Museum Aargau
5 faszinierende Fakten über römische Münzen
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Zurück zum Blog 28. August 2026 Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Münzgeld verliert heutzutage zunehmend an Bedeutung. Römische Münzen waren bei den Römern hingegen das zentrale Zahlungsmittel und ermöglichten Einkäufe und Handel im ganzen Reich. Doch was macht römische Münzen so besonders und wofür wurden sie verwendet? "Pecunia non olet" – Geld stinkt nicht. Diese Redewendung geht auf Kaiser Vespasian zurück, der zur Finanzierung des Staates eine Steuer auf öffentliche Latrinen einführte. Als sein Sohn Titus die Moral dieser Steuer beanstandete, hielt Vespasian ihm Münzen aus der Steuereinnahme unter die Nase und fragte, ob der Geruch ihn störe. Natürlich nicht, da Münzen per se keinen Geruch haben. Doch was macht römische Münzen sonst aus? Münzen wurden geprägt In Vindonissa wurde 2004 ein Münzstempel gefunden. Die Untersuchung des Münzstempels ergab, dass dieser Stempel zum Prägen von Silber- und Goldmünzen ( denare und aurei ) des Kaisers Tiberius (14 – 37 n. Chr.) benutzt wurde. Der Fund eines Prägestempels ist einerseits aussergewöhnlich, da diese eigentlich sorgfältig aufbewahrt und nach Gebrauch nicht einfach so entsorgt wurden, um einen unautorisierten Gebrauch zu verhindern. Andererseits ist der Fundort in einem Legionslager ungewöhnlich. Münzen wurden normalerweise in Rom oder in anderen offiziellen Münzprägestätten (z. B. in Lugdunum/Lyon) produziert. Vindonissa war also eigentlich keine Prägestätte. Ist dies somit ein Hinweis darauf, dass damit Münzfälschungen hergestellt wurden? Als Beispiel: In der Insula 50 in Augusta Raurica wurden Hinweise zur Produktion von Münzfälschungen sowie Falschmünzen selber gefunden. Diese Münzen waren anstatt aus massivem Silber nur aus versilberter Bronze. Im Gegensatz zu Augst wurden aber in Vindonissa keine direkten Hinweise auf die Produktion von Fälschungen gefunden. Eine andere Erklärung für diesen Umstand ist, dass Münzen nicht nur zentral geprägt wurden, sondern ausnahmsweise auch an anderen Orten. Da die wichtigste Empfängergruppe für Münzen Soldaten waren, wäre es nachvollziehbar, die Münzen dort zu prägen, wo sie auch schnell und in grosser Menge hinmussten. Vindonissa als logistisches Zentrum im Hinterland und in der Nähe der Truppen an der Rheingrenze wäre dafür prädestiniert gewesen. Die Rohform der Münze (Schrötling) wird zwischen zwei Stempel gelegt und durch einen gezielten Hammerschlag geprägt. Münzen wurden als Propagandamittel genutzt Die Münzen im Römischen Reich wurden in offiziellen Prägestellen geprägt und erlaubten es, die Bevölkerung bis in die hintersten Winkel des Reiches zu erreichen. Römische Münzen zeigten meist das Porträt der aktuellen Kaiser auf der Vorderseite und auf der Rückseite oft militärische Erfolge, Bauwerke, Götter oder Personifikationen. Münzen wurden in Serien geprägt und die darauf abgebildeten Kaiser lassen sich eindeutig bestimmten Regierungszeiten zuordnen, was es Numismatikerinnen und Numismatikern (Münzwissenschaftlerinnen und Münzwissenschaftler) ermöglicht, einen Herstellungszeitraum zu bestimmen. Dem Kaiser wiederum ermöglichte es, bis in die Provinzen Propaganda zu betreiben. So nutzte Kaiser Augustus die Münzprägung beispielsweise gezielt als Werbeträger seiner kaiserlichen Selbstdarstellung. Durch die wiederholte Abbildung eines jugendlichen, kraftvollen Feldherrn präsentierte er sich selbst als ewig jungen und entschlossenen Sieger. Auf den Münzen erschienen neben seiner eigenen Gestalt aber auch militärische und aussenpolitische Erfolge, sodass das gesamte Reich ständig über seine Siege informiert wurde. Gleichzeitig legitimierte er damit seinen Herrscherstatus, indem er seine Leistungen öffentlich machte. Münzprägestempel, gefunden in Vindonissa für die Prägung von Münzen des Kaisers Tiberius. © Kantonsarchäologie Aargau Münzen wurden ausbezahlt und verschenkt Der Eintritt in die Legion brachte viele Vorteile mit sich. Einer davon war der gute Lohn. Nach dem einmaligen Eintrittsgeld erhielten die römischen Legionäre in der Kaiserzeit meist dreimal pro Jahr ihren Sold ( stipendia ) ausbezahlt. Zu Zeiten von Kaiser Domitian, gegen Ende des 1. Jh. n. Chr., verdiente ein Soldat etwa 1200 Sesterzen. Konnte man sich zum Fahnenträger hocharbeiten, verdiente man sogar das Doppelte (2 400 Sesterzen) und als Centurio sogar das 15‑fache (18 000 Sesterzen). Die Soldaten mussten davon bis zu zwei Drittel für Versorgungskosten abgeben, etwa für