Im Mittelalter waren Feste weit mehr als nur Gelegenheiten zum Feiern: Auch abseits der Höfe spielten Feste eine zentrale Rolle im gemeinschaftlichen Leben. In Dörfern und Städten förderten sie das Zugehörigkeitsgefühl, den Austausch und gemeinsame Traditionen.
Während sich Obrigkeiten aufgrund ihrer Adelstitel bei Festen zusammenfanden, lag bürgerlichen Festen meist ein gemeinsamer Beruf oder ein geteiltes Interesse zugrunde. Im Spätmittelalter schlossen sich städtische Handwerker vermehrt zu Zünften zusammen, um gemeinsam an politischem Einfluss zu gewinnen. Auch Bruderschaften wurden in die Zünfte integriert. Sie bestanden ebenfalls überwiegend aus Handwerkern, legten ihren Schwerpunkt jedoch stärker auf sozial-karitative Aufgaben. Die Zunftfeste selbst fanden meist in einem geschlossenen Rahmen, etwa in Zunftstuben oder Wirtshäusern, statt. Dabei stand nicht ein vornehmes Verhalten, sondern das gemeinsame Essen und der persönliche Austausch im Vordergrund.
Die Zünfte traten aber auch an grösseren Festen als Gemeinschaft auf, beispielsweise bei Stadtfesten oder religiösen Anlässen. Wenn möglich nahmen die Handwerker-Zünfte gerne an Umzügen teil, um den Mitbürgerinnen und Mitbürgern ihre handwerklichen Fähigkeiten präsentieren zu können.

Schützenfeste im Mittelalter
Ebenfalls im Spätmittelalter zu verordnen ist der Ursprung von Schützenfesten. Die anfangs als Musterung und Wehrübungen gedachten Anlässe entwickelten sich nach und nach zu geselligen Festen. Geschossen wurde zu Beginn noch mit Pfeil und Bogen oder Armbrust. Die älteste Armbrust aus der Sammlung stammt aus dem 16. Jh. und wurde seinerzeit im militärischen Kontext bereits vermehrt von den aufkommenden Handfeuerwaffen abgelöst. Als Jagd- oder Sportwaffe fand sie jedoch weiterhin Verwendung.

Mit dem Aufkommen der teureren Feuerwaffen im 15. Jh. dienten Schützenfeste immer mehr der städtischen Repräsentation sowie der militärischen Machtdemonstration. Im Zentrum standen einerseits die Schiesswettkämpfe, bei denen die besten Schützen mit Preisen ausgezeichnet wurden. Andererseits waren auch hier die Geselligkeit und der Austausch untereinander von grosser Bedeutung. Sowohl die Zunftfeste als auch die Schützenfeste waren identitätsstiftende Elemente und förderten das Zugehörigkeitsgefühl der städtisch-bürgerlichen Gesellschaft.
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