Museum Aargau

5 faszinierende Fakten über römische Münzen

Zurück zum Blog 28. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Münzgeld verliert heutzutage zunehmend an Bedeutung. Römische Münzen waren bei den Römern hingegen das zentrale Zahlungsmittel und ermöglichten Einkäufe und Handel im ganzen Reich. Doch was macht römische Münzen so besonders und wofür wurden sie verwendet? "Pecunia non olet" – Geld stinkt nicht. Diese Redewendung geht auf Kaiser Vespasian zurück, der zur Finanzierung des Staates eine Steuer auf öffentliche Latrinen einführte. Als sein Sohn Titus die Moral dieser Steuer beanstandete, hielt Vespasian ihm Münzen aus der Steuereinnahme unter die Nase und fragte, ob der Geruch ihn störe. Natürlich nicht, da Münzen per se keinen Geruch haben. Doch was macht römische Münzen sonst aus? Münzen wurden geprägt In Vindonissa wurde 2004 ein Münzstempel gefunden. Die Untersuchung des Münzstempels ergab, dass dieser Stempel zum Prägen von Silber- und Goldmünzen ( denare und aurei ) des Kaisers Tiberius (14 – 37 n. Chr.) benutzt wurde. Der Fund eines Prägestempels ist einerseits aussergewöhnlich, da diese eigentlich sorgfältig aufbewahrt und nach Gebrauch nicht einfach so entsorgt wurden, um einen unautorisierten Gebrauch zu verhindern. Andererseits ist der Fundort in einem Legionslager ungewöhnlich. Münzen wurden normalerweise in Rom oder in anderen offiziellen Münzprägestätten (z. B. in Lugdunum/Lyon) produziert. Vindonissa war also eigentlich keine Prägestätte. Ist dies somit ein Hinweis darauf, dass damit Münzfälschungen hergestellt wurden? Als Beispiel: In der Insula 50 in Augusta Raurica wurden Hinweise zur Produktion von Münzfälschungen sowie Falschmünzen selber gefunden. Diese Münzen waren anstatt aus massivem Silber nur aus versilberter Bronze. Im Gegensatz zu Augst wurden aber in Vindonissa keine direkten Hinweise auf die Produktion von Fälschungen gefunden. Eine andere Erklärung für diesen Umstand ist, dass Münzen nicht nur zentral geprägt wurden, sondern ausnahmsweise auch an anderen Orten. Da die wichtigste Empfängergruppe für Münzen Soldaten waren, wäre es nachvollziehbar, die Münzen dort zu prägen, wo sie auch schnell und in grosser Menge hinmussten. Vindonissa als logistisches Zentrum im Hinterland und in der Nähe der Truppen an der Rheingrenze wäre dafür prädestiniert gewesen. Die Rohform der Münze (Schrötling) wird zwischen zwei Stempel gelegt und durch einen gezielten Hammerschlag geprägt. Münzen wurden als Propagandamittel genutzt Die Münzen im Römischen Reich wurden in offiziellen Prägestellen geprägt und erlaubten es, die Bevölkerung bis in die hintersten Winkel des Reiches zu erreichen. Römische Münzen zeigten meist das Porträt der aktuellen Kaiser auf der Vorderseite und auf der Rückseite oft militärische Erfolge, Bauwerke, Götter oder Personifikationen. Münzen wurden in Serien geprägt und die darauf abgebildeten Kaiser lassen sich eindeutig bestimmten Regierungszeiten zuordnen, was es Numismatikerinnen und Numismatikern (Münzwissenschaftlerinnen und Münzwissenschaftler) ermöglicht, einen Herstellungszeitraum zu bestimmen. Dem Kaiser wiederum ermöglichte es, bis in die Provinzen Propaganda zu betreiben. So nutzte Kaiser Augustus die Münzprägung beispielsweise gezielt als Werbeträger seiner kaiserlichen Selbstdarstellung. Durch die wiederholte Abbildung eines jugendlichen, kraftvollen Feldherrn präsentierte er sich selbst als ewig jungen und entschlossenen Sieger. Auf den Münzen erschienen neben seiner eigenen Gestalt aber auch militärische und aussenpolitische Erfolge, sodass das gesamte Reich ständig über seine Siege informiert wurde. Gleichzeitig legitimierte er damit seinen Herrscherstatus, indem er seine Leistungen öffentlich machte. Münzprägestempel, gefunden in Vindonissa für die Prägung von Münzen des Kaisers Tiberius. © Kantonsarchäologie Aargau Münzen wurden ausbezahlt und verschenkt Der Eintritt in die Legion brachte viele Vorteile mit sich. Einer davon war der gute Lohn. Nach dem einmaligen Eintrittsgeld erhielten die römischen Legionäre in der Kaiserzeit meist dreimal pro Jahr ihren Sold ( stipendia ) ausbezahlt. Zu Zeiten von Kaiser Domitian, gegen Ende des 1. Jh. n. Chr., verdiente ein Soldat etwa 1200 Sesterzen. Konnte man sich zum Fahnenträger hocharbeiten, verdiente man sogar das Doppelte (2 400 Sesterzen) und als Centurio sogar das 15‑fache (18 000 Sesterzen). Die Soldaten mussten davon bis zu zwei Drittel für Versorgungskosten abgeben, etwa für