwanzig Habsburger vorgestanden. Die Dynastie herrschte noch bis 1918 als Kaiser über Österreich-Ungarn. Die Familie von Habsburg besteht bis heute. Zerfall und Erforschung der Burg 1415 verlor Habsburg den Aargau – ausser dem Fricktal – an die Eidgenossenschaft. Die Vordere Burg war schon im Lauf des 13. Jahrhunderts zerfallen. Bern richtete auf dem Wülpelsberg eine Hochwacht ein, um bei Gefahr seine Truppen zu mobilisieren. Ein Hofmeister verwaltete die Burg vom Kloster Königsfelden aus. Seit 1804 ist die Habsburg im Besitz des Kantons Aargau. Er führte in der Vorderen und in der Hinteren Burg archäologische Grabungen durch. Schloss Habsburg gehört seit 2009 zu Museum Aargau. Weiterführende Literatur Frey, Peter et al.: Die Habsburg. Schweizerische Kunstführer GSK, Bern 1998. Frey, Peter: Die Habsburg. Bericht über die Ausgrabungen von 1994/95, in: Argovia Bd. 109, Aarau 1997, S. 123-176. Frey, Peter: Die Habsburg im Aargau. Bericht über die Ausgrabungen von 1978-1983, in: Argovia Bd. 98, Aarau 1986, S. 23-116. Meier, Bruno: Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter, Baden 2008. Siehe auch Zeitstrahl Ausstellungen & Rundgänge Kontakt

 
Kloster Königsfelden

Geschichte

Königin Elisabeth gründete 1309 das Kloster Königsfelden, nachdem ihr Mann, König Albrecht von Habsburg, an dieser Stelle ermordet worden war – von seinem eigenen Neffen, der sich um sein Erbe betrogen fühlte. Da der sterbende König seine Sünden keinem Priester beichten konnte, drohte ihm Sühne im Fegefeuer. Dem sollten die Gebete der Klostergemeinschaft entgegenwirken. Elisabeth umgab die Bettelordenskirche mit einem Kloster für Klarissen im Süden und einem für Franziskaner im Norden. Im Zentrum des Kirchenschiffs befindet sich die Gruft. Dort setzte Elisabeths Tochter Agnes 1316 die Gebeine ihrer Mutter bei. Albrecht selbst ist im Dom von Speyer bestattet. Königin Agnes von Ungarn Agnes wohnte bis zu ihrem Tod 1364 auf dem Klostergelände und leitete die Geschicke der Gemeinschaft, ohne selbst ins Kloster einzutreten. Sie und ihre Brüder statteten das Kloster mit Gütern und Einkünften aus. Agnes sorgte dafür, dass der Chor Fenster mit einem ausgeklügelten Bildprogramm erhielt: Sie zeigen das Leben und Sterben Christi, umgeben von den Aposteln sowie den Ordensgründern Franziskus und Klara. Die habsburgischen Stifter liessen sich zuunterst in den Scheiben verewigen. Die farbigen Glasfenster entstanden zwischen 1330 und 1350 und zählen zu den herausragenden Kunstwerken des europäischen Mittelalters. Von Habsburg zu Bern Nach der Schlacht bei Sempach 1386 weitete Königsfelden das Totengedenken aus auf die Ritter aus dem Heer Herzog Leopolds III. von Habsburg. Die Gefallenen sind auf Wandmalereien im Archivgewölbe dargestellt sowie auf einer Tafel im Kirchenschiff aus dem 17. Jahrhundert. 1415 entrissen die Eidgenossen Habsburg den Aargau. Fortan verwaltete ein Hofmeister aus Bern das Eigenamt und führte den Gutshof des Klosters. Er wohnte in der Hofmeisterei westlich der Kirche. Einige Berner liessen sich wie ihre habsburgischen Vorgänger in der Kirche begraben. Eine Wappentafel aus dem 17. Jahrhundert erinnert an sie. Aufhebung des Klosters 1528 rief Bern die Reformation aus; die letzten Geistlichen verliessen das Kloster. Viele Nonnen waren schon in den Jahren zuvor ausgetreten. Damit endete das Gedenken an die verstorbenen Habsburger. Die Familie überführte die Gebeine 1770 ins Kloster Sankt Blasien im Schwarzwald. Danach verwendete Bern das Kirchenschiff als Kornhaus und die Klostergebäude als Asyl für Arme und Kranke. Psychiatrische Klinik und Kunstdenkmal 1803 ging das Kloster Königsfelden in den Besitz des neu gegründeten Kantons Aargau über. Dieser nutzte die alten Klosterbauten als Heil- und Pflegeanstalt. Das Männerkloster liess er bis auf das Archivgewölbe abbrechen. 1872 eröffnete ein neues Spitalgebäude ausserhalb der einstigen Klostermauern, die heutige psychiatrische Klinik. Im Lauf des 19. Jahrhunderts erkannten Fachkreise die Bedeutung der Glasfenster. Die erste umfassende Restaurierung versuchte, die Scheiben wieder vollständig herzustellen. 2002 endete die jüngste Restauration. Weiterführende Literatur Kurmann-Schwarz, Brigitte: Die mittelalterlichen Glasmalereien der ehemaligen Klosterkirche Königsfelden, Bern 2008. Kurmann-Schwarz, Brigitte und Rauschert, Jeannette: Das Kloster Königsfelden, Schweizerische Kunstführer GSK, Bern 2011. Simon Teuscher, Claudia Moddelmog (Hg.): Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik, Baden 2012.

 
Klosterhalbinsel Wettingen

Event

Gradian

Museum Aargau

Geschichte am Schauplatz erleben

Museum Aargau gehört zu den grössten historischen Museen der Schweiz. Erleben Sie vier Schlösser, zwei Klöster, Vindonissa, die Sammlung und die IndustriekulTOUR Aabach.