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Römische Trinkkultur in Vindonissa: Wein und grosse Gelage

Zurück zum Blog 08. Juni 2021 Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Wein gehörte bei den Römern zur Trinkkultur. Historische Quellen berichten von einem Liter Wein pro Kopf jeden Tag! Auch im Legionslager Vindonissa wurde gerne Wein getrunken. Dieser gelangte in Amphoren von Italien und Südgallien nach Vindonissa. Im Legionslager Vindonissa gab es verschiedene Situationen, in welchen Wein oder Bier getrunken wurde. Zum Beispiel während eines gehobenen Trinkgelages, dem sogenannten comissatio . Dieses war den centuriones und den höheren Militärs vorbehalten. Das Gelage wurde im triclinium abgehalten, dessen Name sich von tri für drei und cline für Liege ableitet. Ein triclinium ist also ein Raum mit drei Liegen, die in einer U-Form zueinander aufgestellt wurden. © Museum Aargau Ein solches Triclinium kann im Legionärspfad Vindonissa im Centurionenhaus besichtigt und für private römische Feiern in kleinem Rahmen auch gemietet werden. In sein triclinium lud der centurio Gäste, in der Regel Männer, die mit ihm in strenger Liegeordnung zu Abend assen. Neben diesen Gelagen wurde auch Unterhaltungsmusik oder Tänzerinnen organisiert. Wie sich solche Feste zugetragen haben, wissen wir aus Schriftquellen. Während die Architektur eines triclinium auch auf einer Ausgrabung erkannt werden kann, sind die Abläufe und Sitten in der Archäologie nur schwer greifbar. Römer tranken vor allem Gewürzwein Der Wein, der bei solchen Gelagen aufgetischt wurde, war kein purer Traubenwein, wie er heute getrunken wird. Es handelte sich eher um eine Art Gewürzwein. Dieser ist mit Gewürzen versetzt und mit Wasser, Fruchtsaft oder Honig verdünnt, bevor er abgesiebt und serviert wird. Solche Weinsiebe und Schöpfkellen sind also ein archäologischer Hinweis auf das Trinkverhalten der römischen Bevölkerung. Auch überliefert sind die Gläser, aus denen Wein getrunken wurde. Bei einem Gelage, das von einem hohen Militär veranstaltet und finanziert wurde, wurde das feine, häufig importierte Tafelgeschirr aufgetischt. Dazu gehörte bekannterweise die sogenannte Terra sigillata , das typisch rot gebrannte Tafelgeschirr mit schönen Reliefs. Auch fein gearbeitete Glasgefässe, Becher, Schalen und Krüge wurden wohl nur zu speziellem Anlass verwendet. Geschirrfunde aus Vindonissa - Original Auf den Spuren der römischen Weinkultur Neben den überlieferten Texten der römischen Schriftsteller wie Columella oder Plinius dem Jüngeren, stammt unser heutiges Wissen über die Geschichte des Weins auch von archäologischen und archäobiologischen Funden. Als archäobiologische Funde gelten Traubenkerne oder Pollen der Weintraube, die in Fundstellen auftreten können. Leider ist an einem Pflanzenteil oder einem Pollen nicht zu erkennen, ob aus der Weintraube tatsächlich Wein gewonnen wurde, oder ob die Beeren frisch oder getrocknet gegessen wurden. Aus diesem Grund sind besonders die archäologischen Funde wichtig, um die Trinkkultur und den Weingenuss in römischer Zeit nachzuweisen. Solche Fundstücke sind auch aus Vindonissa bekannt. Ein wertvoller Hinweis auf Wein im Legionslager liefert uns beispielsweise ein Schrifttäfelchen im Vindonissa Museum, auf welchem das Wort vinarius zu entziffern ist. Der vinarius war in römischer Zeit einerseits der Weinschenk, aber auch der Weinhändler, der Wein ins Lager importierte – und von dort Privatpersonen oder Wirtshäusern verkaufte. Römisches Schreibtäfelchen - Original Schreibtäfelchen Umschrift Wie die Römer Wein von Italien und Südgallien nach Vindonissa importierten Die Einfuhr von Wein, etwa aus Italien und Südgallien nach Vindonissa, ist vor allem durch Funde von Amphoren und deren Aufschriften und Stempel gut bezeugt. Der Transport schwerer Waren war über Wasser wesentlich günstiger als über Landwege. Deshalb wurde Wein in Amphoren abgefüllt und wenn möglich auf dem Flussweg transportiert. Die Amphoren liessen sich stabil stapeln und durch Verschlüsse war ihr Inhalt gut geschützt. Wenn der Wein auf Landstrassen transportiert wurde, wurde er in Holzfässer oder lederne Weinschläuche umgelagert, die resistenter gegen Schläge waren. Die Abbildung zeigt zwar eine Amphore, die gemäss ihrer Beschriftung mit Olivenöl gefüllt war, aber Weinamphoren sahen vergleichbar aus. Der ehemalige Inhalt einer Amphore kann manchmal auch durch chemische Analyse von Rückständen erkannt werden. Olivenölamphore Durch Schriftquellen und archäologische Befunde und Funde wissen wir also, welche Getränke und welche Trinksitten im Legionslager Vindonissa von Bedeutung waren. Die Möglichkeit, Wein aus dem Mittelmeerraum zu importieren und ihn dennoch für alle Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen zeigt, wie gut vernetzt und organisiert das Römische Reich zur Zeit Vindonissas war. Von Lena Schenker Von Lena Schenker Lena Schenker ist Studentin der Archäologie und Naturwissenschaften an der Universität Basel. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römische Geschichten aus Vindonissa Römerzeit Kommentare

 
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Eine Krippe aus der Provence zu Gast auf der Klosterhalbinsel Wettingen