Waffen, Kleidung und Verpflegung. Die Legionäre erhielten nicht nur Sold, sie hatten auch Anrecht auf Kriegsbeute oder erhielten Geldgeschenke ( donativa) , welche der Kaiser unter den Soldaten verteilte. Manche donativa waren Ausdruck von Dankbarkeit für erhaltene Gefälligkeiten und andere waren Bestechungen für zukünftige Gegenleistungen. Überwiegend wurden sie zum Regierungsantritt eines Kaisers ausgezahlt. Es gab aber auch andere Möglichkeiten, sich als Soldat etwas dazuzuverdienen. Ein Beispiel ist das Verleihen von Geld mit Zinsen, wie es eine Schreibtafel aus Vindonissa bezeugt. Auf dieser Schreibtafel beglaubigen fünf Zeugen mit Siegel, dass Lucius Haterius Marius dem Sextus Carisius Maximus am 25. Januar 90 n. Chr. für dreissig Tage Geld lieh. Der Text ist durchgestrichen, womit der Schuldner vermutlich das Geld ordnungsgemäss zurückerstattet hatte. © Kantonsarchäologie Aargau Auch bei der ehrenvollen Entlassung aus dem Dienst ( honesta missio ) wurden Legionären nach ihrer 25-jährigen Dienstzeit Geld ausbezahlt, mit dem Vorteil, dass Veteranen dann von Steuern und anderen Verpflichtungen gegenüber dem Staat befreit waren. Münzen wurden aufbewahrt Münzen für den täglichen Bedarf trugen die Römer und Römerinnen in einer Geldbörse mit sich. Dies war oft ein kleines Säckchen aus Leder oder Stoff, welches mit einer Kordel verschlossen wurde. Man konnte diesen Beutel an einem Gürtel oder um den Hals tragen. Es gibt seltene Funde von metallenen "Handgelenksgeldbörse", welche vermutlich von Legionären getragen wurden. Solche wurden zum Beispiel in Südmähren (CZ), in York (UK) sowie in Vindonissa gefunden. Links: Beispiel einer "Handgelenkgeldbörse" aus einer Kupferlegierung aus York (UK), vermutlich aus dem 2.-3. Jh. n. Chr. © York Museums Trust/Wikimedia Commons. Rechts: Eine "Handgelenksgeldbörse" aus Bronze. © Kantonsarchäologie Aargau Aber auch das ersparte Geld musste an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. So gibt es Beispiele für persönliche Spardosen. Diese wurden häufig aus Ton in verschiedenen Formen hergestellt oder aus Tontöpfen umfunktioniert, wie ein Beispiel aus Vindonissa zeigt. Den Spartopf nannte man aulularia, die Verkleinerungsform von aula (Topf), also Töpfchen. Krug aus Ton, der zu einer Sparbüchse umfunktioniert wurde. © Kantonsarchäologie Aargau In den Legionslagern wurde das Geld für die Soldzahlungen, wie zum Teil auch die Ersparnisse der Legionäre, in einem Tresorraum aufbewahrt. In Vindonissa konnte der Tresorraum der 21. und 11. Legion ausgegraben werden. Dieser befand sich unter dem Fahnenheiligtum , da dies einer der bestbewachten Orte im Legionslager war und der Feldzeichenträger auch dafür verantwortlich war, die Gelder der Soldaten zu verwalten und zu bewachen. Münzen wurden mitbestattet Während des 1. Jh. n. Chr. war in Vindonissa Brandbestattung üblich. Seltener wurden Menschen zu dieser Zeit auch körperbestattet. Wieso gewisse Menschen körperbestattet wurden, könnte folgende Gründe haben: Aus kulturellen Gründen (Zuwanderung aus einer Region, in der Körperbestattung üblich war). Die Bestatteten waren Aussenseiter der Gesellschaft. Die Bestatteten waren zu arm für ein reguläres Begräbnis. Die Bestatteten waren Menschen, die als junge Erwachsene zu früh verstorben sind und bei denen somit der normale/übliche Lebenskreislauf nicht vollendet wurde. Typische Beigaben bei Körper- und Brandbestattungen waren persönliche Gegenstände, Geschirr, Speisen, Öllämpchen, sowie Münzen. Manchmal wurden Münzen bei Bestattungen dem Verstorbenen in den Mund gelegt, damit der Verstorbene im Jenseits den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Totenreich bezahlen konnte. Nur im Mund kam die Münze sicher bis dahin mit. Diese Begräbnissitte haben die Römerinnen und Römer von den Griechen übernommen. Obolus für den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Jenseits. © Kantonsarchäologie Aargau Verwendete und weiterführende Literatur Doppler, H. W., Pauli-Gabi, T. und Peter, M.: Der Münzstempel von Vindonissa. Jahresbericht / Gesellschaft Pro Vindonissa 2004. https://doi.org/10.5169/seals-282942 Hintermann, D. (Hrsg.) Vindonissa-Museum Brugg. Ein Ausstellungsführer 2012. S. 63-68 und S. 156-164. Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum Frühmittelalter 5: Römische Zeit. Bäder – Reben – Legionen. SPM V 2002. S. 179-186 und S. 332-355. Von Chiara Huwiler Von Chiara Huwiler Chiara Huwiler ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

