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Frauen im Legionslager?

Zurück zum Blog 07. Juni 2023 Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Wer das Wort "Legionslager" hört, denkt als erstes unweigerlich an eine von Männern geprägte Domäne. Aber auch Frauen haben ihre Spuren in Vindonissa hinterlassen. Was für Frauen waren das und wie sah ihr Leben in und um das Legionslager Vindonissa aus? Die Anwesenheit von Frauen in Legionslagern war lange Zeit umstritten. Grund dafür war, dass es nach römischem Gesetz den Legionären nicht gestattet war, während ihrer Amtszeit eine Ehe einzugehen. Tatsächlich war das von Kaiser Augustus verfasste Gesetz mitunter so streng, dass es selbst höheren Offizieren wie den Lagerkommandanten verboten war, ihre Frauen ins Legionslager mit zu bringen. Das Gesetz wurde von den meisten Legionären umgangen. Fast alle lebten in einer eheähnlichen Verbindung, dem Konkubinat, mit einer Frau. Eine Vielzahl an archäologischen Funden, ebenso wie schriftliche Quellen berichten von zahlreichen Frauen, die sich in und um das Legionslager aufgehalten haben. Die Schreibtäfelchen von Vindonissa erzählen beispielsweise von einer „Wirtin in Hausnummer 12“, einer „Belica gegenüber dem Bade“, einer „Vindoinsa“ oder einer „Secundina“. Ein ähnliches Bild vermittelt auch ein Schreibtäfelchen aus Vindolanda, einem Hilfstruppenkastell am Hadrianswall in England. Die Korrespondenz zweier Ehefrauen von höheren Offizieren die sich offensichtlich in den Kastellen aufgehalten haben ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Anwesenheit von Frauen in römischen Militärstrukturen nichts Ungewöhnliches war. Centurionengattin Helvia mit Krug Schreibtäfelchen, Frauenkleidung und andere archäologische Funde Des Weiteren sprechen auch zahlreiche Fundstücke aus dem Schutthügel von Vindonissa – wo auch die Schreibtäfelchen gefunden wurden – ein deutliches Bild. Es handelt sich dabei um Objekte, die Frauen zwar nicht direkt benennen, aber eindeutig mit ihnen in Verbindung gebracht werden können: Lederschuhe, Spindeln, Haarnadeln und Haarnetze. Bei den Lederschuhen legen besonders die Form (Zehensandalen) und die Grösse nahe, dass es sich dabei um Frauen- und Kinderschuhe handelt. Sie sind ein deutlicher Hinweis auf die Anwesenheit von Frauen und auch Kindern im Legionslager. Ebenfalls mit Frauen in Verbindung gebracht werden Funde, die zu einem typischen Frauenhandwerk gehören, dem Textilhandwerk: Spindeln, Rocken, Woll- oder Webkämme sowie Nähnadeln aus Holz oder Knochen. Zu beachten ist dabei besonders, dass der Abfall aus dem Schutthügel nicht etwa von der Zivilsiedlung ausserhalb des Lagers stammte, sondern von den Bewohnern des Lagers selbst. Fibeln, die paarweise getragen wurden und sicher zur Frauenkleidung gehörten, sowie Haarnadeln, welche nur von Frauen getragen wurden, stammen aber nicht ausschliesslich vom Schutthügel, sondern wurden auch innerhalb des Lagers gefunden. Ein weiterer Hinweis auf die Anwesenheit von Frauen im Legionslager liefert ein Fund, der in seiner Art einzigartig ist. Im Haus eines Centurio, entlang der Aussenmauer, fand man Überreste von Neugeborenen, die dort bestattet worden war. Ausgräber gehen davon aus, dass es sich bei den Bestattungen um früh verstorbene oder totgeborene Kinder eines Centurio handelt, der zusammen mit seiner Frau im Legionslager gelebt hat. Centurionengattin Valeria mit Kochlöffel Was uns die Quellen über das Leben der Frauen im Legionslager berichten Doch wie sah das Leben der Frauen in und um ein Legionslager aus? Die Schreibtäfelchen erzählen von der Keltin Belica, die vermutlich als Schankwirtin in einer Taverne gearbeitet hat. Es ist sogar möglich, dass ihr das Gasthaus selber gehört hat. Belica ist nicht die einzige Wirtin, die in den Schreibtäfelchen von Vindonissa Erwähnung findet. Dass Römerinnen Gaststätten besassen ist nicht ungewöhnlich, diverse Quellen aus dem Römischen Reich sprechen dafür, dass die Frauen sowohl mit Ehemann als auch alleine einen Betrieb führen konnten. Oftmals herrschte in einer solchen Gaststätte auch Bordellbetrieb. Legionslager zogen natürlicherweise Prostituierte in grosser Zahl an. Die meisten Prostituierten waren Sklavinnen, die von ihren Besitzern zur Prostitution genötigt wurden und Freigelassene, die so ihren Lebensunterhalt verdienten. Freigeborene Römerinnen, die der Prostitution nachgingen, gab es aber auch: Materielle Not war in der Regel der Hauptgrund, als Prostituierte zu arbeiten. Obwohl die Prostitution in der römischen Kaiserzeit allgegenwärtig war, waren Prostituierte gesellschaftlich geächtet. Frauen aus niedrigeren Schichten lernten oft einen Beruf, arbeiteten als Hebamme, in Gastwirtschaften oder in Handwerksbetrieben und Textilmanufakturen. Es gibt sogar Hinweise dafür, dass eine Medizinerin mit griechischen Wurzeln in Vindonissa lebte. Ärztin Cornelia mit Schröpfkopf Die Rechte der Frauen in der Römerzeit Für Frauen aus höheren Schichten sah das Leben ganz anders aus. Sie lebten gemeinsam mit ihren Ehemännern oder Vätern innerhalb der Lagermauern und nahmen auch an den gesellschaftlichen Anlässen wie beispielsweise Gastmählern teil. Allerdings legten sie sich nicht zu den Männern dazu, sondern sassen auf einem Stuhl und zogen sich zu angemessener Zeit zurück. Beim an das Gastmahl anschliessenden Trinkgelage waren sie nicht dabei. Auch vom politischen Leben waren Frauen ausgeschlossen. Sie konnten weder wählen noch für ein politisches Amt gewählt werden. Das gebären und erziehen von Kindern war die Hauptaufgabe und der grösste Wert einer Frau in der römischen Gesellschaft. Zudem waren ausgewählte priesterliche Funktionen auch möglich. Politisch Einfluss nehmen konnten die Frauen nur indirekt über ihre Männer. Mädchen wurden häufig schon mit 12 Jahren verheiratet und waren dabei oftmals Spielball der politischen Interessen der Familie. Die Meinung der Frau zur Hochzeit war dabei nicht gefragt. Dennoch hatten Römerinnen, im Vergleich zu Frauen aus anderen antiken Kulturen, relativ viele Rechte. Sie durften, wie bereits erwähnt, an Gastmählern teilnehmen und auch selber als Gastgeberin auftreten, das Theater oder Amphitheater besuchen und sich sogar jederzeit scheiden lassen. Dazu mussten sie lediglich eine Scheidungsformel aufsagen, um dann mit ihren Habseligkeiten das Haus des Mannes verlassen zu können. Gemeinsame Kinder blieben allerdings in der Obhut des Vaters. Anhand der diversen archäologischen Funde lässt sich das Leben der Frauen in und um das Legionslager von Vindonissa erahnen. Frauen aus verschiedensten Gesellschafts- und Kulturschichten haben ihre Spuren hinterlassen. Aus diesen lässt sich ein buntes und vielseitiges Bild ableiten, das einmal mehr zeigt, wie divers und vielschichtig die römische Gesellschaft auch in einem Legionslager war. Weitere Blogbeiträge 04. Oktober 2022 Quiz: Was wissen Sie über den Alltag der Legionäre? Waren Sie vielleicht im früheren Leben Legionär? Testen Sie in diesem Quiz Ihr Wissen über den Alltag der Legionäre im alten Rom. 16. September 2020 Unsittlich? Das Fahrrad als Symbol für die Emanzipation der Frau Woher kommt die Unterscheidung zwischen Frauen- und Männerräder und wieso war das frühe Fahrrad äusserst politisch? Antworten auf diese… 23. März 2022 Das (Fladen-)Brot des römischen Legionärs – Rezept für panis militaris Panis militaris gehörte zur alltäglichen Kost des miles gregarius, des einfachen römischen Soldaten. Der Legionär und passionierte Bäcker… Von Alisha Keller Von Alisha Keller Alisha Keller war 2023 Praktikantin in Vindonissa. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Kommentare