Zurück zum Blog 01. Dezember 2022 Kategorie Klosterleben Vom 9. bis 18. Dezember 2022 ist anlässlich der Wettinger Weihnachtstage im Parlatorium des Klosters Wettingen eine provenzalische Krippe zu bewundern. Das Geburtsfest Christi wird im Süden Frankreichs mit sogenannten Santons -Krippen gefeiert. Santons sind handbemalte Terracotta-Figuren, die zwischen 2,5 cm und 15 cm hoch sind und zunächst durch ihre Buntheit auffallen. Die Santons der ausgestellten Krippe aus Schweizer Privatbesitz haben eine Grösse von 9 cm. Santons aus dem Atelier Marcel Carbonel, Marseille In Frankreich gibt es verschiedene Ateliers – Santoniers genannt –, die jedes Jahr neue Figuren kreieren. Diejenigen der ausgestellten Krippe stammen allesamt vom berühmten Santonier Marcel Carbonel aus Marseille . Marcel Carbonel (1911–2003) war ursprünglich Lithograph und hat auf diese Weise ein besonderes Gespür für Linien und Farben entwickelt. Für seine Santons, die er seit 1935 hergestellt hat, hat er eine eigene Palette mit Gouache-Farben entwickelt, die bis heute verwendet wird. Die aus gebranntem Ton hergestellten Santons sind allesamt von Hand bemalt, so dass kein Santon dem anderen gleicht. Bei der Wahl des Santons lohnt sich deshalb ein sorgfältiger Vergleich der Figuren. Blick auf die provenzalische Krippe, deren Figuren nicht nur auf biblische, sondern auch auf literarische Quellen zurückgehen. © Museum Aargau Die ganze Welt im Wohnzimmer Am 4. Dezember (Heilige Barbara) wird die provenzalische Krippe aufgestellt und bleibt in den Wohnzimmern bis zum 2. Februar (Maria Lichtmess). Erst am 24. Dezember wird das Christkind in die Krippe gelegt. Am 6. Januar werden die wandernden Heiligen Drei Könige vor die Krippe platziert. Um die Krippe kreisen verschiedene Traditionen wie beispielsweise der bis heute gefeierte provenzalische Brauch der Treize Desserts (dtsch. Dreizehn Desserts), die als Attribut einer Figur oder als Requisit in der Krippe auftauchen. Die Anzahl der Desserts verweist vermutlich auf Jesus und seine zwölf Jünger. Gemäss der Tradition sind die Treize Desserts eine Zusammenstellung aus dunklem und hellem Nougat, eine Pompe à l’huile d’olive oder eine Fougasse à la fleur d’oranger (Gebäck, Brot), Datteln, Quatre Mendiants (dtsch. «Die vier Bettler») als Repräsentanten der Ordensgemeinschaften (Walnüsse und Haselnüsse für die Augustiner, Feigen für die Franziskaner, Mandeln für die Karmeliten und Rosinen für die Dominikaner), Zuckermelone ( Melon Vert ), Weintrauben, Apfel-Birnenmus oder Frucht-Gelee, korsische Orangen und/oder Clementinen, Trockenpflaumen, Walnüssen, Äpfeln, Birnen, Calissons oder kandierte Maronen, Fruchtgelee oder Fruchtkonfekt sowie der bekannte Vin Cuit (Likör). Biblische und literarische Vorlagen Reizvoll ist ebenfalls, dass die Santons nicht nur von den biblischen Berichten, sondern ebenfalls von verschiedenen literarischen Vorlagen inspiriert sind. So handelt es sich beispielsweise beim Korbflechter um Vincent, welcher in Frédéric Mistrals (Maillane 1830 – 1914 ebd.) Liebesepos «Mireille» (1859) eine Hauptrolle spielt: Es erzählt von einer reichen Bauerntochter, die für ihre gesellschaftlich nicht möglichen Liebe zu einem armen Korbflechter kämpft und auf der Suche nach göttlicher Unterstützung auf Wanderschaft geht. Dieses Werk, das zahlreiche Bezüge zu provenzalischen dörflichen Themenkreisen aus vergangenen Jahrhunderten enthält, wurde von der Académie française preisgekrönt und begründete auch international Mistrals Ruf. Eine weitere literarische Quelle sind die «Lettres de mon moulin» (ab 1866) von Alphonse Daudet. Daudet schildert in seinen in Paris verfassten «Briefen» provenzalische Schwänke und Geschichten im Stil von Volksmärchen. Der wohl berühmteste Brief Daudets berichtet von der legendären schneeweissen Ziege Blanchette des Monsieur Seguin, welche von der Freiheit gelockt in die Berge flieht – dort lauert der Wolf auf sie. Wegen Daudet findet sich in jeder provenzalischen Krippe eine Mühle und eine weisse Ziege, die sich von den übrigen gefleckten Ziegen absetzt. Inspiriert von Alphonse Daudets «Briefe aus meiner Mühle»: Die Mühle des Monsieur Seguin und die weisse Ziege Blanchette, welche die Freiheit sucht und vom Wolf gefressen wird. © Museum Aargau Es erstaunt aufgrund der literarischen Quellen nicht, dass zur klassischen Figurenausstattung einer provenzalischen Krippe ebenfalls ein Santon gehört, der einen Poeten darstellt. Der Poet des Marseiller Santoniers Marcel Carbonel besticht durch seine Eleganz. Besonders augenfällig ist die hervorblitzende Taschenuhr. Sein schwarzer Hut und Umhang sowie sein Spazierstock verweisen weiter darauf, dass er auf Wanderschaft ist, – dies selbstverständlich nie ohne Bücher. Der Poet Félibre © Museum Aargau Kennerinnen und Kenner der provenzalischen Krippentradition erkennen im Poeten sofort den Félibre . Das Wort «Félibre» geht zurück Frédéric Mistral. 1854 gründete Mistral zusammen mit Joseph Roumanille, Félix Gras und Théodore Aubanel die sogenannte Félibrige -Bewegung, die sich für eine Wiederbelebung und den Erhalt der provenzalischen Sprache in der Literatur einsetzte. Seit 1859 stand er an der Spitze der Félibrige -Bewegung und wurde ihr kreativster Vertreter. Mistral setzte sich – parallel zu der vielfach einsetzenden Nationalitätenbewegung des 19. Jahrhunderts – für eine geistige und kulturelle Unabhängigkeit der Provence gegenüber dem auch kulturpolitisch zentralistischen Frankreich ein, anfangs auch noch für eine politische Autonomie. Dabei kämpfte er gegen das vorherrschende Klischee der Rückständigkeit der Provence und suchte dabei Anknüpfungspunkte in der mediterranen Kultur und in der Überlieferung der Antike. Im Laufe von zwanzig Jahren erstellte Frédéric Mistral ein Wörterbuch der provenzalischen Sprache, das zwischen 1879 bis 1886 erschien und zahlreiche provenzalische Dialekte berücksichtigt. 1904 erhielt Mistral den Nobelpreis für Literatur. In der provenzalischen Krippe von Muri steht Mistrals Félibre am Fluss – er macht dort von seiner Wanderschaft eine Pause, um neue Kraft und Inspiration zu schöpfen. Pastorale provençale Die Pastorale provençale ist eine weitere bedeutende Quelle für das Verständnis der provenzalischen Krippe. Die Pastorale ist eine weihnachtliche Aufführung mit Gesängen. Für die Inspiration neuer Krippenfiguren ist vor allem die 1844 erschienene «Pastorale Maurel» von Bedeutung. Die Pastorale Maurel geht zurück auf den Spiegelhersteller und Vergolder Antoine Maurel, der auf Anfrage eines Klerikers namens Julien für den katholischen Arbeiterzirkel in Marseille das musikalische Schäferschauspiel in vier Akten verfasst hat (1844 in Marseille erschienen). Mehrere Figuren in der Krippe sind direkt von der aus der «Pastorale Maurel» inspiriert wie beispielsweise der blinde Vater mit seinem Sohn Simon und dessen Bruder Chicoulet, Bartoumieu sowie Herr Jourdan und dessen Frau Margarido: So gehört Monsieur Jourdan zu jenen Figuren, die von den Hirten die frohe Botschaft der Geburt Christi vernommen haben. Für das Einrichten der Krippe bedeutet dies, dass die beiden Santons nicht in die Nähe des Jesuskindes platziert werden sollten. Herr Jourdan und seine Frau Margarido © Museum Aargau Marcel Carbonels Jourdan-Figur hält allerdings einen Spazierstock in der einen Hand und einen Korb mit Proviant in der anderen Hand. Daraus können wir schliessen, dass er die Botschaft nunmehr vernommen hat und sich auf dem Weg zur Krippe befindet. Monsieur Jourdan zeichnet sich zudem durch seine auffallend elegante Erscheinung aus. So trägt er einen edlen Klappzylinder – «gibus» genannt –, einen roten Krawattenschal mit weissen Punkten und ein Gilet mit Stickereien, weisse Socken und Schuhe mit Schnallen. Monsieur Jourdans Gattin Margarido wiederum sitzt in aufrechter Haltung auf einem Esel, was darauf hinweist, dass der Weg zur Krippe noch länger andauern wird. Über ihrer weissen Spitzenhaube befindet sich ein schwarzer, breitkrempiger Hut, der von der Sonne schützen soll – die Pastorale berichtet, dass sie Mühe mit dem Alter hat und deshalb die Sonne meidet, zudem lasse sie keine Gelegenheit aus, an ihrem Gatten herumzunörgeln, zu einer Versöhnung der beiden kommt es erst an der Krippe. Zu den wohl berührendsten Santons der provenzalischen Krippen gehören der blinde Vater (provenzalisch «avugle») und dessen Sohn Simon. Die beiden Santons bezeugen auf eindrückliche Weise, dass in provenzalischen Krippen auch Menschen erscheinen, die blind oder, wie der Nachtwächter, taub sind: Alle Menschen sollen von der frohen Botschaft der Geburt Christi erfahren. Im Vordergrund stehen der blinde Vater und sein Sohn Simon. © Museum Aargau Der Vater und dessen Sohn Simon sind ebenfalls von der Pastorale Maurel inspiriert. Gemäss der Pastorale gewinnt der Vater von Simon an der Krippe Jesu sein Augenlicht. Er erkennt ebenfalls dessen zweiten Sohn Chicoulet, der als Kind von einem Briganten entführt worden ist. In der Krippe von Wettingen ist Chicoulet aus diesem Grund neben dem Briganten platziert. Brigant und Chicoulet © Museum Aargau Die Figurengruppe um den Vater und dessen Sohn Simon zeigt auf anschauliche Weise, wie sich durch die provenzalischen Krippen die unterschiedlichsten Handlungsstränge entwickeln. Die meisten Figuren sind demnach nicht isoliert, sondern dank den literarischen Vorlagen inhaltlich miteinander verwoben. Kennerinnen und Kenner der provenzalischen Krippen können auf diese Weise auch besser nachvollziehen, welche inhaltlichen Akzente durch die jeweilige Platzierung der Santons in der Krippe gesetzt werden. Denkbar wäre ja beispielsweise auch, dass Chicoulet zusammen mit seinem Vater und dessen Bruder Simon an der Krippe steht. In der Krippe von Wettingen ist aber ein anderer Moment der Geschichte ausgewählt worden – noch ist Chicoulet Gefangener des Briganten. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Klosterleben Kommentare

 
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Quiz: Welches Schloss passt am besten zu Ihnen?

