Museum Aargau

Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte

Zurück zum Blog 16. Juni 2026 Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Mit dem dritten Band seiner Reihe "Aargauer Industriegeschichten" rückt Museum Aargau ein bislang wenig beachtetes Kapitel in den Mittelpunkt: die Möbelbranche des Kantons. Entdecken Sie in diesem Blogbeitrag fünf ausgewählte Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte. Der Kanton Aargau gehört unbestritten zu den bedeutendsten Industriekantonen der Schweiz. Neben Maschinen‑, Metall‑, Elektro‑, Textil‑ und Schuhindustrie zählen auch Nahrungs‑, Getränke‑ und Tabakproduktion zu seinen wichtigen Wirtschaftszweigen. Weniger beachtet wird jedoch, dass der Kanton ein bedeutender Standort für Möbelproduktion und -handel war. Firmen wie Pfister, de Sede oder Thut haben Generationen von Schweizer Wohn‑ und Büroräumen geprägt. Die neue Publikation " Möbelindustrie und -handel seit 1870 " des Möbelhistorikers Dieter Pfister beleuchtet diese Erfolgsgeschichte nun systematisch. Anhand von fünf Highlights aus der Sammlung Museum Aargau geben wir Ihnen hier einen kleinen Einblick in diese Geschichte. Wisa Gloria AG Die Lenzburger Kinderwagenfabrik Wisa Gloria ging im Jahre 1913 aus dem Zusammenschluss der Firmen "Neeser & und Widmer" aus Lenzburg und "Sender & Co" aus Schaffhausen hervor. Der Name "Wisa" setzte sich aus den beiden Gründernamen "Widmer" und "Sandmeier" zusammen. Obwohl der Hersteller hauptsächlich für Kinderwagen und Spielzeug bekannt war, stellte er auch Kindermöbel her. Faltliege, Wisa Gloria, 1940er-Jahre, 54,5 x 70 x 190 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-17003. © Museum Aargau Wie es zur Produktion der abgebildeten Faltliege kam, kann lediglich gemutmasst werden. Die ein Meter neunzig lange Liege mit simplem Streifenmuster scheint nämlich eher für Erwachsene als für Kinder produziert worden zu sein. Ihr Faltmechanismus ermöglichte das Verstauen auf kleinstem Raum und konnte so nicht nur allfälligen Platzproblemen entgegenwirken, sondern auch ganz einfach transportiert werden. Dies war jedoch nicht die einzige Besonderheit der um 1940 erschienenen Wisa-Gloria-Liege: denn im gefalteten Zustand konnte sie auch als Beistelltisch dienen. Faltliege, Wisa Gloria, 1940er-Jahre, 54,5 x 70 x 190 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-17003. © Museum Aargau A. Vogel & Cie. Als Sohn eines Schreiners übernahm Alfred Vogel 1945 die "Vogel & Co. Möbelwerkstätten" seines Vaters und benannte sie in "A. Vogel & Cie." um. Die in Kölliken beheimatete Firma beschäftigte sich über 70 Jahre lang mit dem Innenausbau von Gebäuden und der Herstellung von Möbeln. Einige sehr gut erhaltene Exemplare der "A. Vogel & Cie." fanden im Jahr 2014 den Weg in die Sammlung des Museum Aargau . Buffet, Entwurf Alfred Vogel für A. Vogel, 1940er-Jahre, 144 x 110 x 45 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-19874. © Museum Aargau Dieses elegante Buffet ist eines von zwei identischen Elementen eines Esszimmerensembles. Es wurde in den 1940er Jahren zur Aufbewahrung von Geschirr und Besteck entworfen. Alfred Vogel war selbst Möbeldesigner und liess sich bei seinen späteren Entwürfen von japanischen Produktionen inspirieren. H. Woodtly & Cie. AG Hans Woodtly war jahrelanger Teilhaber der Brugger Möbelfirma "Simmen", bevor er 1919 entschloss, ein eigenes Möbelgeschäft in Aarau zu gründen. Im Jahr 1922 wurde die Firma um eine Möbelwerkstatt erweitert. Für die Abteilung Möbel- und Einrichtungsgestaltung war ab den 30er Jahren der Zürcher Karl Bonert verantwortlich. Auch von seinen Kreationen besitzt die Sammlung Museum Aargau einige interessante Stücke. Fauteuil, Entwurf Karl Bonert für Woodtly, 1937, 75 x 65 x 80 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18241.1. © Museum Aargau Wie etwa diesen geschwungenen Sessel: Entworfen 1937 von Karl Bonert für die Firma Woodtly. Der hochwertige Rahmen aus Kirschbaumholz wurde mit einem Geflecht ausgefüllt, das dem Sessel ein luftiges Design verleiht. Die losen