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Goldener Schatz aus den Tiefen der Gruft Friedrichs von Greifenstein

1891 wurde in der Gruft Friedrichs von Greifenstein in der Klosterkirche Königsfelden einen reich verzierten Prunkgürtel gefunden. Das Objekt ist ein eindrückliches Beispiel spätmittelalterlicher Goldschmiedskunst.

Dieser Prunkgürtel war 2022/2023 in der Sonderausstellung "Die Habsburger im Mittelalter – Aufstieg einer Dynastie" im Historischen Museum der Pfalz Speyer zu sehen. Museum Aargau hatte für diese Ausstellung acht Leihgaben, darunter den Gürtel, gegeben. Erfahren Sie hier mehr über dieses wertvolle Objekt. 

Ritterliche Extravaganz zum Umschnallen

Die Bedeutung des Prunkgürtels geht über den rein ästhetischen Wert hinaus: Der Gürtel ist gleichzeitig Zeugnis der Geschichte der Habsburger-Dynastie, der frühen Eidgenossenschaft, des Aargau und auch der Sammlung Museum Aargau.

Der eineinhalb Meter lange und einen Zentimeter schmale Gürtel fällt durch seine silbervergoldeten Besatzstücke in der Form von hohlen Halbkugeln und durch die kunstvoll gefertigte Schnalle samt Senkel auf. Als der Gürtel gefunden wurde, waren nur noch Fragmente des Originalgürtelbandes vorhanden. Es wurde daher Ende des 19. Jahrhunderts durch eine Kopie ersetzt.

Doch auch vor gut hundert Jahren passierten Fehler: Bei der Restaurierung wurde die Schnalle irrtümlicherweise verkehrt herum angebracht, so dass nun die Rückseite nach aussen zeigt. Das Kleidungsstück hatte wohl hauptsächlich eine repräsentative Funktion; es wurde gar spekuliert, ob der Gürtel ein Insignium des exklusiven, österreichischen Ritterordens "Vom Zopf" gewesen sei.

Habsburger und Eidgenossen in Sempach und im Aargau

Friedrich von Greifenstein war einer von 27 Rittern, die 1386 in der Schlacht bei Sempach mit dem Habsburger Herzog Leopold III. fielen und in der Kirche des Klosters Königsfelden – seit seiner Gründung 1309 die wichtigste Grabstätte der Habsburger – beigesetzt wurden. Zusammen mit Rittern aus Schwaben, dem Elsass, dem Aargau, dem Thurgau und Tirol sowie italienischen, französischen und deutschen Söldnern, war der Adlige aus dem Südtirol seinem Lehnsherrn in den Krieg gefolgt, in welchem die Territorialinteressen der Habsburger und Eidgenossen aufeinanderprallten.

Die Niederlage von Herzog Leopolds Armee in Sempach war entscheidend für die Expansion und Festigung der jungen Eidgenossenschaft. 30 Jahre später (1415) eroberte Bern für die Eidgenossenschaft den Aargau. Das Haus der Habsburger verlor damit den grössten Teil seiner ursprünglichen Stammlande auf dem Boden der heutigen Schweiz.

Geschichtsträchtig und begehrt: Der Gürtel im Museum

Das wertvolle Stück wurde 1891 bei Restaurationsarbeiten in der Klosterkirche entdeckt, als man die Gräber der in Sempach gefallenen Ritter öffnete. Im späten 19. Jahrhundert, als sich im jungen schweizerischen Bundesstaat ein Bewusstsein um die Bedeutung von Altertümern und historischen Kulturgütern entwickelte, stiess der Fund auf grosses Interesse. Er gelangte ins Kantonale Antiquarium in Aarau (und so später ins Museum Aargau), und wurde um 1900 mehrmals restauriert.

Zudem fertigte der landesweit bekannte Luzerner Goldschmied und Kunsthändler Johann Bossard eine Kopie des Gürtels für das erst kurz zuvor gegründete Landesmuseum in Zürich an.

Mysterien des Gürtels

Gänzlich offengelegt sind die Mysterien des Gürtels trotzdem nicht, einiges ist bis heute ungeklärt: War das Skelett, um dessen Hüfte der Gürtel bei seinem Fund gebunden war, tatsächlich jenes von Friedrich von Greifenstein, oder gehörte es einem anderen, in derselben Gruft begrabenen Ritter? Wurde das wertvolle Stück gar erst nachträglich als Grabbeigabe gestiftet? Und handelt es sich bei dem Prunkgürtel wirklich um ein Ordensband?

Trotz – oder gerade wegen dieser offenen Fragen, bleibt der Gürtel eines der spannendsten und begehrtesten Objekte der Sammlung des Museum Aargau. Und so schmückt er heute nicht mehr Ritter und Adelige, sondern Kataloge und Ausstellungen im In- und Ausland.

 

Dieser Beitrag wurde im Mai 2019 von Michael Brunner, ehemaliger Praktikant der Sammlung von Museum Aargau, verfasst.

Von Michael Brunner

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