Zurück zum Blog 08. Juli 2022 Kategorie Quiz & Spiele Wollten Sie schon immer in einem Schloss leben? Beantworten Sie diese Fragen - wir zeigen Ihnen, welches Aargauer Schloss am besten zu Ihnen passt! In nur wenigen Klicks finden Sie heraus, welches der Aargauer Schlösser zu Ihren Vorlieben passt! Welcher Schlosstyp sind Sie? Residieren Sie auf einer hohen Burg, wie einst die Drachen, oder fühlen Sie sich am Wasser wohler? Passt eine Burg voller Weltgeschichte zu Ihnen, oder sind Sie doch ein Müssiggänger, der in einem Genussschloss residiert? Test: Welches Schloss passt am besten zu Ihnen ? Wollten Sie schon immer in einem Schloss leben? :european_castle: Beantworten Sie diese Fragen - wir zeigen Ihnen, welches Aargauer Schloss aufgrund Ihrer Vorlieben am besten zu Ihnen passt! Schloss Lenzburg ist perfekt für Sie! Hallo Lenzburger bzw. Lenzburgerin! Es scheint, dass Schloss Lenzburg die perfekte Wahl für Sie sein könnte. Sind Sie bereit für Action, Abenteuer und Festtafeln? Sind Sie ein Actionfan und verbringen gerne Zeit in geselliger Runde mit Musik, Spielen, feinem Essen und edlen Getränken? Prima! Es ist immer viel los auf Schloss Lenzburg. :dancer: Übrigens: Am 22.-24. Juli 2022 schlagen Soldaten aus dem 15. Jahrhundert im Schlosshof ihre Zelte auf. Mehrmals täglich finden Kanonenschiessen statt! :point_right: Alle Infos zum "Mittelalterlichen Heerlager mit 100 Mitwirkenden" Weitere Highlights auf Schloss Lenzburg sind das Fauchifest im August und der grosse Mittelaltermarkt im September . Haben Sie gerne grosse Familienfeste und Apéros mit Freunden? Der grosse Rittersaal bietet bis zu 500 Sitzplätze! Es sollte reichen... oder? Ist für Sie Komfort wichtig? Keine Sorge: Schloss Lenzburg bietet hochwertigen Wohnkomfort. Im original möblierten Wohnmuseum fühlt es sich an, als hätten die Herrschaften das Schloss Lenzburg eben erst verlassen. Besonders schön ist die spätmittelalterliche Küche. :poultry_leg: Das Badezimmer mit goldenen Wasserhähnen zeugt vom luxuriösen Leben der Industriellen-Gattin Lady Mildred, die das Schloss mit ihrem Mann Augustus Edward Jessup ab 1893 bis ins 20. Jahrhundert bewohnt hat. Auch schön zu wissen: Schloss Lenzburg eignet sich auch perfekt für Abenteuer und Globetrotter. Schon gewusst? Der Polarforscher Lincoln Ellsworth, dessen Familie 1911 die Lenzburg kaufte, plante auf dem Schloss seine Expeditionen zum Nord- und Südpol. Seine Frau Marie Louise Ellsworth-Ulmer war eine Flugpionierin. :airplane: Oh... Ein kleines Detail noch... bevor Sie ins Schloss umziehen: Ihr Mitbewohner heisst Fauchi und ist ein Drache. :dragon_face: Schloss Wildegg ist perfekt für Sie! Oh... Madame, Monsieur, es klingt, dass Schloss Wildegg Ihren hohen Erwartungen entsprechen könnte. Lustgarten, Wein, Champagner, Jagd, Musik, Malerei, Literatur... Geniessen Sie in der Schlossdomäne Wildegg adligen Lebensstil! Ein Hauch von Extravaganz passt Ihnen gut! Es ist endlich Zeit, sich Luxus zu gönnen. Ihr neues Zuhause entführt Sie in den Barock. Die Wohn- und Arbeitsräume des Schlosses Wildegg sind wie um 1800 eingerichtet. Diese zeugen von der gehobenen Lebenskultur und dem erlesenen Geschmack der Familie von Effinger. Schloss Wildegg ist perfekt für eine Kultur- und Kunstliebhaberin bzw. einen Kunstliebhaber wie Sie. Lassen Sie sich verzaubern durch elegante Gemälde, Möbel und Dekorationen, die die Effinger gesammelt haben. Zeichnen oder malen Sie gerne? Es passt perfekt: Der letzte männliche Besitzer von Wildegg, Ludwig Rudolf Effinger hat im Schloss ein Kunstatelier eingerichtet. :art: Lesen Sie auch gerne? In der grossen Bibliothek finden Sie zahlreiche Bücher der Familie Effinger. Unsere Buchempfehlung für den Sommer: Die ''Kleine Burgchronik'' der Wildegg von Sophie von Erlach. Als Bewohnerin beschreibt Sophie das Leben in ihrem Schloss zu Beginn des 19. Jahrhunderts. :books: Die Schlossdomäne Wildegg ist natürlich vor allem ein Paradies für Gartenfans und Naturliebhaber! :herb: Streifen Sie durch den 3300 Quadratmeter grossen Nutz- und Lustgarten mit seinen alten Nutzpflanzen und seltenen Gemüsesorten. Gartenarbeit macht glücklich! Das wird Ihnen sicher auch gefallen: Schloss Wildegg bietet exklusive Veranstaltungen für Gartenfans und Feinschmecker und Feinschmeckerinnen. :point_right: Setzlingsmarkt ProSpecieRara im Mai :point_right: Tulpenzwiebel- und Genussmarkt im September :point_right: Wiehnachtsmärt im Dezember Schloss Hallwyl ist perfekt für Sie! Wir haben das perfekte Schloss für Sie gefunden: Schloss Hallwyl, eines der schönsten Wasserschlösser der Schweiz. Nicht schlecht, oder? Es ist ein Paradies für Naturliebhaber und Romantiker! Am Hallwilersee erwarten Sie Ihnen ein bezauberndes Wasserschloss und eine romantische Landschaft. :heart_eyes: Die Schlossanlage liegt idyllisch im Naturschutzgebiet des Hallwilersees. Der Ort eignet sich perfekt für romantische Seelen wie Sie. Apropos Liebe: Kennen Sie die spannende Geschichte von Franziska Romana von Hallwyl? Sie flüchtete aus ihrem Elternhaus in Wien, um ihren Aargauer Verwandten Abraham Johann zu heiraten. :open_mouth: Sind Sie eine Musik- und Kulturliebhaberin bzw. einen Kulturliebhaber? Das sollte Ihnen gefallen: Jeden Sommer findet das Festival "Wilhelmina – Fest der Künste" im Schloss Hallwyl sowie an weiteren Spielorten am Hallwilersee statt. :musical_keyboard: :point_right: Mehr Infos zum "Wilhelmina – Fest der Künste" Diesen Sommer können Sie auch das idyllische Gebiet des Hallwilersees geniessen. Sind Sie Sportler bzw. Sportlerin? Perfekt: Viele Strandbäder am Hallwilersee haben ein breites Wassersport-Angebot. :rowboat: Lust auf eine Wanderung? Rund um den See gibt es einen 20 Kilometer langen Wanderweg. Keine Lust auf Sport? Möchten Sie lieber Dolce Vita erleben? Kein Problem: Das Naturschutzgebiet ist auch eine Oase der Ruhe und Sinnlichkeit! :dove_of_peace: Schloss Hallwy passt auch gut zu Abenteuerinnen und Abenteurern. Die Familie von Hallwyl zählte viele Globetrotter und Offiziere. Hans von Hallwyl z.B. führte 1476 in den Burgunderkriegen Berner Truppen bei Murten siegreich in die Schlacht gegen Karl den Kühnen. Karl Franz Rudolf diente unter dem russischen Zaren im tatarischen Kasan. :point_right: Mehr über die Geschichte von 4 Persönlichkeiten der Familie von Hallwyl erfahren Sie in der Sonderausstellung "Blütenduft und Pulverdampf" Schloss Habsburg ist perfekt für Sie! Oh, ungewöhnlich aber interessant... Basierend auf Ihren Quiz-Antworten denken wir, dass Schloss Habsburg Ihre perfekte Flucht sein könnte. Willkommen im Stammschloss einer Weltmacht! Sicher, Sie haben eine starke Persönlichkeit! Schloss Habsburg passt gut zu entschlossenen und fleissigen Menschen. Die Habsburger haben die Geschichte Europas stark geprägt. Von ihrer Stammburg im späteren Kanton Aargau aus schufen sie ein Weltreich! :point_right: Mehr Infos zur Geschichte der Habsburg Heute sind zwei Drittel der Burg zerfallen. Wir hoffen, dass es für Sie kein Problem darstellt, in einer Ruine zu wohnen. :sweat_smile: Im Turm der Hinteren Burg ist die Dekoration sehr nüchtern. Sie sollte Ihnen aber gefallen, da Sie eine schlichte Einrichtung bevorzugen. Sind Sie Sportlerin bzw. Sportler? Grossartig: Habsburg ist das perfekte Basislager für Wanderungen und Velotouren. Viel Spass! :bike: Das Beste kommt zum Schluss: Auf der Burg befinden sich das Schlossrestaurant Habsburg! Ihre Quiz-Antworten sind eindeutig: Sie sind eine Feinschmeckerin bzw. ein Feinschmecker! :meat_on_bone: Geniessen Sie im Schlossrestaurant regionale und frische Gerichte mit feinen lokalen Weinen! :point_right: Mehr Infos zum Schlossrestaurant Habsburg Schon gewusst? Die legendäre Schlosswirtin Alice Mattenberger (1901-1988) wohnte als Letzte im Schloss. 45 Jahre lang verköstigte sie ihre Gäste nicht nur mit Suppe und Schinken, sondern auch mit Geschichten über die altehrwürdige Habsburg. Welches Tier nehmen Sie in Ihr neues Zuhause mit? Möchten Sie ein möbliertes Objekt erwerben? Welche Uhr gefällt Ihnen am besten? Was ist das wichtigste "must have" in Ihrem neuen Zuhause? Welches Objekt gefällt Ihnen am besten? Haben Sie ein Hobby? Was machen Sie am Wochenende? Mit wem würden Sie gerne einen Kaffee trinken? Was ist Ihr Traumjob? Letzte Frage: Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Weitere Quiz 26. April 2023 Quiz: Welches Fabelwesen sind Sie? Drache, Einhorn oder etwas anderes? Erfahren Sie, welches Fabelwesen am besten zu Ihnen passt! 30. Juni 2023 Quiz: Welcher Mittelalterberuf passt zu Ihnen? Wären Sie Bauer, Bäuerin oder Ritter? Oder würden Sie eher ins Kloster gehen? 16. Oktober 2023 Quiz: Wie gut kennen Sie die Habsburg? Testen Sie im Quiz Ihr Wissen zur Schloss-Geschichte. Von Grégoire Luisier Von Grégoire Luisier Grégoire Luisier ist Digital Media Manager im Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Quiz & Spiele Kommentare 27.06.2024 Margret Lieber Grégoire Informationen mit Spielen zu vermitteln, hat mir mächtig Spass gemacht. Die Art, wie Sie diese Webseite gestalten, macht Lust, sich damit zu befassen. Vielen Dank! MBt