Sitzkissen weisen leider nicht mehr den originalen Bezugsstoff auf. Besondere Bekanntheit erlangte der Woodtly-Sessel, weil er im Produktionsjahr auf der Frontseite des Wohnkultur-Magazins "Das ideale Heim" erschien. Deck-Blatt "Das ideale Heim", Juni 1937, 29 x 21 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-20058b. © Museum Aargau Thut AG Die Möbelfabrik Walter Thut AG entstand 1959 aus einer zwanzig Jahre zuvor gegründeten Möbelschreinerei in Möriken. Im Jahr 1970 übernahm Walter Thuts Sohn Kurt die Firma, die bis heute Möbel selbst entwirft und produziert. Ab den 1980er Jahren verwendete die Schreinerei neue Materialien und Technologien und machte sich als moderne Fabrikationswerkstatt über die Grenzen des Kantons Aargau hinaus einen Namen. Pavatexschrank, Entwurf Kurt Thut, 1953, 186 x 113 x 48,5 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18182. © Museum Aargau Den abgebildeten Pavatexschrank entwarf Kurt Thut kurz nach seinem abgeschlossenen Studium an der Kunstgewerbeschule 1953 in Zürich. Das Exemplar der Sammlung von Museum Aargau befand sich bis 2008 im Privathaushalt der Familie Thut. Bei Pavatex handelt es sich um Holzfaserplatten, die bei der Herstellung entwässert, getrocknet und gepresst werden. Beim vorliegenden Schrank fanden die grau lackierten Pavatex-Platten als Türfüllung und als Wandmaterial Verwendung. J. Ströbel AG Jakob Ströbel war gerade einmal 24 Jahre alt, als er gemeinsam mit seiner Frau Marie Ströbel 1933 in Frick seine eigene Firma gründete. Bevor die beiden Jungunternehmenden 1944 die erste eigene Fabrik errichten liessen, beauftragten sie mehrheitlich kleinere und lokale Schreinereien mit der Herstellung von Möbelkomponenten. Die Spezialität der J. Ströbel AG war die Verarbeitung des wertwollen Teakholzes. Das daraus entstandene Möbelprogramm "Swiss-Teak" des Designers Adolf Suter verschaffte der Firma landesweite Bekanntheit. Teakholz-Schreibtisch, Modell 6011, Entwurf Adolf Suter für Jakob Ströbel, 1960er-Jahre, 73 x 140 x 47 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18245.2. © Museum Aargau Adolf Suter absolvierte in den 1930er-Jahren seine Lehre bei Jakob Ströbel. Während eines Auslandsaufenthalts in Dänemark kam ihm die Idee für die später beliebten Teakholz-Möbel. In Nordeuropa verwendeten Möbelhersteller bereits seit langer Zeit Teakholzreste aus dem Schiffsbau für die Möbelproduktion. Voller Inspiration kehrte Adolf Suter nach seiner Weiterbildung und den Kriegsjahren zur J. Ströbel AG zurück und entwarf neben vielen anderen Teak-Möbeln auch den oben abgebildeten Schreibtisch. Neues Buch: Möbelindustrie und -handel seit 1870 Die Beschäftigung mit der Geschichte der Aargauer Möbelproduktion zeigt deutlich: Der Aargau ist ein Möbelkanton und darf als solcher in der Geschichtsforschung nicht unterschätzt werden. Dank der langjährigen Arbeit von Peter Brack, dem ehemaligen Konservator-Restaurator von Museum Aargau, können die Spuren der Aargauer Möbelindustrie bis heute nachvollzogen werden. Das Ergebnis einer solchen Nachforschung liegt seit dem 11. Juni im Band 3 der Buchreihe "Aargauer Industriegeschichten" vor. Die Publikation trägt den Titel "Möbelindustrie und -handel seit 1870" und ist sowohl in den Shops von Museum Aargau als auch online erhältlich. Online bestellen Aargauer Industriegeschichten Band 3, Möbelindustrie und -handel seit 1870, Autor: Dieter Pfister, Herausgeber: Museum Aargau, Juni 2026. © Museum Aargau Weitere Blogbeiträge 09. Juni 2026 Memory-Spiel: Die Aargauer Möbelindustrie Die Aargauer Möbelindustrie hat eine spannende und stille Erfolgsstory. In unserem Memory-Spiel treffen Sie auf Möbelklassiker aus dem… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… 18. November 2025 Vom Sparschäler bis zur Alufolie: Schweizer Alltags-Erfindungen Viele Küchenhelfer, die wir täglich benutzen, sind Schweizer Erfindungen. Ob in der Küche, beim Frühstück oder beim Verpacken: kleine Ideen… Von Seraina Zorli Von Seraina Zorli Seraina Zorli ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Vindonissa Museum