 
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Das Einhorn als christliches Symboltier im Mittelalter

Zurück zum Blog 21. Mai 2023 Kategorie Mittelalter Hat das Einhorn heute unterschiedlichste Bedeutungen, so war es im Mittelalter unter anderem ein christliches Symboltier. Wie das Lamm verkörperte es Jesus Christus und trat oftmals in religiösen Kontexten auf. Ein fester Bestandteil der frühchristlichen Literatur waren sogenannte Bestiarien . Dabei handelt es sich um Nachschlagewerke, die verschiedene Tiere auflisteten und beschrieben. Diese Beschreibungen beschränkten sich aber nicht auf nüchterne Fakten. Vielmehr wurden allen Tieren mittels Bibelzitaten symbolische Bedeutungen zugeschrieben. Die Eule galt zum Beispiel als ein Sinnbild für Menschen, die das Christentum ablehnten, da sie es vorzog im Dunkeln zu leben. Ein Gemälde mit einem Einhorn und der Jungfrau Maria in der Sonderausstellung «Einhorn – eine fabelhafte Geschichte» auf Schloss Lenzburg. ©Museum Aargau Diese – heute seltsam wirkende – Verbindung von Naturkunde und religiöser Symbolik war für antike und mittelalterliche Christen gang und gäbe. Sie kam aus dem Glauben zustande, dass alle Aspekte der Natur Ausdruck von Gottes Willen waren. Dabei wurde die Natur oft als das zweite Buch Gottes bezeichnet, das man ebenso lesen und interpretieren konnte wie die Bibel. Das Einhorn im Bestiarium Physiologus Schon Aristoteles hatte von einer pferdeartigen Kreatur mit einem einzelnen Horn berichtet, welches angeblich in Indien leben sollte. Dank solchen Erzählungen fand das Einhorn auch seinen Weg in den Physiologus , dem wohl bekanntesten Bestiarium der Spätantike und des Mittelalters. Nur die Bibel überflügelte den Physiologus an Popularität. Im Physiologus wird das Einhorn als kleines, dafür umso stärkeres Tier beschrieben. Tatsächlich soll es so wehrhaft gewesen sein, dass ihm kein Jäger Herr werden konnte. In Gegenwart einer Jungfrau sei es dagegen ganz zutraulich und zahm, weshalb es nur diese einfangen könnten. Illustrationen einer Einhorn-Jagd begleiten oft die Einträge zum Einhorn in den Bestiarien. Dabei wird meistens gezeigt, wie das von der Jungfrau bezauberte Einhorn von einem Jäger erlegt wird. Erlegung eines Einhorns aus dem Harley Bestiarium aus dem 13. Jahrhundert. (Wikimedia Commons) Christliche Symbolsprache: Einhorn, Jesus und Maria In seiner biblischen Auslegung steht das Einhorn als Sinnbild für Jesus. Seine kleine Gestalt sei Ausdruck für die Demut Christi. Seine Stärke solle die Stärke von Christus darstellen, der den Tod selbst besiegte. Aber am wichtigsten, das Einfangen des Einhorns durch eine Jungfrau wurde mit der Menschwerdung Christi gleichgesetzt. Dabei steht die Jungfrau für Maria, die nur wegen ihrer Jungfräulichkeit zur Mutter Gottes werden konnte. Das Einhorn fand, wie viele andere Tiere aus dem Physiologus, Eingang in die allgemeinbekannte Symbolsprache des Christentums. Es kam in christlicher Kunst und Literatur immer wieder als Platzhalter für Christus vor. Dabei erscheint es jedoch fast ausschliesslich zusammen mit Maria und nur selten allein. In Lobpreisungen Marias wird sie immer wieder als Zuflucht oder Fängerin des himmlischen Einhorns gepriesen. Dabei wird sie sogar als Einhornjägerin stilisiert, die mit ihrer Keuschheit das himmlische Einhorn einzufangen vermag. Erfurter Einhornaltar aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Während sich das Einhorn in den Schoss Marias schmiegt, sendet Gottvater von oben links das Jesuskind zu ihr herunter (hier mit rot hervorgehoben). ©Wikimedia Commons Die christlichen Bedeutungen der Tötung des Einhorns In den Bestiarien endete die Einhornjagd stets mit der Erlegung des Einhornes im Schoss der Jungfrau. Auch dieser Punkt wurde in christlichen Darstellungen immer wieder aufgegriffen. Die Tötung des Einhorns steht dabei für den Opfertod Christi. Wandteppich eines «Hortus conclusus» (Geschlossener Garten) von 1554 aus Basel. (Wikimedia Commons) In der obigen Darstellung erlegen Adam und Eva das Einhorn (hier mit gelb hervorgehoben). Da Jesus starb, um die von ihnen verursachte Erbsünde zu sühnen, treten sie hier als Töter des Einhornes auf. In anderen Bildern und Texten fiel die Rolle der Einhorntöter oft Juden zu. Viele Christen warfen ihnen in der Spätantike und dem Mittelalter die Schuld an Jesus Tod vor. Eine Haltung, die viel zur Judenfeindlichkeit des Mittelalters beitrug. Wieso das Einhorn aus dem Christentum verschwand Das Einhorn verschwand erst im Laufe der Gegenreformation im 16. Jh. aus dem christlichen Repertoire. Reformatoren wie Martin Luther und Huldrich Zwingli kritisierten den Gebrauch von Bildern in der katholischen Kirche. Um besser vor dieser Kritik gewappnet zu sein, arbeiteten die Katholiken klare Regeln aus, wie religiöse Bilder verwendet werden sollten und was sie darstellen durften. Im Zuge dieser Neuausrichtung verbot die Katholische Kirche unter anderem Bilder mit anzüglichen Darstellungen. Das Einhorn überstand diese Bereinigung nicht. Sein Horn wurde immer wieder als Symbol für ein männliches Glied gedeutet, was seiner Vorliebe für Jungrauen einen anzüglichen Unterton verlieh. So verschwand das Einhorn zunehmend aus der katholischen Symbolsprache. Seine anrüchigen Untertöne hätten der reformierten Kritik schlicht zu viel Angriffsfläche geboten. Weitere Blogbeiträge 26. September 2023 Das Einhorn – ein Wesen mit vielen Bedeutungen Das Einhorn trug im Lauf der Geschichte viele Bedeutungen. Heute ist es ein Symbol für Verschiedenes, darunter Weiblichkeit, Kindheit und… 26. April 2023 Quiz: Welches Fabelwesen sind Sie? Drache, Einhorn oder etwas anderes? Erfahren Sie, welches Fabelwesen am besten zu Ihnen passt! 12. Mai 2022 Die Falknerei im Mittelalter Die Falknerei war im Mittelalter ein beliebtes Hobby adeliger Männer. Aber war die Falknerei lediglich eine adelige Spielerei – oder eben… Von Andreas Mäder-Esteves Von Andreas Mäder-Esteves Andreas Mäder-Esteves ist Historiker und Praktikant im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Mittelalter Kommentare