 
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Goldener Schatz aus den Tiefen der Gruft Friedrichs von Greifenstein

Zurück zum Blog 24. November 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Mittelalter 1891 wurde in der Gruft Friedrichs von Greifenstein in der Klosterkirche Königsfelden einen reich verzierten Prunkgürtel gefunden. Das Objekt ist ein eindrückliches Beispiel spätmittelalterlicher Goldschmiedskunst. Dieser Prunkgürtel war 2022/2023 in der Sonderausstellung "Die Habsburger im Mittelalter – Aufstieg einer Dynastie" im Historischen Museum der Pfalz Speyer zu sehen. Museum Aargau hatte für diese Ausstellung acht Leihgaben, darunter den Gürtel, gegeben. Erfahren Sie hier mehr über dieses wertvolle Objekt. Ritterliche Extravaganz zum Umschnallen Die Bedeutung des Prunkgürtels geht über den rein ästhetischen Wert hinaus: Der Gürtel ist gleichzeitig Zeugnis der Geschichte der Habsburger-Dynastie, der frühen Eidgenossenschaft, des Aargau und auch der Sammlung Museum Aargau. Der eineinhalb Meter lange und einen Zentimeter schmale Gürtel fällt durch seine silbervergoldeten Besatzstücke in der Form von hohlen Halbkugeln und durch die kunstvoll gefertigte Schnalle samt Senkel auf. Als der Gürtel gefunden wurde, waren nur noch Fragmente des Originalgürtelbandes vorhanden. Es wurde daher Ende des 19. Jahrhunderts durch eine Kopie ersetzt. Doch auch vor gut hundert Jahren passierten Fehler: Bei der Restaurierung wurde die Schnalle irrtümlicherweise verkehrt herum angebracht, so dass nun die Rückseite nach aussen zeigt. Das Kleidungsstück hatte wohl hauptsächlich eine repräsentative Funktion; es wurde gar spekuliert, ob der Gürtel ein Insignium des exklusiven, österreichischen Ritterordens "Vom Zopf" gewesen sei. Gürtel aus Königsfeldener Gruft, um 1386 (Inv. K-709). Habsburger und Eidgenossen in Sempach und im Aargau Friedrich von Greifenstein war einer von 27 Rittern, die 1386 in der Schlacht bei Sempach mit dem Habsburger Herzog Leopold III. fielen und in der Kirche des Klosters Königsfelden – seit seiner Gründung 1309 die wichtigste Grabstätte der Habsburger – beigesetzt wurden. Zusammen mit Rittern aus Schwaben, dem Elsass, dem Aargau, dem Thurgau und Tirol sowie italienischen, französischen und deutschen Söldnern, war der Adlige aus dem Südtirol seinem Lehnsherrn in den Krieg gefolgt, in welchem die Territorialinteressen der Habsburger und Eidgenossen aufeinanderprallten. Friedrich von Greifenstein (rechts) und weitere Habsburger Ritter, Klosterkirche Königsfelden, Ende 14. Jh., 1533/34 neu gemalt © Museum Aargau. Die Niederlage von Herzog Leopolds Armee in Sempach war entscheidend für die Expansion und Festigung der jungen Eidgenossenschaft. 30 Jahre später (1415) eroberte Bern für die Eidgenossenschaft den Aargau. Das Haus der Habsburger verlor damit den grössten Teil seiner ursprünglichen Stammlande auf dem Boden der heutigen Schweiz. Geschichtsträchtig und begehrt: Der Gürtel im Museum Das wertvolle Stück wurde 1891 bei Restaurationsarbeiten in der Klosterkirche entdeckt, als man die Gräber der in Sempach gefallenen Ritter öffnete. Im späten 19. Jahrhundert, als sich im jungen schweizerischen Bundesstaat ein Bewusstsein um die Bedeutung von Altertümern und historischen Kulturgütern entwickelte, stiess der Fund auf grosses Interesse. Er gelangte ins Kantonale Antiquarium in Aarau (und so später ins Museum Aargau), und wurde um 1900 mehrmals restauriert. Zudem fertigte der landesweit bekannte Luzerner Goldschmied und Kunsthändler Johann Bossard eine Kopie des Gürtels für das erst kurz zuvor gegründete Landesmuseum in Zürich an. Klosterkirche Königsfelden © Museum Aargau. Mysterien des Gürtels Gänzlich offengelegt sind die Mysterien des Gürtels trotzdem nicht, einiges ist bis heute ungeklärt: War das Skelett, um dessen Hüfte der Gürtel bei seinem Fund gebunden war, tatsächlich jenes von Friedrich von Greifenstein, oder gehörte es einem anderen, in derselben Gruft begrabenen Ritter? Wurde das wertvolle Stück gar erst nachträglich als Grabbeigabe gestiftet? Und handelt es sich bei dem Prunkgürtel wirklich um ein Ordensband? Trotz – oder gerade wegen dieser offenen Fragen, bleibt der Gürtel eines der spannendsten und begehrtesten Objekte der Sammlung des Museum Aargau. Und so schmückt er heute nicht mehr Ritter und Adelige, sondern Kataloge und Ausstellungen im In- und Ausland. Dieser Beitrag wurde im Mai 2019 von Michael Brunner, ehemaliger Praktikant der Sammlung von Museum Aargau, verfasst. Von Michael Brunner Von Michael Brunner Michael Brunner war 2019 Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Mittelalter Kommentare