Römischer Garten von Vindonissa

Preis: im Museumseintritt inbegriffen 0 Rekonstruierter Ziergarten des Legionskommandanten Der römische Garten beim Vindonissa Museum ist eine Oase der Ruhe und Sinnlichkeit. In den Beeten wächst eine bunte Pflanzenpracht, in den Brunnen und Becken plätschert das Wasser. Ein Säulengang umrahmt die 450 Quadratmeter grosse Anlage. Diese ist in ihrer Dimension einzigartig in der Schweiz. Im römischen Garten von Vindonissa wachsen rund 40 Pflanzenarten, die für Vindonissa archäobotanisch bezeugt sind. Die Architektur mit verspielten Beetumrandungen und Wasserspielen orientiert sich an antiken Vorbildern und zeugt von pompöser Üppigkeit. So hätte vor 2000 Jahren der Ziergarten im Haus des Legionskommandanten von Vindonissa aussehen können. Erleben Sie den römischen Garten beim Vindonissa Museum: Eine einzigartige Oase der Ruhe mit antiker Pflanzenpracht und plätschernden Wasserspielen.

 
Vindonissa Museum

Rätsel-Tour

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 7 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 45 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich 0 Ab 7 Jahre – Mit der Schatzkarte durchs Museum Unser Archäologe vom Dienst, Walter Schussel, hat mal wieder von grossen Palästen und funkelnden Schätzen geträumt. Dabei hat er vergessen, wo er seine neusten Fundobjekte aus der letzten Ausgrabung hingelegt hat. Helft ihm, seine Objekte wieder zu finden und füllt die Lücken in seinem Tagebuch. Ein spannendes Rätsel für Gross und Klein! Auf zur Rätsel-Tour im Vindonissa Museum! Helft Archäologe Walter Schussel bei der Suche nach seinen Funden. Ein spannender Spass für Kinder ab 7 Jahren.

 
Vindonissa Museum

Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe!

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 8 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 90 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich Ab 8 Jahre – Löst Rätsel und entdeckt einen römischen Schatz Rätsel lösen und einen echten Schatz aus Vindonissa entdecken: Beim Rundgang "Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe" schlüpfen Besucherinnen und Besucher in verschiedene Rollen: Archäologe, Ausgräberin, Grabungstechniker, Restauratorin, Wissenschaftler oder Museumsdirektorin. An authentisch nachgebauten Schauplätzen wie dem Grabungszelt, im Grabungscontainer, im Labor oder im Archiv warten knifflige Fragen, um den Schatz zu heben. Ein spannendes Erlebnis für Familie, Schulen und Erwachsene! Selbständiger Rundgang im Vindonissa Museum für Familien und Kinder: "Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe!" Archäologie interaktiv erleben

 
Vindonissa Museum

Spurensuche - Auf der Fährte von Lupina und Anissa

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 5 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 45 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich 0 Ab 5 Jahre – Folgt den Fussspuren von Lupina und Anissa Die Wölfin Lupina darf zum ersten Mal mit ihrer besten Freundin, dem Kamel Anissa im Legionärspfad Vindonissa übernachten. Die beiden freuen sich schon riesig und dürfen sogar sechs Freunde dazu einladen, die im Vindonissa Museum wohnen. Es haben sich bereits ganz viele Tiere versammelt – viel zu viele! Doch welches sind die Freunde von Lupina und Anissa? Folge den Fussspuren von Lupina und Anissa durch das Vindonissa Museum und finde die sechs Freunde. Entdeckt die Objekte in den Vitrinen einmal aus anderer Perspektive!

