Museum Aargau

Die Sage der Sodjungfer von Schloss Lenzburg

Zurück zum Blog 17. Juli 2020 Kategorien Märchen & Mythen Schlossgeschichten Magd Els erzählt die Sage der Sodjungfer von Schloss Lenzburg. Eine düstere Geschichte mit Tiefgang. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Märchen & Mythen Schlossgeschichten Kommentare

 
Museum Aargau

Der Erdglobus von Johann Georg Klinger von 1792

Zurück zum Blog 31. März 2020 Kategorie Schätze aus der Sammlung Der gut erhaltene Erdglobus mit einem Durchmesser von ca. 32 Zentimeter ist in einem schwarz lackierten Holzgestell mit vier Füssen montiert. Ein horizontal dem Gestell aufliegender Holzring umfasst den Globus und zeigt Tierkreiszeichen, Monatsnamen, Himmelsrichtungen und eine Längeneinteilung. Die Abbildungen auf der eigentlichen Kugel sind auf Papier gedruckte Kupferstiche, die dann auf die mit Gips überzogene Holzkugel geklebt wurden. Der Globus zeigt in Latein beschriftete Länder, Städte, Flüsse, Gebirge und andere geographische Gegebenheiten sowie verschiedene Reiserouten von bekannten Seefahrern. Aus der Werkstatt von Johann Georg Klinger Wie in grossen Lettern zu lesen ist, stammt der Standglobus aus der Werkstatt von Johann Georg Klinger (1764-1806). Der Kupferstecher, Kartograf, Verleger, und Kunsthändler Klinger gehörte im späten 18. Jahrhundert zu den berühmtesten Globenbauern der Stadt Nürnberg, die seit der Renaissance eines der europäischen Zentren der Geographie, Astronomie und Kartographie war. Entgegen dem landläufigen Geschichtsmythos war die Kugelform der Erde bereits seit der Antike und auch im Mittelalter bekannt. Die Zeit der europäischen Globusproduktion begann jedoch Ende des 15. Jahrhunderts im Anschluss an die Seefahrten von Kolumbus, Magellan und anderen. Dreihundert Jahre später zeigten Globen fast die ganze Erde in einem zunehmenden Detailgrad an geographischen, politischen und ethnographischen Informationen. © Museum Aargau Erdglobus mit den neuesten Erkenntnissen Der Klinger-Erdglobus von 1792 rühmte sich, die neusten Erkenntnisse von prominenten Seefahrern wie James Cook oder Louis Antoine de Bougainville zu berücksichtigen, deren Reiserouten als Highlight des Modells eingezeichnet sind. Die Entdeckungsreisenden und Naturforscher des 18. Jahrhunderts wie Cook oder de Bougainville waren beflügelt von einem aufklärerischen Interesse, die Welt in ihrer geographischen, naturwissenschaftlichen und kulturellen Vielfalt zu erfassen und sie prägten sich zu dieser Zeit grundlegend wandelnde Weltbilder und Vorstellungen von der Gestalt der Erde. Mit aufklärerischem Idealismus und wissenschaftlichem Entdeckerdrang gingen aber auch weniger hehre Absichten einher: Mit dem Ideal die Welt zu verstehen verband sich der Wunsch, sie zu dominieren. Wie Johann Klinger in einer Werbeschrift notierte, hatte er bei der Farbgebung des Globus "Sorge getragen, eine leichte Übersicht von denienigen Oertern zu verschaffen, welche die Europäischen Mächte in den andern Welttheilen besitzen" (Werbeschrift von J.G. Klinger, Nürnberg, 1. April 1792). In Markierungen wie den frühen britischen oder niederländischen Besitztümern in Süd- und Südostasien zeigt der Globus dann auch bereits die frühe Phase des europäischen Hochimperialismus in Asien und Afrika im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als europäische Mächte über fremde Völker herrschten und weite Teile der Erde zu Kolonien machten, die nach den ökonomischen und politischen Interessen ihrer Kolonialherren ausgerichtet wurden. Waren Globen ursprünglich rein wissenschaftlich-technische und entsprechend teure Instrumente, so fanden sie im ausgehenden 18. und vor allem im 19. Jahrhundert aufgrund deutlich niedriger Produktionskosten Eingang ins bürgerliche Leben. Dies wird auch an der Herkunftsgeschichte unseres Exemplars deutlich. Erdglobus stammt aus dem Kloster Wettingen Das Objekt wurde der Sammlung Museum Aargau vor einigen Jahren von der Kantonsschule Wettingen übergeben. Der Globus stammte ursprünglich aus den Beständen des Klosters Wettingen, in dessen Räumlichkeiten heute die Kantonsschule untergebracht ist. Lange wurde der Globus als didaktisches Mittel genutzt: 1803 wurde auf Druck des neuen Kantons Aargau eine Klosterschule eröffnet, 1841 wurde auf der Klosterhalbinsel das Aargauer Lehrerseminar eingerichtet, nachdem das Kloster Wettingen 1841 wie alle aargauischen Klöster auf Beschluss des Kantonsparlaments aufgehoben worden war. Damit entsprach die vermutliche Verwendung des Wettinger Globus auch durchaus den Vorstellungen von Johann Klinger, der seine Globen und Atlanten als Produkte nicht zuletzt "für Bürger und Landschulen" (Kaiserlich privilegirter Reichs-Anzeiger, Nr. 39, 14. August 1793) anpries und damit sicherlich auch Kloster- und Kantonsschüler sowie angehende Lehrer miteinschloss. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Das Berner Wappenbuch des Hans Ulrich Fisch I. von 1622