 
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Christliche Geschichten als Comic verpackt: Glasmalereien in der Kirche Königsfelden

Zurück zum Blog 06. April 2023 Kategorie Klosterleben Die prächtigen Glasfenster der Klosterkirche Königsfelden beeindrucken seit dem 14. Jahrhundert. Die Glasmalereien erzählen die wichtigsten Geschichten der Bibel: Die Auferstehung von Jesus, welche beim Osterfest gefeiert wird, darf dabei nicht fehlen. Im Chor der Klosterkirche Königsfelden finden sich mittelalterliche Glasmalereien mit christlichen Geschichten aus der Bibel. Die drei wichtigsten Geschichten sind vorne in der Mitte: die Geburt von Jesus von Nazareth im Stall, die Folterung und Hinrichtung am Kreuz und die Auferstehung von den Toten. Sie sind die Basis des christlichen Glaubens. Ohne den Glauben an die Auferstehung von Jesus gäbe es vielleicht keine Christenheit. Diese Auferstehung wird an Ostern gefeiert. Es ist das wichtigste Fest für die Christen. Auferstehung von den Toten Der auferstandene Jesus sitzt auf seiner Grabplatte. Die erste Geschichte zeigt den von den Toten auferstandenen Jesus, der auf seiner Grabplatte sitzt. Mit der rechten Hand macht er das Friedenszeichen, mit seiner linken Hand hält er den goldenen Kreuzstab mit roter Fahne. Unter der Platte wie auch links und rechts davon schlafen die Soldaten, die das Grab bewachen sollten. Zwei Engel beten. Der Künstler zeigt hier nicht die Dramatik, die hinter dieser Geschichte steckt: ein Toter öffnet sein Grab und steigt lebendig daraus hervor! Nein, er stellt Jesus erhaben dar. Jesus wird hier endgültig göttlich. Denn nur ein Gott kann sich erheben über Leben und Tod. Jesus erscheint den Frauen Jesus tritt als Gärtner auf. In der zweiten Geschichte tritt Jesus als Gärtner auf. Dies wird durch die Schaufel symbolisiert. Seine Jüngerinnen wollten ihn im Grab besuchen und seinen Leichnam mit feinen Salben bedecken. Zuerst sehen sie nur einen Gärtner, bis Maria Magdalena Jesus erkennt und vor ihm niederkniet. Auch die anderen Frauen erkennen ihn jetzt. Was haben die Frauen wohl in diesem Moment gedacht? Vielleicht waren sie dabei, als Jesus Jahre vorher den Lazarus von den Toten auferweckt hat. Daher waren sie kurz überrascht, danach aber ruhig und gefasst. Ein neues Wunder war geschehen. Selig sind, die nicht sehen und trotzdem glauben Geschichte des ungläubigen Thomas Die Frauen erzählen das Wunder den Jüngern. Diese glauben erst, als sie Jesus selbst sehen. Dies sehen wir in der dritten Geschichte. Sie wird allgemein als "Geschichte des ungläubigen Thomas" erzählt. Während die meisten Jünger an das Wunder der Auferstehung glauben, sobald Jesus wahrhaftig vor ihnen steht, ist Thomas misstrauisch. So etwas sei doch gar nicht möglich. Er glaube das erst, wenn er die Wunden der Kreuzigung sehe, nein, wenn er sie berühren könne! Und so sehen wir im Glasfenster, wie Thomas sich von links zu Jesus streckt und ihm in die Seitenwunde langt. Dies überzeugt ihn und auch er glaubt nun an die Auferstehung von Jesus. Um die Ungeheuerlichkeit von Thomas Bitte abzubilden, lässt der Künstler die Figur von einem Glasfensterteil ins andere laufen. Christi Himmelfahrt Christi Himmelfahrt Die vierte Geschichte stammt aus dem Lukasevangelium und erzählt von der Himmelfahrt. Wir sehen Jesus in der Mitte, wie er in einer Mandorla (goldene Aura) zu den Wolken schwebt. Links und rechts zu sehen sind seine Jünger sowie links seine Mutter Maria, die ihn verabschieden. Dies geschieht laut Überlieferung in der Apostelgeschichte 40 Tage nach der Auferstehung von den Toten. Auch wenn im mittleren Fenster der Himmel mit Wolken symbolisiert ist, schwebt er keineswegs hoch in die Atmosphäre oder höher. Es findet eine Verwandlung statt, von einem physischen Zustand zu einem metaphysischen Zustand. Seine menschliche Natur wird nun endgültig göttlich. Der Geist von Pfingsten Der Geist von Pfingsten Nochmals 10 Tage später findet die fünfte Geschichte statt: Pfingsten. Die Jünger verbringen zusammen mit Jesus Mutter Maria in einem Raum den Tag, als plötzlich ein Brausen und Sausen durch den Raum geht. Rote Zungen schweben über der Gruppe, hier symbolisiert mit der weissen Taube des Heiligen Geistes. Die Jünger sind überrascht. Alle beginnen, in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Dies ist der Beginn der christlichen Mission. Der dreifaltige Gott, mit Vater, Sohn und heiligem Geist, senden die Jünger aus, um von den Wundern um Jesus von Nazareth zu berichten. Die Jünger machen sich auf, nach Syrien und in den Iran, Italien und Griechenland. Es gibt Berichte, dass Thomas gar bis nach Indien reiste. Warum gab es so viele Bilder mit der Geschichte von Jesus? Nicht viele Menschen im Mittelalter konnten lesen. Sie kannten jedoch die Geschichten um Jesus, weil in der Messe jeden Tag eine davon vorgelesen wurde. Sie waren auch als Fresken auf die Kirchenwände gemalt oder in den Glasfenstern dargestellt. Es entwickelte sich eine christliche Ikonografie, in welcher für die gleiche Geschichte immer eine ähnliche Darstellung genommen wurde – und das in der ganzen christlichen Welt. So erkennen Christen bis heute, um welche Geschichte es im jeweiligen Bild geht. Die Bilder erzählen nacheinander eine Geschichte. So wie Comics es auch tun. Die fehlenden Sprechblasen störten die mittelalterlichen Menschen nicht. Ihnen erschloss sich der Inhalt durch die Bilder selbst. Von Angela Dettling Von Angela Dettling Angela Dettling ist Leiterin Vermittlung von Museum Aargau. Die Historikerin kocht für ihr Leben gern Gerichte aus 2000 Jahren. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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5 Fragen zu den Klosterspielen Wettingen