 
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Weihnachtsgeschichte: Das Quellwunder von Cotignac

Zurück zum Blog 10. Dezember 2022 Eine Weihnachtsgeschichte vom Chefkurator Rudolf Velhagen. Zahlreiche Figuren, die in dieser Geschichte vorkommen, sind vom 9. bis 18. Dezember 2022 in der provenzalischen Krippe des Klosters Wettingen zu entdecken. Diese Weihnachtsgeschichte ist frei inspiriert nach einem wundervollen Geschehnis, welches sich gemäss der Überlieferung im Jahre 1660 im provenzalischen Dorf Cotignac zugetragen haben soll. Es geschah im Jahre 1660 Der Priester Père Mathieu der Kirche Notre-Dame de Cotignac war verzweifelt. Schon seit einiger Zeit fiel ihm auf, dass seine «Schäfchen» während seinen Predigten nicht mehr zuhörten – waren seine Predigten zu langatmig oder das Thema zu wenig packend? Da er wegen dieser Sorge oft gedankenversunken in den Gassen oder auf dem Markt von Cotignac herumlief, geschah es, dass er hin und wieder ihm wohl bekannte Dorfbewohnerinnen und -bewohner übersah. «Er schaut durch uns hindurch», beobachtete die Obstverkäuferin, «was ist denn nur mit unserem Père Mathieu los?». Zwei Dromedare und ein Elefant Hinzu kam, dass sich das Weihnachtsfest mit seinen Vorbereitungen und der Mitternachtsmesse mit grossen Schritten näherte. Père Mathieu hatte schon damit begonnen, die Krippenfiguren – die Santons – aus dem grossen alten Holzschrank hervorzuholen und auf einen Tisch aufzustellen. Zusammen mit der Heiligen Familie, Ochs und Esel waren die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar mit ihren wertvollen Gaben für das Jesuskind zu sehen. Begleitet waren die Könige von zwei Dromedaren und einem Kameltreiber. Besonders stolz war Père Mathieu auf einen Elefanten, den er vor Jahren geschenkt bekam und sich seither zu den Dromedaren gesellte. Die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar mit ihren wertvollen Gaben für das Jesuskind. © Museum Aargau Die Dorfbewohner helfen mit Die Tradition von Cotignac wollte es, dass die Dorfbewohner die Krippe mit eigenen Santons bereicherten. Diese Santons stellten meistens das jeweils ausgeübte Metier des Schenkers dar – so war der Müller mit seinem Santon schon vorbeigekommen. Als weitere Gabe des Müllers kam dieses Mal ein mit Mehlsäcken beladener Esel hinzu. Der Sohn des Müllers wiederum brachte eine wunderschöne Mühle mit, die einen prominenten Platz auf einem Hügel erhalten sollte. Die Mühle samt Müller und mit Mehlsäcken beladener Esel. © Museum Aargau Niemand Geringerer als der Bürgermeister von Cotignac brachte als Santon den Bauernknecht Pistachié mit – der Bürgermeister konnte sich mit diesem Santon besonders gut identifizieren, da er in der weihnachtlichen Pastorale diese Figur spielte. Pistachié ist ein gutmütiger Tollpatsch, dem immer wieder kleinere und grössere Missgeschicke widerfahren. So fiel Pistachié beim Wasserholen für den Esel von Madame Margarido in den Dorfbrunnen … aber rasch eilten zahlreiche Bewohner zur Hilfe und zogen ihn heraus! Eine fein duftende Krippe Die Santons von Cotignac wurden vom Santonier Marcel gefertigt. Die von ihm gebrannten Tonfiguren wurden sorgfältig von Hand bemalt – hier und dort stattete Marcel die Santons mit Attributen wie Reisigzweiglein oder Wolle aus. Auf diese Weise wirkten die «kleinen Heiligen», so die Übersetzung der Santons, noch lebendiger. Andere Bewohnerinnen und Bewohner widmeten sich der Krippenausstattung – Mühle, Brücke und Brunnen waren mitsamt den Santons in eine provenzalische Landschaft mit felsigen Hügeln, Lavendelfeldern und einem Weinberg eingebettet. Mit der Platzierung von Oliven- und Zedernbäumchen sowie himmelwärts gerichteten Zypressen glich die Krippe bis in alle Details der Landschaft, welche die Bewohnerinnen und Bewohner von Cotignac vor ihrer Türe vorfanden. Dank der Verwendung von provenzalischen Kräutern und Blüten verströmte die Krippe einen wunderbaren Duft. Père Mathieu war übrigens überzeugt, dass die Krippe von Cotignac die einzige Krippe der Provence war, die derart fein duftete. Die liebevoll gestaltete Krippe zeigt die provenzalische Landschaft bis ins Detail: Lavendelfelder, felsige Hügel, Weinberg etc. © Museum Aargau Inspiration für seine Predigt Mit dem Herannahen der Heiligen Nacht stieg die Besorgnis unseres Priesters. Die Kirche war nun wunderbar geschmückt, jetzt wurde es höchste Zeit, ein packendes Predigtthema zu finden. Plötzlich kam er derart ins Schwitzen, dass er sich sein rot kariertes Taschentuch hervorholen musste, um den Schweiss von seiner Stirn zu wischen – so konnte es nicht mehr weitergehen. Hastig verliess er die Kirche und begab sich auf einen nahegelegenen Hügel, von dem er auf seine geliebte Landschaft blickte. Ermattet setzte er sich auf eine Bank und in einem Stossgebet bat er darum, Inspiration für seine Predigt zu erhalten … Plötzlich tauchte ein junger Mann auf und sprach ihn an: «Guten Tag, ich heisse Gaspard, ich bin der neue Hirte im Dorf. Ich sehe in Ihrem Blick, dass Sie verzweifelt sind!» «Ja, das bin ich», erwiderte der Priester, «seit einiger Zeit hören mir die Bewohner des Dorfes nicht mehr zu, wenn ich predige. Und wenn ich durch Cotignac laufe, übersehe ich meine Schäfchen, weil ich zu sehr in meinen Gedanken versunken bin. Und jetzt naht auch noch die Mitternachtsmesse …». Gaspard verstand die Besorgnis des Priesters und versicherte ihm, dass er ihm helfen könne. «Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die ich kürzlich erlebt habe. Hören Sie gut zu!» Der Hirte Gaspard begegnet Josef. © Museum Aargau Der junge Hirte berichtete, dass er sich letzten Sommer während einer Vollmondnacht mit seiner Herde unter einem Felsen ausruhte. Seine Schafe und er litten unter der grossen Dürre, die seit einigen Monaten in der Provence herrschte. Plötzlich bemerkte er eine geheimnisvolle Erscheinung. Er drehte sich um und sah einen alten Mann mit weissem Vollbart, der sich auf einen Stab stützte. Der Stab schien zu blühen – Gaspard realisierte sofort, dass er es mit einer übernatürlichen Begegnung zu tun hatte. Wer war dieser Mann? Es stellte sich ein Moment der Ruhe und des Friedens ein. Plötzlich erhob der Mann seine Stimme: «Was beunruhigt Dich, lieber Gaspard?» Wie war es möglich, dass der alte Mann seinen Namen kannte? Gaspard fasste seinen Mut und berichtete ihm von der Dürre und seiner Angst, Schafe zu verlieren. Der alte Mann verstand die Sorge von Gaspard. «Verzage nicht!», entgegnete er. Mit seinem Stab zeigte er auf den Felsen, der sich in unmittelbarer Nähe befand und er bat Gaspard, einen Felsbrocken zu verschieben. Gaspard zögerte keine Sekunde und nachdem er das Felsstück zur Seite geschoben hatte, entsprang eine Quelle, an der seine Schafe und er ihren Durst löschen konnten. Gaspard drehte sich beim Wassertrinken um und erkannte im alten Mann Josef, den er bisher einzig aus der Krippe kannte: Ja, es war der kluge und besonnene Josef, der Mann von Maria. «Bist Du Josef?», fragte er ihn. «Ja, ich bin Josef», antwortete dieser. Ein Blick kann die Welt verändern Bevor Josef weiterzog, überbrachte dieser Gaspard ein Geheimnis: «Weisst Du, lieber Gaspard, warum ich in der Krippe immer in mich gekehrt und manchmal grüblerisch bin?» «Ja, es ist wahr, Josef, man nimmt Dich in der Krippe nicht sofort wahr. Vielleicht mag das auch mit der Schönheit und Reinheit von Maria zusammenhängen, die alles überstrahlt?» «Nun, ich war ein einfacher Zimmermann», erwiderte Josef. «Unter all den Mädchen von Galiläa hatte ich Maria erwählt – sie war die Schönste von allen. Ich wollte mit ihr eine Familie gründen, ein einfaches Leben führen, aber Gott hat anders entschieden. Es war nach meinem Traum schliesslich der liebevolle Blick von Jesus in der Krippe, der mir offenbarte, welche Mission Maria und ich hier auf Erden haben. Siehst Du, lieber Gaspard, ein einziger Blick genügt, um die Welt für immer zu verändern!» Alle Zweifel waren verflogen Als sich der Priester nach der aussergewöhnlichen Begegnung mit Gaspard wieder im Dorf befand, fühlte er sich wie verwandelt. Seine Zweifel für das Thema der Mitternachtsmesse-Predigt waren verflogen. Mit wachem Blick begrüsste er alle Dorfbewohnerinnen und -bewohner, die mit Erstaunen und Freude seinen Gruss erwiderten. In der Kirche setzte sich Père Mathieu vor der Krippe und begann zu träumen … im Traum sah er, wie in der Krippe alle Santons lebendig wurden und ihn fragten, ob sie ihm bei den Weihnachtsvorbereitungen behilflich sein können. Der Müller, der Bäcker, der Schmied, der Messerschleifer, Vincent, der Korbflechter … alle eilten ihm zur Hilfe, selbst der blinde alte Mann und dessen Sohn Simon boten ihre Dienste an. Der Priester fragte schliesslich Madame Margarido, die auf einem Esel zur Krippe ritt und als Gourmande bekannt war, ob sie für ihn die Dreizehn Desserts besorgen könne, welche in der Provence nach der Mitternachtsmesse aufgetischt werden – sie willigte sofort ein und besorgte die süssen provenzalischen Leckereien wie Calissons, Nougat, Früchte und Nüsse. Madame Margarido. © Museum Aargau An der Mitternachtsmesse begrüsste Père Mathieu alle Gläubigen. Seine Predigt widmete er der wundersamen Begegnung zwischen Gaspard und Josef. Dabei hielt er einen Moment inne und betrachtete die Anwesenden mit einem gütigen Blick, der alle in Staunen versetzte: «Père Mathieu hat uns noch nie so angesehen!» flüsterten sie sich zu. Auch der junge Hirte Gaspard befand sich unter den Gläubigen und nickte zustimmend. Die Gläubigen waren begeistert – hier, im kleinen provenzalischen Dorf von Cotignac geschah ein solches Wunder! Nach der Mitternachtsmesse begaben sich die Bewohner zur Quelle und kosteten vom Wasser. Vom Dorf zum Pilgerort Seit dem Quellwunder sind die Weihnachtsfeste in Cotignac nicht mehr dieselben. 1661 beschloss der Sonnenkönig Ludwig XIV. wegen des Quellwunders von Cotignac ganz Frankreich dem Heiligen Josef zu widmen. Daraufhin verwandelte sich das provenzalische Dorf in einen bis heute vielbesuchten Pilgerort. Und Père Mathieu wusste seither, dass Josef anders als auf den kunstvollen Weihnachtsbildern und Krippenfiguren nicht ein grüblerischer und tatenarmer Mensch war, sondern ein Mann, der dank des Blicks des Jesuskindes die göttliche Stimme wahrzunehmen vermochte und diese auch beherzte. Als entzündete dieser Blick in ihm eine Weisheit, eine Klugheit, eine Vor-Sicht, die wir heute im dumpfen Getriebe des Alltags oft übersehen. Père Mathieu wusste seit diesem Moment, dass nicht nur Worte, sondern auch ein Blick die Welt verändern kann. Provenzalische Weihnachtskrippe © Museum Aargau Die Weihnachtskrippe war vom 9. bis 18. Dezember 2022 im Parlatorium des Klosters Wettingen zu bewundern. Von Rudolf Velhagen Von Rudolf Velhagen Rudolf Velhagen stellt hier regelmässig Trouvaillen, Raritäten und überraschende Schätze aus der Sammlung von Museum Aargau vor. Diese umfasst rund 50'000 Objekte. Ein grosser Teil davon lagert im Sammlungszentrum Egliswil. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kommentare