Zurück zum Blog 02. April 2020 Kategorie Schätze aus der Sammlung Das Berner Wappenbuch von 1622 ist ein bedeutendes kunsthistorisches Objekt. Gleichzeitig verweist es auch auf die ehemalige Berner Herrschaft im Aargau. Auf Streifzügen entlang der Schlösser von Museum Aargau stossen aufmerksame Beobachter immer wieder auf Überbleibsel aus der Zeit der Berner Herrschaft. An der Mauer von Schloss Lenzburg prangt beispielsweise ein grosses Wappen mit dem Berner Bär. Ein der Öffentlichkeit weniger bekannter Schatz ist das Berner Wappenbuch von 1622 aus der Sammlung Museum Aargau. Im Blog Museum Aargau gehen wir der Geschichte des bedeutsamen Kunstwerks auf die Spur. Wappen der Berner Geschlechter und der Dreizehn Orte Bereits die geschlossene Ansicht des Objekts vermag das Auge des Betrachters zu entzücken. Der goldgeprägte Pergamenteinband des Wappenbuches enthält als Verzierung verschiedene Prägungen und ist mit zwei roten Stoffbändern zugeknüpft. Beim Öffnen des Buches im Format 28 cm x 19.5 cm x 2 cm kommt die ganze Pracht des Kunstwerks zum Vorschein. Auf den Vorderseiten der Blätter sind die Berner Geschlechter dargestellt, die Hinterseite ist jeweils leer. Eine Ausnahme bildet die Widmung an Johann Schaufelberger am Anfang des Buches. Dieser war Landschreiber von Erlach und möglicherweise auch der Auftraggeber des Werks. Auf die Schultheissen, die bis 1622 regiert hatten, folgen die 200 Mitglieder des Grossen Rats von Bern. Neben den Wappen der bernischen Geschlechter sind unter anderem auch diejenigen der sogenannten Dreizehn Orte der Alten Eidgenossenschaft abgebildet. © Museum Aargau Werk von Hans Ulrich Fisch I. Das Berner Wappenbuch wurde 1622 von Hans Ulrich Fisch I. (1583–1647) aus Aarau hergestellt. Der vielbegabte Künstler profilierte sich neben seiner Tätigkeit als Heraldiker, Topograf und Buchillustrator vor allem in der Glasmalerei. Seine künstlerischen Fähigkeiten wurden rundherum geschätzt. Obwohl er der reformierten Konfession angehörte, erhielt er etwa auch Aufträge von katholischen Institutionen. Unter den noch heute erhaltenen Wappenscheiben ist ein 1620/21 hergestellter und aus sechs Scheiben bestehender Zyklus hervorzuheben, der sich im Kreuzgang des Klosters Wettingen befindet. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hatte er auch einige politische Ämter inne. 1624 wurde er Grossweibel und 1633 gehörte er dem Kleinen Rat an. Nachdem Hans Ulrich Fisch I. ein Jahr später zum Eherichter berufen wurde, beendete er 1644 seine Laufbahn mit dem letzten Karrieresprung im Amt des Stadtschreibers. Das Berner Wappenbuch verbindet demnach thematisch ein kunsthistorisch bedeutendes Objekt mit den zeitweiligen Besitzern der Schlösser von Museum Aargau. Es wurde 2009 auf einer Auktion von Dobiaschofsky in Bern ersteigert und in die kantonale Sammlung aufgenommen. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Gartentipp: Hecken schneiden