 
Vindonissa Museum

Vitrine AKTUELL

Preis: Im Museumseintritt inbegriffen Anmeldung: Nicht erforderlich 30 Grabsteine aus Vindonissa: Sprechende Steine und ihre Schicksale Die Kantonsarchäologie Aargau gestaltet die "Vitrine AKTUELL" im Vindonissa Museum jedes Jahr neu. Thema sind aktuelle Grabungen, aussergewöhnliche Funde oder Forschungsergebnisse. Entdeckung einer mittelalterlichen Siedlung Die "Vitrine AKTUELL" 2025/2026 präsentiert erste Erkenntnisse aus der Steimet in der Gemeinde Wölflinswil. Dort kam 2023 ein bisher unbekannter und schon vor 900 Jahren aufgegebener Ortsteil ans Licht. Überraschend fanden sich im ländlichen Umfeld Objekte, die zeigen, dass hier die Oberschicht lebte: eine Fibel aus Buntmetall mit Emaille, eine vergoldete Gürtelschnalle oder Keramik aus dem Elsass. Sie bezeugen weit gespannte Handelsbeziehungen und einen gehobenen Lebensstandard. Aussergewöhnlich war auch der Holzbau auf einem Steinsockel, in dieser Zeit eine Seltenheit. Ebenso erzählen Belege für Eisenverhüttung und eine bis in die Neuzeit immer wieder erneuerte Strasse ihre Geschichte. Wettbewerb: Tolle Preise zu gewinnen Manche Funde sind auch für Archäologinnen und Archäologen knifflig zu deuten. Wer schafft es, das Monogramm auf dem Denar zu entziffern? Wer möchte, darf seinen eigenen Namen als Monogramm schreiben und an die Kantonsarchäologie senden. Unter allen Einsendungen werden drei tolle Preise verlost. Die schönsten Monogramme sind auf der Website der Kantonsarchäologie zu sehen. Vitrine AKTUELL: Ausstellung mit Highlights der Kantonsarchäologie Aargau. Aktuelle Grabungen, aussergewöhnliche Funde und Forschungsergebnisse.

 
Vindonissa Museum

Dauerausstellung zu Vindonissa

Preis: im Museumseintritt inbegriffen Anmeldung: nicht erforderlich Entdecken Sie Original-Objekte aus Ausgrabungen Wie haben die Römer vor 2000 Jahren auf dem Gebiet der heutigen Schweiz gelebt? Was haben sie gegessen? Welche Waffen und Kleider trugen sie? Seit über 100 Jahren forscht die Archäologie im Raum Brugg/Windisch auf jenem Gelände, wo einst das einzige Legionslager auf dem Gebiet der heutigen Schweiz stand. Grösste Sammlung römischer Schreibtafeln Das Vindonissa Museum zeigt in seiner Dauerausstellung Original-Objekte dieser Ausgrabungen. Die Ausstellung präsentiert das Leben und den Alltag im Legionslager in verschiedenen Themenbereichen und zeigt die weltweit grösste Sammlung römischer Schreibtafeln aus Holz. Herzstück der Ausstellung ist ein dreidimensionales Modell des Legionslagers, das einen detaillierten Blick ins Lager ermöglicht. Die Ausstellung bietet mit Filmen, Hörgeschichten und Spielen eine interaktive Auseinandersetzung mit der römischen Vergangenheit der Region Brugg/Windisch. Dauerausstellung im Vindonissa Museum Brugg AG: Entdecken Sie Original-Objekte aus Ausgrabungen