 
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Die perfekte Kaki: Bei der Ernte zählt das Timing

Zurück zum Blog 14. November 2022 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Die Götterfrucht – oder bei uns bekannter als Kaki – ist ein Hochgenuss. Die Ernte zur richtigen Zeit ist jedoch eine Herausforderung. Lesen Sie hier Tipps zu Anbau, Ernte und Lagerung der Kaki von Schlossgärtnerin Tanya van der Laan. Götterfrucht! Was im Ohr paradiesisch klingt, ist auch geschmacklich ein Genuss. Die weiche, «pflüdige» Frucht aus Asien gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Wir kennen sie vor allem unter dem Namen Kaki. Viele verziehen beim Gedanken an Kaki jedoch das Gesicht. Wer einmal in eine unreife Frucht gebissen hat, erinnert sich nur zu gut an das unangenehme pelzige Gefühl auf der Zunge. Grund ist natürliche Gerbsäure, die noch nicht ganz abgebaut ist. Wer deswegen Kaki verschmäht, verpasst viel. Voll ausgereift verzückt die Götterfrucht mit einem intensiven honigsüssen Geschmack. Zudem enthält sie Vitamin A und hilft gegen Bluthochdruck. Weniger intensiv im Geschmack, aber wegen fehlender Gerbsäure weniger heikel sind harte Götterfrucht-Varianten aus Israel: die rundliche orange Sharonfrucht und die längliche gelbe Persimone. Anbau und Zeitpunkt für die Ernte von Kaki Kakibäume tragen auch in unserem Klima Früchte. Auf Schloss Wildegg pflegen wir mehrere winterharte Arten. Wichtig ist ein geschützter Ort (zum Beispiel eine Mauer) – und Ende Jahr ein gutes Timing bei der Ernte: Die weichen Früchte müssen ihre volle orangene Farbe erreicht haben. Ohne Blätterkleid leuchten diese wie Kugeln an einem Weihnachtsbaum. Tipp: Die Früchte sind reif, sobald Vögel auf diese aufmerksam werden. Ein Netz schützt vor ungebetenen gefiederten Gästen. Reifeprozess nach der Ernte Ist nach der Ernte noch Gerbsäure vorhanden, können Sie Kaki nachreifen lassen. Am schnellsten geht dies an einem warmen Ort. Legen Sie ein paar Äpfel dazu. Diese beschleunigen den Reifeprozess. Langsamer reifen Kaki an kühleren Orten nach. Überwachen Sie den Reifeprozess, dieser kann mehrere Wochen dauern. Eventuelle braune Flecken (grössere Dichte Zucker) sind unbedenklich. So geniessen Sie die perfekte Kaki Vollständig ausgereifte Kaki sollten rasch verzehrt werden. Am einfachsten wird die Götterfrucht ausgelöffelt. Bei Bio-Qualität ist auch die Schale essbar, in Japan gilt diese getrocknet sogar als Delikatesse. Japanerinnen und Japaner mögen Kaki übrigens auch gedörrt. An Neujahr steht die Götterfrucht für Entschlossenheit – und hilft am Morgen danach auch gegen den Kater. Weitere Blogbeiträge 11. August 2023 Tipps für das perfekte Erdbeer-Beet Im August ist ein guter Zeitpunkt, um ein neues Beet mit Erdbeeren anzulegen. Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. 20. Juli 2023 Sommer- und Herbsthimbeeren Himbeeren im Garten sind pflegeleicht. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten: Sommerhimbeeren und Herbsthimbeeren. Der… 15. Mai 2023 Gemüsegarten auf dem Balkon Wer gerne sein eigenes Gemüse zieht, braucht dafür nicht zwingend einen Garten. Dies funktioniert auch sehr gut auf dem Balkon oder der… Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Ein Poch-Spielbrett aus dem 19. Jahrhundert