Zurück zum Blog 05. August 2024 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Hecken sind ein guter Sicht- und Windschutz und haben zudem eine grosse ökologische Bedeutung. Sie bieten einen geschützten Unterschlupf für viele Tiere wie Igel, Siebenschläfer und am Boden brütende Vögel. Die Pflege von Hecken ist einfach: Eine Faustregel besagt, dass immergrüne Hecken in den Monaten ohne "R" – das heisst von Mai bis August – geschnitten werden. Dann ist die grösste Wachstumsphase abgeschlossen, die Hecken haben jedoch noch genügend Kraft, um sich vom Schnitt zu erholen. Wichtig: Schneiden Sie nicht in brütender Hitze. Zu viel Sonne und Wärme ist ein grosser Stress für die Pflanzen und die Schnittstelle könnte Verbrennungen davontragen. Besser ist ein bedeckter Himmel. Hecke (Pixabay/Kranich17) Das Schnittwerkzeug muss gut geschliffen sein, um einen sauberen Schnitt zu gewährleisten. In der Regel wird der Neuzuschnitt abgeschnitten. Ist die Hecke jedoch schon zu gross, kann zum Verkleinern auch ins alte Holz geschnitten werden. Dort befinden sich viele schlafende Augen, welche sich innerhalb von ein bis zwei Jahren gut entwickeln. Die gängigen Heckenpflanzen sind sehr gut schnittverträglich. Bei der Form ist darauf zu achten, dass die Pflanzen unten ein wenig breiter sind als oben, damit auch der untere Teil genügend Licht bekommt. Ansonsten können Sie Ihrer Kreativität freien Lauf lassen (wellenförmig, abgestuft, gerade, Kugel, etc.). Als Alternative zu formierten Hecken sind freiwachsende Blütenhecken auch sehr schön. Diese müssen nicht regelmässig geschnitten werden. Von Zeit zu Zeit reicht ein Auslichtungsschnitt, damit die Pflanzen nicht überaltern. Weitere Blogbeiträge 17. Juni 2024 Tomaten: die richtige Pflege So gelingen Tomaten perfekt: der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. 15. Mai 2023 Gemüsegarten auf dem Balkon Wer gerne sein eigenes Gemüse zieht, braucht dafür nicht zwingend einen Garten. Dies funktioniert auch sehr gut auf dem Balkon oder der… 14. April 2022 Die Minze: Alleskönnerin im heimischen Garten Minzen faszinieren die Wildegger Schlossgärtnerinnen seit vielen Jahren. Egal, ob Zitronen-, Schokoladen-, Orangen- und Pfefferminze: Für… Von Melissa Gögele Von Melissa Gögele Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
Museum Aargau

Erinnerungen an früher: Die Velonummer

Zurück zum Blog 05. April 2020 Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Vielleicht kennen Sie diese Momente? Zu den klassischen Kult-Objekten mit "Flashback-Effekt" gehören beispielsweise Musik-Kassetten oder das "antike" Telefon mit Wählscheibe, dessen Bedienung inzwischen wohl auch älteren Semestern fremd vorkommen mag. Auch die legendäre "Velonummer" darf sich zu dieser Objekt-Gruppe zählen: Ab 1890 gaben die ersten Kantone Veloschilder aus. Als Material wurde zunächst vorwiegend Eisenblech, ab etwa 1920 Aluminium verwendet. Aluminium geht auf den Erfindergeist eines Aargauers zurück: Am 15. April 1905 liess sich der aus Menziken stammende Heinrich Alfred Gautschi seine Errungenschaft patentieren, nachdem er in seiner Aluminiumgiesserei in Gontenschwil erfolgreich die weltweit erste Aluminiumfolie herstellte. © Museum Aargau Jede Velonummer ist ein Original und trägt drei Informationen: Jahrgang (einige Ausnahmen vor 1935), Kanton (in der Regel als Initialen) und Seriennummer (macht jede Velonummer zum Unikat). Aus Kostengründen wurden 1987 die letzten Veloschilder ausgestanzt und die Velovignetten ab 1988 als Selbstklebe-Etiketten verkauft. Diesem System setzten die Eidgenössischen Räte trotz Protest von Pro Velo 2010 ein Ende. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien 20./21. Jh. Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Pavatexschrank der Möbelschreinerei Thut