 
Museum Aargau

So machten es die Römer: Toga binden – mit Video

Zurück zum Blog 24. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Der Legionskommandant von Vindonissa zeigt euch im Video, wie die Römer eine toga drapieren. Die toga Das wichtigste Kleidungsstück im Römischen Reich war die toga , die üblicherweise weiss war. Getragen wurde sie von allen Männern, die das römische Bürgerrecht besassen. Das unterscheidet römische Bürger klar von Sklaven, Verbannten und Barbaren. Das Tuch war etwa 5 bis 6 Meter breit. Da der Legionskommandant legatus legionis , kurz Legat, dem Senatorenstand angehörte, trug er eine toga , die mit einem Purpurstreifen eingefasst war. Der echte Purpurfarbstoff wurde aus Purpurschnecken gewonnen. Da dieser jedoch sehr teuer war, gab es schon bald auch billigere Imitate aus pflanzlichen Rohstoffen. Bei unserer Darstellung handelt es sich beim roten Streifen allerdings um eine Rekonstruktion mit einer neuzeitlichen Farbe, da wir zur Farbherstellung keine Purpurschnecken verwenden wollten. Die tunica Unter der toga trug der Legat eine tunica , die ebenfalls auf beiden Seiten mit einem breiten Purpurstreifen versehen war. Die tunica war das grundlegende Kleidungsstück aller Römerinnen und Römer. Sie diente entweder als Untergewand oder als Hauptkleidungsstück. Ihre Länge, Weite und Gestaltung variierte je nach Person und Epoche: Mal war sie lang oder kurz, mal schmal oder weit, mal schlicht, bunt oder kunstvoll verziert. Im Video haben wir uns auf die toga konzentriert. Die Ärmel der tunica entsprechen nicht dem typischen Modell, das ein Legat zur Zeit des Legionslagers Vindonissa im 1. Jahrhundert n. Chr. trug. Die tunica der Senatoren hatte damals nämlich keine Ärmel. Blogbeitrag zum Thema “Römische Kleidung” Eine toga drapieren Den Senatoren standen immer Sklaven zur Verfügung, die ihre Togen drapierten. Und so wurde sie gebunden: Zuerst wurde ein Drittel des Tuchs von hinten über die linke Schulter gelegt. Das hintere Teil wurde anschliessend unter dem rechten Arm durchgeführt. Das Schulterblatt musste frei bleiben, damit die Person sich bewegen konnte. Das restliche Tuch wurde von vorne über die linke Schulter geworfen. Oben wurde alles schön drapiert, damit auch die Streifen gut zu sehen waren. Die Falllinie des Stoffes, die von der Hüfte bis zur Schulter führte, hiess sinus . Zum Schluss wurde ein Stück Stoff unter dem rechten Arm hervorgezogen und über den Sinus drapiert. Die Tasche, die dadurch entstand, wurde umbo gennant. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
Museum Aargau

Memory-Spiel: Die Bewohnerinnen und Bewohner von Schloss Lenzburg

Zurück zum Blog 04. August 2026 Kategorien 20./21. Jh. Quiz & Spiele Bevor Schloss Lenzburg in öffentliche Hand überging, lebten dort zahlreiche faszinierende Persönlichkeiten – von Künstlerinnen und Industriellen bis hin zu einem Polarforscher. In unserem Memory-Spiel lernen Sie einige davon kennen. Finden Sie alle Bewohnerinnen und Bewohner? ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Saison 2026 Künstlerinnen, Industrielle und ein Polarforscher Die illustren Privatbesitzerinnen und -besitzer von Schloss Lenzburg Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Quiz & Spiele Kommentare

 
Schloss Hallwyl

Dauerausstellung

Dauerausstellung Preis Museumseintritt Bau- und Familiengeschichte des Adelsgeschlechts von Hallwyl Wer hat auf Schloss Hallwyl gelebt? Wie haben die Herren von Hallwyl für Recht und Ordnung gesorgt? Und wie haben die Bediensteten gelebt und gearbeitet? Die Dauerausstellung im Schloss gibt Einblick in die Bau- und Familiengeschichte sowie in die verschiedensten Lebensbereiche von Adel und Untertanen. Die Themenbereiche reichen von der Landwirtschaft und der Fischerei über mittelalterliche Arzneimittel bis hin zum damaligen, auf der Religion basierenden Weltbild. Audiovisuelle Shows, ein Audioführer, Schlossmodelle zum Anfassen sowie Truhen und Schränke zum Öffnen machen die Ausstellung zum Erlebnis für die ganze Familie. Dauerausstellung im Wohnmuseum auf Schloss Hallwyl: Bau- und Familiengeschichte des Adelsgeschlechts von Hallwyl

Gradian

Museumsblog

Saturnalia: das wichtigste römische Fest am Jahresende

Im alten Rom feierte man gegen Jahresende im Zeichen Saturns und anderer Agrar-Gottheiten. Doch was genau hat es mit dem Fest der saturnalia auf sich?