Zurück zum Blog 07. November 2022 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Spielen ist eine der universalen menschlichen Aktivitäten. Schon vor einem Vierteljahrtausend waren die Menschen für Spiele zu begeistern. Genau dies zeigt ein spezielles Objekt aus der Sammlung des Museum Aargau: ein Spielbrett aus dem 18. Jahrhundert. Mit seinen 32 Zentimeter Durchmesser hat das achteckige Spielbrett ähnliche Dimensionen wie heutige Brettspiele, die in der Regel an einem Tisch gespielt werden. Das reich verzierte Brett steht auf zwei (ursprünglich vier) gedrechselten Füssen und ist aus Eichenholz gefertigt. In acht eiförmigen Vertiefungen sind Kartenfiguren und –kombinationen gemalt, auf welche die Spieler im Spielverlauf Einsätze setzen können. Aus Eichenholz gefertigtes Spielbrett "bock spill" aus dem Jahre 1760. Inv.Nr. S-2734 Die Inschrift im Zentrum des Holzgeräts macht deutlich, für welches Spiel das Brett gedacht war: Für das "bock spill" (Poch-Spiel). Die Vertiefungen mit den Kartenmotiven sind jeweils mit Umschriften versehen, die sich auf die Funktion der Figuren beziehen und spielerisch wie keck den Spieler ansprechen. So meint der Zweizeiler zu Figur der "Sau": "Hast du die trump Sau in der Hand, so Zieh das Ihre, ist kein Schand". Das "bock spill" und seine Verwandten Pochen war und ist ein weitgehend auf Glück basierendes Kartenspiel, das sich aus drei voneinander getrennten Spielphasen zusammensetzt. Das Spielbrett wird in den ersten beiden Phasen verwendet. Bevor sie ihre Karten erhalten, legen die Spieler in die Pochfächer ihre Einsätze und hoffen darauf, mit den ihnen ausgespielten Händen die den Fächern zugeteilten Figuren und Kombinationen zu treffen. In der zweiten Phase folgt dann das eigentliche "Pochen", bei dem die Spieler weitere Einsätze setzen, ihre Gegenspieler überbieten und letztlich auch "bluffen" können. Das Pochen dürfte um 1500 aus einer Verbindung von verschiedenen älteren Spielen entstanden sein, bis in die Moderne blieben seine Regeln aber flexibel und regional vielfältig. Verwandt ist es mit dem englischen Kartenspiel Pope Joan oder dem französischen Nain jaune , die beide ebenfalls mit einem Spielbrett mit Fächern für Einsätze gespielt wurden. Das verwandte englische Kartenspiel Pope-Joan. Eine politische Satire. England, 1805. British Museum, London. Es wird zudem vermutet, dass das Pochen einer der Vorläufer des Poker-Spiels war. Neben dem Spielelement des Spekulierens und dem Bieten von Einsätzen verweist die etymologischen Verwandtschaft der Spielenamen (dt. "pochen", frz. "poque", engl. "poker") darauf hin. Der Ausdruck 'Pochen' trug neben seiner heutigen Bedeutung ursprünglich übrigens auch – ganz im Sinne der erwähnten Spiele – den Sinn von "Prahlen" und "Herausfordern". Ausgespielt: Vom Spiel- zum Museumsgegenstand Das Objekt gehörte zur Ausstattung von Schloss Lenzburg . Diese wird heute von der Sammlung des Museum Aargau verwaltet, nachdem der Kanton Aargau 1956 das Schloss erwarb und es später zum Kern des Museums machte. Die Inschrift auf dem Poch-Brett legt nahe, dass das Spielutensil 1760 hergestellt wurde. Das Spielbrett wurde wohl in einer süddeutschen Werkstatt hergestellt. Nahezu identische Exemplare mit jedoch anderer Jahreszahl sind bspw. in Museumsammlungen in München oder Nürnberg zu finden. Bis 1798 residierten die Berner Landvögte auf Schloss Lenzburg, zwischen 1757 und 1765 war dies Bernhard von Diesbach, welcher wie seine Vorgänger und Nachfolger ein Mitglied der Stadtberner Obrigkeit war. Gut möglich, dass der Landvogt selbst dem Glückspiel frönte: Wie das aufwändige, kunstvoll bemalte Spielbrett vermuten lässt, war dies eine durchaus teure Anschaffung und das "Pochen" zugleich auch mehr Erwachsenenunterhaltung denn Kinderspiel. Die rekonstruierte Landvogtstube des Wohnmuseums auf Schloss Lenzburg. © Museum Aargau. Dieser Beitrag wurde im Juli 2019 von Michael Brunner, ehemaliger Praktikant der Sammlung von Museum Aargau, verfasst. Von Michael Brunner Von Michael Brunner Michael Brunner war 2019 Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

 
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Unordnung im Garten: ein Paradies für Nützlinge

Zurück zum Blog 09. Oktober 2020 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Im Herbst wird der Garten auf den Winter vorbereitet. Jedoch sind viele Lebewesen auf eine gewisse Unordnung im Garten angewiesen. Der Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten. Im Laufe des Herbsts werden im Garten die ersten Vorbereitungen für den Winter werden getroffen: ein wenig Ordnung schaffen, gefallene Blätter aufnehmen, verblühte Stauden zurückschneiden, vertrocknete Äste einsammeln. Jedoch sind viele Lebewesen auf eine gewisse Unordnung im Garten angewiesen: Ein bekanntes Beispiel ist der Igel, der sich gerne unter Ästen und Laub ein Winterquartier einrichtet. Weniger bekannt ist, dass viele Wildbienen-Arten auf trockene Pflanzenstängel angewiesen sind. Es ist möglich, ein Bienenhotel zu bauen, aber genauso so gerne nisten sich Wildbienen in alte Pflanzenteile ein. Auch andere Wildtiere schätzen, wenn der Garten ihnen im Winter etwas bietet. Was für uns nach Unordnung aussieht, ist für viele Tiere eine wahre Fundgrube. Deshalb mein Rat: Nehmen sie es nicht zu genau beim Laub rechen, zurückschneiden und weiteren Aufräumarbeiten in ihrem Garten. Von Lea Walzer Von Lea Walzer Lea Walzer ist Gärtnerin auf Schloss Wildegg. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Sanfte Pflege von Sträuchern