Zurück zum Blog 30. Juni 2020 Kategorie Schätze aus der Sammlung Chefkurator Rudolf Velhagen stellt einen Pavatexschrank der Möbelschreinerei Thut aus Möriken vor. Der Schrank wurde von Kurt Thut (1931-2011) bis 2008 in seinem Privathaushalt benutzt, bevor er ihn der Sammlung Museum Aargau schenkte. Er entwarf das Stück im Jahr 1953, kurz nachdem er sein Studium an der Kunstgewerbeschule Zürich abgeschlossen hat und mit diesem Schrank und weiteren modernen Designs das Fabrikationsprogramm der väterlichen Möbelschreinerei Thut grundlegend veränderte. Kurt Thut genoss unter anderem Unterricht beim Lehrer für Innenarchitektur Willy Guhl, welcher 1942 einen sehr ähnlichen Pavatexschrank gebaut hat und Thut zu seiner Interpretation davon inspirierte. 1929 in Möriken gegründet Die Möbelschreinerei in Möriken AG wurde 1929 von Walter Thut gegründet. Sein Sohn Kurt Thut lernte zwischen 1947-1950 im väterlichen Betrieb das Schreinerhandwerk, bevor er Möbel entwarf und auch von der Möbelgenossenschaft beauftragt wurde, eine moderne und sachliche Möbellinie zu kreieren, im Rahmen welcher er diesen Pavatexschrank zeichnete. Er übernahm das Geschäft 1970, gründete eine AG und baute die Produktionsräumlichkeiten aus. Heute wird das Geschäft von seinen Söhnen Benjamin und Daniel Thut geführt. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schätze aus der Sammlung Kommentare

 
Museum Aargau

Auf der Suche nach Geheimgängen auf Schloss Hallwyl

Zurück zum Blog 17. Juni 2020 Kategorie Schlossgeschichten Was wäre eine Schlossgeschichte ohne einen sagenumworbenen Geheimgang! Schlossbewohner hätten dort ihre Schätze verstecken oder durch ihn fliehen können, wenn sie ihr Leben in Sicherheit bringen mussten. Verbirgt sich auch auf Schloss Hallwyl ein geheimer Gang? Geschichtsvermittlerin Brigitte Poffa nimmt Sie mit auf die spannende Suche durch Mauern und Gänge aus dem frühen 14. Jahrhundert. Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Schlossgeschichten Kommentare

 
Schloss Lenzburg

Räume mieten: Grosser Rittersaal

Die Stiftung Schloss Lenzburg vermietet den grossen Rittersaal für Hochzeiten, Business-Events, kulturelle Veranstaltungen und weitere Anlässe mit maximal 500 Personen. Im grossen Rittersaal von Schloss Lenzburg sind verschiedene Bestuhlungsvarianten möglich. Für weitere Informationen und Buchungen kontaktieren Sie direkt die Stiftung Schloss Lenzburg: Stiftung Schloss Lenzburg Das Wichtigste in Kürze Standort Schloss Lenzburg Saisonalität Buchbar von April bis Oktober Kapazität Maximal 500 Personen Anzahl Räume 1 Raum (Total 270 m 2 ) Buchung Dieser Raum ist über die Stiftung Schloss Lenzburg buchbar Infos & Buchung

 
Museum Aargau

Aschenputtel: Märchen mit der Magd von Schloss Wildegg

Zurück zum Blog 03. Juni 2020 Kategorie Märchen & Mythen Magd Ida krampft von früh bis spät in den herrschaftlichen Räumlichkeiten von Schloss Wildegg – und was macht Hund Flore? Aschenputtel lässt grüssen! Von Museum Aargau Von Museum Aargau Das Team von Museum Aargau zeigt an dieser Stelle digitale Einblicke in die Museumsstandorte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Märchen & Mythen Kommentare