 
Schloss Lenzburg

Eine Zeitreise: 50 Jahre Geschichtsvermittlung

Sonderausstellung Saison 2025/2026 Preis Im Eintritt inbegriffen 0 Sonderausstellung zur Pionierrolle in der Schweizer Museumspädagogik Schloss Lenzburg beleuchtet 2025/2026 in einer Sonderausstellung seine Pionierrolle in der Geschichtsvermittlung. Vor 50 Jahren arbeiteten hier erstmals Museumspädagoginnen und -pädagogen spielerisch mit Kindern – ein Novum in der Schweiz. In der kleinen Ausstellung "Eine Zeitreise: 50 Jahre Geschichtsvermittlung" erzählen Pionierinnen und Pioniere, wie sie ab 1975 Geschichte zum Erlebnis für alle Sinne machten – mit feuerspeienden Drachen, verkleideten Gräfinnen und Rittern und gemeinsamem Kochen. Die Sonderausstellung im Wendelzimmer und zusätzliche Stationen in der Dauerausstellung sprechen alle Sinne an: Besucherinnen und Besucher hören, sehen, riechen und ertasten Geschichte. Für Erinnerungsfotos werden mittelalterliche Kopfbedeckungen aufgesetzt. Zudem sind Objekte und Geschichten der lokalen Bevölkerung zu persönlichen Erlebnissen auf Schloss Lenzburg ausgestellt. Sonderausstellung: "Eine Zeitreise. 50 Jahre Geschichtsvermittlung auf Schloss Lenzburg".