Zurück zum Blog 31. Mai 2023 Kategorie Klosterleben Brigitta Luisa Merki, Choreographin Klosterspiele Wettingen, erzählt über den geschichtlichen Hintergrund der Inszenierung und woher sie ihre Inspiration nimmt. Die Klosterspiele Wettingen zelebrieren 2023 mit AVE MARIS STELLA ein poetisches Zusammenspiel von Tanz, Musik und Raum in der einmaligen Atmosphäre des Klosters. Wir haben der Choreografin Brigitta Luisa Merki 5 Fragen zu den Klosterspielen Wettingen gestellt. 1. Wie haben Sie in der Choreographie die Örtlichkeit der Klosterhalbinsel Wettingen eingebunden? Brigitta Luisa Merki: Ich konzentriere mich auf Innenräume, die mich durch ihre Atmosphäre inspirieren und für die ich tänzerische und musikalische Szenarien entwickelt habe. Wir bewegen uns sowohl in den kirchlichen Räumen – in der Marienkapelle, der Mönchs- und der Laienkirche – als auch in Räumen der Kantonsschule, in der ursprünglichen Sommerresidenz, in der Bibliothek. 2. Was ist der geschichtliche Hintergrund der Inszenierung? Brigitta Luisa Merki: Der geschichtliche Hintergrund widerspiegelt sich in den Räumlichkeiten selbst. Er findet in der Inszenierung in Form von Emotionen, Klängen und tänzerischen Bildern eine eigene Resonanz. Dabei spielt die Musik eine entscheidende Rolle. Wir bewegen uns unter anderem in der Klangwelt der Matthäuspassion von Bach, im Stabat Mater von Pergolesi und im gregorianischen Gesang. Die Klänge in diesen Räumen versetzen uns in eine andere Zeit und wirken doch so gegenwärtig auf uns ein. Die Schutzpatronin Stella Maris, die Mönche oder die Meerjungfrau treten in Erscheinung. Brigitta Luisa Merki ist Choreografin, Gründerin und Künstlerische Leiterin von Tanz & Kunst Königsfelden. Sie engagiert sich seit 40 Jahren für den Tanz im Aargau und schweizweit. (Bild: Alex Spichale) 3. Wie viel Zeit haben Sie in die Inszenierung investiert? Brigitta Luisa Merki: Ich bin seit mehr als einem Jahr mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die technische Planung sowie die Koordination von Tänzerinnen und Tänzern sowie Musikerinnen und Musikern, Vorgaben vom Denkmalschutz sind eine Herausforderung. Skizzen für Bilder und Räume habe ich laufend neu überarbeitet und den gegebenen Sanierungsarbeiten, die zurzeit im Gange sind, angepasst. Die konkreten Proben mit den Tänzerinnen und Tänzern ziehen sich über zwei Monate hin. In der Schlussphase proben wir zusammen mit den Musikerinnen und Musikern sowie den Sängerinnen und Sängern vor Ort. 4. Welche Herausforderungen ergaben sich für die Choreographie durch die verschiedenen Stationen? Brigitta Luisa Merki: Die Tänzerinnen und Tänzer sind in unterschiedlichen Szenarien und immer wieder neuen Kostümen «unterwegs» in dieser Inszenierung. Dadurch ist eine präzise Zeitplanung und die Koordination von Musik und Tanz eine grosse Herausforderung. Tänzerinnen und Tänzer sowie die Musikerinnen und Musiker bewegen sich wie in einem Rondo zusammen mit dem Publikum durch Räume, Klänge und Bilder. 5. Woher nehmen Sie jeweils Ihre Inspiration für die jeweilige Choreo­graphie? Brigitta Luisa Merki: In der Konstellation dieses Projekts gab es von Anfang an einen inhaltlichen Rahmen, der durch den Ort und seine Räume gegeben ist. Am Anfang lasse ich meiner Fantasie möglichst freien Lauf und schreibe alle aufkommenden Ideen auf. Die Inspiration erfasst mich meistens in der Nacht. In der konkreten Arbeit definiere ich dann die einzelnen Teile der Choreografie in Bezug zur ausgewählten Musik. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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Gartentipp: Mit Dahlien in den Frühling

Zurück zum Blog 14. April 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Dahlien sind eine Augenweide. Sie blühen immer wieder und verzaubern mit ihren Formen und Farben auch die Gärten von Schloss Wildegg – bis im Herbst Frostnächte der Blütenpracht ein Ende setzen. Im Frühling werden dann die Dahlienknollen nach dem Überwintern wieder in den Boden gepflanzt. Es ist möglich, die überwinterte Knolle vor dem Einpflanzen einige Wochen in einem Topf vorzutreiben. Voraussetzung dafür ist eine helle, rund 10 Grad kühle Umgebung. Nehmen Sie dazu die Dahlienknolle im März aus ihrem Winterquartier und prüfen Sie diese auf Schäden. Trockene Knollen eine Stunde in Wasser einlegen Trockene Knollen sollten eine Stunde in Wasser eingelegt werden, faule Stellen werden herausgeschnitten. Sind die Knollen sehr gross, können Sie diese vorsichtig von Hand oder mit einer Säge teilen. Schneiden Sie anschliessend verletzte Stellen heraus und lassen Sie Schnittflächen zwei Tage antrocknen. Die Schlossgärtnerin Tanya van der Laan mit Dahlienknollen. Die Knollen werden dann fünf Zentimeter tief in einen mit Universalerde gefüllten Topf gesetzt, angegossen und dann eher trocken gehalten. Pflanzen Sie die vorgetriebenen Dahlien dann ab Mitte Mai im Abstand von 50 Zentimetern in ihren Garten. Dahlien mögen sonnige Plätze in gut gelockerter, mit organischem Dünger angereicherter Erde. Tipp: Stecken Sie beim Einpflanzen gleich eine Stützhilfe ins Pflanzloch, um die Dahlie später hochbinden zu können. Knollen ab Mitte April auspflanzen Treibt die Dahlie dann kräftig aus, können Triebspitzen oberhalb des vierten Blattpaares geschnitten werden. Sie wird dadurch buschiger und wächst stabiler. Achtung bei spätem Frost: Bedecken Sie die Pflanze mit Erde, einem Fliess oder Blumentopf. Verfügen Sie nicht über einen kühlen, hellen Raum, können Sie die Knollen auch ab Mitte April direkt auspflanzen. Ohne Vortreiben sind Dahlien jedoch anfälliger für Schnecken, welche die zarten Austriebe lieben. Weitere Blogbeiträge 11. September 2020 Dahlien: Die Königin unter den Knollen Dahlien haben im 18. Jahrhundert über die Seefahrer ihren Weg aus der "neuen Welt" nach Europa gefunden. Die exotische Pflanze blüht in ganz… 18. November 2021 Dahlien überwintern: So geht’s! Dahlien blühen unermüdlich bis in den Spätherbst und sollten vor den ersten frostigen Nächten aus der Erde geholt werden. Unsere Gärtnerin… 13. April 2021 Kleine Rosenkunde – Übersicht der Sorten Rosen sind mit ihrer Blütenpracht nicht zu übertrumpfen. Für jeden Geschmack findet sich die passende Sorte. Eine kleine Rosenkunde mit der… Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Gemüsegarten auf dem Balkon

Zurück zum Blog 15. Mai 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Wer gerne sein eigenes Gemüse zieht, braucht dafür nicht zwingend einen Garten. Dies funktioniert auch sehr gut auf dem Balkon oder der Terrasse. Voraussetzung dafür sind geeignete Gefässe. Bei der Auswahl gibt es keine Grenzen, es können einzelne Töpfe, Balkonkistli, Tröge oder Holzharassen sein. Wichtig ist, dass diese im Boden Löcher haben und somit der Wasserabfluss gewährleistet ist. Als Standort für diesen kleinen Gemüsegarten eignet sich ein sonniger bis halbschattiger Platz. Salaten und Stielmangold Gepflanzt werden kann alles was einem schmeckt! Bei den Salaten würde ich mich für einen Schnittsalat entscheiden, da dieser immer wieder geerntet werden kann. Auch Stielmangold wächst während der ganzen Saison wieder schön nach. Tipp: Mischen Sie verschiedene Gemüse, zum Beispiel Salat und Kohlrabi. Mit dieser Mischkultur schützen sich Pflanzen gegenseitig vor Krankheiten und Schädlingen – und der kleine Gemüsegarten wird zum Hinkucker! Kartoffeln auf dem Balkon ziehen Auch Kartoffeln kann man sehr gut auf dem Balkon ziehen. Das Gefäss dafür sollte etwa 40 Zentimeter hoch sein. Füllen Sie dieses 10 Zentimeter mit Erde und legen Sie die Kartoffelknollen darauf. Dann werden diese mit Erde zugedeckt und angegossen. Bedecken Sie neue Austriebe fortlaufend mit weiterer Erde, bis der Topf voll ist. Dies fördert die Bildung neuer Knollen. Wenn das Laub anfängt zu welken können die Kartoffeln geerntet werden. Weitere Blogbeiträge 18. Juni 2021 Mulchen und Gründüngung leicht gemacht Damit Wasser im Sommer weniger schnell verdunstet, sollte der Boden gemulcht werden. Im Blog zeigen wir zudem, was es bei der Gründüngung zu… 14. November 2022 Die perfekte Kaki: Bei der Ernte zählt das Timing Die Götterfrucht – oder bei uns bekannter als Kaki – ist ein Hochgenuss. Die Ernte zur richtigen Zeit ist jedoch eine Herausforderung. Lesen… 11. August 2023 Tipps für das perfekte Erdbeer-Beet Im August ist ein guter Zeitpunkt, um ein neues Beet mit Erdbeeren anzulegen. Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Sommer-Accessoires im 19. Jahrhundert

