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Living History im Museum

Das Museum Aargau arbeitet seit Jahren mit Living-History-Darstellern zusammen. Warum wir das tun und was wir daran schätzen.

Living History? Reenactment?

Living History oder Reenactment* sind zwei Begriffe, die eine Darstellung von gewissen historischen Ereignissen (z.B. Schlachten), von bestimmten historischen Persönlichkeiten oder von nicht näher spezifischen Personen, die eine Personengruppe zu einer bestimmten Zeit repräsentieren (z.B. Handwerker im Raum Süddeutschland und auf dem Gebiet der Schweiz im späten 15. Jahrhundert), umfassen.

Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass alle Realien – alle Objekte, Materialien und deren Verarbeitungen – möglichst authentisch reproduziert und präsentiert werden, soweit dies möglich ist. Im besten Falle orientieren sich die Darstellenden an archäologischen Funden, schriftlichen (z.B. dokumentierten Nachlässen, Inventaren, etc.) oder bildlichen Quellen (Bilder oder Skulpturen).

Grösstenteils wird Reenactment als Hobby von den betreffenden Personen betrieben. Nur die wenigsten Handwerker können wirklich von ihren Darstellungen leben. Die Darstellenden sind meist bestimmten Gruppen zugeordnet, die sich einer bestimmten Zeit verschrieben haben: Z.B. Burgundische Artillerie aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert, wie die Company of St. George oder ein Hospitaliter-Heerlager mit weltlichem Gefolge um 1180, wie die comthurey alpinum.

Living-History-Gruppen und Museum Aargau

Die Kernaufgabe eines Museums mit eigener Sammlung ist es, den Sammlungsbestand zu pflegen und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Das Museum Aargau hat sich zur Aufgabe gemacht, die Vermittlung des Kulturgutes besonders lebendig zu gestalten.

Wer schon mal in den Genuss von Workshops oder Führungen gekommen ist, weiss, dass unsere Geschichtsvermittler als Personen aus der Geschichte, in speziell dafür angefertigten Kostümen, auftreten.

Es ist daher ein logischer Schritt gewesen, bei Veranstaltungen diesen Gedanken weiterzuführen. Dabei achten wir darauf, mit qualitativ hochwertigen Gruppen zusammenzuarbeiten. Die Besuchenden erhalten somit eine 'Verlebendigung' einer ansonsten 'nur' über Texte und inszenierten Objekten bestehenden Ausstellung.

Manche Repliken, die die Darstellenden benutzen, kann man als Original in der Ausstellung sehen. Reste von Kleidungsteilen können vollständig und 'in Aktion' am Mann oder der Frau beobachtet werden.

Das Leben von damals so detailtreu wie möglich

Dank der engagierten Living-History-Gruppen ist es einem Museum möglich, einen sehr direkten Eindruck einer bestimmten Zeit auf unterhaltsame Art zu vermitteln. Etwas, dass ein Museum allein so nicht bewältigen könnte.

Natürlich ist uns klar, dass wir hier keine Zeit in ihrer Gesamtheit, mit allen positiven wie negativen Seiten zeigen können. Niemand kann das. Es ist auch nicht der Anspruch einer Veranstaltung. Aber der Besuchende gewinnt ein erweitertes Bild von einer bestimmten Region zu einer bestimmten Zeit unter einem gewissen Aspekt. Und hat Spass dabei – was möchte man als Museum mehr?

 

*Anmerkung: Der Einfachheit halber werden in diesem Artikel Living History und Reenactment synonym verwendet.

Von Lea Schieback

Von Lea Schieback

Kuratorin Ausstellung/Veranstaltung

Lea Schieback ist Kuratorin im Museum Aargau.

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