 
Schloss Wildegg

Museumswald

Museumswald Preis Eintritt frei Ort Der Museumswald befindet sich oberhalb des Spielplatzes bei Schloss Wildegg 0 Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert Der Museumswald von Schloss Wildegg zeigt die Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert: als Speisekammer, Holzlieferant, Weidefläche und Jagdrevier. Kern des Museumswaldes ist die Waldweide. Im Früh- und Spätsommer grasen hier Geissen, wie vor 200 Jahren. Führungen und Workshops lassen diese historische Waldnutzung lebendig werden und beleuchten die heute so aktuellen Themen Biodiversität und Naturschutz. Museumswald auf Schloss Wildegg: Waldnutzung im 18. und frühen 19. Jahrhundert

 
Museum Aargau

Licht ins Dunkel: Das farbige Mittelalter

Zurück zum Blog 08. Juli 2026 Kategorien Mittelalter Historische Kleidung Trug man im Mittelalter nur graue und braune Kleidung? Weit gefehlt! Eine Hommage an die Farbigkeit dieser Epoche. Das Klischee des "dunklen Mittelalters" hält sich in der breiten Bevölkerung und in der medialen Kultur hartnäckig – zum Frust von Historikerinnen und Historikern sowie anderen, welche sich mit dieser Epoche differenzierter auseinandersetzen. Wenn man im alltäglichen Kontext etwas als "mittelalterlich" bezeichnet, ist dies negativ geprägt und soll "rückständig" ausdrücken. Allerdings war das Mittelalter aufgeklärter, heller und bunter, als es die heutige kollektive Vorstellung vermuten lässt. "Das Mittelalter" wird in Film und Fernsehen gerne mit einem Graufilter porträtiert, um die Erwartungen des fälschlich geprägten Publikums zu erfüllen. Auch angeblich "historische" Dokumentationen zeigen Personen in einer gleichmässigen Einheit dunkler, fader und teils auch verdreckter Kleidung dargestellt. Das Mittelalter war jedoch genauso vielfältig wie jede andere Epoche, was Farbigkeit anging. Von wunderschön illuminierten Handschriften über Glasfenster bis hin zu Schmuckstücken, Keramik und eben auch: Kleidung ! Geschichte der Textilfärberei Entgegen den klischierten Vorstellungen trugen die Menschen aller mittelalterlichen Stände definitiv Farbe. So konnten Blau, Hellgrün, Gelb und Rot aus günstigen Färbemitteln gefärbt werden. Allerdings markierten Färbegrad und Färbemittel einen Unterschied im sozialen Status – aber dazu weiter unten mehr. Synthetische Farbstoffe wurden erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Bis dahin färbte man Textilien mit natürlichen Farbstoffen aus Pflanzen (Wurzeln, Blättern, Rinden, Hölzern, Blütenteilen, Samen) sowie aus Tieren und Metallen. Textilien wurden bereits in der Jungsteinzeit gefärbt und das Wissen über das Färben von Textilien war insbesondere in China, Persien, Syrien und Ägypten präsent und verbreitet. In unseren Breitengraden färbten bereits die europäischen Pfahlbauer ihre Kleidung. In der Antike beizte man die Textilien mit Alaun, Eisen- und Kupfervitriol. Beizen bedeutet, dass die Farbintensität gefestigt und vertieft wurde. Funde von Alaun-Amphoren in Augusta Raurica zeugen davon, dass dieser Rohstoff in die heutige Schweiz gehandelt wurde. Gefärbt wurden Fasern und Stoffe aus Wolle, Leinen und Seide, wobei Leinen nicht so farbintensiv wie die anderen beiden pflanzlich gefärbt werden kann. Färbemittel In Europa wurden für die drei Grundfarben hauptsächlich folgende Pflanzen verwendet: Blau: Waid (Isatis tinctoria), aus den Blättern Rot: Krapp ( Rubia tinctorum) , aus dem Wurzelstock Gelb: Wau/Reseda ( Reseda luteola) , aus den oberen Pflanzenteilen, besonders den blühenden Ästen Der Anbau von Färberpflanzen machte die jeweiligen Ortschaften reich, so zum Beispiel die Stadt Erfurt in Thüringen, welche sich zum Zentrum des mittelalterlichen Waidhandels etabliert hatte ("Erfurter Blau"). Das Elsass in Frankreich und die Stadt Speyer in Deutschland waren berühmte Orte für den Krappanbau und -handel (bspw. "Speyerer Rot"). Für Gelb verwendete man neben Wau auch Färberkamille, Zwiebelschalen und wertvollen Safran. Indigo als blaues Pigment war bekannt, musste aber teuer importiert werden. Mit Indigo gefärbte Stoffe waren entsprechend wertvoll. Erst im ausgehenden 16. Jahrhundert, als die aus Indien stammende Indigopflanze in der Karibik kultiviert wurde, löste das stärker und leuchtender färbende Indigo den Waid ab. Färberwaid, Färberkrapp (Wurzeln) und Färberwau, Wikimedia commons. Noch teurer als Indigo war Purpur. Für ein Gramm Purpurfarbstoff benötigt man 10 000 Purpurschnecken. Bis ins 15. Jahrhundert wurde dies nur in Konstantinopel hergestellt und war den Kaisern vorbehalten. Senatoren markierten ihren Status ebenfalls mit purpurnen Streifen an ihren Togae . Nachdem Konstantinopel 1453 erobert wurde und das Byzantinische Reich zerfiel, verschwand das Wissen zur Herstellung von Purpur. Es wurde durch das sogenannte Kermesrot ersetzt, das aus weiblichen Kermesschildläusen gewonnen wurde. Dieses wurde wiederum im 16. Jahrhundert durch die aus Amerika eingeführte Cochenille-Schildlaus abgelöst. Damit können intensivste Pinkfärbungen erzeugt werden. Je nach Seltenheit und Aufwand ergibt sich der Wert einer Farbe – Textilien sollten möglichst lichtecht und waschfest gefärbt sein. Diese Qualität in den Textilien erlaubt es auch den «Gutbetuchteren», ihren Reichtum und ihren Stand über die Farbe und Qualität ihrer Kleidung zu demonstrieren. Je höher die Sättigung einer Farbe, desto teurer also der Stoff. Mehrfachfärbungen waren ebenfalls teurer. Alle Stoffe gefärbt von Stefan Fankhauser, Schönfärbery. Je dunkler der Farbton, desto öfter wurde ein Stoff gefärbt und ist dadurch teurer. Identität und Repräsentation: Kleiderordnungen "Kleider machen Leute" und wie heute versuchten Menschen sich auch im Mittelalter mittels Mode schick zu machen. Der Ausdruck des sozialen Status in der ständischen, mittelalterlichen Gesellschaft über die äussere Erscheinung wurde zum Missfallen der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit auch überstrapaziert. Um den Ausdruck über Äusserlichkeiten, also auch über die Qualität der Farbigkeit von Textilien zu regeln, wurden die sogenannten Kleiderordnungen erlassen. Ab dem 12. Jahrhundert versuchte die Obrigkeit, die Vermischung der Grenzen zwischen den Ständen durch sogenannte Sittenmandate zu kontrollieren