Waffen, Kleidung und Verpflegung. Die Legionäre erhielten nicht nur Sold, sie hatten auch Anrecht auf Kriegsbeute oder erhielten Geldgeschenke ( donativa) , welche der Kaiser unter den Soldaten verteilte. Manche donativa waren Ausdruck von Dankbarkeit für erhaltene Gefälligkeiten und andere waren Bestechungen für zukünftige Gegenleistungen. Überwiegend wurden sie zum Regierungsantritt eines Kaisers ausgezahlt. Es gab aber auch andere Möglichkeiten, sich als Soldat etwas dazuzuverdienen. Ein Beispiel ist das Verleihen von Geld mit Zinsen, wie es eine Schreibtafel aus Vindonissa bezeugt. Auf dieser Schreibtafel beglaubigen fünf Zeugen mit Siegel, dass Lucius Haterius Marius dem Sextus Carisius Maximus am 25. Januar 90 n. Chr. für dreissig Tage Geld lieh. Der Text ist durchgestrichen, womit der Schuldner vermutlich das Geld ordnungsgemäss zurückerstattet hatte. © Kantonsarchäologie Aargau Auch bei der ehrenvollen Entlassung aus dem Dienst ( honesta missio ) wurden Legionären nach ihrer 25-jährigen Dienstzeit Geld ausbezahlt, mit dem Vorteil, dass Veteranen dann von Steuern und anderen Verpflichtungen gegenüber dem Staat befreit waren. Münzen wurden aufbewahrt Münzen für den täglichen Bedarf trugen die Römer und Römerinnen in einer Geldbörse mit sich. Dies war oft ein kleines Säckchen aus Leder oder Stoff, welches mit einer Kordel verschlossen wurde. Man konnte diesen Beutel an einem Gürtel oder um den Hals tragen. Es gibt seltene Funde von metallenen "Handgelenksgeldbörse", welche vermutlich von Legionären getragen wurden. Solche wurden zum Beispiel in Südmähren (CZ), in York (UK) sowie in Vindonissa gefunden. Links: Beispiel einer "Handgelenkgeldbörse" aus einer Kupferlegierung aus York (UK), vermutlich aus dem 2.-3. Jh. n. Chr. © York Museums Trust/Wikimedia Commons. Rechts: Eine "Handgelenksgeldbörse" aus Bronze. © Kantonsarchäologie Aargau Aber auch das ersparte Geld musste an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. So gibt es Beispiele für persönliche Spardosen. Diese wurden häufig aus Ton in verschiedenen Formen hergestellt oder aus Tontöpfen umfunktioniert, wie ein Beispiel aus Vindonissa zeigt. Den Spartopf nannte man aulularia, die Verkleinerungsform von aula (Topf), also Töpfchen. Krug aus Ton, der zu einer Sparbüchse umfunktioniert wurde. © Kantonsarchäologie Aargau In den Legionslagern wurde das Geld für die Soldzahlungen, wie zum Teil auch die Ersparnisse der Legionäre, in einem Tresorraum aufbewahrt. In Vindonissa konnte der Tresorraum der 21. und 11. Legion ausgegraben werden. Dieser befand sich unter dem Fahnenheiligtum , da dies einer der bestbewachten Orte im Legionslager war und der Feldzeichenträger auch dafür verantwortlich war, die Gelder der Soldaten zu verwalten und zu bewachen. Münzen wurden mitbestattet Während des 1. Jh. n. Chr. war in Vindonissa Brandbestattung üblich. Seltener wurden Menschen zu dieser Zeit auch körperbestattet. Wieso gewisse Menschen körperbestattet wurden, könnte folgende Gründe haben: Aus kulturellen Gründen (Zuwanderung aus einer Region, in der Körperbestattung üblich war). Die Bestatteten waren Aussenseiter der Gesellschaft. Die Bestatteten waren zu arm für ein reguläres Begräbnis. Die Bestatteten waren Menschen, die als junge Erwachsene zu früh verstorben sind und bei denen somit der normale/übliche Lebenskreislauf nicht vollendet wurde. Typische Beigaben bei Körper- und Brandbestattungen waren persönliche Gegenstände, Geschirr, Speisen, Öllämpchen, sowie Münzen. Manchmal wurden Münzen bei Bestattungen dem Verstorbenen in den Mund gelegt, damit der Verstorbene im Jenseits den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Totenreich bezahlen konnte. Nur im Mund kam die Münze sicher bis dahin mit. Diese Begräbnissitte haben die Römerinnen und Römer von den Griechen übernommen. Obolus für den Fährmann Charon für die Überfahrt ins Jenseits. © Kantonsarchäologie Aargau Verwendete und weiterführende Literatur Doppler, H. W., Pauli-Gabi, T. und Peter, M.: Der Münzstempel von Vindonissa. Jahresbericht / Gesellschaft Pro Vindonissa 2004. https://doi.org/10.5169/seals-282942 Hintermann, D. (Hrsg.) Vindonissa-Museum Brugg. Ein Ausstellungsführer 2012. S. 63-68 und S. 156-164. Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum Frühmittelalter 5: Römische Zeit. Bäder – Reben – Legionen. SPM V 2002. S. 179-186 und S. 332-355. Von Chiara Huwiler Von Chiara Huwiler Chiara Huwiler ist Praktikantin Museumsarbeit in Vindonissa Ähnliche Artikel finden Sie hier: Kategorien Römerzeit Römische Geschichten aus Vindonissa Kommentare