 
Museum Aargau

Musik für das Kloster: Das Wettinger Graduale

Zurück zum Blog 21. Oktober 2024 Kategorien Mittelalter Klosterleben Sie sind wohl die berühmtesten Wettinger Bücher: die drei Bände des Wettinger Graduale, die seit der Aufhebung des Zisterzienserklosters 1841 in der Kantonsbibliothek in Aarau aufbewahrt werden. Die Musikschriften blieben danach aber fast ein Jahrhundert lang unbeachtet. Und dies, obwohl sie ein Juwel der Buchmalerei darstellen. Es muss Anfang der 1930er-Jahre gewesen sein, als der Staatsarchivar Hektor Ammann die drei Bände genauer anschaute und sie dem Badener Lokalhistoriker und Bezirksschulrektor Otto Mittler zeigte. Beide merkten rasch, dass es sich dabei um bedeutende Exemplare der gotischen Buchmalerei handelte. Im Jahr 1935 dann publizierte Mittler ein erstes Mal dazu. Und bald folgte die erste akribische Untersuchung: Marie Mollwo, Studentin an der Universität Bern, reichte mitten im Zweiten Weltkrieg 1943 ihre Doktorarbeit zum Wettinger Graduale ein, im Folgejahr veröffentlichte sie ein Buch über diese grosse Musikhandschrift. Ihre wichtige Erkenntnis: Das Wettinger Graduale ist gar nicht in Wettingen entstanden. Der aufgeschlagene Band 2 des Wettinger Graduale. Es fällt sogleich die regelmässige Schrift auf. Aarau, Kantonsbibliothek Aargau, WettFm 2. Kölner Meister malen Wie kam sie zu diesem Schluss? Mittelalterliche Bücher sind nur sehr selten mit einem Schreibernamen, einem Datum oder Entstehungsort versehen. Deshalb bleibt Fachleuten nichts anderes übrig, als Texte, Schriftformen, Zeichnungen und die Malerei mit anderen Büchern zu vergleichen, zu denen mehr bekannt ist. Mollwo fand heraus, dass die drei Wettinger Handschriften in einer Kölner Werkstatt entstanden sind. Sie konnte die aufwändigen, detailreichen Bilder in einigen der Anfangsbuchstaben der Liedtexte dortigen Künstlern zuordnen – einem älteren und einem jüngeren Meister, die in der Zeit zwischen 1330 und 1335 am Mittelrhein gearbeitet haben. Vielleicht in einem klösterlichen Skriptorium, vielleicht in einer Werkstatt. Mollwo bemerkte auch: «Die Schrift der drei Gradualbände ist so gleichartig, dass sie beinahe von einem einzigen Schreiber herrühren könnte. Nur beim näheren Hinsehen erkennt man mehrere Hände» (S. 9). Maria und Christus sitzen in dieser Initiale auf dem himmlischen Thron. Sie sind umgeben von vier Engeln, unter ihnen 19 verschiedene Heilige. Aarau, Kantonsbibliothek Aargau, WettFm 3, fol. 86r. Wettinger Graduale: Drei Bände genau geplant Das Wettinger Graduale ist das Resultat detaillierter Planung. Der Beschreibstoff ist Pergament, also Tierhaut, vielleicht von Schafen. Wohl mehr als 150 solche Tiere brauchte es für die 666 Blatt. Vier bis fünf zugeschnittene Pergamentstreifen wurden jeweils ineinandergelegt, zu einzelnen Lagen gefaltet, beschrieben und mit Verzierungen versehen. Erst dann banden sie die Kunsthandwerker zusammen und fügten sie zu einem Buch zusammen – in diesem Fall drei Bände. Der erste Band umfasst die Messgesänge der hohen Kirchfeste für das Winterhalbjahr von Weihnachten bis zum Palmsonntag. Der zweite Band enthält Melodien und Texte für die Feste im Sommer von Ostern über Pfingsten bis zu Fronleichnam. Im dritten Band sind die Gesänge für die grossen Heiligenfeste enthalten, vier Marienfeste (Lichtmess, Verkündigung, Himmelfahrt, Geburt) und Allerheiligen. Eine Randverzierung im Band 2 des Wettinger Graduale: Ein Mönch singt, der andere spielt Orgel, beide tragen den Habit (die Tracht) von Augustiner Eremiten, einem nach der Augustinerregel lebenden Bettelorden. Dieser Orden entstand im 13. Jahrhundert