Die saturnalia – zu Deutsch Saturnalien – waren ein römisches Fest, das am 17. Dezember anlässlich des Jahresendes gefeiert wurde. Ursprünglich dauerte es wohl nur einen Tag, über die Jahrhunderte verlängerten sich die Feierlichkeiten aber bis auf fünf Tage unter Kaiser Caracalla (188-217 n. Chr.). Der Blogbeitrag behandelt die Rolle der unterschiedlichen Gottheiten bei den Saturnalien, die soziale Funktion der Festivitäten und wie an unterschiedlichen Orten gefeiert wurde.

Die Rolle Saturns und anderer Agrar-Gottheiten

Wie bei jedem Fest der Antike waren nicht nur die Menschen zugegen, sondern auch die Götter – allen voran der namensgebende Saturn, Vater Jupiters und mythischer König aus Roms Vorgeschichte. Die Sichel, die Saturn in den Händen hält, weist ihn als Agrar-Gottheit aus. Unter ihm, so dachte man, herrschten paradiesische Zustände: Frei von Neid und Missgunst gehörte alles allen und auch geackert werden musste nicht: Die Früchte des Feldes und der Bäume gediehen von selbst. Es war ein Zeitalter der Fülle, ein goldenes Zeitalter.

Am Ende des landwirtschaftlichen Jahres, nach der erfolgreichen Aussaat und Einlagerung des Getreides, scheint der Zeitpunkt für die saturnalia nur logisch. Wie das Land über den Winter ruht, so darf auch der Bauer von seiner Feldarbeit ruhen. 

Waren die Vorratskammern gefüllt, gebührte es sich, den dafür verantwortlichen Gottheiten zu danken. Nebst Saturn waren dies weitere Agrar-Gottheiten wie seine Gemahlin Ops (von lat. opus = Werk) und Consus (Etymologie unsicher). Ihnen zu Ehren opferte man, veranstaltete Esel-Rennen und liess die landwirtschaftlich wichtigen Zugtiere schön geschmückt durch die Stadt ziehen. Die Dekorationen im und um die Häuser würden uns nicht ungewöhnlich vorkommen: Nach wie vor sind Kerzen, Stechpalmen und rote Beeren eng mit dem Weihnachtsfest verknüpft.

Die Saturnalien als Umkehrung der sozialen Ordnung 

In einem Brief an einen Freund kommentiert der Stoiker Seneca der Jüngere das Verhalten der Stadtmenschen in Hinblick auf die Festivitäten: 

„Es ist Dezember und der Grossteil der Stadt ist in Aufruhr. Den Leuten werden die Leinen gelockert. Überall ertönen die Geräusche grosser Vorbereitungen, gerade so als ob es einen echten Unterschied gebe zwischen den dem Saturn geweihten Tagen und den gewöhnlichen Werktagen. […] Ob wir uns wie gewöhnlich in die Stadt begeben sollten. Oder ist es besser – um nicht aufzufallen –, wenn wir uns der abendlichen Schlemmerei hingeben und die Toga abwerfen?”

Epistulae 18.1-2

Diese Überlegungen widerspiegeln den Stellenwert der Festlichkeiten und tönen auch die soziale Funktion der saturnalia an. Nebst der Pflichterfüllung gegenüber den Gottheiten zelebrierte man die einstweilige Fülle durch die Aufhebung der normalen gesellschaftlichen Zustände. Alle, die das Fest begingen, setzten sich einen pileus auf, eine konische Filzkappe, die ansonsten nur Freigelassene (ehemalige Gefangene oder Sklaven) trugen.

Unter dem Filzhut der Freiheit waren sich alle gleich. Wer war Herr, wer Sklave? Diese Frage war nun scheinbar bedeutungslos. Sklaven durften ihren Herren beim gemeinsamen Mahl ungestraft die Meinung sagen und wer keinen Rausch hatte, fiel auf. Die Schulen und Gerichte blieben an diesen Tagen geschlossen und sogar das ansonsten untersagte Glücksspiel war erlaubt. Der besonders übermütige dominus schlüpfte gar in die Rolle seiner Sklaven und servierte ihnen beim Gastmahl die Speisen.