Zurück zum Blog 11. Juli 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Museum Aargau präsentiert eine Auswahl von Accessoires, welche die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts im Sommer trugen. Diese Objekte sind im Sammlungszentrum Egliswil aufbewahrt. Zum heutigen Sommer sind Accessoires wie Sonnenbrille oder Sonnenhut kaum mehr wegzudenken. Auch für die Damen und Herren des 19. Jahrhunderts war es selbstverständlich, bestimmte Accessoires im Sommer zu tragen. Der Strohhut Der Strohhut bewahrt nicht nur den Kopf vor der heissen Sonne und ergänzt das Outfit, sondern er verkörpert mit der Strohindustrie auch einen wichtigen Aargauer Wirtschaftszweig. Bereits vor der Industrialisierung flochten und verkauften Freiämter Bauern Strohhüte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dieser Industriezweig weiter zu einem Kunsthandwerk. Freiämter Produzenten exportierten ihre Strohkunstwerke auch ins Ausland. Der Strohhut war sowohl bei Damen als auch bei Herren ein beliebtes Accessoire für den Sommer. Die Strohhüte hatten für Damen und Herren in der Regel unterschiedlichen Formen, konnten sich aber auch ähneln. Die Mode der Strohhüte war nicht statisch und veränderte sich im Laufe der Zeit. Bei den Männern wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Hutmode durch die sogenannte "Kreissäge" ergänzt. Dies ist ein semi-formaler, runder Strohhut, der auch "Canotier" und im englischen "Boater" genannt wird. Es war genau vorgeschrieben, wie man ihn tragen musste: leicht nach vorne neigend und über das Ohr fallend. Besonders Sportler und später auch Frauen schätzten diesen Hut. Frauen verstanden ihn als Symbol von Emanzipation. Sie trugen ihn zur Jagd, zum Reiten und zum Fahrrad fahren. Bevor und nachdem die "Kreissäge" bei Frauen beliebt wurde, trugen sie auch andere Strohhüte. Darunter den schon im 18. Jahrhundert beliebten Schwefelhut. Dieser sehr flache Strohhut wurde durch Schwefel gebleicht und kam ursprünglich aus Frankreich. In der Schweiz ist der Schwefelhut oft auch Teil einer Tracht. Ein weiterer von Frauen getragener Strohhut war der Mitte des 19. Jahrhunderts beliebt gewordene Florentinerhut. Dies ist ein flacher, breitkrempiger, mit Blumen oder einem Schleier verzierter Strohhut. Strohhut, Canotier (Inv. Nr. K-17430) © Museum Aargau Die Sammlung von Museum Aargau hat viele Objekte aus der Aargauer Strohindustrie. Darunter auch diverse Strohhüte wie dieser "Canotier" für Herren, welcher auf die Jahre 1890 bis 1920 zu datieren ist. Dieser ovale Strohhut ist mit einem schwarzen Baumwollband geschmückt. Im Inneren auf einem seidenen Boden steht die Aufschrift: " Th. Sperlich Aarau", was ein Aarauer Hutmachergeschäft war. Zusätzlich hat der Strohhut im Innern auch ein Lederband mit der Prägung: "SUPERIOR MAKE LONDON" und der Lochprägung: "F ROHR". Letztere weist auf den ehemaligen Besitzer dieses Strohhutes hin. Schwefelhut (Inv. Nr. K-6331) © Museum Aargau Dieser Schwefelhut aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts hat eine Grösse von 49 cm. Er stammt ursprünglich aus einer grossen Strohartikelsammlung, die 1966 vom Museum angekauft wurde. Er ist gebleicht und farbig lackiert. Zudem wurde er mit Schwefel behandelt, um in seiner überdimensionierten Form stabil zu bleiben und ist mit zwei grünen Satinschleifen garniert. Damit der Schwefelhut auf dem Kopf bleibt, hat er ein Kinnband aus schwarzem Samt. Der Sonnenschirm und der Spazierstock Bereits im 17. Jahrhundert kam es in den höheren sozialen Schichten - vor allem in Mitteleuropa - in Mode, kleine Sonnenschirme zu tragen. Besonders war, dass diese nun von den Adligen und Reichen selbst und nicht mehr vom Personal getragen wurden. Die Sonnenschirme waren in erster Linie ein Mode-Utensil und Adelssymbol. Sie waren aber nur für schönes Wetter vorgesehen, da sie absolut nicht wetterfest waren. Für Frauen war der Sonnenschirm ein sehr wichtiges Accessoire. Denn blasse Haut galt bis Ende des 19. Jahrhunderts als besonders attraktiv. Sie war ein Statussymbol und stand für eine soziale Schicht, die nicht auf dem Feld arbeiten musste. Mit Sonnenschirmen schützte sie sich daher vor der bräunenden Sonne. Abknickbarer Sonnenschirm (Inv. Nr. K-9478) © Museum Aargau Dieser Sonnenschirm aus der Sammlung von Museum Aargau mit einem Durchmesser von 50 cm wurde zwischen 1880 und 1900 hergestellt. Der Sonnenschirm ist mit dunkelblauer Seide bespannt und hat umlaufende Zierstickereien und ist mit Fransen besetzt. Der Holzstab ist abknickbar und gedreht. Dieser Sonnenschirm kam 1982 als Schenkung in die Sammlung. Herren trugen im 19. Jahrhundert keinen Sonnenschirm mit sich. Vielmehr war der Spazierstock für sie ein typisches Accessoire, das aber nicht nur auf den Sommer begrenzt war. Vornehme Herren aus Adel und Bürgertum wurden in der Öffentlichkeit selten ohne einen Spazierstock in der Hand gesehen. Die industrielle Revolution verstärkte die Beliebtheit des Stocks, da aufgrund von maschinellen Fertigungsmethoden ein Spazierstock nun auch für einen Normalbürger bezahlbar war. Stöcke dienten nicht in erster Linie als Gehhilfe, oder um eine gerade Körperhaltung zu gewährleisten. Hauptzweck war es, die optische Erscheinung des Spaziergängers zu unterstreichen. Spazierstock von Gottfried von Mülinen (Inv. Nr. K-18981) © Museum Aargau Dieser Spazierstock aus der Sammlung wurde zwischen 1810 und 1840 hergestellt und ist aus Holz und hat einen goldenen Knauf und ein metallenes Fussstück. Auf dem Knauf ist das Monogramm "GM" eingetrieben. Dies weist darauf hin, dass der Stock Graf Gottfried (II.) von Mülinen (1790 - 1840) gehörte. Er war Major im Eidgenössischen Generalstab, bernischer Grossrat, Oberamtmann von Nidau und Historiker. Der Stock wurde dem Museum Aargau 2009 zusammen mit einem Konvolut von Gemälden und weiteren Gegenständen geschenkt. Der Fächer und die Sonnenbrille Fächer waren schon vor dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Accessoire der Damen. Besonders im Sommer konnten sich die Damen mit dem Fächer abkühlen. Da Fächer durch die verbesserten und vielfältigeren Herstellungsmöglichkeiten, die die industrielle Revolution mit sich brachte, praktisch für jeden kaufbar wurden, mussten die Damen nun besonders darauf achten, dass ihre Fächer ihre Position in der Gesellschaft hervorhoben. So gab es Holz-, Elfenbein- oder Perlmuttfächer, die mit bemaltem Papier, Seide oder Stoff bespannt waren. Bestimmte Fächer waren auch ein Produkt der im 19. Jahrhundert aufkommenden Tourismusindustrie und wurden als Souvenirs für Reisende hergestellt. Souvenir-Fächer mit Schachtel (Inv. Nr. K-18188) © Museum Aargau Dieser Fächer mit 10 Stäben, die mit durchbrochenen Voluten und mit eingelegten, gravierten Metallblättchen geschmückt sind, ist auf die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren. Der obere Teil der Stäbe liegt zwischen zwei blauen Kartonseiten. Die Kartons haben silbernes, florales Dekor und zeigen je eine typische Schweizer Sehenswürdigkeit. Darunter sind Sehenswürdigkeiten wie das Löwenmonument, die Teufelsbrücke und die Tellskapelle. Dieser Fächer stammt aus einem Haushalt in Lenzburg. Er kam 2007 als Teil eines Konvoluts in die Sammlung von Museum Aargau. Für Herren kam der Fächer im 19. Jahrhundert als Accessoire nicht wirklich in Frage. Sie trugen eher eine Sonnenbrille. Bereits im 15. Jahrhundert wurden Brillen gegen das Blenden der Sonne mit farbigen Brillengläsern versehen. Dies entwickelte sich immer weiter. So hatten viele Brillen aus dem 18. Jahrhundert qualitativ hochwertigere gelbe, grüne, blaue oder rote Gläsern. Der französische Arzt Jean-Marie-Théodore Fieuzal (1836 - 1888) wies schliesslich auf die schädlichen UV-Strahlen hin und empfahl gelbe statt blaue Gläser als Schutz zu verwenden. Obwohl es im 19. Jahrhundert bereits Bügelbrillen gab, verwendeten Männer des gehobenen Bürgertums und der Oberschicht oft lieber Zwicker. Zwicker, Sonnenbrille mit Etui (Inv. Nr. K-21701) © Museum Aargau. Die Sonnenbrille aus der Sammlung von Museum Aargau lässt sich grob auf das 19. Jahrhundert datieren. Die ovalen grün-gelblich getönten Brillengläser sind über den Steg aus vergoldetem Buntmetall miteinander verbunden. Die Sonnenbrillengläser haben keinen Korrekturschliff. Das an einem Glas befestigte goldfarbene Kettchen endet in einem filigranen Trageelement. Die Sonnenbrille ist 14.9 cm breit und stammt aus Niederlenz. Diese Sonnenbrille kam 2016 als Schenkung in die Sammlung von Museum Aargau. Weitere Blogbeiträge 17. Juni 2022 Das tragbare Sommergefühl - Zeitloser Textildruck aus Suhr Sommer: Die helle Jahreszeit steht nicht nur für heisse Tage und ein abkühlendes Bad. Auch im Sammlungszentrum in Egliswil hält der Sommer… 13. Juni 2023 Flower-Power aus der Sammlung Der Sommer naht und die Pflanzenwelt erblüht in voller Pracht. Um die farbenfrohe Blütezeit gebührend zu feiern, wird hier eine kleine… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Historische Kleidung Neuzeit Kommentare

