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Kochvideo: Hühnerpastete – Rezept aus dem Mittelalter

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Ein Hexenprozess auf Schloss Lenzburg

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Unsittlich? Das Fahrrad als Symbol für die Emanzipation der Frau

Ob Mountainbike, Rennrad oder Fixie: Das Fahrrad kommt heutzutage in verschiedensten Formen und Funktionen daher. Bevor all dieser Spezialisierung gab es schon früh eine Unterteilung in Frauen- und Männerräder.

Doch woher kommt diese Unterscheidung, wieso war das frühe Fahrrad äusserst politisch und was genau hat die Produktion eines Damenrades mit Möbeln aus Deutschland zu tun? Antworten auf diese Fragen finden sich unter anderem im Aargau, anhand eines Fabrikats der Firma Aarios.

Schon 1930 Licht vom Dynamo und Rücktrittsbremse

Form und Funktion dieses Fahrrads aus dem Jahre 1930 sind auch bis heute noch häufig anzutreffen und bekannt. Das Rad besitzt eine Zweigangschaltung und auch schon ein Licht, das mit einem Dynamo betrieben wird. Heutzutage eher selten anzutreffen ist die Rücktrittbremse, welche per Pedalbewegung nach hinten ausgelöst wird.

In Bedacht auf holprige Wege und Strassen und noch vor der Erfindung der Gabelfeder, ist hier der Sattel mit einer Konstruktion aus zwei Metallfedern ausgestattet, um die Fahrt angenehmer zu machen.

Sowohl Rahmen als auch Räder und die Glocke kommen direkt aus dem Hause Aarios, während bei den restlichen Teilen ein Sammelsurium mittlerweile nicht mehr existierender Schweizer und europäischer Traditionsbetriebe wie die Injecta AG, Fichtei und Sachs oder Sepper anzutreffen sind.

Radfahren für Frauen galt lange als unsittlich

Was nun die Bezeichnung als Damenfahrrad ausmacht, ist die geschwungene Form des Rahmens im Gegensatz zu der als "männlich" bekannten Dreiecksform. Die geschwungene Konstruktion war ursprünglich vor allem dazu gedacht, den Aufstieg auf das Fahrrad mit einem langen Rock zu ermöglichen. Denn gerade in der frühen Zeit des modernen Fahrrads, Ende des 19. Jahrhunderts, war es oft ein Austragungsort emanzipatorischer Kämpfe. So war das Radfahren lange noch als unsittlich für Frauen angesehen, da es ihnen erlaubte, sich ohne männliche Begleitung frei zu bewegen.

Ebenso kamen mit dem Fahrrad auch eine Reihe neuer Kleidermoden hervor, welche die oft sehr unhandlichen Röcke des ausgehenden 19. Jahrhunderts ersetzten. War das Fahrrad somit zu Beginn noch rein "männlich" gestaltet, spiegeln sich in der neuen Form des Damenrads auch jene Kämpfe wider, die Frauen eine freiere Gestaltung des Lebens ermöglichten.

Die Traditionsmarke Aarios aus Aarau

Hinter diesem Rad zu finden ist einer der wenigen noch verbliebenen Schweizer Traditionsmarken: Aarios. Das Unternehmen ging 1930 aus der Fahrradmanufaktur Waibel & Cie hervor und war ein Zusammenschluss mehrerer Geschäftsleute aus dem Aargau. Mal als AG und mal als Genossenschaft war das Unternehmen bis 1982 in Aarau ansässig und zog dann aber nach Gretzenbach in Solothurn um.

Seit 1978 läuft das Unternehmen unter der Führung von Arnold Ramel und hat sich zum Ziel gemacht, weiterhin die Rahmen komplett selber und aus Stahl herzustellen. Im Gegensatz zu der Konkurrenz auf dem Weltmarkt sind solche Räder gewiss etwas teuer, doch die Verwendung von Stahl anstelle von Aluminium sorgt für Stabilität und schuf Aarios eine kommerzielle Nische, in der sich das Unternehmen bis heute halten kann.

Das Verfahren des Stahlbiegens, welches zur Herstellung von Fahrradrahmen generell aber besonders zur Herstellung von Damenrädern nötig ist, war übrigens eine Inspirationsquelle für den ungarischen Möbelbauer Marcel-Breuer in Deutschland, einem wichtigen Vertreter des Bauhauses.

Ein Fahrrad als Symbol für die Emanzipation

Das vorliegende Fahrrad kam durch eine Schenkung der Familie der ehemaligen Besitzerin in die Sammlung des Museum Aargau. Ursprünglich gehörte dies Lydia Brack (1905-1999), welche in Zürich als Krankenschwester in einer Pflegerinnenschule tätig war. Zum Zeitpunkt des Baus dieses Rades waren sowohl die hart erkämpfte Bewegungsfreiheit mittels des Fahrrades als auch die allgemeine Emanzipation der Frauen schon wichtige Schritte gegangen. Das Fahrrad begleitete nicht nur Lydia Brack zur Arbeit und im Alltag, sondern steht auch für eine ganze Gesellschaftsgeschichte hinter der Nutzung eines alltäglichen Objekts.

Von Lukas Becker

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