und einzudämmen. Sittenmandate regelten die maximal zulässige "Aufwändigkeit" an Kleidung. Dies galt nicht nur zwischen den Ständen, sondern auch zwischen den Geschlechtern. Die Zürcher Kleiderordnung aus dem 14. Jahrhundert gab vor, dass nur junge, unverheiratete Frauen ihre Kleidung mit Edelmetallen und Edelsteinen schmücken durften, verheiratete und verwitwete jedoch nicht. Burgundische Mode. Regnault de Montauban, rédaction en prose, tome 1er. Bibliothèque nationale de France, Bibliothèque de l’Arsenal, Ms-5072, fol. 270v, 2, Hälfte 15. Jahrhundert. Der Berner Twingherrenstreit ist ein anschauliches Beispiel für einen Konflikt um Kleiderordnungen, an dem auch ein ehemaliger Bewohner von Schloss Lenzburg beteiligt war. Im Jahr 1469 wurde eine bereits bestehende Kleiderordnung von 1464, welche sich gegen Adelige richtete, vom neu gewählten, bürgerlichen Schultheissen erneuert. Der Berner Adel wehrte sich und verstiess absichtlich gegen die neuen Regeln. Unter den Gegnern war auch Twingherr Adrian I. von Bubenberg – er amtete von 1457 bis 1461 als bernischer Vogt auf der Lenzburg. Twingherrenstreit. Aus: Bern, Burgerbibliothek, Mss.h.h.I.3, p. 87 und p. 100 – Diebold Schilling, Amtliche Berner Chronik, Bd. 3, 1478-1483. In der Verordnung wurde das Tragen der damals beliebten, burgundischen Mode verboten: spitze Schnabelschuhe und lange Schleppen bei Damen und kurze Männergewänder. Angehörige des Adels demonstrierten dagegen, indem sie mit Schleppen und Schnabelschuhen zur Messe erschienen. Dies führte zu einem Gerichtsprozess, in dem sie argumentierten, ein Recht auf Markierung des Standesunterschiedes zu haben. An Werktagen könnten sie keine Kleidung aus Seide oder Gold tragen, weshalb sie auf Schnabelschuhe und Schleppen angewiesen seien. Die Adeligen wurden darauf mit einer Busse belegt und für einen Monat aus der Stadt Bern verbannt. Sie wurden aber bald schon aufgrund der Wirtschaftlichkeit wieder zurückgeholt und die Kleiderordnung musste angepasst werden. Ein Beispiel für eine Ordnung, welche ungefärbte, graue Wolle vorsah, stammt aus dem tirolischen Brixen. 1215 schrieb das Vierte Laterankonzil vor, dass die dort ansässigen Kleriker sich bescheiden zu kleiden hatten. Die Verwendung roter Farbe wurde untersagt. Sie war sehr beliebt, doch rotes Wolltuch musste teuer aus Flandern und den Niederlanden importiert werden, weil die einheimische Wolle von der Qualität her keine kräftige Rotfärbung zuliess. Später wurde auch Grün verboten, welches mit einer zusätzlichen Färbung des teuren Indigos besonders leuchtend gefärbt wurde. Ein weiteres Klischee: Die Farbe Gelb Ein kollektives Wissen über die Verwendung der Farbe Gelb zur Kennzeichnung von Randgruppen ist weit verbreitet. Allerdings greift dieses Bild oft zu kurz, weshalb der Zusammenhang hier genauer betrachtet werden soll. Ein päpstliches Legat bestimmte mit dem sogenannten Judendekret 1451/52 u.a., dass alle in der Bamberger Diözese lebenden Juden einen gelben Ring auf ihrem Gewand oder Mantel tragen mussten. Aber: Jüdinnen mussten an ihren Kopfbedeckungen oder Schleiern zwei blaue Streifen tragen. Also auch hier: Vorsicht bei Verallgemeinerungen über Farbcodierungen. Ausserdem hält sich das Klischee, dass Prostituierte gelbe Kleider getragen haben, hartnäckig. Dies ist aber ebenfalls nicht belegbar. Im 15. Jahrhundert bestimmten einige Städte gelbe Markierungen für Prostituierte (aufgenähte Streifen, Tücher oder Schleier), allerdings nie komplette Kleider. Andere Vorgaben schrieben das Tragen von roten oder grünen Kleidungsstücken vor. Die Gruppen „Kurfürstlich Sächsische Kriegsknechte 1475“ und „1476 – Städtisches Aufgebot e.V.", Foto von Sebastian Bergner. Pflanzenfarben – so bunt wie ein Prisma Das Gruppenfoto der "Kurfürstlich-Sächsischen Kriegsknechte" und dem "1476 Städtisches Aufgebot e.V" – zwei Reenactmentgruppen aus Deutschland – zeigt eindrucksvoll, wie farbig und vielfältig das späte 15. Jahrhundert sein konnte und welche Farbigkeit mit den im Mittelalter verfügbaren Farbstoffen erreicht werden kann. Dieser Blogbeitrag kann das breite Thema des farbigen Mittelalters nicht vollständig abdecken. Er soll aber helfen, das Klischee vom dunklen und grauen Mittelalter ein wenig zu widerlegen. Verwendete und weiterführende Literatur Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 47-63. Fankhauser, Stefan: Schönfärberey : https://schoenfaerberey.ch/index.html , 04.07.2026. Feusi, Giovanna: Pigmente der Nachhaltigkeit : https://dlf.uzh.ch/sites/pigmentedernachhaltigkeit/2022/07/22/ , 04.07.2026. Fuchs Lisa und Reifinger Petra: Das bunte Mittelalter (1): Herstellung von Farben , Universitätsbibliothek Graz, https://ub.uni-graz.at/de/neuigkeiten/das-bunte-mittelalter-1-herstellung-von-farben/ , 04.07.2026. Linares, Marina: Kunst und Kultur im Mittelalter . In: Farbe im Mittelalter. Materialität – Medialität – Semantik, Berlin 2011, Bd.1, S. 297-311. Museum Wiesbaden, Ausstellung " Tierisch rot ", https://museum-wiesbaden.de/tierisch-rot , 25.06.2026. Ploss, Emil Ernst: Ein Buch von alten Farben. Technologie der Textilfarben im Mittelalter mit einem Ausblick auf die festen Farben , 2. Aufl., München 1967. Simon-Muscheid, Katharina: "Kleidung" . In: Historisches Lexikon der Schweiz: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016302/2008-10-16/ , 04.07.2026. Sorores Historiae: Das Gelbe vom Ei – Von der Verwendung gelber Farbstoffe im Mittelalter , https://sororeshistoriae.com/2019/09/03/das-gelbe-vom-ei-von-der-verwendung-gelber-farbstoffe-im-mittelalter/ , 04.07.2026. Torggeler, Armin: Verbotene Farben. Die Rolle von Textil und Kleidung in den Reformbestrebungen des Nicolaus Cusanus . In: Nicolaus Cusanus. Ein unvergessenes Genie in Tirol. Runkelsteiner Schriften zur Kulturgeschichte 9, Bozen 2016, S. 105-131. NÄCHSTE VERANSTALTUNGEN Mittelaltermarkt mit viel Spektakel Historische Marktstände, Handwerk und viele weitere Highlights auf der Burg Workshop: Kleid aus dem Hochmittelalter nähen Zweitägiger Workshop mit Kostümexpertin Alice Severin Von Manuela Nipp Von Manuela Nipp Manuela Nipp ist Historikerin und Geschichtsvermittlerin im Team Bildung und Vermittlung von Museum Aargau. 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Museum Aargau

Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte

Zurück zum Blog 16. Juni 2026 Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Mit dem dritten Band seiner Reihe "Aargauer Industriegeschichten" rückt Museum Aargau ein bislang wenig beachtetes Kapitel in den Mittelpunkt: die Möbelbranche des Kantons. Entdecken Sie in diesem Blogbeitrag fünf ausgewählte Highlights aus der Aargauer Möbelgeschichte. Der Kanton Aargau gehört unbestritten zu den bedeutendsten Industriekantonen der Schweiz. Neben Maschinen‑, Metall‑, Elektro‑, Textil‑ und Schuhindustrie zählen auch Nahrungs‑, Getränke‑ und Tabakproduktion zu seinen wichtigen Wirtschaftszweigen. Weniger beachtet wird jedoch, dass der Kanton ein bedeutender Standort für Möbelproduktion und -handel war. Firmen wie Pfister, de Sede oder Thut haben Generationen von Schweizer Wohn‑ und Büroräumen geprägt. Die neue Publikation " Möbelindustrie und -handel seit 1870 " des Möbelhistorikers Dieter Pfister beleuchtet diese Erfolgsgeschichte nun systematisch. Anhand von fünf Highlights aus der Sammlung Museum Aargau geben wir Ihnen hier einen kleinen Einblick in diese Geschichte. Wisa Gloria AG Die Lenzburger Kinderwagenfabrik Wisa Gloria ging im Jahre 1913 aus dem Zusammenschluss der Firmen "Neeser & und Widmer" aus Lenzburg und "Sender & Co" aus Schaffhausen hervor. Der Name "Wisa" setzte sich aus den beiden Gründernamen "Widmer" und "Sandmeier" zusammen. Obwohl der Hersteller hauptsächlich für Kinderwagen und Spielzeug bekannt war, stellte er auch Kindermöbel her. Faltliege, Wisa Gloria, 1940er-Jahre, 54,5 x 70 x 190 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-17003. © Museum Aargau Wie es zur Produktion der abgebildeten Faltliege kam, kann lediglich gemutmasst werden. Die ein Meter neunzig lange Liege mit simplem Streifenmuster scheint nämlich eher für Erwachsene als für Kinder produziert worden zu sein. Ihr Faltmechanismus ermöglichte das Verstauen auf kleinstem Raum und konnte so nicht nur allfälligen Platzproblemen entgegenwirken, sondern auch ganz einfach transportiert werden. Dies war jedoch nicht die einzige Besonderheit der um 1940 erschienenen Wisa-Gloria-Liege: denn im gefalteten Zustand konnte sie auch als Beistelltisch dienen. Faltliege, Wisa Gloria, 1940er-Jahre, 54,5 x 70 x 190 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-17003. © Museum Aargau A. Vogel & Cie. Als Sohn eines Schreiners übernahm Alfred Vogel 1945 die "Vogel & Co. Möbelwerkstätten" seines Vaters und benannte sie in "A. Vogel & Cie." um. Die in Kölliken beheimatete Firma beschäftigte sich über 70 Jahre lang mit dem Innenausbau von Gebäuden und der Herstellung von Möbeln. Einige sehr gut erhaltene Exemplare der "A. Vogel & Cie." fanden im Jahr 2014 den Weg in die Sammlung des Museum Aargau . Buffet, Entwurf Alfred Vogel für A. Vogel, 1940er-Jahre, 144 x 110 x 45 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-19874. © Museum Aargau Dieses elegante Buffet ist eines von zwei identischen Elementen eines Esszimmerensembles. Es wurde in den 1940er Jahren zur Aufbewahrung von Geschirr und Besteck entworfen. Alfred Vogel war selbst Möbeldesigner und liess sich bei seinen späteren Entwürfen von japanischen Produktionen inspirieren. H. Woodtly & Cie. AG Hans Woodtly war jahrelanger Teilhaber der Brugger Möbelfirma "Simmen", bevor er 1919 entschloss, ein eigenes Möbelgeschäft in Aarau zu gründen. Im Jahr 1922 wurde die Firma um eine Möbelwerkstatt erweitert. Für die Abteilung Möbel- und Einrichtungsgestaltung war ab den 30er Jahren der Zürcher Karl Bonert verantwortlich. Auch von seinen Kreationen besitzt die Sammlung Museum Aargau einige interessante Stücke. Fauteuil, Entwurf Karl Bonert für Woodtly, 1937, 75 x 65 x 80 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18241.1. © Museum Aargau Wie etwa diesen geschwungenen Sessel: Entworfen 1937 von Karl Bonert für die Firma Woodtly. Der hochwertige Rahmen aus Kirschbaumholz wurde mit einem Geflecht ausgefüllt, das dem Sessel ein luftiges Design verleiht. Die losen Sitzkissen weisen leider nicht mehr den originalen Bezugsstoff auf. Besondere Bekanntheit erlangte der Woodtly-Sessel, weil er im Produktionsjahr auf der Frontseite des Wohnkultur-Magazins "Das ideale Heim" erschien. Deck-Blatt "Das ideale Heim", Juni 1937, 29 x 21 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-20058b. © Museum Aargau Thut AG Die Möbelfabrik Walter Thut AG entstand 1959 aus einer zwanzig Jahre zuvor gegründeten Möbelschreinerei in Möriken. Im Jahr 1970 übernahm Walter Thuts Sohn Kurt die Firma, die bis heute Möbel selbst entwirft und produziert. Ab den 1980er Jahren verwendete die Schreinerei neue Materialien und Technologien und machte sich als moderne Fabrikationswerkstatt über die Grenzen des Kantons Aargau hinaus einen Namen. Pavatexschrank, Entwurf Kurt Thut, 1953, 186 x 113 x 48,5 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18182. © Museum Aargau Den abgebildeten Pavatexschrank entwarf Kurt Thut kurz nach seinem abgeschlossenen Studium an der Kunstgewerbeschule 1953 in Zürich. Das Exemplar der Sammlung von Museum Aargau befand sich bis 2008 im Privathaushalt der Familie Thut. Bei Pavatex handelt es sich um Holzfaserplatten, die bei der Herstellung entwässert, getrocknet und gepresst werden. Beim vorliegenden Schrank fanden die grau lackierten Pavatex-Platten als Türfüllung und als Wandmaterial Verwendung. J. Ströbel AG Jakob Ströbel war gerade einmal 24 Jahre alt, als er gemeinsam mit seiner Frau Marie Ströbel 1933 in Frick seine eigene Firma gründete. Bevor die beiden Jungunternehmenden 1944 die erste eigene Fabrik errichten liessen, beauftragten sie mehrheitlich kleinere und lokale Schreinereien mit der Herstellung von Möbelkomponenten. Die Spezialität der J. Ströbel AG war die Verarbeitung des wertwollen Teakholzes. Das daraus entstandene Möbelprogramm "Swiss-Teak" des Designers Adolf Suter verschaffte der Firma landesweite Bekanntheit. Teakholz-Schreibtisch, Modell 6011, Entwurf Adolf Suter für Jakob Ströbel, 1960er-Jahre, 73 x 140 x 47 cm, Sammlung Museum Aargau, Inv.-Nr. K-18245.2. © Museum Aargau Adolf Suter absolvierte in den 1930er-Jahren seine Lehre bei Jakob Ströbel. Während eines Auslandsaufenthalts in Dänemark kam ihm die Idee für die später beliebten Teakholz-Möbel. In Nordeuropa verwendeten Möbelhersteller bereits seit langer Zeit Teakholzreste aus dem Schiffsbau für die Möbelproduktion. Voller Inspiration kehrte Adolf Suter nach seiner Weiterbildung und den Kriegsjahren zur J. Ströbel AG zurück und entwarf neben vielen anderen Teak-Möbeln auch den oben abgebildeten Schreibtisch. Neues Buch: Möbelindustrie und -handel seit 1870 Die Beschäftigung mit der Geschichte der Aargauer Möbelproduktion zeigt deutlich: Der Aargau ist ein Möbelkanton und darf als solcher in der Geschichtsforschung nicht unterschätzt werden. Dank der langjährigen Arbeit von Peter Brack, dem ehemaligen Konservator-Restaurator von Museum Aargau, können die Spuren der Aargauer Möbelindustrie bis heute nachvollzogen werden. Das Ergebnis einer solchen Nachforschung liegt seit dem 11. Juni im Band 3 der Buchreihe "Aargauer Industriegeschichten" vor. Die Publikation trägt den Titel "Möbelindustrie und -handel seit 1870" und ist sowohl in den Shops von Museum Aargau als auch online erhältlich. Online bestellen Aargauer Industriegeschichten Band 3, Möbelindustrie und -handel seit 1870, Autor: Dieter Pfister, Herausgeber: Museum Aargau, Juni 2026. © Museum Aargau Weitere Blogbeiträge 09. Juni 2026 Memory-Spiel: Die Aargauer Möbelindustrie Die Aargauer Möbelindustrie hat eine spannende und stille Erfolgsstory. In unserem Memory-Spiel treffen Sie auf Möbelklassiker aus dem… 19. Dezember 2023 Uniformierter Frisch-Service von Zweifel Pomy-Chips AG Museum Aargau hat ein Buch zur Geschichte der Zweifel Pomy-Chips AG veröffentlicht. Anlässlich dieser Publikation schenkte Zweifel der… 18. November 2025 Vom Sparschäler bis zur Alufolie: Schweizer Alltags-Erfindungen Viele Küchenhelfer, die wir täglich benutzen, sind Schweizer Erfindungen. Ob in der Küche, beim Frühstück oder beim Verpacken: kleine Ideen… Von Seraina Zorli Von Seraina Zorli Seraina Zorli ist Praktikantin der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Vindonissa Museum