 
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Spielleute im Mittelalter

Zurück zum Blog 23. August 2023 Kategorien Mittelalter Märchen & Mythen Schlossgeschichten Spielleute waren die Unterhaltungskünstlerinnen und -künstler des Mittelalters schlechthin. Kein Fest oder Jahrmarkt fand ohne sie statt. Trotz ihrer grossen Beliebtheit kämpften sie mit allerlei Vorurteilen. Spielleute machten im Mittelalter Unterhaltungskunst aller Art. Sie musizierten, sangen und tanzten. Andere führten Zauberkunststücke auf, machten Witze und waghalsige Akrobatik oder boten ein Schauspiel dar. Unterhaltungskunst im Mittelalter Die Spielleute entstammten verschiedenen sozialen Schichten. Manche verarmte Adlige und Ritter betätigten sich als solche. Sogar entlaufene Nonnen und Mönche waren unter ihnen. Die meisten stammten jedoch aus der sozialen Unterschicht. Die Kinder von Spielleuten wurden oft selbst wieder Spielleute. Gemeinsam war ihnen, dass sie nicht sesshaft und fast ständig unterwegs waren: Sie zogen von Stadt zu Stadt weiter, um Menschen zu unterhalten und ihr tägliches Brot zu verdienen. Spielleute sorgten überall für Unterhaltung, fröhliche Stimmung und gute Laune. Ihre Auftrittsorte waren äusserst vielfältig: Kein Fest fand ohne sie statt. Sie belebten Jahrmärkte und Fürstenhöfe, begleiteten Prozessionen oder unterhielten Leute in Wirtshäusern. Ein Spielmann spielt auf der Sackpfeife zum Tanze auf. Pieter Bruegel der Ältere, Bauerntanz, ca. 1568, Öl auf Eichenholz, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie (Wikimedia Commons). Erkennungszeichen und Kleidung von Spielleuten Spielleute waren sofort zu erkennen: Ihre farbige Kleidung sowie daran befestigte Schlitze und Glöckchen erregten die Aufmerksamkeit des Publikums. Diese trugen sie nicht ganz freiwillig: Kleiderordnungen schrieben ihnen auffällige Kleider vor, damit sie von den "ehrlichen" Personen unterschieden werden konnten. Oft trugen Spielmänner Kleidung im sogenannten "mi-parti"-Stil. Bei Mi-Parti (dt. halb-geteilt) handelt es sich um in der Mitte hälftig geteilte Ober- und Unterbekleidung. Die beiden Seiten waren verschieden gefärbt oder gemustert. Kräftige Farben, insbesondere rot und grün, wurden hierbei verwendet. Simone Martini, Freskenzyklus Leben des Hl. Martin von Tours, San Francesco in Assisi, Szene: Der Hl. Martin wird vom Kaiser für den Militärdienst verpflichtet, ca. 1312–1317, Fresko. (Wikimedia Commons) Spielleute und die Kirche Auch wenn Spielleute äusserst beliebte Unterhaltungskünstlerinnen und -künstler waren, kämpften sie mit vielen Vorurteilen. Besonders der Kirche und Klerikern waren sie ein Dorn im Auge, brachten sie doch Menschen von einem christlichen Lebenswandel ab. So würde ihre Musik etwa zu unsittlichem Verhalten verführen. Kirche und Kleriker betrachteten sie als Diener Satans. Ironischerweise traten Spielleute auch in Klöstern auf. Die Haltung der Kirche gegenüber den Spielleuten war widersprüchlich. Rechtliche Situation der Spielleute im Mittelalter Die Vorurteile der Kirche gegenüber Spielleuten wirkte sich auf die weltliche Rechtsprechung aus. Spielleute galten als rechtlos, denn sie übten ein unehrliches Gewerbe aus. Sie hatten eingeschränkte Rechte. Zum Beispiel konnten sie nicht vor Gericht aussagen. Wenn jemand ihnen schadete, durften sie nur am Schatten des Täters Rache nehmen. Ausschnitt aus: Eike von Repgow, Heidelberger Sachsenspiegel, Anfang 14. Jh., Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 164, S. 20r. Fahrende Fremde Spielleute waren mit vielen weiteren Vorurteilen konfrontiert. Als fremde, nicht sesshafte Fahrende ernteten sie viel Misstrauen. Da sie nirgendwo dazugehörten und auch nicht einen festen Platz in der Ständeordnung des Mittelalters hatten, galten sie als verdächtig. Ihr Beruf gehörte zu den unehrlichen und damit anrüchigen. Da sie in Wirtshäusern übernachteten, bezichtigte man sie der Spiel- und Trunksucht sowie der Völlerei. Auch ein Hang zu Verbrechen sagte man ihnen nach. Die Lage der Spielfrauen Es gab ausserdem frauenspezifische Vorurteile. So rückten Zeitgenossen Spielfrauen in die Nähe von Dirnen. Gerade Tänzerinnen betrachteten sie als anrüchig und sündhaft. Prediger behaupteten, ihre Gesichtsschminke hätten sie direkt vom Teufel erhalten, um Männer zu verführen. Die Spielfrauen machten Angst, weil sie sich der sozialen Ordnung und Kontrolle entzogen. Literatur: Bachfischer, Margrit: Musikanten, Gaukler und Vaganten. Spielmannskunst im Mittelalter. Augsburg 1998. Hartung, Wolfgang: Die Spielleute im Mittelalter. Gaukler, Dichter, Musikanten. Düsseldorf/Zürich 2003. Weitere Blogbeiträge 21. Mai 2023 Das Einhorn als christliches Symboltier im Mittelalter Bis heute steht die Taube symbolisch für den heiligen Geist und das Lamm für Christus. Im Mittelalter gehörte aber auch das Einhorn zu den… 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? 23. Juni 2023 Der Gutshof – Ein Zentrum der mittelalterlichen Herrschaft Im Juli 2023 wird vor den Schlosstoren von Hallwyl ein mittelalterlicher Bauernhof errichtet. Eine Gruppe Siedler zeigt authentisch den… Von Sara Wenzinger Von Sara Wenzinger Sara Wenzinger ist Historikerin und Praktikantin im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Märchen & Mythen Schlossgeschichten Kommentare