Doch wie Seneca an anderer Stelle bemerkt: „Non semper saturnalia erunt”: „Die Saturnalien werden nicht ewig dauern.” Das Fest bot den Sklaven eine Möglichkeit, Unmut und Frustration zu kompensieren, stellte im Grunde aber ein stabilisierendes Moment für die Institution der Sklaverei dar. Soweit das Treiben in Metropolen wie Rom oder Athen. Doch tauschte ein im fernen germania superior stationierter Zenturio seinen mit Helmbusch dekorierten Helm ebenfalls gegen einen Filzhut ein, um sich mit seinen Untergebenen närrischen und zügellosen Aktivitäten hinzugeben?

Die Feier der Saturnalien im römischen Heer

Die Forschung weiss um den immensen Kulturaustausch, der durch die Anwesenheit römischer Legionen in den entferntesten Winkeln des Reiches entstand. Eine Quelle dafür ist das feriale duranum, der Festtagskalender einer in Dura Europos (Syrien) stationierten römischen Auxiliar-Einheit aus dem 3. Jahrhundert. Für die Monate Januar bis September finden sich darauf 41 Festtage, die übrigen Monate sind nicht erhalten. Abgesehen von seinem Schwerpunkt auf kaiserlichen Feierlichkeiten (Thronbesteigungen, Geburtstage, Siege, etc.) zeigt sich eine starke Übereinstimmung mit den stadt-römischen Festtagskalendern. Dies verwundert kaum, waren Armee und Zivilgesellschaft doch in vielerlei Hinsicht analog gestaltet. Es zeigt zudem die Wichtigkeit religiöser Pflichten gegenüber allem Göttlichen, gerade für die Armee. Nicht zuletzt wurde damit eine Integration der multikulturellen Legionen wie auch der Lokalbevölkerung angestrebt.

Obschon in Vindonissa zahlreiche Funde und Befunde zutage kamen, die Licht auf die religiösen Gepflogenheiten in und um das Legionslager werfen, lässt sich nichts Spezifisches über die örtlichen Feste am Jahresende aussagen. Abhilfe schafft ein kleiner Fund aus Vindolanda (Northumberland, England), einem Hilfstruppen-Kastell am nördlichsten Rand des Imperiums. Wie Vindonissa zeichnet es sich durch zahlreiche Funde von Wachstäfelchen aus, mit denen die Legionäre und die schreibkundige Lokalbevölkerung korrespondierten. 

Auf einem Exemplar (Nr. 301) fordert ein Sklave namens Severus einen anderen Sklaven namens Candidus auf, ihm Rettiche für die Saturnalien zu besorgen. Sicherlich keine leichte Aufgabe, wo Rettich doch im milden Mittelmeer-Klima beheimatet ist. Ohne hier näher auf die Motive des Severus eingehen zu können, zeigt das Wachstäfelchen, dass die Saturnalien innerhalb des römischen Heeres durchaus verbreitet sein konnten.

Zahlreiche Beispiele der römischen Geschichte betonen zudem die Wichtigkeit, eine Legion bei Laune zu halten, wollte man keinen Aufstand riskieren. Nun konnte sich nicht die komplette Einheit eines Kastells besaufen, geschweige denn eine ganze Legion. Gleichzeitig steht ausser Frage, dass die Legionäre einem Unterbruch des Wachdiensts oder des Drills nicht abgeneigt waren und ihre Freizeit teilweise mit Nachdruck einforderten. Wie sehr sich Legionäre darauf freuten, zeigen nicht nur die Vielzahl an in Legionslagern gefundenen Spielsteinen und Würfeln, sondern auch ein Brief aus Vindonissa:

„So sollst du erfahren, wo ich das Gastmahl bereite sowie verschiedene Spiele und ein prächtiges Trinkgelage. Morgen, bei den mächtigsten Schutzgeistern des Spiels, werde ich den Würfelbecher wie ein Schwert schwingen. Lebe wohl, treuer Bruder.” (M.A. Speidel, Die röm. Schreibtafeln von Vindonissa, Brugg 1996, Nr. 45)

Ob bei der Familie, bei Freunden, im Bad oder in der Schenke – Möglichkeiten zur Entspannung boten sich den Legionären zur Genüge. Nehmen wir uns an ihnen ein Vorbild und gönnen uns zuweilen eine Ruhepause vom oftmals hektischen Alltag.

Weitere Blogbeiträge

Von Luca Grünig

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