Römischer Garten von Vindonissa

Preis: im Museumseintritt inbegriffen 0 Rekonstruierter Ziergarten des Legionskommandanten Der römische Garten beim Vindonissa Museum ist eine Oase der Ruhe und Sinnlichkeit. In den Beeten wächst eine bunte Pflanzenpracht, in den Brunnen und Becken plätschert das Wasser. Ein Säulengang umrahmt die 450 Quadratmeter grosse Anlage. Diese ist in ihrer Dimension einzigartig in der Schweiz. Im römischen Garten von Vindonissa wachsen rund 40 Pflanzenarten, die für Vindonissa archäobotanisch bezeugt sind. Die Architektur mit verspielten Beetumrandungen und Wasserspielen orientiert sich an antiken Vorbildern und zeugt von pompöser Üppigkeit. So hätte vor 2000 Jahren der Ziergarten im Haus des Legionskommandanten von Vindonissa aussehen können. Erleben Sie den römischen Garten beim Vindonissa Museum: Eine einzigartige Oase der Ruhe mit antiker Pflanzenpracht und plätschernden Wasserspielen.

 
Vindonissa Museum

Rätsel-Tour

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 7 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 45 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich 0 Ab 7 Jahre – Mit der Schatzkarte durchs Museum Unser Archäologe vom Dienst, Walter Schussel, hat mal wieder von grossen Palästen und funkelnden Schätzen geträumt. Dabei hat er vergessen, wo er seine neusten Fundobjekte aus der letzten Ausgrabung hingelegt hat. Helft ihm, seine Objekte wieder zu finden und füllt die Lücken in seinem Tagebuch. Ein spannendes Rätsel für Gross und Klein! Auf zur Rätsel-Tour im Vindonissa Museum! Helft Archäologe Walter Schussel bei der Suche nach seinen Funden. Ein spannender Spass für Kinder ab 7 Jahren.

 
Vindonissa Museum

Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe!

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 8 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 90 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich Ab 8 Jahre – Löst Rätsel und entdeckt einen römischen Schatz Rätsel lösen und einen echten Schatz aus Vindonissa entdecken: Beim Rundgang "Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe" schlüpfen Besucherinnen und Besucher in verschiedene Rollen: Archäologe, Ausgräberin, Grabungstechniker, Restauratorin, Wissenschaftler oder Museumsdirektorin. An authentisch nachgebauten Schauplätzen wie dem Grabungszelt, im Grabungscontainer, im Labor oder im Archiv warten knifflige Fragen, um den Schatz zu heben. Ein spannendes Erlebnis für Familie, Schulen und Erwachsene! Selbständiger Rundgang im Vindonissa Museum für Familien und Kinder: "Schätze aus Vindonissa – Werde Archäologe!" Archäologie interaktiv erleben

 
Vindonissa Museum

Spurensuche - Auf der Fährte von Lupina und Anissa

Spiel-Tour für Kinder Geeignet für Ab 5 Jahre Preis Im Museumseintritt inbegriffen Dauer 45 Minuten Anmeldung Nicht erforderlich 0 Ab 5 Jahre – Folgt den Fussspuren von Lupina und Anissa Die Wölfin Lupina darf zum ersten Mal mit ihrer besten Freundin, dem Kamel Anissa im Legionärspfad Vindonissa übernachten. Die beiden freuen sich schon riesig und dürfen sogar sechs Freunde dazu einladen, die im Vindonissa Museum wohnen. Es haben sich bereits ganz viele Tiere versammelt – viel zu viele! Doch welches sind die Freunde von Lupina und Anissa? Folge den Fussspuren von Lupina und Anissa durch das Vindonissa Museum und finde die sechs Freunde. Entdeckt die Objekte in den Vitrinen einmal aus anderer Perspektive!