 
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Der Gutshof – Ein Zentrum der mittelalterlichen Herrschaft

Zurück zum Blog 23. Juni 2023 Kategorie Mittelalter Im Juli 2023 wird vor den Schlosstoren von Hallwyl ein mittelalterlicher Bauernhof errichtet. Eine Gruppe Siedler zeigt authentisch den Bauernalltag auf einem Gutshof im 12. Jahrhundert. Ein Gutshof ist nun aber kein herkömmlicher Bauernhof. Er war in direktem Besitz des lokalen Fürsten und war ein Knotenpunkt in der Verwaltung seines Territoriums. Es war ein Verwaltungssystem, an das auch heute noch die Familiennamen Meier und Keller erinnern. Höfe als Verwaltungszentren Wenn man an die Zentren fürstlicher Herrschaft denkt, kommt einem zuerst die Burg in den Sinn. Der Gutshof dagegen ist weitgehend unbekannt, obwohl er im mittelalterlichen Verwaltungsapparat eine wichtige Rolle einnahm. Im 7. Jahrhundert begann sich in Frankreich eine neue Verwaltungsstruktur auszubilden. Mehrere Bauernhöfe wurden zu einem Hofverband zusammengeschlossen, in dessen Zentrum ein herrschaftlicher Gutshof stand. In der Schweiz sind solche Hofverbände ab dem 8. Jahrhundert nachweisbar und hielten sich bis ins 14. Jahrhundert. Während dieser Zeit bildeten Gutshöfe und Hofverbände nicht nur die Verwaltung fürstlicher, sondern auch kirchlicher Ländereien. Der herrschaftliche Gutshof Gutshöfe werden auch immer wieder Fronhöfe genannt. Sie waren in sehr unterschiedlichen Formen angelegt. Wichtig war ihre Verwaltungsposition, die Form hingegen war von der Grösse des Hofverbandes sowie den Bedürfnissen und Mitteln des Herren abhängig. So konnte ein Gutshof durchaus wie ein normaler Bauernhof aussehen. Andererseits gab es auch weitläufige Hofkomplexe mit Herrenhaus und mehreren Wirtschaftsgebäuden. Oft waren an solche Anlagen Kirchen angeschlossen, welche das Zentrum des religiösen Lebens des Hofverbandes waren. Zudem konnten grösserer Gutshöfe auch befestigt sein. Umgeben war der Gutshof vom sogenannten Solland. Dabei handelte es sich um landwirtschaftliche Nutzflächen, die sich im direkten Besitz des lokalen Herren befanden und von diesem bewirtschaftet wurden. Ein Gutshof in Hundsheim in Österreich, umgeben von modernen Wohnhäusern. (Autor: Benko1971, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria). Der Hofverband Rund um den Gutshof gliederten sich die Bauernhöfe des Hofverbandes. Sie wurden von Bauern bewirtschaftet, die zum lokalen Grundherren in einem Abhängigkeitsverhältnis standen. Sie waren ihrem Herren gegenüber zu Abgaben und Frondiensten verpflichtet. Bei Letzteren handelt es sich um obligatorische Arbeitseinsätze, welche die Bauern ihrem Herren schuldig waren. Dabei mussten sie auf dem Solland des Herrn arbeiten oder sonstige Dienste verrichten. Die meisten Abgaben der Bauern waren landwirtschaftliche Erzeugnisse. Der Handel mit Geld existierte zwar zu jener Zeit bereits, auf lokaler Ebene herrschte aber noch der Austausch von Gütern und Dienstleistungen vor. Der Geldhandel gewann jedoch zunehmen an Bedeutung. Im 13. Und 14. Jahrhundert begann er dann die Attraktivität des Hofverbandes zu untergraben. Grundherren bevorzugten es nun, die Abgaben der Bauern in Geld und nicht mehr in Gütern und Arbeit zu beziehen. So zogen sich die Herren zunehmend aus den Gutshöfen zurück, während die Hofverbände zu Dörfern zusammenwuchsen. Gruppe mittelalterlicher Bauern auf dem Weg zum Gutshof. Darstellerinnen und Darsteller der Gruppe "abenteuer-zeitreise" (© abenteuer-zeitreise). Meier und Keller Auf den Gutshöfen beschäftigten die Grundherren eine Vielzahl an Personal, um den täglichen Betrieb des Hofes zu regeln. Dieses befand sich genau wie die Bauern in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Herren. Kernpositionen unter diesen Bediensteten nahmen der Meiger und der Cellerar ein. Der Meiger war der Leiter des Hofbetriebes, während der Cellerar für die Lagerung und Verteilung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zuständig war. Von diesen Positionen im Hofverband leiten sich die heutigen Familiennamen Meier und Keller ab. Der Gutshof war ein wichtiger Knotenpunkt in der mittelalterlichen Grundherrschaft. Er war der persönliche Hof des Grundbesitzers und war im Zentrum eines Hofverbandes. Die Bauern aus den umliegenden Höfen waren zu Abgaben und Fronarbeit auf den Feldern des Herren verpflichtet. Das Verwaltungssystem der Gutshöfe existierte in der Schweiz in dieser Form ab dem 8. Jahrhundert. Über die nachfolgenden Jahrhunderte war es ein integraler Bestandteil des mittelalterlichen Alltags. Erst im 13. und 14. Jahrhundert wurde der Fronhof und der Hofverband durch die zunehmende Geldwirtschaft verdrängt. Weitere Blogbeiträge 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? 12. Mai 2022 Die Falknerei im Mittelalter Die Falknerei war im Mittelalter ein beliebtes Hobby adeliger Männer. Aber war die Falknerei lediglich eine adelige Spielerei – oder eben… 21. Mai 2023 Das Einhorn als christliches Symboltier im Mittelalter Bis heute steht die Taube symbolisch für den heiligen Geist und das Lamm für Christus. Im Mittelalter gehörte aber auch das Einhorn zu den… Von Andreas Mäder-Esteves Von Andreas Mäder-Esteves Andreas Mäder-Esteves ist Historiker und Praktikant im Team Ausstellungen von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Mittelalter Kommentare

 
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Wie kommt die Meerjungfrau ins Kloster Wettingen?