Zurück zum Blog 22. Februar 2023 Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Im Garten geht die Arbeit bekanntlich nie aus. Gartenfreunde neigen jedoch manchmal dazu, zu stark in die Natur einzugreifen. Oft ist weniger mehr. Ein gutes Beispiel dafür sind Sträucher: Diese müssen nicht jedes Jahr geschnitten werden. Bei den Sträuchern genügt in der Regel ein Schnitt im Abstand von zwei bis drei Jahren. Schneiden Sie zudem nie mehr als ein Drittel des Strauchs heraus – auch aus Rücksicht auf Vögel, die im Frühjahr zu brüten beginnen. Auf grössere Eingriffe mit Säge und Schere sollten Sie ab Ende Februar generell verzichten. Sträucher, die langsam wachsen, müssen nie oder nur selten geschnitten werden. Sie behalten auch ohne Pflege weitgehend ihre Form. Zu den langsam wachsenden Sträuchern zählen Zaubernuss, Felsenbirne und Magnolien, oder auch schöne einheimische Sträucher wie Pfaffenhütchen, Berberitze und Eibe. Diese Arten sollten weitgehend sich selbst überlassen werden. Entfernen Sie – wenn nötig – nur abgebrochene und faule Teile. Grösser Eingriffe stören den natürlichen Wuchs und richten oft mehr Schaden an als sie der Pflanze nützen. Sträucher, die bereits Anfang Frühling blühen, sollten zudem nicht in der Winterzeit geschnitten werden. Denn mit den Ästen werden in diesem Fall auch die wertvollen Knospen weggeschnitten – die Blütenpracht im Frühling bleibt damit aus. Zu früh blühenden Sträuchern gehören Salweide, Winterschneeball, Kornelkirsche und Hasel – oder auch der gelbe Winterjasmin, der manchmal bereits im November wunderschön über Mauern und Treppen erblüht. Über solche früh blühende freuen sich nach dem Winter übrigens auch die Frühaufsteher im Tierreich. Bieren und Hummeln lieben die nahrhaften Pollen. Tipp: Informieren Sie sich bereits vor dem Kauf von Sträuchern, wie gross diese werden, und wählen Sie eine geeignete Art. Für kleinere Gärten empfehle ich grundsätzlich kleinere Sträucher. So müssen Sie die Pflanzen nicht unnötig schneiden – und die Sträucher können sich möglichst natürlich entwickeln. Von Tanya van der Laan Von Tanya van der Laan Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorie Gartentipp aus dem Wildegger Schlossgarten Kommentare

 
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Winterdienst auf Strassen im 19. Jahrhundert

Zurück zum Blog 07. März 2023 Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Wie wurden im 19. Jahrhundert – komplett ohne motorisierte Schneepflüge und Fräsen – die Strassen von Eis und Schnee befreit? Damals wurde von Hand angepackt oder mithilfe von Schneepflügen aus Holz und Eisen gearbeitet. Ein solcher Schneepflug aus dem 19. Jahrhundert befindet sich in der Sammlung von Museum Aargau . Der Winterdienst Die Schneearbeiten, heutzutage auch Winterdienst genannt, sind eine wiederkehrende aufwendige Arbeit des Winters. Obwohl die Strassen im 19. Jahrhundert nicht so oft wie heutzutage befahren wurden, war die Schneeräumung trotzdem sehr wichtig. Der Winterdienst war im 19. Jahrhundert oft Sache der kantonal angestellten Wegmeister und Wegknechte. Die Schneeräumung in den Siedlungen oblag aber wesentlich den Gemeinden selbst. Das Schneeräumen mit den Schneepflügen des 19. Jahrhunderts war dabei nicht immer einfach. So hatten die Leute mit relativ einfachen Mitteln je nach Winter mit grossen Schneemassen und eisigen Temperaturen zu kämpfen. Die Kunst beim Schneeräumen bestand oft schon darin, die Strasse überhaupt unter dem Schnee zu finden, denn die Wege waren nicht alle gleich gut ausgebaut oder gekennzeichnet. Teilweise waren sie nach starkem Schneefall kaum von der Wiese daneben zu unterscheiden. Dann kam es durchaus vor, dass die Pferde, die die Schneepflüge zogen, bis zur Brust im Schnee standen und durch den Fuhrmann und die mitfahrenden Männer befreit werden mussten. Schönheide im Erzgebirge: Schneepflug von Pferden gezogen, Quelle: Wikimedia. Der Schneepflug der Sammlung Der Schneepflug (93 cm x 18.5 cm x 69 cm) in der Sammlung von Museum Aargau besteht, wie es bei Schneepflügen aus dem 19. Jahrhundert so üblich war, aus Holz und Eisen. Es handelt sich um einen sogenannten Keilpflug. Eine genaue Datierung unseres Schneepfluges ist nicht bekannt. Der Schneepflug aus der Sammlung von Museum Aargau (Inv. Nr. K-18991) © Museum Aargau Die beiden auf der rechten und linken Seite in eine Spitze zulaufenden Brettern bilden einen Keil und sorgen beim Ziehen dafür, dass ein kleiner Pfad im Schnee entsteht. Der untere Teil des Pfluges mit seinen eisernen Kufen hilft dabei, dass der Pflug im Schnee einfacher zu ziehen ist. Mit einem bei diesem Schneepflug fehlenden Zwischenstück wäre wohl die Breite des zu räumenden Pfades einzustellen gewesen. Dieser Schneepflug wurde hauptsächlich von Hand bedient. Zu diesem Zweck wurde ein Seil an dem Haken bei der Pflugspitze angebracht und der Pflug anschliessend gezogen. Der Schneepflug in der Sammlung von Museum Aargau ist unter den Keilpflügen ein relativ kleines Exemplar. Schneepflug Unterseite (Inv. Nr. K-18991) © Museum Aargau Bahnschlitten Es gibt auch grössere Schneepflüge. Ein anderer Name für diese Schneepflüge ist Bahnschlitten. Sie sind auch dreieckig und aus mit Eisen verstärktem Holz. Es besteht die Möglichkeit, vor den Pflug Pferde oder Ochsen anzuspannen. Das hatte beim Schneeräumen allerdings den Nachteil, dass die Tiere vor dem Pflug liefen und so den Schnee zusammenpressten. Historischer Schneepflug aus Holz für Pferdezug. Präsentation auf dem Rosstag Burggen, Oberbayern, Quelle: Wikimedia. Für das Räumen der Strassen und Schlittenbahnen mit solchen Schneepflügen mussten neben dem Fuhrmann und dem Pferdegespann auch weitere Männer mithelfen. Besonders bei ganz einfachen Bahnschlitten waren zusätzliche Personen nötig, da diese nicht verstellt werden konnten. Solche Pflüge konnten weder gehoben noch gesunken, sondern nur mit Steinen oder mit draufsitzenden Personen beschwert werden. Bei etwas komplexeren Bahnschlitten war es möglich, je nach der Schneemenge oder Schneeart die Seiten breiter auszufahren und später im Winter sowie bei grösseren und festeren Schneemassen enger einzustellen. In Extremfällen kam es vor, dass nur noch eine schmale Furt hinterlassen wurde. Im französischen Jura wurde um 1826 ein relativ komplexer Schlittenpflug für das Wegschaufeln des Schnees in den Gebirgen von seinem Erfinder Besson gebaut. Dafür erhielt er sogar einen Preis von 300 Franken. Dieser Schneepflug wurde von 4-5 Pferden gezogen und schaufelte die Strasse in einer Breite von bis zu 2 Klaftern (3.6 m) frei. Der Schnee türmte sich dabei links und rechts zu einer Höhe von bis zu 4 Fuss (ca. 1.2 m) auf. Schlittenpflug zum Wegschaufeln des Schnees in den Gebirgen von Hrn. Besson, Postmeister zu St. Laurent im französischen Jura, Quelle: Polytechnisches Journal, Bd. 20, 1826. Das Ende der Bahnschlitten Mit dem Aufkommen des Automobilverkehrs änderten sich die Ansprüche an den Winterdienst und auch dessen Bedingungen. In der Zwischenkriegszeit begannen die Motorfahrzeuge die Strassen auch im Winter zu befahren, woraus höhere Anforderungen an die Schneeräumung entstanden. Besonders nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Auto zunehmend von der breiten Bevölkerung benutzt, weswegen vielerorts noch vorhandene Bahnschlitten durch moderne Fräsen und Schneepflüge ersetzt wurden. Heutzutage werden für den Winterdienst solche Bahnschlitten mit Pferden nicht mehr gebraucht. Einzig für Feste oder besondere Anlässe kommt es vor, dass Bahnschlitten noch einmal bespannt werden. Von Cedric Zbinden Von Cedric Zbinden Cedric Zbinden ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau. Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Schätze aus der Sammlung Neuzeit Kommentare

Gradian
Eine Frau steht mit einem Handy in der Hand an einem Fluss.
Eine Frau steht mit einem Handy in der Hand an einem Fluss.

IndustriekulTOUR Aabach

Virtuell durch die Industriegeschichte

Erleben Sie die Industriekultur am Aabach zwischen Lenzburg und Wildegg mit dem Smartphone: Die IndustriekulTOUR Aabach ist der erste virtuelle Museumsraum im Kanton Aargau. Treffen Sie Patrons und Fabrikarbeiter aus der Zeit der Industrialisierung!