 
Museum Aargau

So machten es die Römer: Toga binden – mit Video

Zurück zum Blog 24. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Der Legionskommandant von Vindonissa zeigt euch im Video, wie die Römer eine toga drapieren. Die toga Das wichtigste Kleidungsstück im Römischen Reich war die toga , die üblicherweise weiss war. Getragen wurde sie von allen Männern, die das römische Bürgerrecht besassen. Das unterscheidet römische Bürger klar von Sklaven, Verbannten und Barbaren. Das Tuch war etwa 5 bis 6 Meter breit. Da der Legionskommandant legatus legionis , kurz Legat, dem Senatorenstand angehörte, trug er eine toga , die mit einem Purpurstreifen eingefasst war. Der echte Purpurfarbstoff wurde aus Purpurschnecken gewonnen. Da dieser jedoch sehr teuer war, gab es schon bald auch billigere Imitate aus pflanzlichen Rohstoffen. Bei unserer Darstellung handelt es sich beim roten Streifen allerdings um eine Rekonstruktion mit einer neuzeitlichen Farbe, da wir zur Farbherstellung keine Purpurschnecken verwenden wollten. Die tunica Unter der toga trug der Legat eine tunica , die ebenfalls auf beiden Seiten mit einem breiten Purpurstreifen versehen war. Die tunica war das grundlegende Kleidungsstück aller Römerinnen und Römer. Sie diente entweder als Untergewand oder als Hauptkleidungsstück. Ihre Länge, Weite und Gestaltung variierte je nach Person und Epoche: Mal war sie lang oder kurz, mal schmal oder weit, mal schlicht, bunt oder kunstvoll verziert. Im Video haben wir uns auf die toga konzentriert. Die Ärmel der tunica entsprechen nicht dem typischen Modell, das ein Legat zur Zeit des Legionslagers Vindonissa im 1. Jahrhundert n. Chr. trug. Die tunica der Senatoren hatte damals nämlich keine Ärmel. Blogbeitrag zum Thema “Römische Kleidung” Eine toga drapieren Den Senatoren standen immer Sklaven zur Verfügung, die ihre Togen drapierten. Und so wurde sie gebunden: Zuerst wurde ein Drittel des Tuchs von hinten über die linke Schulter gelegt. Das hintere Teil wurde anschliessend unter dem rechten Arm durchgeführt. Das Schulterblatt musste frei bleiben, damit die Person sich bewegen konnte. Das restliche Tuch wurde von vorne über die linke Schulter geworfen. Oben wurde alles schön drapiert, damit auch die Streifen gut zu sehen waren. Die Falllinie des Stoffes, die von der Hüfte bis zur Schulter führte, hiess sinus . Zum Schluss wurde ein Stück Stoff unter dem rechten Arm hervorgezogen und über den Sinus drapiert. Die Tasche, die dadurch entstand, wurde umbo gennant. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare

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Museumsblog

Bluffen für Vornehme – Ein Poch-Spielbrett von 1760

Spielen ist eine der universalen menschlichen Aktivitäten. Schon vor einem Vierteljahrtausend waren die Menschen für Spiele zu begeistern. Genau dies zeigt ein spezielles Objekt aus der Sammlung des Museum Aargau: ein Spielbrett aus dem 18. Jahrhundert.

Mit seinen 32 Zentimeter Durchmesser hat das achteckige Spielbrett ähnliche Dimensionen wie heutige Brettspiele, die in der Regel an einem Tisch gespielt werden. Das reich verzierte Brett steht auf zwei (ursprünglich vier) gedrechselten Füssen und ist aus Eichenholz gefertigt. In acht eiförmigen Vertiefungen sind Kartenfiguren und –kombinationen gemalt, auf welche die Spieler im Spielverlauf Einsätze setzen können.

Die Inschrift im Zentrum des Holzgeräts macht deutlich, für welches Spiel das Brett gedacht war: Für das "bock spill" (Poch-Spiel). Die Vertiefungen mit den Kartenmotiven sind jeweils mit Umschriften versehen, die sich auf die Funktion der Figuren beziehen und spielerisch wie keck den Spieler ansprechen. So meint der Zweizeiler zu Figur der "Sau": "Hast du die trump Sau in der Hand, so Zieh das Ihre, ist kein Schand".

Das "bock spill" und seine Verwandten

Pochen war und ist ein weitgehend auf Glück basierendes Kartenspiel, das sich aus drei voneinander getrennten Spielphasen zusammensetzt. Das Spielbrett wird in den ersten beiden Phasen verwendet. Bevor sie ihre Karten erhalten, legen die Spieler in die Pochfächer ihre Einsätze und hoffen darauf, mit den ihnen ausgespielten Händen die den Fächern zugeteilten Figuren und Kombinationen zu treffen.

In der zweiten Phase folgt dann das eigentliche "Pochen", bei dem die Spieler weitere Einsätze setzen, ihre Gegenspieler überbieten und letztlich auch "bluffen" können.

Das Pochen dürfte um 1500 aus einer Verbindung von verschiedenen älteren Spielen entstanden sein, bis in die Moderne blieben seine Regeln aber flexibel und regional vielfältig. Verwandt ist es mit dem englischen Kartenspiel Pope Joan oder dem französischen Nain jaune, die beide ebenfalls mit einem Spielbrett mit Fächern für Einsätze gespielt wurden.

Es wird zudem vermutet, dass das Pochen einer der Vorläufer des Poker-Spiels war. Neben dem Spielelement des Spekulierens und dem Bieten von Einsätzen verweist die etymologischen Verwandtschaft der Spielenamen (dt. "pochen", frz. "poque", engl. "poker") darauf hin.

Der Ausdruck 'Pochen' trug neben seiner heutigen Bedeutung ursprünglich übrigens auch – ganz im Sinne der erwähnten Spiele – den Sinn von "Prahlen" und "Herausfordern".

Ausgespielt: Vom Spiel- zum Museumsgegenstand

Das Objekt gehörte zur Ausstattung von Schloss Lenzburg. Diese wird heute von der Sammlung des Museum Aargau verwaltet, nachdem der Kanton Aargau 1956 das Schloss erwarb und es später zum Kern des Museums machte. Die Inschrift auf dem Poch-Brett legt nahe, dass das Spielutensil 1760 hergestellt wurde. Das Spielbrett wurde wohl in einer süddeutschen Werkstatt hergestellt. Nahezu identische Exemplare mit jedoch anderer Jahreszahl sind bspw. in Museumsammlungen in München oder Nürnberg zu finden.

Bis 1798 residierten die Berner Landvögte auf Schloss Lenzburg, zwischen 1757 und 1765 war dies Bernhard von Diesbach, welcher wie seine Vorgänger und Nachfolger ein Mitglied der Stadtberner Obrigkeit war. Gut möglich, dass der Landvogt selbst dem Glückspiel frönte: Wie das aufwändige, kunstvoll bemalte Spielbrett vermuten lässt, war dies eine durchaus teure Anschaffung und das "Pochen" zugleich auch mehr Erwachsenenunterhaltung denn Kinderspiel.

Dieser Beitrag wurde im Juli 2019 von Michael Brunner, ehemaliger Praktikant der Sammlung von Museum Aargau, verfasst.

Von Michael Brunner

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