Zurück zum Blog 14. August 2023 Kategorien Märchen & Mythen Klosterleben Auf der Klosterhalbinsel Wettingen findet sich an Gebäuden, in Gemälden und im Wappen des Klosters selbst eine Meerjungfrau mit zwei Schwanzflossen. Was hat dieses Wesen mit dem Kloster Wettingen, weit weg vom Meer, zu tun? Geschichten von Frauen, welche halb Mensch halb Fisch sind, gehen zurück bis in die Antike. Es ist deshalb schwierig, klare Unterscheidungen zu treffen zwischen Begriffen wie Sirenen, Meerjungfrau und Melusine. Sie haben jedoch ganz unterschiedliche Hintergründe. Woher kommt der Mythos der Meerjungfrau? Meerjungfrauen sind laut den Legenden hilflose Gestalten, verdammte Wesen, welche nur durch die Liebe eines Mannes befreit werden können. Die Version der Meerjungfrau, die heute am weitesten verbreitet ist, stammt aus dem Märchen von Hans Christian Andersen "Die kleine Meerjungfrau", welches 1837 erschienen ist. In Andersens Version, ist die Meerjungfrau unschuldig, etwas naiv und möchte gerne mit dem Prinzen auf dem Land leben. Auch in neuen Adaptionen des Meerjungfrauenmythos sind diese Elemente oft vorhanden. Im Gegenteil zu den unschuldigen Meerjungfrauen stehen Sirenen und Nixen. Sie entstammen der griechischen Mythologie und sind Todesdämoninnen. Durch betörenden Gesang, locken sie Schiffsleute an, um sie zu töten. Sie galten deshalb im Christentum als Symbol der weltlichen Verführung. Dem mittelalterlichen Westeuropa entspringt noch eine weitere mythische Gestalt, die Melusine. Melusine ist der Name der Nixe in der Geschichte, welche niemandem verraten darf, was sie für ein Wesen ist. Als ihr Mann sie beim Baden sieht und ihr Geheimnis erfährt, ergeben sich verschiedene Verstrickungen. Eine weit verbreitete deutsche Übersetzung der Geschichte aus dem Französischen stammt von Thüring von Ringoltingen aus Bern und erschien 1456. Ältere Quellen reichen jedoch bis ins 12. Jahrhundert zurück. Melusines Geheimnis enthüllt, aus Le Roman de Mélusine. Eines von sechzehn Bildern des Guillebert de Mets, etwa 1410. Original im Besitz der Bibliothèque nationale de France. Im Verlauf des Mittelalters durchmischten sich die Mythen der Meerjungfrauen, Sirenen und Melusinen. Bei Wappen, in denen Meerjungfrau-ähnliche Wesen dargestellt werden, ist oftmals unklar auf welche der verschiedenen Mythen genau Bezug genommen wird. Symbolisch stehen die Meerjungfrauen auf Wappen meist für eine Verbindung zu Gewässer. Wie gelang die Meerjungfrau aufs Wappen des Klosters Wettingen? Im Wappen des Klosters Wettingen erschien die Meerjungfrau erstmals im 16. Jahrhundert, rund 300 Jahre nach der Gründung des Klosters. Das Kloster ist der heiligen Maria gewidmet. Sie gilt als Schutzpatronin der Seeleute und wird in dieser Anrufung Maris Stella (lateinisch für "Stern des Meeres") genannt. Laut der Gründungslegende ist Maria als Stern dem späteren Gründer des Klosters, Freiherr Heinrich II., erschienen, als dieser in Seenot war. Er versprach daraufhin Maria ein Kloster zu widmen. Die Meerjungfrau auf dem Wappen kann entsprechend als symbolische Darstellung von Maris Stella verstanden werden. Blog zur Gründungslegende des Klosters Wettingen Es ist jedoch nicht auf allen Wappen die zweischwänzige Meerjungfrau zu sehen – auf einigen handelt es sich um eine Frau, die zwei Fische hält. Diese Figur findet sich auf verschiedenen Wappen, es ist jedoch unklar, ob ihr eine spezielle Bedeutung zukommt. Wappen des Klosters Wettingen. Abthof des Klosters (innen). Hat das Wappen des Klosters Wettingen etwas mit dem Starbucks-Logo zu tun? Beim Spazieren über die Klosterhalbinsel fragen sich Besuchende oftmals, weshalb sie das Bild der Meerjungfrau, welches weltweit auf Kaffeebechern zu sehen ist, auch im Kloster Wettingen wiederfinden. Als Logo des Unternehmens Starbucks dient nämlich ebenfalls eine zweischwänzige Meerjungfrau. Die optische Ähnlichkeit zwischen dem Starbucks-Logo und der Meerjungfrau auf dem Wappen des Klosters Wettingen zeigt die starke Durchmischung der verschiedenen Mythen. So basiert das Starbucks-Logo auf einer Sirene – eine gefährliche und verführerische Gestalt. Im Gegensatz dazu steht das Meerjungfrauensymbol im Wappen des Klosters für Maris Stella, eine Anrufung der heiligen Maria, das christliche Bild der Unschuld. Meerjungfrau in der Sommerabtei des Klosters Wettingen. Wer genau hinschaut, entdeckt auch im Kloster Wettingen Darstellungen, in welchen eine Frau zwei Fische hält. Wappen des Klosters. Mediothek (aussen). Weitere Blogbeiträge 05. Juli 2023 Glaubensfragen und Machtkämpfe: So entstand das Kloster Wettingen Das Kloster Wettingen wurde 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Eine Legende will, dass er in Seenot Maria, die Mutter Gottes,… 23. August 2022 Heilkunde im Kloster Seit jeher befassen sich Klöster mit Heilkunde, da die Fürsorge für die Armen und Kranken tief in ihrer Tradition verankert ist. Auch beim… 23. Mai 2022 Schweigend Sprechen: die Zeichensprache der Mönche Um im Klosteralltag die Stille zu wahren, verwendeten Mönchsorden wie die Zisterziensier eine monastische Gebärdensprache. Von Joana Meier Von Joana Meier Joana Meier ist Praktikantin in der Vermittlung beim Standort Klosterhalbinsel Wettingen. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Märchen & Mythen Klosterleben Kommentare

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Das Sammlungszentrum Egliswil ist die Schatzkammer der Sammlung von Museum Aargau. Die Sammlung umfasst rund 50'000 Objekte. Besuchen Sie das Sammlungszentrum im Rahmen einer öffentlichen Führung.

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Ein gelber Heizlüfter, Objekt im Sammlungszentrum Egliswil

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Ein Mann präsentiert im Sammlungszentrum Egliswil einen historischen Kelch. Neben und hinter dem Mann steht eine Besuchergruppe.

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