Corona-Virus: Alle Infos zum Besuch.

Museumsblog

Blog: Geschichte und Geschichten

Legendärer Schlitten aus Aargauer Produktion: Der Küttiger "Frosch"

Der Winterzauber verwandelte auch dieses Jahr das Flachland in eine weiss bedeckte Schneelandschaft. Ausgerüstet mit einem guten Schlitten verlockt da so mancher Hügel und Berg mit einer rasenden Abfahrt.

Obwohl viele zum modernen Bob oder zum berühmten Davoser greifen werden: Einige dürften vielleicht doch den legendären Schlitten nutzen, den der Aargau hervorgebracht hat: den sogenannten "Küttiger Frosch".

Der originale Frosch aus dem 19. Jahrhundert

In der Sammlung des Museums Aargau ruht ein originaler "Frosch" aus dem 19. Jahrhundert, für dessen Herstellung die Gemeinde Küttigen bekannt war. Es handelt sich dabei um einen relativ einfach gestalteten Schlitten. Dieser wurde wohl vor allem von Kindern benutzt. Am unteren Rand der beiden nach vorne geschwungenen Holzstützen sind eiserne Kufen angebracht. Die Sitzfläche aus Holz weist derweil einen charakteristischen Schwung auf. Beim Material handelt es sich sehr wahrscheinlich um stabiles Buchenholz.

Wieso dieser Schlitten den Namen Frosch bekam, ist nicht genau bekannt. Möglicherweise liegt dies daran: Aufgrund der Bauweise bei der Abfahrt mit solch einem Schlitten mussten die Beine ausgestreckt nach oben gehalten werden. Dadurch bekam die darauf sitzende Person quasi Froschbeine.

Der Name des "Froschs" ist auf jeden Fall über Küttigen hinaus bekannt und ist spätestens seit der 1846 von Andreas Dietsch geschriebenen Mundart-Version der Bachfischet-Verse überliefert. Dabei handelte es sich in seiner ursprünglichen Form wohl um eine Art Spottvers der Aarauer Bevölkerung gegenüber den Nachbarn aus Küttigen. Doch, ob etwas abwertend gemeint oder nicht, durch die Verse wurde der Schlitten in der Feier des Bachfischet bis heute verewigt.

Der neue "Frosch" von Christina Rüetschi

Lange Zeit wurde der Schlitten dann nicht mehr hergestellt und konnte nur noch in Sammlungen und versteckt in Privatbesitzen überdauern. Doch in jüngster Zeit wurde dem "Frosch" auch ausserhalb der Versform zu einem zweiten Leben verholfen. Die studierte Produkte- und Industriedesignerin Christa Rüetschi, deren Urgrossvater einst die originalen Frösche herstelle, schuf nämlich im Jahr 2013 eine moderne Variante des Traditionsschlittens.

Das Modell entstand im Verlaufe ihres Studiums und besteht wie das Original im Wesentlichen aus Holz mit Kufen aus Metall. Mit dem leichteren, aber trotzdem strapazierfähigen Eschenholz gelang es ihr, den Schlitten im Vergleich zum Original handlicher zu machen. Die Freiräume zwischen den Streben geben ihm zudem ein luftiges Aussehen. Die neuen "Frösche" wurden dann in einer kleinen Serie in einer Schreinerei in Schaffhausen sorgfältig von Hand hergestellt.

Aargauer Tradition und Innovation

Solch ein bedeutendes Werk konnte sich natürlich die Sammlung von Museum Aargau nicht entgehen lassen. Deshalb erwarb das Museum Aargau ein Exemplar des modernen Schlittens, um dem altehrwürdigen Frosch Gesellschaft zu leisten. Denn als ein Zeugnis des aargauischen Traditionshandwerks und Designs stehen beide Schlitten für die überraschende Vielfalt des Kantons Aargau und dessen weitreichende Geschichte von Handwerk, Kreativität und Industrie.

Um dies zu würdigen sind beide Schlitten 2021 in der Sonderausstellung "Von Menschen und Maschinen" in Windisch zu sehen. Zu sehen sind sie in der Spiegelhalle inmitten von über 150 anderen Aargauer Erzeugnissen aus der Industriegeschichte. Wie auch die Ausstellung selbst widerspiegeln die beiden "Frösche" das interessante Zusammenspiel zwischen Tradition und Innovation des zwar kleinen, doch dynamischen Kantons und Industriestandorts Aargau.

Von Lukas Becker

Von Lukas Becker

Lukas Becker ist Historiker und Praktikant der Sammlung von Museum Aargau.

Kommentare

Kommentar schreiben

Beliebteste Posts

Schnürleib, Strümpfe, Strohhut – So kleidete sich die Dame um 1780

17. Dezember 2020

Kochvideo: Linsen mit Kastanien – Rezept aus der römischen Antike

18. Februar 2021

Kochvideo: Hühnersalat "Sala cattabia" – Rezept aus der römischen Antike

03. Dezember 2020

Instagram