aus der Armutsbewegung. Aarau, Kantonsbibliothek Aargau, WettFm 2, fol. 175v. In Wettingen gestrandet Auch über die ursprünglichen Auftraggeber lässt sich nach gründlicher Analyse vermutlich sagen: Es waren Augustiner Eremiten. Auf den Blattverzierungen sind nämlich zweimal Mönche im entsprechenden klösterlichen Gewand zu sehen. In Band 3 gibt ein Gesangstext einen Hinweis darauf, dass der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo ein wichtiger Heiliger war für diejenigen, die diese Musikhandschrift schliesslich im Gottesdienst brauchten. Wohl eine Gemeinschaft, die nach der Augustinerregel lebte. Denn das grosse Format lässt keinen Zweifel daran, dass die Handschrift für eine Ordensgemeinschaft gedacht war: Sie war so gross, dass sie im Zentrum des Mönchchors aufgestellt werden konnte, sodass Sänger gemeinsam aus Distanz hineinschauen konnten. Warum aber landete diese augustinische Handschrift in Wettingen? Darüber lässt sich nur mutmassen. Vielleicht befanden sich die drei Bücher um 1500 in Zürich bei den Augustiner Eremiten in der heutigen Kirche beim Rennweg. Als aufgrund der Reformation 1524 alle Klöster in der Stadt aufgehoben wurden, waren diese Bücher wie viele Kunstwerke «übrig». Und vielleicht kamen sie dann, so wie auch anderes «Strandgut», nach Wettingen. Sie ergänzten die mittelalterliche Musikbibliothek – heute ist von ihnen nicht mehr viel bekannt. Von einer Handschrift wissen wir aber sicher, dass sie in Wettingen Hergestellt wurde. Sie lagert heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg. Weiterlesen: Peter Hoegger: Die Initialbilder im «Wettinger Graduale» und ihre stilistischen Wurzeln . In: Badener Neujahrsblätter 70 (1995), S. 80–99. Marie Mollwo: Das Wettinger Graduale. Eine geistliche Bilderfolge vom Meister des Kasseler Willehalmcodex und seinem Nachfolger. Bern 1944. Neue Klostergeschichte Wettingen, Blog . …und weiterschauen: Digitalisat Wettinger Graduale in der Kantonsbibliothek Aargau, Band 1, WettFm 1 . Digitalisat Wettinger Graduale in der Kantonsbibliothek Aargau, Band 2, WettFm 2 . Digitalisat Wettinger Graduale in der Kantonsbibliothek Aargau, Band 3, WettFm 3 . Digitalisat Antiphonar aus Wettingen in der Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Sal. X,6 . Weitere Blogbeiträge 14. August 2023 Wie kommt die Meerjungfrau ins Kloster Wettingen? Auf der Klosterhalbinsel Wettingen findet sich an Gebäuden, in Gemälden und im Wappen des Klosters selbst eine Meerjungfrau mit zwei… 05. Juli 2023 Glaubensfragen und Machtkämpfe: So entstand das Kloster Wettingen Das Kloster Wettingen wurde 1227 von Heinrich II. von Rapperswil gestiftet. Eine Legende will, dass er in Seenot Maria, die Mutter Gottes,… 23. Mai 2022 Schweigend Sprechen: die Zeichensprache der Mönche Um im Klosteralltag die Stille zu wahren, verwendeten Mönchsorden wie die Zisterziensier eine monastische Gebärdensprache. Von Ruth Wiederkehr Von Ruth Wiederkehr Ruth Wiederkehr ist Historikerin und schreibt zusammen mit weiteren Historikerinnen und Historikern die Neue Wettinger Klostergeschichte. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Mittelalter Klosterleben Kommentare

Gradian
Eine Frau steht mit einem Handy in der Hand an einem Fluss.
Eine Frau steht mit einem Handy in der Hand an einem Fluss.

IndustriekulTOUR Aabach

Virtuell durch die Industriegeschichte

Erleben Sie die Industriekultur am Aabach zwischen Lenzburg und Wildegg mit dem Smartphone: Die IndustriekulTOUR Aabach ist der erste virtuelle Museumsraum im Kanton Aargau. Treffen Sie Patrons und Fabrikarbeiter aus der Zeit der Industrialisierung!